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Sieben Kolosse

von Eccho
GeschichteRomance, Horror / P18 / MaleSlash
Eren Jäger Levi Ackermann / Rivaille
04.01.2021
09.08.2021
32
155.513
46
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Dieses Kapitel
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05.07.2021 5.525
 
27. Abaddon

Der Tag neigte sich dem Ende zu und Finsternis verschlang das Licht. Seit der ersten Begegnung mit Abaddon waren mehrere Stunden vergangen. Levi und Eren waren nicht lange alleine gewesen, nachdem sie kraftlos und bebend auf dem Boden zusammengebrochen waren. Hanji hat versucht, aus ihnen rauszubekommen, was passiert war, doch Eren hat einen Nervenzusammenbruch erlitten und direkt zu weinen begonnen, woraufhin Levi mit glasigem Blick den Kopf geschüttelt hatte. Es war ihnen unmöglich auszusprechen, was sie gesehen hatten.

Man mochte meinen, dass sie bei dem ganzen Grauen, dem ihr in ihrem Leben begegnet waren, Abaddons … Anblick … besser verkraftet hätten, doch dem war ganz und gar nicht so. Sie wurden nicht wahnsinnig, wie die Frau oder der Junge, doch sie waren mit den Nerven am Ende und Paranoia hatte sich in ihren Gedanken breitgemacht.

So auch jetzt, als Sie am Hügel auf dem Boden saßen, Arm in Arm, eine Decke um die Schultern gelegt, bebend und mit glasigem, misstrauischen Blick auf den Wald gerichtet. Eren lehnte gegen Levis Brust, wurde sogar von dessen Armen gegen sie gedrückt, doch das unterband ihr Zittern nicht. Sie versuchten zu verdrängen, was sie gesehen und gehört hatten, doch der Anblick, das Kreischen von Armins Pferd und der Geruch wollte sie nicht loslassen.

Vier Pferde hatte das Scheusal gefressen. Vier Pferde auf seinen widerlichen Zahnreihen zerfetzt. Doch es verlangte nach mehr. Die Wurzeln ragten nach wie vor hin und wieder aus dem Wald und streckten sich nach Levi und dem Schwert, das ihnen so viel Schmerz bereitet hatte. Es wusste, wo er sich befand. Es spürte die Anwesenheit des Schwertes wie Behemoth es getan hatte. Davon angesehen, dass sie noch nicht einmal wussten, wo sich die Schwachstelle dieses Wesens befand, konnten sie es noch nicht einmal ablenken, da es sofort wissen würde, wenn Levi sich auf dem Weg zu dem Siegel machte.

//Glaubst du, dass das Holz brennt?//, fragte Eren ihn plötzlich und schniefte wieder leise. Er hatte zwar zu schluchzen aufgehört, aber er weinte seit Stunden stumm weiter.

//Wir müssen es austesten//, gab Levi düster zurück und fühlte, dass auch über seine Wange eine heiße Träne lief.

Ihre Angst und die Paranoia, dass das Monster näher kommen oder seine Wurzeln doch weiter strecken konnte, war erdrückend. Es half auch nicht, dass gut die Hälfte von Levis Squad um sie herumsaß und abwechselnd Abaddon und sie mit Sorge betrachteten.

„Hanji“, sprach Levi und merkte, wie heiser er eigentlich war. Und das, obwohl er nicht die ganze Zeit geweint hatte.

Schritte näherten sich und jemand ging neben ihnen in die Hocke. Der Dunkelhaarige hätte aufgesehen, doch die Angst, dass der Wald plötzlich doch auf sie zuschoss, war zu groß, um den Blick von ihm zu nehmen.

„Ja?“, fragte Hanji schließlich dicht neben Levi.

„Haben wir Öl oder Alkohol da?“, fragte der Dunkelhaarige und es war für kurze Zeit still.

„Beides. Willst du den Wald in Brand setzen?“, fragte sie und der Dunkelhaarige nickte. „Dann werden wir größere Mengen brauchen.“

„Wo sollen wir die hernehmen? Wenn wir zum Königreich zurückkehren, könnten sich uns unsere Feinde bei unserer Rückkehr in den Weg stellen“, gab Armin zu bedenken.

„Wir sollten austesten, ob es überhaupt möglich ist“, meinte Eren mit belegter Stimme und wandte seinen Kopf. Seine Augen waren derart gerötet und geschwollen, dass ihr Anblick den Älteren schmerzte.

„Wir könnten eine Brandbombe basteln und sie in den Wald werfen“, schlug Connie vor woraufhin Jean sich gleich zu Wort meldete. „Und wie willst du nahe genug an den Wald herankommen, ohne von den Wurzeln geschnappt zu werden?“

„Ich werde es ablenken. Mit dem Schwert. Sofern es sich nicht von der Stelle bewegen kann, reicht es, wenn ich in sicherer Entfernung davor stehen bleibe“, sagte Levi und eine Welle der Panik schwappte von Eren zu ihm hinüber.

