Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Ende aller Tage

von MrIndy81
GeschichteMystery, Übernatürlich / P12 / Gen
31.12.2020
16.01.2021
25
58.870
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
31.12.2020 3.137
 
„Hi, Mom“ rief Matt in Richtung Küche, als er durch die Eingangstür stürmte, eine kleine Links-Rechts-Drehung Richtung Treppe machte und diese zu seinem Zimmer hinauf sprintete. Dort legte er seine Schulsachen ab, zog sich rasch von den vielen Kleidungsteilen, die verstreut in seinem Zimmer herumlagen, etwas Bequemeres an, machte dann eine 180-Grad-Drehung und sprintete die Treppe wieder hinunter.
    „Bye, Mom“ rief er, als er durch die Haustür wieder hinaus rannte.
    „Denk dran, dass es in einer Stunde Essen gibt“ rief ihm seine Mutter noch hinterher, aber er schien es nicht mehr zu hören, oder wollte es nicht. Aber so sind Kinder nun mal.
    Matt wusste natürlich ganz genau wann es Essen gab, aber da er nie sonderlich viel Hunger hatte interessierte es ihn kaum. Er wollte sich viel lieber mit seinem besten Freund Jake treffen, um einfach noch so ein bisschen rumzuhängen.
    Matt kam es immer so vor, als würden sie sich schon ihr ganzes Leben lang kennen und wahrscheinlich lief es auch in etwa darauf hinaus. Sie waren jetzt beide neun Jahre alt, waren zusammen im Kindergarten, jetzt in derselben Schulklasse und unternahmen auch sonst fast alles zusammen. Auch ihre Eltern verstanden sich ganz gut, so dass es damit eigentlich nie Probleme gab.
    Dennoch waren sie leider nicht direkte Nachbarn, aber in einer Kleinstadt wie dieser machte das sowieso fast keinen Unterschied. Immerhin war die Stadt groß genug für eine eigene Schule, was ja schon mal nicht so schlecht war. Matt könnte sich gar nicht vorstellen, jeden Tag fünfzig Kilometer mit dem Bus in die nächste große Stadt hin und zurück fahren zu müssen. Grauenvoll.
    Inzwischen hatte er ihren Treffpunkt fast erreicht und während er nun die nahezu menschenleere Straße entlang schlenderte, merkte sogar er, dass es heute ungewöhnlich heiß war. Eigentlich war es dort, wo sie lebten, immer heiß. In der Wüstenlandschaft von Utah war es im Sommer regelmäßig locker über vierzig Grad, aber irgendwie war es wohl in letzter Zeit noch heißer als sonst. Matt fing schon an leicht zu schwitzen, und das tat er eigentlich nur selten. Man ist in diesem Teil der Welt schließlich an die Hitze gewöhnt. Es amüsierte ihn immer, wenn gelegentlich ein paar Durchreisende in der Stadt waren, die selbst im „Winter“ fast davon flossen.
    Schließlich hatte er ihren Treffpunkt erreicht, ein kleiner Platz an einer Straßenkreuzung, der etwa in der Mitte ihrer beiden Wohnungen lag. Eigentlich war Jake immer als Erster da, aber dieses Mal musste er noch über fünf Minuten in der prallen Sonne warten, bis er endlich kam. Es beruhigte Matt, dass auch er zwei, drei Schweißperlen auf der Stirn hatte.
    „Hi, du“ sagte Jake schon von weitem und als er schließlich herangekommen war, machten sie ihren persönlichen Handschlag. Diesen hatten sie schon so oft gemacht, dass beide gar nicht bewusst darüber nachdenken mussten: Dieser bestand zuerst aus einem Abklatschen der rechten Hand, zuerst mit der Innenseite, dann mit der Außenseite. Schließlich gab es noch einen kurzen Schlag mit der geballten Faust, der mit einem explosionsartigen Abspreizen der Finger endete. Beide fanden, dass das ziemlich cool aussehen musste.
    „Du hast dir heute viel Zeit gelassen“ meinte Matt. „War was?“
    „Nee. Ich bin nur kurz von meiner Mutter aufgehalten worden. Nichts Wichtiges.“
    Jake sah aus wie immer mit diesem schrecklich kindischen Grinsen im Gesicht, dem man nie Böse sein konnte. Dennoch hatte Matt das Gefühl, dass da mehr dahinter steckte. Aber sie beide kannten sich jetzt schon lange genug, so dass er wusste, dass Jake schon von alleine damit rausrücken würde, wenn er es für richtig hielt.
    „Na gut, dann lass uns mal gehen“ sagte Matt. Jake nickte nur und begann mit dem Fußball zu dribbeln, den er die ganze Zeit unter dem linken Arm gehalten hatte. Also gingen sie die Querstraße in Richtung Bolzplatz entlang, der am Rande der Stadt lag.
    Nach einer Weile fragte Matt: „Was hältst du davon, wenn wir in diesen Sommerferien mal zusammen was richtig Großes unternehmen? Meine Mutter hat gesagt, dass sie es toll fände, wenn unsere beiden Familien gemeinsam in Urlaub fahren würden. Wie fändest du das?“
    Jake legte wieder dieses Lächeln auf, aber es dauerte zwei Sekunden bis er antwortete: „Klar! Das wär echt toll.“
    „Klasse. Am besten fragst du deine Eltern gleich mal danach, wenn du später nach Hause kommst“ ergänzte Matt.
    Jake nickte darauf nur leicht und beschleunigte etwas seine Schritte. Matt war von diesem Verhalten zwar etwas irritiert, dachte sich aber nichts weiter dabei.
    Am Bolzplatz angekommen, dribbelte Jake zunächst zwei Schleifen mit dem Ball, bevor er sich auf den Boden fallen ließ, als hätte er gerade seine ganze Kraft eingebüßt. Er legte sich auf den Rücken und streckte alle Viere von sich. Als Matt ebenfalls angekommen war, legte er sich neben ihn.
    „Schon müde?“ fragte er belustigt.
    Normalerweise hätte Jake jetzt irgendeinen blöden Spruch von sich gegeben - z.B. „Klar, ich hab ja auch schwer geschuftet“ -, aber dieses Mal reagierte er nicht. Er lag einfach nur da.
    Nach einer kurzen Pause sagte er dann aber doch etwas: „Hör zu, ich muss dir dringend was erzählen.“
    Matt war alarmiert. Es kam nicht oft vor, dass Jake sich so todernst anhörte. Sicher waren es keine guten Nachrichten, die er zu verkünden hatte. Plötzlich musste er wieder an all die anderen Male denken, an denen Jake sich heute schon seltsam verhalten hatte. Matt richtete sich etwas auf und sah seinen Freund an.
    Da dieser sich offensichtlich schwer damit tat weiterzureden, versuchte Matt nachzuhelfen: „Was ist denn los?“
    Gerade als Jake antworten wollte kam plötzlich ein Rauschen auf, so als würde ein heftiger Wind wehen. Dummerweise war kein Wind zu spüren und keine Wolke am Himmel. Dann wurden Jakes Augen auf einmal sehr groß, aber er sah nicht Matt an, sondern an ihm vorbei auf etwas, das hinter ihm lag.
    Matt runzelte kurz die Stirn, drehte er sich dann aber auch um und sah in Richtung des seltsamen Rauschens. Schließlich wurden auch seine Augen ganz groß und er konnte nicht anders, als gebannt auf das Schauspiel zu starren, das sich ihnen gerade bot.
    Er wollte etwas sagen, aber ihm blieb jedes Wort im Halse stecken.
    Ein riesiger Feuerball schien direkt über ihnen niederzugehen. Wenn Matt sich später daran zurückerinnerte musste er zugeben, dass er eigentlich gar nicht so riesig gewesen war. Wahrscheinlich keine fünf Meter im Durchmesser. Sie hatten das Objekt wohl nur deshalb sehen können, weil es direkt über ihnen hinwegflog.
    Beide folgten seiner Flugbahn gespannt, bis es schließlich, gar nicht so weit von ihnen entfernt, abstürzte. Matt dachte, dass sie einen lauten Knall hören müssten, aber das Einzige, was sie wahrnahmen, war, dass das Rauschen aufgehört hatte. Ansonsten war es totenstill.
    Beide sprangen fast gleichzeitig auf und Matt war der Erste, der wieder Worte fand: „Was war das denn?“ stieß er keuchend aus.
„Keine Ahnung“ antwortete Jake. „Vielleicht ein Asteroid?“
    Matt dachte kurz darüber nach und sagte dann: „Der Aufschlagpunkt kann keine zwei Kilometer entfernt sein. Man hätte doch einen Knall hören müssen. Er müsste doch zumindest was von dem Wüstensand aufgewirbelt haben, aber es ist nichts zu sehen. Wie vom Erdboden verschluckt.“
    „Also war es kein Asteroid“ schloss Jake aus den umständlichen Ausführungen seines Freundes. Matt war immer der   „Intellektuellere“ von ihnen gewesen, aber trotzdem wollte Jake seinen Senf dazu abgeben: „Vielleicht ist er ja genau in dem Moment verdampft, in dem er die Erde berührt hat.“
    „Ich weiß nicht“ erwiderte Matt. „Dazu war er eigentlich viel zu groß.“ Nach einer kurzen Pause schlug er dann vor: „Vielleicht war es ja ein Satellit?“
    „Verhält der sich anders wie ein normaler Gesteinsbrocken?“
    „Eigentlich nicht“ gab Matt zu.
    „Weißt du was? Warum gehen wir nicht einfach nachsehen?“ fragte Jake und noch bevor Matt etwas hätte sagen können rannte er in die Richtung los, in der das mysteriöse Objekt niedergegangen war.
    Matt stöhnte kurz auf, aber da er wohl keine andere Wahl hatte, rannte er Jake hinterher. Es wurde zwar ein kleiner Dauerlauf, aber es stellte sich heraus, dass das Objekt wohl doch nicht soweit entfernt war, wie sie gedacht hatten. Aber sie waren trotzdem etwas außer Puste, als sie endlich etwas am Boden glitzern sahen.
    Jake blieb etwa hundert Meter entfernt stehen und wartete, wieder einmal, bis auch Matt herangekommen war. Nach einer kurzen Verschnaufpause legten sie dann gemeinsam das letzte Stück zu dem glitzernden Ding zurück. Es reflektierte das Sonnenlicht aber so stark, dass selbst dann noch nichts zu erkennen war, als sie nur noch wenige Meter davon entfernt waren.
    Schließlich offenbarte es sich aber doch ihren Augen und sie blieben wie angewurzelt stehen.
    Man hätte wirklich zuerst meinen können es wäre ein Asteroid. Aber dafür hatte es viel zu regelmäßige glatte Formen. Außerdem schimmerte es blau, und wer hatte schon je etwas von einem blauen Asteroiden gehört? Immerhin war das Objekt wirklich nicht größer als ein paar Meter im Durchmesser.
    Matt war sofort davon fasziniert und ging noch näher heran. Er sah nun, dass das Objekt flache Seiten und gerade Kanten hatte. Sie schienen zwar nicht regelmäßig zu sein - jedenfalls entsprachen sie keiner Ordnung, die er kannte -, aber dennoch irgendwie gewollt. Es war schwer zu umschreiben.
    Nachdem Matt das blau schimmernde Etwas etwa eine Minute lang angestarrt hatte, ging er noch näher heran und streckte dabei vorsichtig eine Hand aus. Aber bevor er es berührte, zog er sie wieder zurück und begann stattdessen das Objekt zu umrunden.
Es sah eigentlich von allen Seiten gleich aus, auch wenn die Formen, wie schon gesagt, nicht symmetrisch waren. Als er seine Runde beendet hatte, streckte er wieder die Hand aus.
    „Spinnst du? Lass das! Du solltest das nicht anfassen!“ hörte er jemanden hinter sich sagen. Matt zog seine Hand ein weiteres Mal zurück und drehte sich um. Es war natürlich Jake, der das gesagt hatte, aber irgendwie hatte seine Stimme verzerrt geklungen und Matt hätte sie fast nicht wieder erkannt.
    Jake, der die ganze Zeit am selben Fleck gestanden hatte, schloss nun zu seinem Freund auf. Aber man sah ihm trotzdem an, dass er nur sehr widerwillig näher kam.
    „Ist das nicht unglaublich?“ sagte Matt in einem schwärmerischen Ton, als Jake schließlich bei ihm war.
    „Ja“ antwortete Jake. Er schien nicht ganz so begeistert zu sein.
    „Das kann unmöglich natürlichen Ursprungs sein!“ meinte Matt.
    „Wer weiß schon, was das Militär alles da hoch geschossen hat.“
    „Aber was sollte der Zweck davon sein?“ fragte Matt. „Es ist keine Raumkapsel oder so was. Es hat keine Fenster, keinen sichtbaren Eingang und keinen Antrieb. Eigentlich hat es gar nichts. Ein Satellit ist es auch nicht. Viel zu klein und ohne Antenne.“
    Jake war beunruhigt. Schließlich sagte Matt das, was unausweichlich schien.
    „Vielleicht ist es ja außerirdisch?“
    Da war er, der alles entscheidende Satz. Eigentlich hätte Jake darüber lachen müssen, aber er fühlte sich ganz und gar nicht danach. Stattdessen sagte er:
    „Was es auch ist, ich fühle mich nicht wohl dabei. Ich glaube, das ist gefährlich!“
    „Gefährlich? Warum? Das ist nur ein Stück komisch aussehender Fels. Wenn auch kein Material, das ich kenne.“
    „Ich weiß nicht“ erwiderte Jake. „Irgendetwas stimmt damit nicht.“
    Matt schien das nicht hören zu wollen. Er streckte wieder langsam seine Hand aus – aller guten Dinge sind schließlich drei - und sagte dabei: „Ich glaube, das Ding ist eiskalt. Wenn es durch die Atmosphäre gekommen ist, müsste es doch glühen oder einen Krater hinterlassen haben?“
    „Du solltest das lieber nicht anfassen“ sagte Jake, aber in Matts Ohren hörte sich das wenig überzeugend an. Also führte er sein Vorhaben dieses Mal zu Ende.
    Im Moment der Berührung glaubte Matt er müsse verbrennen, platzen oder sonst eines grausamen Todes sterben. Aber nachdem diese Phase vorbei war, geschah gar nichts. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
    Matt fühlte nichts. Es war so, als wäre das blaue Ding gar nicht da. Es war nicht so, dass er hätte hindurch fassen können, es gab schon irgendwie einen Widerstand, aber seine Fingerkuppen registrierten einfach nichts. Er zog seine Hand wieder zurück und berührte sein Gesicht damit. Jetzt war alles wieder wie immer. Also konnte es nicht an ihm liegen.
    Matt war einfach nur noch fasziniert. Am liebsten hätte er die Hand noch tausendmal ausgestreckt und bestimmt wären ihm dabei auch noch ganz andere tolle Sachen eingefallen, die er hätte tun können. Aber da war auch noch Jake, und der ging nun dazwischen.
    „Ich glaube das reicht jetzt“ sagte er. Er griff nach Matts Hand, zog ihn damit von dem Ding weg und zu ihm hin. Matt hatte dabei so einen seltsamen Ausdruck in den Augen, fast wie hypnotisiert, und das gefiel Jake gar nicht. Also zog er Matt noch etwas weiter weg.
    „Ich glaube, wir sollten jetzt gehen“ sagte er.
    „Aber warum?“ fragte Matt und hörte sich fast etwas wie in Trance an. Er begann zu versuchen seinen Arm frei zu bekommen, den Jake immer noch festhielt, aber dieser ließ nicht locker.
    „Meinst du wir sind die Einzigen, die den gesehen haben?“ sagte Jake nun. Matt erwiderte nichts. „Ich bin sicher, dass die Astronomen den schon viel früher entdeckt haben und jetzt der halbe Geheimdienst und die Militärs hierher unterwegs sind. Und ehrlich gesagt: Dann will ich lieber nicht hier sein.“
    Endlich schien Matt etwas wacher zu werden und zu reagieren. „Jetzt komm schon“ drängte Jake. „Lass uns verschwinden!“
    Er zog Matt noch weiter von dem blauen reflektierenden Objekt weg, und je weiter sie sich entfernten, desto wacher schien Matt zu werden. Schließlich begann er sogar eigenständig zu laufen.
    Jake ließ ihn los, rannte aber dieses Mal nicht voraus, sondern blieb sicherheitshalber immer einen halben Schritt hinter ihm, falls es sich sein Freund doch noch mal anders überlegen sollte. Aber ihm wurde schnell klar, was immer Matt auch in seinen Bann gezogen hatte, war nun fürs Erste wieder gebrochen.
    Während sie liefen überlegte Jake kurz, warum Matt so fasziniert, ja fast hypnotisiert davon gewesen war und er selbst nicht. Er hatte sogar fast das Gegenteil davon empfunden. Aber schon kurze Zeit später erschien es ihm besser, sich lieber wieder auf Matt zu konzentrieren, der immer noch nicht so richtig bei sich zu sein schien.
    Und so liefen sie ohne weitere Zwischenfälle in ihre Kleinstadt zurück.
Dennoch beschlich Jake noch lange Zeit das Gefühl, dass von dem Ding in der Wüste eine große Gefahr ausging, nicht nur für sie persönlich, sondern für alle. Überall...

***


    Jake kam an diesem Tag nicht mehr dazu Matt zu sagen, was ihm auf dem Herzen lag. Der Grund, warum er zu spät zu ihrem Treffpunkt gekommen war und den ganzen Tag so verhältnismäßig ernst gewesen war. Dazu waren sie einfach zu abgelenkt gewesen.
    Sie waren ohne Zwischenfälle wieder in die Stadt zurückgekommen. Sie waren ziemlich außer Atem von dem ganzen Gerenne und hatten einen knallroten Kopf von der Anstrengung. Man rannte schließlich nicht jeden Tag kilometerlange Wege durch die Wüste.
    Jake hatte die ganze Zeit ein Auge auf Matt geworfen. Inzwischen schien er wirklich wieder okay zu sein, aber eben doch nicht ganz. Irgendetwas stimmte immer noch nicht.
    Er entschied sich Matt besser noch bis nach Hause zu begleiten. Dieser wehrte sich und meinte, dass das nicht nötig sei, aber Jake ließ sich nicht beirren.
    Sie verabschiedeten sich vor seiner Haustür, Matt ging hinein und dann machte sich auch Jake auf den Heimweg. Er selbst fühlte sich auch nicht besonders gut.
    Es dauerte noch einige Tage, bis Jake das Gefühl hatte, dass Matt wirklich wieder ganz der Alte war.
    Jake hatte in den darauf folgenden Tagen jede Zeitung, die er in die Finger bekommen konnte, durchgeblättert, aber nirgends war auch nur ansatzweise etwas über ein unbekanntes Objekt aus dem All zu lesen. Er konnte es sich nicht vorstellen, dass es unbemerkt geblieben war, also hatte es sich der Geheimdienst wahrscheinlich wirklich unter den Nagel gerissen.
Irgendwie war es schon faszinierend, aber auch unheimlich.
    Jake haderte lange mit sich, entschied sich dann aber doch ein paar Wochen nach dem Ereignis noch einmal ohne Matt in die Wüste hinauszugehen und nachzusehen. Wie er erwartet hatte, fand er dort nichts als Sand.
    Er wusste nicht, ob er darüber froh oder besorgt sein sollte. Er überlegte kurz, ob es wirklich die richtige Stelle war, war sich aber eigentlich ziemlich sicher. Dennoch war kein Anzeichen mehr von diesem seltsamen Objekt zu sehen.
    Wie vom Erdboden verschluckt.
    Er schritt noch etwas die Umgebung ab, fand aber auch in näherem Umkreis weder ein Zeichen für die Anwesenheit des Objektes, noch dafür, dass es irgendwie abtransportiert worden wäre. Aber wie auch: Sand verwischt sehr schnell jegliche Spuren.
    Jake hatte immer noch dieses unbestimmte Gefühl von Gefahr, wenn er sich dieses blaue Leuchten und die unregelmäßigen Formen in sein Gedächtnis zurückrief. Aber er hatte nun keinen Einfluss mehr darauf und darüber war er irgendwie auch ganz froh.
    Mit gemischten Gefühlen machte er sich auf den Rückweg.
    Wiederum einige Tage später sah Jake den richtigen Moment gekommen, um seinem besten Freund endlich die Wahrheit zu sagen: Er musste schon in ein paar Monaten umziehen. Weg aus dieser Kleinstadt in einen wesentlich größeren Ort im etwas kühleren Nordwesten. Auf jeden Fall einige hundert Kilometer entfernt. Sein Vater wurde nämlich im Zuge einer Beförderung dorthin versetzt und natürlich musste die ganze Familie mitkommen.
    Es fiel Jake schwer darüber zu reden, und Matt wollte es erst nicht wahr haben. Aber es ließ sich nun mal nicht ändern. Es würde also nichts aus den gemeinsamen Sommerferien werden.
    In Wahrheit war es sogar so, dass sie noch einige Zeit Briefkontakt pflegten, Jake sogar einmal zu Besuch kam, aber wie das bei jungen Menschen nun mal so ist, hatten sie schon schnell ihre eigenen Leben mit eigenen Problemen. So wurden die Kontakte immer seltener.
    Als Matt ein paar Jahre später ebenfalls mit Sack und Pack aus ihrer Heimatstadt an die Ostküste zog, brach der Kontakt endgültig ab.
    Selbst langjährige Freundschaften können in die Brüche gehen, wenn man sich nur oberflächlich darum bemüht.
    Und so war es auch hier.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast