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Bloodhound

von Cortes
GeschichteAllgemein / P18 Slash
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
02.01.2021
13.01.2021
3
4.143
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13.01.2021 1.749
 
Eine Sache die den Bloodhounds von Anfang an beigebracht wurde war die Wichtigkeit von Schnelligkeit und Diskretion. War ein Jäger zu langsam mochte ein Anderer seine Beute wegschnappen. War ein Jäger zu laut verschreckte er die Beute und die Jagd zog sich unnötigerweise in die Länge.


Ging es allerdings in den Untergrund konnte auf beide Dinge getrost verzichtet werden. Im Untergrund waren die Bloodhounds nicht die Jäger. Sie waren die Beute die einfach nur Überleben musste bis die Mission erfüllt war und sie sich zurückziehen konnte. Entsprechend war der Einsatz der Kampfrüstung eher für besondere Gelegenheiten wie diese vorbehalten und wenn dutzende von Bloodhounds in Kampfrüstung auf den Straßen auftauchten fragten die Bürger gar nicht erst worum es ging. Selbst wenn sie es besser wussten hielten sie sich nicht damit auf die Jäger mit ihren Rüstungen und Waffen zu bewundern sondern mühten sich nur ihnen Platz zu machen. Händler schlossen ihre Stände, Kleinganoven und Gangster verschwanden in Seitengassen und andere Menschen in ihre Häuser. Es dauerte nicht lange bis Jonas und die anderen Hounds durch menschenleere Straßen marschierten und sich ein wenig wie in einer Geisterstadt vorkamen. Selbst als sie sich in zwei Gruppen aufgeteilt hatten um ihre Zugänge zu erreichen, die beiden anderen Gruppen nutzen die Magnetbahn die nur die wichtigen Gebäude im äußeren Bezirk miteinander verband, änderte sich an den leeren Straßen nichts.
„Fuuuck.“
Jonas rechter Mundwinkel zuckte. Wie alle anderen Hounds trug auch er einen Helm, allerdings war nicht schwer zu erraten von wem dieser Kommentar kam, denn Veteranen waren diesen Anblick bereits gewöhnt. Also beschloss er eine kleine Nachricht über Komm zu senden.
„Ich weiß nicht wie viele von euch bereits Einsätze in Rüstung hinter sich haben aber solltet ihr jemals wieder in den Untergrund gehen müssen, gewöhnt euch an diesen Anblick. Nein, lasst mich das anders sagen: Gewöhnt euch generell an diesen Anblick wenn ihr größere Einsätze mit Rüstungen habt. Die Menschen hier mögen uns, sie wollen uns in ihrer Nähe haben weil wir die Gangs zumindest halbwegs im Zaum halten und sie vertrauen darauf das wir Kriminelle überführen und ihnen vom Hals halten. Aber sie werden sich keine Kugeln für uns einfangen und solltet ihr jemals jemanden aus ihrer Familie nehmen war es das mit Bewunderung und Wohlwollen. Nehmt einer alten Frau ihren Enkel weil er in einer Gang ist und sie wird euch für den Rest ihres Lebens verfluchen und ausspucken wenn ihr an ihr vorbeigeht. Nehmt einem Mann seine Frau weil sie ein Verbrechen begangen hat und er wird euch für den Rest seines Lebens hassen. Es spielt keine große Rolle ob sie nur zur Strafarbeit verurteilt werden oder im Gefängnis verrotten oder ob sie gleich sterben, viele machen dort keinen Unterschied. Für sie zählt nur das sie jemanden verloren haben und das ihr Schuld daran seid. Und... wie es aussieht sind wir da.“
Irgendwie war die kleine Nachricht länger geworden als sie eigentlich sollte. Vielleicht war es ganz gut das er hier aufhören musste. Junge Bloodhounds tendierten manchmal dazu ihre Arbeit mit einem leicht verklärten Blickwinkel zu sehen. Wie die Realität nun wirklich aussah hatte er zumindest halbwegs angesprochen aber zum vielleicht unschönsten Teil ihrer Arbeit war er nicht mehr gekommen:
Kriminelle laufen lassen und Spuren beseitigen wenn die Täter aus dem inneren Bereich der Stadt kamen, denn es konnte doch in den Augen der oberen Zehntausend nicht angehen das sie für Verbrechen gegen das gemeine Fußvolk im äußeren Bereich belangt wurden.