„Das darfst du nicht!“, rief er aufgebracht. „Wenn es dich fangen sollte, wird es dich zur Mitte schleifen und dann-!“

Weiter kam er nicht, als seine Nerven vom Neuen brachen und er zu schluchzen begann. Levi vergrub eine Hand in den braunen Strähnen und drückte den Jungen an sich. Eren lag nun halb umgedreht in seinen Armen und klammerte sich an ihn, während er haltlos zu weinen begann. Auch Levi verschleierten Tränen die Sicht, als die Gefühle des Braunhaarigen ihn überwältigten, sodass er seine Lider schloss und sie einfach laufen ließ.

Niemand der Anwesenden sagte etwas, oder bewegte sich von der Stelle, während Eren sich langsam wieder beruhigte. Als der Junge Stunden zuvor vor ihrer Augen den ersten Nervenzusammenbruch erlitten hatte, waren sie in heller Aufregung gewesen und hatten ihn zu beruhigen versucht, doch mittlerweile war ihnen klar, dass sie absolut nichts machen konnten, um ihre Lage zu bessern. Darum wollten sie wenigstens mit ihrer körperlichen Nähe zeigen, dass sie die Zwei nicht in dieser Situation alleine ließen, und beide waren ihnen für diese Geste dankbar.

//Du weißt, dass wir etwas machen müssen …//, begann der Dunkelhaarige nach einer Weile, woraufhin Eren sein Gesicht an dessen Brust vergrub.

//Ich weiß. … ich will dich nicht verlieren …//, wimmerte er leise und verstärkte die Umarmung.

Levi strich ihm durchs Haar und seufzte schwer, während er auf den Wald blickte. Dieser verfluchte Wald, der so unscheinbar und friedlich aussah.

//Ich wünschte, ich könnte dir versprechen, ewig bei dir zu bleiben, aber … in unserer Welt hatten wir noch nie diese Garantie. - Deswegen haben wir überhaupt nach einer Lösung zur Vernichtung der Titanen gesucht. Damit alle ein sicheres und friedliches Leben führen können. Aber … unsere Welt ist nicht friedlich. Sie ist grausam. Das war sie schon immer.//

In Levi stiegen Erinnerungen an seine Kindheit hoch. In der Untergrundstadt zu überleben war ein täglicher Kampf. So viele gaben auf und welkten in den Schatten dahin. Kaum einer von ihnen schaffte es an die Oberfläche, als ob es ihre Bestimmung wäre, dort unten geboren zu werden und zu sterben. Als ob sie nie ein Recht auf ein Leben gehabt hätten.

Der Dunkelhaarige blickte auf, als Eren den Kopf hob und bestimmte: „Ich werde mich verwandeln und die Brandbombe auf den Wald werfen. Dann müssen weder die anderen noch du sich in Gefahr bringen.“

Levi sah stumm in die grünen Iriden, die er so liebte, und nickte schließlich.

„Na gut“, stimmte er zu, bevor er zu Connie sah. „Wie schnell kannst du die Bombe bauen?“

„Gebt mir fünf Minuten“, sagte der Junge motiviert und sprang sofort auf.

Sollte der Test erfolgreich sein, müssten sie auf irgendeine Weise zu viel Alkohol oder Öl oder beidem gelangen. Zum Königreich zurückzureisen stand außer Frage. Bis sie wieder zurück wären, würde bereits ein feindliches Heer auf sie warten. Somit standen ihnen nur die umliegenden Dörfer zur Verfügung. Levi graute es, zu jenem Dorf zurückzukehren, doch im Falle des Falles blieb ihnen keine andere Wahl, und niemand würde sagen können, wie der Besuch dort ausgehen würde.

oOo

Rascheln erfüllte die Nacht und wurde vom Knacken des brennenden Holzes wie auch dem wütenden Kreischen von Abaddon begleitet. Levi stand auf dem Hügel und sah zu, wie der Gott voller Panik und Zorn versuchte mit seinen Wurzeln zu löschen, während Eren gemächlich in der Titanengestalt zu ihnen zurückkehrte.

Noch einmal kräftigte Levi den Griff um das Schwert, ehe er es über den Kopf hob. Der Lichtstrahl zeigte in Richtung des Gottes und in der Dunkelheit des Waldes leuchtete das Siegel auf. Dieses war nicht wie die anderen kreisrund, sondern bedeckte den ganzen Baum, der verwaist auf der einen Lichtung stand. 15-20 Meter würde er vom Waldesrand aus überwinden müssen, um zu ihm zu gelangen.

Es stand außer Frage, dass er noch einmal mit einem Pferd reinritt, doch mit der 3D-Manöver-Ausrüstung könnte er den Baum erreichen. Gerade wenn dieser zusätzlich von Brandbomben abgelenkt war, würde er weniger seinen Fokus auf Levi richten und ihm somit weniger Wurzeln in den Weg stellen. Damit hätte er eine realistische Chance den Gott zu töten, doch dafür bräuchten sie mehr brennbare Stoffe.

//Willst du höflich fragen oder sie überfallen?//, fragte Eren ihn, nachdem er dem Nacken des Titanen entstiegen war und den Hügel hinaufkam. Zu sehen, dass der Wald brennen konnte, hatte ihn um einiges beruhigt.

