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Gift und Galle

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk Kriminalhauptkommissar Max Ballauf OC (Own Character)
02.01.2021
12.01.2021
7
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02.01.2021 2.645
 
Personen:
Max Ballauf
Freddy Schenk
Rudolf Hackmann (OC, sieht aus wie Wehling in „Manila“)
Lissy Pütz
Susanne Schenk
Wolfgang von Prinz
Leonie Weinstein (OC, sieht aus wie Petra Klein in „Streng geheimer Auftrag“)

Diese Geschichte basiert auf Ereignisse in der ersten Folge, „Willkommen in Köln“.

Rating P16

Lieder und andere Musikstücke, die in dieser Geschichte vorkommen:
- Höhner, „Levve und levve loße“.
- J. S. Bach, Matthäus-Passion
- Anna Loos, “Ich will dass du weißt”

______________________


1. Kapitel

Leben und leben lassen


Neben der zweistöckigen neoklassizistischen Villa lag ein unbewohntes Grundstück, das weder durch einen Zaun von der Straße getrennt, noch sehr kahl war, sondern zwischen Bäumen und Büschen eine Art Deckung bot. Dort parkte er sein Auto und schielte nach dem benachbarten Haus mit Ungeduld, als bereitete er sich auf ein Schauspiel vor. Tatsächlich hatte er das Gefühl, als er die Lichter des Wagens ausmachte, als befände er sich in der Dunkelheit des Zuschauerraumes. Die grünen Lichter auf dem Armaturenbrett zeigten die Uhrzeit 18:53. Er machte das Radio an: Eine redegewandte Frauenstimme sprach gerade mit großer Überzeugung von ihren Ideen und Projekten. Der Mann im Auto stellte die Lautstärke gleich leiser und hörte nur teilweise zu.

„...auf Ihre Frage zu antworten: Ausgangspunkt ist dieses Gefühl, das wir alle als Kölner spüren – Köln ist ein Lebensgefühl, so sagt man, nicht? Und das ist ein Gefühl von Freiheit und Toleranz, die in unserer Kultur tief verankert sind. Hier redet man nicht über Toleranz, hier übt man sie.“
„Daher auch der Titel der Ausstellung,
»Leben und leben lassen«, nehme ich an.“
„Genau. Das ist zu einem Motto unserer Stadt geworden und ich dachte, eine gute Art und Weise, Menschen zusammenzubringen, ist eben durch solche zur Tradition gewordene Maximen, mit denen sich die Kölner identifizieren.“


Er warf einen Blick in den Spiegel, die Straße und der Garten standen leer. Von der Höhe seines Sitzes konnte er den Eingang des Hauses gut beobachten, auch wenn der herbstliche Wind die Äste hin und her über die Frontscheibe trieb.

„Nun nochmal, um unsere Zuhörer zu informieren, die Ausstellung ist im Kölnischen Stadtmuseum bis zum 2. November zu sehen. Ich bedanke mich bei Ihnen, Frau Meier, und wünsche Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, viel Spaß!“

Der Mann schaute konzentriert auf die Uhr. Wie lange noch? Er blickte mit einem kurzen Schrecken nach hinten in Richtung der Straße, dann beruhigte er sich selbst durch den Gedanken, dass der Wagen auch wegen der späten Dämmerung kaum zu bemerken war. Im Radio sangen gerade flotte, männliche Stimmen ein bekanntes Lied:

Jo, nur wer jitt, wat hä hätt, es et wäht
Dat hä echte Fründe hätt!
Für alles Jeld op dr Welt
Kritt mr nit wat wirklich zällt.
Einfach levve un levve loße
Dennd mr sitze he all em selve Boot...


Die Höhner hatten ihm nie gut gefallen, auch den Namen der Band fand er geschmacklos, daher wechselte er schnell den Radiosender. Die Akkorde, die sich nun in die Luft um ihn herum ausbreiteten und mit qualvoller Geduld über Minuten zogen, kannte er ebenfalls. Er zögerte mit der Hand auf dem Umschalter, während der Chor seiner Erwartung entgegenkam und sang:

„Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen,
sehet, wen? den Bräutigam,
seht ihn, wie? als wie ein Lamm.“


Der Mann schüttelte den Kopf. Matthäus-Passion. Nicht, dass das hier ritualhafte Züge bekommt. Mit einer raschen Geste, als wollte er bei der Tat nicht erwischt werden, schaltete er das Radio komplett aus und blieb für ein paar Augenblicke im Stillen, leicht gebeugt über dem Armaturenbrett. Er schreckte auf, als er endlich Bewegung auf der Straße wahrnahm, und schaute in den Spiegel, während er das Fenster zur Hälfte runterließ.

Ein Mann Mitte 30 mit Jeans und Lederjacke näherte sich mit flinken Schritten dem Haus und klingelte an der Tür. Dann wurde eine entfernte Frauenstimme hörbar.
„Yes?“
„It’s me. I ... don’t have a password“, sagte der Mann in perfektem Englisch, nur mit einem leichten deutschen Akzent, und streichelte dabei den Türrahmen mit den Fingern.
„You don’t need a password“, antwortete die Frau mit Lächeln in der Stimme, als wäre das ein vertrautes Spiel mit ihrem Gast. Dann betätigte sie den Summer und die Tür öffnete sich. „Come upstairs.“

Bevor der Besucher über die Schwelle trat, erschienen aus heiterem Himmel drei in Schwarz gekleidete Silhouetten. Zwei von ihnen packten ihn an den Armen und zogen ihn mit Gewalt zurück, während die dritte die Treppe hinauf stürmte. Der Mann im Auto hielt den Atem an und machte keine Bewegung. Still wie eine Katze auf der Lauer beobachtete er, wie der junge Gast gegen die beiden anderen kämpfte. Fast befreite er sich von ihnen, da schlug ihn einer so hart, dass er schwankte. Dann schlug ihn der andere und schließlich beide, bis er auf die Knie fiel. Einer der Schläger band seine Hände auf den Rücken in großer Eile fest, während ihm der andere eine Augenbinde anlegte. Dann zogen sie ihn irgendwo in den Garten. Der Mann im Auto wollte gerade den Wagen verlassen und sich zum Garten begeben, als er die zwei Typen wiedersah: Gegen alle Erwartungen kamen sie laufend zurück und gingen ebenfalls ins Haus. Die Tür schloss sich hinter ihnen.

„Tja, das hätte ich nicht erwartet“, dachte der Mann laut.

Er stieg geräuschlos aus dem Wagen aus, zog seine Pistole und ging langsam zum Eingang. Er schüttelte die Klinke mehrmals – umsonst. Eine kurze Aufregung im Garten zog seine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Er machte ein paar vorsichtige Schritte in Richtung der Bäume und sah mit Verwunderung, dass der Besucher der Frau von einem anderen Mann überfallen wurde. Der Unbekannte – eine große, vermummte Gestalt – stieß nach einem kurzen Kampf den jungen Mann zu Boden, nahm einen Gegenstand aus der Hosentasche und drückte ihn gegen dessen Brust. Der Mann im Gras schrie laut vor Schmerz – und in derselben Sekunde hörte der Beobachter einen schrecklichen, scharfen, angsterfüllten Schrei im Haus. Mit einer Verzögerung, denn das Schauspiel im Garten interessierte ihn weit mehr, ging er zurück zum Eingang des Hauses und schoss die Tür auf. Er konnte nicht ahnen, dass dieser Lärm den vermummten Angreifer in die Flucht schlug und dem Verletzten vermutlich das Leben rettete.

Im Erdgeschoss standen die Fenster offen und die drei in Schwarz gekleideten Männer waren nicht zu sehen. Er stieg langsam die Treppe hinauf. Oben im Schlafzimmer lag eine dunkelhaarige Frau in ihrem eigenen Blut neben dem Bett. Sie wurde erstochen. Nachdem er geprüft hatte, dass sie nicht mehr lebte, machte er sich wieder auf den Weg zum Garten. Nun war er Zeuge eines Mordes, aber das schien ihn nicht besonders zu beeindrucken.

