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Block King Kong

von Jadina
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Het
Chiyo Shuzenji / Recovery Girl Chizome Akaguro / Stain OC (Own Charakter) Tensei Iida / Ingenium Tenya Iida
01.01.2021
19.06.2022
29
102.620
9
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27.02.2022 3.374
 
~~ Kapitel 21: Die Schurkenliga ~~



Der Himmel war wolkenverhangen. Es machte den Anschein, als würde es jeden Moment zu regnen beginnen. Nein, nicht nur bloß zu regnen. Bei diesem Anblick musste man regelrecht eine Flutkatastrophe fürchten.

Die ersten Tropfen blieben auf den Autoscheiben hängen, als ich mich auf den Weg machte, um Tanaka abzuholen. Vor ein paar Tagen war ein weiterer Brief von Twice in meinem Postfach an der Tōdai gelandet. Der Termin zum Kennenlernen seines Bosses stand. Lange hatte ich darüber nachgedacht, alleine zu dem Treffen mit der Schurkenliga zu gehen, aber schlussendlich hatte ich mich doch dagegen entschieden.

Weil es inzwischen halbwegs so schien, als wäre Tanaka über ihr Missgeschick vom letzten Mal hinweggekommen, hatte ich mich dafür entschieden, sie auch dieses Mal mitzunehmen. Einerseits würde es einen komischen Eindruck auf Twice machen, wenn ich bei diesem zweiten Treffen allein erschien. Andererseits wollte ich Tanaka die Chance geben, ihren Patzer vom letzten Mal wiedergutzumachen. Gefährlich war es nach wie vor, deshalb hatte ich ihr das ehrenvolle Versprechen abgenommen, im Notfall zu fliehen und mich zurückzulassen.

Tanaka war überpünktlich und stand schon an unserem vereinbarten Treffpunkt, als ich dort fortfuhr. Ausnahmsweise war sie schwarz gekleidet. Ob das ein Zufall war oder nicht, erschloss sich mir nicht. Eigentlich war sie nie einfarbig gekleidet und schon gar nicht in Schwarz. Das war mehr meine Farbe.

„Hallo Mika“, begrüßte sie mich ohne den typischen Optimismus, der sie auszeichnete.

„Hey.“ Ich wartete, bis sie sich angeschnallt hatte, bevor ich losfuhr. „Alles in Ordnung?“

„Ja“, sagte sie, wobei sie zugleich den Kopf schüttelte. Das fiel ihr auf, weshalb sie sich schnell korrigierte: „Also nein, eigentlich nicht, aber das hat nichts mit unserer Mission heute Abend zu tun. Ich hatte Streit mit meiner Zimmernachbarin.“

Vorsichtig taxierte ich sie von der Seite. „Möchtest du darüber reden?“

Tanaka lachte knapp auf. „Ach, es ist nur so, dass in letzter Zeit tagelang ihr Freund anwesend ist und die beiden nichts Besseres zu tun haben, als ständig so laut zu vögeln, dass sie das ganze Wohnheim damit unterhalten. Außer mir traut sich halt nur keiner, ihr mal was dazu zu sagen.“

Diese Aussage erinnerte mich unangenehm an meine eigene Studienzeit. Ich hatte zwar nicht in einem Wohnheim auf dem Campus, sondern in einer Einzimmerwohnung gelebt, die mir von meinen Eltern finanziert worden war. Aber ein halbes Jahr lang hatte im Stockwerk über mir ein Kerl gewohnt, bei dem die Tussen ein und aus gegangen waren.

„Ich kann mir vorstellen, wie nervig das ist. Es gibt Dinge, die will man über andere Leute einfach nicht wissen und erst recht nicht hören“, meinte ich verständnisvoll.

„Es ist ja nicht mehr lange. Ich habe zwei Module vorgezogen, also werde ich auch früher fertig. Das Praktikum steht aber noch an“, erzählte sie mir. „Dann muss ich mich zwar bald um die Abschlussarbeit und meine Bewerbungen kümmern, aber das ist immer noch besser, als dort wohnen zu bleiben. Ich beneide euch alle so sehr, dass ihr euch eigene Wände leisten könnt.“

Weil ich ihre Situation verstehen konnte, verzichtete ich darauf, sie zu erinnern, dass Hidemi und Daisuke sich eine Wohnung teilten, damit Block King Kong ein Hauptquartier besaß.

