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Vaterliebe

GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Draco Malfoy Lucius Malfoy Remus "Moony" Lupin
29.12.2020
20.01.2021
7
19.192
14
Alle Kapitel
44 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
13.01.2021 3.280
 
Guten Abend!
Noch habe ich ein wenig Vorrat, daher gleich heute das nächste Kapitel, Ihr fiebert ja so richtig mit. Diesmal erfährt Lucius, wie es mit ihm weitergeht. Hätte jemand DAMIT gerechnet? Ihr fragt Euch, was mit Remus ist oder sein wird? Das kommt auch noch. Bis hieraus ein richtiges Pairing wird, dauert es allerdings noch eine ganze Weile, da steht einfach noch zu viel im Weg, ich fände es unrealistisch, wenn sie sich jetzt schon in die Arme fallen und sich ihre Liebe schwören... Das muss wachsen, auch wenn die Bindung natürlich ihren Teil dazu beiträgt!
Okay, genug geredet, jetzt geht es weiter mit dem fünften Kapitel! Viel Spaß damit!
Liebe Grüße
Eure Rotfuchs


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Lucius wusste nicht, wie lange er bereits auf dem kalten Boden gelegen hatte, als Severus zu ihm zurück kam. Der Tränkemeister half ihm auf und stützte ihn, sodass Lucius es in eines der Gästezimmer schaffte. Dort brachte Severus ihn ins Bad und half ihm, sich zu duschen. Wie verrückt schrubbte Lucius seinen Körper, um die Spuren abzuwaschen, auch wenn er wusste, das würde wohl nicht helfen. Tränen liefen aus seinen Augen, mischten sich mit dem Wasser aus der Dusche. Ungesehen liefen sie über die Wangen und tropften auf den Wannenboden. Irgendwann drehte Severus das Wasser ab und wickelte Lucius in eines der weichen Handtücher. Offenbar hatte er es vorgewärmt. Lucius schaffte es nicht, sich selbst abzutrocknen, so sehr zitterte er inzwischen. Wortlos übernahm Severus auch hier. Er half Lucius in neue Kleidung und brachte ihn dann ins Zimmer, wo er ihn auf einen Sessel setzte. Seltsamerweise störte es Lucius nicht, von Severus berührt zu werden, er fühlte sich eher beschützt.

Noch bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür und Draco stürzte herein, warf sich direkt in die Arme seines Vaters und klammerte sich fest. Schluchzend vergrub er sein Gesicht an Lucius‘ Schulter. Lucius schluckte hart, die Berührung war ihm, nach dem, was vorher im Salon passierte, mehr als unangenehm, aber er wollte für Draco da sein, daher schob er seine eigenen Gefühle weit weg und hielt Draco fest. Er zog ihn an sich und schlang seine Arme um die bebenden Schultern, streichelte über das blonde, weiche Haar und murmelte leise und beruhigend in Dracos Ohr.

„Dad!“, schniefte Draco nach einer Weile. „Ich … wenn ich ihn getötet hätte, wäre all das nie passiert. Ich bin schuld! Es tut mir leid!“ Erneut schluchzte er.

Lucius drückte ihn fest an sich. „Nicht, Draco.“, sprach er ruhiger als er sich fühlte. „Es ist nicht deine Schuld. Niemals darfst du das denken. Ich hätte dich schon viel früher beschützen müssen. Du hättest nie in diese Position kommen dürfen. Du hättest das alles nie sehen sollen. Es tut mir leid, mein Junge.“ Leise setzte er hinzu: „Ich liebe dich, Draco. Verzeih mir, dass ich dich nicht früher beschützt habe.“

„Dad!“ Draco umarmte seinen Vater einfach nur, er hatte keine Worte für seine Gefühle. „Was passiert jetzt mit dir?“

„Ich weiß es noch nicht.“, gab Lucius leise zu. „Aber ich fürchte, ich kann nun nicht mehr für dich da sein. Bitte halte dich an Severus, er wird dir helfen.“

Draco schüttelte entschieden seinen Kopf. „Nein, ich will bei dir bleiben!“, widersprach er. Bettelnd sah er seinen Vater an.

