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20 Jahre - Du, ich und ihr letzter Wille

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
01.01.2021
08.04.2021
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64.321
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01.01.2021 1.074
 
Es ist so weit. Meine erste, zu 100%, von mir ausgedachte Geschichte. Pünktlich zum neuen Jahr. Einer meiner Neujahrsvorsätze ist es nämlich, das diese Geschichte irgendwann ein richtiges Buch wird.
Ich freue mich schon aufs schreiben und erwarte eure Rückmeldungen.
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Ein Morgen wie jeder andere...

Sie versuchte nicht die Augen zu verdrehen, als im Radio erneut dieses superpopuläre Lied von Nelly Furtado lief. "I'm like a Bird.", sang ihre Mutter, während sie das Frühstücksgeschirr abwusch. Zugegeben, sie wollte nicht sagen, dass sie das Lied nicht mochte. Aber die Tatsache dass ihre Mutter es auch mochte, machte die Sache etwas unangehnehm, wenn sogar ziemlich peinlich. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie ihre Mutter, während sie selbst am Küchentisch saß und nochmal die wichtigsten Notizen für ihren Vortag heute durchging.

"So. Ich bin so weit und gehe dann mal.", hörte sie ihren Vater und schon kam er, mit seiner Umhängetasche über der Schulter aus dem Schlafzimmer. Hastig drehte ihre Mutter die Lautstärke des Radios etwas runter, gab ihrem Vater eine braune Papiertüte, mit seinem Mittagessen und gab ihn einen Kuss: "Sei vorsichtig." "Bin ich doch immer.", antwortete er, als er sie anlächelte. Ihr Vater war ein großer und kräftiger Mann, neben ihm wirkte ihre Mutter immer so zierlich. Und das, obwohl man sie jetzt auch nicht gerade als Winzling bezeichnen würde. Als er sein Lunch in seiner Tasche verstaut hatte, wandte er sich in ihre Richtung, hielt jedoch inne und musterte sie von oben bis unten: "Einen Moment mal. Du willst doch hoffentlich nicht so raus gehen, oder?" Er wies damit auf ihre weiße Jeans und das dunkelgrüne Top mit den Spaghettiträgern hin. Doch statt eine Antwort zu erhalten, wurde er nur weiter angeschwiegen. Ihr Vater wandte sich an seine Frau: "Offensichtlich ist da noch Jemand wütend, dass ich ihr Basketball-Turnier letzte Woche verpasst habe, Alice." Alice konnte darauf nur mit den Schultern zucken. "Du warst am Samstag nicht da? Ist mir gar nicht aufgefallen.", war da die sarkastische Antwort seiner Tochter. "Juliette! Nicht in diesem Tonfall.", mahnte Alice ihre Tochter.

Juliette sah seufzend von ihren Notizen, zu ihrem Vater auf: "Das war nicht irgendein Turnier, Dad. Das war unser Qualifikationsspiel für die Winter-Stadtmeisterschaften im Januar. Wir haben bereits mit dem Training dafür angefangen. Und du hast versprochen, dass du diesmal da sein würdest." "Ja. Und es tut mir auch leid, dass ich wieder nicht da sein konnte. Aber Herry war zur Silberhochzeit seiner Eltern verreist, Emma ist noch im Mutterschaftsurlaub und Luke hat sich ja letztens den Knöchel verstaucht, weshalb ich ja schlussendlich für ihn einspringen musste." Juliette sah ihren Vater schweigend an, ehe sie ihren Blick wieder abwandte. Sie wusste ja dass er nichts dafür konnte. In seinem Job lief es nicht immer nach Plan. Und dennoch...

Ihr Vater, Jim, hatte sich hinter ihren Stuhl gestellt und beide Hände auf ihre Schultern gelegt: "Ich habe eine Idee: Die Woche muss ich vielleicht sehr viel arbeiten, aber dafür habe ich dann das gesamte Wochenende über frei. Wie wäre es wenn wir kommenden Samstag alle zusammen zum Italiener essen gehen, um den Sieg deines Teams nachzufeiern? Das passt doch auch perfekt zu deinem Rom-Vortrag. Oder nicht?" Juliette legte den Kopf in den Nacken, um ihren Vater anzusehen: "Also erst einmal halte ich keinen Vortrag über Rom, sondern über Julius Cesar." "Dass wusste ich.", sagte er schnell. "Aber ich muss leider zugeben, ein Abend beim Italiener klingt durchaus nett.", fügte sie hinzu. Er lächelte sie an: "Heißt das, du verzeihst mir?" "Das überlege ich mir noch.", erwiderte sie und wandte, gespielt trotzig, wieder ihren Blick von ihm ab. Er lachte und beugte sich zu ihr runter: "Reicht es zumindest für einen kleinen Abschiedskuss?" Juliette tat so, als müsste sie für einen Moment noch überlegen. Doch reckte sie schließlich ihren Kopf und gab ihren Vater einen Kuss auf die Wange.

Vater und Tochter sahen einander noch kurz an, ehe Jim sich aufrichtete und Richtung Wohnungstür ging. Er wandte sich an seine Frau, welche die Szene von der Küchentheke aus beobachtet hatte: "Ich komme heute wohl erst sehr spät nach Hause, also warte nicht auf mich." "Ist gut. Und du, treib nicht wieder die anderen auf der Wache in den Wahnsinn.", witzelte sie herum. Als er bei der Tür stand, drehte er sich um und zuckte grinsend mit den Achseln: "Da kann ich nichts versprechen, Baby." "Los! Mach, dass du hier raus kommst!", lachte Alice, als sie aus Spaß einen der Topflappen nach ihm warf. "Siehst du? Siehst du mit was ich jeden Tag hier zu kämpfen habe?", fragte Jim seine Tochter, welche ihre Eltern mit einem Lächeln beobachtete. Jim machte die Tür auf und winkte seiner Frau und Tochter noch einmal zum Abschied zu: "Also. Bis heute Abend." "Bis dann, Schatz.", sagte Alice, bevor Jim die Wohnungstür hinter sich zu zog. Juliette schüttelte ihren Kopf: "Der hat auch einen Vogel." Alice ging zur Tür und hob den Topflappen auf, bevor sie wieder zur Küchentheke ging: "Aber nichts destotrotz lieben wir ihn. Und er hat eindeutig recht: Du bist viel zu dünn angezogen. Nur weil die Sonne scheint, heißt das nicht dass es draußen auch sommerlich warm ist." "Komm schon, Mom. Das ist mein Glücks-Top. Ich brauche das.", stöhnte Juliette. "Wenn du das Top unbedingt tragen willst, dann zieh dir wenigstens eine Strickjacke über.", erwiderte Alice unbeeindruckt.

Juliette stöhnte erneut, kam der Bedingung ihrer Mutter jedoch nach, stand auf und verschwand in ihrem Schlafzimmer. "Und pack danach langsam deine Sachen zusammen. Wir müssen dann auch nämlich los.", rief Alice ihr noch hinterher, bevor sie sich umdrehte und das Radio lauter drehte, da sie wie jeden Morgen noch die jüngsten Nachrichten anhören wollte. Laut und deutlich war die fröhliche Stimme des Moderators zu hören: "Guten Morgen, Ladies und Gentlemen. Es ist ein herrlicher Dienstagmorgen. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Luft klar. Also geht raus und genießt die letzten warmen Tage, bevor uns das erste Herbsttief aus dem Norden trifft. Hier spricht eurer Lieblings-DJ Jay Deen, heute ist der 11. September und ich sage: Guten Morgen, New York City!"

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