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Quetsch

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Cirno Flandre Scarlet Fujiwara no Mokou Keine Kamishirasawa Remilia Scarlet
03.01.2021
10.01.2021
3
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03.01.2021 10.585
 
Das einzige Licht hier kam von schrumpeligen Fackeln. Sie hatte das Feuer auf ihrem Weg nach unten inspiziert. Es brannte nun seit etwa dreihundert Jahren, was nach ihren Maßstäben schlampige Pyromantie war.
Hier gab es eine Treppe. Sie hatte diese nicht benutzt. Treppen interessierten sie schon seit Jahrhunderten nicht mehr.
Hier gab es magische Siegel. Sie waren dafür gedacht, Dinge draußen oder möglicherweise drinnen zu halten. Es war eine angenehme Abwechslung, nicht auf der anderen Seite zu sein.
Hier gab es Blut. Zumindest etwas Vertrautes; wenn sie noch im Besitz von etwas wäre, das einem Selbsterhaltungstrieb glich, wäre das nicht annähernd ein Auslöser gewesen. Aber dieses Blut war nicht das frisch vergossene Zeug, das sie zu sehen gewohnt war; die schwarzen Flecken waren praktisch mit dem vernarbten Mauerwerk verschmolzen.
Hier gab es eine Tür. Sie war massiv und so dicht mit Magie überflutet, dass sie die Ausdünnung der Realität schmecken konnte, die von ihr ausging. Es schmeckte, wie man erwarten könnte, wie Hühnchen.

-----

Hier drohte nichts geringeres als die Scharlachrote Teufelsvilla.

Es kostet viel Mühe um ein Gebäude drohend zu errichten, und die Scharlachrote Teufelsvilla konnte mit den besten von ihnen drohen. Wäre es möglich, würden sich kleinere Bauwerke versammeln, um in ihrem Schatten studieren zu können. Ein drohendes Gebäude musste Größe haben und diese wie ein Fechtmeister beherrschen. Ein drohendes Gebäude musste eine Schattenseite haben, die so positioniert war, dass ein einziger regulierbarer Blitz von hinten das Ganze nur für den kleinsten Moment beleuchtete. Ein drohendes Gebäude musste Türscharniere haben, die mit genau der richtigen Menge Rost quietschten. Ein drohendes Gebäude musste einen... Ruf haben. Die Ellipse war, ganz offensichtlich, von entscheidender Bedeutung.
Am entscheidendsten war jedoch das entsprechende Personal. Die Scharlachrote Teufelsvilla rühmte sich einer Residenz der mächtigsten Exterminatoren, der charismatischsten Führungspersönlichkeiten, der weltweit führenden Magie Gelehrten und auch Hong Meiling.

Nichts brachte das Herz eines müden Vagabunden, der Schutz vor einer stürmischen Nacht suchte, so sehr in Wallung, wie ein todäugiges Dienstmädchen, das monoton sagte: "Es tut mir leid, die Herrin schläft gerade. Obwohl sie sozusagen eine Art Nachteule ist, bin ich mir sicher, dass sie Sie sehr gerne zum... Abendessen haben würde.

Die Tatsache, dass es in Gensokyo keine müden Vagabunden gab, die Schutz vor einer stürmischen Nacht suchten, war ein unerfreuliches Versäumnis, vor allem heute Nacht mit dem hellen Vollmond und dem wolkenlosen Himmel (dennoch wurden einige Laternen zugunsten jener unglücklichen Seelen verstreut, die nicht als Dämonen der Nacht geboren wurden). Es ging hier ums Prinzip, was das Wichtigste überhaupt war. Es war Tradition. Die Leute erwarteten es.
Kurz gesagt, die Scharlachrote Teufelsvilla war genau der richtige Ort, an dem sich Vampire niederlassen konnten.

Und hier, auf einem komplizierten metallenen Terrassenstuhl in ihrem Vorgarten sitzend, war die schreckliche Herrin selbst: Remilia Scarlet, Der Scharlachrote Teufel, Der ewig junge Scharlachrote Mond, Welt in Purpurrot, Vampir des schweren Nebels, Nächtlicher Teufel in Scharlachrot.
Sie blätterte eine Seite in dem Manga um, den sie gerade las, in dem Manga mit dem rosa Einband, auf dem viele Herzen abgebildet waren.
Um sie herum war das gepflegte Gelände von kleinen Kratern übersät, aus dem ihr nächstgelegenen wogte noch immer träge regenbogenfarbener Rauch heraus.
Ohne von ihrem Buch aufzublicken, sagte Remilia: "Immer noch tot, Cirno?
Eine zitternde Hand erhob sich aus dem rauchenden Krater, stemmte sich gegen den Rand und drückte, wobei sie die Eisfee in eine sitzende Position hochzog.
Cirno‘s Kopf wippte benommen.
"Keine Ahnung. Bin ich das?"
"Ich würde annehmen, nein. Ich habe schon viele Leichen gesehen; eine statistisch geringfügige Anzahl von ihnen drückte eine Vorliebe für Vokalisierung aus.
"Ich habe buchstäblich keine Ahnung, was da gerade aus deinem Mund kam", gestand Cirno und versuchte, ihre Augen dazu zu bringen, in die gleiche Richtung zu schauen.
"Par des Kurses also", erwiderte Remilia fröhlich.
"Was auch immer das jetzt bedeuten soll", stimmte Cirno zu. Mit einem Grunzen drückte sie sich ein paar Zentimeter über den Boden. Sie schwebte dort und knackste sich das Genick. "Das werde ich morgen früh spüren, das sage ich dir."
Bunter Rauch ließ Remilia schließlich aufblicken.
"Cirno?"
"Was geht?"
"Ist dir bewusst, dass dein Kleid brennt?"
Cirno blickte auf die prismatischen Glutnester am Saum ihres blauen Kleides.
"Das war es also, was dieses brennende Gefühl war. Wie kommt es, dass es nach meiner Wiedergeburt immer noch da ist?"
"Drachen-Chi ist ziemlich mächtig", erklärte Remilia lässig. "Soll ich es ersticken?"
Cirno öffnete den Mund, um zu antworten, stockte dann und sah plötzlich philosophisch aus.
"Nein", sagte sie schließlich. "Ich glaube nicht, dass du das tun solltest. Du weißt, was man sagt, wenn man ein Feuer unter dem Hintern machen will."
Remilia spielte mit dem Gedanken, Cirno darüber zu informieren, was eine Metapher war, aber... nein. Es würde so viel mehr Spaß machen, wenn sie es selbst herausfinden würde. Außerdem war dies Cirno, dieselbe Eisfee, die in ständigen Kämpfen erst richtig aufblühte und dabei die tatsächliche, entschieden nicht so humorvolle Definition von "idiotisch" in den Kopf bekam.
Stattdessen sagte Remilia in lässigem Ton: "Also, warum genau hast du meine Torwächterin zu einer Danmaku-Schlacht herausgefordert?"
"Ich will rein."
"Aber warum gegen Meiling kämpfen? Schleichst du dich nicht immer ohne Probleme hinein?"
Cirno riss die Augen weit auf.
"Woher weißt du das?!"
"Es war nicht leicht", gab Remilia zu. "Die verschlüsselte Botschaft, die in Eis an die Wand des Herrenhauses gekritzelt war und lautete: 'Sarno vvar har neun Ausrufezeichen', konnte nur mit beträchtlicher mentaler Anstrengung entziffert werden."
"Das war Rumia!"
"Ich bin nicht auf Rache oder Ähnliches aus." Remilia blätterte eine weitere Seite um. "Es interessiert mich nur, warum das unbestreitbar stärkste Wesen in Gensokyo die Scharlachrote Teufelsvilla mit ihrer Anwesenheit beehrt.
"Nun", sagte Cirno in einem verhaltenen Ton, aber der Hochmut begann schnell, die Bedenken in den Hintergrund zu drängen. Sie räusperte sich. "Nun. Ich meine. Wenn du es wissen musst, dann deshalb, weil heute eine Nacht wie keine andere ist!" Cirno klopfte ihr auf die Brust. "Ich bin auf einer Quest!"
Remilia hob eine Augenbraue. "Auf einer Quest?"
"Das ist auch nicht mein erstes Roe-Day-Oh. Wenn eine Heldin auf einer Quest ist, muss sie gegen jeden kämpfen, der ihr im Weg steht. Keine Ausnahmen! Sogar-nein- 'besonders, wenn es überhaupt keinen Grund dazu gibt."
"Ich bin mit dem Kodex vertraut. Ich war selbst schon auf einigen Quests. Und ich war das Ziel von vielen weiteren. Was führt dich in die Villa? Warte! Nein, sag es mir nicht. Ich will keine Spoiler..."
"Ich bin gekommen, um dich zu töten." Cirno rollte mit den Augen. "Duh."

-----

Vor dieser Tür, die nach Hühnchen schmeckte, klopfte sie sich mit dem Bleistift gegen die Schläfe und öffnete das Notizbuch in ihrer Hand, während Fujiwara no Mokou, die sich nicht sicher war, warum sie hier war, faulenzte.
Nun, nein, das stimmte nicht ganz. Sie war hier, weil es unendlich viel schmerzloser war, Versprechen, die sie einer gewissen Keine Kamishirasawa gegeben hatte, einzuhalten, als sie zu brechen.

Was sie nicht wusste, war, was sie hier sollte. Keine hatte die Anweisung ihres Auftraggebers, welche sie jeden Vollmond überschwänglich für eine Nachhilfestunde bezahlte, Mokou überhaupt nichts von ihrer Aufgabe zu erzählen.
Rückblickend hätte Mokou dies in Frage stellen sollen, doch damals gab es so viele gute Gründe, dies nicht zu tun, obwohl Ihr derzeit keine davon einfielen. Die Nacht, in der sie sich bereit erklärte zu kommen, hatte sie mit nicht weniger als acht Sake-Flaschen zugebracht.
Das Einzige, was sie wissen durfte, war, dass dies Teil einer Art von "Knigge-Unterweisung" war, obwohl Mokou es persönlich zweifelhaft fand, dass sie dazu aufgefordert geworden war, eine richtige Teezeremonie zu unterrichten, vor allem angesichts des Veranstaltungsortes. Sie konnte nur annehmen, dass sie hier war, um Anekdoten zu erzählen, wie man kein destruktives Fast Mitglied irgendeiner Art von Gesellschaft war. Davon hatte sie jede Menge.
Was auch immer es war, weswegen sie hier war, sie wünschte sich, es würde endlich losgehen. Mokou stillte ihre Langeweile, indem sie sich mit ihrer zweitliebsten Freizeitbeschäftigung vergnügte: neue und einfallsreiche Wege zu finden, um ihre ewige Rivalin zu ermorden. Nur an zweiter Stelle nach ihrer Lieblingsbeschäftigung, der Ermordung ihrer ewigen Rivalin.
Die aktuelle Seite ihres Notizbuchs las sich so:

Schritt 1) Verrückte aus dem Hinterhalt angreifen
Schritt 2) Arme brechen
Schritt 3) Beine brechen
Schritt 4) Unterkiefer zu Asche zermahlen.
Schritt 5) Verbrennung des Verdauungssystems
Schritt 6) Gehirn langsam kochen
Schritt 7) Sich ca. zwei Stunden lang das hirntote Gurgeln anhören
Schritt 8) Vollständige Verflüssigung des Gehirns
*WICHTIG* Schritt 9) 'Eigentum von Mokou' in alle verbleibenden freien Stellen einbrennen.
Schritt 10) Leiche in Eientei abladen; vorzugsweise vor diesem lilafarbenen Kaninchen; ihre Schreie sind zu komisch

So wie es war, sicherlich brauchbar... aber es fehlte an Substanz... brauchte etwas mehr von ihrem Fujiwara no Flare.
Hmm...
Nun, im Zweifelsfall sollte man auf das zurückgreifen, was man bereits wusste, oder?
Sie setzte ihren Bleistift auf das Papier und schrieb einen Zusatz:
Schritt 7) Sich ca. zwei Stunden lang das hirntote Gurgeln anhören und dabei auf sie zeigen und hysterisch lachen
Erst dann erlaubte sich Mokou ein zufriedenes Nicken. Selten hat sie eine solche Perfektion erreicht.

Die riesige Tür öffnete sich mit dem Geräusch geölter Scharniere. Eine Hakutaku mit einer Schleife an einem ihrer Hörner streckte ihren Kopf heraus.
"In Ordnung, Mokou. Ich glaube, wir sind bereit für dich."

-----

Remilia‘s Buch schnappte zu.
"Hast du?" schnurrte sie.
"Tut mir wirklich sehr leid, Remilia", fuhr Cirno unverschämt fort. "Du scheinst ein vernünftiger, blutsaugender Affront gegen die Natur zu sein; ich wünschte, es hätte nie so weit kommen müssen. Es ist nur so, dass ich mich beweisen muss. Siehst du, da geht diese neue Fee umher und sagt, sie sei die stärkste Fee, und, weißt du, das können wir doch nicht zulassen.“
Remilia grinste sie auf eine Art und Weise an, dass ein einzelner Fangzahn hervorlugte. Es war eine kultivierte Fähigkeit.
"Das muss dir nicht leidtun. Das sind wunderbare Neuigkeiten! In den letzten Jahrzehnten gab es wirklich eine Armut an Attentatsversuchen. Eine Schande. Ich fand immer, dass sie eine großartige Möglichkeit sind, neue Leute kennen zu lernen. Vielleicht sogar ein Essen danach."
"Danke, dass du, dass so sportlich siehst. Glaubst du, die Kirschblüten-Dame und der Doc werden genauso verständnisvoll sein, wenn ich sie umbringe?" sagte Cirno.
"Daran habe ich keinen Zweifel. Sagen mal, möchtest du danach zum Abendessen bleiben?"
"Ähm. Ich glaube, das wird schwierig."
"Das ist enttäuschend. Andere Verpflichtungen?"
"...denn du wirst tot sein."
"Oh ja. Das ist richtig."
"Denn Cirno, die stärkste Fee, die es gibt, wird dich töten."
"Natürlich."
"Es sei denn..."
"Ja?"
"Ich meine, ich könnte vielleicht überredet werden, dein Leben zu verschonen, wenn es Alkohol gibt...?"
"Oh!" Remilia lächelte genüsslich und setzte sich etwas gerader auf. "Oh, ich verstehe. Ich bedauere aber, dir mitteilen zu müssen, dass ich als Vampir keinen... Wein trinke."
"Oh Mann! Du auch?", jammerte Cirno. "Fünfhundert Jahre alt und du darfst immer noch nicht trinken!?"
Remilia’s Lächeln erstarrte.
"Was?"
"Immer, wenn ich zur Blumenschau oder wie das heißt gehe, sind alle betrunken. Alle außer den Feen! Es ist ja nicht so, dass wir nicht trinken, wenn Reimu nicht hinsieht!"
"Ich glaube, du verstehst nicht. Ich sagte..."
"Ich meine, wir sind auch Bürger! Wir haben das legale, unveräußerliche Recht, uns wie alle anderen zu besaufen und peinliche Dinge zu tun, an die wir uns morgens nicht mehr erinnern.
"Es ist ein Witz, verstehst du..."
"Nun, ich kämpfe lieber wieder gegen Meiling. Bleib sitzen, Remilia! Ehe du dich versiehst, bist du tot!"
"Denn Rotwein und Blut sind..."
"Keine blöde Höllenfee wird die Stärkste sein, solange ich noch atme! Ganz Gensokyo wird sehen, dass ich die beste Fee aller Zeiten bin, selbst wenn ich alle töten muss, um es zu beweisen!"
"Oh nein, wirst du nicht, du elende Frostbeule..."
Remilia beobachtete, wie Cirno zu Meiling hinüberflog.
"Ich habe noch einen Treffer übrig, und ich sorge dafür, dass er zählt", verkündete Cirno. "Versuch es noch einmal, ich fordere dich heraus! Mach doch noch mal dein Blumenzeichen! Du wirst mich nicht ein einziges Mal erwischen!"
Der Drache stöhnte und nahm eine lethargische Kampfhaltung ein.
Remilia sackte murrend in ihrem Stuhl zusammen und kehrte zu ihrem Manga zurück, als das Danmaku-Feuerwerk wieder losging.
"War sowieso zu kompliziert für deinen winzigen Feengeist."

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Mokou schloss kaum die Tür hinter sich, da umarmte man ihren Kopf.
Sie zuckte nicht im Geringsten zusammen. Dass sie erblindet war und ihre Knie unerwartet gebeugt wurden, war kaum eine Unannehmlichkeit für eine Frau, für die überraschende Ausweidungen, Amputationen und/oder Enthauptungen ein wöchentliches Ereignis waren.
"Haffo", sagte sie.
"Hi!", kreischte ihr eine schrille Stimme ins Ohr. "Wollen Sie meine neue Freundin werden?"
Keine's Stimme stöhnte. Es war ein Klang, den Mokou nie verwechseln würde, sie hat ihn oft genug gehört.
"Runter von unserem Gast, bitte. Wir haben darüber gesprochen. Ausführlich."
"Aber ich bin freundlich, Miss Kamishirasawa. Genau wie Sie es gesagt haben!", schrie die Stimme.
"Ich bitte dich nicht noch einmal, Flandre Scarlet", sagte Keine, die Lehrerin vieler unbändiger Grundschüler war.

Es gab ein niedergeschlagenes Wimmern, ein gläsernes Klimpern und die Hektik der Bewegung, dann konnte Mokou ihren Kopf wieder seitwärts bewegen. Mit dieser neuen Freiheit sah sie ein Mädchen vor Keine landen.
Wahrscheinlich ein Youkai, und sei es nur, weil Feen nicht so groß wurden. Aber interessante Flügel. Keine hatte das Mädchen Scarlet genannt. Eine Verwandte von Remilia? Schwester wäre am logischsten. Das Mädchen hatte Augen, die roter als ein Blutzyklon waren, Reißzähne aus einem Uralptraum und trug ein Ensemble mit für Mokou‘s Geschmack viel zu vielen Rüschen. Diese Flandre war irgendwie blasser als ihre vermutliche Schwester, mit Iriden, die förmlich funkelten und ein riesiges, strahlendes Lächeln strahlten, das so tot war, dass man es ausstopfen konnte.
Mokou war versucht zu sagen, dass der Gesamteindruck sehr puppenhaft war, außer dass sie Puppen mit mehr Wärme gesehen hatte als die Kreatur vor ihr.

"Flandre, das ist meine Freundin, Fujiwara no Mokou. Und sie ist hier, um auch deine Freundin zu sein", sagte Keine mit vorsichtigem Enthusiasmus. "Aber nur, wenn du nett zu ihr bist, verstanden? So wie wir es besprochen haben?"
Flandre winkte Mokou zu; eine Aktion, die aus irgendeinem Grund die Bewegung ihres gesamten Körpers erforderte.
"Es ist so schön, Sie kennenzulernen, Fräulein no Mokou! Es ist so lange her, dass ich eine neue Freundin gefunden habe. Und du bist ein Mensch! Ich liebe Menschen!"
Mokou wagte ein Grinsen. "Nicht nur zum Essen, hoffe ich."
"Natürlich nicht!" Mokou hatte es als Scherz gemeint, aber die Lebhaftigkeit der Antwort veranlasste sie sich zu fragen, ob dieser als solcher aufgenommen worden war.

"Wollen Sie mit mir spielen?", sagte Flandre und vibrierte vor Aufregung. "Wir können mein Lieblingsspiel spielen!"
"Von mir aus."
"Juhu!"
"Eigentlich haben wir noch viel vor uns..." Keine begann, bevor Mokou sie lässig abschnitt.
"Was soll daran schlimm sein, Keine? Wir haben doch die ganze Nacht Zeit, oder?"
"Nein. Haben wir nicht. Wir haben eine Stunde, und ich muss Geschichte schreiben", sagte Keine. "Und das Schlimme daran..."
"Nur eine Runde!" bettelte Flandre.
" -das Schlimme daran ist..."
"Nur eine!"
"...ist ziemlich beträchtlich..."
"Komm schon, Keine. Es ist nur ein bisschen Spaß", sagte Mokou.
Dann erinnerte sich Keine daran, mit wem sie sprach.
" Na gut. Eine Runde", seufzte sie. "Nur eine. Dann gehen wir an die Arbeit. Verstanden, ihr zwei?"
"Alles klar! Bleiben Sie zurück, Miss Kamishirasawa. Es sei denn, Sie wollen sich schmutzig machen." Flandre drehte sich zu Mokou um und senkte ihre Stimme konspirativ. "Wissen Sie, meine Schwester sagt, ich soll dieses Spiel nicht mehr spielen. Sie sagt, es sei zu gefährlich. Aber ich habe mich noch nie dabei verletzt! Sie müssen versprechen, es ihr nicht zu sagen."
"Du machst dich schmutzig, darfst es nicht mehr spielen und es ist zu gefährlich? Jetzt weiß ich, dass es Spaß machen wird. Du hast mein Wort, ich halte meinen Mund", sagte Mokou.
"Weiter zurück, Miss Kamishirasawa! Und es macht Spaß, Fäulein no Mokou. So einen Riesenspaß! Ich habe schon ewig nicht mehr Quetsch gespielt. Ich bin so froh, dass Sie ja gesagt haben!"
"Nenn mich Mokou, Kleine. Ich war noch nie jemand für Formalitäten", Mokou schob ihre Hände in ihre Hosentaschen. "Wie spielt man dieses Quetschspiel?"
"Es ist ganz einfach! Man muss nur - nein, weiter hinten und ein bisschen nach links - wir quetschen uns abwechselnd gegenseitig, und diejenige, der am stärksten quetscht, gewinnt!"
"Eine Runde!", rief Keine, mit leichtem Echo.
"Klingt einfach genug." Und das tat es auch. Mokou fragte sich, wo der Haken war.
Flandre streckte eine Hand aus. Etwas, das nicht wirklich magisch war, flammte in ihrer Handfläche auf.
"Ich fange an! Keine Sorge. Da dies dein erstes Spiel ist, werde ich dich nicht zu sehr quetschen-"

-----

"Ich glaube, ich habe zu stark gequetscht, Fräulein Kamishirasawa", sagte Flandre ernsthaft.
Mit der geübten Geduld einer Person, die dies schon tausende Male getan hat, wischte Keine die verkohlten Mokou-Stücke von Flandre’s Wange.

Dreiundachtzig...

"Betrachten wir dies als die erste Lektion dieser Nacht", sagte Keine. „Kannst du dir vorstellen, was du falsch gemacht hast?"
Flandre’s relativ blutfreies Gesicht zog sich zusammen.
"Ich habe nicht bitte gesagt?" klang nach einer sicheren Antwort. Remilia tadelte sie immer dafür.
"Nein. Ich meine, ja, hast du nicht, aber das ist nicht der größte Fauxpas."
"Dann habe ich nicht danke gesagt."
"Nochmals, nein."
Der Schweiß der Konzentration erschien auf Flandre’s Stirn, als sie all die Erfahrung, die sie mit dem Diskurs gemacht hatte, abrief.

Neunundfünfzig...

"Ich...", zögerte sie.
"Hmm...?" Keine hob eine ermutigende Augenbraue.
"Ich", schluckte Flandre, "ich hätte nicht..."
"Hätte nicht...?"
"... Ihre Freundin nicht kaputtmachen sollen?"

Vierunddreißig...

"Sehr gut, Miss Scarlet. Sie lernen schnell. Und was war das andere das-?"
"Aber Miss Kamishirasawa!" Flandre platzte heraus. "Sie sagten mir, ich solle so freundlich wie möglich sein, und das war ich auch! Ich bot an, mein Lieblingsspiel zu spielen und alles! Es ist nicht meine Schuld, dass sie nicht mithalten konnte! Ich–”
Keine hielt einen Finger hoch, um Schweigen zu gebieten.
"Das habe ich gesagt, ja. Ich ging jedoch davon aus, dass das 'freundlichste' impliziert - das Zerstörung dabei keine Rolle spielen würde."
Flandre verzog das Gesicht, als hätte Keine gerade die Hörner eingefahren, und ihr Haar auf einmal blau gefärbt.

Sechzehn...

"Und du musst dich noch bei Miss Fujiwara entschuldigen."
Zwei Paar rote Augen wanderten zu der noch heißen Senke, wo entgegen aller Logik für deren Existenz ein einziger rot-weißer Papieranhänger zu Boden flatterte.
"Entschuldigung, Fräulein Fujiwara", murmelte Flandre.
"Nicht jetzt. Sie ist gerade ziemlich tot." Der geistige Countdown von Keine erreichte Null. Sie trat zurück.
"Du solltest dir vielleicht die Augen zuhalten, Flandre, dieser Teil kann ziemlich grell werden."
Flandre machte ein anderes Gesicht, tat aber, wie genießen.
Und dann brach die Hitze der Wiedergeburt über sie herein.

---

Die Welt schien zu blinzeln. In einem Moment gab es neben Remilia keine Ober Magd Sakuya Izayoi, im nächsten Moment schon.
Sie sah, wie immer, so makellos aus wie poliertes Silber; ihre Uniform war bis zur Perfektion gereinigt, ihre Hände falteten sich straff über ihre Schürze, ihre niedrigen Absätze glänzend, ihre Stimme klar und sauber, als sie sagte:

"Herrin, sollte das Verhalten der Eisfee ermutigt werden?" Sie klang auch verärgert. 'Verärgert’, was bei ihr das Näheste war, dem sie je an 'verdammt hysterisch' herankam.
"Warum nicht", fragte Remilia. Sie hatte die Vortäuschung des Lesens aufgegeben und beobachtete mit voller Aufmerksamkeit das anschwellende Eis und die prismatischen Kugeln. "Cirno ist ein Idiot, ja, aber sie ist kein bösartiger Idiot. Eine liebenswerte Idiotin, möglicherweise."
"Sie verschwendet Meiling‘s Zeit."
"Meiling hat damit vorher nichts gemacht."
"Sie ist ein Ärgernis."
"Und ein entschlossenes noch dazu. Inspirierend, wirklich, wie sie es nie zulässt, dass Fakten mit ihrer gewählten Realität kollidieren."
"Sie sagte, sie will euch umbringen."
"Was mich daran erinnert: Stellen Sie einen zusätzlichen Teller für das Abendessen bereit. Wir werden heute Abend Cirno zu Gast haben."
"Wirklich."
"Aber natürlich", sagte Remilia lässig. Es gab niemanden, der wie ein Vampir unter die Haut eines anderen gehen konnte. "Gerade Sie sollten wissen, wie meine Politik gegenüber Möchtegern-Vampirjägern aussieht."
Sakuya war sehr gut darin, ausdruckslos zu wirken. Das war erforderlich, wenn man unter Remilia Scarlet diente.
"Soll ich bei Miss Margatroid eine Uniform in Feengröße mit Eisflügellöchern anfertigen lassen?"
"Soweit würde ich nicht gehen. Wir reden hier von Cirno", sagte Remilia. "Ihre Flügel schweben sowieso irgendwie über ihrem Rücken."
"Ist Cirno, die Eisfee, wirklich diejenige, die die Scharlachrote Teufelsvilla endlich in die Knie zwingt?"
"Man sagt, wenn sich zwei große Kräfte gegenüberstehen, wird diejenige den Sieg erringen, die weiß, wie man nachgibt."
"Wie ich sehe, haben Sie mit Meiling philosophische Gespräche geführt."
"Sakuya", sagte Remilia, nicht tadelnd, "ich habe unvergleichlichen Respekt vor dem Stolz, den Sie für unsere Residenz empfinden, aber lassen Sie der Fee ihre Träume. Es ist ja nicht so, als hätte sie etwas anderes."
Sakuya warf einen Blick auf das Danmaku-Duell. Cirno stand auf einer Erhebung aus gefrorenen Kugeln, und machte schnelle und vielfältige Handzeichen, die meisten davon mit den mittleren Fingern, von denen Sakuya als ehrbares Dienstmädchen sicher war, dass sie die Symbolik nicht kannte.
"Es gab schon gefährlichere Einfaltspinsel, die wohl noch gefährlichere Bestrebungen hatten, nehme ich an."
"Außerdem", fügte Remilia hinzu, "ist es auf diese Weise viel unterhaltsamer.

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Es war das Heißeste und Leuchtendste, was Flandern je gefühlt, gehört oder gerochen hatte, und sie hatte einmal die Sonne gesehen.
Und dann war es vorbei.

Flandre nahm die Hände von den Augen und blinzelte die violetten und grünen Blüten weg, die in ihrer Sicht vor Fujiwara no Mokou schwebten, die auf etwas schwankenden Beinen stand und ihr Gesicht benommen rieb, aber größtenteils so prachtvoll aussah wie an dem Tag, als sie die Unsterblichkeit erlangte.
Flandre glotzte.
Mokou ächzte: "Okay, ich bin auf viele interessante und schmerzhafte Arten gestorben. Aber diese eine... uff, lass mich dir sagen." Sie warf Flandre einen Blick zu. "Was war das überhaupt?"
"Wie?" Flandre keuchte. "Ich habe dein Auge gequetscht."
"Das kann nicht sein. Ich würde an jedem Tag der Woche erkennen, wenn mir die Augen herausgerissen würden."
"Nicht dein Auge. Dein AUGE." Flandre näherte sich langsam.
"Ich nehme an, du meinst ein anderes Auge als die in meinem Gesicht?"
"Das Auge. Der Schlussstein des metaphysischen Ankers, der eine Sache in der Ewigkeit der Wirklichkeit verankert hält." Flandre piekte Mokou mit einer misstrauischen Kralle an die Brust. "Ich quetschte es und die Sache macht bumm. Alles hat einen. Alles macht bumm. Hast du geschummelt?"