„Das geht nicht.“, lehnte Lucius ab. Er ahnte, dass er ihm nichts mehr bieten konnte. „Bleib hier bei deiner Mutter und Severus, sie werden dafür sorgen, dass du in Sicherheit bist.“ Das hoffte Lucius wenigstens. Er wusste, Narzissa liebte ihn nicht, aber zumindest hatte sie bisher immer auf Draco geachtet. „Beende deine Ausbildung ordentlich und mach mich stolz. Ich liebe dich, mein Junge, aber ich werde nicht zulassen, dass du mit mir leiden musst.“

„Dad, nein, bitte!“, bettelte Draco weinend. Auch er hatte sich gewaltig verändert in den letzten Monaten, aber das war kein Wunder, bei dem, was von ihm gefordert worden war. Es war zu viel für Draco.

„Draco, es tut mir leid, aber du musst hier bleiben.“, entgegnete Lucius hart. Niemals würde er zulassen, dass es dem Jungen schlecht ging. Er warf einen hilfesuchenden Blick auf Severus. Der stand auf und kam zu ihnen, bereit, sich um Draco zu kümmern. Noch einmal drückte Lucius seinen Sohn an sich. „Vergiss nie, dass ich dich liebe, Draco. Ich weiß, ich habe dir das seit Jahren nicht gesagt und viel zu selten gezeigt, aber es ist so. Sei fleißig und höre auf deine Mutter und deinen Patenonkel. Setz deinen Kopf ein, du weißt, was richtig und falsch ist, und halte dich aus Schwierigkeiten raus, so gut es geht. Versprich mir das, Draco.“

„Bleib bei mir!“, flehte Draco.

„Du weißt, dass ich dir das nicht versprechen kann. Aber ich werde tun, was ich kann, um dich zu schützen.“, versprach Lucius. Er sah Draco eindringlich und voller Gefühl an. „Geh jetzt, Draco. Pass auf dich auf.“ Er gab dem jungen Mann einen liebevollen Kuss auf die Stirn, dann schob er Draco von sich und in Severus‘ Arme, der ihn nach draußen führte. Mit einem Blick versprach Lucius, hier auf Severus zu warten und ihm keine Schwierigkeiten zu machen.

Kaum war die Tür hinter den beiden geschlossen, da kam alles zu Lucius zurück. Zitternd sank er in sich zusammen. Die Schmerzen fuhren wellenartig durch seinen Körper. Stöhnend lehnte sich Lucius über die Armstütze des Sessels, um den Druck von seinem unteren Rücken zu nehmen. Er merkte nicht einmal, wie Tränen sich aus seinen Augen lösten und über die Wangen rollten. Die körperlichen Schmerzen waren nicht alles, viel schlimmer fühlte er sich in seinem Inneren. Er konnte nicht einmal benennen, was da in ihm brodelte. Scham, Demütigung, Angst waren die dominierenden Gefühle im Moment. Lucius wusste, er war gebrochen, egal, was jetzt noch kam. Erst, als er Schritte auf dem Flur hörte, wischte er sich über das Gesicht und setzte sich mühsam auf. Er ahnte, dass Severus bewusst fester auftrat als sonst, um ihm die Gelegenheit zu geben, sich einigermaßen zu fassen. Sekunden später öffnete sich die Tür und Severus trat ein. Der Blick aus seinen Augen war undurchschaubar.

„Draco?“, krächzte Lucius heiser.

„Er schläft, ich habe ihm einen Traumlos-Trank gegeben.“, antwortete Severus. Äußerlich wirkte er ungerührt, aber das täuschte. Lucius sah in seinen Augen, wie aufgewühlt Severus in Wahrheit war.

„Was … was wird aus ihm?“ Lucius traute sich kaum das zu fragen. Dennoch war er dankbar, dass Severus ihn von seinem eigenen Leid ablenkte.

