Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Probieren geht über studieren

OneshotAllgemein / P16 / MaleSlash
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
03.01.2021
03.01.2021
1
3.520
13
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
03.01.2021 3.520
 
Ich wünsche allen, die hier lesen, noch ein gutes, vor allem ein gesundes neues Jahr.
Ich fand es klasse, wie problemlos sich so ein Projekt durchführen lässt, und möchte mich für die schnelle Kommunikation aller bedanken. Das hat schon im Vorfeld richtig Spaß gemacht und ich freue mich auf jeden einzelnen Beitrag.

Ich werde jede Geschichte reviewen, denn ich mache das gern. Ich hoffe, dass hier sich einige ein Herz dazu nehmen.
Richtig klasse finde ich, dass wir hier Ersttäter dabei haben, nicht beim Schreiben, sondern beim Slashen, und das finde ich wirklich besonders.

Für den Dino! ;-) Ich habe mich bemüht, aber \P18 hat noch nicht geklappt. Nächstes Mal schaffe ich das.

Ein von Herzen kommendes Danke an die üblichen Verdächtigen und jetzt:
Viel Spaß beim Lesen!



*********************************





Castiel saß im Bunker am Kartentisch und grübelte. Seine Beziehung mit Dean beinhaltete so viele Fallstricke. Sie wollten es beide ernsthaft angehen und das Thema Beischlaf endlich anpacken. Ihr Verhältnis auf eine andere Ebene bringen.
Langsam wurde der Engel bei der Vorstellung unsicher. Cas hatte behauptet, sich informiert zu haben. Das war nicht gelogen. Aber welche Lebenserfahrung gewann man schon durch das Fernsehen?
Dabei handelte es sich quasi nur um Erfahrung aus zweiter Hand.
Sogar dem Engel war klar, dass dort vieles nur gespielt wurde. Es kam im wirklichen Leben wohl äußerst selten vor, dass eine gutaussehende, junge Frau nackt den Pizzamann erwartete. Er hatte mit den Winchesters schon einige unglaubliche Dinge erlebt, doch das traute er sich praktisch auszuschließen.
Vermutlich verhielt es sich mit den Pornos, die er sich auf Sams Laptop angeschaut hatte, ebenso.
Was er brauchte, war echter Anschauungsunterricht. Beim tatsächlichen Akt hatte er bisher immer nur Dean beobachtet, aber der war bei der Sache, um die es jetzt ging, genauso ahnungslos wie er.
Castiel wollte das richtig machen. Vielleicht wäre es besser, ein reales Paar zu suchen, um sich die männlichen Praktiken von Nahem anzusehen.
Diese Sache durfte nicht ..., wie sagte Dean das, nicht in die Hose gehen. Was immer damit gemeint war.
Castiel wünschte sich, er hätte seiner Hülle genauer zugehört, als das noch möglich war. Damals hatte er menschliche Gelüste als unwesentlich und vernachlässigbar eingestuft. Heute wäre er an einem Erfahrungsbericht aus erster Hand sehr interessiert, aber das hatte er verpasst. Obwohl Jimmy vermutlich nicht so der Fachmann gewesen war. Dessen sexuelle Erfahrung, das wusste Castiel noch, beruhten auch nur ausschließlich auf seiner Ehe. Was Sex mit Männern anging, war der ebenfalls ahnungslos.
Bei einigen Dingen fehlte ihm einfach das Hintergrundwissen. Er hatte sich einen Bericht zur Durchführung von Analverkehr angesehen und diverse Vorbereitungen studiert.
Spülungen vor dem Verkehr hielten viele aus Gründen der Hygiene für angebracht. Andere schworen darauf, mehrere Stunden vor dem Sexualkontakt keine Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Das leuchtete ihm ein, bis zu dem Punkt, an dem ihm aufgefallen war, dass all diese Überlegungen praktisch irrelevant waren. Er aß nicht, und selbst falls er Dean zuliebe ab und an ein Bier trank, schied er keine Stoffwechselprodukte aus.
Also hätte er diesen Punkt wohl abhaken können, wenn der Moderator nicht noch erwähnt hätte, dass allein diese Vorbereitung für viele schon eine Stimulation bedeutete.