Er fand den Ort, wo der junge Gast gerade überfallen wurde. Dieser lag schwer atmend auf dem Rücken und zuckte zusammen, als er wieder Schritte wahrnahm. Der Mann, der noch seine Pistole in der Hand hielt, blickte umher. Es herrschte Stille. Er beugte sich tief zum anderen herunter und sah, dass seine Stirn blutete.

„Lassen Sie mich los, Sie werden nicht davon kommen können“, sagte der Verletzte mit großer Selbstbeherrschung.
Der Beobachter lächelte vor sich hin, kniete neben dem anderen nieder, packte ihn langsam am Haar und machte keine Anstalten, ihm helfen zu wollen.
„Leonie ... Was ist mit ihr?“, sprach der Verletzte wieder.
Aber er bekam keine Antwort. Der Mann, der aus dem Auto gestiegen war und alles gesehen hatte, kam mit dem Gesicht näher und fast berührte er sein Ohr, als er flüsterte:
„Das alles ... haben Sie verdient.“
Dann stand er auf, kehrte zu seinem Auto zurück und fuhr weg.  

*

Wie sollte Freddy Schenk seiner Frau so etwas erklären? Was waren in diesem Fall die richtigen Worte? Oder vielleicht wird sie gar nicht fragen? Sie sprachen normalerweise wenig über seine Arbeit. Vielleicht wusste sie ja noch nichts. Aber wie denn? Alles stand heute Morgen in der Zeitung. Ob sie bei ihrer Fortbildung Zeit hatte, die letzten Neuigkeiten über seinen Kollegen zu lesen?

Im 1. Stock, wo die Familie Schenk wohnte, brannte das Licht: Susanne war zu Hause. Freddy Schenk hatte vor dem Wohnhaus geparkt, jedoch traute er sich noch nicht auszusteigen. Er blieb einen Moment länger im Auto – ein konfiszierter, roter Cadillac Eldorado aus den 70ern, den ihm die Polizei zur Verfügung gestellt hatte. Den Kopf auf dem Handrücken gestützt fragte er sich, ob er lieber darüber schweigen und seiner Frau freien Raum geben sollte, von ihrer Reise zu erzählen. Das tat sie gerne, vor allem, wenn ihr Mann mitten in einem komplizierten Mordfall steckte und keinen Kopf dafür hatte. Das war ein ausgesprochen beliebter Streitgrund des Ehepaares.

„Nein, lieber nichts sagen“, sprach Schenk mit sich selbst.

In dem Augenblick wurde ihm klar, dass es ihm nicht um die Reaktion seiner Frau ging. Er schämte sich. Oder er war wütend. Und er fühlte sich missverstanden. Außerdem hatte er eine großzügige Anerkennung nach dem jahrelangen treuen Dienst dringend nötig. Warum musste Ballauf gerade diese Woche eine geniale Idee haben – diese Woche, als er selber nicht immer dabei sein konnte, weil er sich um die Kinder kümmern musste? Irgendwann hieß es: Ballauf hat den Fall alleine gelöst, eine kriminelle Organisation wurde hochgenommen und viele Leben durch seinen mutigen Einsatz gerettet. Bravo, der neue Kölner Kommissar, erst seit vier Monaten in der Stadt, war schon Publikumsliebling. Bald werden Frauen vor dem Polizeipräsidium Schlange stehen, um ein Autogramm vom frischen Helden mit den himmelblauen Augen zu bekommen. Wie bei einem Filmstar. Schenk litt unter dieser Fantasie, die er sich selber erzählte, während er an deren Wahrheitsgehalt nicht im Mindesten zweifelte.