//Äußerst misstrauisch und vorsichtig, höflich fragen. Vielleicht haben sie verwertbare Informationen für uns//, antwortete Levi und blickte zu Eren. Jetzt, wo sie wieder ruhiger waren, konnte er klarer denken und wachsamer agieren.

„Hanji und ich reiten ins Dorf. Ihr bleibt hier“, bestimmte Levi und wandte sich zu seinem Trupp um. Dann griff er nach dem Schwert und hielt es Mikasa entgegen, sodass sie es an sich nehmen konnte. „Sollte es schief gehen, werdet ihre es über Eren erfahren. Sucht dann nach einer anderen Lösung und zieht euch zur Not zum Königreich zurück.“

//Es gefällt mir nicht, dass du mit Hanji alleine dorthin gehst//, hörte er Eren lamentieren, ehe sich eine Hand auf seinen Rücken legte.

Kaum hatte Mikasa das Schwert entgegen genommen, wandte Levi sich zu Eren um und wurde von diesem umarmt. Zögerlich erwiderte er die Umarmung und sagte: „Wenn wir nichts tun und die Zeit verschwenden, wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier sterben, größer.“

„Ich weiß“, entgegnete der Junge kleinlaut und verstärkte die Umarmung, ehe er sie komplett löste. „Komm wieder zurück zu mir.“

„Ich gebe mein bestes“, versprach Levi und hauchte dem Braunhaarigen einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, bevor er sich abwandte und mit Hanji zu den Pferden ging.

Wortlos zogen sie ab, ritten gemächlich zu dem Dorf, während das Licht es Feuers langsam verlosch. Zugegeben, sie waren müde und die Sehnsucht nach Erens Nähe war zehrend, doch sie würden keinen Schlaf finden. Nicht solange dieses Monster noch lebte.

Dichte Nebelschwaden wie auch eine unangenehme Kühle begrüßte sie, als sie durch das karge Land ritten. Schon bald verließen sie den toten Wald und erreichten eine mit Gras bewachsene Ebene. In 1-2 Stunden würden sie das Dorf erreichen und hoffentlich konnten sie wenigstens mit einem der Bewohner reden.

Eren war in den letzten Stunden Levis unsichtbarer Begleiter gewesen und hatte mit ihm geredet, doch nun war er selbst dafür zu ausgelaugt und der Ältere teilte seine Erschöpfung. Dennoch war er wach genug, um sich bald auf das Gespräch konzentrieren zu können. Hanji war ebenfalls stumm, doch sie hatte im Gegensatz zu Eren und Levi zuvor ein paar Stunden schlafen können.

Der Morgen graute, als sie das Dorf erreichten. Es wirkte verlassen, wie beim letzten Mal, doch schon bald tauchten wieder die Gesichter in den Fenstern auf. Sie starrten sie wie seelenlose Puppen an, als die beiden die Hauptstraße entlang ritten. Schon bald kam ihnen der Mann, der beim letzten Mal mit ihnen geredet hatte, hastig entgegen. Es schient so, als wäre er gerade eben aufgeweckt worden und hätte sich rasch umgezogen.

„Sie sind zurückgekehrt“, sagte er, dieses Mal ohne Lächeln. Jetzt, wo es heller war, erkannte Levi, wie blass der Mann eigentlich war. Er hatte dunkle Schatten unter den Augen und wirkte ausgelaugt.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte er und rang sich zu einem höflichen Lächeln durch.

„Wir müssen reden“, sagte Levi ernst und spürte, dass eine Welle der Anspannung von Eren herüber kam, ehe der Junge sich wieder zu beruhigen versuchte und in Gedanken eine Entschuldigung wisperte.

„Jetz- N-natürlich“, sagte der Mann, bevor er hinter Levi und Hanji blickte und rief: „Ihr könnt wieder in eure Häuser zurück. Es ist alles in Ordnung!“

Levi sah über seine Schulter und stellte mit Schrecken fest, dass die Menschen hinter ihnen auf der Straße standen. Noch unheimlicher war die Art, wie sie sich abwandten und ihre Häuser zurückkehrten, als ob sie wahrhaftig Marionetten wären.

„Folgen Sie mir“, sagte der Fremde nun etwas selbstbewusster und ging voran.

Hanji schenkte Levi einen vielsagenden Blick, ehe sie dem Mann gemächlich hinterher ritten. Sie erreichten ein Haus mit Hof und banden ihre Pferde Nahe einer Tränke an. Auf dem Hof befanden sich einige Hühner und Ställe. Wenn man von der unangenehmen Atmosphäre und den lethargischen Menschen absah, könnte man das hier für ein normales Dorf mit Bauerhöfen ansehen. Andererseits, die Felder, die sie bei ihrer Ankunft passiert hatten, waren nicht all’ zu groß gewesen, doch für die Bewohner schien es zu reichen.