Das ganze Thema war höllisch kompliziert.
Cas beschloss, am Anfang, wenn es zu Analverkehr kommen sollte, den passiven Teil zu übernehmen. Er hielt das für sinnvoll. Zwar sagten viele, dass man vom Auftreten der Leute nicht auf ihre sexuellen Umgangsformen schließen durfte. Aber er wusste, dass Dean beim Sex gern bestimmte. Zudem konnte Cas nicht glauben, dass der Spaß daran hatte, mit Schläuchen oder Ballons zum Drücken seinen Darm zu entleeren. Auch wollte er es ihm nicht antun, auf seine Burger zu verzichten. Sex sollte Freude bereiten, das betonten alle Ratgeber.
Wenn Castiel bei einem sicher war, dann dabei, dass beim Fasten der Spaß für Dean aufhörte.
Es musste eine bessere Form der Stimulation geben.


„Du wirkst sehr nachdenklich, Cas. Vielleicht hättest du Dean doch beim Einkaufen begleiten sollen.“
Sam hatte den Engel schon die ganze Zeit beobachtet, er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass der mit etwas kämpfte. Streit mit Dean konnte es nicht sein, sein Bruder war heute sehr gut gelaunt beim Frühstück gewesen, hatte auch von sich aus das Einkaufen übernehmen wollen.
„Ich habe gelesen, dass Menschen in Beziehungen Freiräume brauchen und ich möchte Dean in keinerlei Weise einengen.“
Sam verdrehte die Augen, aber nur innerlich.
„Castiel, darf ich dir einen Rat geben?“
Der Engel wandte sich jetzt vollständig Sam zu.
„Selbstverständlich. Ich schätze deine Erklärungen, warum sollte ich dir das verbieten?“
Sam winkte ab. Wenn Castiel wieder in seine alte Marotte verfiel, jeden Satz wortwörtlich auszulegen, war er wesentlich angespannter, als seine äußerliche Haltung vorgab.
„Versucht beide, nicht so eine große Sache draus zu machen. Das alles wird am besten klappen, wenn ihr einfach auf euren Bauch hört. Es gibt keinen Leitfaden, wie man das angeht.“
Cas verstand diese Andeutung anscheinend, denn er schaute nachdenklich auf seine gefalteten Hände und nickte ernst.

Ja, diese Überlegung war ihm auch schon gekommen. So viele Dinge, die beim Sex für Menschen existenziell waren, trafen bei ihnen einfach nicht zu. Sie fielen durch alle Raster.
Schon allein die Sache mit den Kondomen. Er würde Dean nicht mit übertragbaren Krankheiten anstecken und andersherum war es ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit. In seiner Hülle hatten Viren, Bakterien und Ähnliches keine Überlebenschance, sie konnten ihm ja nicht einmal anhaften.
Cas würde so gerne die Zeit zurückdrehen, wenn er dazu noch in der Lage gewesen wäre. Er hätte sich nicht auf Jimmy Novak eingelassen, sondern die Hülle einer jungen, hübschen Frau angenommen. Also eine Form, die über das Aussehen verfügte, das Dean ihm als interessant vermittelt hatte. Große, üppige Brüste, lange Beine und Schmollmund gab es sicher auch bei gläubigen Leuten.
Sam hatte mal gemeint, dass das die Sache erheblich vereinfacht hätte, weil Dean dann innerhalb weniger Wochen mit ihm in die Klappe gerutscht wäre. Cas lächelte bei der Erinnerung, dass er sich diesen umgangssprachlichen Ausdruck damals erklären lassen musste. Heute verstand er sogar die Implikation dahinter.
Nicht nur, dass Dean es sehr schwerfiel, zu akzeptieren, dass er auf einen Mann reagierte, das zweite Problem war die Unkenntnis beider, wie man damit umging. Castiel versuchte, sich mit großer Mühe auf Sam zu konzentrieren.
„Ja Sam, ich habe schon bemerkt, dass die meisten Leitfäden nur bedingt für uns gelten können, aber ich dachte, zumindest mir würde eine Bedienungsanleitung vielleicht guttun.“

Sam grinste in sich hinein.
Dass er außer Jäger, Forscher, Scheckkartenbetrüger, falscher FBI-Agent, Mann der Schriften und Billardspieler jetzt auch noch einen Job in der Paarberatung bekommen würde, ließ ihn beinahe ein wenig amüsiert in die Zukunft schauen.
Gestern, als die beiden nach Hause gekommen, und ohne viel Reden in Deans Zimmer zum Schlafen verschwunden waren, hatte er das fast gefeiert. Endlich waren die zwei sich einig geworden, hatte er sich gedacht. Umeinander herumgetanzt waren die schon seit Jahren unentwegt. Anscheinend waren sie nachts allerdings nicht sehr weit gegangen.
Wenn er diese Gefühle für den Engel haben würde, und er wusste ja, dass Cas Dean ebenfalls liebte, dann hätte er das seinem Bruder einfach verkündet und es wäre damit gutgewesen.
Dean musste daraus jedoch wieder ein Drama machen. Manchmal vermutete Sam, dass sein Bruder immer noch irgendwo in den siebziger Jahren steckte, wie seine ganze Musik. Dabei war das doch so einfach.
Sein Bruder stand auf einen Engel, gut. Der Engel ebenfalls auf ihn, besser. Der Engel hatte eine männliche Hülle. Wen scherte das denn?
Sam jedenfalls nicht.
Die ganze restliche Familie war tot, beziehungsweise alle Überlebenden hatten keinerlei Probleme damit.
Noch besser. Sie hatten gar kein Umfeld, das sie ernsthaft nerven konnte. Nur Dean stand sich selber im Weg.
Sam lächelte den Engel beruhigend an. Eigentlich war es das erste Mal, das Sam das Gefühl hatte, dass Cas zutiefst verunsichert war.
„Ihr mögt euch, aber ihr steht noch am Anfang. Ihr bekommt das hin, wetten?“
Castiel erwiderte sein Lächeln skeptisch.

Eine Stunde später polterte Dean lautstark die Treppen des Bunkers hinunter, bepackt mit Einkäufen und zwei großen Pizzen.
Sam wollte schon nach seinem Salat fragen, da rief ihm Dean entgegen.
„Karnickelfutter hab ich auch bekommen, und eine halbe Pizza ist Veggie.“
Er warf die Pizzaschachteln und den Salat schwungvoll auf den Kartentisch und trug die restlichen Einkäufe in die Küche. Als er zurückkam, hatte er sogar an eine Gabel gedacht, was Sam gnadenlos überraschte.
Noch mehr verwundert war er darüber, dass Dean eine Rotweinflasche geöffnet hatte, drei Gläser auf den Tisch stellte und die großzügig befüllte. Also bis zum Rand.
Castiel hatte derweil die Pizzaschachteln ordentlich hingestellt und den Salat auf Sams Platz geschoben.
„Rotwein, Dean, ernsthaft?“
Dean hob sein Glas und prosteten den beiden zu.
„Das war das engelmäßigste Getränk, dass ich mir vorstellen konnte. Und ich dachte, für heute ist das mal angebracht. Cheers! Auf uns.“
Die anderen hoben ebenfalls ihre Gläser. Sam hoffte so, dass Cas verstand, was Dean damit ausdrücken wollte, aber er war sich selbst nicht sicher, ob er das richtig kapierte.
Das sanfte Lächeln auf dem Gesicht des Engels verriet Sam allerdings, dass Cas bei Dingen, die Dean betrafen, nie danebengelegen hatte.
Also prostete Sam auch: „Auf euch beide, und ich wünsch euch wirklich alles Glück dieser Erde.“
Dean hätte wohl beinahe seinen Rotwein ausgespuckt, konnte das jedoch im letzten Moment noch verhindern. Sams Trinkspruch ignorierte er absolut. Dean biss kurz die Lippen zusammen und stürzte sich vollkommen konzentriert auf seine Pizza. Ein paar Minuten lang waren nur heftige Kaugeräusche zu hören.
„Wir werden heute früh ins Bett gehen und wahrscheinlich erst spät aufstehen.“ Deans Stimme klang rau, er sah intensiv auf den Rand des Pizzastücks in seinen Händen.
Sam bestätigte das, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Der Engel schläft bei mir im Zimmer, ist das klar?“
Sam zuckte mit seinen Schultern und bemühte sich um ein beiläufiges Nicken.
„Das bleibt auch in der nächsten Zeit bis auf Widerruf so.“
Sam konzentrierte sich voll auf seinen Cesar-Salat.
Castiel ließ irritiert seinen Blick von einem Bruder zum anderen wandern. Sam hätte ihn dafür knutschen können, dass der klug genug war, sich in dieses Brudergespräch nicht einzumischen.
Sam hatte sich schon immer gefragt, ob Dean ihm das Offensichtliche irgendwie mitteilen würde.
Mit einem Coming Out auf diese verdrehte Art und Weise hatte er allerdings nicht gerechnet. Aber er konnte damit umgehen. Und für Dean war das wohl die einzig mögliche Art, das Thema auf den Tisch zu bringen.
Sam fand es insgeheim großartig, dass er die neue Situation überhaupt ansprach.

Nach dem Essen unterhielten sie sich über einen Fall, den sie vielleicht übernehmen konnten.
Allles war fast normal, bis auf die Tatsache, dass Dean sich beim Alkohol heute deutlich zurückhielt. Und die, dass Dean und Cas sehr dicht beieinander saßen.
Als Sam sah, dass Deans Hand auf Cas‘ Oberschenkel lag und beruhigend darüber strich, wurde ihm klar, dass das Ganze vielleicht eine echte Chance hatte.
Sam überlegte schon, ob er Müdigkeit vortäuschen sollte, um den beiden mehr Raum zu geben, als Dean überraschend ankündigte: „Ich werde heute Abend hier nicht alt werden. Ich gehe früh zu Bett.“
Er schaute fragend auf den Engel.
Das sanfte Lächeln auf Deans Gesicht, als Cas sofort sagte: „Ich würde dich gerne begleiten und dir Gesellschaft leisten“, brannte sich tief in Sam ein. Dieses Lächeln hatte er schon lange Jahre nicht mehr gesehen.
Nach der heutigen Nacht würde wohl wieder bald Normalität im Bunker einkehren.
Das mit dem Sex würde Dean ja hoffentlich irgendwie hinbekommen.
Hoffentlich.


Im Zimmer wollte Dean gleich von Beginn an keine unangenehme Stimmung aufkommen lassen. Sie beide wussten, dass sie diese Nacht miteinander ins Bett gehen würden. Das hatten sie gestern praktisch ausgemacht. Der Fakt war klar. Der Weg dorthin allerdings nicht.
Dean war noch nie besonders verklemmt gewesen, vor allem nicht, wenn es um Sex ging. Das war nicht sonderlich kompliziert. Vor dem Akt an sich hatte er keine Angst. Nie gehabt. Er hatte schon so viele One-Night-Stands hinter sich gebracht. Doch das hier war anders.
Das sollte gut werden, Bestand haben. Dean konnte Castiels Gefühle nicht einschätzen, wusste jedoch um die Bereitschaft des Engels. Aber war das nicht immer so, wenn man sich auf jemanden anderen richtig einließ?
Dean hatte sich aufs Bett fallen lassen. Er begann, die Knöpfe seines Hemds zu öffnen. Als er Castiels Blick auf seinen Händen ruhen fühlte, fragte er nachdenklich: „Hast du mich schon mal nackt gesehen?“
„Ja, natürlich. Sogar sehr oft.“
Die aufrichtige Antwort brachte Dean zum Lachen.
„Am Anfang, als ich zu euch kam, konnte ich das nicht perfekt steuern. Ich landete immer in deiner unmittelbaren Umgebung. Du wolltest das nicht, hast auf deinen persönlichen Raum bestanden.“
„Ich erinnere mich. Sprich weiter.“
„Danach war ich meistens, wenn es nicht eilte, nicht zu sehen.“
Dean grollte leicht. „Erzählst du mir jetzt, du warst unsichtbar mit mir in der Dusche?“
„Ja“, sagte Cas leichthin, „hier im Duschraum und in vielen Motels. Ich hab dich gern angesehen.“
Die Offenheit verwunderte Dean, aber vermutlich war es besser, wenn sie über solche Dinge vorher miteinander sprachen. Dean rief sich in das Gedächtnis, dass da in erster Linie kein Mann vor ihm stand, sondern eine ganz andere Spezies. Der Gedanken, dass ein Engel mit ihm das Bett teilen wollte, fühlte sich irgendwie fremd und unglaublich an.
Dean öffnete die letzten beiden Knöpfe seines Flanellhemdes, zog es aus und warf es hinter sein Bett, sein T-Shirt gleich hinterher.
Cas nickte und schlüpfte aus dem Trenchcoat, legte ihn sorgfältig zusammen. Ebenso schnell entledigte er sich der Krawatte und des hellblauen Oberhemdes.
„Hey, ich dachte, die Klamotten sind irgendwie auch ein Fake. Sie verknittern nicht, werden nicht schmutzig ...“ Dean verstummte und begutachtete Castiels Oberkörper. Er hatte ihn schon sehr oft gesehen, verletzt, mit blutigen Sigillen verstümmelt, kaputt.
Auf die makellose Haut, die er jetzt sah, war er nicht vorbereitet. Keine Narbe, kein pickeliger Haarbalg, einfach alles perfekt. Dean schluckte und biss sich auf die Lippen.
„Komm her!“, brachte er kehlig hervor.
Cas zögerte keine Sekunde und überwand die zwei Schritte, die sie trennten, sofort.
Dean legte seine schwieligen Hände auf den unbehaarten Brustkorb des Engels. Mit einer gleichmäßigen Bewegung strich er über den Oberkörper und den flachen Bauch und stoppte am Bund der Anzughose.
„Hat überhaupt schon jemand diesen Körper berührt?“
Castiel atmete tief ein, als er zurückfragte: „Diesen? Nein, noch niemand. Als ich ohne Gnade war, der Sensenmann, doch das war etwas anderes. Und Meg, das ...“, der Engel schüttelte nur seinen Kopf. „Eigentlich hat kein Wesen mich je wirklich berührt.“
Die Wahrheit dieser Worte und die Betonung auf ‚mich‘ zwangen Dean fast in die Knie. Er war der Letzte, der Cas verdient hatte, das wusste er. Er hatte so oft versagt. Und selbst wenn die meisten Engel, die er kannte, unglaubliche Arschlöcher waren, Castiel war rein, war gut, war das Beste, das er je getroffen hatte.


Dean würde ihr Band nicht leugnen, konnte nicht abstreiten, dass er all das hier tief in seinem Herzen wollte. Er langte unter die Bettdecke.
„Schau mal. Weißt du, was das ist?“
Der Engel nahm ihm die Tube aus den Händen.
„Ja. Gleitcreme, man soll sie reichlich verwenden beim Analsex.“
Der Engel drehte die Creme skeptisch, schaute sie von allen Seiten an. Dean schluckte, das würde sicher nicht einfach werden, wenn sie so weit unten anfangen mussten.
„Da steht, sie hätte den Geschmack nach Erdbeeren.“ Cas drehte den Verschluss ab, roch daran, zog seine Augenbrauen nachdenklich zusammen. Schließlich sah er Dean mit diesen verdammten blauen Augen an, die ihn in letzter Zeit sogar in seinen Träumen verfolgten, seit einigen Jahren, wie er ehrlicherweise zugeben musste.
„Glaubst du nicht, es wäre besser, wenn wir eine Creme nutzen würden, die den Geruch nach Burgern hätte?“
Einen Moment war Dean verblüfft, dann sah er das Glitzern in Cas‘ Augen. Verdammt, der Engel schaute ihn mit schiefgelegtem Kopf von der Seite an und schmunzelte leicht. Das konnte doch nicht wahr sein.
Mit einem Satz warf sich Dean auf den Engel und drückte ihn mit seinem ganzen Gewicht zurück auf das Bett. Cas versuchte wirklich, ihn zu verarschen.
Ihre nackten Oberkörper fühlten sich verdammt gut aufeinander an. Die Tatsache, dass Cas ihn umarmte, war noch großartiger.
„Weißt du was, wir ziehen das durch, komme, was da wolle. Wir ziehen uns jetzt aus“, Dean unterbrach sich selbst, indem er den Engel sanft küsste, „dann gehen wir in die Dusche und schauen mal, mit was wir es zu tun bekommen werden.“
Er küsste ihn nochmal, dieses Mal ein wenig fordernder. Cas ging sofort mit.
„Und dann?“, fragte der Engel.
„Dann“, lächelte Dean befreit, „werden wir zusammen herausfinden, was uns gefällt, und wenn wir das nicht so draufhaben, werden wir so lange üben, bis wir das perfekt hinbekommen. Bist du dabei?“
Cas schaute ihn unverwandt an. „Wie könnte ich nicht, Dean? Du bist alles, was ich je wollte. Du hast für mich so viele Dinge möglich gemacht, ich würde dir überall hin folgen, immer.“
Dean schnaufte zweifelnd, und schon während dieser, bei ihm fast reflexartigen Ablehnung, wurde ihm klar, dass Cas nur die Wahrheit sagte.
Er rollte sich von ihm herunter und knurrte.
„Ausziehen, duschen, sofort!“
Cas musste er das nicht zweimal sagen. Er schlüpfte aus seinen Schuhen, stopfte die Socken hinein. Löste seinen Gürtel, zog die Hose aus und ließ die schneeweißen Boxer fallen.
Dean hatte sich ohne Zögern ebenfalls ausgezogen und dabei den Engel beobachtet.
Blendend weiße Unterwäsche konnte sich wohl nur ein Engel leisten, ging ihm durch den Kopf.
„Jetzt müssen wir nur noch aufpassen, dass Sam uns nicht sieht“, meinte Dean sarkastisch grinsend.
Cas schüttelte nur den Kopf.
„Sam meint, was er gesagt hat, er gönnt uns den Spaß. Er ist bereits in seinem Zimmer, er hat vier Bücher und Getränke mitgenommen. Seine Blase hat er auch schon erleichtert. Und er hat Kopfhörer auf.“
„Zu viel Information, Cas“, zischte Dean und zog den nackten Cas über den Flur hinter sich her.

Im Nebel der heißen Dusche erforschten sie gegenseitig ihren Körper. Dean war erleichtert, als er das erste Mal Cas‘ erigiertes Glied umfasste. Irgendwie hatte er tief in seinem Inneren vermutet, dass der Engel mit seinem Körper nicht so wirklich zurechtkam.
Dean lachte, als ihm bewusst wurde, dass er sich das erste Mal über einen Steifen freute, der nicht sein eigener war. Es lief, es lief so gut, dass Dean befürchtete, dass sie es nicht mehr in sein Zimmer schaffen würden.
Der Engel bewies ihm gerade, dass er tatsächlich Ahnung hatte, was man mit geschickten Fingern anfangen konnte. Cas zeigte absolut keine Scheu. Ihre Münder fanden sich bereits automatisch. Ihre Körper waren auf dem besten Weg das ebenfalls zu tun.
Dean wurde bewusst, dass es gar nicht mehr ums Ficken gehen würde heute Abend.
Bei Cas reichte schon dessen Nähe, das Reiben seines Körpers an Dean. Die Tatsache, dass der Engel keine Hemmungen hatte, ihn überall zu berühren und zu streicheln. Als der Engel auf die Knie sank und ohne zu zögern, Deans Schwanz küsste und ihn mit seinem Mund liebkoste und saugte, wusste Dean, alles war gut.
Nur das allmählich kälter werdende Wasser brachte die beiden dazu, voneinander abzulassen.
Sie trockneten sich oberflächlich ab und rannten wie zwei Jugendliche schnell in Deans Zimmer zurück.
Von da ab war alles sehr einfach.

Es lief, wie es zu allen Zeiten zwischen Liebenden der ganzen Welt abgelaufen war, unabhängig von Geschlecht oder Hautfarbe.
Es ging um Geben und Nehmen und die Hoffnung, dass keiner alleingelassen zurückblieb. Körper hatten ihre eigenen Gesetze und wenn man beim Liebesspiel, bei seinen Erwartungen und Wünschen, zusammenpasste, dann klappte der Rest wie von selbst.
Wenn anfangs noch ein „Ist das okay für dich?“, nötig war, eine Versicherung, dass alles passte, reichte nach kurzer Zeit die Bestätigung ihrer willigen Körper. Dean verwendete das Gleitgel mehr als großzügig, um sicherzugehen, dass es flutschte. Es gab eine ziemliche Sauerei, aber das war im Moment egal. Ihr Sperma mischte sich mit dem Gel, doch nichts spielte eine Rolle. Die Orgasmen in dieser Nacht schweißten die beiden zusammen, intensivierten das alte Band, ihre Verbindung wurde noch stärker.
Dean fand Frieden in den Armen des Engels, denn sie boten sich gegenseitig eine Akzeptanz, die durch ihre Unterschiede nur noch verstärkt wurde. Keiner der beiden hatte sich je richtig verzeihen können, aber im jeweils anderen entdeckten sie in dieser Nacht Harmonie und Absolution.
Als Dean sich zum wiederholten Mal aus Cas zurückzog, und zumindest er an den Grenzen seines physischen Leistungsvermögens angelangt war, blieben ihre Körper noch lange verbunden. Keiner von ihnen wollte sich vom anderen lösen.
Dean lag schließlich mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, den Engel fest an sich herangezogen.
„Damit du eines weißt, mein Bett ist heilig. Kein Krümel und du bist in Zukunft für das Wechseln der Laken verantwortlich.“
Cas nickte nur ernsthaft und als Dean neben sich griff, bemerkte er, dass das Betttuch, das gerade noch praktisch schwamm, jetzt trocken war und der Geruch frischgewaschener Wäsche das Zimmer erfüllte.
„Blumenduft“, ging Dean durch den Kopf, während er merkte, dass er langsam eindöste. „Gut, wenn man einen eigenen Engel hatte.“
Er sog den Geruch tief ein, zog Cas noch ein wenig näher zu sich heran, drückte einen sanften Kuss auf die Schläfe des Engels und überließ sich seinem Schlaf. Auch Cas öffnete seine Augen nicht.
Alles war gut.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast