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… entsteht vielleicht eine neue Geschichte.

OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / Het
Adam / Jonas Kahnwald Claudia Tiedemann OC (Own Character)
03.01.2021
03.01.2021
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Nachdem ich nun Staffel 3 gesehen habe [SPOILER ZU STAFFEL 3 ENTHALTEN!] wollte ich noch eine kleine Fortsetzung zu meinem ursprünglichen Oneshot (Wenn aus Regen ein Lied wird) schreiben. Es geht darum, dass sich Dinge sehr wohl ändern können. Ich bin gespannt, wie ihr diese Idee findet! Viel Spaß mit: Wenn aus Regen ein Lied wird…



entsteht vielleicht eine neue Geschichte.



Die besten Dinge entstehen aus Liebe. Und die schlimmsten.



„K… kennen wir uns?“ Seine großen, grünen Augen weiteten sich, angespannt und etwas ängstlich. Verwirrt. „Es… es fühlt sich an wie… wie ein…“

„…ein Déjà-vu?“

„Genau“ Er nickte und blickte in ihre sturmgrauen Augen, als würde er darin nach etwas suchen. Ihre Augen blitzten im bläulichen Taschenlampenlicht.

Sie strich sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht, ihre Finger zitterten nervös. Er sah so aus wie damals, er sah ganz genau so aus… und doch wieder nicht. Die schlimme Wunde am Hals… Nein, seine Haut war makellos. Sein Haar war dicht und dunkelblond, und eindeutig erst vor kurzem ordentlich geschnitten worden. Und er trug die gelbe Jacke… Jonas.

„Wie heißt du?“, wollte er wissen, „Was machst du hier? Wo kommst du-“

„Ich-“, setzte sie an, fuhr dann jedoch erschrocken herum.

Vier Gestalten rannten durch den Wald auf sie zu, Taschenlampenlicht flackerte durch die schwarzen Baumstammsäulen. „Jonas! Wo bleibst du denn?“ - „He, Wöller, was wird das denn? He – wer ist das?“

„Keine Ahnung. Sie ist eben einfach in mich reingerannt.“, erwiderte der Junge mit der gelben Regenjacke an seine Freunde gewandt.

„Wöller?“, murmelte das fremde Mädchen, „Jonas Wöller?“

„Kennt ihr euch?“, wollte der große Typ mit der Sturmfrisur wissen und blickte zwischen ihr und seinem Kumpel Jonas hin und her.

„Ne, Martin, guck sie dir mal an, die kommt nicht von hier.“, meinte das Mädchen mit den langen, roten Haaren schnippisch, „Wo hast du denn deine Klamotten her? Aus dem Kostümverleih für Mittelalterfeste?“

„Sei nicht so fies, Fabienne!“, schaltete sich das zweite Mädchen mit den langen, dunkelbraunen Haaren ein. Sie hieß Madeleine und hatte sich bei einem Jungen untergehakt, dessen Name Benny war.

„Lasst uns weiter gehen, sonst kommen wir nie bei den Höhlen an“, meinte Martin und warf dem fremden Mädchen einen misstrauischen Blick zu.

„Geht schon mal vor“, murmelte Jonas, ohne den Blick von ihr zu lösen. Sie starrten sich an, im Dunkeln des Waldes, und fragten sich, ob sie sich schon einmal begegnet waren.

~


Irgendwo an einem anderen Ort klackerten die Tasten einer Computertastatur in stetigem Tempo vor sich hin. Im Hintergrund dudelte der Fernseher, es lief irgendein Katastrophenfilm. Weltuntergang. Die Schreibtischlampe leuchtete in einem sphärischen Grün vor sich hin. Doch die junge Frau, die die Tasten drückte, war ganz versunken in ihr Tun, sodass sie die andere Person, die sich im Raum befand, zuerst gar nicht bemerkte. Nein, sie dachte an Jonas und seine hübsche Frisur, seine schönen Augen, sein putziges Gesicht. Gerade überlegte sie, wie sie den nächsten Absatz gestalten sollte, als sich der Lauf einer Pistole kalt an ihren Hinterkopf drückte.

„Das solltest du dir wirklich gut überlegen, meine Liebe.“, sagte die alte Frau mit den langen, weißen Haaren.

Die Finger der jungen Frau erstarrten über der Tastatur. „Der weiße Teufel…“, flüsterte sie und wagte nicht, sich umzudrehen. Denn sie wusste, wer dort stand.

„So hat man mich früher genannt, ja“, antwortete die alte Frau.

„Ich verstehe nicht“, sprach die Schreiberin weiter, „Luise… sie hat ihr älteres Ich getroffen, 1921, sie hat Luise Kahnwald getroffen. Die Liste, die Anweisungen… Die beiden… Jonas und Luise, sie werden heiraten, sie werden einen Sohn namens Daniel bekommen und ihn bei Erna verstecken und… Ach, ich habe mir das doch schon alles ausgedacht! Ich weiß, wie alles kommen wird! Ich habe es gesehen!“

„Das war, bevor du Staffel 3 gesehen hast.“, erwiderte Claudia kühl, „Jetzt hat sich alles verändert. Der Kreis ist durchbrochen. Und du wirst das auch nicht mehr ändern.“

Die Schreiberin wurde zornig, weil sie spürte, wie sich ihre Gedanken ständig im Kreis drehten. Ein unendlicher Kreislauf. „Sie… sie liebt ihn. Sie liebt ihn so sehr, dass sie nach ihm suchen wird. Ich weiß es!“

„Die besten Dinge entstehen aus Liebe. Und die schlimmsten. Und wenn sie Jonas wirklich liebt, wird sie ihn gehen lassen. Der Junge hat dieses Leben verdient. Ein gutes Leben. Vom Anfang… bis zum Ende. Ohne den ganzen Zeitreisekram dazwischen. Es muss enden.“

„Du… du hast recht.“, sagte die junge Frau schließlich, atmete tief durch und tippte zaghaft weiter, „Aber es tut so weh.“

„Ja“, sagte Claudia, „Manchmal tut es weh. Das gehört dazu zum Leben. Aber nur so kann alles heilen.“

Wieder glitten Fingerspitzen über schwarze Tasten, erst zögerlich, dann schneller.

~


„Ich heiße Luise. Luise Meminger. Ich habe nach dir gesucht. Und ich komme… aus einer anderen Zeit. Aus einer anderen Welt.“, flüsterte das Mädchen leise, ihre Stimme wurde vom aufkommenden Wind verschluckt.

Dann setzte der Regen ein. Und Luise löste sich ganz langsam auf, in gelben und blauen Lichtpunkten.

Jonas Wöller starrte noch eine ganze Weile auf die Stelle, an der das Mädchen verschwunden war. Er würde später denken, dass Fabiennes Gras zu einem ganz schlechten Trip geführt hatte und auch die anderen würden das fremde Mädchen schließlich vergessen, so als habe sie nie existiert.

~


„Das klingt doch schon viel besser“, sagte Claudia zufrieden, als sie der Schreiberin über die Schulter sah. „Ich glaube, ich kann mich verabschieden.“

„Ja, ich denke, das ist ein guter Schluss“, erklärte die Schreiberin und speicherte das Dokument vorsichtshalber ab. „Auf… Wiedersehen? Nimmerwiedersehen? Was auch immer…“

Doch Claudia hatte sich längst aufgelöst, in gelbe und blaue Lichtpunkte.

„Wie auch immer… Wann auch immer… Der Kreislauf muss enden. Anfang… Ende…“, murmelte die junge Frau weiter und betrachtete nachdenklich ihre Tastatur. Die schwarzen Tasten waren so verführerisch… Im Fernseher ging die Welt unter. „Ha! Denkste!“, lachte sie mit leicht irrsinnigem Unterton auf und begann wieder zu tippen, diabolisch kichernd und voller Freude.

~


Jonas Wöller war frustriert. Er hatte erst kürzlich mitbekommen, dass Madeleine, das Mädchen, in das er schon ewig verschossen war, mit seinem besten Freund Benny ging. Er war im Sommer zwei Monate im Krankenhaus gewesen wegen Pfeifferschem Drüsenfieber und hatte wohl einiges verpasst. Auch zwischen Fabienne und Martin knisterte es gewaltig, auch wenn die beiden wohl noch zu doof waren, um sich das einzugestehen.

Er saß im Physikunterricht und hörte seinem Lehrer Dr. Tannhaus nur mit halbem Ohr zu. Der faselte irgendetwas über die Entstehung von schwarzen Löchern und das war ein Thema, das Jonas so gar nicht interessierte. Ganz im Gegenteil, irgendwie kam ihm jedes Mal fast die Galle hoch, wenn jemand mit so etwas anfing. Quantentheorie. Materie. Schrödingers Katze. Was auch immer. Physik war definitiv nicht sein Lieblingsfach.

Er beobachtete, wie Benny Madeleine einen Zettel zusteckte, sicher ein kitschiger Liebesbrief. Warum hatte sie sich für Benny entschieden? Im Sommer, am See, da hatte es diesen einen Moment gegeben, in dem er das Gefühl gehabt hatte, alles könne sich ändern. Sie hatten sich fast geküsst, Madeleine und er, aber eben nur fast. Denn Jonas war ein Feigling gewesen und mit irgendeiner fadenscheinigen Ausrede auf den Lippen einfach abgehauen. Er war noch nicht bereit gewesen dafür. Und nun hatte er den Salat. Könnte er die Zeit zurückdrehen, vielleicht, nun, vielleicht hätte er seinen Mut zusammengekratzt und sie geküsst. Aber das war lächerlich. Niemand konnte die Zeit zurückdrehen. Madeleine ging mit Benny und selbst wenn sie sich trennen würden – es wäre doch irgendwie merkwürdig, etwas mit der Ex seines besten Freundes anzufangen? Nein, sowas machte man nicht.

Seufzend blickte Jonas nach vorne zur Tafel wo der alte Tannhaus Kreidekreise an die Tafel malte. Er wünschte sich den Sommer zurück, wünschte sich, mit seinen Freunden am See zu liegen und nichts zu tun. Faul in der Sonne zu liegen… Ja, das wäre schön!

Draußen verdunkelte sich der Himmel, erst kaum merklich und dann zog ein richtiges Gewitter auf. Dicke Regentropfen prasselten auf die Schule herunter, auf die Straßen von Winden, auf die Häuser und Bäume. Es war ein Regen, wie es ihn oft gab hier in diesem Dorf, aber irgendwie auch einzigartig. Denn als Jonas ganz genau hinhörte, meinte er, in dem Prasseln der Regentropfen eine Art Melodie zu erkennen. Er schloss kurz die Augen und lauschte ganz aufmerksam. Es klang nach etwas, was er schon einmal gehört hatte, vor langer, langer Zeit in einer weit, weit entfernten…

„Entschuldigen Sie die Störung, Dr. Tannhaus, aber sie ist eben erst angekommen.“ Die Stimme von Frau Albers, der Schulleiterin, riss Jonas unsanft aus seinem Lauschen. Trotzdem klang die Regenmelodie leise in seinen Ohren nach. „Das ist Luise Kahnwald. Sie ist mit ihren Eltern erst kürzlich hierhergezogen.“

Ein paar Schüler hoben interessiert den Kopf, leises Murmeln durchzog das Regenrauschen, als sie die Neue musterten. Auch Jonas schaute sie an und als ihr Blick seinen traf, machte sein Herz einen merkwürdigen Hüpfer, als würde es einen Schlag zu viel machen. Er blickte in ihre wachen, neugierigen, sturmgrauen Augen und fragte sich, wo zur Hölle er sie schon einmal gesehen hatte. Und wann. Und ob es so etwas wie Schicksal vielleicht doch gab.

„Ah, richtig“, sagte Tannhaus zerstreut und sah sich im Klassenzimmer um, „Hinten bei Jonas ist noch ein Platz frei, setz dich doch.“

Das Mädchen namens Luise ging mit unsicheren Schritten nach hinten zum freien Tisch und setzte sich rasch, der alte Tannhaus fuhr mit seinem Sermon über physikalische Gesetzmäßigkeiten fort.

Der Regen fiel immer weiter und spielte sein Lied, während Luises Blick schüchtern in Jonas‘ Richtung huschte. „Hallo“, murmelte sie, kaum hörbar.

„Hallo“, flüsterte er zurück und lächelte ihr zu. „Hörst du das?“

Luise spitzte aufmerksam ihre Ohren. Draußen fiel immer noch der Regen aus sturmgrauen Wolken und aus den Tropfen, die unaufhörlich gegen die Scheiben des Klassenzimmers prasselten, bildete sich kaum merklich eine Melodie heraus.

„Ja“, flüsterte sie und lächelte zurück.


~ Ende. Und Anfang. ~
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