Sie betraten das Haus und folgten dem Mann zu einem großen gemütlich eingerichteten Raum mit Kamin. Der Mann wandte sich zu ihnen um, um ihnen etwas zu sagen, als er abermals hinter sie blickte und meinte: „Sebastian, was machst du hier unten? Ich sagte doch, dass du in deinem Zimmer bleiben sollst.“

Der Junge musterte Levi und Hanji mit ängstlichem Blick und wimmerte: „Kreise.“

„Bitte, entschuldigen Sie mich“, meinte der Mann und ging an ihnen vorbei, um den Jungen, der das Wort mit kleinen Pausen wiederholte, an der Schulter aus dem Raum zu führen. Er redete beschwichtigend auf ihn ein und schob ihn mit sanfter Gewalt in Richtung der Treppe. Erst da wurde Levi bewusst, dass der Mann der Vater des Jungen war.

„Bitte entschuldigen Sie meinen Sohn. Sebastian war nicht immer so“, sagte der Mann, kaum dass er wieder das Zimmer betrat. „Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“

„Nein, wir bleiben nicht lange“, lehnte Hanji höflich ab und der Mann wies ihnen, sich auf das Sofa zu setzen.

Sie kamen der Aufforderung nach und der Mann nahm ihnen gegenüber Platz. Es folgte ein Moment der unangenehmen Stille, ehe der Mann wieder das Wort ergriff.

„Wir müssen Sie beim letzten Mal verschreckt haben. Wissen Sie, wir bekommen nicht oft Besuch. Eigentlich … haben wir seit einigen Jahren keine Fremden mehr gesehen. Ich halte noch per Brieftaube Kontakt zu den Nachbardörfern, doch man erfährt selten Neues. Daher denke ich, dass ihre Durchreise und der jetzige Besuch kein Zufall sind. Und, da Sie keine Forderungen an uns gestellt haben, glaube ich auch nicht, dass Sie zum Kult gehören.“

Levi war über diese Offenheit überrascht. Der Mann musste sich in den letzten Stunden einige Gedanken darüber gemacht haben, wer sie waren und warum sie hier waren.

„Wie stehen Sie zu dem Wald?“, fragte er daher frei heraus und spürte abermals Erens Anspannung.

Der Mann wurde blasser als er bereits war und schaute sich nervös um, ehe er Levi direkt in die Augen sah und sprach: „Ich nehme an, da Sie mich zu unverwandt darauf ansprechen, wissen Sie bereits, was er ist.“

„Das tun wir“, bestätigte Hanji ernst.

„Ich rate Ihnen, ihm fernzubleiben. Er ist sehr gefährlich“, betonte der Mann und lehnte sich etwas zurück.

„Ich war bereits dort“, sagte Levi, woraufhin der Mann kreidebleich wurde. „Ich weiß  nun, was Kreise bedeutet.“

Die Augen des Mannes weiteten sich und sein Blick huschte zur Zimmerdecke, wo er wohl seinen Sohn vermutete. Man konnte sehen, wie sich die Rädchen in seinem Kopf zu drehen begannen.

„Er hat Sie gehen lassen?“, hakte er angespannt nach und Levi entspannte sich etwas mehr, da er wegen Erens ständigen emotionalen Einfluss beinahe zu zittern angefangen hätte.

„Unfreiwillig. Ich habe mich frei geschnitten“, erklärte er kühn, ohne je durchblicken zu lassen, was er tatsächlich fühlte.

„Ge-“, keuchte der der Mann, verstummte jedoch sofort. Erneut huschte sein Blick zur Zimmerdecke, bevor er sich etwas nach vorne lehnte und wisperte: „Wer sind Sie?“

Es entstand eine kurze Pause, in der Levi überlegte, wie offen er antworten sollte. Eren riet ihm vehement davon ab, da er Angst um den Dunkelhaarigen hatte, doch dieser entschied für sich selbst.

„Kennen sie die Legende von dem Jungen, der die Flammen des Zorns in sich trägt und den Nachkommen Ragnaroks erwecken wird?“

Der Mann nickte benommen.

„Ich bin der Nachkomme“, erklärte Levi freiheraus woraufhin der Mann so aussah, als würde er einen Anfall erleiden.

Er würgte, keuchte und legte sich eine Hand über den Mund, bevor er sich erhob und zum Fenster taumelte. Dort stand er eine Weile ruhig und regungslos, bis er nach einer gefühlten Ewigkeit die Stimme erhob.

„Glauben Sie an Bestimmung?“

Es war eine rhetorische Frage, da der Mann sofort weitersprach.

„Ich habe den Großteil meines Lebens nicht daran glauben wollen. Als ich noch ein Junge war, sagte mir mein Großvater, dass es meine Bestimmung sei, eines Tages dieses Dorf hier zu führen. Bis dahin hatte es nie eine Art Anführer gehabt und auch nicht gebraucht, da alle sehr familiär miteinander waren. Wir haben zusammen in dieser tristen Gegend gewohnt, und niemanden schien es zu stören. Niemanden bis auf mich.“

Er wandte sich ihnen wieder zu, blieb jedoch beim Fenster.