Wer in Camelot in den Untergrund gehen wollte konnte dies offiziell nur über einen der vier Zugangspunkte tun. Diese waren alle gleich aufgebaut, ein großes und quadratisches Gebäude in gelber Farbe und mit einer hohen Mauer um das Gelände sollte tatsächlich einmal etwas passieren. Das Zentrum des Gebäudes war der riesige Lastenaufzug, groß genug um zwei Panzer bequem nebeneinander zu stellen und zu jeder Tages- und Nachtzeit war hier eine kleine Technik- sowie Wachmannschaft beschäftigt. Die Bloodhounds wurden am Eingang zum Gelände auch bereits erwartet. Ein rotgesichtiger und übergewichtiger Mann hatte sich dort an die Wand gelehnt und rauchte eine Zigarette, die er fort schnippte als die Hounds näherkamen. Er trug einen Technik-Overall und schwere Stiefel und stich sich von der Wand ab. Jonas war, ohne es eigentlich richtig zu wollen, zum Wortführer ernannt worden und nahm seinen Helm ab.
„Gut, ihr seid hier. Es ist bereits alles vorbereitet. Ich bin Timothy Fletcher, Cheftechniker hier.“
„Jonas Houndsworth. Dann können wir also sofort runter?“
„Allerdings. Also hier entlang.“
„Gut. Irgendwelche Details zu den Begegnungen die wir noch wissen sollten?“
„Würde mir jetzt nichts einfallen. Das meiste beschränkte sich auf vereinzelte Guhle die nicht wussten wann sie unseren Trupps besser aus dem Weg gehen sollten. Von einer anderen Schicht meinte allerdings jemand er habe Riesenschnecken gesehen. Wir haben einen der Guhle mit nach oben gebracht, wenn ihr ihn sehen wollt.“
„Ja das wäre nicht verkehrt, danke.“
Timothy nickte daraufhin nur. Die Zentrale Halle des Gebäudes war relativ leer, allerdings war die Wachmannschaft in voller Zahl angerückt und hielt ihre Gewehre mit angebrachten Klingen fest umklammert. Jonas kümmerte sich nicht um sie, sondern hielt gleich auf zwei Kisten zu auf denen der tote Körper des Guhls abgelegt worden war. Es hieß das die Guhle Nachkommen jeder Menschen seien dies damals ablehnten hinter die Mauern zu flüchten und sich nicht in die Städte sperren lassen wollten. Und wenn Jonas sich den Guhl so ansah mochte er die Geschichte fast glauben. Guhle wirkten beinahe menschlich, wie bleiche, dünne Menschen mit langen Armen und Beinen, wenn ihre Gesichter nicht währen. Genauer gesagt, ihre Reißzähne, ihre geschlitzten Nasenlöcher und ihre bösartigen, gelben Augen. Haare hatten sie, wenn überhaupt, nur noch als einzelne Strähnen und bekleidet waren sie einem Sammelsurium aus Lumpen und alten Metallteilen, meist aber hielten sie ihre Arme und Biene frei.
„Wo habt ihr diesen getroffen“?
„Nur zwei Biegungen vom Landepunkt in der Kanalisation entfernt. Ist gleich auf uns losgestürmt als hätte er ewig nichts zu fressen gehabt. Wie weit werdet ihr runtergehen“?
„Nur die ersten drei Ebenen.“
„Verstehe.“
Jonas war nicht die kurze Pause vor diesem Wort entgangen und für einen Moment fragte er sich ob Timothy wusste was er unter diesen Helmen finden würde. Dann wischte der Bloodhound diesen Gedanken beiseite.
„Sind die Tore noch intakt?“
„Bei der letzten Prüfung waren sie es noch und die war erst vor einer Woche. Dort sollte es also keine Probleme geben.“
„Gut, dann hoffen wir mal das das auch so bleibt. Die größeren Biester dürften gerne dort unten bleiben.“
„Allerdings. Sollen wir unten in der Kanalisation warten bis ihr fertig seid? Die Befestigungen am Landeplatz wurden erst kürzlich ausgewechselt.“
„Nein, wir werden von der Kanalisation aus weiter nach unten gehen. Es wäre aber gut wenn ihr auf Ebene zwei warten würdet damit wird dort eventuelle Verletzte hochbringen können. Wir würden euch dann anrufen um uns von ebene drei aus abzuholen.“
„In Ordnung. Dann wäre es das von meiner Seite aus.“
„Gut, dann gehen wir runter. Bereitmachen!“
Jonas setzte wieder seinen Helm auf und trat zu seiner Gruppe. Der Lastenaufzug war groß genug um alle Bloodhounds auf einmal nach unten zu bringen. Nur Guhle und vielleicht eine Riesenschnecke hörte sich ja gar nicht so schlecht an. Dennoch hatte Jonas irgendwie das Gefühl das die Sache nicht so leicht werden würde wie er sich das vorgestellt hatte. Nicht das er eine besonders positive Vorstellung überhaupt gehabt hätte.


Wer in Camelot in den Untergrund ging musste vor allem eines Wissen: Es wurde von drei verschiedenen Arealen gesprochen, die aber alle Teil der unterirdischen Anlage waren. Die erste Ebene war die Kanalisation, der einzige Ort der regelmäßig von Menschen besucht wurde und der noch am vergleichsweise sichersten war. Die zweite und dritte Ebene waren die unterirdischen Ebenen. Menschen gingen dort eher selten hin und eine Präsenz von Monstern, zumindest einzelnen, kleinen Exemplaren kam durchaus mal vor. Alles war jenseits der dritten Ebene lag wurde als Tiefenebene bezeichnet und stammte noch aus der Gründungszeit von Camelot. Die Wege dahin wurden durch riesige Tore abgesichert die jegliches Vordringen größerer Monster aufhalten sollten. Camelot selbst war auf den Ruinen einer anderen Stadt erbaut, fast alle Stadtstaaten der modernen Welt waren auf solchen Ruinen erbaut und entsprechend tief ging es dort hinunter. In den Tiefenebenen lauerten die wahren Monster, Bestien die monatelang für Alpträume sorgen konnten. Die meisten Hounds die im Unterricht mit Bildern und Berichten dieser Monster konfrontiert wurden taten diese im ersten Moment als übertrieben ab, doch dem war nicht so,wahrlich nicht. Es wurde vermutet das irgendwo, weit jenseits der Stadtgrenzen, sich versteckte Zugänge in die Tiefenebene befanden aber soweit Jonas wusste hatte noch niemals jemand versucht diese Zugänge wirklich zu finden.
Timothy bediente selbst den Aufzug um sie nach unten zu fahren und wünschte ihnen viel Glück als er die Tür hinter ihnen wieder zumachte. Jonas hob die rechte Faust, signalisierte so zu halten und winkte die Gruppenführer zu sich. Vor ihnen erstreckte sich die Kanalisation von Camelot, ein Netz aus großen Röhren und teilweise mit Wasser gefüllt. Licht gab es hier eigentlich nur wenn man es selbst mitbrachte.  
„Okay, wir haben zehn Gruppen und fünf Wege. Heißt immer zwei Gruppen werden sich zusammentun bis wir weiter Fächern können. Wenn keiner Einwände hat werde ich die Gruppen wie folgt aufteilen.“
Er hatte es zwar eigentlich nicht so geplant aber irgendwie würde seine Gruppe mit der von Maria zusammenarbeiten. Nun gut, es gab schlimmeres, die Blondine verstand ihr Handwerk und kurz darauf verschwanden die beiden Gruppen in einem der Wege. Taschenlampen wurden angemacht, Finger waren an den Abzügen und die Geschwindigkeit mit der man sich fortbewegte war eher langsam, während nur die Brühe hin und wieder plätscherte. Darauf das etwas passierte war vermutlich einer der nervenaufreibendsten Aspekte ihrer Arbeit. Besonders dann wenn man eigentlich gar nicht wollte das etwas passierte.
Aber natürlich waren die Hounds hier unten weil etwas passieren musste, allerdings begann es zunächst klein, fast unmerklich. Lediglich eine kleine Welle die gegen die Stiefel schwappte und ein dunkles etwas das den Hounds in der Brühe entgegentrieb. Jonas senkte sein Licht um es in Augenschein zu nehmen und wünschte sich sofort es nicht getan zu haben. Was ihnen entgegentrieb war die halb aufgefressene Leiche eines menschlichen Babys, bestenfalls ein paar Monate alt. Der Schädel war aufgebrochen, einige Rippen lagen frei und Jonas wandte den Blick ab, er hatte schon zu viel gesehen.
„Jonas.“
Der warnende Unterton überraschte Jonas nicht. Genauso wenig wie die vielen funkelnden, gelben Augenpaare die sich plötzlich im Tunnel vor ihnen erstreckten.
„Natürlich, hier unten geht doch immer etwas schief. Feuer frei!“
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