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Schwimmen mit Krokodilen

GeschichteHistorisch / P16
03.01.2021
17.01.2021
6
4.729
1
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13.01.2021 692
 
Abreise

Hamar hatte keine Lust, nach Alexandria zu reisen, aber er musste den Willen des Pharaos befolgen. Wie genau hatte sich das Sethos vorgestellt? Das Nildelta war riesig, es könnte Monate dauern, das weiße Krokodil zu finden, sofern es wirklich existierte. Er saß in seiner dunklen Hütte mit Khufu auf seinem Schoß, der Kater schnurrte beruhigend.

„Warum ich?“, fragte Hamar sich selbst. Er strich durch Khufus seidenes Fell. „Du wirst ein paar Tage allein zurechtkommen müssen.“ Khufu miaute und rollte sich auf seinem Schoß zusammen. Morgen ging die Reise los, mit ungewissem Ausgang. Hamar legte Khufu behutsam auf sein schmales Bett und verließ die Hütte, es wurde schon Abend. Hamar zündete ein Feuer an, im warmen Licht sah er die leuchtenden Augen zweier Krokodile, die sich an Land schoben und liegen blieben.

Obwohl Krokodile so schwerfällig aussahen, waren sie an Land überraschend schnell und agil. Diese Reptilien jagten nachts und waren Lauerjäger. Hamar versuchte sich ein weißes Krokodil vorzustellen, es musste wirklich schön aussehen. Er verstand, warum der Pharao dieses Tier haben wollte, der Mensch hatte das Begehren, alles besitzen zu wollen, was schön und selten war. Hamar wollte nur seine Ruhe. Sein einfaches Leben als Fischer am Nil reichte ihm völlig aus.

Am späten Abend warf der Fischer Erde ins Feuer und legte sich in sein Bett, behutsam schob er Khufu zur Seite und schlief schnell ein.

Die Sonne ging langsam über den Nil auf, das Wasser glitzerte. Immer noch müde stand Hamar auf, er verließ die Hütte, gefolgt von Khufu. Heute war der Tag der Abreise, vielleicht sollte er sich im Nil bei seinen Freunden den Krokodilen verstecken. Wovor fürchtete Hamar sich? Er konnte es nicht sagen.

Der Fischer lief zum Nil und sah sich um, der Fluss stand hoch und es war ruhig, er sah Luftblasen aufsteigen, da lauerte ein Krokodil oder ein Nilpferd. Nilpferden kam Hamar nie zu nahe.

Er drehte sich wieder um, ein lautes Platschen war zu hören und ein Fauchen. „Auch dir einen guten Morgen“, sagte der Fischer zum Krokodil, das ihm folgte. „Ich bin für einige Zeit weg, pass gut auf meine Hütte auf. Und friss Khufu nicht, er ist, wie du, mein Freund.“ Das große Reptil legte sich vor die Hütte.

Hamar kam es nicht merkwürdig vor, mit den Tieren zu reden, er hatte sonst niemanden, der ihm Gesellschaft leistete. Schnell ging er in seine Hütte und holte einen Beutel heraus. Im Beutel war etwas getrockneter Fisch und Wechselkleidung. Der Fisch war so verpackt, dass die Kleidung nicht damit in Berührung kam. An den Fischgeruch hatte sich Hamar schon längst gewöhnt, er roch es schon gar nicht mehr.

Die Karawane bestand aus zehn Kamelen und ihren Reitern. Die Tiere saßen auf dem Boden und kauten vor sich hin. Hamar, der noch nie auf einem Kamel gesessen hatte, fragte sich, wie lange es bis nach Alexandria dauerte.

Die Karawane stand vor dem Palast, aber Hamar sah den Pharao nicht. Beim zweiten Hinsehen erkannte Hamar den Hohepriester Treneh der mit einem Mann sprach. Der Hohepriester sah ihn und winkte Hamar zu sich.

„Hamar, das ist Achmed, der Karawanenführer. Er zeigt dir dein Kamel.“ Hamar sah sich Achmed an, er trug lange Gewänder, hatte ein wettergegerbtes Gesicht, seine achatbraunen Augen wirkten einschüchternd.

Treneh zog den Fischer zur Seite, um ungestört mit ihm zu sprechen. „Hamar, mir gefällt es nicht, was Sethos von dir verlangt, aber er lässt sich nicht umstimmen. Nimm dieses Amulett, es soll dich beschützen und ich bete zu Sobek das er dir bei deiner Aufgabe wohlgesinnt ist. Pass auf, dass es nicht gestohlen wird. Morgen Mittag wirst du in Alexandria sein, eine Frau namens Memnet wird auf dich zukommen. Gib ihr diese Schriftrolle und sie wird dir weiterhelfen. Viel Glück auf deiner Reise, Hamar.“ Treneh gab ihm ein Lederhalsband mit einem goldenen Amulett und ging in den Palast zurück. Das Amulett war lang und oval, der Krokodilgott Sobek war eingraviert.

Achmed zeigte Hamar sein Kamel. Hamar setzte sich auf das Kamel und war überrascht, wie hoch er saß, als sich das Tier aufrichtete. Mit einem mulmigen Gefühl begann die Reise in den Norden. Würde Hamar seine Aufgabe erfolgreich erfüllen und lebend zurückkommen?
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