Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das, was die Sonne für den Herbst bedeutet...

OneshotAllgemein / P12 / Gen
Gale Hawthorne Primrose Everdeen
01.01.2021
01.01.2021
1
2.690
5
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
01.01.2021 2.690
 
Ersatzbeitrag zum Herbstliches Willkommen-Wichteln.

V o r g a b e n~
•     Wichtelkind: LetMeTellLies
•     Plotpair: Prim & Gale (freundschaftlich oder romantisch - egal)
•     Inspiration: "Wake me up, when September ends" - Green Day
•     Sonstiges: Die Vorgaben können ruhig locker genommen und auch vertauscht werden (also bspw. die Ersatzinspiration mit Gale & Prim oder umgekehrt), viel Schreibvergnügen :-)

Meine Liebe, eeendliiich ist er da, dein wohlverdienter Beitrag. *_* Ich find deine Vorgaben wirklich sehr inspirierend und toll, möchte mich aber gleichzeitig für die arge, arge Verzögerung entschuldigen, zumal wir ja nicht mehr Herbst haben. *schäm* Auch bei deinem Beitrag hab ich versucht, deinen Erstwünschen zu entsprechen, weswegen ich die Ersatzvorgaben nicht mit in den Header aufgenommen hab. :-) Vielen Dank für diese wundervollen Vorgaben und deine Geduld. <3 Hoffe, du hast genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben hatte. *___*

:.~ . ~ . ~.:


Das, was die Sonne für den Herbst bedeutet...


~




~


Es gab nicht viel, dass Prim verabscheute. Weil sie wie das Sonnenlicht war, das zwischen dem kunterbunten Herbstlaub tanzte. Wenn das Leben eine Kerze wäre, wäre sie der Docht, der es zu entzünden vermochte. Doch so sehr Prim Sonnenschein und von Herzen kommendes Lachen liebte, so sehr wusste sie auch um die Zerbrechlichkeit des Seins, um das Zwillingsprinzip von Leben und Sterben (Kapitol sei Dank). Deswegen wollte sie seit frühester Kindheit Ärztin werden. Utopisch für ein Mädchen aus dem Saum, aber Träumen, so unrealistisch es auch zu sein schien, half, den Alltag durchzustehen. Sobald sich ihr die Gelegenheit bot, träumte Prim und je mehr sie sich auf den Traum, Ärztin zu werden, konzentrierte, desto mehr hatte sie das Gefühl, über den Dingen stehen zu können. ‚Vielleicht‘, dachte sie optimistisch, ‚kann ich Ärztin werden, wenn ich jede Ernteziehung bis zu meiner Volljährigkeit überlebt habe.‘ Zugegeben, das eine so unrealistisch wie das andere, aber wenn es half, das Kapitol zu überleben, so war sie gern eine unrealistische Träumerin, die an die Wunder im Alltag glaubte. Alles, was zerbrach, versuchte Prim fortan, zu reparieren, zu heilen, gesund zu pflegen – erst eine Gabel mit verbogenem oder fehlendem Zinken, immer wieder mal ihre zerschlissene Puppe, die sie von Katniss übernommen hatte, weil sie sich keine neue leisten konnten, später auch Olivia Alysters Knöchel, den diese sich beim Laufen im Sportunterricht verknackst hatte. Doch als ihr Vater von ihnen ging, da sie so alt gewesen war, wie die Woche Tage maß, sind Prims heilenden Hände nicht in der Lage gewesen, ihr schreiendes, zerbrechendes, verletztes Herz zu beruhigen und so sehr sie sich bemühte, dem Tod konnte sie ja doch nicht die Stirn bieten.

Ja, es gab nicht viel, dass Prim verabscheute. Bis auf den Tod, denn er erinnerte sie. An ihre Macht- und Hilflosigkeit, ihre Vergänglichkeit, erinnerte sie daran, dass er den längeren Atem hatte und haben würde, dass das, was er im Bruchteil eines Blinzelns erlebte, ein ganzes, verdammtes Leben für sie war, dass er sie überlebte und überleben würde. Sie alle. Alle, die ihr etwas bedeuteten oder bedeutet haben werden. ‚Darf ich mir erlauben, zu lieben, wenn Leben Abschied bedeutet?‘, dachte Prim in einem dieser herbstmelancholischen Momente und begann, über das Dasein nachzudenken.

Nach dem Tod ihres Vaters war sie wütend. Und traurig. Sie sah in die laubtoten Iriden ihrer Mutter und hatte das Gefühl, in Katniss' Wuttrauermeer zu ertrinken. Tagsüber war es Katniss, die sie vorm Ertrinken bewahrte, indem diese sich rührend um Prim kümmerte, ihr gleichzeitig fürsorgliche Mutter und strenger Vater war, sie zu essen zwang und ihr sanft das Haar bürstete, doch nachts, wenn jeweils Tränen ihre Mutter und Sorgen Katniss in den Schlaf begleitet hatten, lag Prim ganz still da, hatte die Augen weit aufgerissen, um nicht blinzeln, nicht schniefen, nicht schluchzen, nicht weinen zu müssen. Ein Kampf auf verlorenem Posten, den sie jedes Mal aufs Neue verlor. Tag für Tag.

Als Prim es jedoch am wenigsten erwartete, fand sie in ihren dunkelsten, schwersten Momenten einen Verbündeten, einen Lichtblick, der ihrer Mutter, Katniss und ihr den Glauben zurückbrachte. An Wunder. Das Gute. Sich selbst.

~


„Du bist spät dran, Gale“, sagte Prim ohne jeglichen Vorwurf in der Stimme und erhob sich von einem großen Stein, ihrem Warteplatz.
Gale, ihr Verbündeter, ihre personifizierte Hoffnung, grinste verschmitzt. „Wer zu spät kommt, macht sich interessant.“

Als Katniss sie einander vorgestellt hatte, hatte er ihr anfangs mit seiner kriegerischen Art Angst eingejagt. Gleichzeitig war es diese Angst, die sie wachgerüttelt hatte, denn seit 42 Tagen nach dem Tod ihres Vaters war es die erste Emotion gewesen, die nicht aus der Trauer um den Verlust geboren worden war. Die Angst hatte Prims ureigenen Überlebensinstinkte wachgerüttelt, die von der Trauer lahmgelegt worden waren. Sie hatte andere Emotionen angestoßen, wie ein Dominostein alle anderen ins Rollen bringt. Neugier. Verwunderung. Ehrgeiz. Sie wollte mehr über diesen kriegerischen Jungen erfahren, der es geschafft hatte, das Löwenherz ihrer willensstarken Schwester zu erweichen. Sie wollte sich von ihrer Angst nicht länger überwältigen lassen, wollte ihr die Stirn bieten. Also überwand sie sich, Katniss dann und wann zu begleiten, wenn diese Gale im Wald traf – so oft begleitete sie Katniss und Gale, dass sie sich irgendwann an Gale gewöhnte, seine Art zu schätzen und nicht fürchten lernte. Seine leidenschaftliche, meist etwas zu ruppige und provokante Art schüchterte sie irgendwann nicht länger ein, im Gegenteil: sie liebte es insgeheim, ihr Inneres von seinen Worten entzünden zu lassen, sich mit ihm regelrechte Wortduelle zu liefern, in denen er die Position des Jägers und sie jene der Heilerin einnahmen, während sie etwa das Für und Wider von Sterbehilfe für verwundete Tiere hitzig diskutierten. In seiner Nähe fühlte es sich unbeschwert an, den Spuren ihres Vaters zu folgen, die er im Leben und ihrem Herzen hinterlassen hatte. Sie konnte gleichzeitig die friedliebende Ärztin und das aufgeweckte Saummädchen sein. Gale akzeptierte sie, jede ihrer Seiten.

