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Menu Tessu ::: Teil 2 ::: Du bedeutest mir alles

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dis Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild
01.01.2021
27.05.2022
74
178.330
15
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Dieses Kapitel
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21.01.2022 2.871
 
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Einen Augenblick lang ist es plötzlich still. Keine martervollen Gedanken, keine fauchenden Stimmen, keine klirrende Kälte ist zu hören. Leicht fühle ich mich. Losgelöst von dem Stein unter den Füßen. Frei von Schmerzen. Befreit von dem Eispanzer, der das Herz gefangen hielt.

Dann plötzlich, fährt ein Ruck durch mich, bringt Körper und Geist zurück in das Hier und Jetzt und ich sacke unversehens erlöst von dem Bann des Imps zusammen. Auf dem Boden kauernd, sehe ich auf und erblicke zwei glanzvolle Gestalten zwischen mir und dem Imp stehen. Groß sind sie und herrlich anzusehen. Wärme strömen sie aus. Wohlige Wärme. Eine geradezu unirdisch belebende und tröstliche Wärme. Einer von ihnen leuchtet in feurig-flackernden Rot, die andere wird umwoben von schwarzen Trauerflor.

Nebelhaft sind ihre Erscheinungen, nicht greifbar, nicht wirklich hier, jedoch so präsent in allem, wie der Stein rundherum. Merkbar ihre Stärke, die den Saal erfüllt. Fühlbar die ausgesendete Wärme, die in unsere Herzen kriecht. Hörbar die machtvollen Stimmen, die Worte in einer fremden Sprache murmeln. Daher scheint der Imp große Angst vor ihnen zu haben, denn zurück weicht sein Schattendasein. Allerdings seine meine Kameraden noch immer bannende Macht schwindet nicht. Starr und stumm weilen sie weiterhin.

Bedächtig erhebe ich mich und laufe zu Dwalin. Sein Gesicht ist blass und ausdruckslos, der Blick gefangen in einer fernen Welt. Das Schwert hält er kampfbereit in der Hand. Nah kam der Imp ihm und als stärkster von uns, wird er ihn mit intensiver Macht gebannt haben.

Ich berühre sanft seine Wange. Kalt ist sie. Erschreckend kalt. „Dwalin.“ Sein Name nur ein schwaches Flüstern, das von meinen spröden Lippen fliest, aber seine Augenlider zucken plötzlich. Gestärkt von dieser Reaktion, spreche ich ihn erneut an, streiche über die bebartete Haut. Seine Augen werden klarer, der Blick wendet sich langsam zurück.

Getroffen von dieser Wandlung, schreit der Imp hinter mir auf. Erschrocken drehe ich mich ihm zu. Die Gestalten verweilen weiterhin zwischen uns, murmeln Worte, die ich nicht verstehe, deren Bedeutung und zauberhafte Stärke jedoch spürbar ist.

Der Schatten des Imps bäumt sich auf, wird dunkler, bedrohlicher, stürmt kreischend wie eine Bestie auf sie zu und ich befürchte Schreckliches, ist er doch eine Kreatur von großem Ausmaß, alt, älter noch als alles Leben. Jedoch existieren Wesen, die es mit ihm aufzunehmen vermögen, denn sie sind die Gebieter der wirkungsreichsten Macht, obwohl nur geistige Abkömmlinge dem Größten des Seins. Sie sind die Bewahrer einer Gewalt, die Berge erschafft, Meere füllt, Bäume wachsen lässt, ja sogar Sonne, Mond und Sterne an das Firmament setzt. Sie sind die Herrscher und Herrscherinnen über Wasser, Feuer, Himmel, Natur, Träume, Jahreszeiten und den Tod.

Als Mandos, den Totenwächter, den ich bat, mich zu begleiten, damit er die Seelen der Opfer des Imps seine Gnade gewährt und als unseren Schöpfer Aule, der Meister des Feuers sowie der Schmiede- und aller Handwerkskünste, erkannte ich die Gestalten unlängst. Sooft sind wir uns ihrer Gegenwart gewahr. Sie sind alltägliche Gefährten, helfen uns, schützen uns. Jedoch noch nie sah ich ihrer Präsenz so deutlich.

Größer werden sie, wachsen in allem. In Gestalt, Macht, leuchtender Gewalt ihres Elementes. Feuerrot und Totenschwarz sich vermischend zu einem gleißend hellen Licht in dem Dunkel der verlassenen Hallen. Hoffnung spendet es. Neue Kraft. Wärme.

Der Imp jedoch stoppt nicht in seinem Angriff. Hart prallt seine düstere Leere auf die Auren der Valar. Ein Zischen ist zu hören, als würden Wassertropfen auf glühendes Metall tröpfeln. Ich wende mich dennoch ab. Einen eigenen wohl ebenfalls schweren Kampf habe ich jetzt zu bestehen und zudem nicht gewachsen fühle ich mich, den ihren auch nur mit an zu sehen.

Dwalin verweilt noch immer in der Erstarrung. Erneut spreche ich ihn an. Leise, sanft, liebevoll. Erneut streiche ich über seine eiskalte Wange. Er reagiert zögerlich. Die glänzenden Wimpernkränze zucken. Die Lippen, spröde und blutig aufgesprungen, beben. Der Blick gleichwohl weiterhin selbstvergessen in einem tiefen, dunklen Gewässer der Leere. Er schafft es nicht. Sein Winterkriegerherz so starr vor Schmerz, dass kein schöner Gedanke vermag darin aufzublühen. Helfen muss ich ihm, einen solchen keimen zu lassen. Nur eine Möglichkeit gibt es dafür, wenn sanfte Worte und liebevolle Berührungen nicht wirken.

Unsere Helme dafür nur störende Hindernisse. Hastig entledige ich sie ihm und mir, gleichwohl ich meinen in der Hand behalte, um ihn rasch wieder aufzusetzen, sobald die Erlösung funktionierte.

Näher komme ich ihm, stelle mich auf die Fußspitzen, strecke mich. Nah, näher, noch näher. Sein Atem brennend kalt auf der Haut des Gesichts. Schneidend in die empfindlichen Lippen. Oh bitte, lass es wirken. Lass ihn sich erinnern.

Der Kuss warm trotz der Kälte um uns herum. Sanft nur, dennoch erfüllt mit all der Leidenschaft, die ich aufzubringen vermag. Erinnere dich. Dwalin, bitte, erinnere dich an all die innigen Momente, die wir teilten.

Weiß du noch, als Thorin uns erlaubte nach draußen zu gehen, nachdem es in der Nacht zuvor geschneit hatte? Überall glitzerte es im Sonnenschein, als hätte Yavanna unendlich kleine Diamantsplitter genutzt, um ihre Schneeflocken mit all ihrer Liebe zu gestalten. Bislang vollkommen unberührt ruhte das Diamantweiß und bedeckte die Welt, hielt sie in der Stille eines klaren Wintermorgens. Die kahlen Äste der Bäume trugen schwer an dem Gewicht, einzig das Rauschen, sobald dünne dieses nicht mehr zu halten vermochten, durchbrach einige Male die Ruhe. Nach wenigen Minuten bereits durchfröstelte uns der kalte Wind, trotz der dicken Felle und Stoffe der Mäntel. Jedoch wir wollten nicht wieder hineingehen, denn selten sind diese Augenblicke nur zu zweit. Immer achtsam müssen wir sein, damit niemand uns während dieser sieht oder behorcht. Allzu schnell könnte Gerede aufkommen. Gleichwohl außerhalb der Hallen aus lauschendem Gestein, umgeben einzig von Weiß und Stille, fürchteten wir keine Entdeckung. Die Hände froren mir, daher nahmst du sie in die deinen. Allein die sanfte Berührung, obwohl gedämpft durch das Leder der Handschuhe, wärmte mich bis in mein Innerstes. Mit einem Kuss wie diesem dankte ich dir damit.

Deine Lippen zucken unter den meinen. Erbeben. Kräuseln sich. Erwidern den Kuss. Ein wenig nur. Zögerlich. Ja, erinnere dich. Erinnere dich des Gefühls und der Verbundenheit unseres Versprechens, das wir mit jedem heimlichen Kuss festigen.

Erinnerst du dich, wie ich immer in der Gesindeküche warte, wenn du spät abends von deinem Dienst zurückkehrst? Erlebnisse des Tages, Sorgen, Nöte, Rat, wir teilen im Halbdunkel so viel miteinander.
Erinnerst du dich der neidischen Blicke, wenn wir zusammen tanzen? Ich fühle mich so wohl in deinen Armen und kein anderes Paar vermag es so einträchtig selbst die anstrengendsten Bewegungen zu vollführen.
Erinnerst du dich, als wir unseren ersten Kuss genossen? Damals in Bree, während der Feierlichkeiten zum Schattenabend, an dem alles erlaubt ist, das sonst als unredlich bestraft wird.
Erinnerst du dich an die letzten Abende der vielen bisher gemeinsam erlebten Jahre, an denen wir gemeinschaftlich Laternen mit Wünschen und Hoffnungen in den Himmel steigen lassen? So oft fragte ich mich schon, ob sich die unseren ähneln oder sogar gleichen.


Erneut bewegen sich deine Lippen, und als ich den Kuss löse und aufblicke, füllen sich die Augen mit neuem Leben. Die Leere und Dunkelheit in ihnen vergeht und Wärme strömt zurück in den Körper. Ich fühle sie unter meinen Fingerspitzen, die sanft die Wange berühren. Du hast es geschafft. Du hast dich erinnert, es zugelassen, dass das Gefühl die Winterkriegerkälte des Herzens mit seiner Macht schmolz. Jedoch noch nicht vollständig ist es überstanden. Die Gewalt des Imps hält dich und alle anderen weiterhin in der Erstarrung.

Herum wende ich mich, um gestärkt von dem Erfolg den Kampf der Valar mit dem Grauen zu verfolgen. Der Imp bemerkte diesen unlängst. Sein Schatten pulsiert, wird dunkler und heller, als würde er keuchen unter der Wut und dem harten Schlag, den der Misserfolg gegen ihn richtete. Aule und Mandos jedoch, scheinen derweil gewachsen in Größe und Macht. Der Glanz ihrer Auren überstrahlt selbst den kostbarsten Edelstein, der diese Hallen schmückt. Der Anblick lässt den Atem erzittern vor Ehrfurcht.

Ungestüme Hitze erfüllt plötzlich den Saal, als Mahal seine Hand erhebt und sie gegen den Schatten richtet. Wenn dies die Macht ist, die uns einst aus Stein, Metall und Gemmen erschuf, so ist sie gleichermaßen herrlich wie schrecklich. Wohltuende Sommerhitze sowie alles verschlingende Flammenmeere. Behagliche Kaminfeuerwärme sowie glühendes Eisen, das die Haut versenkt.

Die erstarrende Kälte des Imps bricht unter ihr. Er selbst schreit auf. Das Licht der Valar schwächte ihn bereits, nun aber, schwindet die leere Dunkelheit, die einzig seine Macht beinhaltet, immer weiter. Sein Schatten schrumpft. Verblasst. Erst zu einem dicken Nebel, der über Moor wabert, dann zu solchen, der sich an einem Frühlingsmorgen in Senken verfängt, bis schließlich nur noch eine Ahnung von ihm übrigbleibt. Sich auflösender Rauch, der kräuselnd vergeht im Lufthauch sanften Odems.

Die Auren von Mandos und Aule verblassen ebenfalls, dennoch weiterhin beeindrucken sie mit dem Glanz der Unwirklichkeit. Kaum vom Kampf ermattet erscheinen sie. Die Macht des Imps vermochte es Tausende auszulöschen, er zehrte von Angst und Bösem. Jedoch die der Valar wird genährt von einer Glorreicheren, die es immerzu erreichte, dem Dunkel Einhalt zu gebieten und es in die Leere die Ea umgibt zu verbannen, dorthin, wo sie Ilúvatars Kindern und allen Geschöpfen und Schöpfungen keinen Schaden mehr zufügen können.

Langsam wenden sie sich mir zu und der Atem stockt unter ihrem (An)Blick. So oft sah ich Mandos bereits in den Hallen meines Volkes wandeln, an Sterbebetten verweilen und auf Schlachtfeldern umherziehen. Sein Angesicht daher traurigerweise vertraut. Jedoch noch niemals erschien er mir als der, der er weiterhin ist. Schicksalsrichter und Seher. Er vergisst nichts und weiß um all das, was sein wird, bis auf jenes, das im Willen Ilúvatars verborgen liegt. Unsere Tharkûnas, die Himmelsbottinen des Todes, die Kindern ihr Schicksal aushändigen und Weissagungen treffen, werden von ihm unterwiesen. Gütig wirkt sein Antlitz, frei von Trauer und Gram. An der Dornenkrone auf seinem Haupt sprießen zartweiße, fünfblättrige Blüten. Gleichwohl erscheinen mir die Tautropfen, die vereinzelt auf ihnen funkeln, wie die Tränen derer, die Gefallene und Verstorbene betrauern. Sein schwarzer Mantel bauscht sich von einem unfühlbaren Lufthauch getrieben. In seinem Schutz verborgen die in diesen Hallen eingesammelten Seelen.

Unseren Schöpfer neben ihm nahm ich bislang in meinem kurzen Leben nur obskur wahr. Jederzeit begleitet sein Geist uns. Wacht er über seine Kinder, lenkt er ihr Geschick. Seine elbenähnliche Erscheinung jedoch ist genau so, wie ich sie mir erdachte. Groß und stattlich, feurig und erhaben. Sein langer Bart, der ihm bis zur Hüfte reicht, und die ungebändigten Haare zausig, nur vereinzelt geschmückt mit auserlesenen Kleinodien aus Gold und Silber und funkelnden Edelsteinen, die ich noch niemals sah. Schwarzer Stoff unbekannter Art spannt sich über die definierten Muskeln an Armen und Beinen und einen Harnisch trägt er, der so herrlich anzusehen ist wie nur ein solcher, der von Meisterhand geschmiedet wurde. Sein Gesicht drückt eine Ernsthaftigkeit aus, die mich erschaudern lässt. Er ist einem Zwerg nicht unähnlich.

Von ausnehmender Schönheit sind sie beide. Majestätisch wie die größten Könige aus alten Sagen und Legenden der Völker Mittelerdes. Eine Magie umgibt sie, die spürbar nicht in diesen Gefilden, selbst bei den Elben nicht, die viel von ihnen lernten, zu finden ist. Die Kraft der Schöpfung besitzen sie. Die der Träume. Die des Todes. Die der Elemente, die sie beherrschen.

Ich neige mein Haupt in Ehrfurcht und Bewunderung. Unwürdig fühle ich mich, sie zu betrachten. „Hab keine Scheu, mein Kind“, spricht Aule mit minentiefer Stimme, jedoch nicht wirklich, sie erklingt nur in den Gedanken. Gleichwohl Tränen treibt sie mir aus den Augen. Sie zu vernehmen ist so berührend. Kaum zu ertragen vermag es das sterbliche Herz.

„Es ist mir eine unermessliche Ehre, oh großer Mahal, dem ich mein Sein verdanke, vor Euch zu stehen ... und vor Euch, beharrsamer Námo, der die Seelen meiner Liebsten, die nicht mehr unter uns sein können, so achtsam beschützt.“ Die Worte kommen nur gehaucht von den zitternden Lippen. Irreal erscheint mir alles. Wie umhüllt von nebligen Traumschleiern. Ort, Zeit, Licht, Bewegungen, ihre Erscheinungen, die noch immer anhaltende Starre der Krieger in meinem Rücken, selbst das Atmen gedämpft von den in unsere Welt entsandten Schwaden, die sonst die weit entfernten Lande umhüllen, in deren ihre Heimstätten liegen.

Mahal lächelt. Ich kann es nicht sehen, wohl aber spüren, denn wärmer wird seine Aura. So wohlig auf der einst von der auskühlenden Macht des Imps malträtierten Haut, dass sie ebenso das Herz entflammen kann. Ich hoffe so sehr, nicht nur das meine. Jedoch Dwalin hinter mir sowie die anderen rühren sich noch immer nicht. Sorgen bereite ich mir darum. Der Imp wurde vertrieben, warum nur bannt seine Macht sie weiterhin?!

„Sie werden erwachen, sobald wir entschwunden sind, tapfere Kriegerin“, verspricht Mandos und seine Stimme erscheint mir wie das Flirren von Eis, wenn es von über die starre Oberfläche schlitternden Steinen in seiner Ruhe gestört wird. „Ich danke Euch für die Hilfe, ohne diese, hätten wir diese Hallen gewiss niemals wieder verlassen.“ Mit großer Anerkennung und tiefer Ehrlichkeit verbunden fließen die Worte von den bebenden Lippen, die nun von Tränen benetzt werden. Wahr sind sie, denn mit nichts hätte ich den Imp besiegen können.

Die Ahnung einer schweren, wirkungsstarken Hand spüre ich plötzlich auf meiner Schulter. Erschrocken darüber blicke ich auf und direkt in die Augen unseres Schöpfers. Ein unsagbar heißes Feuer lodert in ihnen. Flammen von Gelb, Orange, Rot und Weiß. Faszinierend und grauenerregend zugleich anzusehen. Sie scheinen mich zu verbrennen, aber aus der eigenen Asche erklimme ich mit neuer beängstigender Kraft und entsetzlicher Schönheit.

„Es ist genauso dein Verdienst, nâtha durinul. Du bist dem Schatten mit Mut und Willen entgegengetreten und hast eine Möglichkeit gefunden, ihm zu entkommen. Nur dein Flehen berechtigte uns zur Hilfe. Nur der Entscheid, nicht zu fliehen, sondern weiter für das Leben deiner Kameraden zu kämpfen, rief uns herbei.“ Zu mir hinunter beugt er sich. Sein Antlitz so eindrucksvoll, so nah und so feurig. „Dein Vater, der in den weit entfernten Hallen zur Seite des seinen sitzt, ist stolz auf dich. Sein Blick ruht allzeit auf dir und bewundert deine Taten.“ Tränen treibt mir die Offenbarung in die Augen. Kaum eine berührte mich bisher tiefer im Herzen. Die letzten Überbleibsel der Kälte vertreibt sie auf Ewigkeit.

Mahal hebt seine große Hand und streicht mit ihr über die Wange, dort, wo das Mahl des Imps prangte, um mich zu quälen. Wärme entsteht, ein heißes Brennen, das jedoch nicht verbrennen mag. Anders fühlt es sich an, nachdem er sie wieder von mir nahm.

Sein Blick schweift von mir zu seinen Söhnen und Töchtern. Er lächelt bei ihrem Anblick, so erfüllt von Stolz, wie ihn nur Väter und Mütter zu fühlen vermögen. Er murmelt Worte in der Sprache der Valar, die nur wenige Sterbliche bisher vernehmen durften, und abermals strömt erlösende Wärme aus seinen Fingern, direkt in ihre Herzen, Gedanken und Leiber. „Sie werden sich an nichts erinnern. Nicht an den Schatten, nicht an die Kälte, nicht an die Gefahr“, versichert er. Ich schlage dankend die Augen nieder, jedoch als ich wieder aufsehe, sind beide verschwunden. Der Saal liegt leer und still wie vordem, durchflutete vom blassen Licht einer wohl allmählich bereits untergehenden Sonne. Einen Moment zweifle ich, ob dies wirklich geschah oder nur ein Traum die Erinnerung täuscht. Nein. Die Berührung an meine Wange bestätigt, das Mal verschwand.

Erleichtert und noch immer ein wenig benommen von den Erscheinungen der Valar, atme ich auf und streife mir den Helm über. Einen Schritt zurück trete ich danach, um mit an zu sehen, wie zuerst Dwalins Körper unter dem wieder einkehrenden Leben erschaudert.

„General, geht es Euch gut?“, frage ich mit leicht verstellter Stimme. Er schüttelt den Kopf, allerdings ich erhoffe lediglich, um die letzten Nebelschleier zu vertreiben. „Ja“, murmelt er schließlich ermattet. Einen schweren Kampf focht er in seinem inneren aus und es erleichtert mich, dass er davon nichts mehr wissen wird.

Neben ihm regt sich endlich Sigrun. Wie auch bei Dwalin, widerstehe ich dem dringenden Bedürfnis, sie vor Erleichterung in die Arme zu schließen. „Was ist geschehen?“, fragt sie und hält sich den benommenen Kopf. „Etwas hat uns angegriffen, aber wir konnten es besiegen“, erzähle ich zurückhaltend dessen, was sich tatsächlich ereignete. Später vielleicht, werde ich allein ihr davon berichten. Dwalin schaut skeptisch ob dieser unglaubhaften Äußerung. An einen Kampf würde er sich doch wohl erinnern, genau diesen Zweifel sehe ich an den zusammengezogenen Brauen. Jedoch (für den Moment) lässt er es darauf beruhen, denn auch die anderen Krieger rühren sich. Sie alle blicken verwirrt drein, aber glauben mir. Mutmaßlich ebenso ein Zauber Mahals.

Dwalin jedoch wundert sich erneut, als er seinen Helm aufhebt, den ich bei dem Versuch ihn mit einem Kuss zurückzuholen, achtlos auf den Boden fallen ließ. Einen Moment befürchte ich, er würde sich nun doch an diesen erinnern, denn sein Blick wird plötzlich erfüllt von einer mir nur allzu wohlbekannten Sanftmut. Jedes Mal, wenn der Geschmack der Lippen des jeweils anderen noch unvergleichlich herrlich auf den eigenen prickelt. Die Wärme seiner Haut noch immer die meine erhitzt. Seine Hände noch immer auf mir liegen, Stellen berühren, die sie nicht sollten aber wir uns in diesem Moment nicht scheren um Sittlichkeit. Dann wandelt sich der sonst so unverletzliche, gleichmütige Blick eines strengen Befehlshabers in genau diesen. Jedoch schnell wendet er sich ab und zeigt auf den in Dunkelheit liegenden Gang, aus dem der Imp uns angriff. „Wir gehen dort entlang!“, befiehlt er mit harscher Stimme und ich atme erleichtert aus.

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nâtha durinul – Tochter Durins
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