Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Leben oder so

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16 / Gen
31.12.2020
31.12.2020
1
1.240
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
31.12.2020 1.240
 
Hey ihr Lieben,
diese Arbeit ist anders als meine bisherigen. Ich werden einen kleinen Ausflug wagen. Einen Ausflug in die philosophische Gedankenwelt eines gebrochenen Teenagers.

TRIGERWARNUNG: Wenn du einen starken persönlichen und oder emotionalen Bezug zu Selbstmord, Selbstmordgedanken oder Handlungen, die einen in den Suizid treiben können (wie Mobbing und Selbstverletzendes Verhalten) hast ist dieser Text nichts für dich.

Solltest du dich oder einen Bekannten in meinen Ausführungen wiederfinden sind hier ein par mögliche Anlaufstellen für Hilfe und Beratung:

-  TelefonSeelsorge : 0800 1110111
- Informationen über Slebsthilfegruppen: NAKOS (Tel. 030 8914019)
- Beratungseinrichtung für Kinder und Jugendliche: 0800 1110333
- online-Beratung: http://www.das-beratungsnetz.de/
http://www.u25-deutschland.de/
http://www.youth-life-line.de/

Liebe Grüße,
Patsy

******************************************************
Leben oder so

"Kennst du diese schlauen Sprüche auf Instagram und Facebook? Diese Zitate von intelligenten Menschen, die dir sagen, dass alles einen Grund hat, die Sprüche die einem sagen, dass man niemals aufgeben sollte, weil am Ende immer alles gut würde? Nein? Sei froh drum!
Weißt du, ich hab versucht mir solche Sprüche zu Herzen zu nehmen. Vorallem die, die dir sagen was der Sinn des Lebens sein soll. Warum? Weil ich selbst keinen Sinn in meinem Leben mehr sehe.
Wie soll ich denn auch einen Sinn in der ganzen Scheiße hier sehen, wenn alles nur immer weiter bergab geht? Ich komme mir vor wie auf der Achterbahn. Aber nicht an der stelle wo man langsam nach oben fährt und die Aussicht genießt, sondern eher der Teil, bei dem alle anfangen zu kreischen, weil es in atemraubendem Tempo immer weiter bergab geht. Ich habe die letzten Monate, oder sind es schon Jahre, darauf gewartet, dass ich am Ende der Fahrt ankomme, dass die Achterbahn langsamer wird und ich aussteigen kann. Ich warte darauf, dass ich dann aussteige und lachend mit meinen Freunden mich darüber lustig mache, dass wir so laut wir konnten geschrien haben obwohl doch überhaupt nichts passieren hätte können.
Das Problem ist, dass diese dämliche Achterbahn nicht aufhört zu fahren.  Ach so, und das ich keine Freunde habe. Sprich, sollte ich doch jemals aussteigen können würde da keiner warten.
Also fassen wir zusammen: Mein Leben geht in einer Endlosspirale abwärts, ich habe keine Freunde die mir irgendwie beistehen würden und soll dann sowas schwachsinniges, wie einen Sinn in meiner erbärmlichen Existenz finden. Lachhaft, findest du nicht auch?  Aber ich hab dir ja noch gar nicht gesagt, warum meine Existenz so erbärmlich ist. Nun, das ist so:
Meine Eltern hassen mich. Naja, zumindest scheinen sie mich nicht wirklich leiden zu können. Egal was passiert, ich bin Schuld. Die Waschmaschine ist kaputt? Die hab sicher ich letztens falsch bedient und damit kaputt gemacht? Ich habe keine Eins in der Schulaufgabe? Natürlich nicht, ich bin ja auch ein faules Stück scheiße, dass nie etwas zu Ende bringt. Ich wette mit dir, wenn morgen die Welt untergeht bin ich Schuld. Vermutlich habe ich durch meine Faulheit die Chance verpasst einen Staat davon abzuhalten die Welt mit einer Atombombe in die Luft zu jagen. Du siehst, ich bin eine einzige Enttäuschung. Aber hey, in der Schule läuft es dafür doch wahrscheinlich so richtig gut, oder?
I wish, I wish. Es ist ja nicht so, dass ich jedermanns beste Freundin sein wollte. Es würde ja schon reichen, wenn sie mich einfach ignorieren würden, aber nicht einmal diesen Gefallen tun sie mir.
Heute wurde ich mit samt meiner Sachen die Treppe runter geschubst. Aber das ist ok. Wenigstens wurde ich nicht wieder gebissen. Ja gebissen. Man könnte doch meinen 10.Klässler hätten intelligentere Möglichkeiten ihre Meinung kund zu tun, als ein dreijähriger. Nun ich versichere dir, haben sie nicht. Mittlerweile bin ich ja der Meinung, dass ein Verweis gar nicht so schlimm ist. Deshalb renne ich jetzt immer weg wenn es mir zu viel wird. Früher bin ich an einen abgelegenen Ort in der Schule gerannt, aber dahin haben sie mir zu folgen begonnen. Wenn ich allerdings das Schulgelände verlasse, was unter Strafe verboten ist, dann hab ich meine Ruhe.
Also jetzt weißt du, wieso ich mein Leben hasse. Dann kannst du mir ja jetzt helfen einen Sinn in meinem Dasein zu finden.
Ich hab ja schon darüber nachgedacht, ob der Sinn nicht ist zu kämpfen. Aber wenn das stimmt, dann will ich nicht mehr. Weißt du, es gibt so viele Theorien über den Sinn des Lebens, aber keine scheint für mich zuzutreffen. Wenn der sinn des Lebens wirklich ist, dass man dem Leben selbst einen Sinn gibt, dann hab ich eh schon versagt, ich will nämlich gar nicht mehr Leben. Und wenn der Sinn ist die beste Version seiner selbst zu sein, dann habe ich auch versagt. Es sagt schließlich keiner, dass ich nicht versucht hätte mich den Wünschen der anderen anzupassen, aber es ist immer irgendwie falsch! Und sollte der Sinn sein, dass man immer man selbst ist, dann hab ich da erst recht keinen Bock drauf. Ich meine, ich bin ja ich selbst, und es bringt mir nur Probleme. Also was ist der Sinn? Ich denke nicht, dass ich da noch eine passende Antwort drauf finde.
Oh, guck mal da! Ich blute!. Na gut, dass tu ich öfters. Ich hab mich ja auch selbst mit dem Messer geschnitten, immer und immer wieder. Weißt du, zu sehen wie das Blut aus der Wunde austritt, den Schmerz zu spüren, es gibt mir das Gefühl zu Leben und ich habe die Chance, wenn auch nur für einen Augenblick, alle Probleme einfach zu vergessen. Der Schmerz lenkt ab, und wenn ich jetzt nur ein kleines bisschen tiefer schneiden würde, dann wäre endlich alles vorbei, da ist meine Pulsschlagader, oder wie die heißt, einfach ein bisschen stärker zudrücken als sonst und ich müsste mich nie wieder mit der ganzen Scheiße hier herumschlagen. Ich wäre frei."
Und so stand das Mädchen im Badezimmer, ein Messer in der Hand und drückte zu. Blut quoll aus ihrem Arm, mehr als je zuvor. Das Mädchen lächelte als das Blut begann auf den Boden zu tropfen und ihr schwindelig wurde. Diesmal würde keine Narbe bleiben. Es sollte der letzte Schnitt sein, den sie je setzte. Sie lächelte noch immer, als sie von einer wohltuenden Schwärze eingeholt wurde, aus er sie nie wieder erwachen sollte. Sie wusste nicht, was nach dem Tod passierte, aber sie war sich sicher, alles war besser als das was sie als Leben bezeichnete. Und so glitt ihr lebloser Körper zu Boden. Sie hatte ihren Frieden gefunden.
Es sollten später viele Menschen an ihrem Grab stehen, Menschen die vorgaben sie zu kannten, Menschen, die behaupteten sie wäre stets glücklich gewesen und dass ihr Suizid nicht vorhersehbar gewesen wäre. Aber wir wissen es besser. Denn diese eine Teenagerin ließ uns an ihren Gedanken teilhaben bevor sie starb. Wir können mit Sicherheit behaupten, dass wir sie wohl besser kannten als alle die an ihrem Grab standen. Wir wussten um ihre Ängste, um ihre Einsamkeit und um ihre verzweifelte Suche nach einem Sinn in ihrem Leben. Und auch wenn es mir im Herzen weh tut es sagen zu müssen, dieses Mädchen war mit ihren Problemen nicht alleine. Es gab und gibt Menschen wie sie, Menschen in deren Inneren es anders aussieht als alle denken, Menschen ohne Lebenssinn. Lasst uns die Augen offen halten, lasst uns aus dem Schicksal eines anonymen Kindes lernen und versuchen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind einen Sinn im Leben zu geben. Sie hätte nicht sterben müssen und das sollten andere auch nicht,
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast