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Zwischen den Welten

von 080692
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Erotik / P18 / Gen
Hijiri Shikaido Noyn Claude OC (Own Character)
31.12.2020
11.08.2022
10
15.022
2
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.01.2021 1.892
 
Kiyoshis Perspektive:


„Hast du dir etwas getan?“, fragte mich eine nur zu bekannte Stimme. Sofort hob ich meinen Kopf nur um direkt in Hijiri Shikaidos Gesicht zu blicken. Ich schluckte. „N-nein, mir geht es gut.“, flüsterte ich und nahm seine Hand, als er mir aufhalf. Er musterte mich eindringlich. „Bist du eine Schülerin der Momokuri High?“, fragte er mit Blick auf meine Schuluniform. Ich nickte. „Ja, aber ich fange erst nächste Woche dort an. Ich bin heute erst nach Momokuri gezogen und versuche mich hier in der Stadt zurechtzufinden“, erklärte ich lächelnd und begann meine Einkäufe wieder aufzuheben.

Als ich die Einkäufe aufgehoben hatte, sah ich ihn entschuldigend an. „Verzeihung, ich hatte mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Kiyoshi Kurayami.“ Ich lächelte ihn an und er erwiderte das Lächeln freundlich. „Oh, dann wirst du die neue Schülerin in meiner Klasse sein. Ich bin Hijiri Shikaido. Ich werde dann wohl ab nächster Woche dein Klassenlehrer sein.“ Was hatte ich für ein Glück einen so tollen Klassenlehrer zu haben, aber das würde ich ihm nicht ins Gesicht sagen. „Ich freue mich schon sehr auf den Unterricht.“, verkündete ich, obwohl dies nur teilweise stimmte. Ich freute mich auf seinen Unterricht, weil ich ihn dann sehen könnte, aber nicht auf den anderen Unterricht. In meiner Welt war ich schon so lange aus der Schule raus und nun hieß es wieder zur Schule zu gehen.

„Das freut mich sehr. Hast du denn schon die Schule gesehen?“, erkundigte sich Shikaido-sensei freundlich. Ich zuckte leicht zusammen. „Um ehrlich zu sein… nein. Ich wollte einkaufen und den Weg zur Schule auskundschaften, aber ich habe mich total verlaufen.“, erklärte ich mit vor Verlegenheit geröteten Wangen. Seine Augen funkelten amüsiert. „Komm mit, ich bringe dich zur Schule und zeige dir, wie du von dort nach Hause kommst. Wo wohnst du denn?“ Ich lächelte ihn unsicher an, fischte in meiner Tasche nach dem Zettel, wo ich die neue Adresse aufgeschrieben hatte und gab sie ihm. „Vielen Dank für Ihre Hilfe, Shikaido-sensei.“, sagte ich und verbeugte mich förmlich. „Keine Ursache. Ich kann doch nicht zulassen, dass eine neue Schülerin meiner Klasse noch vor der ersten Stunde verloren geht.“, neckte er mich und meine Wangen glühten noch mehr. Mein schlechter Orientierungssinn war so peinlich.

Ich folgte ihm einige Zeit bis wir an der Schule ankamen. Während des Weges sprachen wir nicht viel. Er erklärte mir ab und zu etwas zur Stadt oder zur Schule, aber sonst schwiegen wir die meiste Zeit. „So, hier ist also die Schule. Dort wird dein Klassenzimmer sein“, sagte er und deutete auf einen Gebäudeteil. „Erster Stock, dritte Tür.“ Ich nickte. „Danke.“ „So und jetzt bringen wir dich nach Hause, bevor sich deine Eltern Sorgen machen.“, sprach er. „Es macht sich niemand Sorgen. Ich wohne alleine hier. Meine Eltern arbeiten im Ausland, daher muss ich mich allein um alles kümmern.“, erklärte ich ihm und blieb bei den Informationen aus meinem gefälschten Lebenslauf.

Ich spürte Hijiris Blick auf mir. Die Geschichte mit dem Alleinwohnen dürfte ihm von Marron nur zu bekannt sein. „Du wohnst ganz allein? Hast du denn andere Familienmitglieder in der Nähe, die zwischendurch nach dir sehen?“, fragte er mich und klang leicht besorgt. „Ich wohne alleine, ja. Schon länger. Meine Eltern schicken mir Geld, damit komme ich auch ausreichend über die Runden. Ich brauche niemanden, der nach mir sieht.“ Er seufzte und sein Blick verriet, dass er von meiner Situation nicht begeistert war. Welcher Lehrer wäre das aber auch? Ein Mädchen, das noch in der Schule ist und angeblich seit Jahren allein lebte. Eigentlich wäre das ein Fall fürs Jugendamt. Ich schmunzelte innerlich.

Scheinbar wollte er nicht weiter auf das Thema eingehen, denn er schwieg nun, während er mich zu meiner Adresse brachte. Wenn man wusste, wo man langgehen musste, dann war der Weg zur Schule sehr kurz. „Vielen Dank, dass Sie mich nach Hause gebracht haben, Shikaido-sensei. Darf ich Sie für Ihre Hilfe noch auf ein Getränk hineinbitten?“, fragte ich höflich mit leicht geröteten Wangen. Ich hatte keine Hintergedanken, sondern wollte nur freundlich sein und jeden Moment mehr Zeit mit ihm verbringen zu können ausnutzen. Die Frage war schneller aus mir herausgekommen, als ich darüber nachgedacht hatte. Zum Glück hatte ich die Mappe mit meinen Unterlagen nicht offen liegen gelassen, sonst hätte diese nett gemeinte Einladung Probleme verursachen können. „Gerne, Kiyoshi-san. Es wäre gut, wenn ich eine Lebensumstände wenigstens mal gesehen habe, wenn du schon völlig allein lebst.“ Natürlich würde er seine Verantwortung als Lehrer in den Vordergrund rücken.

Mir war klar, dass er sich nicht für mich interessierte, sondern nur für Marron. Aber das könnte sich ja noch ändern. Ich würde mir dabei jedenfalls größte Mühe geben. Ich ging mit ihm hinein, schloss die Tür zu meiner Wohnung auf und brachte die Einkäufe rein. Die Mappe mit meinen Informationen lag zugeschlagen auf dem Esstisch und ich stellte die Einkäufe bewusst darauf. „Setzen Sie sich doch, Shikaido-sensei“, sagte ich freundlich. „Was möchten Sie trinken?“ Er überlegte kurz. „Hast du Tee oder Kaffee da, Kiyoshi-san?“ Ich nickte. „Ja, beides. Kaffee, Earl Grey oder Lady Grey Tee. Was kann ich Ihnen machen?“ „Ich nehme einen Earl Grey.“

Ich ging in die Küche, stellte Wasser auf, holte zwei Tassen und bereitete den Tee zu, während ich die anderen Einkäufe und die Mappe wegräumte. Hijiri Shikaido sah sich derweil im Wohnzimmer um. „Du hast eine ziemlich große Wohnung für dich allein.“, meinte er, als ich den Tee brachte. „Ja, meine Eltern haben genug Geld und da war mir eine große Wohnung lieber. Ich habe zeitweise mit meinen Eltern im Ausland gelebt und auch wenn das schon ein paar Jahre her ist, bin ich die großen Wohnungen von dort noch gewöhnt. Mehr Platz ist einfach ein schöner Luxus.“, sponn ich meine Lügengeschichte weiter. Er lächelte. „Ja, das kenne ich selbst. Ich war einige Zeit in Frankreich, bevor ich an die Momokuri High kam. Wo hast du denn mit deinen Eltern gelebt?“ „Deutschland. Meine Eltern mussten dort arbeiten und ich war noch zu klein, als dass sie mich allein in Japan hätten lassen können.“ Hijiri Shikaido sah mich schon wieder so musternd an, dass ich eine leichte Gänsehaut bekam. „Deine Eltern klingen nicht besonders nett.“, murmelte er mehr zu sich selbst.

Ich konnte seine Aussage verstehen. Ich hätte auch keine Sympathie zu Menschen, die ein Kind einfach allein lassen. Aber ich hatte zu diesen Menschen – die ja nun mal komplett erfunden waren – keine Beziehung und daher auch keinen Groll gegen sie. „Ich weiß, aber mich stört es nicht, allein zu leben. Ich habe dafür nie Streit mit meinen Eltern. Keine Diskussionen übers Aufräumen oder Schlafen gehen.“ Ich zuckte mit den Schultern. Ich wollte kein Mitleid von ihm. „Es ist beeindruckend, wie du immer noch das Positive sehen kannst“, erwiderte er. „Oh – ich bin kein so positiver Mensch, wie sie vielleicht denken.“, murmelte ich kaum hörbar.

Wir unterhielten uns noch ein wenig über Belanglosigkeiten – meist die Schule – und tranken unseren Tee, dann verabschiedete sich mein Klassenlehrer von mir und ließ mich allein. Kaum war die Tür geschlossen, grinste ich breit. Ich hatte – mein Blick glitt zur Uhr – mehr als zwei Stunden Zeit allein mit Hijiri Shikaido verbracht. Ich konzentrierte mich bewusst darauf ihn in dieser Gestalt auch in Gedanken als Hijiri Shikaido zu bezeichnen. Nicht, dass es mir noch passiert und ich ihn versehentlich mal Noyn nannte. Dann hätte ich mehr Probleme als gut wäre.

Ich spülte gerade die benutzten Teetassen, da blinkte auf einmal mein Rosenkranz. Ich trocknete meine Hände ab und nahm ihn sofort in die Hand. „Dein erster Auftrag beginnt. Ein Dämon befindet sich nicht weit von hier. Ich führe dich mit dem Rosenkranz hin und sobald du nah genug bist, musst du dich verwandeln.“ Na super, ich war noch nicht mal einen Tag hier, da tauchte auch schon der erste Dämon auf. Selbstverständlich machte ich mich sofort auf den Weg. Je nachdem, wo ich abbiegen musste, blinkte entweder die rechte, linke oder mittlere Perle meines Rosenkranzes. Praktisch. Immerhin hatte ich niemanden, der mich sonst zu den Dämonen führen konnte. Plötzlich erklang wieder Satans Stimme.

„Verwandle dich“, wies er mich an. „Ich bitte dich, Satan, gibt mir die Kraft“, murmelte ich und sofort verwandelte ich mich. Mein Äußeres ähnelte Jeanne, doch mein Haar war schwarz und meine Augen eisblau. Auch das Kostüm hatte andere Farben. Was bei Jeanne weiß war, war bei mir grau und was rot war, war bei mir schwarz. Ziemlich düster, aber es passte zu mir. Die Farben gefielen mir sowieso viel besser. „Dein Name als Kaito ist Kaito Megumi.“ Megumi. Ein wenig langweilig. Ich wusste gerade nicht, was der Name übersetzt bedeutete. Aber Jeanne klang ja auch nicht gerade kreativ.

„Womit banne ich die Dämonen?“, fragte ich Satan leise. „Du hast drei Möglichkeiten: Pins, das Band oder ein Schwert. Die Pins eignen sich nur für schwächere Dämonen. Das Schwert ist die stärkste Waffe, aber du musst nah an den Dämon heran.“ „Alles klar“, murmelte ich. Ich fragte ihn noch schnell, worin sich der Dämon befand. Eine Vase. Scheinbar mischten sich Anime und Manga in dieser Welt ein wenig, denn im Manga waren die Dämonen eigentlich nur in Bildern, während sie im Anime auch in anderen Gegenständen sein konnten. Gut. Nun konnte es losgehen. Ich war überrascht, dass es keine Polizei gab, als ich näher an das Haus kam. Hatten Jeanne und Sindbad diesen Dämon noch nicht entdeckt? Umso besser! Ich war sicher nicht so nett und würde Ankündigungen schicken. Ich hatte kein Interesse daran mir die Arbeit schwerer zu machen und dann noch die Aufmerksamkeit von Jeanne und Sindbad auf Dämonen zu lenken, die sie vielleicht noch gar nicht bemerkt hatten.

Mit meinem neuen Körper und meinen dazu erworbenen Fähigkeiten fiel es mir leicht in das Haus einzudringen. Je näher ich dem Dämon kam, desto schneller schien mein Rosenkranz zu blinken. Bald hatte ich die fragliche Vase entdeckt. Also, was nun? Pin, Band oder Schwert? Mit dem Band hatte ich eher Angst mich selbst drin zu verwickeln, da ich so eines noch nie benutzt hatte. War der Dämon schwach genug für einen Pin? Ich überlegte kurz und seufzte dann. Lieber auf Nummer sicher gehen und das Schwert benutzen. Ich nahm mein Rosenkreuz, konzentrierte mich auf ein Schwert und kurz darauf verwandelte es sich. Es war recht schwer, lag aber gut in der Hand. Ich schwang es probeweise durch die Luft. Perfekt.

Mit dem Schwert näherte ich mich vorsichtig der Vase. Auf einmal begann sich die Vase zu verändern und die Gestalt eines Dämons anzunehmen. Das war eindeutig mehr wie im Anime. Ich seufzte und packte mein Schwert fester, als ich begann den Dämon anzugreifen. Kaum hatte ich ihn mit dem Schwert getroffen, verschwand der Dämon und eine kleine Schachfigur fiel auf den Boden. Sie sah aus, als wäre sie aus silbrigem Metall gefertigt. Zufrieden lächelnd steckte ich die Schachfigur ein und verschwand aus dem Haus. Etwas vom Haus entfernt verwandelte ich mich zurück. „Führst du mich nach Hause, Satan?“, fragte ich an mein Rosenkreuz gewandt und sofort begannen die Perlen entsprechend zu blinken und mir den Weg nach Hause zu zeigen.

Zuhause angekommen zog ich mich um, dann ließ ich mich todmüde ins Bett fallen. Was für ein Tag. Es war alles so unwirklich und neu, aber ich genoss es wirklich. Sekunden später war ich bereits eingeschlafen. Der Tag war anstrengend gewesen, zum Glück jedoch auch sehr erfolgreich.
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