„Wenn alles gut geht, ein ruhiges Schuljahr und danach ein Studium.“, erwiderte Severus. „Ich konnte den Lord davon überzeugen, dass er als normaler Todesser nicht die geeignete Qualifikation hat. Allerdings kann er durchaus nützlich sein, wenn er mit guten Noten ein Studium beginnt und das dann erfolgreich beendet. Außerdem wird er das Malfoy-Vermögen verwalten, und der Lord wird sich davon wohl nicht abschneiden wollen.“

Lucius nickte. Seit Jahrhunderten war es bei den Malfoys üblich, dass nur direkte Nachkommen erbfähig waren. Narzissa würde eine kleine Abfindung bekommen, deren Höhe sich nach der Zeit ihrer Ehe richtete, aber alles Andere ginge an Draco, und nur an Draco. Selbst, wenn Lucius etwas anderes verfügt hätte. Dem Blonden war durchaus bewusst, dass er wohl keine Rolle mehr spielen würde, was das Malfoy-Vermögen betraf. „Und Narzissa?“

„Sie hatte einen Zusammenbruch, direkt nach der Versammlung.“, berichtete Severus leise. „Bellatrix ist bei ihr, das konnte ich nicht verhindern. Ich werde sehen, dass ich ihr unauffällig helfen kann.“ Auch er wusste, dass Lucius seine Frau liebte, auch wenn es nicht so sehr auf Gegenseitigkeit beruhte. Narzissa liebte das Leben, das Lucius ihr bot und sie war treu, auch wenn sie nicht mehr als Freundschaft für ihren Mann empfand. Ihren Sohn hingegen liebte sie innig.

Severus gab Lucius Zeit, das zu verdauen. Dann erst sprach er weiter. „Ich konnte den Lord davon überzeugen, dass er dich nicht direkt tötet.“, gestand er. Überrascht sah Lucius auf. Severus‘ Mundwinkel zuckte kurz. „Es ist die schlimmere Strafe, wenn du zusehen musst, wie Draco dein Vermögen bekommt und dir alles genommen wird, für das du dein Leben lang gearbeitet hast. Du sollst dich nicht einfach aus der Affäre ziehen können. Dein Tod wäre eine Erlösung, und das hat der Lord nicht vor. Narzissa wird von dir geschieden. Nun, rein rechtlich seid ihr bereits geschieden, da du dich an Lupin gebunden hast, wie ich hörte.“ Eine Augenbraue wanderte fragend nach oben.

„Es war die einzige Lösung, die nicht beinhaltete, dass einer oder mehrere von uns getötet werden.“, gab Lucius zurück.

Severus nickte nachdenklich. „So etwas dachte ich mir bereits. Wie gesagt, ihr seid geschieden. Narzissa wird hier im Manor bleiben und sich um Draco kümmern können, die Firmen verwalten, bis Draco mit Schule und Studium fertig ist. So weit die Anweisungen des Lords in der Hinsicht.“ Er hielt erneut inne, um Lucius die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen. Doch der Blonde schwieg. Also sprach Severus nach einer Minute weiter. „Für dich ist vorgesehen, dass du weiterhin im Ministerium arbeiten wirst, aber natürlich nicht im Gamot oder der Regierung. Der Lord will die maximale Demütigung für dich. Du wirst die Hauselfen unterstützen, die dort putzen. Du musst jeden Tag arbeiten, keine freien Tage, Hauselfen haben das auch nicht. Du fängst morgens um acht Uhr an und kannst abends um sechs Uhr aufhören. Gold bekommst du nicht, aber wenigstens essen und trinken kannst du, solange du da bist. Allerdings nur das, was auch die Hauselfen bekommen. Der Lord legt dir nahe, dich daran zu halten, ansonsten wird Draco darunter leiden müssen.“

Lucius schluckte hart, dann nickte er. Er würde alles tun, um Draco vor dem zu bewahren, was er heute durchmachen musste. „Wo werde ich schlafen?“

„Im Prinzip ist das dem Lord egal, denke ich. Du kannst bei den Hauselfen unterkommen.“, wusste Severus. Auch er schluckte nun. „Lucius, es tut mir leid, dass ich es nicht verhindern konnte.“ Er legte dem Blonden die Hand auf die Schulter. Mehr Berührung tolerierten sie beide nicht.