"Tut mir leid." Mokou zuckte die Achseln. "Kann nicht anders, als den Tod zu betrügen."
"Jedenfalls nicht für sehr lange", sagte Keine, mit didaktischem Unterton. "Siehst du, Fräulein Fujiwara kann sterben, Flandre, aber sie kommt sofort zurück."
Etwas schien in Flandre’s Kopf "klick" zu machen. Sie legte ihre Hände an ihr Gesicht und keuchte schrill.
"Sie meinen, Sie hat unendlich viele Münzen?!"
"Äh. Sicher", sagte Mokou. Sie hatte längst gelernt, dass der sicherste Weg, mit dem Wahnsinn umzugehen, darin bestand, mitzuspielen; wenn man lange genug auf dem Gedankengang ritt, entdeckt man vielleicht, dass man bei der irrsinnigen Vorstellung, man sei zurechnungsfähig, ausstieg.

Immerhin hatte es bei ihr funktioniert.

"Ich schätze jetzt bist du dran, Miss no Mokou", sinnierte Flandre rückwärts schwebend. „Noch nie hat jemand eine halbe Runde Quetsch überstanden."
Mokou steckte die Hände in die Taschen, diesmal so tief, dass sie sich beugte.
Dies war eine Haltung, die Keine mit einer gewissen Dringlichkeit identifizierte. Hier griff Mokou nicht nur nach der Scheide ihres metaphorischen Schwertes, sondern fuhr auch mit flatternden Fingern über das Heft.
Oh Götter, nein, dachte Keine, Mokou fing an, sich zu begeistern.
Keine sagte: "Eine Runde ist alles, was ihr bekommt", was sie beruhigte. Ruhe war unerlässlich, wenn eine Gleichung die Variablen einbezog, die in der Welt als Fujiwara no Mokou und Flandre Scarlet bekannt waren.

Sie zog einen Stuhl an den einzigen Tisch in Flandre‘s weitläufigem Raum. Es gab keinen Zweifel daran, dass es sich um den Tisch einer jungen Schülerin handelte; er war völlig frei von jeglichem Lehrmaterial. Sie ignorierte die schwarzen Flecken von Flandre’s unordentlichen vergangenen Mahlzeiten, grub in ihrer Kleidertasche und holte ihr Hatte und eine Schriftrolle hervor, die sie ausrollte. Sie konnte genauso gut selbst etwas Quetsch machen und etwas Arbeit dazwischen quetschen.

Sie hatte das Vampirmädchen auch besiegen müssen, als sie zum ersten Mal hier ankam, bevor Flandre auf Keine hören wollte, und dann beharrte Remilia plötzlich darauf, dass sie Flandre nur in ihrer Hakutaku-Form treffen würde. Flandre sah die Welt in Spielen. Sie glaubte, ihre "Strafe" für die Niederlage gegen Keine seien diese Lektionen. Nun, es wäre nicht das erste Mal, dass Keine einige Schülerinnen und Schüler strampelnd und schreiend in die Klasse schleifen müsste. Zumindest musste sie es bei Flandre nur einmal tun.
Einige ihrer Schüler waren so weit gegangen, ein Gerücht zu verbreiten, das wenn sie einem Stahlträger einen Kopfstoß verpassen würde, es der Träger Wäre der Sich erholen müsste. Was eigentlich völliger Unsinn war. Dieser Träger war nicht mehr in der Lage sich zu erholen, nachdem Keine mit ihm fertig war.
Ihre Beziehung war seit der Überwindung Flandre’s durch Keine zu einer unerbittlichen Heuristik geworden. Es war töricht zu glauben, dass bei Mokou anderes sein würde. Niemand wusste besser als Keine, dass sich die Geschichte ständig wiederholte.

"Also. Quetschen, was?" fragte Mokou lauernd. "Ich habe einen Quetsch für dich..."
Aus ihrer Tasche zog Mokou eine kaum benutzte Zauberkarte heraus. Sie war bereits dabei, sich in Rauch aufzulösen.
"Besessen vom Phönix!"

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"Jedenfalls", sagte Remilia und legte Ihre Fingerspitzen aneinander, "haben Sie Neuigkeiten über meine erst und dritt Lieblings-Rot-Weißen?
"Ja, habe ich. Und darf ich hinzufügen, dass Fräulein Kamishirasawa ziemlich seltsam auf die Tür starrte, als ich eintrat. Ich fürchte, sie wird immer besser darin, meinen Zeitstillstand zu bemerken. Obwohl sie wahrscheinlich die einzige ist; die junge Herrin und Fräulein Fujiwara waren beschäftigt".
"Beschäftigt mit was?"
"Sie spielten Quetsch, Herrin."

Remilia schloss ihre Augen.
"Sakuya, ich fürchte, wir haben keinen besonders guten Start gehabt."
"Sie sind überrascht?", sagte Sakuya, selbst überhaupt überrascht. "Herrin, selbst Meiling riet Ihnen davon ab - und das meine ich ernst -, Fräulein Fujiwara nicht über die Persönlichkeit der jungen Herrin zu informieren. Die Frau ist ein - um es nicht allzu genau zu formulieren - ein Feuerwerkskörper. Sie lebt für den Tod. Wenn man überhaupt Leben nennen kann. Sie hätte zumindest über den prekären Geisteszustand Ihrer Schwester aufgeklärt werden müssen. So wie es aussieht, hat sie die sehr reale Möglichkeit, die von Ihnen und Meiling angestrebte Vernichtungsneigung der jungen Herrin wieder zu entfachen. Oder, was noch fataler wäre, Sie könnten anfangen zu denken, dass die totale Vernichtung, Zitat: 'hip' ist, wie es bei Kindern heutzutage heißt".
"Schenken Sie mir einen Moment lhre Aufmerksamkeit, ja?"

Remilia erhob sich, weniger eine Entfaltung von Muskeln, als vielmehr das, was man erhielt, wenn ein Marionettist träge die Kontrollleiste anhob und machte ein paar Schritte in Richtung der Scharlachroten Teufelsvilla; ihr belletristisches Aussehen verschmolz mit dem majestätischen silbernen Schein des Mondes. Und hier posierte Remilia mit einer stygischen Erhabenheit, vor der alle Himmel erzitterten.
Einem weit verbreiteten Konsens zufolge war es etwas schwierig, einen Hauch von absoluter Autorität auszustrahlen, wenn man einen kleinen Fingerbreit über 1,20 m groß ist und routinemäßig rosa Kleider mit genügend Rüschen trägt, um einen gewöhnlichen Passanten bei Bewegung übel werden zu lassen. Fünfhundert Jahre und nicht ein einziger Mensch fand heraus, wie Remilia Scarlet das mit so umwerfender Eleganz bewerkstelligen konnte.
Vielleicht ist es das, was die Leute mit "Charisma" meinten.

Remilia hob eine Hand, um die erhabene Atmosphäre des Bildes zu vervollständigen.
Und der Scharlachrote Teufel sprach, und sie sprach tatsächlich, denn das einzige Geschäft, das eine solche königliche Monstrosität hatte, war das Sprechen:
"Die erste Sicherheitsmaßnahme, die wir ergreifen, wenn Flandern aus dem Keller ausbricht, ist, einen Wolkenbruch über der Villa auszulösen. Warum?"
"Vampire können nicht bewusst fließendes Wasser überqueren, und als solches gilt Regen."
"Sehr gut. Aber was ist Regenwasser? Atmosphärischer Dampf und Kälte. Es ist so erbärmlich, dass jemand so Großartiges wie ich davon schwach wird."
Dann kicherte der ewig junge Scharlachrote Mond finster. "Aber was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass ich etwas vor dir verberge? Ein Geheimnis von ungeheurer Größe. Ein Geheimnis, das, wenn die große Youkai-Weise der Grenzen es wüsste, Krieg gegen mich führen würde. Ein Geheimnis, das, wenn es der Öffentlichkeit bekannt würde, die Massen in Panik versetzen würde. Keine Menge Knoblauch würde die Welt retten, wenn jemals bekannt würde, dass wir Vampire..."
"Vampire können sich so trainieren, dass ihnen beim Anblick von fließendem Wasser nicht übel wird. Genauso wie Sie sich gegen Sonnenlicht und die heiligen Bilder von Kreuzen gewappnet haben".

Die Welt in Purpurrot blickte missmutig drein. Die Hand schwankte.
"Ja. Ich..."
"Sie haben beschlossen, sich an Ihrem zweihundertsiebenunddreißigsten Geburtstag von der Angst zu befreien, und das mit einem - wenn auch begrenzten - Erfolg.
Das Blick, den Remilia in Sakuya‘s Richtung warf, hätte die Angst vor der Nacht in einem Menschen entfacht. Remilia’s Hand sank.
"Habe ich Ihnen diese Geschichte schon erzählt?"
"Nein, Herrin. Meiling hat sie erzählt. Während sie in einer Welt fröhlichen Rausches darüber weinte, wie weit unsere Herrin seit ihren jungen Tagen gekommen ist. Wussten Sie, dass sie eine geschwätzige Trinkerin ist?" Trotz ihres Charakters ertappte sich Sakuya beim Lächeln. "Mit so viel Liebe zum Detail erzählte sie mir von den vielen Stunden, die die Herrin in ihren Strandkleidern verbrachte, zitternd vor einer persönlichen Regenwolke, die von der Regenbogen-Drachen-Magie herbeigerufen wurde. Gelegentlich machte die Herrin einen halben Schritt vorwärts, um dann wieder zu ihrem Drachen-Bodyguard zu flüchten, sich an ihren Beinen festzuklammern und kleine Schluck ihres Lieblingsblutes der Blutgruppe B zu nehmen, um sich an ihren Mut für einen weiteren Versuch zu machen. Und wie einmal, als die Herrin mit einem solchen Ritual beschäftigt war, ihre Leibwächterin mit Euch durch den Regen rannte, und wie die Herrin kreischte..."
Dann stoppte sie, weil der Scharlachrote Teufel mit ihrem Speer auf ihre Kehle zielte und wie eine Höllenbestie knurrte.

