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Wir müssen reden

von Calandraa
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael
29.12.2020
29.12.2020
1
893
5
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Dieses Kapitel
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29.12.2020 893
 
Das ist die deutsche Fassung einer kleinen Geschichte, die ich für einen Discord Server zum Stichwort „Confessions“, also „Missverständnisse“ geschrieben habe.

Das Original findet ihr hier: https://archiveofourown.org/works/26612653

"Wir müssen reden."

Die Worte rangen immer noch in Crowleys Ohren. Er wusste, was das bedeutete. Natürlich wusste er es. Er war ja kein Idiot. Na ja, vielleicht war er doch einer. Immerhin hatte er sich eingeredet, es könnte funktionieren. Aziraphale und er. Zusammen. Ein Paar.

Um fair zu sein, für eine Weile hatte es. Also, funktioniert. An ihren geheimen Treffen aus der Vergangenheit hatte sich nicht viel geändert. Nur waren sie nicht mehr geheim, fanden häufiger statt und Aziraphale und Crowley gingen danach nicht mehr getrennter Wege. Sie gingen gemeinsam heim, für gemütliche Abende und leidenschaftliche Nächte.

Dennoch. Crowley hätte es wissen müssen. Aziraphale war ein Engel. Ein kluger. Früher oder später musste er merken, dass er zu gut für einen dummen Dämon war.

Sie könnten Freunde bleiben, oder? Ja, zumindest das. Eine Welt ohne Aziraphale war es nicht wert, darin zu leben. Aber es würde schwierig werden, zum alten Modus Operandi zurückzukehren, nun, da er wusste, was es bedeutete, Aziraphale voll und ganz zu haben.

Aber Crowley konnte es schaffen. Für Aziraphale konnte er alles schaffen.

Würde Aziraphale mit anderen ausgehen? Würde Crowley zusehen müssen, wie andere Männer seinen Engel anfassten? Oder Frauen? Nun, nein, okay, das war lächerlich. Aber andere Männer? Die Eifersucht fraß Crowley bei dem bloßen Gedanken daran lebendig auf.

Stöhnend ließ er seine Stirn gegen das Fenster fallen. Crowley hoffte, sein Engel hatte an seinen Schirm gedacht. Es regnete stark. Dicke Tropfen rannen über das makellose Glas des Fensters und gaben einen verschwommen Blick auf einen grauen Londoner Nachmittag frei. Crowley starrte ohne zu blinzeln auf die Straße. Er wartete. Auf Aziraphale. Auf die Worte. Auf das Unvermeidliche.

Aziraphale hatte es nicht telefonisch besprechen wollen. Natürlich nicht. Aziraphale war eine freundliche Seele. Er würde sein Bestes tun, um es Crowley schonend beizubringen. Er würde süße und sanfte Worte finden, um den Herzschmerz zu lindern. Nur gab es keine Linderung für die Wunde, Aziraphale zu verlieren.

Crowley wusste das, weil er diese Wunde schon einmal erlitten hatte. Nun, wenn er genauer darüber nachdachte: Es gab eine Linderung für die Wunde, Aziraphale zu verlieren: ihn zurückzubekommen.

Ja, Trennungen waren nicht immer endgültig, oder? Millionen von Menschen trennten sich und kamen wieder zusammen. Crowley würde es wie ein Erwachsener akzeptieren, seine Eifersucht gegenüber anderen Bewerbern unterdrücken, im Laufe der Zeit beweisen, dass er mehr als ein dummer Dämon sein konnte (er musste nur herausfinden, wie) und Aziraphale zurückgewinnen! Richtig. Das würde funktionieren. Könnte klappen. Vielleicht.

Ein Klopfen beendete Crowleys hypothetische Überlegungen. Es wurde jetzt sehr real. Er schluckte und ging, die Tür zu öffnen.

Wie erwartet stand Aziraphale, vorsichtig lächelnd, auf der anderen Seite. Nasses blondes Haar klebte an seiner Stirn, sein Mantel war durchnässt und er hatte Pfützen im Flur zurückgelassen.

"Hallo, mein Lieber."

Crowley seufzte. Mit einem Fingerschnippen beseitigte er das Chaos, bevor Aziraphale eintrat.

"Wo ist dein Regenschirm, Engel?"

"Äh, ich habe ihn weggegeben", sagte Aziraphale beiläufig.

"Natürlich hast du das." Crowley stand unbeholfen in seiner eigenen Wohnung und versuchte, Aziraphales Blick zu vermeiden. "Du ... ähm ... wolltest reden?"

"Ah, ja", sagte Aziraphale. "Es ist ziemlich dringend, aber ich hab es immer wieder hinaus gezögert."

Crowley schluckte.

"Oh?" Bleib ruhig. Nimm es wie ein Mann ... Dämon ... stabile Person ... nimm es einfach irgendwie.

"Ja, es ist nicht einfach, verstehst du", sagte Aziraphale und spielte mit dem Ärmel seines Mantels. "Ich habe ein Geständnis zu machen."

"Ich höre." Lass ihn jetzt gehen. Gewinne ihn später zurück.

"Richtig, ich ..." begann Aziraphale.

Keine Tränen, kein Streit, sei erwachsen. Übe keinen Druck auf ihn aus.

"Ich ..." Aziraphale holte tief Luft. "Ich hasse deine Wohnung!"

Crowley blinzelte.

"Was?"

"Es tut mir Leid, Liebster! Aber es ist so unpersönlich und kalt und gruselig. So viel Platz und so wenig Möbel. Ehrlich gesagt, erinnert es mich an den Himmel. Nur gibt es oben nicht so viel verstörende Kunst. Der Raum mit den Pflanzen wäre schön, würde nicht so viel Angst und Schrecken von den armen Dingern ausgehen. Und stolz auf dich zu sein, ist eine Sache, sieben Spiegel im Schlafzimmer zu haben eine ganz andere. Oh, und frag‘ mich gar nicht erst nach deiner Küche... "

"Du hasst meine Wohnung?" wiederholte Crowley.

"Ja, das sagte ich."

"Und darüber wolltest du sprechen?"

"Ja", sagte Aziraphale schnell. "Schau, Mayfair ist wunderschön, der Schnitt der Wohnung ist großartig, aber wir brauchen mehr Möbel, Liebster. Stühle, die tatsächlich zum Sitzen geeignet sind, Bücherregale, Bücher natürlich, Pflanzen ohne Todesangst, mehr Farbe, vielleicht… hmmpf. “

Crowley unterbrach Aziraphale mit einem stürmischen Kuss.

"Was auch immer du willst, Engel!" sagte er, als er nach einer Weile von Aziraphale abließ. "Ich möchte, dass du dich hier zu Hause fühlst."

Aziraphale sah erleichtert aus.

„Danke, Liebster“, sagte er mit einem Lächeln. "Ich hatte Angst, du findest, ich denke zu viel nach."

Lachend vergrub Crowley sein Gesicht in Aziraphales Schultern.

"Keine Sorge, Engel", lachte er. "Zu viel denken kann ich sehr gut nachvollziehen."
 
 
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