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Sie soll nicht tanzen

GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18
Draco Malfoy Gregory Goyle Hermine Granger
01.01.2021
27.01.2021
27
34.758
7
Alle Kapitel
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13.01.2021 1.154
 
Mittwoch, 13.01.2021, 20:55

Anwesen der Familie Malfoy, Wiltshire, England

Obgleich ich halb mit dieser Reaktion gerechnet hatte, war ich im ersten Moment wie vor den Kopf gestoßen. Hermine hat aufgelegt, einfach so. Ich atmete tief durch. Nun gut, damit erübrigte sich alles andere. Es war ein herber Rückschlag, doch so gesehen hatte das Ganze auch etwas Gutes: Ich konnte mich endlich von dem Gedanken befreien, dass es noch einmal etwas anderes geben würde zwischen uns. Wenigstens versuchte ich mir das einzureden. Die Enttäuschung war trotzdem allumfassend. Fast eine halbe Stunde lang saß ich stocksteif auf meinem Sofa und starrte ins Leere. Dann jedoch schüttelte ich einmal heftig den Kopf, suchte mir meine Stiefel, den Wintermantel und eine Regenjacke zusammen und begab mich hinaus in das feucht-kalte Wetter.

Nachdem ich einige Stunden lang durch die Wiesen und Felder gelaufen war, die an unser Anwesen grenzten, ging es mir ein wenig besser. Gerade hatte ich mir etwas zum Abendessen hergerichtet, was ich vor dem Fernseher zu verspeisen gedachte, als mein frisch erworbenes Handy auf dem Tisch vor mir plötzlich anfing, vor sich hin zu tanzen und dabei zu brummen. Argwöhnisch stellte ich meinen Teller ab und griff nach dem Gerät. Auf dem Display wurde eine Nummer angezeigt, die mir nichts sagte. Aber was hätte sie mir schon sagen sollen, ich konnte ja noch nicht mal Festnetz- von Handynummern unterscheiden. Abgesehen davon hatte mich noch nie jemand angerufen.

Ich brauchte eine Weile, bis ich den Knopf gefunden hatte, mit dem man das Gespräch annahm. „Hallo?“, fragte ich vorsichtig.

Ein paar Sekunden lang hörte ich gar nichts. Ich dachte schon, ich hätte die falsche Taste gedrückt und betrachtete verzweifelt mein Display, als ich wie aus weiter Ferne eine Stimme vernahm. „Hallo? Draco?“

„Hallo? Hallo?“ Ich packte das Handy fester und mein Herz klopfte heftig.

„Hallo?!?“

Bei Merlins Bart, das war ihre Stimme. „Hermine“, fragte ich schließlich, „bist du es?“

„Ja, ich bin es“, kam es zögernd zurück. „Was … Warum rufst du mich an?“

„Nun, äh, jetzt gerade hast du mich angerufen.“

Ich hörte sie leise seufzen. „Ja. Ich habe dich zurückgerufen. Entschuldige, ich hätte das eigentlich sofort tun sollen, doch meine Eltern waren die ganze Zeit um mich herum … Es hat einfach nicht gepasst. Auch jetzt gerade habe ich nicht wirklich Zeit. Warum … Wieso rufst du mich an? Und noch dazu auf einem Handy?“

Eine gute Frage. Ich schluckte, dann räusperte ich mich. „Ich … Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, Hermine. Ich habe dich vorletzten Sonntag in King’s Cross gesehen und … ich dachte, du …“ Verdammt, was redete ich mir da überhaupt für einen Scheiß zusammen? „Also, im Grunde … Ich wollte einfach wissen, wie es dir geht. Mehr nicht. Wie’s dir halt so geht.“

Ich konnte Hermine leise lachen hören. „Das ist sehr löblich von dir, Draco, obwohl ich wirklich nicht verstehe, warum ausgerechnet du auf die Idee kommen solltest, mich anzurufen und mich ausgerechnet das zu fragen … Leider habe ich heute wirklich viel um die Ohren. Können wir eventuell morgen Abend telefonieren? Ich rufe dich an.“

„Ähm, ja, natürlich. Klingt gut. Ich bin da.“

„Bei einem Handy ist es eigentlich egal, wo man sich befindet, Draco …“

„Öh, ja, stimmt. Ich hab es noch nicht lange und übe noch. Ich will mich in der Zukunft mehr mit Muggeldingen beschäftigen, weißt du …“

„Davon habe ich gehört“, sagte Hermine zögernd. „Tut mir leid, aber ich muss jetzt echt schlussmachen …“

„Gut. Äh, nein, nicht gut. Bis morgen dann“, stotterte ich.

„Bis morgen“, wiederholte sie.

***

Und jetzt sitze ich hier, es ist schon nach acht und ich warte darauf, dass Hermine sich wieder bei mir meldet. Während des Tages habe ich ein wenig aufgeräumt und die überproportional im Müll vertretenen Pizzakartons in einer Tonne im Garten verbrannt. Ein Glück, dass man so ein Handy überall hin mitnehmen kann, sonst hätte ich mich nämlich gar nicht aus dem Haus getraut. Dreimal mindestens habe ich überprüft, ob der Akku richtig sitzt und das Telefon nicht zufällig ausgegangen ist. Warum spannt sie mich dermaßen auf die Folter? Liegt es wirklich nur daran, dass ihre Eltern die ganze Zeit um sie herumschwirren und sie dadurch keine ruhige Minute hat? Gerade deshalb haben die Leute doch Handys, damit sie damit hingehen können, wohin sie wollen, um zu telefonieren, ohne dass irgendjemand mithört, für dessen Ohren das Telefonat nicht bestimmt ist.

Vielleicht lässt sie mich ja auch mit voller Absicht warten. So eine Art späte Rache. Sie schien gestern ziemlich überrascht darüber gewesen zu sein, dass gerade ich sie anrief. Aber zumindest hat sie zurückgerufen. Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht mehr damit gerechnet, nachdem sie beim ersten Mal aufgelegt hatte.

Um viertel nach acht ist es dann endlich soweit. Mein Handy klingelt und vibriert dabei. Ich will bis zehn zählen, schaffe es dann aber nur bis fünf, weil ich Angst habe, dass sie wieder auflegt, wenn ich zu lange warte, dann gehe ich an den Apparat. „Ja, hallo?“

„Hallo Draco, ich bin es wieder, Hermine.“ Sie klingt ruhiger als bei dem Anruf gestern.

„Hallo Hermine“, sage ich ein wenig zurückhaltend. Wenn sie wüsste, wie sehr mein Herz in diesem Moment klopft. „Kannst du jetzt besser reden?“

„Ja. Meine Eltern sitzen vor dem Fernseher und schauen sich einen Film an. Endlich hab ich mal ein bisschen Zeit für mich. Es gab so viel zu regeln.“ Und dann, nach einer Pause. „Ich kann nicht glauben, dass du mich wirklich anrufst. Und gerade hier. Woher hattest du die Nummer?“

„Aus einem Muggel-Telefonbuch“, gebe ich wahrheitsgemäß zurück. Dann gebe ich mir einen Ruck. „Warum hast du gestern aufgelegt?“

„Aufgelegt? Oh …“ Hermine klingt verlegen. „Tut mir leid, aber ich habe gar nicht aufgelegt, mir ist nur irgendwie der Hörer aus der Hand gefallen. Ich … äh … ich hatte kurz vorher Geschirr abgespült und da meine Eltern darauf bestehen, dass alles hier im Haus ohne Magie zugeht, falls mal zufällig ein Nachbar durchs Fenster schaut, waren meine Hände noch nass und … tja, dann ist mir halt der Hörer aus der Hand gefallen.“

„Komisch, dasselbe ist mir auch passiert“, sage ich, bevor ich mich bremsen kann. „Ich hatte ja auch zweimal angerufen. Beim ersten Mal hast du mich für eine gewisse Mrs Nichols gehalten …“

„Ups“, kommt es von Hermine, „das warst also auch du? Ich war mir nicht sicher. Tut mir leid, es ist mir etwas peinlich. Mrs Nichols wohnt in der Nachbarschaft und fährt Leute zum Arzt, wir hatten weniger Minuten davor erst telefoniert. Meiner Mutter geht es nicht so besonders, weißt du. Das ist auch der Grund, weswegen ich hierhergefahren bin. Ich nehme an, du hast im Fuchsbau angerufen?“

„Ja, ich habe mit deiner Schwiegermutter gesprochen.“

„Seltsam, das hätte sie mir doch sicher erzählt“, sagt Hermine nachdenklich. „Wir haben erst heute Vormittag miteinander gesprochen. Aber stell dir vor, es hat noch jemand angerufen: Justin Finch-Fletchley, erinnerst du dich an ihn? Er will ein Jahrgangstufentreffen organisieren für unser zwanzigjähriges Jubiläum. Was hältst du davon, Draco?“
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