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Gegenüber von Flandre verschmolz Mokou wieder zu einer menschlichen Gestalt.
"So hübsche Farben, Miss no Mokou", kicherte der Vampir. Das Ende ihres Pferdeschwanzes rauchte. "Du bist wirklich gut mit Zauberkarten!"
"Danke! Um ehrlich zu sein, bin ich ein wenig eingerostet", sagte Mokou und spuckte dabei etwas Asche aus. "Meistens benutze ich sie gar nicht."
"Ja", sagte Flandre. "Hübsche Muster oder nicht, sie werden nach einer Weile langweilig, oder?"
"Ja", stimmte Mokou, nachdenklich zu.
Sie sahen sich in die Augen.
"Ja", erwiderte Flandre.
Keine hastete zügig zwischen die beiden.
"Seid ihr jetzt fertig damit?", sagte sie. "Gut", sagte sie. „Also, wenn Sie so freundlich wären, sich zu mir an den Tisch zu setzen..."
"Hey, Miss no Mokou, wollen Sie eine meiner Lieblings-Zauberspruchkarten sehen?" Flandre flatterte unbewusst ein paar Zentimeter über Keine's Hörner.
Mokou erhob sich auf die Höhe des Vampirs. "Schieß los."
"Ich gebe mein Bestes!"
" - können wir mit dem Unterricht heute Abend beginnen -"
Flandre hob die Hand und rief aus:
"Lævateinn!"
Ein scharlachroter Blitz schlug ein, und Flandre hob etwas an, das aussah wie ein knorriger Uhrzeiger, etwa so groß wie sie.
Sie drehte sich zu Mokou und lächelte wieder mit einem weiteren Lächeln, das von reichlich taxidermischer Qualität war.
"-es ist eine ziemlich lange Lektion, also je eher wir anfangen..."
"Nun?", sagte Mokou und grinste dabei das Grinsen, das etwa sieben von zehn Mal das Letzte war, was Kaguya je sah.
"-DESTO FRÜHER IST DER UNTERRICHT BEENDET"

Flandre schwang.
Aus dem Lævateinn erhob sich ein Turm aus roter Energie, der die Wände, den Boden und beinahe auch Mokou zerschnitt; sie drehte sich aus dem Bogen der Klinge, wobei sie einen ihrer Papieranhänger einklemmte, und schleuderte eine Reihe von brennenden Federn.
Flandre positionierte ihren Griff neu und setzte zu einem weiteren Schnitt an.
Keine hob den Kopf; sie war sofort in Deckung gegangen, als sie den Hauch von Magie spürte.
"Flandre!", schrie sie, über die herabstürzenden Trümmer hinweg. "Du hast keine Zauberkarte aktiviert!"

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"Ich bin der Vampir des schweren Nebels, Remilia Scarlet, der scharlachrote Teufel und Herrin der scharlachroten Teufelsvilla! Ich erlaube nicht, dass die menschliche HILFE in dieser Weise mit mir spricht!"
Sakuya wagte es nicht, zu schlucken.
Der göttliche Speer löste sich in einem Nebel aus scharlachroten Fledermäusen auf.

Remilia schnaubte.
"Und ich möchte, dass Sie wissen, dass es sehr erschreckend war, als Meiling das tat!"
Sakuya, die es nicht schaffte, so zu tun, als würde sie nicht lächeln, verbeugte sich tief.
"Verzeihen Sie mir, Herrin. Sie wissen, dass ich mich manchmal vergesse."
"In der Tat", murrte Remilia.
"Eine recht ermutigende Geschichte von unerschütterlicher Beharrlichkeit im Angesicht des Wassers", ergänzte Sakuya.

"Was ich damit sagen wollte, ist, dass es nichts gibt, an das sich ein Vampir mit genügend Übung nicht anpassen kann. Warum weiß Fräulein Fujiwara nichts über Flandre? Ganz einfach. Es wäre Flandre gegenüber nicht fair, wenn die Praxis nicht zumindest ein wenig mit der Realität übereinstimmen würde. Die Einführung und der anschließende Diskurs müssen natürlich sein, wenn Flandre lernen soll, wie die Außenwelt funktioniert. Sie ist nicht bereit für die Welt, aber in ihrem eigenen Tempo kann sie es eines Tages sein. Ich habe über vierhundert Jahre gebraucht, um nicht im Sonnenlicht augenblicklich in Flammen aufzugehen. Auf unserer kleinen Mond-Eskapade habe ich, wie lange, fünfzehn, zwanzig Sekunden durchgehalten? Meine und Flandre’s Erziehung war klassisch. Wir sind von Natur und Abstammung her Traditionalisten. Nur dass Flandern nie die... Flexibilität hatte, die ich habe. Sie versteht nicht, dass wir uns nicht mehr im sechzehnten Jahrhundert befinden."
Remilia umklammerte ihre Hände hinter dem Rücken und hob ihre Nase gen Himmel.
"Ich verstehe, wenn dies eine Überraschung ist, Sakuya, aber wir Vampire können extrem störrische Kreaturen sein."
"Eine wahrhaft schockierende Enthüllung, Herrin."

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Mokou streckte eine frisch wiederauferstandene Schulter.
Sie schwebte hoch über dem Boden von Flandre’s Zimmer. Hier oben war mehr Platz, als es hätte sein sollen, ähnlich wie im restlichen Herrenhaus; es sah so aus, als wollte jemand sicherstellen, dass Flandre genügend Platz hatte, um ihre Flügel auszubreiten. Im Gegensatz zum Rest des Herrenhauses war es jedoch zur Hälfte zerstört, wobei das, was nicht zerstört war, brannte.
Es gab keinen Rauch; Mokou war vorsichtig, ihre Machenschaften auf Pyromantik, nicht auf Pyrolyse, zu beschränken. Wie Keine gesagt hatte, konnte nur sie Waldbrände verhindern. Ein weiteres Mal.
Flandern schielte ihr über den Hitzedunst hinweg zu. Sie hatte den Kopf zur Seite geneigt und analysierte.
Was? Mokou war es egal. Aber sie wollte verdammt sein, wenn sie eine Möglichkeit an sich vorbeiziehen lassen würde.
Der Vampir riss sich gerade noch rechtzeitig aus dem heraus, was auch immer Sie gerade gedacht hatte, um dem blauen Feuerball zu erlauben, die Wand anstelle von ihr zu verbrennen.

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"Aber Flandre lernt dazu", fuhr Remilia fort. "Und sie lernt wie der Teufel, wenn es um Tod und Zerstörung geht. Es hat fast ein halbes Jahrtausend gedauert, ein extrem buchstäblicher Ozean aus Blut und ein Berg von Teddybär Flaum und Spielzeugsoldaten, aber, bei den Göttern, sie fängt an, es zu begreifen. Sie erinnern sich, wie positiv die Begegnung zwischen ihr und Koakuma verlief".
"Außerordentlich positiv, Herrin. Fräulein Knowledge brauchte nur drei Tage, um alle Teile von Koakuma wieder zusammenzusetzen."
"Nie war ich stolzer, Flandre meine Schwester zu nennen", sagte Remilia lachend. "Und sie hat sich so gut an das benutzen von Zauberkarten gewöhnt. Sie hat nicht einmal Marisa getötet, als sie sich zum ersten Mal trafen!"
"Eine lobenswerte Leistung, unabhängig davon, wer sie vollbringt."
"Sie hat es trotzdem versucht, ja, es ist das Einzige, was sie sich jemals von einem Zauberkarten-Duell wünscht. Aber das Wichtigste ist, dass sie es nicht getan hat. Jetzt bekommt sie Unterricht, Sakuya, etwas, von dem Patche vor fünfzig Jahren sagte, es sei unmöglich.
Im Hintergrund war das Geräusch von Eissplittern auf einer Faust deutlich zu hören. Cirno war in die Offensive gegangen.
Beim nächsten Satz strich eine Wärme durch Remilia’s Brust.
„Ein Schritt nach dem anderen kommt meine kleine Schwester für immer aus diesem verdammten Keller heraus."

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Auf dem Boden knurrte Keine. Das Band an ihrem Horn brannte mit Kobaltfeuer.
Flandre’s Zimmer war in einem verbrannten Trümmerhaufen.
Das Feuer sickerte über den Boden und tropfte aus dem Inferno von den Wänden und der Decke.
Vielfarbige Magie regnete herab.
Die Geschichte wiederholt sich in der Tat. Alles, was fehlte, waren die langen schwarzen Haare und die Bogenschützin.
Sie erstickte die Flamme an einem Ende ihrer Geschichtsrolle, am Ende Ihrer Geduld mit dieser Albernheit.

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"Und wirklich, nichts, was ich geplant habe, ist so riskant, wie Sie es behaupten".
"Möglicherweise", räumte Sakuya ein. "Frau Kamishirasawa hat viel Erfahrung darin, unsterbliche Wesen mit unermesslichem Zerstörungspotential zu besänftigen."