Lucius zitterte. „Pass auf Draco auf.“, bat er wispernd.

„Immer.“, versprach Severus. Er räusperte sich. „Ich habe mir erlaubt, einige Dinge für dich zu packen. Du selbst musst noch heute das Manor verlassen, darfst nicht mehr in deine Räumlichkeiten.“ Er reichte Lucius einen Rucksack, auf den er einen Ausdehnzauber gesprochen hatte. „Du bekommst einen neuen Zauberstab, der deine Magie hemmen wird, allerdings hast du keine Möglichkeit, einen anderen zu besorgen oder anzunehmen, wenn ich mit dir fertig bin. Der Lord hat mir sehr genaue Anweisungen dahingehend gegeben, ich bin dafür zuständig, dass am Ende genau das passiert, was der Lord will. Und dafür muss ich dein Gedächtnis manipulieren.“

Ergeben nickte Lucius. „Ich werde dich nicht daran hindern.“, versprach er. Davor wollte er aber noch etwas wissen. „Was wird mit Re… mit Lupin?“

Severus‘ Blick zuckte zu Lucius. Offenbar war ihm der kleine Ausrutscher aufgefallen. Die rechte Augenbraue wanderte nach oben. „Ich gehe davon aus, dass der Orden versucht, ihn zu befreien. Lupin ist ein guter Kämpfer und vor allem ein Genie, was Arithmantik betrifft, der Orden braucht ihn.“

„Gut.“, nickte Lucius. Er schob die Erfahrungen im Salon vorhin von sich. „Er hätte sich geopfert, um uns nicht zu schaden, aber ...“ Lucius vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich konnte es einfach nicht. Ihn töten.“

„Ich weiß.“, murmelte Severus. Seine Stimme klang angespannt, belegt. Doch es dauerte nur einen Moment, dann hob er seinen Zauberstab. „Legilimens.“


Zwei Stunden später war Lucius noch immer wie betäubt. Er saß nun auf einem kleinen Bett in den Tiefen des Ministeriums. Wie er darauf entspannt schlafen sollte, wusste er noch nicht, aber das war alles, was sein neuer Zauberstab hergab. Er hatte das Bett bereits vergrößert, würde sich aber wohl noch immer einrollen müssen. Es war nun vielleicht doppelt so groß wie ein Kinderbett, aber lange nicht das, was er selbst gewohnt war. Die Matratze war so hart, dass er bereits nachgesehen hatte, ob er etwa auf Holz oder gar Stein schlafen musste. Aber es war tatsächlich eine Matratze. Weicher bekam er sie aber einfach nicht. Seine neue, verstümmelte Magie funktionierte nicht so, wie er es brauchte. Die Schmerzen nahmen erneut zu, obwohl Severus Heilzauber gesprochen und ihm am Ende noch einen Trank gegeben hatte. Einer der Hauselfen des Ministeriums, Jemmy, hatte sich seiner angenommen und wollte ihm morgen alles zeigen. Morgen war Lucius‘ erster Arbeitstag. Für den Moment war er alleine, Jemmy hatte ihm noch etwas zu essen gebracht. Irgendein Eintopf, wie er sagte, aber Lucius wurde schlecht, wenn er nur daran dachte. Obwohl er seit zwei Tagen nichts gegessen und nur wenig getrunken hatte, konnte er sich nicht überwinden. Wieder und wieder spürte er Greybacks Hände auf seinem Körper, seine Härte, wie sie sich unbarmherzig in ihn schob.

