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What happens in the shadows

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
03.01.2021
03.01.2021
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03.01.2021 3.941
 
Hallo allerseits, nachdem ich im Dezember alle drei Staffeln der Denver-Clan Neuverfilmung „Dynasty“ geschaut habe, kam mir die Idee zu dieser Kurzgeschichte.
Leichte Kost, so wie die Serie. Ich hoffe der Zweiteiler gefällt Euch.


What happens in the shadows


Kapitel 1:

Liam irrte durch das obere Stockwerk des riesigen Hauses. Fallon hatte einmal etwas von 16 Schlafzimmern gesagt. Unfassbar. Jetzt musste er an diese Flut von Türen klopfen, um die richtige zu erwischen und sie zu finden. Er hatte in die Schein-Ehe mit der Carrington-Tochter eingewilligt, damit seine Familie diesen Deal abschließen konnte und er endlich der Sohn für seine Eltern war, den diese sich wünschten. Dass Fallon vielmehr den ehemaligen Chauffeur Michael heiraten wollte, stellte sich als knifflige Situation heraus, denn seine Mutter roch den Braten bereits. Dennoch hoffte er, Fallon noch für sich gewinnen zu können, denn ihm war nicht entgangen, wie sie ihn ansah.
Es war bestimmt schon die 15. Tür, an die er inzwischen klopfte. Als er keine Antwort erhielt, trat er einfach ein und bemerkte erst, dass auch dies die falsche Tür gewesen war, als er dem Sohn des Hausherrn gegenüberstand.

Atemlos blickte er auf den zusammengesunkenen Mann im Sessel und wollte schon zu einer Entschuldigung ansetzen. Doch diese wollte nicht über seine Zunge, denn die Körpersprache des Schwarzhaarigen sprach dafür, dass etwas nicht stimmte. Sein Oberkörper war vornübergebeugt, in den Händen hielt er ein halbvolles Glas Whisky, in das er mit großen, glasig wirkenden Augen starrte. Neben ihm im Kamin knisterte ein Feuer, welches den Raum in eine saunaähnliche Wärme hüllte.
„Steven?“ entfuhr es Liam, „was machst du hier? Ich meine… tut mir leid, dass ich mich in der Tür geirrt habe. Ich bin auf der Suche nach Fallon.“
Von seinem Gegenüber kam keine Reaktion, die geweiteten, abwesenden Augen starrten in die bernsteinfarbene Flüssigkeit. Dann drehte er das Glas in den Händen und rieb sich über die Augen, als wolle er eine hartnäckige Halluzination vertreiben.

„Du meinst meine Halbschwester?“ fragte er nun und seine verwaschene Sprache deutete darauf hin, dass dies nicht sein erstes Glas Whisky an diesem Abend war. Ungewöhnlich, dachte Liam irritiert, denn es war ihm nie zuvor so vorgekommen, als ob Steven sich dem Alkohol verschrieb. Es würde sicher einen Grund geben, aber er wollte keine schlafenden Hunde wecken, deshalb zog er es vor, nicht auf die seltsame Formulierung dieser Frage einzugehen. Stattdessen stellte er ihm eine Gegenfrage: „Wo ist Sam?“
Steven prustete verächtlich und es wurde deutlich, dass das frisch vermählte Paar seine erste Krise durchlebte. „Hast du das Desaster bei der Babyparty etwa nicht mitbekommen?“
„Nein...“ erwiderte Liam gedehnt, „ich habe es vorgezogen, Fallon in der Gegenwart von Michael nicht zu stören, denn sie scheint seine Anwesenheit meiner vorzuziehen… was verständlich ist“ fügte er leise hinzu, „schließlich existiert unsere Ehe nur auf dem Papier und wird annulliert, sobald der Vertrag zwischen meinen Eltern und CA unterzeichnet ist.“

Steven lehnte sich langsam zurück, schlug die Beine übereinander und blickte Liam an. Sein Arm lag auf der Lehne, während er das Glas zwischen den langen schlanken Fingern drehte. Um sein rechtes Handgelenk hingen zwei Bänder, eines aus Leder und eines aus schwarzen Steinen. Liam war nicht sicher, ob sie ein Geschenk von Sam waren und wurde durch Stevens nächste Aussage erneut aus dem Konzept gerissen: „Sieht so aus, als ob wir beide die verlassenen Ehemänner wären.“
Liam räusperte sich. „Was meinst du?“ In seinen Augen sprach der Schwarzhaarige in Rätseln, was er dem erhöhten Alkoholspiegel zusprach. Er hatte die Krawatte abgelegt und die oberen beiden Knöpfe seines schneeweißen Hemdes geöffnet. Die Hitze durch den Kamin war kaum auszuhalten und Liam wollte sich am liebsten umdrehen und wieder gehen. Mit einem Blick auf Steven hob dieser die Schultern und deutete auf den Platz neben sich. „Leistest du mir etwas Gesellschaft? Ich möchte heute Abend niemanden von meiner Familie und aus diesem Haus sehen.“
Liam zögerte. Sein Plan, schnell zu verschwinden, verblasste. Etwas musste den sonst so bodenständigen Mann aus der Fassung gebracht haben, er glaubte sogar Tränen in dessen Augen schimmern zu sehen, doch das konnte auch an dem Schein des Feuers liegen. Und da er ihn als einen der wenigen ehrlichen Menschen dieses Carrington-Clans einstufte, ließ er sich darauf ein. Langsam kam er näher und nahm neben Steven auf dem braunen Ledersofa Platz. Dessen Augen beobachteten jede seiner Bewegungen und nun wollte Liam wissen, woher das leicht bittere Lächeln und die Ironie in seinem Blick kamen.
„Was ist passiert, Steven?“ fragte er direkt.
Das bittere Lächeln wurde breiter und der Glanz in den dunklen Augen verstärkte sich. „Blake… ist nicht mein Vater!“

„Was?“ rief Liam entsetzt aus und beugte sich nach vorne. „Wie kommst du denn darauf?“
Steven hob beide Arme und der dunkelblonde Mann trug Sorge, dass er den Whisky dabei verschütten würde. „Anders´ Tochter hat eine Szene gemacht und vor allen Anwesenden erzählt, dass ihr Vater eine Affäre mit meiner Mutter gehabt und sie sogar ein Kind zusammen hätten. Alexis konnte ihre Glaubwürdigkeit beinahe zerschlagen, doch da schaltet sich auch noch Anders persönlich dazwischen und gibt alles zu.“
Steven stieß ein Prusten aus, das sich beinah wie ein Schluchzen anhörte.
Liam schüttelte nur verständnislos den Kopf und wartete mit aufmerksamen Augen darauf, dass der Schwarzhaarige weitersprach. „Er hat alles zugegeben… Anders!“ Er schüttelte den Kopf, „er hat zugegeben, mit Alexis ein Kind zu haben und das ist nicht Fallon… sondern ich.“
Scharf sog er die Luft ein und rieb sich das Gesicht. „Ich kann es noch immer nicht glauben. All die Jahre… ein einziger Schwindel…“

„Meine Güte…“ brachte Liam hervor und war sichtlich geschockt von dieser Auskunft. Er wusste, dass in diesem Clan vieles im Argen lag und bei weitem nicht immer die Wahrheit gesagt wurde, aber das hier war ein Schlag ins Gesicht. „Sie hätten es dir viel früher erzählen müssen“ murmelte er mehr zu sich selbst, obwohl er ahnte, dass dieses Geheimnis sicher für immer begraben bleiben sollte.
„Melissa hat sich daraufhin von uns abgewandt“ führte Steven weiter aus, „ihre ganze Schwangerschaft und dass das Kind von mir sei, stellte sich als Schwindel heraus. Sie wollte damit nur an Geld aus unserem Vermögen kommen.“ Erneut schüttelte er den Kopf, wollte die quälenden Gedanken loswerden. „Es ist alles so verrückt, dass ich es selbst nicht glauben will!“ Er stützte sich mit den Ellbogen auf die Knie und wandte Liam sein Gesicht zu. „Gibt es überhaupt noch ehrliche Menschen auf dieser Welt?“ stellte er sich selbst die Frage und ergänzte: „In welche Familie bin ich da nur hineingeboren worden? Ich gehöre nicht hierher…“
Liam hob die Hand und drückte ihm tröstend die Schulter. Das musste wirklich ein Schlag in die Magengrube sein. „Sag so etwas nicht. Du hast immer noch Sam.“