Da der Großteil der Bevölkerung arbeiten musste und deshalb montags nicht ausging, kamen wir erstaunlich gut durch. Dieses Mal stellte ich das Auto in einem offiziellen Parkhaus ab. Normalerweise vermied ich das, wenn ich in einer Mission unterwegs war. Da wir es heute aber mit Schurken zu tun bekamen, die in einer weitaus höheren Liga spielten als wir, war es mir nur recht, wenn wir auf der Überwachungskamera festgehalten wurden. So konnte man wenigstens herausfinden, wo wir zuletzt gewesen waren, sollten wir nach diesem Abend spurlos verschwunden bleiben.

Das hoffte ich natürlich nicht. Wie beim letzten Mal trug ich meine Pistole, Gift und das Klappmesser bei mir. Ich ging davon aus, dass sich in der Hinsicht bei Tanaka auch nichts verändert hatte. Missgeschick hin oder her, sie war nicht unzuverlässig und wusste um den Ernst der Lage.

Mit einem Regenschirm bewaffnet, kämpften wir uns nach Shibuya durch. Das Reklameschild über dem Eingang zur Bar leuchtete heute nicht, als wir ankamen. Die Tür war ebenfalls verschlossen. Nachdem wir jedoch mit der Faust geklopft hatten, öffnete sich ein verborgener Sehschlitz und ein strahlend gelbes Augenpaar starrte uns entgegen.

„Oh, unsere Gäste sind da“, ertönte eine weibliche Stimme. „Das wird spaßig! Oder, Twice? Das wird so spaßig!“

Bevor wir uns versahen, wurde die Tür aufgerissen und ein junges Mädchen begrüßte uns im Türrahmen. Jung, das meinte ich auch so. Ich schätzte sie deutlich jünger als Tanaka, wenn sie überhaupt schon volljährig war. Was tat das Mädchen hier? Ihr standen doch noch alle Türen im Leben offen.

Begeistert stürzte sie sich auf Tanaka. „Ich bin Himiko. Toga Himiko! Ich hoffe, wir werden beste Freundinnen.“

Tanakas Augen weiteten sich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie sich irgendwie ein Lächeln abrang und entgegnete: „Ich freue mich, dich kennenzulernen, Toga-san.“

„Oh, wir werden ganz sicher gute Freundinnen.“ Bevor ich mich versah, hing sie an mir dran. Ihr breites Grinsen entblößte unnatürlich spitze Eckzähne. „Magst du auch den Geruch von Blut?“

Okay, ich nehm's zurück! Die gehört hierher!, dachte ich und antwortete trocken: „Ich bevorzuge Desinfektionsmittel und Laborgerüche.“

Niemals hätte ich gedacht, dass ich froh darüber war, Twice zu sehen. Als er bei uns auftauchte, ließ das Mädchen jedenfalls von uns ab und spazierte in einem seltsam Hopsen in den Schankraum der Bar.

„Sorry“, meinte er schlicht, bevor wir eintraten und er hinter uns die Tür verriegelte.

Es war dunkel in der Bar, nur die schwache Lampe in der Mitte der Decke war angeschaltet. Normales Publikum war heute nicht anzutreffen. Nebst Toga Himiko konnte ich nur vier weitere Personen im Raum ausmachen.

Hinter der Theke stand ein sehr großer Mann, dessen Kopf und Gliedmaßen aus einer lilaschwarzen Schattenmasse zu bestehen schienen. Er war sehr formell gekleidet und sah aus, als wäre er eigentlich Banker und gerade aus dem Büro gekommen. Er putzte Gläser.

Auf einem Barhocker direkt vor der Theke saß ein Mann mit hellblauen Haaren und einem ungesund wirkenden, gräulichen Teint. Er trug eine große Hand mitten im Gesicht, was wirklich ein ungewohnt gruseliger Anblick war. Zwischen den Fingern dieser Hand starrte er uns aus dämonisch roten Augen an, sagte aber nichts.

Ein gutes Stück rechts von der Theke lehnte jemand mit dem Rücken an der Wand, dessen Geschlecht ich nicht sofort zuordnen konnte. Die Person schien über eine Tierspezialität zu verfügen, da sie wie ein Reptil aussah. Was dazu nicht passte, waren die lilafarbenen Haare.

Links von der Theke und belagert von Toga, die ungeduldig an seinem Ärmel zupfte, lungerte ein weiterer Mann auf einem Tisch sitzend herum. Diese Person sah aus, als müsste sie ganz dringend einen Arzt sehen. Unzählige, schlecht verheilte Brandwunden zierten ihr Gesicht und die Arme. Türkisfarbene Augen starrten uns mindestens genauso misstrauisch an wie die des Mannes mit den hellblauen Haaren.

Fast wäre ich gestolpert, als Tanaka plötzlich ungläubig herausplatzte: „Natsuo? Bist du das?“

Bevor der Angesprochene selbst reagieren konnte, mischte Toga sich ein. Fragend sah sie zu ihm auf: „Meint sie dich, Dabi? Natsuo? Ist das dein richtiger Name? Seid ihr Freunde?“

„Das ist nicht mein Name!“, fauchte Dabi und entriss Toga den Arm. „Und nein, wir sind ganz sicher keine Freunde!“

Ich sah Tanakas Gesicht aufgrund der Maske nur halb, aber wusste sofort, dass ihre Version der Geschichte stimmte. Der Schurke, den die anderen Mitglieder der Liga unter dem Pseudonym Dabi kannten, war der mysteriöse Natsuo, den sie auf dem Campus der Tōdai kennengelernt hatte.

Langsam passte alles zusammen. Wenn die Liga wusste, wer ich war, weil Twice mich im Internet gefunden hatte, war es auch für Dabi kein Problem, mein Büro in der Universität zu orten. Das war also der Kerl, der in mein Büro eingebrochen war, um sich die Stain-Mappe zurückzuholen.

Wir hatten es schon mal mit jemandem zu tun, der eine Feuerspezialität besaß. Na großartig! So, wie es um seine körperliche Verfassung stand, schien er nicht gerade zimperlich mit seiner übernatürlichen Fähigkeit umzugehen. Außerdem war er auf uns wegen der Mappe eh schon nicht gut zu sprechen. Das waren ja beste Startbedingungen.

„Wie auch immer. Es sind heute zwar nicht alle Mitglieder anwesend – Idioten! –, aber darf ich euch trotzdem miteinander bekannt machen?“ Twice trat von hinten an uns heran und deutete in die Runde. „Toga hat sich ja bereits vorgestellt. Das neben ihr ist Dabi.“

Dabi schenkte erst ihm und anschließend uns einen Blick, der deutlich besagte, dass er uns am liebsten alle in ein Häufchen Asche verwandelt hätte.

„Die gute Seele hinter der Theke heißt Kurogiri.“ Twice ließ sich von Dabis Blick nicht beirren. „Rechts von ihm steht Spinner. Und der Herr direkt vor euch ist Shigaraki Tomura, unser Boss.“

Ich hatte noch nie von diesem Namen gehört, aber das musste nichts bedeuten. Auch überraschte es mich. Eigentlich hatte ich erwartet, Kurogiri wäre der Boss, da er irgendwie am vernünftigsten wirkte.

„Das hier sind Jelly und White.“ Twice bedeutete uns, dass wir uns setzen sollten. „Wir haben die beiden letzten Freitag hier getroffen, weil sie kürzlich einen Mordanschlag auf den Turbo Hero Ingenium begangen hatten. Wir dachten, sie könnten zu uns passen.“

Tanaka kam der Aufforderung nach und setzte sich. Ich hingegen blieb stehen. Diese Runde behagte mir nicht. Vor allem störte mich, dass ich wirklich niemanden hier kannte. Ich war nicht auf ihre Spezialitäten vorbereitet. Zudem kam, dass sie eigentlich alle wissen müssten, wer ich war. Meinen Decknamen zu verwenden war unnötig. Ich hoffte sehr, dass Tanaka sich Natsuo nicht zu sehr anvertraut hatte, sonst war auch ihr echter Name kein Geheimnis mehr.

Das wurde immer beschissener!

„Wie lange seid ihr schon in der Szene aktiv?“, fragte Spinner, die Arme vor der Brust verschränkt.

Tanaka sah zu mir. Die Antwort auf diese Frage fiel unterschiedlich aus. Nur mussten wir ja theoretisch nicht beide antworten. Deshalb entschied ich mich, nur etwas über mich preiszugeben. „Seit zehn Jahren.“

„Das ist eine lange Zeit.“ Kurogiri schenkte Cola in zwei Gläser ein und schob sie über die Theke. Twice nahm sie entgegen und brachte sie uns.

„Habt ihr es schon mal geschafft, Helden umzubringen?“, knurrte Dabi. „Ihr seht aus wie kleine Schlampen, nicht wie Kämpfer.“

Falls diese Worte Tanaka schmerzten, so ließ sie sich nichts anmerken. Da sie sich mit der Geschichte von Block King Kong auskannte, war sie es, die dieses Mal antwortete: „Dreimal, wobei es vier Opfer gab: Soaker, Demantoid und das Heldenduo Stardust.“

Die Aufzählung war korrekt, wenn auch nicht zeitlich in der richtigen Reihenfolge. Demantoid war unser letztes Opfer gewesen, davor hatten wir Stardust erwischt. Jedes Mal, wenn ich Soakers Namen hörte, zog sich mein Magen unschön zusammen. Er war der Held, dem ich den Tod meines Bruders verdankte.

Zum ersten Mal schaltete sich Shigaraki ein: „Wie viele seid ihr in eurer Gruppe?“

Kaum merklich zuckte Tanaka zusammen. Twice hatte seinem Boss also alles erzählt.

„Das geht niemanden etwas an“, wies ich die Frage ab. Wir beide steckten schon so tief im Schlamassel drin, da musste ich nicht auch noch Naeko, Hidemi und Daisuke mit hineinziehen.

Diese Antwort schien ihm gar nicht zu gefallen. Er fing an, sich am Hals zu kratzen, während er hastig äußerte: „Ihr seid Anhänger von Stain. Jelly, du bist seine Ex, stimmt's?“

„Du warst mal mit Mister Stainy zusammen?“, quietschte Toga ganz verzückte und tänzelte im Kreis herum. „Oh, ich bin ja so neidisch auf dich! Mister Stainy ist so toll!“

Mister Stainy fände sicher weder sie noch diesen Spitznamen toll, aber glücklicherweise war ich klug genug, das nicht laut zu sagen. Langsam bekam ich richtigen Hass auf diese Altlast. Wieso wurde ich immer noch mit ihm in Verbindung gebracht? Unsere Trennung war sechs Jahre her. Sechs!

„Das tut hier nichts zur Sache“, sagte ich und steckte die Hände in die Hosentaschen, damit niemand sah, wie ich sie für einen Augenblick zu Fäusten ballte. Selbst wenn er noch auf freiem Fuß wäre, hätte Stain sich niemals dieser Gruppe angeschlossen. Für diese Erkenntnis reichte mir meine erste Beurteilung.

Shigaraki kratzte sich noch heftiger und grummelte irgendetwas in sich hinein, das ich nicht genau verstehen konnte. Die Hand in seinem Gesicht wippte auf und ab. Ich wartete eigentlich nur auf den Moment, in dem sie herunterfallen würde.

Unwillkürlich hielt ich an den Atem an, als Dabi aufstand und wie ein Raubtier um uns herumschlich. Bedächtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Es fehlte nur noch, dass er sich vorfreudig auf ein Festmahl über die Lippen leckte.

„Es wird Zeit, das korrupte Heldensystem zu stürzen. Seht ihr das auch so?“ Er blieb direkt hinter mir stehen. Beinahe konnte ich seinen Atem in meinem Nacken spüren.

„Sonst würden wir sie ja nicht jagen“, antwortete ich und hoffe, meine Stimme unter Kontrolle gehalten zu haben. Ich durfte mir nicht anmerken lassen, wie unangenehm diese Situation war. Wenn sie Lunte witterten, waren Tanaka und ich geliefert.

Shigaraki brummte immer noch unverständliches Zeug vor sich hin. Kurogiri schien sich Mühe zu geben, das wenig Sinnvolle aus den Wortfetzen herauszusammeln. Irgendwann übersetzte er: „Wir sind in der Planung eines weiteren Angriffs auf die Yūei-Oberschule in Musutafu. Können wir diesbezüglich mit eurer Unterstützung rechnen?“

Sind die dumm?, war mein erster Gedanke. Die schaffen es doch niemals ein zweites Mal durch die Barriere. Seit dem Anschlag auf das U.S.J. wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch erhöht.

Erst, als ich meinen zweiten Gedanken – Inwiefern ist Shigarakis Einschätzung zu vertrauen? – weiter verfolgte, kam ich zu dem Schluss, dass ich mich weniger an der Planung, als eher an den Personen störte.

