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Zwischen den Welten

von 080692
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Erotik / P18 / Gen
Hijiri Shikaido Noyn Claude OC (Own Character)
31.12.2020
11.08.2022
10
15.022
2
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.01.2021 1.408
 
Kiyoshis Perspektive:

Am nächsten Morgen erwachte ich erholt, aber noch immer ein wenig überwältigt von der neuen Situation. Mein Leben hatte sich so schnell und so stark verändert, dass ich noch Mühe hatte, damit klarzukommen. Das wohl größte Problem war für mich, dass Noyn in mir nur eine Schülerin sah. Wie würde ich es nur schaffen, dass er sich für mich interessiert? Ich müsste mir etwas einfallen lassen.

Langsam stand ich auf und ging zuerst unter die Dusche. Das warme Wasser tat gut und half mir ein wenig zu entspannen. Morgen ist Montag und ich müsste zur Schule. Der Unterricht dürfte langweilig sein, aber ich freute mich, Noyn wiederzusehen. Sicher würde ich auch Marron, Chiaki und die anderen sehen. Nicht, dass ich in Erwägung zog mich mit ihnen anzufreunden. Sie und ich waren viel zu unterschiedlich. Besonders weil ich auf Satans Seite stand und mein Lieblingscharakter aus dem Manga immer schon Noyn war. Ich fand es furchtbar, wie Marron mit Noyn umging und wie traurig ihn das machte. Ich schüttelte den Kopf. Ich sollte mich einfach von ihnen fernhalten. Umso leichter würde es mir auch fallen meine geheime Identität als Kaito Megumi aufrecht zu halten.

Nach der Dusche zog ich mich an und machte mir Frühstück. Nebenbei betrachtete ich intensiv meinen Rosenkranz. „Satan?“, flüsterte ich leise und sofort hörte ich seine Stimme „Ja? Was möchtest du von mir?“ „Was ist mit Fynn und Access? Sind sie noch am Leben?“ Da das letzte Gefecht anders endete, war ich mir nicht mehr sicher, was jetzt hier in dieser Welt stimmte. Es herrschte eine kurze Pause, ehe er antwortete: „Beide leben und sind bei Marron beziehungsweise Chiaki. Fynn ist momentan jedoch meist bei Chiaki, da ja Marrons Eltern zu ihr zurückgekehrt sind.“

Gut, diese Informationen halfen mir schon mal. „Danke für die Informationen, Satan“, sagte ich und legte den Rosenkranz beiseite. Es war irgendwie lustig, dass ich damit wie mit einem Telefon zu Satan Kontakt aufnehmen konnte. Der weitere Tag verging langsam und ohne besondere Ereignisse. Ich bin noch einmal den Weg zur Schule abgegangen und habe mir dann ein wenig die Stadt angesehen. Diesmal habe ich sogar ohne Probleme den Weg nach Hause gefunden.

Am nächsten Morgen wurde ich von meinem Wecker aus meinen Träumen geschreckt. Heute wäre mein erster Schultag und ich würde Noyn wiedersehen. Oder eher Hijiri Shikaido. Übermäßig fröhlich machte ich mich für die Schule fertig und war sehr früh am Schulgebäude angekommen. Ich stellte mich also einfach schon mal vor das Klassenzimmer und wartete auf die anderen Schüler und meinen Klassenlehrer. Nach ein paar Minuten des Wartens tauchte Hijiri Shikaido im Flur auf. „Kiyoshi-san, guten Morgen. Du bist aber früh dran.“, begrüßte er mich. „Guten Morgen, Shikaido-sensei“, begrüßte ich ihn förmlich und verbeugte mich leicht.

„Komm doch schon mal mit in den Klassenraum“, wies er mich an und schloss die Tür auf. Zielstrebig ging er auf sein Pult zu und öffnete die oberste Schublade. „Hier ist dein Stundenplan und das hier ist die Klassen-Telefonliste.“, sagte Hijiri Shikaido und gab mir die zwei Zettel. Dann ging er zu einem Schülertisch am Fenster. „Dieser Platz ist frei, also kannst du hier schon mal deine Sachen hinpacken. Bleib gleich nur erstmal vorne an der Tafel, ich möchte dich vor Unterrichtsbeginn den anderen Schülern vorstellen, in Ordnung?“ „Ja, Shikaido-sensei.“

Bald darauf kamen die ersten Schüler. Sofort wurde ich von ihnen gemustert. Eine neue Schülerin mitten im Schuljahr war vermutlich selten und würde ihre Aufmerksamkeit auf mich lenken. Egal. Ich ignorierte ihre Blicke. Als alle da waren stellte sich Hijiri Shikaido neben mich. „Dies hier ist Kiyoshi Kurayami. Sie ist neu in der Klasse und ich hoffe, ihr werdet sie gut in die Klassengemeinschaft integrieren.“, sprach Shikaido-sensei und die Klasse antwortete brav: „Ja, Shikaido-sensei.“ Ich ließ meinen Blick über die Klasse schweifen. Die Mädchen in der Klasse hingen an Shikaido-senseis Lippen, als wäre er ein Popstar, während die Jungen eher wirkten, als wären sie eifersüchtig auf ihn. So umschwärmt wie er jedoch von allen Mädchen war, wäre es noch schwieriger seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Ich unterdrückte ein Seufzen.

„Guten Morgen, mein Name ist Kiyoshi Kurayami. Ich bin 17 Jahre alt, erst vor wenigen Tagen nach Momokuri gezogen und freue mich sehr, hier zu sein.“, stellte ich mich vor. Ich sagte nur das Nötigste und hatte keine Lust mich ihnen näher mit Hobbys oder dergleichen vorzustellen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen setzte ich mich an meinen Platz. Hijiri Shikaido begann sofort mit dem Unterricht. „Da wir eine neue Schülerin haben, wollte ich das letzte Thema, den Hundertjährigen Krieg, noch einmal mit euch wiederholen.“, fing er an. Ernsthaft? Das Thema?

„Von wann bis wann ging der Hundertjährige Krieg?“ Sofort zeigte ich auf und wurde prompt drangenommen: „Man spricht beim Hundertjährigen Krieg in der Regel von der Zeit von 1337 bis 1453. Der Begriff Hundertjähriger Krieg ist allerdings irreführend, da sowohl vor dieser Zeit, als auch nach dieser Zeit die Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich andauerten. So kam es beispielsweise auch noch 1474, 1488 und ähm… 1492 weiter zu englischen Invasionen.“ Überrascht von dieser ausführlichen Antwort sah Hijiri mich an. „Das war eine ziemlich ausführliche Antwort. Hattet ihr in deiner alten Schule den Hundertjährigen Krieg bereits behandelt?“, fragte er mich. „Ja, aber nur geringfügig. Ich interessiere mich sehr für Geschichte – zumindest einzelne Ereignisse – und habe daher viel über diesen Krieg und insbesondere die Geschichte von Jeanne d´Arc recherchiert. Ich fand es einfach faszinierend, wie kontrovers sie, ihre Geschichte und ihre angeblichen Fähigkeiten betrachtet werden.“, erläuterte ich lächelnd.

„Was genau kannst du denn über Jeanne d´Arc und die kontroverse Sichtweise erzählen?“, hakte er konkreter nach. „Jeanne d´Arc, Johanna von Orleans oder auch die Jungfrau von Orleans genannt lebte von ca. 1412 bis zum 30. Mai 1431. Geboren wurde sie in Domrémy in Lothringen als Kind einer wohlhabenden Bauernfamilie. Mit dreizehn Jahren soll sie erste Visionen gehabt haben, in denen sie zunächst die Stimme der heiligen Katharina hörte. Später kamen auch visuelle Visionen zum Beispiel in Form des Erzengels Michael oder der heiligen Margareta hinzu. Die eine Sichtweise, die Jeanne d´Arc als Heilige sieht, geht davon aus, dass diese Visionen echt und von Gott gegeben waren. Gerade in der Zeit ihres Prozesses wurde ihr jedoch auch vorgeworfen Dämonen anzubeten, Hexenkräuter – die man heute als Drogen bezeichnen würde – zu nehmen und vieles mehr. Schließlich, am Ende ihres ersten Prozesses bekannte sie sich schuldig und wurde exkommuniziert. Das Geständnis resultierte aus ihrer Angst vor dem Scheiterhaufen und so widerrief sie später ihr Geständnis…. Soll ich jetzt wirklich alles, was ich über Jeanne und die gespaltene Meinung zu ihr weiß aufzählen? Das könnte den Rahmen der Unterrichtsstunde sprengen.“

„Ich denke, das genügt bereits. Ich denke, ich werde es euch heute als Hausaufgabe aufgeben die verschiedenen Blickwinkel auf Jeanne d´Arc zu analysieren.“, verkündete er lächelnd. Meinetwegen, mich störte das nicht. Er hätte einen ziemlich langen Aufsatz zu lesen. So wie die anderen Schüler guckten, waren sie nicht so begeistert von der Aufgabe. Sie hatten mich schon völlig entsetzt angeguckt, als ich die ganzen Daten ohne Probleme erzählen konnte. Mit Sicherheit fiel ihnen die Aufgabe nicht so leicht wie mir. Pech gehabt. Ich grinste.

Der Unterricht ging weiter. Es ging noch um ein paar Fragen zum Hundertjährigen Krieg, wobei Herr Shikaido andere Schüler anstatt mir drannahm. Nach der Stunde bat er mich zu ihm ans Pult zu kommen. Sofort ging ich zu ihm und sah ihn abwartend an. „Du hast ein ziemlich breites und tiefes Wissen zu diesem Geschichtsthema. Das ist wirklich beeindruckend. Die meisten Schüler machen gerade so viel wie notwendig, aber sie kennen sich nicht so gut aus.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Es ist interessant. Nicht, dass ich diesen ganzen Quatsch mit dem Glauben an Gott nachvollziehen könnte, aber ihre Anstrengungen im Krieg und der historische Wert ihrer Handlungen ist bemerkenswert.“

„Du glaubst also nicht an Gott?“, fragte er mich mit leichtem Amüsement in der Stimme. „Also ich glaube schon, dass es einen Gott gibt. Ich bin keine Atheistin, Shikaido-sensei. Aber ich habe ein durchaus kritisches Bild von Gott und seinen Anhängern. Wie gut, dass es heutzutage keine Inquisition mehr gibt. Ich wäre sicher jemand, den man auf dem Scheiterhaufen verbrannt hätte.“, schmunzelte ich und verschwand ohne ein weiteres Wort aus dem Klassenzimmer. Ich wollte Noyn ein wenig neugierig auf mich machen und ihn dazu bringen über mich nachzudenken. So wie ich seinen Blick auf mir spürte, hatte ich damit schon mal einen kleinen Erfolg erzielt.
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