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Keine hielt Flandre und Mokou am Kragen. Jedes ihrer Worte wurde unterbrochen, indem sie die Köpfe der beiden aneinander rammten.
"Ich! Dachte! - Ich! - Sagte! - Nur! - Eine! - Runde!"
Die Hakutaku-Muskeln spannten sich an und sie schleuderte beide zu Boden. Flandre prallte mit einem Quietschen und einem Klimpern an Mokou’s Bauch ab.
Der Raum war noch warm, aber wenigstens gab es kein Feuer mehr. Das magische Feuer existierte so lange, wie es der Schöpfer wollte, und es war bekanntlich schwierig, sich mit einer Gehirnerschütterung zweiten Grades zu konzentrieren.
"Ihr werdet beide nachsitzen, hört ihr mich?"
Mokou kämpfte sich auf die Ellbogen.
"Du kannst mich nicht zum Nachsitzen schicken!", rief sie. "Du bist nicht meine Lehrerin!"
Keine drohte über Mokou wie ein älterer Gott, der einen Nachsitzschein schwang. Der uralte Schrecken, das das Amt der Schulleiterin war, loderte von ihr wie ein Flammenwerfer.
"Setz dich hin und lass mich diesem Mädchen gute Manieren beibringen, du verbitterter Scheißhaufen! Wo hört das bei Dir auf? Wieso denkst du, dass eine Eskalation zum Phönixfeuer gegen ein kleines Mädchen auch nur annähernd angebracht ist?"
"Wir hatten gerade..."
Der Rest von Mokou‘s Plädoyer verstummte klugerweise unter der Intensität von Keine's Blick. Es gab so etwas wie ein Schicksal, das schlimmer war als der Tod. Es hieß in der Regel Fräulein Kamishirasawa.
Keine wandte sich an Flandre zu. "Und du, junge Dame, Brandstiftung, Zerstörung von Eigentum, Mord und Ungehorsam gegenüber deiner Lehrerin? Warte nur, bis deine Schwester davon erfährt."
"Bitte nicht!" flehte Flandre.
Aber eine Lehrerin ist gefühllos gegenüber den Klagen eines Kindes.
"Lektion Nummer zwei in Höflichkeit." Keine griff Flandre an der Vorderseite ihrer Bluse und stieß den Vampir gegen Mokou’s Brust. "Ihr zwei werdet euch jetzt dahin setzen und eure Streitigkeiten ausumarmen und so tun, als ob ihr normale, angepasste Leute wärt! Besser noch..."
Keine ging zur Geschichtsrolle, zog an ihrem Pinsel und schrieb:
"Und dann hörten Fujiwara no Mokou und Flandre Scarlet auf zu kämpfen und begannen sich zu umarmen.“ Sie blickte auf. "Habe ich mich klar ausgedrückt, Kinder?"
"Nein, dass kannst du mir nicht antun", protestierte Mokou weiterhin völlig vergeblich.
"Und denkt nicht einmal daran, den anderen zu verstümmeln, es sei denn, ihr wollt in-" Keine's rote Augen blitzten wie Nadeln vor böser Kreativität " Die stille Ecke".
Mokou und Flandre klammerten sich inbrünstig aneinander.
"Nein, Fräulein Kamishirasawa", zitterten sie unisono.

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"Ein beeindruckender Anblick, wie Keine eine so vollkommene Mischung aus der unermüdlichen Natur des Menschen und der herrischen Kraft des Youkai zeigen kann", sagte Remilia. "Aber nein, es gibt einen viel einfacheren Schutz. Sakuya, dies ist mein Plan. Wann war das letzte Mal, dass ich mich in irgendetwas geirrt habe?"
"Nun, Herrin, es gab mehrere Gelegenheiten, bei denen Sie mir sagten, dass Sie keinen Wein trinken, was zwar technisch nicht falsch ist, aber eine objektive Falschdarstellung der Realität darstellt..."

Remilia stampfte mit dem Fuß auf, wobei das Gesichtsausdruck sofort in Gereiztheit umschlug.
"Nein! Wie oft muss ich dir das noch sagen? Es ist ein Witz!"
"Ich verstehe."
"Das ist ein Vampir-Klassiker und ein absoluter Zwerchfell-Killer, wenn man ihn in der richtigen Gesellschaft erzählt!"
"Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Es war nie meine Absicht, euch verrückt zu machen."
"Wirklich, Sakuya, eines Tages werden Sie lernen müssen, wie man einen Witz erzählt."
Sakuya lächelte gesellig. "Ich? Einen Witz erzählen? Herrin, verzeihen Sie mir, aber jetzt sind Sie absurd."

Sie wurden auf ein Pfeifen in der Luft aufmerksam.
Remilia lehnte sich an die Armlehne ihres Stuhls. " Achtung!"
Ein unnötiger Befehl. Sie schien sich nicht zu bewegen; sie hielt nur plötzlich Cirno fest, die sich vor kurzem auf einem Crashkurs mit Höchstgeschwindigkeit mit Remilia’s Position befunden hatte.
Die Fee zuckte und machte ein Geräusch wie ein verstopfter Gummischlauch.
"Cirno! Wir haben gerade von dir gesprochen", sagte Remilia hellwach. "Das war Ihr letzter Treffer, glaube ich?"
"Ja", raspelte Cirno, machte ein Gesicht, hustete aus einem beträchtlichen Eisklumpen und fuhr mit normalerer Stimme fort: "Ich hab die Trefferbegrenzungsregeln nie gemocht. Bis zum einer Aufgbiebt, sollte die einzige Möglichkeit sein, Duelle zu führen. Ich habe immer noch viel MOTIVATION in mir".

"Motivation?", fragte Remilia, auf der Grundlage der Gensokyo‘s, dass alles, wo man die Großbuchstaben hören könne, wissenswert war.
"Ja, weißt du, das Ausmaß deines Drangs zum Weitermachen? Streng dich an, Scarlet. Ich habe immer gesagt: "Solange du Lust hast, solltest du in der Lage sein, weiterzumachen. Du bist nicht aufzuhalten, wenn du MOTIVATION hast." Sie rollte mit den Augen bei Sakuya. "Du kannst mich jederzeit absetzen, wenn du willst. Danke."
Sakuya ließ Cirno los, die wie ein Klumpen zu Boden fiel.
"Äh", sagte Cirno.

Es gab einen reglosen Kampf welchem Remilia mit höflicher Belustigung zusah.
Schließlich schnaubte Cirno. "Fantastisch. Dein dummes Dienstmädchen hat mir das Rückgrat gebrochen, Scarlet."
"Es tut mir schrecklich leid", sagte Remilia. "Wir ergeben uns deiner unvergleichlichen Weisheit in den Sphären der Dummheit. Allen Gästen des Herrenhauses ist jederzeit die größtmögliche Gastfreundschaft zu gewähren. Als Herrin dieses Hauses beauftrage ich Sakuya, diesen Fehltritt unverzüglich zu korrigieren."
"Nun, Beeilung. Ich habe nicht den ga-"

Doch Cirno war nicht in der Lage, ihre Gedanken fortzusetzen, da ihr plötzlich der größte Teil ihrer Kehle fehlte.
Sie wurde schlaff. Ihre Augen rollten zurück. Ihre Gestalt verschmolz mit dem Gras.
Sakuya wischte den Schneematsch mit einem Silbermesser auf ihrer Schürze ab.
Frostige Luft strömte herein. Wasser floss zurück in die Form, floss zurück in die Farbe und gefror.
Cirno sprang auf, strich das Gras von ihrem Kleid und machte, wenn man bedachte, dass sie ein Publikum hatte, einen winzigen Luftrückwärtssalto.

"So gut wie neu", erklärte sie für die Beteiligten.
"Zögern Sie nicht, mich wieder aufzusuchen", sagte Sakuya heiter und wendete die Klinge um. "Es wäre mir ein großes Vergnügen, Ihnen jederzeit zu Diensten zu sein."
"He, Cirno! Gute Partie", sagte Hong Meiling, als sie lächelnd und mit in den Hosenbund gesteckten Daumen auf das Ensemble zuging. "Hab dir doch nicht allzu sehr wehgetan, oder?"
Cirno zuckte die Achseln. "Bin ein paar Mal gestorben."
"Nichts Schlimmes also? Freut mich, das zu hören. Jetzt komm schon. Ich muss dich vom Gelände geleiten."
"Warten Sie, Torwache", sagte Remilia. "Mir wurde zugetragen, dass Cirno mit Entwürfen für mein Leben in das Anwesen des Herrenhauses eingedrungen ist. Und Sie wissen, was das bedeutet."

Bevor Cirno reagieren konnte, hatte Meiling sie in eine Umarmung hineingezogen. Meiling bewegte sich schnell für eine Frau, für die das Wort "massiv" als Adjektiv auf jedes beliebige Körperteil verwendet werden konnte. Die bestimmten Teile der Anatomie, zwischen denen Cirno um Atem rang, passten definitiv ins Bild. Ziemlich eng beieinander.
"Oh. Mann. Du wirst es lieben, hier zu arbeiten! Freie Unterkunft und Verpflegung. Herausfordernde Arbeit. Sehr flexibler zweiundzwanzigstündiger Arbeitstag. Ein freier Tag pro Jahrzehnt. Lerne interessante Leute kennen. Von den oben genannten Personen in den Boden gestampft werden. Und die Herrin hat persönlich dafür gesorgt, dass die zahnärztliche Versorgung des Hauses fantastisch ist!"
"Was?" Cirno stammelte und tauchte aus den Zwillingsseen der Oberweite auf. "Was redest du da?"
Meiling runzelte die Stirn. "Hat Remilia dir keinen Job angeboten?"
"Das habe ich in der Tat nicht", sagte Remilia. "Nur einen Platz an unserem Tisch heute Abend. Verzeihen Sie mir jede Beleidigung aufgrund von Vermutungen, Cirno, aber Sie schienen mir nicht die Art von Frau zu sein, die über den Beginn einer Karriere in häuslicher Knechtschaft in Ekstase gerät.

Cirno erreichte genug Schubkraft, um der Schwerkraft des Oberkörpers des Drachens zu entkommen. Sie schwebte neben Remilia herab und starrte sie an.
"Moment mal, Du stellst also Leute ein, die versuchen, Dich zu killen?"
"Gewiss. Es zeigt Initiative. Genau das, was wir in der scharlachroten Teufelsvilla mögen."
"...und hast du keine Angst, dass sie es noch mal versuchen?"
"Ich mache mir mehr Sorgen, dass sie es nicht würden. Ich bin schon weit über fünfhundert. Ich brauche etwas, das mich auf den Zack hält. Das brauchen alle. Warum, glauben Sie, darf Marisa weiterhin zu Besuch kommen? Patche hat in den letzten zehn Jahren mehr Zaubersprüche erfunden als in den achtzig Jahren davor. Wie auch immer, das Angebot für das Abendessen steht noch, falls Sie noch hungrig sind."
"Eh. Klar. Ich bin immer für kostenloses Essen zu haben."

"Wunderbar! Um einen alten Vampir-Ausdruck zu verwenden: Wir in der Scharlachroten Teufelsvilla lieben es... Gäste zum Abendessen zu haben. Andere Leute sind das Lebenselixier eines Vampirs. Sakuya, kümmern Sie sich voll und ganz um unseren Gast. Und Meiling?" Remilia deutete mit dem Daumen auf einen fernen Garten. "Auf ein Wort unter vier Augen, wenn ich bitten darf."
"Ohhhh", trällerte Cirno, die das im Unterricht immer wieder tat und es immer wieder als Inbegriff der Schlagfertigkeit empfand.
Trotz dieser öffentlichen Verurteilung folgte Meiling ihrer Herrin gemütlich, versichert durch die Gewissheit, dass sie nichts Falsches getan hatte; sie konnte sich mindestens sieben Stunden lang nicht daran erinnern, dass ein Messer in ihrem Schädel steckte.

"Beobachten sie uns?", sagte Remilia, sobald sie durch Meiling's Masse strategisch abgeschirmt war.
Meiling blickte zurück durch ihr Haar. "Nein. Sakuya kümmert sich um unseren Gast. Cirno amüsiert sich prächtig, ihre neu gewonnene Autorität zu demonstrieren."
"Indem sie was tut?", fragte die Herrin heißer.
"Sie jongliert..." Meiling schielte, "hundert-vierund... vierzig Messer".
"Ist das alles? Jonglieren? Amateur. Wenn ich die Kontrolle über den Diener eines anderen hätte, würde ich ihre realitätszerstörenden Kräfte für etwas viel Interessanteres einsetzen. Wie ein Ein-Frau-Flamencokonzert. Seien Sie sich dessen sicher, Meiling."
"Meine Sicherheit ist in Euren Diensten stets gewährleistet, Herrin. Einer der besseren Aspekte des Jobs, wenn ich das so sagen darf."
"Gut... zu... wissen..."

Remilia‘s Knie gaben schließlich nach, als sie sich in Meiling's wartende Hände fallen ließ. Meiling ließ die Stille das zittrige Atmen der Herrin beruhigen. Sie nutzte die Gelegenheit, die winzige Figur näher zu betrachten. Die Details waren schwer zu übersehen, wenn man sie suchte. Ihre Haut war klamm, Amaranthin-Adern säumten die Augäpfel, ihre Glieder waren schlaff und schwer.
Meiling erkannte die Symptome. Sie klopfte Remilia auf die Schulter.
Es dauerte eine Weile, bis Remilia merklich zitternd wegtrat. Sie glättete die Falten in ihrem Kleid.

"Danke, Meiling."
"Nicht der Rede wert", sagte Meiling.
"Und ich bitte Sie, nicht davon zu Sprechen. Ich habe einen Ruf zu wahren. Was würden die Leute sagen, wenn man mich für etwas Geringeres sehen würde als die kultivierte Dame der Finsternis, die vor Ihnen steht?"
Meiling hielt ihren Tonfall sorgfältig neutral.
"Ich bezweifle, dass das ihre Wahrnehmung auch nur im Geringsten ändern würde, Herrin."
Remilia schenkte ein kleines, dankbares Lächeln. "Nett von Ihnen, das zu sagen."
"Anstrengende Nacht um das Schicksal zu beeinflussen, was?", fragte Meiling. " Wissen Sie, was den meisten Leuten dabei hilft? Ein gesundes Heilmittel mit reinem Ethanol. Soll ich mal in die Küche gehen?"
Das Lächeln wurde düster.
"Aber... ich bin ein Vampir. Wir trinken keinen... Wein."

"Ich hatte nicht vor, etwas mickriges wie gegorene Trauben vorzuschlagen. Holen Sie den harten Whiskey raus, warum nicht - wha! Herrin! Geht es Ihnen gut?"
"... 'Mir geht's gut", sagte der scharlachrote Teufel mit leiser Stimme.
"Sind Sie sicher? Es sah so aus, als ob Sie noch einmal kurz zusammenbrechen wollten..."
"Es geht mir gut!" Es gab einen blassen Schimmer, als Remilia‘s Lippen sich nach hinten rollten. "Mir geht's gut!"

Meiling betrachtete ihre Herrin mit verstärkter Sorge von Oben bis Unten; eine schnelle Prozedur, da Remilia nicht im Besitz großer Mengen von "Oben" war. Dass es Remilia vollkommen gut ging, bedeutete, dass sie etwas zutiefst bedrückte, und das Thema weiter zu verfolgen, würde Meiling’s nahe Zukunft nur mit enormer Konsequenz erfüllen. In Situationen wie dieser war es üblich, einen Tag oder so zu warten, wenn Remilia’s wirbelnder Interessenpool auf etwas anderes überschwappte, was Meiling nie gern getan hatte. Jemanden absichtlich griesgrämig zurückzulassen, war ein Verbrechen, das sie höher als Mord stellte, gleichbedeutend mit Einbruch und fahrlässigem Blumentrampeln.
In ihrem langen Leben hatte sich Meiling so manche Technik angeeignet, um die Stimmung zu heben, ohne dass es jemandem bewusst war. Wenn Hong Meiling irgendetwas war, dann war es eine vierfache Anhängerin der heilenden Kräfte des Small Talk.

"Heller Mond heute Nacht, was, Herrin?"
"Ich schätze", sagte Remilia und starrte über den Garten.
"Wann haben Sie das letzte Mal einen so hellen Mond gesehen?", drängte Meiling.
"Der Mond war ziemlich hell, als ich auf ihm war." Remilia‘s Gesicht verfärbte sich leicht, als sich die Erinnerungsspule mit dieser Serie von Ereignissen wieder aufrollte.
"Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das Duell gegen Wie-war-ihr-Name verloren habe", sagte sie. "Yo-yohime, das war es, glaube ich."
" Sie hätten das Schicksal jederzeit manipulieren können", schlug Meiling vor.
"Hätte ich tun können, aber ich tue nichts Komplizierteres als meinen Gegnern Unglück zu bringen".
"Oh ja. Das hatte ich ganz vergessen. Sie manipulieren das Schicksal nicht mehr auf der Basisebene. Um ehrlich zu sein, kam mir das auch immer ein bisschen betrügerisch vor."
"Es gibt nichts an einem Sieg ohne Widrigkeiten", versicherte Remilia. "Kein Drama. Kein Nervenkitzel. Keine Chancen. Es ist langweilig." Remilia schaffte es, mehr Verachtung in ein Wort zu fassen, als Meiling sie in dreihundert Jahren hatte ausdrücken sehen. "Es macht viel mehr Spaß, es nicht im Voraus zu wissen."
"Widrigkeiten, was? Sie meinen, wie damals, als wir versuchten, unsere eigenen Ländereien zu erweitern?"
"Bitte. Der Zwischenfall mit dem Scharlachroten Nebel wurde kaum als mehr als ein Scherz registriert. Selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, bin ich seitdem stärker geworden. Wenn ich Drama und Nervenkitzel sage, dann meine ich das auch so. Gegenwärtig bin ich weit über Scherze, Unfug und Quatsch hinaus. Ich spreche von Schabernack, Miss Hong."
Meiling pfiff. " Schabernack? Das sind aber ein paar Scheren, mit denen Sie da herumlaufen, Herrin."
"Ich muss Ihnen nicht sagen, dass Flandre es wert ist."
"Eure Monderoberung war es nicht?"
"Nicht im Geringsten."
„Aber Sie haben es jahrhundertelang geplant!"
Der Vampir zuckte die Achseln. "Aber zumindest konnte ich hingehen, und du musst zugeben, der Pool in der Bibliothek war originell."
"Nun, was ist denn heute Abend so schwierig gewesen?"

"Was war leicht?" Remilia schüttelte den Kopf. "Es hat Monate gedauert, um alles vorzubereiten, damit niemand Verdacht schöpft. Bestimmte Leute müssen an bestimmten Orten sein, an denen sie normalerweise nichts zu suchen haben. Und dann ist da noch Flandre. Ihr Schicksal war noch nie besonders formbar."
Remilia kauerte sich zu einem Blumenbeet hinunter, das so weiß war, dass es fast blau war, und seufzte, bevor sie weitersprach: "Heute Abend kommt alles zu einem Höhepunkt. Es gibt so viel zu beachten. Wenn ein Glied in der Kette des Schicksals auch nur den kleinsten Riss bekommt, wird die Sache aus meiner Kontrolle geraten und schlimmer enden, als sie ohnehin schon ist. Ich habe nur eine Eventualität, wenn, wie der große Dichter Saigyouji sagen würde, die Exkremente auf dem Wirbel zusammenkommen, und das wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Diesmal können wir uns nicht auf Reimu oder Marisa verlassen".
"Mögen Sie die Orchideen?", sagte Meiling, immer der Regenbogen im Sturm. "Ich tat mein Bestes, um ihnen die Farbe eures Haares zu geben. Ich bin wirklich stolz auf das Ergebnis der Kreuzbestäubung. Sie sind da, für den Fall, dass Sie jemals wieder ein Blumenbeet in der Form Ihres Kopfes haben möchten, nur diesmal mit den richtigen Farben.
"Sie sind sehr schön. Und ich werde darüber nachdenken. Eine solche Entscheidung ist nicht leichtfertig getroffen", sagte Remilia, erhob sich und wandte sich an Meiling. "Auch Sie haben heute Abend eine Rolle zu spielen. Ich will ehrlich sein, es wird Ihnen nicht gefallen. Yukari auch nicht. Oh Mann, wird sie morgen früh außer sich sein, wie sehr ich die Barriere riskiere."

Obwohl das Gespräch nicht sehr klein war, sah Remilia besser aus. Es erstaunte Meiling immer wieder, wie schnell sich Remilia von allem erholte. Konfrontieren Sie Remilia mit einer unfruchtbaren Einöde des Scheiterns, und alles, was sie sah, war flaches Land, das sich perfekt zum Bauen eignet. Alle hinreichend großen Egos besaßen eine gewisse Elastizität, die sie davor bewahrte, unter ihrem eigenen Gewicht zusammenzubrechen, aber nur sehr wenige in dem Maße, wie Remilia es tat. Was einst als Invasionskatastrophe begonnen hatte, ging nahtlos in die Rekonstruktion des Sees über, das wiederum zu einer Stelle für die Scharlachrote Teufelsvilla auf der Titelseite der Lokalzeitung erblühte.
Meiling lächelte hilfreich. "Herrin, ich bin immer bereit, Ihnen zu helfen, aber bevor Sie mir meine Befehle erteilen, worüber genau werde ich nicht erfreut sein?

Remilia erklärte es ihr.

Schließlich sagte Meiling ganz leise: "Wow. Ähm... okay. Ja. Das gefällt mir nicht, in Ordnung. Aber... danach wird es ihr doch gut gehen, oder?"
"Schwer zu sagen, wirklich. Die Schicksalsketten können sich nur so weit verbinden, bevor sie anfangen, sich zu verdrehen. Aber Sie wissen ja, wie unendlich Starrköpfig Sie ist. Erwarten Sie in nächster Zeit keine Zustandsänderung, a-ha!"
Zu Remilia‘s Überraschung schien Meiling mit dieser Antwort nicht zufrieden zu sein.
"Ich habe alles getan, was ich konnte, um die Schmetterlingseffekte zu minimieren", versuchte Remilia. "Das Schicksal sollte seinen gerichteten Kurs beibehalten, solange Mokou noch am Leben ist. Und wenn alles andere scheitert, werden Sie wiederum mit der Contingenz vorbereitet sein. Flandre wird zumindest zögern, Sie zu töten."
Auch dies war offensichtlich nicht das, was Meiling wollte.
"Hören Sie, ich habe Sie gefragt, ob unsere Maßnahmen an Wirksamkeit eingebüßt haben, und Sie haben ja gesagt. Wir brauchen etwas Unmittelbares. Ihre Siegel können nicht mehr 'versehentlich' versagen; ich kann so bald keinen weiteren Meteoriten mehr herbeirufen, sonst wird sie misstrauisch.
"Ich weiß", sagte Meiling. "Es ist nur... ich weiß."
Sie schlenderte in Richtung der äußeren Umgrenzung des Anwesens. Sturmwolken zogen über ihrem Kopf auf.
"Dann fange ich wohl besser mit dem Regen an."

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Die wirbelnden Klingen hatten eine kritische Jongliermasse erreicht, als Remilia zurückschlenderte, wobei sie darauf achtete, nicht zu zeigen, dass sie äußerst vorsichtig war, um nicht zu schwanken.
Cirno stand im stürmischen Wind, den der Messerwirbel erzeugte, und grinste begeistert.
Im Zentrum des Ganzen gähnte Sakuya.
"Okay, das ist genug Spaß für alle", rief Remilia über den Sturm hinweg. "Zurück an die Arbeit, Ober Magd. Es sei denn, Sie müssen daran erinnert werden, nach wessen Dienstzeit Sie arbeiten?"
Die Messer verschwanden. Sakuya verbeugte sich dankbar, sagte: "Niemals, Herrin", unnatürlich laut in dem plötzlichen Schallvakuum, und war nicht mehr da.
" Warum hast du das gemacht?", fragte Cirno missmutig, als ob Remilia gerade einen besonders interessanten Frosch verscheucht hatte.
"Und bringen Sie uns bitte etwas zum Knabbern mit", rief Remilia in Richtung Villa.
"Meine oberste Magd ist nicht zur Unterhaltung da, Cirno."
Cirno legte ihren Kopf zur Seite.
"Ist sie nicht?"
"Sie hat viele andere Pflichten." Remilia fegte theatralisch über eine Hand. "Wie Sie..."
Zwischen Remilia und Cirno erschien ein Tisch mit einer kleinen Platte mit Häppchen und hinter den beiden standen Stühle.
"-sehen können. Danke, Sakuya!" Remilia klappte vielleicht etwas zu schnell in den Sitz zusammen.

Cirno hatte diesen Persönlichkeitsbruch glücklicherweise nicht bemerkt. Sie war mit intensivem Misstrauen angesichts eines Bezahnstochertem Fleischs beschäftigt.
"Magst du keinen kalten Aufschnitt?", fragte Remilia und griff selbst beständig nach einem. "Ich dachte, du wärst ihr größter Fan."
"Das ist doch nicht menschlich, oder?"
" Also wirklich, Cirno!"
" Schon gut, beruhig dich wieder. Mach dir keinen Knoten ins Hemd."
"Mensch ist kein Häppchen Fleisch!"
"Ich frage nur, weil..."
"Es sei denn, es handelt sich um Fingersandwiches, aber das ist sehr spezifisch."
"-meine Nachbarin, du weißt schon, diese Meerjungfrau, die im Nebel See wohnt?"
"Hm? Hm? Oh, nein. Tu ich nicht, aber fahren Sie fort."

"Es gibt eine Meerjungfrau, die im Nebel See wohnt, und sie ist meine Nachbarin", erklärte Cirno akademisch. "Nettes Mädel, aber eine Spaßbremse, falls es je eine gab. Und seit etwa drei Jahren macht sie diese Sache, bei der sie nachts singt, um Menschen anzulocken und sie zu essen. Ich weiß, dass ein Mädchen essen muss, aber die Menschen, die sie einfängt, schreien so laut. Die ganze Nacht hindurch, mit dem Gesang und dem Geschrei. Ja, irgendwann hören sie auf. Aber bis dahin bin ich schon wach, verstehst du?"
"Die moderne Gesellschaft", bedauerte Remilia. "Manche Menschen sind einfach so rücksichtslos. Yukari sollte etwas unternehmen."
"Es ist besser geworden, seit sie herausgefunden hat, dass man sie auseinanderreißen sollte, nachdem man sie ins Wasser gezogen hat, aber ich kann heutzutage immer noch nicht an Menschen denken, ohne das Gefühl zu haben, gerade aufgewacht zu sein. Das ist das schlimmste Gefühl, nicht wahr?" sagte Cirno. Sie riss das Fleisch vom Spieß.

"Diese Happen-Dinger sind nicht schlecht", entschied sie und schnippte den Zahnstocher über den Rasen. "Mit Creme wäre es besser. Wann kommt der Rest des Futters hierher?"
Remilia schluckte und sondierte die Zwischenräume zwischen ihren Reißzähnen mit ihrem eigenen Zahnstocher.
"Wenn man bedenkt, wie gut Sakuya den Zeitfluss beherrscht, und wenn man bedenkt, dass sie nur sehr wenig Echtzeit braucht... ich würde sagen, fünfzehn Minuten?"
"Fünfzehn Minuten?" Cirno war entsetzt. "Du erwartest, dass ich hier sitze und eine ganze halbe Stunde lang gar nichts mache?"

Remilia lächelte wie ein Vampir: glatt und scharf.
"Auf keinen Fall. Ich lasse mich nicht als unredlicher Gastgeber bezeichnen. Zumindest nicht mehr als einmal. Meine Villa steht Ihnen offen. Erforschen Sie nach Herzenslust. Sakuya wird Sie finden, wenn es an der Zeit ist. Ganz gleich, wo und wann Sie enden werden." Sie hielt einen Finger hoch. "Nur einen Bereich dürfen Sie nicht betreten. Er wird gerade renoviert und könnte für das Nicht-Personal der Villa sehr gefährlich sein. Es kann sein, dass Sie unten eine Tür finden, die vorher nicht vorhanden war. Sie dürfen diesen Bereich unter keinen Umständen betreten. Sie dürfen unter keinen Umständen dorthin gehen, Cirno."
"Aha." Cirno nickte langsam. "Und, äh, wo genau würde ich einen solchen Ort finden? Ähm. Ich, ähm, muss es wissen, damit, ähm, ich es vermeiden kann, ähm, es zu vermeiden. Ich muss es vermeiden. Ja. Ja, total."

Nicht lange danach trennte sich die Fee vom Vampir. Cirno musste den Drang zu kichern unterdrücken. Eine ausgezeichnete Darbietung, jeder hätte sich davon täuschen lassen; sogar die große und schreckliche Remilia Scarlet ließ sich mit kaum einem Tropfen der schauspielerischen Leistung überzeugen. Und warum sollte sich Remilia nicht täuschen lassen? Das kommt davon, wenn man den ganzen Tag nur auf seinen Lorbeeren sitzt und damit prahlt, dass man großartig war, ohne sich die Mühe zu machen. Wie deprimierend. Aber nicht jeder konnte so erstaunlich sein wie Cirno.
Währenddessen lehnte sich Remilia, sich der Existenz dieses inneren Monologs völlig bewusst, zurück und genoss die Stille wie warmes Blut an einem kühlen Wintermorgen. Man musste das auskosten, was garantiert nicht von Dauer sein würde.
Da es in Remilia‘s Universum immer Platz für Formalitäten gab, erhob sie ein Hors d'oeuvre zur Existenz im Allgemeinen.
" Zum Gedenken an Cirno, der Eisfee."
Und sie verschlang die tote tierische Materie.
"... tatsächlich wären sie besser mit Creme."
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