Statt einer Antwort stürzte Steven den Rest seines Glases hinunter und stand auf. Er ging zu dem runden Tisch und füllte sich Whisky aus dem Glaskrug nach. Dann befüllte er ein zweites Glas, ging damit zu Liam und reichte es ihm.
Dieser hob zunächst ablehnend die Hand. „Nein danke.“
„Komm schon. Das ist das wenigste, das ich für dich tun kann, wenn du dir schon mein Gejammer anhören musst.“ Er grinste und diesmal wirkte es nicht bitter, sondern natürlich, wie man es von ihm gewohnt war.
Auch Liam lächelte und nahm das Glas schließlich entgegen. Er hob es und prostete ihm zu. „Na dann auf das Gejammer zweier enttäuschter Ehemänner.“

Steven setzte sich wieder neben ihn und schaute ihn aus seinen großen, dunklen Augen an, die so ehrlich dreinblickten, wie Liam es selten bei jemandem gesehen hatte. Trotz des alkohollastigen Glanzes wirkten sie seltsam klar. Überhaupt passte dieser junge Carrington ohne die gängigen Allüren so gar nicht in die weit verzweigte Verlogenheit in dieser Familie. Da fiel ihm der Bericht von eben wieder ein und sein Lächeln erstarb. „Es tut mir sehr leid, was du da heute erfahren musstest.“
Der Schwarzhaarige verzog die Mundwinkel und nickte. „Ja das… hat den ganzen Intrigen in diesem Haus noch die Krone aufgesetzt. Blake war auch wie vor den Kopf gestoßen, das habe ich ihm angesehen.“ Mit gesenktem Kopf starrte er wieder in sein Glas.
„Du solltest mit ihm reden“ sagte Liam mit sanfter Stimme. „Schließlich war er die ganzen Jahre über… dein Vater.“
„Ja, das sollte ich wohl. Aber im Augenblick… muss ich das selbst erst einmal verdauen.“
„Und was ist mit Sam?“ fragte Liam noch einmal vorsichtig, bevor er einen kleinen Schluck trank, denn diese Antwort war ihm Steven bislang schuldig geblieben. Der Whisky brannte in seiner Kehle und hinterließ eine angenehme Wärme.
Steven gab ein leises Schnauben von sich. „Der hat sich so sehr auf das Baby fixiert, dass er für sich eine Auszeit braucht.“

Der Dunkelblonde fühlte sich betroffen. In dieser Familie lief so viel schief, dass er froh war, nicht wirklich dazuzugehören. Auch wenn seine Mutter es ihm nicht immer leicht gemacht hatte, besaß das hier doch ganz andere Ausmaße.
Während er nachdenklich in sein Glas blickte und dem Knistern des Feuers lauschte, weil er nicht wusste, was er sagen sollte, trank Steven seines ein weiteres Mal aus. „Du solltest nicht so viel trinken“ riet Liam, auch wenn er nicht belehrend klingen wollte, „dann geht es dir morgen noch schlechter.“
Der Angesprochene fuhr sich in gebeugter Haltung durch die Haare. „Vermutlich hast du Recht.“ Seine Aussprache war noch undeutlicher als zuvor. Aber es erfolgte kein Vorwurf seinerseits, keine abfälligen Bemerkungen, dass Liam das nichts anginge oder sich zum Teufel scheren sollte. Steven war stets ein Gentleman mit guten Manieren.

Beide verharrten in angenehmem Schweigen, während Steven dem zunehmenden Brennen in seinen Augen mit steigendem Alkoholspiegel immer machtloser gegenüberstand. Dennoch empfand er die Anwesenheit von Liam nicht unangenehm, bemühte sich aber weiterhin, nicht in Tränen auszubrechen. Zu viel war heute auf ihn eingestürzt, sein Vater war in Wahrheit nicht sein Vater und sein frisch angetrauter Ehemann hatte sich von ihm zurückgezogen, weil er ihm das versprochene Kind doch nicht schenken konnte. Steven hätte es so gerne getan, es war nicht seine Schuld. Melissa hatte ein mieses Spiel gespielt und, wie so viele andere auch, nur das Vermögen der Carringtons im Sinn gehabt. Dass Anders anstelle von Blake sein Vater war, erklärte nun in aller Deutlichkeit, warum er sich in den Machenschaften dieser Familie nie wirklich wohl gefühlt hatte. Dennoch hatte Blake ihn großgezogen und ihm stets zur Seite gestanden, während er mit allen anderen stets hart ins Gericht gegangen war. Auch bezüglich seiner sexuellen Gesinnung hatte er ihm nie Vorwürfe gemacht oder ihn deshalb schlecht behandelt.
„Es tut mir leid“ hörte er Liam murmeln und wurde dadurch aus seiner tiefen Trübsinnigkeit geholt. Erst jetzt bemerkte er, dass eine Träne in das leere Glas in seinen Händen getropft war. Eilig stellte er es beiseite und lehnte sich wieder zurück, um seinem Gast in die Augen schauen zu können. „Was würdest du an meiner Stelle jetzt tun?“
In den großen, fast schwarzen Augen glänzten Tränen und gewährten Liam einen tiefen, ungefilterten Einblick in seine Seele. Irritiert wollte er den Blick abwenden, doch er konnte es nicht. „Ich weiß es nicht…“ stammelte er und glaubte zu spüren, wie Steven in ihn hineinblickte und dort nach der ersehnten Antwort suchte.
In Wahrheit jedoch suchte er etwas anderes, nur ein Funke, der ihm vermittelte, das Richtige zu tun, wonach ihn das watteartige Gefühl in seinem Kopf gerade trieb. Langsam hob er einen Arm und legte die Hand auf Liams Wange ab. Die grünblauen Augen starrten ihn beinahe entsetzt an. Steven wurde vom Alkohol geleitet. Er sehnte sich nach Harmonie und Frieden, während ihn einfach jeder aus diesem verfluchten Haus daran erinnerte, unter welchen Lügen er aufgewachsen war. Für einen sensiblen Mann wie er es war, war dies kaum zu ertragen.
Aber Liam war anders. Er war rein, wohnte dieser Familie nur durch einen Vertrag bei und war im Grunde ein Außenseiter, der seinen eigenen Weg ging – unbeeinflusst von den Machenschaften der Carringtons.

Steven nutzte die kurze Starre in dem Körper des anderen aus und hauchte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen. Doch schon schrie die Stimme der Vernunft in seinem Kopf auf und er zuckte zurück. „Tut mir leid“ murmelte er, „ich bin total durcheinander.“
Gerade wollte Steven aufstehen, um sich ein weiteres Mal nachzuschenken, da packte Liam ihn am Handgelenk. Er musste noch einmal in diese dunklen Augen schauen und irgendetwas finden, das ihn als Intrigant entlarvte; als Verräter seiner Familie oder Sam gegenüber, um ihnen mit einem Fehltritt nur eins auszuwischen.
Doch da war nichts dergleichen… der ehrliche, offene Blick voller Reue konnte seinem kaum standhalten. „Es tut mir leid…“ flüsterte Steven noch einmal. Er rechnete damit, dass Liam ihm sogleich die Faust ins Gesicht rammen würde und er würde sich nicht wehren. Er hatte es verdient, vergraulte er doch auch den letzten Menschen, der ihm noch kein Messer in den Rücken gerammt hatte.
Er erwartete kein Verständnis und schon gar nicht, dass ihn die treuen und ehrlichen Augen trotz allem offen und ehrlich anblickten.

Bis vor einer Minute hätte Liam nie gedacht, etwas Positives dabei zu empfinden, von einem Mann geküsst zu werden. Doch dieses kurze Gefühl, so weich und warm und voller Zärtlichkeit, zu der Steven zweifellos fähig war, verschlug ihm den Atem. So wie er ihn ansah, bereute er den Kuss zutiefst, doch Liam wollte ihm sagen, dass er das nicht musste. Außerstande, den großen Augen zu entfliehen, wisperte er kaum hörbar: „Tu das noch einmal.“ Er war nicht in der Lage, seiner Stimme mehr Festigkeit zu verleihen, doch Steven hatte ihn verstanden. Ein irritiertes Funkeln durchzog für eine Sekunde seinen Blick, wurde jedoch schon bald vom Schleier des Alkohols wieder überschattet. Noch einmal näherte sich Steven ihm daraufhin, langsam und zögernd in der Sorge, einen Fehler zu begehen und Liam nur einen Anlass zu geben, ihn zu beschimpfen, zu schlagen oder von sich zu stoßen.
Sie starrten sich in die Augen, ihre Nasenspitzen berührten sich fast und ihre Augen waren fest aufeinander gerichtet. Liam war der erste, der sie schloss, als der Hauch von Stevens warmem, alkoholgeschwängerten Atem sein Gesicht streifte. Leichter Schwindel und ein heftiger Schauer in seinen Eingeweiden signalisierten ihm, wie positiv dieses Empfinden war.
Und dann spürte er sie noch einmal, diese unglaublich zärtlichen Lippen des Schwarzhaarigen, die sich auf seine legten, zunächst ohne sich zu bewegen. Trotz des Whiskys in seinem Blut, welcher das Verlangen noch verstärkte und die tadelnden Gedanken in Schweigen hüllte, hielt Steven sich zurück. Liam war nun derjenige, welcher die Lippen zuerst bewegte und in einem Anflug von Sauerstoffknappheit aufgrund seines hämmernden Herzschlags den Mund öffnete und tief seufzend einatmete. Als der Hauch warm über sein Gesicht und kühl über seine feuchten Lippen streifte, war es um Stevens Selbstbeherrschung geschehen. Seine Hand fuhr in den Nacken des Dunkelblonden und sein Atem stieß in den geöffneten Mund vor sich, bevor er die letzten Selbstzweifel beiseiteschob und ihn gierig zu küssen begann.

Oben und unten schien nicht mehr zu existieren Liam hätte nicht sagen können, ob er gerade saß oder lag oder sich in einem Karussell mit wilden Loopings befand. Letzteres beschrieb am ehesten das Gefühl, das in seinem Kopf herrschte. Nichts hatte mehr Bestand, außer den Berührungen von Steven, die so unglaubliche zärtlich und gleichzeitig so fordernd waren, dass es ihn schwindelte.
Mit einem Rest vernünftigen Denkens löste sich Steven noch einmal von ihm und senkte den Blick, wobei er noch mit der Stirn an Liams lehnte. „Du solltest gehen. Ich habe kein Recht, meine aufgewühlten Gefühle auf dich zu übertragen. Ich habe getrunken… werde jetzt eine Dusche nehmen und dann zu Bett…“ Der Rest seines Satzes verlor sich an den Lippen des anderen, die seine beinah hungrig erkundeten. „Nein“ keuchte Liam und küsste ihn nun seinerseits verlangend. Mit beiden Händen fuhr er in die schwarzen Haare und umfasste liebevoll seinen Kopf. Er wollte das nicht aufgeben, was ihn gerade so angenehm durchströmte. „Du machst nichts falsch…“ keuchte er leise, „wir machen nichts falsch. Du bist gerade getrennt und ich nur auf dem Papier verheiratet.“
Der Schwarzhaarige reagierte nicht, starrte ihn weiterhin nur an, weil sein Verstand die Worte kaum erfassen konnte.
„Bitte Steven“ flüsterte Liam und berührte mit den Fingerspitzen die glatt rasierte Wange. Die großen dunklen Augen drückten so viel Gefühl aus; dieser liebevolle Mann hatte es nicht verdient, enttäuscht zu werden. „Du bist ein wunderbarer Mensch!“
Steven erkannte in dem Grünblau seines Gegenübers so viel Ehrlichkeit, wie es ihm selten entgegengebracht wurde. Liam war offenherzig und ehrlich, so wie er…

