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Menu Tessu ::: Teil 2 ::: Du bedeutest mir alles

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dis Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild
01.01.2021
16.04.2021
16
42.704
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Dieses Kapitel
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01.01.2021 2.633
 
Titel: Menu Tessu ::: Teil 2 ::: Du bedeutest mir alles

Autor: MilchMaedchen

Rating: P18

Klassifikation: POV OC, Sad, Angst, Romantic, Drama, Lemon, ANC, leicht OOC, Prequel „Der Hobbit“ (Original)

Disclaimer: Alle genannten Charaktere außer meiner OCs sind geistiges Eigentum von J.R.R Tolkien und/oder Peter Jackson, wofür ich ihnen auf ewig meinen Dank schulde.

Zusammenfassung: Thorin ist nach dem Tod seines Vaters König der Blauen Hallen in den Ered Luin. Gleichwohl ihm und seine Getreuen ereilen weitere teils freudige, teil gefährliche Erlebnisse. Astâ unterdes; Leibdienerin, Kriegerin, Freundin, Vertraute; wird immer mehr zur Frau. Wird ihr und anderen die dadurch entfachte Leidenschaft zum Verhängnis werden?

Anmerkung: Verwendetes Khuzdul wurde von der Seite „The Dwarrow Schoolar“ (https://www.dwarrowscholar.com/) erlernt.

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Der Beginn einer neuen Zeit

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Wir schreiben das Jahr 2859 des dritten Zeitalters …

Geheiligt sei Mahal der große Schöpfer von Erde und Stein, dass er uns ein Leben in Sicherheit, Wohlstand und Fülle anheimfallen lässt. Zuversichtlich blicken wir in die Zukunft, die unter seinem und dem Schutz Seiner Majestät König Thorin, zweiter seines Namens steht.

Der frühe Einbruch des Winters bereits einen Tag nach gwivashazdînmerag bereitete den Bauern Sorge. Während des Monats âfnarag fielen die Temperaturen rapide und für längere Zeit, sodass sie um das Ausgesäte der Wintergerste fürchteten. Ab dem zweiten Tag des Julfests dämmte jedoch eine dichte Schneedecke den Boden und seit einigen Tagen ist es ungewöhnlich warm, dafür, dass der âfnudkhazâd gerade erst begann. Mahals gütige Gemahlin wird uns unter diesen Bedienungen voraussichtlich eine reiche Ernte schenken.

Innerhalb des Berges entwickelte sich das Leben trotzend der erstarrenden Kälte. Ihre Majestät bewirkte die Erschließung neuer Stollen, die tiefer in das Gestein gegraben wurden, als jemals zuvor. Die dauerhaft hochwertige medizinische und materielle Versorgung der Minenarbeiter und ihrer Familien, sowie höhere Ansprüche an die Sicherheit, ebenso wie neuartige, effektive Werkzeuge und Vorrichtungen, erlaubten diese Anstrengung. Wir sind guten Mutes, dass sich dort andere von Mahal gespendete Schätze finden lassen, als die bislang abgebaute Kohle.

Einige seit vielen Jahren erstmals aufgetretene Fälle von Typhus konnten schnell isoliert und erfolgreich mit kräuterversetzten, sauberen Wasser behandelt werden. Ebenso andere Krankheiten, die den Berg in den Jahrzehnten nach seiner Besiedlung wiederkehrend verehrend heimsuchten, gelang es gänzlich unter Kontrolle zu bringen, noch bevor sie größeres Unheil anrichten konnten. Eine rühmenswerte Leistung, die den Heilern und kräuterkundigen Frauen zugesprochen werden muss.

Unser König indes blieb auch angesichts der Erfolge und Errungenschaften nicht untätig. Die Nähe zum Volk sucht er beständig, um sich ihrer Sorgen und Nöten noch besser annehmen zu können. Neue Bereiche des Berges wurden erschlossen. Gemeinwohlorientierte Einrichtungen erbaut. Auf den Straßen patrouillieren Gardisten und dämmen die Kriminalität ein. Die Versorgung mit Wasser und Nahrung und den Dingen des alltäglichen Gebrauchs ist durch ertragreiche Handelsbeziehungen mit den benachbarten Zwergenreichen sichergestellt. Niemals zuvor erblühten die Blauen Hallen in solch einer Pracht.

Jedoch, trotzdem seine Herrschaft nach dem Tod König Thráins II. nun bereits in ihrem zehnten Jahr graut, ist seine Nachfolge weiterhin ungeklärt. Die Liebe zu seinem Volk genügt ihm bislang, so erwidert er beständig darauf angesprochen.

Auszug aus den Annalen von Durins Volk
Ered Luin; 02/04/2859

Schreiberin: Astâ, Heras Tochter, ergebene Dienerin Ihrer Majestät

57/01

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Zufrieden mit meinen Ausführungen, nehme ich die Reste der noch nicht gänzlich getrockneten Tinte der zuletzt niedergeschriebenen Nummerierung des Chronikeneintrages mit der Löschwiege auf. Eine wahrlich verantwortungsvolle wie bedeutsame Aufgabe ist es, die mir Balin, Lehrmeister sowie Vertrauter, vor erst einem Jahr übertrug. Für die nachfolgenden Generationen darf ich unabänderlich festhalten, wie sich das Leben gestaltete. Welch Ereignisse stattfanden. Welch Errungenschaften die Herrscher ihrer Zeit erwirkten. Es liegt gewissermaßen in meiner Verantwortung und Macht, auszuwählen, was davon und mit welchen Wortern überliefert wird. Als frevelhaft kann ich meinen König darstellen, als defizitär, drakonisch, sein Scheitern hervorheben ebenso wie Schwächen offenbaren. Oder ihn glänzen lassen im Schein seines Erfolges.

Fürwahr Thorin ist nicht unfehlbar. Vorhaben plante er, die den Zorn von Rat und Adel auf sich zogen. Einige schlugen gänzlich fehl, andere bewirkten nicht vollumfänglich den erhofften Erfolg und kosteten dennoch vornehmlich Gold. Die Handelsbeziehungen wurden nicht minder teuer erkauft. Beträchtliche Zölle und Geleitschutz für die Händler müssen wir entrichten. Viele Probleme innerhalb des Berges sind noch immer ungelöst und mit jedem Tag türmen sie sich höher. Wutausbrüche rief dies alles hervor. Missmut und Zweifel schürten die Misserfolge.

Dennoch, so wie ich schrieb, viel erreichte er trotzend der Fehlschläge. Keine Zeit davor erging es dem einfachen Volk so wohl. Hunger und Elend existieren gleichwohl weiterhin, aber weniger verheerend und vornehmlich bei Gruppen solcher Tunichtgute, die sich Anstellung oder Hilfe verweigern. Hohes Ansehen genießt er. Eine Verehrung wird dem Königshaus entgegengebracht, die ihm manchmal geradezu unangenehm ist.

Oft schrieb ich darüber, ließ aber nie die Unvollkommenheit außer acht, wenn ich ihre Folgen auch zuweilen abschwächte. Noch immer ist Thorin der strahlende Held vergangener Schlachten. Der stärkste Krieger unserer Zeit. Ein bedeutsamer König, gleichfalls er lediglich herrscht über ein Exil und sein tatsächliches Reich weit entfernt verschüttet unter den Klauen und Schwefelatem des Drachen Smaug liegt.

Diese Arbeit für den heutigen Tag beendend, klappe ich das große Buch Uslunkhagal zu. Ehrfürchtig lasse ich die Finger das mit Gold eingestanzte Signum des Hauses Durin; eine von sieben Sternen geschützte Krone über Hammer und Ambos; befühlen, dass auf der Vorderseite in das lapislazuliblau gefärbte, kaum abgenutzte Leder geprägt wurde. Viele Jahrzehnte begleitet es unser Volk bereits. Neu begonnen als wir vertrieben wurden, weitergeführt während der Jahre in der Wildnis, gebeutelt von Krieg und Wanderschaft. Eine Liste der Gefallenen, die es nach der Schlacht von Azanulbizar zu beweinen galt, bewahrt es genauso wie die Geschichte der Gründung der Blauen Hallen. Hierin stehen keine heroisch ausgeschmückten Legenden, jedoch erschafft jede einzelne Seite des knisternden Pergaments solcherlei zuhauf.

Seit vielen Stunden erstmals öffne ich die Tür der Schreibstube und trete hinaus in den hell erleuchteten Gang, der mich zu einer weiteren Aufgabe leiten wird, die ich als Leibdienerin des Königs auszuführen habe. Mitglieder des Hofstaates und andere Bedienstete begegnen mir. Ehrerbietig sind ihre Verbeugungen. Manche tief, manche nur ein Kopfnicken, je nach mir geordneter Stellung. Hohes Ansehen genieße auch ich. Bin heldengekürte Kriegerin, Adlige, Beraterin, Thorins Getreue. Nichts davon steht mir von Geburt an zu, denn aus dem elendigsten der Armenviertel stamme ich. Nur ein Zufall, eine glückliche Fügung des Schicksals, Mitleid, das mein mir nun engster Vertrauter empfand, brachte mich hierher. Wahrlich mit Blut, Schweiß, bedachtem Handeln, aber auch durch günstige Umstände, errang ich diese Stellung. Beständig gefährdet ist sie dadurch. Das Geheimnis, um das nur wenige wissen, ein an einer seidenen Schnur hängendes Schwert über Thorins und meinem Kopf. Dem scharfen Messer, um sie zu durchtrennen, könnten viele habhaft werden. Intriganten, Ränkeschmiede, übelgesinnte Höflinge, Feinde, die uns Böses wollen, existieren zur Genüge.

Wohlbekannt ist mir die Tür mit den efeuumrankten Blumenverzierungen, die ich schließlich erreiche. Oft bereits durchschritt ich sie, wenn auch die Ausführung meines Dienstes hier nicht vornehmlich ist. Verhalten hallt das Klopfen in dem dahinter liegenden weitläufigen Raum wieder. Eine Stimme bittet herein und ich verbeuge mich ehrerbietend tief vor der zu ihr gehörenden Person, so wie die Dienstboten vordem vor mir.

„Ihr habt nach mir rufen lassen, Hoheit“, erkläre ich mein Erscheinen, nachdem die Herrin Dís mich begrüßte. Sie gebietet mit einer Handbewegung das Wiederaufrichten und lächelt warm. Das karmesinrot ihres Kleides lässt sie wirken wie eine lebendig gewordene Blume inmitten derer, die Stoffe und Wände zieren. Die Haare glänzen selbst im Schein des durch das bodengleiche Fenster hereinfallende Winterlichts, als wären sie aus dem reinsten Gold gefertigt. Ein und wohl das einzige Merkmal, das uns verbindet. Nur wenigen Zwergen wurde dieses Vermächtnis unserer Stammesmutter, der Gemahlin Durins des Ersten, über all die nachfolgenden Generationen hinweg gewährt.

„Hattest du viel zu erledigen?“ Die implizierte Schelte in ihrer Frage ist deutlich, jedoch durchaus berechtigt. Mitten im Scheiben des Chronikeintrages erreichte mich die Aufforderung zu ihr zu kommen, aber nicht sofort ging ich dieser nach, sondern beendete erst diese Arbeit. Höchste Priorität sollte hingegen einer ihrer Wünsche haben. Genauso wichtig und unaufschiebbar sein wie ein Befehl ihres Bruders, meines Herren und Königs.

Rechtfertigen will ich das Vergehen daher nicht, berichte aber, was mich aufhielt. Anmutig wie es nur einer edlen Dame zu eigen ist, erhebt sie sich und legt das gerade gelesene Buch beiseite. „Eine wichtige Aufgabe“, würdigt sie und schreitet in meine Richtung. Wie immer bestaune ich derweil unverhohlen ihre unvergleichliche Schönheit. Wie ein Saphir bezaubert sie das Zwergenherz seit dem ersten Tag, an dem sie mich aufnahm in den königlichen Haushalt. Jedoch wird mir eine Veränderung in der Kostbarkeit gewahr. Frischer wirkt ihre Haut. Voller sind die roten Lippen. Lichterfüllt die Augen, als glänze in ihnen die Seele eines jungen, noch unbeschwerten Lebens. Viel Leid sah sie bereits und weinte Tränen des Kummers. Trauerte um Familie und Freunde, die sinnlos fielen ob Zerstörung, Gewalt und Krieg. Daher beständig trübten kleine Makel das Strahlen, aber dieses hier, es gleicht einem Stern, der am Himmel erglüht, trotzdem hellerlichter Tag herrscht und den Saphir zu einer einmaligen Kostbarkeit verhilft. Ich kenne diese Andeutung, sah sie schon oft im Antlitz von Frauen. Allerdings nur ein Verdacht ist es, eine Vermutung. Ich muss alle Besonnenheit bemühen, die in meinem Herzen dennoch darüber aufkommende Freude zu beherrschen. Vielleicht weiß sie selbst noch nicht darum oder ich irre mich.

Direkt vor mir bleibt sie letztendlich stehen. Überwältigend ist der ihr beständig anhaftende Duft von Glockenblumen. Sie betrachtet mich. Lange und mit einem eigenartigen Lächen, dass ihre Lippen umspielt. Größer als ich ist sie. In allem. „Entschuldige daher, dass ich dich bei der Ausführung dieser deiner Pflicht stören ließ, aber ich möchte dich bitten, für Vilí und mich ein Audienzersuchen bei meinem Bruder anzumelden.“

Ich stutze. Ein solch offizielles Ansinnen richtet sie noch nie an mich. Wenn sie etwas von Thorin erwünscht, dann genießt sie als wohl einzige das Privileg ihn ohne vorherige Anmeldung aufzusuchen. Jedoch steht es mir nicht zu, einen Auftrag zu hinterfragen.

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„Herein.“ Thorins Stimme dringt gedämpft durch das dicke Holz der Tür seines Arbeitszimmers an mein Ohr. Noch dunkler wirkt sie dadurch. Noch geheimnisvoller. Wie liebe ich ihren Klang. Wie bereitet sie mir alltäglich ein wohliges Schauder. Leise drücke ich die Klinge herunter und trete in das nur durch wenige Kerzen erhellte Zimmer. Gerne halte ich mich hier auf, auch wenn die Atmosphäre geschäftig pulsiert, und das Atmen schwerfällt durch den umherflirrenden jahrzehntealten Staub. Allerdings viel gibt es hierin zu bestaunen. Alte Bücher, aufgereiht in den sich unter ihrer Last biegenden Regalen sowie hochgestapelt auf den Boden. Unerfindliche Artefakte. Etwas, das eine Drachenklaue sein könnte. Flüssigkeitsgefüllte Gläser mit Tieren, Pflanzen und furchteinflößenden oder bezaubernden Wesen. Gesteinsproben. Vielzackige Drusen von lila Amethyst und klaren Bergkristall, deren mystische Energie ein Flirren der Luft bewirkt. Geoden mit vielfarbigen Ringen. Gemälde an den Wänden, die die Abbilder bedeutender und längst in des Totenwächters Mandos‘ Hallen verweilender Persönlichkeiten zeigen. Stets warm ist es hier und jederzeit beeindruckt Thorin hinter dem schweren immervollen Eichentisch sitzend. Umgeben von Papier und Büchern, gehüllt in aufgewirbelten Staub und goldenes Kerzenlicht, dass kostbaren Schimmer in das Schwarz seiner unbändigen Haare zaubert und die Edelsteine der Ringe an seinen Fingern zum Changieren bringt.

Das Hereinkommen bemerkend hebt er den Blick von einem vor ihm liegenden Pergament und ich knickse zur Begrüßung. „Was gibt es, uzfakuh?“, fragt er mit wohlgesinnter Stimme. Lieb ist mir dieses Kosewort geworden. Die Bedeutung, die mein Sein in seinem Leben einnahm, drückt es aus und darf daher niemals jemand anderem bekannt werden.

„Majestät, Prinzessin Dís und ihr Gemahl Großherzog Vilí, bitten Euch untertänigst um eine Privataudienz“, trage ich den mir zu überbringen aufgetragenen Wunsch vor. „Sie erwarten Euch bereits im Salon.“ Auch Thorin stutzt ob dieses ungewöhnlichen Ersuchens. Innerhalb von Familie und Vertrautenkreis verzichtet er sonst auf die verhasste steife Etikette des Hofes.

„Welch wichtiges Anliegen lässt sie den hochoffiziellen Weg suchen, um mit mir zu sprechen?“, erkundigt er sich daher, aber ich schüttle nichtwissend den Kopf. „Den Anlass nannte sie mir leider nicht direkt, Majestät.“ Thorin brummt. Ein Ton der Unmut, Zustimmung, Wohlwollen oder auch Verdrießlichkeit bedeuten kann und ich ebenso unzuverlässig zu deuten vermag wie den manchmal tief-nachdenklichen Gesichtsausdruck, wenn er in die Flammen eines Feuers starrt. Jedoch erhebt er sich schließlich und bittet mich, ihm zu folgen.

Im Salon ist es warm und hell und die repräsentative Noblesse eines königlichen Hofes allgegenwärtig. Natürlich gewachsene goldene und silberne Adern, die sich durch die Wände schlängeln und die Marmorierung aus Lapislazuliblau und Wolkenweiß untermalen. Dichtgewebte Teppiche auf dem Fußboden. Drachenschlangen umwundene Kerzenständer. Detailverliebt gearbeitete Skulpturen. Möbel aus dunklem Holz. Die Quasten am Abschluss der Bänder, die die schweren Vorhänge zusammenraffen, lang und ebenfalls golden. Jedes Mal aufs Neue beeindruckt mich der imposante, von der Decke herabhänge Leuchter mit den Diamanttropfen, die das Kerzenlicht so faszinierend zu tausenden von schillernden Regenbögen zerstreuen.

Nahe dem riesigen Kamin warten bereits Dís und Vilí auf ihren König. Die Prinzessin strahlt erfreut, als ihr Bruder in seiner ganzen Herrscherwürde durch die von mir aufgehaltene Tür schreitet, aber nur allzu augenfällig versucht sie eine eigenartige Nervosität unter dem Lächeln und der tiefen Verbeugung zu verstecken. „Schön euch zu sehen, nun’anu‘, neddar“, begrüßt Thorin sie und lässt sich in einen der großen brokatbespannten Sessel fallen. „Was habt ihr beiden angestellt?“

Ich schmunzle ob dieser unverblümt getätigten Unterstellung und schließe leise die Tür, neben die ich mich weitere Befehle abwartend positioniere. Natürlich kennt er seine Schwester und einen gewichtigen Grund wird es haben, dass sie hochförmlich um eine persönliche Unterredung bat. Dís senkt daher vielsagend den Blick, seufzt zitternd, greift Sicherheit und Stärke suchend nach der Hand ihres Gemahls. Auch sie ist geradeheraus mit der Offenbarung.

„Ich erwarte ein Kind.“

Noch nicht einmal einen Versuch unternehme ich, die aufkommende unermessliche Freude über diese, den Verdacht bestätigende Offenbarung zu verbergen. Breit und ehrlich ist daher mein Lächeln. Wie gerne würde ich sie umarmen. Ihnen gratulieren. Das unter ihrem Herzen entstehende Leben feiern. Allerdings nicht nur die zu wahrende Etikette hält mich zurück und dämpft den Frohsinn. Prekär ist die Situation, denn bislang kein leibeigener Erbe würde Thorin nachfolgen. Königreiche zerbrachen bereits an rivalisierenden nicht von Geblüt her legitimen Anwärtern auf den Thron. Jedoch der männliche Spross einer direkten Tochter Durins aus erster Linie könnte diese Stellung einnehmen, bliebe der gekrönte Monarch kinderlos und ermächtigte er ihn vor seinem Tod dazu.

Daher mit gespannter Erwartung, wie er reagieren wird, gleiten unser aller Blicke zu Thorin. Stumm und mit weit aufgerissenen Augen sitzt er da. Selten gewährt er diesem Ausdruck absoluter Fassungslosigkeit die Gewalt über sich zu ergreifen. Sorge bewegt demnach wohl nicht nur mich, er fasse diese Nachricht mit wenig Freude auf. Jedoch lediglich einen Augenblick keimt diese verwerfliche Saat in unseren Herzen, denn dann plötzlich springt er auf und umarmt seine Schwester mit einer leidenschaftlichen Glückseligkeit, die ich wahrlich noch nie bei ihm sah. Er küsst sie und lacht, schlägt seinem Schwager mit anerkennender Wucht auf den Rücken, so dass dieser sich kaum mehr auf den Füßen zu halten vermag.

„Eine solche Nachricht muss groß gefeiert werden!“, ruft er aus und signalisiert damit, dass es umgehend jeder erfahren soll. Wie freue ich mich bereits auf die glücklichen Gesichter und jubelnden Glückwünsche, die den Berg für viele, viele Tage erfüllen werden und auf das neue Leben, das bald in dieses Haus hineingeboren wird.

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Verwendetes Khuzdûl:

gwivashazdînmerag  – Schätze der Erde Fest

âfnarag – Zweiter Monat im Zwergenkalender. Bedeutet so viel wie „Mond der Dunkelheit“ und bezieht sich auf die Zeit, in der die Zwergenväter schlafen mussten. Beginnt nach dem gregorianischen Kalender am 24.11. und endet am 23.12..

âfnudkhazâd – Vierter Monat im Zwergenkalender. Bedeutet so viel wie „Zwei Zwerge“ und bezieht sich auf das Überleben genau dieser nach dem Tod Thingols im Jahr 501 E.Z.. Beginnt nach dem gregorianischen Kalender am 22.01 und endet am 20.02..

Uslunkhagal - Ered Luin Blau
Uzfakuh – meine größte Freude
Nun’anu‘ – kleine Schwester
Neddar – höchster Bruder
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