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Sword Art Online Alicization - The Villain of Underworld

von Zeronime
GeschichteFantasy, Sci-Fi / P12 / MaleSlash
Alice Schuberg Asuna Eugeo Kirito OC (Own Character) Philia/Kotone Takemiya
31.12.2020
07.04.2021
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Eine weitere Welt der Schwerter

«Ich liebe dich», gestand ihm Philia. Zusammen mit ihr sass Ceadas am Strand einer kleinen Insel inmitten eines Sees. Die pralle Sonne schien auf sie herab und liess das seichte Wasser regelrecht glänzen. Seine Freundin lag in seinen Armen, während sie ihren Blick über den strahlendblauen See schweifen liess.
«Momentan gibt es keinen Ort, wo ich jetzt lieber wäre», antwortete Ceadas. Er drückte sie ein wenig fester an sich, woraufhin sie ihren Kopf auf seiner Brust ruhen liess.
«Könnte es bloss immer so schön sein.»
«Ich hätte nichts dagegen», entgegnete Ceadas.
«Darf ich dir eine Frage stellen?», wollte Philia wissen.
«Frag, was du unbedingt wissen willst», antwortete Ceadas.
Philia drehte sich daraufhin zu ihm um und blickte direkt in seine Augen. «Blutet der Himmel?»
Wie aus dem Nichts begannen rote Sechsecke den Himmel über ihnen zu bedecken. Zwischen ihnen tropfte dann eine dicke, rote Flüssigkeit herab und begann in der Luft etwas zu formen. Nach einigen Sekunden schwebte eine gesichtslose Gestallt in einer roten Robe.
Dazu fand sich Ceadas nicht mehr am Strand liegend wieder, sondern stand in seiner vollen SAO-Ausrüstung inmitten einer mittelalterlich wirkenden Stadt. Um ihn herum standen weitere Menschen und blickten verwirrt um sich.
«Was ist hier los?», fragte Ceadas. «Philia? Wo steckst du?»
Plötzlich zog der Fechter seinen Degen heraus und wehrte einen Angriff ab. Eine Gestallt unter einem schwarzen Kapuzenumhang und einer Schädelmaske mit roten Augen stand vor ihm und hielt eine Stichwaffe in der Hand.
«Lange nicht mehr gesehen, Ceadas», grüsste dieser ihn.
«XaXa?» Plötzlich verspürte der Fechter einen oberflächlichen Schnitt über seinen Rücken. Sofort sprang er zur Seite und sah seinen zweiten Angreifer. «M’aiq? Du auch noch?»
Alle Menschen auf dem Platz drehten sich zu Ceadas um. Erst jetzt erkannte er die vielen Gesichter. Es waren grösstenteils Menschen, die er aus seiner Zeit in Aincrad kannte. Sie alle zogen dann ihre Waffen und stürmten auf ihn los. Blitzschnell versuchte Ceadas alle möglichen Angriffe abzuwehren. Er konnte gut standhalten, doch er schaffte es nicht einige Treffer zu verhindern.
Immer mehr Treffer musste er einstecken. Sein Körper wurde von den Schnittwunden übersäht. Doch er hielt weiter stand. Schliesslich Spürte er etwas. Eine Schwertspitze ragte aus seiner Brust heraus. Erst fiel er auf die Knie und dann nach vorne. Einige Menschen gingen zur Seite und zwischen all denen trat Heathcliff hervor. Mit seinem Schildarm drückte er Philia fest an sich und mit der anderen Hand hielt er ihr sein Schwert an die Kehle.
«Dich zu töten reichte uns nicht. Wir müssen auch alle töten, die dir wichtig sind», sprach Heathcliff. «Lebe wohl, Ceadas.»
«Nein. Kayaba, lassen Sie sie gehen!», schrie Ceadas. Doch plötzlich spürte mehrere Schwerthiebe gegen seinen Rücken. Jedoch starb er nicht. Dann schnitt Heathcliff Philias Kehle auf und liess sie zu Boden fallen. «Nein! Philia!»

«Mein Herr?», rief plötzlich eine Stimme in seinem Kopf. «Mein Herr, wacht doch bitte auf. Mein Herr.»
Schweissgebadet öffnete Ceadas seine Augen. Ein junges Mädchen, womöglich erst sieben Jahre alt, stand am Ende des Bettes, worin er lag. Das schwarze Kleid und die weisse Schürze liessen auf eine Dienstmagd führen. Die brünetten Haare hatte sie zusammengebunden. Die grünen Augen fest auf ihn gerichtet. Doch etwas stimmte nicht. Alles um Ceadas herum wirkte etwas verschwommen. Instinktiv streckte er seinen Arm zum Nachttisch aus und nahm eine Brille, die er sich gleich aufsetzte. Nun sah er alles besser.
Er befand sich in einem herausgeputzten Zimmer. Vorhänge versperrten noch die Sonnenstrahlen. Die Wände waren kunstvoll geschmückt wie bei einem Adeligen der Barrockzeit.
«Mein Herr, ist alles in Ordnung?», fragte das Dienstmädchen besorgt.
«Ja, alles gut, Satella», antwortete Ceadas. Vor wenigen Wochen hätte er sich noch an seiner veränderten Stimme erschrocken, doch dies war nicht mehr der Fall. «Ich hatte nur einen Albtraum, das ist alles.»
«Dürfte ich euch eine Frage stellen?»
«Nur zu.»
«Wer ist diese Philia?»
«Nur jemand, den ich mal kannte», antwortete Ceadas.
«Euer Vater erwartet Euch im Speisesaal für das Frühstück», sagte das junge Mädchen. Sie verbeugte sich leicht und verliess dann das Zimmer.
Kurz streckte sich Ceadas, stand dann auf und zog sich ein einfaches Hemd und Hose an. Dann setzte er sich an seinen Schreibtisch im Zimmer und öffnete das dicke Buch, welches sich dort befand, auf. Eine Feder steckte er in Tinte und begann dann zu schreiben.

«Seit ungefähr acht Wochen befinde ich mich nun in dieser Welt. Allem Anschein nach bin ich der Sohn eines Adeligen. Wer meine Mutter sein soll, weiss ich bis heute nicht. Erst dachte ich, dass ich wie in einem Isekai-Anime in einer neuen Welt gelandet bin, doch dem ist nicht so. Diese Welt ist ebenfalls virtuell. Ein Mädchen, die im nahegelegenen Dorf lebt, beweist es durch diese heilige Kunst. Eigentlich sind es nichts weiteres als Systemkommandos. Das Letzte, woran ich mich erinnere, bevor ich hier landete, ist, dass ich Philia sah. Ich warnte sie vor Alicization. Bisher habe ich die Vermutung, dass diese Welt dieses Alicization ist. Egal was das JSDF mit mir gemacht hat, aber irgendwann werde ich es ihnen zurückzahlen. Denn ich bin wieder sieben Jahre alt, muss meine Brille tragen und bin körperlich so fit wie damals. Jetzt weiss ich, wie sich Shinichi gefühlt haben muss, als er zu Conan wurde…»

Nachdem der junge Ceadas etwas geschrieben hatte, schloss er das Buch und verliess sein Schlafgemach. Dem Gang voller alter Gemälde und mit einem kunstvollverzierten Teppichboden folgte er bis zu einem anderen Raum. Die Türen stiess er auf und fand einen grossen Saal vor, wo ein langer Tisch mit unzähligen Stühlen stand. An dessen Ende sass ein Mann mittleren Alters mit Glatze, einem dunklen Bart und eher bescheidenen Kleidung.
«Du hast dir Zeit gelassen», sagte der Mann.
«Und du dir bestimmt auch, als du dir deine Glatze poliert hast. Zumindest lässt der Glanz darauf schliessen», entgegnete Ceadas und setzte sich an den Tisch. «Also was gibt es heute zu essen, Paps?»
Kurz darauf betraten zwei Dienstmädchen den Speisesaal und stellten zwei Teller mit gebratenem Fisch vor Ceadas und seinem Vater. Sofort verzog der Fechter sein Gesicht, sein Herz begann schnell zu schlagen und ein paar Schweissperlen liefen ihm entlang des Gesichts.
«Heute gibt es Barsch aus dem See in der Nähe», antwortete sein Vater. Doch er zog eine Braue hoch, als er Ceadas verängstigten Gesichtsausdruck bemerkte. «Stimmt etwas nicht? Ist etwas mit dem Fisch?»
Ceadas schob den Teller mit dem gebratenem Fisch von sich weg. «Ich kann das nicht essen. Ich habe eine Ichtyophobie.»
«Eine was?»
«Eine Ichtyophobie. Eine psychologische Krankheit», erklärte der junge Ceadas, doch er erhielt nur fragende Blicke. «Angst vor Fischen.»
«Du liest viel zu viele Bücher, mein Sohn», entgegnete sein Vater. «Wir gehören zum Landadel und daher ist es nicht unsere Aufgabe, ständig so viele Bücher zu lesen, sondern das Volk in unserem Gebiet zu schützen. Und dafür solltest du mehr mit dem Schwert trainieren und irgendwann später auf die Schwertkampfakademie in der Hauptstadt gehen.»
«Ja, das hast du mir in den vergangenen Wochen öfter erzählt als es Einwohner in Rulid gibt. Kennst du auch noch andere Gesprächsthemen ausser deiner Enttäuschung, dass ich erst sieben Jahre alt bin und nicht dieser legendärer Held aus der Geschichte, die dir so sehr gefällt?»
«Du meinst wohl den grossen Helden Bercouli», entgegnete sein Vater. Er rutschte auf seinem Stuhl vor und lehnte sich nach hinten. «Diesen Mann solltest du dir als Vorbild nehmen. Er war ein tapferer Schwertkämpfer und war in der Lage ganze Armeen zu bezwingen.»
Ceadas stand auf und legte seine Serviette auf den Tisch. «Ich hole mir etwas in der Küche und gehe dann ins Dorf. Ich habe dort noch etwas zu erledigen.»
«Wenn du schon nach Rulid gehst, kannst du mir einen Gefallen machen. Dann muss ich keinen der Arbeiter schicken, um es zu tun.»
Vor der Tür blieb Ceadas stehen und blickte zurück. «Was soll ich erledigen?»
«Nur ein einfacher Botengang. In meinem Arbeitszimmer liegt ein Brief für Gasupht Zuberg, den Bürgermeister von Rulid. Bringe ihn diesen und dann ist es mir egal, was du den restlichen Tag so machst.»
In der Küche holte sich Ceadas schnell ein frischgebackenes Brötchen und ging in das Arbeitszimmer, wo er den gewünschten Brief abholte. Im Anschluss lief er weiter zum Eingangsbereich des grossen Anwesens. Doch Dort stand das Dienstmädchen Satella mit einem geflochtenem Korb in der Hand. Kurz verbeugte sie sich vor Ceadas und behielt den Blick gesenkt.
«Verzeiht mir, mein Herr. Dürfte ich euch in die Stadt begleiten? Ich müsste dort noch einige Besorgungen erledigen.»
«No Problemo, ich freue mich, wenn jemand mit mir freiwillig Zeit verbringt», antwortete Ceadas und öffnete Satella die Tür.
Die beiden Kinder folgten der einfachen Strasse bis zur Mauer, die das grosse Anwesen umschloss. Beim Gittertor erschien ein kleines, lilafarbenes Fenster. Bei Ceadas weckte es die Erinnerungen an das Spielmenü in Sword Art Online auf. Satella legte ihre Hand auf das Fenster, woraufhin das Tor offen war. Auf dem Weg ins Dorf führte die Strasse sie in einen dichten Wald, wo die Sonne nur spärlich durchschien.
«Was musst du eigentlich dort im Dorf besorgen, Satella?», fragte Ceadas.
«Neben einigen Lebensmitteln auch einen neuen Anzug beim Schneider für Euer Vater. Was müsst Ihr dort erledigen?»
«Ich muss nur dem Bürgermeister einen Brief bringen und sonst nichts. Aber ich möchte auch etwas Zeit ausserhalb des Anwesens verbringen. Ich werde dort sonst noch wahnsinnig», erzählte Ceadas. Seine Hände faltete er ineinander und legte sie auf seinem Nacken.
«Womöglich trefft Ihr dort auf Euren Doppelgänger», meinte Satella daraufhin.
«Doppelgänger?», fragte Ceadas.
«Als ich beim letzten Ruhetag meine Eltern dort besuchte, sah ich einen Jungen, der Euch zum Verwechseln ähnlich sah. Nur trug die Kleidung der einfachen Bevölkerung, keine Brille und sein Haar war schwarz.»
Erinnerungen schossen durch Ceadas Kopf. In seinem inneren Auge sah er zwei Gestalten. Ein Junge in einem schwarzen Mantel und Haaren in derselben Farbe. In den Händen hielt er ein schwarzes und ein kristallblaues Schwert. Bei ihm war ein Mädchen in einer leichten Rüstung in weiss und rot. Ihr Haar war lang und hatte eine kastanienbraune Farbe. In der Hand hielt sie einen Rapier und stand neben dem anderen. Doch gerade als das Bild klarer wurde, und er die Personen als Kirito und Asuna erkennen konnte, verschwamm alles und ein neues Bild entstand. Ein Mädchen mit schulterlangen, löwenzahnblondem Haar und strahlendblauen Augen. Sie trug blaue Kleidung und sehr wenig Rüstung. Schwarze, kniehohe Strümpfe und kurze Hosen in derselben Farbe bedeckten ihre Beine. Von den Schultern hing ein kleiner, blauer Umhang und an der Hüfte ein graues Schwert, dessen eine Seite gezackt war.
Ausgerechnet das Bild des blonden Mädchens wurde klarer und klarer. Nun erkannte Ceadas auch ihr Gesicht wieder. Philia. Doch Tränen liefen aus ihren Augen und rannen ihre Wange herunter. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und versuchte, ihn zu berühren. «Ceadas, geh nicht», waren die einzigen Worte, die er verstand.
«Mein Herr, ist alles in Ordnung?», fragte ihn plötzlich Satella und riss ihn somit förmlich aus seinen Gedanken. «Ihr wirktet etwas abwesend.»
«Mir geht es gut… Ich habe mich nur an etwas erinnert…»
«An was habt Ihr Euch erinnert?»
«An ein Mädchen, die ich vielleicht mal gekannt habe…»
«Ist ihr Name womöglich Philia?», fragte Satella.
Sofort blieb Ceadas eine Sekunde stehen, bevor er wieder weiterging. «Woher kennst du den Namen?»
«Das habe ich euch bereits heute Morgen verraten», sagte Satella. «Ihr habt diesen Namen wiederholt im Schlaf aufgesagt.»
«Stimmt…»

Das Dorf Rulid war ein überschaubarer Ort. Für jemanden wie Ceadas, der hauptsächlich in Grossstädten im Real Life gelebt hatte, war der Ort nichts Weiteres als eine Ansammlung an Häusern mit einem kleinen Kloster.
Der Wachmann liess Ceadas und Satella ins Dorf hinein. Die meisten Menschen gingen dort ihren Tätigkeiten nach. Erstaunlicherweise konnte Ceadas kein Anzeichen von Faulheit oder ähnlichem finden. Alle Menschen waren fleissig wie die Bienen und ähnelten damit eher Maschinen.
Bevor sie sich umsahen, brachten sie den gewünschten Brief beim Bürgermeister vorbei und gingen dann zum kleinen Markt. Dort stöberte Ceadas mit Satella herum. Während das junge Mädchen ihre Einkaufsliste abarbeitete, sah sich Ceadas um. Doch in einem Moment der Unachtsamkeit wurde der ehemalige SAO-Spieler von hinten angerannt und mit zu Boden gerissen.
«Kirito, pass doch auf, wo du hingest», rief die Stimme eines Jungen.
«Kirito?», murmelte Ceadas leise.
Auf ihm lag ein Junge. Die Person, die ihn versehentlich zu Boden gerissen hatte. Sofort wurde dieser an den Schultern gepackt und von einem anderen Jungen wieder hochgerissen. Erst da sah Ceadas die beiden genauer. Der eine Junge war blond und hatte grünblaue Augen. Die Frisur zerzaust und die Kleidung in einem hellblauem Farbton gehalten. Der andere hingegen sah aus wie… Ceadas. Es war so, als ob er sein eigenes Spiegelbild betrachten würde. Nur waren Haar- und Augenfarbe schwarz statt braun. Dazu trug er keine Brille und dieselbe Kleidung wie der Blonde nur eben schwarzgrau.
Satella kam sofort angerannt und half Ceadas aufzustehen. «Mein Herr, geht es Euch gut? Was ist passiert?»
«Mir geht es gut. Er hat mich nur versehentlich umgerannt», sagte Ceadas.
«Kirito, du Idiot. Weisst du, wer das ist?», fragte der Blonde.
«Kirito? Du bist es also doch», entgegnete Ceadas. «Wie bist du hier gelandet?»
«Verzeiht, aber ich weiss nicht, was Ihr meint.»
«Verstehe», sagte Ceadas nickend. «In der Rolle bleiben.»
Plötzlich flog ein Schatten über das Dorf hinweg. Kirito und sein Freund sahen sich verängstigt an. Gleichzeitig sagten sie: «Alice!» Sofort rannten die beiden auch schon los.
Da bemerkte Ceadas, dass Kirito eine Art Knochenaxt mit sich trug.
«Was ist hier los?», fragte sich der Fechter und folgte ihnen.
Die Menschen des Dorfes scharrten sich auf dem grossen Platz vor dem Rathaus. Dort landete ein grosser, weisser Drache. Von dessen Rücken kletterte ein Ritter in einer weissen Rüstung herunter. Ein weisser Umhang hing von den dicken Schulterplatten und verdeckte die Waffen. Zwei Metallhörner ragten seitlich aus dem Helm heraus, der das Gesicht verdeckte.
«Was macht ein Integritätsritter hier?», fragte sich Satella laut.
«Ein Integritätsritter?», wiederholte Ceadas leise, während er zusah, wie der Bürgermeister Gasupht Zuberg zum Ritter ging und sich vor diesem verbeugte.
«Ich bin Gasupht Zuber, der Bürgermeister dieses Dorfes», stellte sich dieser erstmals vor.
Der Integritätsritter ging einen Schritt auf Zuberg zu und blieb daraufhin stehen. «Ich bin Deusolbert Synthesis Seven, ein Integritätsritter der Axiom-Kirche», stellte sich der Ritter vor. «Das gesamte Reich von Norlangarth unterliegt meiner Obhut. Gasupht Zuberg, Eure Tochter Alice Zuberg wird aufgrund eines Verstosses gegen das Tabu-Register festgenommen und im Anschluss nach einem Verhör exekutiert.»
Geschockt sahen alle Bewohner des Dorfen auf den Integritätsritter. Es fiel allen schwer, zu glauben, was er gerade gesagt hatte. Selbst Ceadas wurde mitgerissen und blieb wie versteinert stehen. Die kleinste Bewegung fiel ihm auf einmal schwer. Dabei war er doch schon in schlimmeren Situationen gewesen als diese hier.
«Der Verstoss richtet sich gegen Abschnitt eins, Paragraf drei, Absatz elf des Tabu-Registers. Eindringen in das Dark Territory», fuhr Deusolbert weiter.
Neben Ceadas fiel einem Mädchen ein Korb zu Boden, der mit Speisen und Eisbrocken gefüllt war, die alle rausfielen. Die kleinen Eisklumpen begannen zu schmelzen, während das blonde Mädchen still und schockiert dastand. Natürlich stellte sich Ceadas hierbei die Frage, warum sie nicht einfach wegrannte. An ihrer Stelle wäre er sofort weggerannt und hätte alles getan, um zu überleben, selbst wenn er Menschen opfern müsste.  Doch nun musste er zusehen, wie ihr eigener Vater sie an ein Geschirr festmachte, welches über eine Kette mit dem Drachen verbunden war. Zu gut konnte Ceadas ihr verängstigtes Gesicht sehen und die Trauer bei ihrem Vater.
Doch aus der Menge sprang der kleine Kirito hervor, der nach wie vor seine Knochenaxt in den Händen hielt. Nur zwei Schritte hinter ihm stand sein kleiner Freund mit den blonden Haaren, den Ceadas auch schon begegnet war.
«Herr Ritter!», rief Kirito. Sofort blieb auch Deusolbert stehen und drehte sich ihm zu. «Alice ist nicht ins Dark Territory eingedrungen. Das kann ich bezeugen! Sie hat mit nur einer Hand ganz leicht den Boden berührt, das war alles, ich schwöre es!»
«Dieses Schuldeingeständnis ändert nichts an der Tragweite ihrer Verstosses», entgegnete der Ritter.
«Was?», fragte Kirito. «Dann sind wir genauso schuldig wie sie. Denn wir sind mit ihr dort gewesen. Wenn Ihr sie mitnehmen wollt, dann nehmt gefälligst auch uns mit!»
Doch der Ritter ignorierte sie. Stattdessen ging er zum Bürgermeister und nahm ihm die Ketten seiner Tochter ab, die er nochmals an der Rüstung seines Drachens befestigte. Gerade als Deusolbert den Drachen besteigen wollte, preschte Kirito mit der Knochenaxt in den Händen los. Furchtlos rannte er sichtlich ohne Chancen auf den Ritter zu. Wie konnte er das nur tun? Doch Ceadas wusste warum. Er war schliesslich der Held von Aincrad und als solcher war er auch wie Ceadas in schlimmeren Situationen gewesen jetzt.
Als der Ritter sich umdrehte und zu Kirito sah, geschah etwas, was sich Ceadas nicht erklären konnte. Eine unsichtbare Kraft warf ihn zurück und die Axt genau zwischen Ceadas und dem blonden Jungen.
«Kirito!», rief sein Freund panisch.
«Ihr schafft diese beiden Rotzlöffel besser runter von diesem Platz», wies Deusolbert den Bürgermeister an.
Hektisch sah Ceadas zwischen Kirito und dem Ritter hin und her.
Da stand Kirito auf einmal auf und wollte wieder losrennen. «Wen nennst du hier einen Rotzlöffel?» Doch nach ein paar Schritten stürzten sich die Dorfbewohner auf ihn und rissen ihn zu Boden. Er konnte nur zusehen, wie Deusolbert den Drachen bestieg und sich zum Abflug bereitmachte. «Eugeo, worauf wartest du? Hol sie dir!»
Eugeo. So hiess der Blonde also. Ceadas sah diesen an, wie er unsicher zwischen dem Mädchen Alice und Kirito blickte. Doch nach ein paar Schritten blieb er selbst wie angewurzelt stehen. Er fasste sich mit einem schmerzerfülltem Gesicht ans rechte Auge.
Ein innerer Konflikt startete in Ceadas. Ein Teil von ihm wollte helfen, doch der andere Teil widerstand. Der letzte Blick auf Alice fällte jedoch die Entscheidung.
«Ich werde sterben», flüsterte Ceadas sich selber zu.
Er rannte los und schnappte sich die Knochenaxt vom Boden. Mit beiden Händen hielt er sie fest und war bereit zuzuschlagen. Der Ritter hingegen machte dasselbe wie schon bei Kirito. Eine unsichtbare Macht warf Ceadas zurück. Es fühlte sich an, als hätte jemand seinen Bauch mit einem Schwert aufgeschnitten, doch es war keine Wunde entstanden. Dafür sah Ceadas etwas anderes. Sein rechtes Auge begann nun wie bei Eugeo zu brennen. Alles wurde ein wenig rot gefärbt und eine Schrift tauchte auf. System Alert! Code: 871 schwebten vor ihm.
Das Letzte, was Ceadas noch sah, bevor sich die Menschen auch auf ihn stürzten, war, wie der weisse Drache mit Alice angekettet in den Himmel stieg und davonflog.
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