Shigaraki wirkte auf mich nicht wie jemand, der eine Untergrundorganisation zu leiten wusste, auch wenn er mit seiner Hand im Gesicht definitiv gruselig genau dafür aussah. Vielmehr vermutete ich diesen Kurogiri als die graue Eminenz dahinter. Wieso brauchten sie diese Witzfigur dann als Boss? Hier war doch irgendetwas faul!

Meine Antwort war definitiv ein Nein. Stain hatte recht behalten. Die Schurkenliga wollte nicht die Welt verändern. Das waren Idioten, denen der Sinn nach Ärger stand. Block King Kong tat gut daran, den Kontakt mit ihnen so schnell abzubrechen, wie es nur irgendwie möglich war.

Niemals hätte ich erwartet, dass es mir nun zugute kommen würde, zumindest bei Twice mit meinem vollen Namen bekannt zu sein. Ich sagte ab: „Das geht leider nicht.“

Nun kratzte Shigaraki so heftig, dass seine Haut schon ganz gerötet war und er sicher bald zu bluten anfangen würde. Harsch herrschte er uns an: „Warum nicht?“

Ich sah ganz bewusst Twice an und nicht ihn. „Twice weiß genau, dass ich Verwandtschaft in der Yūei habe. Das Risiko, dadurch vorzeitig aufzufliegen, ist drastisch erhöht. Ob wir wollen oder nicht, steht nicht zur Debatte. Wir werden euch bei diesem Vorhaben nicht unterstützen können.“

Bevor ich mich versah, roch es in meinem Rücken nach Feuer. Blaue Flammen erhellten den Schankraum und warfen tänzelnde Schatten an die Wand. Tanaka fuhr so abrupt von ihrem Stuhl hoch, dass dieser mit einem lauten Poltern auf dem Boden landete. Doch ich reagierte noch schneller.

Dabi war beinahe zwei Köpfe größer als ich und ziemlich furchteinflößend mit seinem psychomäßigen Grinsen im Gesicht. Dieses wurde im Sekundenbruchteil weggefegt, als sich meine Finger um sein Handgelenk krallten und sein Feuer erlosch.

Spezialitäten, mit denen ich direkt angegriffen wurde, wirkten auf mich nun mal nicht.

Mit dem nächsten Wimpernschlag hatte ich die Pistole unter meiner Jacke hervorgezogen und an seine Brust gesetzt. Der Abzug klickte und ich sagte betont laut: „Kein Grund, um gleich auszurasten.“

„Lass das, Dabi!“, bellte Shigaraki durch den Raum. Daraufhin entriss der Schwarzhaarige mir seine Hand und trat ein paar Schritte rückwärts von mir weg. Sein Gesicht verriet ganz deutlich, dass er am liebsten Asche aus uns gemacht hätte.

In meinen Ohren rauschte es, während ich langsam die Pistole sinken ließ. Ich hatte schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf jemanden geschossen. Vielleicht konnte ich das gar nicht mehr.

Als ich mich wieder zu Shigaraki umdrehte, stellte ich fest, dass auch Tanaka ihre Waffe gezogen hatte. Toga und Spinner standen ebenfalls bewaffnet da, während Kurogiri weiterhin Gläser putzte, als wäre nichts geschehen. Twice blickte ungläubig zwischen uns Anwesenden umher, als könnte er nicht glauben, was gerade geschehen war.

„Ihr seid also nicht dabei“, knurrte Shigaraki. Seine Augen verengten sich. „Ich akzeptiere das. Wir können problemlos nebeneinander her leben. Aber lass mich dir eines sagen, Jelly: Solltest du mir in die Quere kommen, werde ich dich umlegen. Kapiert?“

Es kam nicht allzu häufig vor, dass ich in so kurzer Zeit eine dermaßene Abneigung gegenüber jemandem entwickelte. Von mir selbst überrascht, entgegnete ich selten kalt: „Gleichfalls!“

Tanaka neben mir zitterte so offensichtlich, dass sie kaum mehr die Pistole gerade halten konnte. Es kam der Erlösung gleich, als Shigaraki seine Leute schließlich anwies: „Lasst sie gehen!“

Darum musste er nicht bitten. Es kostete mich viel Selbstbeherrschung, nicht Hals über Kopf aus der Bar zu fliehen. Die Pistole steckte ich erst an der Türschwelle weg. Twice war uns gefolgt. Seine zusammengesunkene Körperhaltung wirkte, als wäre er enttäuscht über den Ausgang dieses Treffens.

„Das ist übrigens nicht unser Hauptquartier, nur, damit ihr es wisst“, meinte er zur Verabschiedung.

Während Tanaka schon nach draußen getreten war und gar nicht mehr reagierte, wandte ich mich ihm ein letztes Mal zu. Ich genoss es regelrecht, heute Abend wenigstens einmal die Oberhand zu haben, und entgegnete hochnäsig: „Danke, aber ich weiß, dass diese Bar Giran gehört.“

Twice klappte die Kinnlade nach unten und ich zog vondannen. Schweigend traten Tanaka und ich den Rückzug zum Parkhaus an. Indessen grübelte ich darüber nach, ob die gesonderte Öffnung der Bar für das Treffen heute bedeutete, dass Giran sich der Liga angeschlossen hatte. Falls ja, würde ich mit ihm künftig keine Geschäfte mehr machen. Er war ein verschlagener Fuchs, der Kontakt mit ihm nicht ungefährlich. Das bedeutete eine nützliche Person für Block King Kong weniger.

Als wir im Auto saßen, fragte Tanaka plötzlich: „Hattest du denn gar keine Angst, Mika?“

Ich ließ das Geschehen Revue passieren. Shigarakis Kratzanfall, die merkwürdige Toga, Dabis dämonische Aura und sein rücklings erfolgter Angriffsversuch sprachen für sich. „Doch. Ich hatte Angst, sogar sehr.“

„Hat man dir gar nicht angemerkt.“ Sie verzog das Gesicht. „Ich habe mir fast in die Hosen gemacht, dabei wusste ich ja schon, wie Natsuo drauf sein kann. Aber ich hatte nicht erwartet, dass er zur Liga gehört.“

„Ich denke nicht, dass er Natsuo heißt. Nennen wir ihn lieber Dabi, das ist sicherer“, entgegnete ich. „Wir können wirklich von Glück reden, dass wir heute Abend heil aus der Sache rausgekommen sind. Das hätte auch ganz anders laufen können.“

„Für einen Moment dachte ich, dass wir vielleicht sogar Partner werden könnten“, gestand Tanaka mir wehmütig. „Von seiner seltsamen Art zu reden abgesehen, war Twice eigentlich in Ordnung, und dieser Kurogiri wirkte auch recht vernünftig. Toga hat einen Sprung in der Schüssel, aber ich denke, mit ihr würde es sich aushalten lassen. Aber dieser Shigaraki-Typ ist seltsam. Auf den ersten Blick würde ich sagen, dass er durch irgendetwas traumatisiert ist. Diese Kratzanfälle, wann immer ihn die Situation emotional überfordert hat ...“

Sie blubberte noch irgendetwas in ihren nicht vorhandenen Bart hinein, das ich nicht genau verstand. Das war die angehende Psychologin Tanaka, die ich kannte. Ich wusste schon, warum sie das Fach gewechselt hatte. Sie war total in ihrem Element.

Aller Widrigkeiten des Abends zum Trotz, brachte mich das zum Lächeln. Ja, wir waren ganz knapp und mit versengten Haaren davongekommen. In Zukunft würde ich alles Mögliche dafür tun, dass Block King Kong niemals wieder mit der Schurkenliga in Kontakt geriet.

Auf einmal lenkte ein lautes Knurren meine Aufmerksamkeit von der Straße ab. War das mein Magen gewesen?

„Oh oh! Da ist aber ein kleiner Magen ganz unzufrieden!“ Tanaka grinste mich an.

Bei ihrem Tonfall musste ich auflachen. Es stimmte, zum Abendessen hatte ich fast nichts runterbekommen. Es war mir gerade einmal gelungen, ein paar frittierte Tofutaschen herunterzuwürgen.

„Weißt du was? Das war anstrengend. Lass uns was essen gehen! Ich zahle.“


~~*~~*~~


Preview: Ein großer Knall erwartet Mika. Auf dem Friedhof in Musutafu erhält sie Antworten. Allerdings macht sie dort auch eine gefährliche Entdeckung. Wen hat sie beobachtet? Damit aber nicht genug. Bei einem Ausflug gerät Block King Kong in einen Kampf. Werden sie ungeschoren davonkommen? Das alles erfahrt ihr in Kapitel 22: Blaue Flammen. Bis dahin – Plus Ultra! ;D
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