Eine Welle der Übelkeit erfasste ihn und er beugte sich zur Seite, würgte und würgte, aber es kam nichts. Da war einfach nichts mehr. Sein Magen und der Brustkorb schmerzten nun auch noch, aber Lucius konnte es nicht mehr stoppen. Ihm war schwindelig und er wollte einfach nur aufgeben. Einzig die Erinnerung an Draco, wie er sich weinend an ihn klammerte, hielt ihn gerade noch aufrecht. Wie er auch nur den nächsten Tag überstehen sollte, wusste Lucius nicht. Erschöpft und schweißnass legte er sich auf sein Bett, in Seitenlage und mit angezogenen Beinen, zog die dünne Decke über sich. Die Schmerzen ebbten nicht ab, aber er hatte nicht die Kraft, noch einmal aufzustehen und zu seinem Umhang zu gehen, der neben der Tür hing. In dessen Tasche waren der Trank und auch die Heilsalbe von Severus. Der Tränkemeister hatte ihm einen gewissen Vorrat gegeben und Lucius war mehr als dankbar dafür, auch, wenn es ihm im Moment nicht half. Zitternd schloss er die Augen, er war völlig erschöpft. Doch kaum hatte er sie geschlossen, riss er sie wieder auf. Die Erinnerungen waren zu präsent.

Lucius drehte sich mühsam zur Wand, er wollte nicht, dass ihn die Hauselfen so sahen. Sie teilten sich diesen Schlafraum zu fünft und mit ihm war er mehr als überfüllt. Und doch wagte er nicht, etwas zu sagen. Draco war all das wert. Er würde es ertragen, er würde es tun, für Draco. Wie er es schaffen sollte, wusste Lucius nicht, aber er musste. Zum ersten Mal in seinem Leben lernte er, was es bedeutete, wirklich für etwas einzustehen. Es war hart, zu hart, und doch ließ ihn dieser Gedanke ruhiger zurück. Er hatte ein Ziel, für das er kämpfen würde. Langsam beruhigten sich seine Gedanken und er schlief erschöpft ein.

Erst, als eine kleine Hand an seiner Schulter rüttelte, wachte Lucius desorientiert wieder auf. Er stöhnte, als seine Muskeln nach der langen Nacht in der immer gleichen Position gegen die Bewegung protestierten. „Lucius muss aufwachen.“, erkannte er Jemmys Stimme. „In einer Stunde muss Lucius im Atrium sein. Jemmy wird Lucius das Bad zeigen und dann zum Frühstück bringen. Lucius muss essen, damit er arbeiten kann.“

Benommen nickte Lucius und richtete sich vorsichtig auf, schwankte dann hinter Jemmy her ins Bad. Wenigstens hier gab es eine Toilette in seiner Größe, genau wie eine normale Dusche. Er seufzte leise und stellte sich unter den Wasserstrahl, der höchstens lauwarm wurde, egal wie hoch er die Temperatur einstellte. Es gab nur einfache Seife, aber das erschien ihm gerade wie der Himmel. Die eine Nacht in der Zelle und die Vergewaltigung durch Greyback ließen ihn sich noch immer schmutzig fühlen, obwohl Severus ihm gestern eine Dusche ermöglicht hatte. Viel Zeit hatte er allerdings nicht, dann drängte Jemmy schon dazu, zum Frühstück zu gehen. Der Hauself hatte sich in der Nachbarkabine gleichzeitig geduscht. Hastig zog Lucius sich an – viel hatte er nicht, aber er war dankbar, dass Severus daran gedacht hatte, ihm von allem mehrere Garnituren einzupacken – und folgte Jemmy in den kleinen Speisesaal der Hauselfen, wo das Essen serviert wurde. Lucius musste den Kopf einziehen, die Decke war so niedrig, dass er nicht aufrecht gehen konnte. Auch die Stühle waren viel zu klein, daher musste Lucius letztendlich auf dem Boden sitzen, denn selbst die Magie der Hauselfen schaffte es nicht, einen passenden Stuhl für ihn zu zaubern.

„Jemmy kann leider nicht helfen, die Zauber auf dem Ministerium verhindern, dass Elfenmagie viel kann.“, entschuldigte sich der Hauself, der zu Lucius‘ Ansprechpartner ernannt worden war.

„Ich weiß.“, nickte Lucius. Das war tatsächlich eines der Dinge, die er aus dem Gamot wusste. „Ist schon in Ordnung.“ Es klang gezwungen, aber Lucius war sich bewusst, dass er sich mit den Hauselfen besser gut stellte, ansonsten würden sie ihm sein neues Leben zur Hölle machen können. Es war so schon schlimm genug, er konnte gleich anfangen, es sich so weit wie möglich zu erleichtern. Die Lektion mit Dobby damals hatte er inzwischen gelernt. Hauselfen waren mächtig, viel mächtiger als die angeblich überlegenen Zauberer. Auch, wenn ihre Magie hier im Ministerium beschnitten war, seine eigene Magie war dennoch unterlegen, da ihn der Stab stark einschränkte und hemmte. Ruhig aß er, was Jemmy ihm brachte. Einfaches Brot, dazu etwas Käse und eine Paste, die wohl aus irgendwelchem Gemüse bestand. Dazu gab es Milch und Tee, keinen Kaffee. Noch nicht einmal schwarzen Tee, sondern Kräuter oder Früchte. Lucius schauderte und griff nach Milch. Vielleicht half die gegen das immer noch seltsame Gefühl in seinem Magen.

Pünktlich um acht Uhr stand Lucius neben Jemmy im Atrium. Entsetzt wurde dem Blonden klar, wie sehr er den Lord verärgert haben musste. Jeder, der ins Ministerium kam, würde ihn sehen. Und er konnte sich nicht wehren, wenn sie ihn angriffen. Einerseits, weil er kaum Magie zur Verfügung hatte, andererseits, um Draco zu schützen. Er schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Wie hatte Severus ihm geraten? Niemand konnte ihm seinen Stolz nehmen, nur er selbst konnte das. Er hoffte nur, dass Severus wirklich auf Draco achten konnte. Mühsam öffnete er die Augen erneut und sah Jemmy an, der ihm erklärte, was ihn erwartete.

„Lucius hat diesen Wagen.“, deutete Jemmy auf einen Putzwagen. „Der große Eimer ist für den Boden. Lucius muss den Boden wischen im ganzen Atrium. Er fängt hier an“, er deutete auf eine Ecke, „dann an den Kaminen vorbei und zum Empfang, dahinter dann noch die Eingangshalle um den Brunnen. Das Putzwasser reinigt sich mit einem Zauber alleine. Außerdem ist Lucius zuständig, dass alle Oberflächen sauber sind, dafür ist dieser Putzeimer.“ Hier zeigte er auf einen kleineren Eimer. „Die Flächen an den Kaminen, auf denen das Flohpulver steht, die Platte beim Empfang, alle Sitzplätze, die gerade nicht besetzt sind. Auch die Besuchertoiletten sind eine Aufgabe. Für die Waschbecken nimmt Lucius dieses Mittel“, er deutete auf eine Flasche mit einem Putzmittel, die sogar beschriftet war, „die Toiletten brauchen das hier.“ Er hob eine weitere Flasche hoch. „Lucius muss gründlich schrubben, sodass alles sauber ist. Und am Ende noch alle Türgriffe, mit der letzten Flasche. Wenn Lucius am anderen Ende des Atriums ist, fängt er von vorne an, da immer wieder Menschen hindurch laufen. Wenn jemand besonders viel Schmutz von draußen mitbringt, muss Lucius seine Arbeit unterbrechen und direkt putzen, damit niemand den Schmutz sehen kann. Und Lucius muss immer darauf achten, dass niemand ausrutschen kann, da er nicht mit Magie saubermachen darf.“

Lucius nickte bedächtig und versuchte, nichts davon zu vergessen. Er hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte, denn noch nie hatte er mit derartigen Sachen hantiert. Er war wirklich dankbar, dass Jemmy ihm alles zeigte und erklärte. Sogar das Auswringen der Putzlappen zeigte ihm der Hauself. Am Ende gab er ihm Handschuhe, damit seine Hände nicht den ganzen Tag im Wasser waren. „Hat Lucius alles verstanden?“, wollte Jemmy am Ende der einstündigen Erklärungen wissen.

„Ich hoffe es.“, erwiderte Lucius unsicher und schluckte, als er erkannte, wie anstrengend das wirklich werden würde.

„Lucius kann Jemmy heute rufen, wenn er ihn braucht. Morgen nicht mehr.“ Mit diesen Worten verschwand der Hauself aus Lucius‘ Blickfeld und ließ ihn alleine zurück.
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