Und warum sollte er? War die Laudatio gestern bei der Preisverleihung nicht über Gebühr mit Lob geschmückt gewesen? Der Staatsanwalt hatte alles Mögliche in den Topf hineingeworfen, Respekt für Ordnung, scharfe Intuition, Initiative und Hingabe, „ein Erfolg ohnegleichen“, „der jüngste und mutigste Leiter der Mordkommission in der Geschichte der Kölner Polizei“ und so weiter und so fort, bis selbst der Preisgekrönte in Verlegenheit geriet. Schenk hatte erleichtert aufgeatmet, als die Laudatio endlich vorbei war. „Wohlverdient, Kollege!“ war das einzige, was er Ballauf an dem Abend gesagt hatte. Und als sich dieser bedankt und Miene gemacht hatte, ihn freundschaftlich zu umarmen, hatte sich Schenk in Eile entschuldigt und verabschiedet. „Wir haben beide an diesem Fall gearbeitet, aber nur Ballauf hat die Auszeichnung bekommen“ – diese waren eigentlich die richtigen Worte, die Schenk nicht aussprechen wollte.

Keiner ahnte – und für den Betroffenen selbst war die Tatsache bis gestern zum Teil unbewusst geblieben – wie sehr Ballaufs überraschende Ernennung als Leiter der Mordkommission vor vier Monaten den Einheimischen Freddy Schenk gekränkt hatte. Diese noch nicht geheilte Wunde wurde nun durch die gestrige Veranstaltung wieder zum Bluten gebracht. „Ich muss mit jemandem reden, so kann es nicht weitergehen“, dachte der Kommissar und stieg betrübt aus dem Wagen.

Aber bevor er ins Haus kam, klingelte sein Handy. „Wir haben eine Leiche.“ Tja, die üblichen Worte, die er seit Jahren fast wöchentlich hörte. Jedoch wollte er sich nicht gleich auf den Weg machen, sondern seine Frau zuerst begrüßen und ein paar Worte mit ihr wechseln. Er rief Ballauf an. Lange. Es gab keine Antwort. „Schon gut, ich versuch’s nochmal später.“ Die leichte Irritation hielt er unter Kontrolle, ging zu seiner Frau, küsste sie auf die Wange und teilte ihr mit, er musste gleich los, denn es gab eine Leiche. Darauf machte die Frau ihrem Unmut Luft: Sie hatten kaum mehr Zeit für einander, außerdem hatte sie Geschenke von der Reise mitgebracht.

„Susanne, meine Arbeitszeiten kennst du ja“, sagte der Ehemann. „Ich kann sie mir nicht aussuchen. Wenn’s passiert, passiert und ich muss dahin.“
„Weißt du, vielleicht geht es gar nicht um deine Arbeitszeiten. Ich glaube, mir wäre es lieber, wenn du Leben retten würdest, anstatt Leichen zu sehen und Mörder zu fangen.“
„Ich rette Leben, indem ich Mörder fange. Vergiss das nicht ... Bis später!“

Draußen versuchte Schenk nochmal, Ballauf zu erreichen. Auch diesmal rief er lange umsonst an. Wo war er denn nun? Ach ja, fiel ihm plötzlich ein. Der Kollege hatte eine neue Geliebte. Am Freitagabend und nach dem Erfolg dieser Woche lag er bestimmt in ihren Armen. Auch das noch! Erfolg, Ungebundenheit und die schönsten Frauen zu Füßen. „Also gut, Max. So ist es richtig. Diesmal bin ich dran“, dachte Schenk und gab Gas, denn er konnte von der Vorstellung, dass er sich an diesem Fall mehr als der Kollege beteiligen konnte, neue Kraft schöpfen.

In etwa 15 Minuten erreichte er das Viertel und als sich auf der rechten Seite die Umrisse eines quadratischen Turms gegen den dunklen Himmel abzeichneten, erkannte er die Kirche St. Maria Königin. „Moment mal ... Wohnt seine Geliebte denn nicht gerade in dieser hübschen Nachbarschaft?“ Er bog in die Goethestraße und parkte vor dem Haus des Opfers. Sein beschleunigter Herzschlag verriet eine Vorahnung, die er aber nicht wahrhaben wollte. Die Spurensicherung und der Rechtsmediziner untersuchten den Tatort und die Verletzungen der Frau, als Schenk ins Zimmer trat und neben der Leiche stehen blieb.

„Es ist vor etwa einer Stunde passiert. Zwei Stichverletzungen, eine war tödlich“, fing der Rechtsmediziner an und machte eine Pause, als er bemerkte, dass ihm der Kommissar gar nicht zuhörte. Mit Schrecken im Gesicht hatte Schenk das Mordopfer erkannt: Sie war es, die Geliebte von Max.

Er entschuldigte sich und ging raus mit dem Handy in der Hand. Hastig, die leichten Regentropfen auf der Tastatur ignorierend, gab er die bekannte Nummer nochmal ein. „Max, wo zum Teufel steckst du?“ Schenk fragte sich, ob er sofort zu ihm fahren sollte. Denn es gab immer noch keine Antwort. Als er auflegen wollte, nahm sein Ohr das Klingeln eines anderen Handys wahr. Das Geräusch kam vom Garten, links vom Eingang. Da war alles dunkel. Schenk spürte Schweißtropfen im Gesicht. Er hörte sein eigenes Atmen laut in den Ohren und verstand, dass er Angst hatte. Seine Fantasie produzierte eine Erklärung nach der anderen, bestimmt war Ballaufs Handy geklaut worden oder vielleicht hatte er selber das Gerät weggeworfen nach einem Streit mit seiner Freundin. Und andere recht absurde Szenarien erfand er, während er die Laterne anmachte und sich zum entsprechenden Ort begab. Mit der Hand schob er nasse Zweige beiseite und das Licht fiel plötzlich auf einen Körper, den Schenk nicht gleich mit den Augen, sondern eher mit dem Herzen erkannte.

„Max, um Gottes willen!“
Er warf sich auf die Knie in äußerster Aufregung und überprüfte seine Vitalzeichen.
„Max, hörst du mich? Max, ich bin’s! ... Du lebst, Gott sei Dank!“ Schenk entfernte ihm die Augenbinde, drehte sich kurz um und schrie wie am Spieß: „Hilfe!! Hier!! Hilfeee!!“ Ballaufs Gesicht konnte er nicht ertragen. Es war blass wie bei einer Leiche, die Hälfte stark blutend, nasse, schmutzige Blätter im Haar. „Komm, mach die Augen auf, Junge. Verdammt nochmal, rede mit mir, komm, du schaffst es. Hilfe!!!“, rief er nochmal und bemühte sich inzwischen, seinen Kollegen am Leben zu halten.

„Herr Schenk? Was ist?“
„Hier“, stöhnte dieser.

Die Kollegen kamen ihnen prompt zur Hilfe, während Schenk die Hände des Ohnmächtigen losband und mit ihm unentwegt weiterredete. Seine Panik wuchs mit jeder Sekunde: Ballauf reagierte nicht. Schenk machte Platz, damit sich der Notarzt und sein Team um den Verletzten kümmern konnten. Als er seinen Kollegen im Krankenwagen verschwinden sah, ohne wieder zu sich gekommen zu sein, verlor Schenk vollkommen die Fassung. Er drehte sich mit seinem massiven Körper um, stürzte dem nächsten Menschen entgegen, packte ihn am Kragen und brüllte wie ein Stier: „Wer macht sowas?! Wer macht denn sowas?!“ Aber bevor der arme Unbeteiligte zum Opfer seiner Wut wurde, fassten Schenk vier kräftige Kollegen bei den Händen und trennten ihn vom anderen mit Gewalt.

„Beruhigen Sie sich, Herr Schenk!“
„Sag’s mir! Wer? Wer macht so was?!“, schrie der Kommissar wie verrückt.

Sie hielten ihn so lange fest, bis das Risiko, von dem rasenden Bären angegriffen zu werden, sank. Denn irgendwann verließen ihn die Kräfte. Ins Haus gebracht bekam ein erschöpfter und verwirrter Schenk zunächst eine Spritze zur Beruhigung und als er sich wieder imstande fühlte, setzte er mürrisch seine Arbeit fort, dort, wo er sie unterbrochen hatte.
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