„Ich habe oft versucht von hier wegzugehen, doch es hat mich immer etwas zurückgehalten. Unser Leben hier war ruhig, aber wann immer ich meine Sachen gepackt habe oder dabei war, es zu tun, ist etwas passiert, das mich hier bleiben ließ. Bei meinem letzten Versuch kam meine nun verstorbene Frau zu mir und sagte mir, dass sie mit meinem Sohn schwanger war. Und da begann ich es zu glauben. Es war … ein schwacher Glaube, doch er war da.“

Er kehrte zum Sofa zurück und nahm gegenüber von Levi und Hanji Platz.

„Und dann passierte, was uns lange zuvor weißgesagt wurde. Irgendwann, bevor der Nachkomme Ragnaroks den Gott Abaddon töten wird, würde eine Art Krankheit das Dorf befallen und Abaddon würden Opfergaben dargebracht werden. – Niemand von uns gehört dem Kult an. Auch wenn wir so nahe bei ihm wohnen, sind wir nicht seine Diener, sondern viel mehr Wächter, die versuchen unwissende Reisende von ihm fernzuhalten. Mit unserem Dorf sind es genau 10 Dörfer, die um den Gott und dem toten Wald herum als Grenzposten dienen. Das war unsere eigentliche Aufgabe.“

Er lehnte sich frustriert zurück, während Levi mehr und mehr verstand, was hier eigentlich vor sich ging. In der Nacht, in der dieser Mann sich so darum bemüht hatte, sie zu bleiben zu bewegen, wollte er sie vor Abaddon schützen.

„Doch dann … gingen mein Sohn und ein paar weitere Jungen aus diesem Dorf in den Wald. Sie wussten, dass er gefährlich war. Sie wussten, dass er lebte, aber … sie gingen dennoch hinein. Damals nahm ich im ersten Moment an, es würde sich um jugendlichen Leichtsinn handeln, aber … es war ihre Bestimmung gewesen. Abaddon fraß die anderen Jungen und ließ meinen Sohn gehen. Als er zurückkam war er verwirrt und sagte von da an, nur ein Wort.“

„Kreise“, hauchte Levi und der Mann nickte.

„Ich weiß eigentlich bis heute nicht, was dieses Wort in dem Kontext bedeutet, aber … ich denke es hat etwas mit dem Tod von Sebastians Freunden zu tun gehabt. Und, wenn ich ehrlich bin, … will ich es gar nicht wissen.
Jedenfalls … er war wieder zurück und es schien - abgesehen von der Trauer um die anderen Jungen -  wieder Normalität einzukehren. Bis meine Frau plötzlich verstummte. Sie war freundlich und sanftmütig gewesen, doch all’ das verschwand mit ihrer Veränderung. Sie wurde so wie die anderen Bewohner des Dorfes jetzt sind. Aber sie war nicht die Einzige. Aus jeder Familie begann sich ein Mitglied auf diese Weise zu verändern. In diesem Dorf wie auch in den anderen neun Dörfern. Als wir uns mit den anderen Dörfern austauschten und ihre Kunde erhielten, wussten wir, womit wir es zu tun hatten.
In dieser Nacht … verließ meine Frau und alle anderen, die gewandelt waren, das Dorf. Andere und ich versuchten sie aufzuhalten, doch weder konnten wir auf sie einreden, doch sie festhalten. Selbst die schwächsten von ihnen waren unglaublich stark und schleuderten uns einfach weg. So blieb uns nichts anderes übrig, als am Rand von Abaddon stehen zu bleiben und mit anzusehen, wie unsere Liebsten im Schatten der Bäume verschwanden. Wenige Tage später veränderten sich auch die restlichen Dorfbewohner. In jedem Dorf war es so. Jeder bis auf einer, der sie führt, wurde von dieser Krankheit befallen, darauf wartend, mit dem Gott in den Tod zu gehen.“

„In den Tod?“, keuchte Hanji ungläubig und drückte somit auch Levis Gefühle aus.

Der Mann nickte. „So ist unsere Bestimmung. So wie es Ihre ist, die Götte zu töten und Ragnarok zu erwecken. Wir können unserem Schicksal nicht entfliehen. Ganz gleich, wie sehr wir es auch versuchen. Irgendwas hält uns immer auf dem Pfad.“

Das waren wenig erfreuliche Neuigkeiten. Andererseits … sie hatten es schon lange gewusst, wollten es nur nicht wahr haben. Auch jetzt, wo Levi es schon längst akzeptiert hatte, wollte es ein Teil von ihm bis zu eben diesem Augenblick nicht wahrhaben. Dabei war es so offensichtlich gewesen. Spätestens als sie Behemoth getötet und versucht hatten, vor der schwarzen Kugel zu fliehen. In diesem Moment, in dem diese schwarzen „Seile“ sie eingeholt und in ihren Körper eingedrungen waren, war ihm klar geworden, dass sie ihrem Schicksal nicht entkommen konnten. Egal, wie schnell sie liefen oder welche Alternativen sie sich einfallen ließen, am Ende passierte doch immer, was weisgesagt worden war.

„Also … wie kann ich Ihnen helfen? Sie sind doch sicher nicht ins Dorf gekommen, um sich die Lebensgeschichte eines alten Mannes anzuhören“, sagte der Mann und lehnte sich etwas nach vorne.

