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Tokyo Devils, Tokyo Sharks

von Motoshai
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
01.01.2021
09.04.2021
15
36.593
2
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01.01.2021 1.199
 
Diese Veröffentlichung ist als Fortsetzungsgeschichte mit offenem Ende konzipiert, sozusagen eine Seifenoper. Jeden Freitag soll eine Folge erscheinen. Bevor es losgeht, noch einige wichtige Hinweise:

Zwar schildere ich normalerweise nichts explizit, doch haben bei mir die Jungs einander lieb. Wem das nicht liegt, der möge einen Bogen um meine Geschichten machen, denn in denen ist das immer so.

Drei Dinge gibt es, die bei mir nicht zu finden sind:
– die Rechtschreibverformung („Rechtschreibreform“). Ich schreibe nach den Regeln im Duden der 20. Auflage von 1991 („Einheitsduden“), der letzten Auflage, bevor die Verformerei losging.
– die Gehirnwäsche („politische Korrektheit“). Wer sich von gesichtslosen Instanzen vorschreiben läßt, wie er zu reden (und somit zu denken) hat, sollte mal zum Arzt gehen.
– die feministische Linguistik. Bei mir bleibt der Kunde König. Wenn die Kund*Innen*Außen_xy…ungelöst sich dann „nicht mitgedacht“ fühlen, haben sie Pech.

Die Charaktere in dieser Serie sind frei erfunden, manche von ihnen erinnern aber an bekannte Figuren. Dennoch gelten alle als OC. Bei denen, deren Name und/oder Aussehen bekannt wirkt, muß das für ihren Charakter und ihr Verhalten ganz und gar nicht gelten.



Folge 001: Ein neues Gesicht hat sich beworben. Weiß der Junge, worauf er sich einläßt? Als Ausländer in einer japanischen Jugendbande. Was es da alles zu beachten gibt … Sehen wir uns das an! Shinjin to aimashō!


„Sag mal, Spargeltarzan –“
„Heee!“
„– is’ Rock jetzt dein richtiger Name oder bloß so ’n Peudo…, Psypo…, P…, so ’n Spitzname?“ Katsuo interessierte sich für den Bewerber. Der Junge war kein wandelnder Anabolika-Schrank, aber umso interessanter war doch, warum er ein Devil werden wollte.
„Ich heiß’ wirklich so. Kann ich doch nix für!“
Obwohl Katsuo neunzehn und kein Lausbub mehr war, strahlte Rock sein anziehendes Lausbubengrinsen entgegen. Es kontrastierte mit der Klappe, die Katsuos linkes Auge verdeckte.
„Hab’ ich was von dafürkönnen gesagt?!“
„Wer entscheidet ’n das eigentlich? Also, ob ich aufgenommen werde?“
„Na, der Boß natürlich“, sagte Katsuo achselzuckend. „Vicious.“
„Vicious? Der Boß heißt echt Vicious?!“
„Ja … Die Devils hatten mal zwei Bosse. Vicious und Dangerous. Die haben die Bande gegründet.“
„Vicious und Dangerous … Und wie heißt der Stellvertreter? Malicious? Perilous?!“
Katsuos Lächeln verschwand.
„Mach darüber keine Witze. Kein Wort, wenn Vicious das hört. Echt jetz’!“
Rock hätte gern einen Spruch abgelassen, aber Katsuos Miene machte klar, daß sein Rat ebenso gut wie ernst gemeint war.
„Und übrigens heißt der Stellvertreter Vincent“, mischte eine frostige Stimme sich ein. „Vincent-sensei ist der erste Offizier. Untersteht niemandem außer Vicious.“
„Vincent-sensei?!“
Der Devil blickte Rock so kalt an, daß es den schauderte.
„Unsere Hierarchie hat vier Ebenen: das Fußvolk, die Kōhais. Als solcher fängst du hier an. Katsuo und ich sind eure Senpais. Gibt noch weitere. Und wir haben drei Offiziere, die werden mit Sensei angeredet. Vincent-sensei ist der ranghöchste, er macht Verwaltung und Buchhaltung. Zagi-sensei“, der Name wurde ausgesprochen wie ein abscheuliches Verbrechen, „ist für die Informationsbeschaffung zuständig und Takuto-sensei für alles Elektronische.“
„Langsam, langsam“, keuchte Rock, „das kann ich mir doch unmöglich alles –“
„Wie lange willst du dir dafür Zeit lassen, Frischling?“
„Hoi, Masao“, ließ Katsuo sich endlich wieder vernehmen. „Bisher is’ er noch nicht mal ’n Devil. Scheiß ihn doch nicht gleich mit allen Details zu!“
Masao gönnte ihm einen kühlen Blick.
„Damit er so nachlässig wird wie gewisse andere Devils?“ Doch damit ließ Katsuo sich nicht aus der Reserve locken. Breit grinsend parierte er:
„Was willste denn? Gab halt nich’ genügend Stöcke, damit jeder ein’n im Kreuz haben kann!“
Fasziniert verfolgte Rock, wie die Funken zwischen den beiden Senpais flogen. Er konnte nicht wissen, daß Masao durch längere Bandenzugehörigkeit der Ranghöhere war, aber gegen Katsuos freche Schnauze nicht ankam; doch er hatte das Bedürfnis, die beiden zu besänftigen.
„Das sind aber nur drei Ebenen?!“ warf er ein.
„Kōhais, Senpais, Offiziere und der Boß natürlich“, antwortete Katsuo. „Auch wenn du mit dem nich’ groß zu tun haben wirst. Vicious zeigt sich selten.“
„Bei der Musterung schon“, bemerkte Masao emotionslos. „Neue Mitglieder kann nur er zulassen.“ Der Satz ließ Rock mit einem unangenehmen Gefühl zurück.
„Stimmt“, grübelte Katsuo und wandte sich dann Rock zu:
„Warst du schon mal schwanger?“
Jetzt erreichten Rocks Augen die Größe von Untertassen, egal ob fliegend oder nicht.
„… schwanger?!?“
„Katsuo. Wie wär’s mal mit Fresse halten?“
„Was deeenn?! Ich mein’ doch bloß!“
„Mach, was du willst“, seufzte Masao und erhob sich, um die Stadtfestung, das Bandenquartier der Devils, zu verlassen.
„Deswegen mußt du doch nicht –“
„Ich übernehme heute das Catering. Ja na.“ Schon waren Katsuo und Rock allein.
„Ah, so … Und fort zog der Eisprinz, und ward nimmermehr gesehen …“
„Eisprinz?! Das paßt ja!“
„Ne?! Aber mal ehrlich, Masao is’ voll korrekt. Allerdings auch in jeder Hinsicht. Also, wenn du zum Beispiel mal vergißt, mich mit -senpai anzureden, is’ das nich’ so schlimm. Ich hau’ dir eine rein, und dann sind wir wieder Freunde.“ Rock machte erneut große Augen. „Aber bei Masao sollte dir das nich’ passier’n. Dafür hasde von dem nichts zu befürchten, wenn du dich korrekt benimmst. Eher friert die Wüste zu, als daß Masao wen in die Pfanne haut.“
„Aber der is’ doch ’ne Spaßbremse, oder?“ Rock lehnte sich weit aus dem Fenster, aber Katsuo griente schon wieder.
„Zwing mich bloß nich’, darauf zu antworten!“
Rock fühlte sich wohl. Als Ausländer in Japan hat man es nun mal schwer, Anschluß zu finden. Das fängt schon bei der Sprachbarriere an, denn nur wenige Japaner trauen sich zu, sich in einer anderen Sprache als Japanisch zu verständigen; und im Gegenzug sind sie noch immer der Meinung, Japanisch sei für Ausländer so gut wie unerlernbar. Diese Einschätzung entbehrt nicht der Grundlage, aber in summa führt das zu Berührungsängsten. Rock sprach sehr gut Japanisch, aber er war nun mal kein Einheimischer, sondern eine gelbhaarige Langnase.
Das war der Grund für seine Bewerbung in einer Jugendbande. Keine Auftragskiller oder Rüstungsexporteure, nur Kleinkriminelle. Das Auffangbecken für Individuen, die außerhalb der Gesellschaft stehen. Vielleicht Rocks neue Freunde.
„Na ja“, lenkte er ein, „aber is’ mir eigentlich lieber als einer, der bloß so tut, als wenn er mein bester Freund is’. Eisprinz …“
„Laß ihn das bloß nich’ hör’n. Ich hab’ das auch nie gesagt!“
„Ryōkai!“ bestätigte Rock. „Aber sag mal … was meinte er mit Catering?!“
„Wir versorgen Schulen“, antwortete Katsuo sachlich. Über Rocks blonder Matte schwirrten die Fragezeichen.
„Schulessen? Äh … ich dachte …“
„Also von Essen hab’ ich nichts gesagt.“
„Aber Catering ist doch –“
„Weißt du, Rock, die Schule in Japan ist nich’ einfach. Ganz und gar nich’. Viele Schüler brauchen deswegen … na ja, manche mögen was Entspannendes, manche wollen Energie nachfüllen … Und im Konbini kriegt man doch bloß Beruhigungstee und Energydrinks. Was, wenn das nich’ reicht? Da kommen wir ins Spiel, weißde?“
„Also Drogenhandel?!“
„Ach, Rokki-chan“, machte Katsuo altväterlich, „so, wie du das sagst, hört sich das ja richtig kriminell an …“
„Isses das denn nich’?!“ Rock klang nicht gerade vorwurfsvoll.
„Ach was. Angebot und Nachfrage. Wir könn’n doch nur verkaufen, was die Leute haben wollen!“
„Und der Eisprinz ist gut dafür?“
Katsuos Miene wechselte.
„Aber ja! Der verkauft mehr als ich! Und ich hab’ keine Ahnung, wie der das macht.“
„Wen lern’ ich denn als nächstes kennen?“
„Die linke und die rechte Hand des Teufels“, antwortete eine ätzende Stimme.
 
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