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Menu Tessu ::: Teil 2 ::: Du bedeutest mir alles

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dis Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild
01.01.2021
24.06.2022
78
187.513
15
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Dieses Kapitel
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28.01.2022 2.170
 
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Jedoch nicht weit stoßen wir in die Dunkelheit des Ganges vor, da ist das Geräusch vieler näherkommender Schritte zu hören, die ebenfalls in ihn eindringen. Kampfbereit beziehen wir Stellung in der Enge. Dwalin drängt sich dafür an allen vorbei und schiebt mich, die zuletzt ging, hinter sich. Entweder, weil er in mir eine weitere und sehr junge Kriegerin erkannte oder aber ... nein, er kann die Tarnung nicht durchschaut haben. Allerdings nicht die Gelegenheit habe ich, mir darum viele Gedanken zu bereiten, denn schnell erreichen uns Schatten in der Dunkelheit. Je näher sie jedoch kommen, umso deutlicher wird, dass es sich um zwergische Krieger handelt, die von einem Menschen geführt werden.

Als Elfleth erkenne ich ihn schließlich und ihm zur Seite eilt Balin. Wir senken vor Erleichterung unsere Waffen. „Was tut ihr den hier?“, fragt Dwalin und schließt seinen Bruder kriegerisch herzlich in einen hart zupackenden Arm. „Wir sorgten uns um euch. Zwei Tage sind vergangen, seitdem ihr aufbracht und daher schickte Thorin einen Suchtrupp“, erklärt er ihr Erscheinen und wirkt mehr als erleichtert darüber, uns endlich und so deucht es ihm, unversehrt gefunden zu haben.

Zwei Tage?! Nicht mehr als ein paar Stunden dünkte ich, irrten wir in den Hallen umher. Der Kampf mit dem Imp muss länger gedauert haben als gefühlt. Sehr viel länger sogar. Balins Blick schweift hoffentlich unauffällig zu mir, während Dwalin den Menschen sowie die anderen Krieger begrüßt. Ich nicke ihm befreit von Sorgen lächelnd zu. Anscheinend versteht er die Botschaft, die sich darin verbirgt, denn auch die seinen, die ich nur allzu deutlich den Ernst der Miene beschatten sah, verschwinden augenblicklich. Ebenso ihm werde ich später alles erzählen (müssen).

„Habt ihr die Orks gefunden?“, fragt Balin schließlich seinen Bruder, nachdem wir beschlossen nun gemeinsam weiter zu gehen. „Nur die paar, die bereits getötet wurden, jedoch keine Spuren von anderen, weder Hinterlassenschaften noch sonstiges.“ Der Ältere nickt verstehend und äußert die gleiche Mutmaßung, die uns ebenso in den Sinn kam. Ich hoffe so sehr, dass sie sich bewahrheitet. Spürbar keine Kraft habe ich mehr, um eine große Rotte an Feinden zu bekämpfen. Der Widerstand gegen den Imp verlangte mir viel ab, wie ich immer deutlicher spüre. Schreckliche Kopfschmerzen plagen mich, jeder Schritt fällt schwer und kaum etwas vermag ich noch in der Dunkelheit zu erkennen, so grässlich müde sind die Augen.

Ein älterer Krieger neben mir bemerkt den ermatteten Umstand. „Benötigt Ihr eine Rast?“, fragt er verhalten und fasst nach meinem Arm, als plötzlich aufkommender Schwindel droht mich straucheln zu lassen. „Nein ... mir ist nur ...“, stottere ich die Schwäche nicht zugeben wollend, aber kann nicht vermeiden, dass ich den Rücken gegen den kalten Stein lehnen muss. Ein klein wenig Besserung schenkt mir seine Stärke, dennoch beginnen nun zudem fragile Blitze hinter den geschlossenen Lidern aufzuzucken.

„Haltet ein!“, ruft der Krieger in Richtung Führer. Ich gebe keinen Widerspruch mehr, kostet es mir doch genügend Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Sigruns bekannte Schritte höre ich heraneilen. Geschickt wurde sie bestimmt, um nach den Rechten zu schauen. „Was ist geschehen?“, fragt sie sorgenvoll klingend, nachdem sie wohl erkannte, dass ich der Grund bin. „Ich weiß nicht, es ging ihr ganz plötzlich sehr schlecht, als würde sie einen Schwächeanfall erleiden“, antwortet der Krieger jegliche Schuld von sich weisen wollend. Meine Freundin beugt sich flüsternd zu mir hinunter. „Nähert sich der Schatten, ist es deshalb?“ Ich schüttle den schmerzenden Kopf, der dies mit einem weiteren Anfall heller Blitze bestraft. „Macht euch um ihn keine Sorgen mehr“, raune ich, bestürzt über die dürre Stimme. „Jedoch hat er möglicherweise hiermit zu tun. Ich brauche nur einen Moment Ruhe und vielleicht etwas Wasser.“

Sigrun reicht mir sogleich ihre Wasserflasche, da ich meine wie immer vergaß mitzunehmen. „Ich werde mit dir hierbleiben. Dann kannst du mir auch gleich erzählen, warum wir den Imp nicht mehr befürchten müssen“, bestimmt sie und signalisiert den bislang wartenden Krieger, dass er wieder zu den anderen zurückkehren kann, damit sie den Weg fortsetzen. Dieser nickt verstehend und wendet sich nach einem aufmunternden Händedruck meiner Schulter ab. Peinlich ist es mir, Schwäche zu zeigen, aber ich lernte unlängst, dass diese jedem Krieger zugesteht. Es zeugt von Stärke, wenn besonders sich ein solcher zu ihnen bekennt. Nur so können sich seine Waffenbrüder und -schwestern auf diese einstellen und ihm im Kampf bestmöglich beistehen.

Als die sich entfernenden Schritte in dem Dunkel des Ganges verhallen, lasse ich mich an der Wand hinuntergleiten. Das Sitzen und die Frische des Wassers besserten den Anfall, jedoch weiterhin plagt der Schwindel und der Kopf schmerzt. Sigrun lässt sich neben mir nieder. Ich erzähle ihr alles. Von dem Angriff des Imps, wie wir erstarrten, ich trotzdem die Kraft fand, ihm zu entkommen, und wie Aule und Mandos uns halfen. Wie altruistisch ihre Erscheinungen sind und wie beträchtlich ihre Macht. Wie schwer es mir viel gegen die Schattenbilder anzukämpfen. Natürlich bewusst, ohne zu erwähnen, wodurch und mit welchen Beschwörungen ich versuchte Dwalin zurückzubringen. Mit immer größer werdenden Augen verfolgt sie den Bericht.

„Würdest du jetzt noch eine Liebesgeschichte einbringen, ideal wäre die Erzählung, um als Legende in Büchern verewigt zu werden.“ Ich lache bei dieser Bemerkung. Sie ist so absurd und wahr zugleich. „Mit wem denn?“, frage ich belustigt. Als würde jemand von ihr wissen wollen, ob ein Ork hässlich ist oder ein Warg stinkt, während er beides gerade bekämpft, schaut sie mich fassungslos, regelrecht entsetzt an. „Zwischen dir und General Dwalin natürlich“, schnauft sie empört darüber, dass ich das offenbar völlig Augenfällige nicht sehe.

Ich lache heftiger und schüttle den allmählich nicht mehr allzu dramatisch schmerzenden Kopf. „Warum gerade er?“ Ein Gespräch ist es, dass sich zwar freundschaftlich anfühlt, nahezu vertraut, allerdings eine Entwicklung nimmt, die mich in Schwierigkeiten bringen könnte. Bislang weiß sie nicht genau, welche Stellung ich innehabe, nur, dass ich adlig bin und wohl Verbindungen zum Königshaus pflege. „Ihr seid wie füreinander geschaffen. Die Kriegerin, tapfer und mutig und treu ergeben, und des Königs Krieger, eine Liebesgeschichte, wie aus der geschwinden und in Goldtinte getauchten Feder eines Poeten stammend.“

Ihre übertriebene Schwärmerei ist mir unbehaglich. „Rede keinen Unsinn“, sage ich daher schnell und versuche, der weiteren Diskussion zu entgehen, indem ich langsam aufzustehen erprobe. Der Schwindel kehrt zum Glück nicht wieder und die Beine tragen, ohne zu zittern. „Ich glaube, mir geht es so weit besser, dass wir den anderen folgen können.“ Sigrun bemerkt wohl das Unbehagen und darum gewollte Flüchten aus der Situation. Sie ist schlau und feinfühlig und Freundin genug, um mich daher nicht über dies zu bedrängen. Später vermutlich, wenn wir diese Hallen endlich verlassen konnten, am heimeligen Lagerfeuer sitzen und Gelegenheit finden, erneut darüber zu sprechen, wird sie fragen, warum die Verheißung mir unliebsam ist. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Sie erhebt sich daher mit einem Schnaufen für den Moment aufgebend und gemeinsam schlagen wir die Richtung ein, in die unsere Kameraden den dunklen Gang weitergingen. Jedoch nicht weit kommen wir, da nähern sich Schritte. In der Finsternis vermag ich flackernde Punkte von Fackeln auszumachen. Orks bedienen sich solcherlei nie, denn ihre Sehkraft in der Dunkelheit ist der unseren ähnlich. Daher warten wir gespannt darauf, warum die Krieger bereits zurückkehren.

Nicht lange, da entblößt die Finsternis als Erstes die Erscheinungen von Dwalin, Balin und Elfleth. Ich senke den Kopf, damit mich der eine von ihnen, der hoffentlich bisher nichts von meiner Anwesenheit bemerkte, weiterhin nicht erkennt. „Geht es Euch besser?“, fragt der Älteste der Bruder, hörbar versucht, die Besorgtheit aus der Stimme fernzuhalten. Ich nicke verhalten und blicke kurz auf, um ihn dies ausdrücklicher zu versichern. Dabei bemerke ich, wie er einen Gegenstand bei sich trägt. Groß und rund und verborgen unter einem schwarzen Tuch, hält er ihn sicher und mit deutlichem Respekt und etwas, dass mir erscheint wie ein klein wenig Bangnis, an sich gedrückt.

„Wir haben gefunden, weswegen König Thorin diese Hallen befreien wollte“, informiert er uns, vornehmlich wohl, um mich zu erleichtern. Aber ebenso die Krieger in seinen Rücken, scheinen darüber heilfroh. Das Erste, was Zwerge sehen, sobald sie geboren werden, ist das uns umgebene Gestein. Die Hallen in denen wir arbeiten, leben und lieben, bewahren uns und alles was uns kostbar ist in ihrer Sicherheit. Nur selten gelingt es Feinden, die steineisernen, mit Runenmagie und Manneskraft geschützten Tore zu durchbrechen. Seit Anbeginn unserer Rasse und trotzdem es einige Katastrophen gab, vertrauen wir darauf. Jedoch diese Hallen sind anders. Böses hauste hier, verdarb den Stein mit seiner Dunkelheit und dem gebrachten Tod. Sollten sie jemals wieder besiedelt werden, in dieser Generation oder der nächsten, lange Zeit sowie viel Arbeit wird es benötigen, sie abermals zu einer vertrauten und vertrauensvollen Heimat zu gestalten.

„Seid ihr weiteren Orks begegnet?“, will Sigrun wissen. Dwalin verneint selbst darüber erstaunt. „Keinen einzigen. Noch nicht einmal irgendwelche Hinterlassenschaften, die darauf hinweisen, dass sie sich jemals in diesem Teil der Hallen aufhielten.“ Eigenartig, gleichwohl nicht unwahrscheinlich. Orks vermehren sich schnell, aber eines hat ihr Volk mit unserem gemein: Frauen sind rar und soweit ich mich nun zurückerinnere, waren unter denen, die wir töteten, keine von ihnen. Jedoch kann eine kleine Gruppe genauso für Angst und Schrecken sorgen wie hunderte. Ebendrum müssen wir gleichwohl ganz sichergehen, dass sich nicht doch welche hierin verstecken. Das Risiko ist zu hoch und könnte den Frieden gefährden, den wir diesem Landteil brachten. Die Heerführer scheinen sich dessen indes vollkommen sicher, denn selbstsicher marschieren sie mit dem Thema abschließend an uns vorbei.

Zur Sicherheit nehmen wir nichtsdestominder andere Gänge zurück zum Haupttor. Die Orientierung fällt uns leicht, denn dem gleichen Schema folgend wie in den heimischen Hallen, wurden sie angelegt. Aber selbst in ihnen finden wir einzig das Leid und die Zerstörung vor, die der Imp heraufbeschwor. Ich spüre, Mandos folgt uns trotz des gefochtenen schweren Kampfes gegen den Schatten, der einst hier hauste, nach wie vor, so dass er auch diese armen Seelen mit sich nehmen kann.

Gefühlt einige Stunden wandeln wir umher. Längst scheint ein neuer Tag angebrochen zu sein, denn das Licht, das durch die Luftschächte eindringt, ist zwar geschwächt durch flimmernden Staub und nach der Zeit ohne Pflege angelaufene Metallplatten, die es verstärken und leiten sollen, dennoch hell genug, damit wir die Fackeln nicht mehr benötigen. Die Stimmung unter den Kriegern erhellt sich mit ihr. Sorgloser werden wir. Laute, ausgelassene Gespräche kommen auf. Lachen und Geplänkel und Fachsimpelei über die Handwerkskünste der Erschaffer erfüllen die Gänge und Räume. Neues Leben heraufbeschwören die Stimmen in dem so viele Jahre Stille gewohnten Gestein. Ich höre, wie sie die Metalle und Kristalle die in ihm gebettet liegen aus tiefem Schlaf erwecken. Sie klingen wunderschön. Rein und kostbar wie Tautropfen auf dem samtenen Blütenblatt einer Rose.

„Ich höre sie auch“, flüstert mir Sigrun zu, als ich ihren Gesang mit geschlossenen Augen genießend, für einen Moment verweile und mutmaßt, da sie sich freuen, denn der Totenschatten verschwand. Ein verlässliches Zeichen dafür ist es, dass nichts Böses mehr diese Hallen mit seiner Anwesenheit besudelt. Dennoch muss ich sie leider in ihren Hoffnungen beschwichtigen, denn ungeduldig fragen sie, ob bald auch wieder Andere von uns stattdessen Einzug halten werden.

Wir gelangen schließlich ohne irgendwelche Vorkommnisse in die große Haupthalle am vorderen Eingang. Noch einmal blicken sich viele von uns um, bewundern ein letztes Mal die Fresken und Säulen und herrlichen Kunstwerke. Dabei fällt mir auf den Boden liegend eine kleine Hinterlassenschaft auf, über die ich dereinst bereits stolperte, und besser damals schon hätte mitnehmen sollen. Vorsichtig nehme ich es zur Hand. Schwer ist es und kostbar, trotzdem einzig einfachste Materialien verwendet wurden.

Ein kunstvoll und erstaunlich detailreich aus schwarzem Ebenholz geschnitzter Rabe. Seine prächtigen Flügel spreizt er hinter sich auf, so, als würde er jeden Moment davonfliegen wollen. Die blankpolierten Achataugen strahlen allwissend. Der wie ein Halbmond geformte Labradoritsockel trägt eine einmalig machtvolle Bindrune. Schutz und Stabilität soll sie schenken. Sogar jetzt, obwohl sie lange nicht mehr dem Eifer gebenden Mondlicht ausgesetzt war, spüre ich ihre Kraft auf mich einwirken. Die letzten Schatten des Kampfes, die in meinen Kopf hausten, lösen sich. Neue Vitalität spendet sie und die Erkenntnis, dass es gelang, alle unbeschadet durch diese Hallen zu bringen. Wie froh bin ich darüber.

Jedoch erst als wir den Berg durch das von außen nicht sichtbare Tor verlassen, uns die Sonne wärmend die Gesichter bescheint, Kälte und Klamm aus den Leibern vertreibt und unsere Waffenbrüder und -schwestern uns freudvoll empfangen, kann ich vollkommen befreit ausatmen. Thorin und Folca eilen ebenfalls heran, nachdem sie den aufkommenden Tumult bemerkten. Erst recht sie erscheinen heilfroh über die unversehrte Rückkehr aller.

Mehr jedoch erfreut es meinen König, als Balin ihn den mitgebrachten und weiterhin unter schwarzem Tuch verborgenen Gegenstand geradezu andachtsvoll übergibt. Wissen würde ich nur allzu gerne, was dies für ein wundersames Ding ist, dessen erlangen es wert war, so viele in Gefahr zu bringen. Dennoch muss ich mich wohl damit abfinden, es vielleicht nie zu erfahren, denn Balin beschrieb es mir nur als eine alte Zauberei, weder wie es aussieht, noch welche Macht es besitzt, noch für was Thorin diese überhaupt benutzen will. Womöglich, um mich zu schützen. Mit höherer Wahrscheinlichkeit aber deshalb, da es zu viel Wissen für eine Dienerin wäre.
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