„Wir …“, begann Hanji und sah kurz zu Levi an, da scheinbar auch sie von der Offenheit des Fremden überwältigt war. „Haben sie Alkohol oder Öl, das sie entbehren können?“

Der Mann hob die Braue, lehnte sich dann zurück.

„Wir haben zwar Alkohol und Öl, aber es wird für Ihr Vorhaben - wenn ich Sie richtig verstehe - nicht reichen. Wir heizen mit Torf, den wir jährlich in den südlich liegenden Sümpfen abbauen. Der brennt sehr gut, und wir haben mehrere Lager voll davon“, sprach er Mann weiter.

„Dürfen wir uns an ein oder zwei Lagern bedienen?“, fragte Hanji, woraufhin der Mann nickte.

„Nehmt euch, was ihr braucht. Ihr könnt meinen alten Karren aus der Scheune mitnehmen. Ich habe für ihn keine Verwendung mehr“, sagte der Mann und erinnerte Levi an die vorige Offenbarung, dass alle Dorfbewohner mit Abaddon sterben werden.

Obgleich sie nicht bei ihrem Tod anwesend sein werden, werden sie mit dem Gott viele unschuldige Menschen töten. Sich dessen bewusst zu werden, war eine riesige Belastung für Levi wie auch Eren und beide begannen zu zweifeln, ob sie ihr Vorhaben überhaupt umsetzen sollten. Natürlich wollten sie die Menschheit von der Unterdrückung durch die Titanen, den Kultisten und den Göttern befreien, doch zu welchem Preis? Wie viele Unschuldige würden sterben müssen, weil sie diesem Pfad folgten? Und wie viele würden sterben, wenn sie es nicht täten?

„Danke. Dann werden wir uns bedienen. Wo finden wir die Lager?“, wollte Hanji wissen und riss den Dunkelhaarigen aus seinen Gedanken. Sie hatten zwar ihr Ziel erreicht, doch das Gespräch hatte einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen, der sich nicht so leicht wieder vertreiben ließ.

„Direkt hinter der Scheune. Sie sind nicht zu übersehen“, sagte der Mann und er ernster wurde und hinzufügte: „Ich wünsche Ihnen bei Ihrem Vorhaben viel Erfolg. Leben Sie wohl!“

„Danke!“, erwiderte Levi und sprach nach kurzem Zögern Worte des Abschieds aus, bevor Hanji und er sich zum Gehen wandten.

Das Wissen, das sie soeben erlangt hatten, war erdrückend und die Welt schien fahler, als sie ihre Pferde und den Karren holten. Hanji musste ebenso fühlen, denn sie schwieg ebenfall, während sie die Lager aufsuchten und die Torfblöcke auf den Karren luden. Selbst Erens Gedanken blieben stumm, da es nichts mehr zu sagen gab.

Ihr Rückweg war von Schweigen erfüllt, das erst dann gebrochen wurde, als sie zur Gruppe zurückgekehrt waren. Während einer kurzen Unterredung beschlossen sie, gegen Abend den Kampf gegen den Gott anzutreten und sich bis dahin auszuruhen. So lagen Eren und Levi Arm in Arm in ihrem Zelt und versuchten zu schlafen. Das war bei der Gewissheit, dass sie heute viele Menschen töten würden, und der Angst vor dem Gott, der für ihren Geschmack ihnen viel zu nahe war, gar nicht so leicht.

Beide waren am Ende ihrer Kräfte, doch die Sorge und Furcht hielt sie nach wie vor wach, sodass sie erst nach einer weiteren Stunde einschlafen konnten. Als sie geweckt wurden, fühlten sie sich gerädert, rafften sich dennoch auf, mit der Gewissheit, dass sie wenigstens danach ihren Frieden finden würden.

„Also noch einmal … Connie, Jean, Mikasa, Armin und Sasha, ihr unterstützt Eren und zündet die Torfblöcke an. Hanji, du wartest hier und holst mich, nachdem die schwarze Kuppel verschwunden ist. Eren, du näherst dich der Kuppel, sobald sie erscheint, komm dem Feuer aber nicht zu nahe. Und der Rest geht sicher, dass er nicht von der Kuppel berührt wird. Wir brauchen keine weitere Person, die unsere Verbindungen teilt“, sagte Levi und erhielt nur grimmiges Nicken zur Antwort.

Eren sah ihn an, als wollte er ihm noch etwas sagen, doch sein Mund wie seine Gedanken blieben stumm.

„Wir sehen uns später“, versicherte Levi ihm, worauf der Braunhaarige auf ihn zukam und ihn küsste, als ob es das letzte Mal wäre.

Unter anderen Umständen hätte die Gruppe bei dem Anblick protestiert oder freche Kommentare abgegeben, doch angesichts des bevorstehenden Kampfs sagte niemand etwas. Die Gruppe trennte sich. Eren ging mit den anderen zu dem Pferd, das an den Karren gespannt war und zog von dannen. Levi und Hanji blieben alleine auf dem Hügel zurück.

Der Dunkelhaarige wandte sich ab und ging zum Rand ihres Lagers, um auf Abaddon zu blicken. Dieser wirkte so friedlich und unscheinbar wie zuvor. Selbst die Stelle, an der letzte Nacht das Feuer gebrannt hatte, war wieder grün. Daraus konnte man schließen, dass ein zufälliges Feuer, das durch einen Blitzeinschlag entstehen konnte, kein Problem für ihn war. Hingegen, viele Feuerbälle würden ein Problem für ihn werden, denn der Torf brannte wirklich gut wie auch lange und Eren würde mit der Attacke gnadenlos sein.

„Nicht mehr lange“, hörte er Hanji sagen und schaute zu ihr, bevor er ihrem Blick folgte. Eren hatte sich bereits verwandelt und die Gruppe steuerte den abgemachten Ort an, von dem aus sie Abaddon angreifen würden.

„Gehe nicht näher an den Wald heran als Eren“, erinnerte Levi seine Freundin, als sie sich auf den Weg machten.

„Keine Sorge, ich werde eure traute Zweisamkeit nicht stören“, versprach Hanji und konnte sogar frech lächeln. Manchmal war sie selbst in solchen Situation gegen Ernsthaftigkeit resistent.

Sie näherten sich den Wald so weit es sicher war und warteten auf Erens Signal.

//Ich fange an//, hörte er Eren sagen und wandte sich Hanji zu.

„Eren fängt an“, gab er an sie weiter, worauf sie nickte und sich zum Gehen wandte.

„Bleib ja am Leben“, riet sie ihm und er schenkte ihr ein Nicken, während er das Schwert zog.

Das Kreischen des Waldes ließ seinen Kopf wieder nach vorne schnellen, ehe er ihn nach rechts drehte und die Flammen erblickte. Die Blätter raschelten unheilvoll, als er ganze Wald zum Leben erwachte, um das Feuer auszumachen, doch weitere brennende Torfblöcke folgten. Levi wartete noch einen Moment, musterte wachsam dem Wald vor sich, ehe er sich ihm näherte und die Anker seiner 3DMA abschoss.

Mit einem Ruck wurde er in den Wald hineingezogen und feuerte erneut die Anker ab, um sich mit hoher Geschwindigkeit dem Baum zu nähern. Seine Gasflaschen waren voll und er hatte nicht vor, mit ihnen den Rückweg anzutreten, weshalb er nun auf Geschwindigkeit setzen konnte. Diese brauchte er, denn nach gut zwei Metern des Vordringens reagierte Abaddon auf seine Nähe und attackierte ihn von allen Seiten mit seinen Wurzeln und Ranken.

Erens Plan ging jedoch auf, da es wesentlich weniger als bei ihrer Flucht aus dem Wald waren. Jene, die sich ihm in den Weg stellten, schnitt er ganz leicht in Stücke, während er jenen, die von links oder rechts kamen, mit halsbrecherischen Manövern auswich. So zog er sich zu einem Baum und musste im Flug den Körper nach hinten lehnen, um nicht mit einem massiven Ast zu kollidieren. Schnell begab er sich wieder auf Kurs und erblickte schemenhaft in der Ferne den Baum, der zwischen den anderen Bäumen sichtbar aufleuchtete.

Gute fünf Meter von Levi entfernt bildeten die Ranken plötzlich eine Mauer, die der Dunkelhaarige durchschneiden wollte, als von rechts ein Stück brennender Torf geflogen kam. Dieser traf Levi an der Seite, sodass dieser laut fluchend seinen grünen Umhang lösen und zurücklassen musste.

//Er verwendet den Torf gegen mich!//, rief er Eren in Gedanken zu, als er aus dem Augenwinkel mehrere Flammen erblickte.

//Das erklärt, warum sich das Feuer urplötzlich in deine Richtung ausgebreitet hat. Was soll ich tun?//, kam es mit einer Welle der Panik zurück.

//Bleib ruhig und hör auf, ihn zu bewerfen. Gib ihm nicht noch mehr Munition. Ich bin gleich da//, entgegnete Levi unruhig und wich den kleinen Feuerkugeln so gut es ging aus.

Abaddons und sein Problem war, dass der Torf gut kleben blieb, da er noch mit etwas Öl angereichert war. Es erschien ihnen eine gute Idee zu sein, als sie wenige der Blöcke darin getränkt hatten, doch nun erkannten sie die Schattenseite daran. Das erinnerte ihn daran, dass man bei Schlafmangel keine Pläne schmieden sollte. Denn nun musste er dafür Sorge tragen, dass er nicht in Flammen aufging. Vielleicht war seine schwarze Kleidung, die aus Kuroryos Federn gefertigt wurde, feuerfest, doch sie bedeckte nicht seinen ganzen Körper.

Mit der 3DMA konnte er einigen Feuerkugeln gerade so ausweichen, auf dass er die Hitze des Feuers nahe an seinem Rücken spürte. Er zog sich nach rechts, an einem Baumstamm vorbei und hoch in die Baumkronen. Abaddon folgte ihm mit den brennenden Ranken und weitete damit das Feuer nur noch mehr aus. Es schien so, als wäre es ihm egal, dass er sich so eben selbst verletzte, da er Levi durch die Baumkronen ins Freie folgte und dabei die eigenen Blätter anzündete.

Für eine Sekunde schwebte Levi in der Luft, die Ranken unter sich, bevor er die Anker seiner 3DMA direkt auf die Ranken, die eine Kuppel um den Baum bildeten, abschoss und sich mit rasender Geschwindigkeit zu ihnen hinzog. Von unten drangen mehrere brennende Ranken aus dem Blätterdach und schnappten nach dem Dunkelhaarigen. Eine der Ranken schlang sich um Levis Bein, war aber schnell mit dem Schwert abgetrennt, sodass der leblose, brennende Teil vom Knöchel glitt und in die Tiefe fiel.

Bevor er mit der Rankenmauer kollidierte, holte er zum Schlag aus und durchschnitt den Wall. Vor ihm tat sich ein dunkles Loch auf, in dessen inneren der Baum aufleuchtete. Auf diesen schoss er nun zu, das Schwert erhoben, als er im fahlen Licht Wurzeln aus dem Boden schießen sah. Diese schnellten auf ihn zu und drohten ihn aufzuspießen.

Levi reagierte schnell und durchschnitt die Wurzeln, doch eine hatte ihn am Hals erwischt und die Haut dort aufgeschnitten. Die Schmerzen waren stark, doch der Wille, diesen Überlebenskampf endlich zu beenden, war größer, sodass Levi noch im Fall mit dem Schwert ausholte und es tief in die Rinde des Baumes versenkte.

Ein Kreischen, gleich dem von Akkorokamui, erfüllte den Wald, auf dass ein schmerzhaftes Stich durch Levis Ohren drang. Danach hörte er bis auf ein hohes Piepen gar nichts mehr. Die Kuppel löste sich, sodass der Nachthimmel und das Feuer wieder zu sehen waren. Der Dunkelhaarige erkannte, dass er sich weit oben am Baum befand, dessen Licht nun langsam verlosch. Rasch zog er das Schwert aus der Rinde und sah, dass schwarzes Blut aus ihr drang.

//Er ist besiegt//, informierte er Eren, während er sich auf den Waldboden hinab ließ. //Und ich bin verletzt.//

//Ich spüre es//, kam es vom Braunhaarigen, der erstaunlich ruhig war. Erst da merkte Levi, dass wieder eine Art Schock eingesetzt hatte und beide gefühlstot waren. Erschöpft lehnte er sich am Baum an und beobachtete, wie sich das Feuer um ihn herum ausbreitete. Er musste von dort weg, doch der direkteste Weg aus dem Wald führte durch die Flammen. Wenn er dort zusammenbrach, war er erledigt, während er hier auf der Lichtung hoffen konnte, dass ihn das Feuer nicht vor Hanji erreichte.

Auf einmal hüllte ihn pure Schwärze ein und er erkannte, dass die schwarze Kugel aus dem ehemaligen Siegel drang. Friedliche Musik erfüllte die Umgebung und Levi sank langsam zu Boden. Er fühlte sich so ruhig und sicher, wie schon seit Wochen nicht mehr, während warmes Blut in seinen Kragen floss und Brust und Schulter besudelte. Nun wurde ihm auch bewusst, dass es seine Bestimmung war Ragnarok zu erwecken, und es war okay. Alles war okay.

//Die Kuppel löscht das Feuer//, hörte er Erens Stimme aus der Ferne in seinen Gedanken hallen.

//Das ist gut//, erwiderte Levi benommen mit geschlossenen Augen. Er fühlte sich mehr und mehr wie in Watte gepackt und merkte, dass eine Energie in seinen Körper eindrang, doch es war okay. Alles war in Ordnung. Alles …

oOo

Die Gruppe zog schweigend durch das Land. Sie waren zuvor an dem Dorf vorbeigekommen und hatten viele Menschen am Boden liegen gesehen, doch sie hatten einfach ihren Weg fortgesetzt. Eren und Levi lagen auf dem Karren, Arm in Arm und schlafend. Die Wunden des Dunkelhaarigen waren weniger dramatisch zu versorgen gewesen als sie ausgesehen hatten und mit der Medizin und Hanjis Betreuung würden sie es gut zum Königreich zurückschaffen.

Sie glaubten, ihr Albtraum hätte nun ein Ende gefunden. Mit Abaddons Tod hatten sie genug Titanen getötet, um weniger in Furcht leben zu müssen. Soweit die Theorie. Wie sie naiv sie waren, würden sie sehr bald lernen, denn der richtige Albtraum fing erst jetzt an.

tbc

Ich denke, dass der letzte Satz genug sagt. Vor einer Weile habe ich manchen von euch angekündigt, dass es einen Gott gibt, der der Schlimmste von allen ist. Abaddon habe ich damit nicht gemeint.

Vielen Dank für die vielen (auch für ältere Kapitel geschrieben) Reviews! Ihr wisst, dass ich mich sehr über euer Feedback freue. Danke!

Musiktipp:

Beyond the Ghost - Becoming one with Darkness
Revolt Production Music – Demons
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