Er gab den Widerstand auf und verwickelte Liam in einem weiteren zärtlichen Kuss, der ihn Raum und Zeit vergessen ließ. Dann jedoch stand Steven noch einmal auf, um die Tür abzuschließen. Er konnte kaum gerade laufen, in seinem Kopf rauschte der Alkohol und die Begierde nach diesem Mann, welche ihm noch vor ein paar Minuten nie in den Sinn gekommen wäre. Als er wieder vor Liam stand, zog er sein teures Hemd aus und warf es achtlos zu Boden. Der Kamin und der Whisky erhitzten ihn ebenso wie das Verlangen nach Liam, der doch eigentlich hetero war.
Aber so wie seine Augen ihn gerade mit diesem Glanz anblickten, konnte es nicht falsch sein.
Kurzerhand stieg er auf seinen Schoß und drängte ihn rücklings auf das Ledersofa.  Unter einem weiteren, gierigen Kuss öffnete er das karierte Hemd des Dunkelblonden und strich über die ebenfalls erhitzte Haut. Liam keuchte atemlos und seine Hände griffen in das schwarze Haar, um ihn ganz nah an sich zu ziehen. Sein Kuss war gierig und verlangend, als ob er ohne diese Verbindung zu ertrinken drohte, was Steven trotz seines benebelten Zustandes deutlich wahrnahm und auch den letzten Rest an funktionierendem Verstand in seinem Kopf zum Erliegen brachte. Er schob seine rechte Hand zwischen ihre Leiber und strich über die deutlich spürbare Wölbung. Liam bog den Kopf in den Nacken und keuchte auf. Es war unbegreiflich, was er hier gerade empfand. Fast wäre auch der Name des Schwarzhaarigen stöhnend aus seiner Kehle gedrungen, doch das konnte er sich  mit einem Biss auf die Lippen gerade noch versagen.
Aber Steven spürte es, er spürte die Hingabe deutlich, die Zeichen der Lust waren unverkennbar und es war längst zu spät, um sich Gedanken zu machen. Kurzerhand öffnete er die Hose des unter ihm Liegenden und fuhr mit der Hand hinein, was Liam damit beantwortete, dass er die Nägel beinah schmerzhaft in seinen Rücken bohrte. Doch das ließ die Lust bei Steven nur sprunghaft ansteigen. Er umschloss die Mitte des Dunkelblonden und drängte sich gleichzeitig mit seiner Hüfte dagegen. Scharf keuchte er dabei auf und blickte plötzlich in die verschleierten Augen von Liam, die ihn stumm anflehten, nicht aufzuhören. Steven beugte sich hinab, um ihn ein weiteres Mal zu küssen. Seine Zunge umkreiste die von Liam hingebungsvoll, während er gleichzeitig den Druck mit der Hand verstärkte. Das erregte Keuchen von Liam veranlasste ihn dazu, sich auf ihn zu legen und sich beinah ungeduldig die Hose von den Beinen zu schieben, bei Liam verfuhr er gleichermaßen. Bereitwillig hob dieser die Hüfte an, während sich sein entblößter Oberkörper hektisch hob und senkte. Die Hitze im Raum hatte ein kleines Rinnsal von Schweiß an seinem Brustbein entstehen lassen.
Stevens Zunge leckte es ab und glitt anschließend tiefer, so dass er die Hände in das unnachgiebige Leder unter sich krallte. Längst hatte er vergessen sich zu fragen, was sie hier taten und warum. Sein Verstand war blockiert durch das, was Steven mit ihm anstellte. Dieser wusste ganz genau, was er tun musste, um ihn um den Verstand zu bringen.
Er kam nun wieder auf Augenhöhe. In seinen Augen lag ein gieriger Glanz, der zuvor noch nicht dagewesen war und eine schwarze Strähne, die ihm in der Stirn hing, verstärkte diesen Ausdruck.

Liam zerrte ihn grob zu sich herab und küsste ihn erneut. Als Steven seine Hüfte bewegte und sich an ihm rieb, entfuhr Liam ein lautes Stöhnen. Er glaubte, explodieren zu müssen und drängte sich ihm ekstatisch entgegen. Liam hatte keine Ahnung davon, wie es war, mit einem Mann zu schlafen, doch das was er gerade fühlte, überschattete alles bisher Dagewesene. Keiner von beiden konnte sich jetzt noch zurückhalten, doch Steven wollte trotz des Alkoholrauschs in seinem Kopf nicht bis zum Äußersten gehen und Liam damit womöglich doch noch in die Flucht treiben. Stattdessen griff er nach dessen Hand und führte sie zu seiner Mitte. Liam verstand, umschloss die Härte des anderen und begann sie zu massieren, was Steven ein erregtes Stöhnen entlockte. Steven umfasste ihn gleichermaßen und der Druck in Liam wurde augenblicklich so immens, dass er sich kaum noch kontrollieren konnte. Seine Hüfte stieß dem Mann über sich entgegen und wenige ruckartige Bewegungen später war es soweit. Liam bog den Kopf in den Nacken, krallte seine freie Hand in die Haare von Steven und presste ihn mit dem Gesicht gegen seine Brust, während er kam und sich sein Körper rhythmisch zusammenzog. „Oh Gott, Steven…“
Steven war so überwältigt von dieser Energie und Ergebenheit ihm gegenüber, dass er ihm kurz darauf folgte. Dieses Spiel war so unglaublich erregend, er spürte das Zucken in seiner Hand, die entladene Hitze zwischen ihren Körpern, welche sich mit seiner mischte. Seine Hüfte stieß unkontrollierbar und hart gegen die von Liam, während sein Kopf noch immer an dessen Brust lehnte. Sekundenlang rang er nach Atem und als die Anspannung langsam nachließ, sank er langsam auf den Körper herab, denn er wollte Liam spüren, ihre Verbindung aufrechterhalten.
Der dunkelblonde Mann rang ebenso nach Luft und schlang die Arme um ihn, als er dieses stumme Signal empfing. Er musste erst begreifen, was gerade geschehen war, sein Gehirn war benebelt von Stevens Wärme und dem markanten Geruch seines Parfüms. Für einen langen Augenblick hielt er die Augen geschlossen und fühlte das kraftvolle Schlagen ihrer Herzen, welches langsam abflaute. Irgendwann, als er sich ungern in die Gegenwart zurück begab und sich ihrer Lage bewusst wurde, meinte er schmunzelnd: „Wir sollten ein paar Tücher holen.“
Steven schenkte ihm daraufhin sein wundervolles Grinsen, welches seine weißen Zähne und die Fältchen um seine Mundwinkel zur Geltung brachte. „Du hast  Recht.“ Doch dann wurde er plötzlich wieder ernst, sah den Dunkelblonden eindringlich an und fuhr ihm zärtlich über die Wange. „Das war unglaublich schön.“

Liam schluckte und verlor sich in den dunklen Braun direkt vor sich. Er war weder in der Lage zu nicken, noch dieses Kompliment zu erwidern. Schlicht paralysiert von dem, was er hier gerade erlebte, fuhr er mit der Hand sanft in Stevens Nacken und zog ihn zu einem langen und zärtlichen Kuss heran.
Steven ging sogleich darauf ein und der Kuss besiegelte das, was sie in dieser Nacht miteinander teilten.

Später lag Liam noch immer hellwach neben Steven und betrachtete ihn. Der Alkohol, die körperliche Entspannung und die zum Schweigen verdammten Gedankengänge hatten ihn in einen tiefen Schlaf gleiten lassen.
Bei Liam hingegen war an Schlaf nicht zu denken, zu aufgewühlt war er nach diesem unvorhergesehenen Erlebnis. Er zweifelte an sich selbst und an allem, was er je geglaubt hatte, über sich zu wissen. Alles war mit einem Mal über den Haufen geworfen und der Blick in das entspannt schlafende Gesicht mit den leicht geöffneten Lippen verursachte ein heftiges Ziehen in seinen Eingeweiden. Diese Lippen, die er gerade noch gierig verschlungen hatte…
Er schloss die Augen und schluckte hart. So schwer er sich auch von diesem Anblick und der Wärme entziehen konnte, er musste es tun.
Was, wenn man sie zusammen erwischte?
Er wollte nicht, dass Steven deswegen Schwierigkeiten bekam und außerdem war er mit dessen Schwester - zumindest auf dem Papier - verheiratet. Und die verrückten Empfindungen in seinem Innern mussten geordnet werden.
Nach einem letzten Blick hauchte er Steven einen sanften Kuss auf die Stirn und stand auf. Leise zog er sich an, drehte den Türschlüssel und verließ unbemerkt das Zimmer.



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