„Wer zu spät kommt“, wiederholte Prim, sich eine spöttische Nuance nicht verkneifen könnend, „den bestraft das Leben.“ Im selben Moment, da sie es ausgesprochen hatte, wünschte sie, es zurücknehmen zu können, weil die Art, wie Gale die Lippen schürzte und schnaubte, die Art, wie ein Schatten sein Gesicht verdunkelte, ihren Magen unangenehm rumoren ließen.
„Lass uns gehen“, überging er das Thema, ohne näher darauf einzugehen, wie sehr das Leben sie beide gestraft hatte, da es ein Abkommen mit dem Tod getroffen hatte, welches ihnen ihre beiden Väter entrissen hatte.
„Es …“, stammelte Prim schuldbewusst und starrte auf ihre Schuhspitzen hinab, während sie ihm folgte, „tut mir leid.“ Manchmal verwünschte sie sich, wenn sie in seiner Nähe war, weil sie das tat, was ihr das Herz sagte, nicht der Kopf. Sie brauchte sich nicht darum zu kümmern, ob ihr Verhalten undamenhaft war, ob es sich ziemte, weil Gale sie in ihren dunkelsten Momenten nicht nur hin-, sondern auch angenommen hatte. Diese Ungezwungenheit, so fand sie allerdings, war gleichzeitig Fluch und Segen, wie ihr wieder in diesem Moment bewusst wurde.
„Prim“, sagte Gale plötzlich, blieb stehen und fasste sie bei den Schultern, damit sie ihn ansehen sollte.
Sie tat ihm den Gefallen.
„Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen“, sagte er eindringlich. „Wir sehen nach vorn, machen weiter – das ist das Mindeste, was wir ihnen schuldig sind, hm?“
Ermutigt nickte Prim, sodass Gale ebenfalls nickte, lächelnd.

Es war selten, dass er das tat. Lächeln. Eigentlich war er die meiste Zeit über ernst und schweigsam. Wenn sie das Licht war, das auf verwelktem Laub tanzte und es auf diese Weise wieder in neuem Glanz erstrahlen ließe, dann wäre er der robuste Baum, von dem das Laub gefallen wäre und zu deren Wurzeln es läge. In den Genuss seines Lächelns kamen nur sehr Wenige. Prim wusste nicht genau, wieso, aber der Gedanke, dass sie eine dieser Wenigen war, die Gale in sein Herz und hinter die Fassade gelassen hatte, erfüllte sie mit Dankbarkeit, so wärmend wie eine Decke, die vor dem pfeifenden Herbstwind zu schützen vermochte.

~


„Das machst du gut“, sagte Gale gerade, als Prim sich daran versuchte, das Weihnachtsgeschenk für Katniss im Wald zu deponieren. Für Geschenkpapier hatte ihr Geld nie ausgereicht und ihr Häuschen war nicht groß genug, als das es viele Versteckmöglichkeiten böte, weswegen der Wald mit seinen zahllosen Düften und Bäumen und Plätzchen nahezu vollkommen für ihr Vorhaben schien. Einen dieser Bäume hatte sich Prim sorgsam ausgeguckt, der einen leicht zu erklimmenden Stamm mit weit ausladenden, dicken Ästen vorwies. Sie war nicht die begabteste Kletterin, nicht einmal besonders erpicht auf Nervenkitzel und Abenteuer, aber Katniss zu Liebe hatte sie über ihren Schatten springen, ihr etwas für ihre unerschöpfliche Fürsorge und Liebe zurückgeben wollen, doch sobald mehr als ein Atemzug zwischen ihr und dem Boden lagen, verwandelte sich ihr Kolibriherz in einen Angsthasen, sodass sie Zweifel überkamen.
„Es ist so hoch“, brachte sie gepresst hervor, umschlang den Stamm fest mit dem einen Arm, während sie ihr Geschenk mit dem anderen Arm an ihren Körper drückte. „Vielleicht lassen wir’s und vergraben’s in der Erde – oder du nimmst es mit zu euch?“, sprachen Angst und Verunsicherungen aus ihr. Ihr Geschenk war nichts Besonderes, fand sie. Eigentlich nicht mal der Rede wert, aber als sie sich mit ihrem Anliegen an Gale gewandt hatte, sie, unsicher an der Unterlippe knabbernd, von der vermeintlichen Wertlosigkeit ihres Geschenks zaghaft zu erzählen begonnen hatte, hatte Gale sie ausgeschimpft, weil er es nicht geduldet hatte, dass sie ihre liebevolle Geste selbst sabotierte, indem sie ihr Geschenk mit jenen der reicheren Kinder ihrer Klasse verglich. „Sie weiß, dass es von Herzen kommt. Das ist so viel wert“, hatte er gesagt. Seine Worte hatten sie beruhigt. Das war schon immer so. Obwohl sie sich von Anfang an in die Wolle gekriegt hatten, weil sie sich in ihren hitzigen Wortduellen verlieren konnten, konnten sie einander vertrauen.
„Kommt nicht in Frage“, wehrte er ab und beschwor sie: „Verlier nicht den Mut.“ Von oben herauf sah er sie dabei an. Zuversichtlich. Optimistisch. Vertrauensvoll. Er war vorgeklettert, um den besten Platz auszusuchen, an dem ihr Geschenk vor Wind und Wetter geschützt wäre. Der Herbst bot hierfür den perfekten Zeitpunkt, weil sich um diese Zeit, da die Welt sich darauf vorbereitete, unter einer dicken, weißen Schneedecke ein Weilchen im Winterschlaf zu schlummern, nicht sonderlich viele Lebewesen raustrauten – weder Zwei-, noch Vierbeiner oder Vögel. Somit war Prims in einen Stoffbeutel gelegtes Geschenk geschützt vor neugierigen Blicken. Die Träger des Beutels hatten sie miteinander verknotet und würden diesen auf eben diese Weise am entsprechenden Ast befestigen.
„Leichter gesagt, als getan, wenn man schon oben ist“, schnaubte Prim.
Er lachte auf. Befreit. Herzhaft. „Na komm, gib dir einen Ruck – gleich hast du es geschafft.“
Ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer. Sie hörte ihn so gern lachen, weil ihm diese unbeschwerte Seite, die das Lachen suggerierte, stand. Ähnlich wie Katniss, musste er früh auf eigenen Beinen stehen und erwachsen werden. Wenn sie ihn davon ablenken konnte, wie viel Verantwortung auf seinen Schultern lastete, freute sie sich wahnsinnig darüber. „Na gut“, seufzte sie und nahm ihr nächstes Ziel ins Visier, einen Ast, etwa eine Armlänge über ihrem Scheitel. „Aber ich warne dich, dass wenn ich den Halt verlier, ich dich dafür verantwortlich machen und mich als Poltergeist an deine Fersen heften werd – jetzt und für immer.“
Wieder lachte er ausgelassen. „Na, da freu ich mich schon drauf, Kleines.“
Oh, und wie sehr sie sich erst freute, dass er sich freute. Ein feixender, ausgelassener Gale erinnerte sie an die hellen, die unbeschwerten Tage, an eine Kindheit mit ihrem noch lebenden Vater. In Gales Gegenwart fühlte sie sich gleichzeitig zerbrechlich und behütet, bei ihm konnte sie die sture Heilerin sein, das kämpferische Saummädchen, gleichzeitig aber auch das kleine Mädchen mit naiven, viel zu großen Träumen, das sich vor allem und jedem fürchtete und beschützt werden musste. So sehr verlor sie sich in ihren Gedanken, dass sie in sein Gelächter mit einstimmen musste. So sehr freute sie sich, dass sie unachtsam wurde und der Wind ihr das Geschenk aus dem Arm wehen konnte. So sehr, dass...

~


„Ich habe es dir prophezeit, Gale“, stöhnte Prim leidvoll, die immer noch etwas wacklig auf den Beinen war, alles schwirrte vor ihren Augen wie ein aufgescheuchter Jägerwespenschwarm und sie musste den Kopf an den Stamm lehnen, damit ihr nicht wieder schlecht wurde. „Aber du wolltest mir ja nicht glauben.“ Sie hatte den Halt verloren, war in die Tiefe gefallen. Da Herbst war, war sie weich im Laub gelandet, erschrocken hatte sie sich trotzdem. „Das Geschenk im Baum zu verstecken – was für eine dumme, dumme Idee.“
„Aus Fehlern lernt man“, schmunzelte Gale und setzte verzeihend hinzu: „Entschuldige bitte, ich wollte es nicht ins Lächerliche ziehen, aber zumindest hat dein Gesicht wieder Farbe bekommen, hm?“, schmunzelte er vergnügt. Er war rasch vom Baum gesprungen, hatte behutsam ihren Körper nach Verletzungen abgetastet, doch als er sah, dass sie mit dem Schrecken davongekommen war, konnte er nicht anders, als sie aufgrund ihrer liebenswürdigen Tollpatschigkeit aufzuziehen, sich gar darüber zu amüsieren. „Hey, na komm, wenn es dich tröstet, darfst du mich heimsuchen.“
„Für den Rest deines Lebens?“, wollte sie unnachgiebig wissen.
„Für den Rest meines Lebens“, versprach er ihr lächelnd in die Hand, setzte sich neben sie an den Stamm, legte einen Arm um sie und ließ sie ihren Kopf an seine Schulter lehnen. Während Prim irgendwann eingeschlafen war – der Tag hatte sie erschöpft und seinen Tribut gefordert –, hatte er seinen Proviant ausgepackt, eine Kleinigkeit zu sich genommen und hatte sich im Anschluss daran gemacht, Prims vom Winde verwehtes Geschenk für Katniss zu suchen und nach oben in den Baum zu hängen. Lächelnd sah er dabei auf die schlafende Prim hinab.
Dafür, dass sich der kleine Angsthase nie etwas traute, war sie über sich und die Situation hinausgewachsen. Natürlich hätte er die Stimme der Vernunft annehmen und ihr die Nachteile ihres Plans, das Geschenk im Baum zu verstecken, aufzeigen können, aber wer wäre er, sie zu belehren, sie aufgrund seiner Rüge davon abzuhalten, neugierig und offen auf die Welt zuzugehen und neue Ideen zu ersinnen? Viel lieber ließ er sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln, ihren eigenen Weg gehen, immer in der Nähe, neben ihr laufend, sie wie ihr Schatten begleitend, dass wenn sie Gehör oder Rat bräuchte, er sofort zur Stelle wäre. Er wusste jedenfalls genau, dass mehr in ihr schlummerte, eine Leidenschaft, die Berge versetzen, ein Kampfgeist, der Totgeglaubte wiedererwecken konnte. Dabei besaß sie jedoch das Herz am rechten Fleck, lächelte jedem zu, wollte alles und jeden wieder gesundpflegen, reparieren.
Bis zu einem gewissen Grad verstand er Katniss' Fürsorge, Katniss‘ Drang, Prim vor der kalten, bösen Realität um jeden Preis beschützen zu wollen, aber dass die Kleine von sich aus auf ihn zugekommen war, ihn gebeten hatte, dass die Sache zwischen ihm und ihr blieb, dass Katniss nichts davon wissen durfte, zeigte, dass Primrose Vieles, nur nicht zu unterschätzen war.

~


„Du bist immer für eine Überraschung gut, Prim“, bestätigte Katniss Gales Eindruck und strahlte – ja wirklich – strahlte über das ganze Gesicht, als Prim ihr feierlich das Weihnachtsgeschenk überreicht hatte.
„Gefällt es dir?“, wollte Prim kleinlaut wissen, unsicher auf die Katze im Miniaturformat schauend, die sie selbst im Unterricht genäht hatte. Sorgsam hatte sie die Wolle ausgesucht, die Fäden miteinander verwoben, hatte gewusst, dass sie sich auf dünnes Eis begab, mit Butterblume, ihrem Kater, als Vorlage ein Kuscheltier anzufertigen, das sie ihrer Schwester schenken wollte, weil Katniss immer wieder betonte, wie wenig sie Butterblume ausstehen konnte, doch Prim ahnte instinktiv, dass jeder Mensch, gerade jene mit Löwenherz und Panzerfassade, jemanden brauchten, den sie umarmen und liebhaben konnten. Unruhig knetete Prim ihre Finger, während sie auf eine Antwort ihrer Schwester wartete.
„Machst du Witze?“, empörte sich Katniss und knuffte Prim leicht auf den Arm. Dann zog sie ihre kleine Schwester jedoch in eine liebevolle Umarmung und versicherte: „Ich liebe es. Vielen Dank, mein kleines Entchen.“
„Ich bin nicht klein!“, beschwerte Prim sich prompt, wodurch sie Katniss und Gale zum Lachen brachte.
Ein Lachen, von dem Gale sich wünschte, es möge nie verblassen, nie erkalten, nie verklingen, von dem er inständig hoffte, es möge für sie das sein, was die Sonne für den Herbst bedeutete...

~


:.~ . ~ . ~.:
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast