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Ist es Liebe, die mich in deine Arme treibt oder fliehe ich nur vor dem richtigen Leben?

von LillyE92
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Der Tod OC (Own Character)
30.12.2020
01.01.2021
2
1.578
5
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
01.01.2021 1.333
 
Perspektive des Todes:
Mir war langweilig. Das war ein Gefühl, dass mich jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit begleitete. Es ist schon so viele Jahre her, dass ich meine geliebte Elisabeth in mein Reich geholt hatte. So viele Seelen hatte ich vor und nach ihr geholt, doch keine war so stur wie sie. Keine hatte je diese Liebe zur Freiheit besessen. Ich seufzte. Elisabeth war so um ihre Freiheit bemüht und nun, wo sie tot war, hatte ich sie doch nicht für mich gewonnen. Irgendwie hoffte ich, dass ich bald eine Seele finden würde, die wie sie wäre. Freiheitsliebend, stur und stolz. Ein Todesengel riss mich aus meinen Gedanken. „Herr, es ist Zeit, dass Ihr weiterarbeitet.“, sagte er vorsichtig. Er wusste, dass ich es nicht mochte gestört zu werden. „Ja, ja.“, murrte ich unwillig. Die Arbeit erfüllte mich momentan einfach nicht. Das Seelensammeln war zu einer Tätigkeit geworden, die ich nur zu gerne auf meine Todesengel delegierte.

Jessikas Perspektive:
„Hallo Mama! Papa! Seid Ihr zu Hause?“ Meine Mutter Anna antwortete sofort: „Ja, Schatz. Wir sind im Wohnzimmer.“ Ich ging zu ihnen. „Was ist denn los?“, fragte meine Mutter weiter. „Ist Lina krank oder hast du dich wieder mit Jonas gestritten?“ Bei dem letzten Teil ihrer Frage klang ihre Stimme vorwurfsvoll, so als hätte grundsätzlich ich die Schuld, wenn mein Mann und ich Streit hatten. „Lina geht es gut, sie ist nicht krank.“ Ich seufzte. „Mein Mann ignoriert mich mal wieder“, fing ich an zu erklären. „Kann ich für ein oder zwei Tage bei euch bleiben?“ Mein Vater David sah von dieser Frage überhaupt nicht begeistert aus. „Nein, Jessy. Du hast dein eigenes Zuhause. Du kannst dort hin.“ Ich seufzte. „Du solltest mit deinem Mann sprechen, Jessy. Mit Sicherheit hat er nur viel zu tun und meint es nicht so. Oder hast du etwas angestellt, warum er wütend auf dich ist?“, sagte meine Mutter. Das war ja wieder typisch. Wenn etwas war, war es meine Schuld. „Ja, ja. Danke für eure Nächstenliebe, liebe Mama, lieber Papa“, sagte ich sarkastisch und wandte mich von ihnen ab. Ich hatte keine Lust mir jetzt noch eine Standpauke anhören zu können, weil ich ja so „frech“ war. „Tschüss, ich geh jetzt noch ein wenig spazieren.“ Mit diesen Worten verließ ich wieder die Wohnung. Ich lief einige Zeit. Ein tiefes Gefühl von Einsamkeit durchflutete mich. „Ich will nicht mehr.“, flüsterte ich mit tränenerstickter Stimme. „Oh lieber Tod, mein süßer Tod… warum kommst du nicht und zeigst dich mir?“

Perspektive des Todes:
Ohne, dass sie mich wahrnehmen konnte, beobachtete ich die junge Frau. Sofort fühlte ich mich an Elisabeth erinnert. Eine junge Frau, gefangen in einer unglücklichen Beziehung und mit einem tiefen Verlangen nach Freiheit und Verständnis. „Ihre Seele ist so voll Kummer und Schmerz. Sie ist interessant. So wie sie nach mir verlangt.“ Kurz überlegte ich, mich hier zu zeigen, doch es wäre besser, sie im Traum aufzusuchen, wo nur sie mich sehen könnte. Endlich hatte ich jemanden gefunden, der wieder mein Interesse wecken konnte. Mit einem warmen Gefühl in meiner Brust ging ich zurück in mein Reich. Nun musste ich nur noch darauf warten, dass sie schläft. Ich war voller Vorfreude darauf, sie im Traum zu besuchen. Ach, wie würde das Spaß machen, wieder Intrigen zu sähen und sie für mich zu gewinnen.

Jessikas Perspektive:
Ich war noch einige Zeit spazieren gegangen und lehnte mich dann im Park gegen einen Baum. Ich wollte noch nicht nach Hause zurückkehren zu einem Mann, der mich einfach nicht verstehen wollte. Er verstand nicht, wie sehr mich sein Verhalten verletzte. Oder er wollte es nicht sehen. Und zu meinen Eltern wollte ich auch nicht zurückkehren. Sie würden nur dafür sorgen, dass ich mich noch schlechter fühlte. Irgendwann schloss ich einfach die Augen und fiel in einen tiefen Schlaf.

***Traumbeginn***
Ich war auf einer schönen Wiese. Überall um mich herum waren rote und weiße Rosen. Es war wunderschön und friedlich hier. Ich wollte am liebsten gar nicht mehr weg. Ein bisschen von mir entfernt sah ich einen Birkenbaum, an dem auch eine Bank stand. Sofort lief ich dort hin. Ich liebte Birkenbäume. Irgendwie fand ich sie wunderschön. Genauso wie die Rosen. Ich setzte mich auf die Bank und genoss einfach die friedliche Stimmung des Traumes.

Perspektive des Todes:
Ich drang in ihren Traum ein und war überrascht, dass sie trotz ihrer traurigen Stimmung einen so schönen Traum hatte. Langsam ging ich auf sie zu, nachdem ich sie einen Augenblick beobachtet hatte. Ich sah, wie sie unruhig wurde. Scheinbar fühlte sie sich von mir beobachtet. Ich lächelte, als sie sich umwandte und mich direkt ansah. Ganz in Schwarz gekleidet kam ich näher. „Wer bist du?“, fragte Jessy mich mit zitternder Stimme. Sie verstand nicht, warum ich in ihrem Traum auftauchte. Eigentlich ein Wunder, so sehr, wie sie sich mit dem Musical Elisabeth beschäftigte. „Ich bin der, den du als letztes sehen wirst, meine Schöne“, hauchte ich ihr zu. Sie wirkte leicht geschockt, schien mir aber ohne Probleme zu glauben. Bemerkenswert fand ich jedoch, dass sie keine Angst vor mir hatte. Keine Angst vor dem Tod zu haben, war für einen Menschen wirklich ungewöhnlich.

Jessikas Perspektive:
Der Mann war der Tod. Ich glaubte ihm sofort, da es sein Aussehen, seine Präsenz und diese mächtige Ausstrahlung erklärte. Trotzdem fühlte ich keine Angst in mir. Ich fühlte mich glücklich in seiner Gegenwart. Lag es daran, dass ich das Musical so gerne mochte oder lag es an diesem Traum? Ich wusste es nicht.

Perspektive des Todes:
Die junge Frau hatte eine bemerkenswerte Seele. Um ihre Seele herum lag eine Aura, die sie wie ein Panzer schützen sollte. Ungewöhnlich. Wahrscheinlich war sie schon oft von anderen Menschen verletzt worden, sodass sie nun versuchte sich so zu schützen. Ich müsste mich vorsichtig an sie herantasten, dessen war ich mir bewusst. Und sobald ich wüsste, wer für diesen seelischen Schmerz verantwortlich war, könnte ich dies zu meinem Vorteil nutzen. Jede Schwäche, die sie mir zeigte, gab mir eine Möglichkeit sie für mich zu gewinnen. Es würde einfach sein, Zweifel in ihr Herz zu streuen, denn wenn ihr Herz gebrochen war, würde ich für sie da sein und ihr Trost schenken. Ich wusste, es würde nicht lange dauern und dann wäre sie für immer mein.
„Warum bist du hier, Herrscher der Toten?“, fragte mich Jessika und verstand noch nicht, was ich von ihr wollen könnte. Süßes, naives Ding. „Ich spürte, dass du Kummer hast, liebe Jessy. Ich wollte wissen, wer einem solch bezaubernden Wesen Kummer bereiten würde“, schmeichelte ihr und kam näher. Ich streichelte ihr mit einer Hand über die Wange. „Lass mich versuchen deinen Kummer zu heilen.“, fügte ich sanft hinzu. Ich sah den Unglauben und die Überraschung in ihrem Blick, doch sie schien sich mir anvertrauen zu wollen. In manchen Menschen weckte der Tod einfach das Gefühl, sich nun alles von seiner Seele reden zu können. Sie fing an zu reden. Erzählte von ihrem Mann und ihrer unglücklichen Beziehung. Von ihren Eltern und wie einsam sie sich fühlte. Das Gefühl der Einsamkeit kannte ich nur zu gut. Auch wusste ich, wie es war, wenn niemand einen versteht. Die Todesengel verstanden mich schließlich auch nicht. Jessy tat mir leid. Wie gerne würde ich sie in meinen Armen halten und nicht mehr loslassen. Aber so einfach war es nicht ihr den Schutz zu geben, den sie brauchte. Ich streichelte noch einmal über ihre Wange. „Wenn du mich brauchst, ruf mich und ich werde kommen und für dich da sein.“, sagte ich ihr eindringlich. „Ich muss jetzt gehen und du wirst gleich aufwachen. Auf Wiedersehen meine Schöne. Bis bald.“ Und mit diesen Worten verschwand ich aus ihrem Traum.

Jessikas Perspektive:
Leider hatte der Tod Recht. Nur wenige Sekunden, nachdem er aus meinem Traum verschwunden war, wachte ich auf. Noch immer lehnte ich an dem Baum. Das war der schönste Traum seit langem. Nachdem ich mir meine Sorgen beim Tod von der Seele geredet hatte fühlte ich mich ein wenig besser und so beschloss ich heim zu gehen zu meinem Mann und meiner Tochter.
 
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