Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Jeder noch so perfekte Plan...

von Calandraa
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael OC (Own Character)
29.12.2020
29.12.2020
1
1.844
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
29.12.2020 1.844
 
Das ist die deutsche Fassung einer kleinen Geschichte, die ich für einen Discord Server zum Stichwort „Interrupted“ also „Unterbrochen“ geschrieben habe.

Das Original findet ihr hier: https://archiveofourown.org/works/26718919


Irgendwo in London, genauer gesagt im Juweliergeschäft „Diamonds and Pearls“, standen zwei Männer: Mr. William Gordon, ein dünner, grauhaariger Mann und Besitzer des Geschäfts, und Darren Michaels, ein muskulöser junger Kerl, derzeit arbeitslos. Beide Männer waren nervös, aber man könnte sagen, dass Mr. Gordon viel mehr Grund dazu hatte. Erstens trug Darren eine Maske, die sein ganzes Gesicht bis auf seine Augen bedeckte. Zweitens richtete der Maskierte ein Messer auf Mr. Gordon, was unhöflich und gefährlich war.

Oder man könnte sagen, beide hatten Grund, nervös zu sein, aber Darren hatte es so gewollt, während Mr. Gordon keinerlei Mitspracherecht bekommen hatte.

Trotzdem wusste Mr. Gordon natürlich, dass die Nervosität des anderen Mannes die Gefahr verstärkte, in der er sich befand. Also setzte er all seine Überzeugungskraft ein, um Darren zu beruhigen. Mr. Gordon war bereit, dem nervösen jungen Mann alles zu geben. Professionell wie er nun einmal war, hielt Mr. Gordon seine Unterlagen stets in Ordnung und hatte jedes Stück Ware sorgfältig dokumentiert. In diesem Geschäft gab es nichts, was die Versicherung nicht abdecken würde, sollte der Räuber es stehlen.

Das einzige Problem war, dass Darren den Schmuck nicht wollte. Unglücklicherweise für Mr. Gordon war Darren klug genug zu erkennen, dass jedes einzelne Stück ein Unikat war und für einen Teilzeitkriminellen ohne nennenswerte Kontakte in der Unterwelt schwer zu verkaufen sein würde.

„Behalt‘ das Zeug“, sagte Darren. „Ich weiß, dass dein wöchentlicher Gang zur Bank heute fällig ist. Dein Safe sollte bis zum Rand voll sein.“

„Ich würde nicht 'bis zum Rand' sagen, aber ...“

„Halt die Klappe! Öffne das Ding einfach.“

„Ich kann nicht!“

„Was soll das heißen? Ist das dein Laden oder nicht?“

„Ja, aber die Versicherungsgesellschaft besteht trotzdem auf einem zeitcodierten Schloss am Safe“, erklärte Gordon. „Die Tür wird sich nicht rühren für..." Er sah auf die Uhr. "weitere vier Stunden und 35 Minuten."

Darren kniff die Augen zusammen und starrte Mr. Gordon durch die dunkle Maske an.

"Du lügst!" schrie er und schwang sein Messer herum.

"Ich versichere Ihnen, das tue ich nicht!" Mr. Gordon hielt seine Hände in einer beschwichtigenden Geste hoch, die jedoch leider nichts dazu beitrug, Darren zu beruhigen.

„Hör zu, Mann“, sagte Darren außer Atem. „Du machst das verdammte Ding auf oder...“

Die Glocke über der Ladentür läutete und zwei Männer mittleren Alters, einer groß und drahtig mit dunkelroten Haaren, einer etwas kleiner und fülliger mit blonden Locken, kamen herein. Ohne dass der jeweils andere es ahnte, kannten sowohl Mr. Gordon als auch Darren die beiden. Einer war Aziraphale Fell, dem die Buchhandlung mit den eigenartigen Geschäftszeiten ein paar Blocks entfernt gehörte. Der andere war sein zur Dramatik neigender Freund mit dem teuren Auto, Mr. Crowley, der wahrscheinlich entweder ein reicher Erbe oder ein Verbrecher war, da er mehr Geld zu haben schien, als gut für ihn war, obwohl er fast den ganzen Tag in der Buchhandlung seines Freundes herumhing.

Die beiden Männer durchschritten den Verkaufsbereich und stritten über Mr. Crowleys Fahrstil. Sie waren aufeinander fokussiert und achteten nicht auf ihre Umgebung.

Erst als sie direkt an der Theke standen, wandten sie sich an Mr. Gordon, während Darren Michaels von ihnen weiter völlig unbemerkt blieb.

„Guten Tag, lieber Freund“, sagte Mr. Fell.

„Ja, hi!” fügte Mr. Crowley hinzu.

„Ähm, Gentlemen ...“, sagte Mr. Gordon, wurde aber unterbrochen.

„Wir werden heiraten und brauchen passende Ringe.“

„Das ist wundervoll. Herzlichen Glückwunsch, aber...“

„Und es wäre ganz reizend, wenn Sie sie gravieren könnten.“

„Ich werde Ihnen gerne behilflich sein, Gentlemen“, sagte Gordon. „Aber dies ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt.“

Beim letzten Satz deutete er mit einer Kopfbewegung in Darrens Richtung und lenkte so schließlich Fells und Crowleys Aufmerksamkeit auf den maskierten Mann.

Darren versuchte noch die neue Entwicklung zu verarbeiten. Als er den Laden ausgekundschaftet hatte, hatte er festgestellt, dass er zu dieser Tageszeit immer menschenleer war. Deshalb war er jetzt hier. Er hatte die beiden Kunden nicht erwartet. Langsam wurde ihm klar, dass er reagieren sollte. Also gestikulierte er mit seinem Messer.

„Okay, ihr zwei geht da rüber und bewegt euch nicht!“

„Oh je“, seufzte Mr. Fell, als hätte er einen Fleck auf einer schwer zu reinigenden Tischdecke entdeckt. „Ich mag Waffen wirklich nicht.“

„Du hast meinen Engel gehört, Junge“, sagte Mr. Crowley. „Leg‘ es weg.“

„Den Teufel wird‘ ich tun!", rief Darren. „Jeder tut was ich sage und niemand wird verletzt.“

„Aber natürlich wird niemand verletzt“, sagte Mr. Fell. „Du willst nicht, dass jemand verletzt wird. Du bist ein guter Mensch.“

„Ich…“

„Ja, in der Tat. Du würdest so etwas niemals aus egoistischen Gründen tun, oder?“ fragte Mr. Fell und Darren hatte das Gefühl, dass etwas über seine Seele streifte. „Aber würde die Person, für die du das tust, das wirklich wollen?“

Darren schluckte, als ungebeten Samanthas Gesicht vor seinem inneren Auge erschien. Ihr warmer und freundlicher Blick, ihr liebevolles Lächeln. Sie war so eine fürsorgliche Seele. Nein, Sam würde das nicht wollen, aber das Baby würde Essen und Kleidung brauchen. Aber auch einen Vater, der für ihn oder sie da war, nicht im Gefängnis.

„Jetzt leg‘ es weg“, sagte Mr. Crowley in einem Ton, der von seiner schwindenden Geduld zeugte. „Es ist ja nicht so, dass es wirklich effektiv wäre, oder?“

Mit drei schnellen Schritten durchquerte Mr. Crowley den Raum und drückte gegen die falsche Klinge des Messers, sodass sie im Griff verschwand.

„Wie…?“ Darren starrte Mr. Crowley ungläubig an. Dieses Theaterrequisit war schon seit Ewigkeiten in seiner Familie und kein Außenstehender hatte jemals zuvor erkannt, dass es sich nicht um ein echtes Messer handelte.

„Ich habe einige Zeit im Theater verbracht.“ Mr. Crowley zuckte die Achseln, während er Darrens Maske abriss.

Mr. Gordon war erleichtert, seine Kunden unversehrt zu sehen und festzustellen, dass er nie in Gefahr gewesen war. Er war jedoch auch sehr wütend. Wegen des Schreckens, den der junge Mann ihm versetzt hatte - und für die Verschwendung seiner Zeit.

„Ich rufe die Polizei“, verkündete er und griff nach dem Hörer seines Telefons.

Plötzlich fühlte er Mr. Fells Hand auf seiner. Mr. Gordon hatte keine Ahnung, wie Fell so schnell zu ihm gekommen war, aber Gordons Wut ließ nach, als er in das freundliche Gesicht des seltsamen Zeitgenossen blickte.

„Ist das wirklich notwendig?“ fragte Mr. Fell. „Niemand wurde verletzt und nichts wurde gestohlen.“

„Er hat ein Messer auf mich gerichtet!“

„Ein falsches Messer“, sagte Mr. Fell. „Und es tut ihm sehr leid. Das ist doch richtig, junger Mann?“

Sowohl Fell als auch Gordon richteten ihren Blick auf Darren. Mr. Gordon bemühte sich, wütend zu bleiben, doch konnte nicht verhindern, Mitgefühl zu haben mit dem Mann, der trotz seines großen und breiten Körperbaus plötzlich sehr klein aussah. Sein Kopf hing vor Scham, seine Schultern waren nach unten gesackt. Darren hob zögernd seinen Blick.

„Es tut mir sehr leid, Sir“, sagte er. „Ich… weiß nicht, was ich mir dabei gedacht hab‘. Ha, ich glaub‘ ich weiß es doch: nichts. Kennen Sie die Bank um die Ecke, die vor ein paar Wochen geschlossen hat? Ich habe dort als Sicherheitsmann gearbeitet. Sie gaben mir meinen letzten Scheck an dem Tag, als meine Freundin mir sagte, sie sei schwanger. Ich... ich geriet in Panik. Aber ich hätte Sie niemals verletzt!“

Mr. Gordon seufzte. Er konnte sich selbst nicht ganz verstehen, aber er traf eine Entscheidung.

„Gut“, sagte er. „Denken Sie das nächste Mal daran, dass selbst ein falsches Messer einem alten Mann einen Herzinfarkt verpassen kann, ja?“

„J... ja, natürlich, Sir“, sagte Darren mit einem bedauernden Gesichtsausdruck.

„Gut, Sie können gehen“, verkündete Mr. Gordon mit einer beiläufigen Handbewegung.

„Danke, Sir!“ Darren nickte den drei Männern im Raum zu und wollte verschwinden, aber Mr. Fell hielt ihn auf.

Jetzt fragte sich Darren, wie Mr. Fell sich so schnell hatte bewegen können.

„Vielleicht sollten Sie bleiben und wir sehen, ob Sie zwei“, Mr. Fell gestikulierte zwischen Darren und Mr. Gordon, „sich nicht gegenseitig helfen können.“

„Ach, Engel, lass den Mann gehen“, stöhnte Mr. Crowley genervt. „Wir haben eine Reservierung in einer Stunde und wie ich dich kenne, wird es ewig dauern, einen Ring auszuwählen, auch ohne dass du versuchst, aller Welts Probleme zu lösen."

„Oh, sei friedlich, du“, sagte Mr. Fell liebevoll, bevor er sich an Mr. Gordon wandte. „Wenn dieser ganze Schlamassel eines bewiesen hat, dann doch, dass Sie dringend einen Wachmann brauchen, nicht wahr, Mr. Gordon? Sie haben bestimmt schon früher darüber nachgedacht.“

„Nun ja, habe ich durchaus, aber...“

„Und der junge...“ Mr. Fell wandte sich an Darren. „Wie ist Ihr Name, mein Lieber?“

„Da ... Darren Michaels, Sir.“

„Der junge Darren hier hat Erfahrung auf diesem Gebiet“, sagte Mr. Fell glücklich.

Mr. Gordon brauchte eine Weile, um Mr. Fells Denkprozess nachzuvollziehen. Als er endlich aufholte, klappte sein Mund offen und er stotterte: „Sie ..., Sie schlagen mir allen Ernstes vor, die Person, die versucht hat, mich auszurauben, als Sicherheitsmann für mein Geschäft anzuheuern?“

„Nun, Darren scheint ein kluger Kerl zu sein“, sagte Mr. Fell. „Ich bin sicher, er hat Ihren Laden beobachtet, bevor er seinen Zug gemacht hat. Er kennt wahrscheinlich inzwischen alle Schwachstellen.“

„Ich habe zugestimmt, ihn laufen zu lassen, aber ich bin wohl kaum verpflichtet, ihm die Chance zu geben, für mich zu arbeiten!“



„Natürlich sind Sie nicht verpflichtet“, beeilte sich Mr. Fell zu sagen. „Aber vielleicht möchten Sie es? Manchmal kann die Bereitschaft, jemandem eine Chance einen echten Einfluss auf das Leben dieses Menschen haben.“

Mr. Gordons Augenlider flatterten, als er sich Sekunde lang etwas benommen fühlte. Plötzlich kam ihm der gute alte James Carrington in den Sinn. Dieser Mann war so freundlich zu Mr. Gordon gewesen, als er ihn weinend in der Kälte gefunden hatte, nachdem sein Vater ihn rausgeworfen hatte. Er hatte Mr. Gordon aufgenommen, ihn sein Handwerk gelehrt und ihn wie einen Sohn behandelt. Es hatte keinen Grund für James gegeben, dem blassen, unscheinbaren und wortkargen Jungen ein Zuhause und eine Arbeit zu geben. Aber James Carrington hatte es getan und dazu beigetragen, einen Weg für Mr. Gordon zu bereiten, der viel heller war als der, den er auf sich allein gestellt gewählt hätte.

Mit einem leidigen Seufzer massierte Mr. Gordon mit Zeigefinger und Daumen seine Stirn.

„Mr. Michaels, wie Sie sehen, habe ich jetzt Kundschaft“, sagte er. „Ich schlage vor, Sie gehen nach Hause, um Ihre Unterlagen zu holen. Ich erwarte Sie in einer Stunde zu Ihrem Vorstellungsgespräch. Ich schätze Pünktlichkeit. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?“

Darren antwortete nicht sofort, aber Mr. Gordon warf ihm das nicht vor. Die ganze Geschichte war sehr seltsam und daher schwierig nachzuverfolgen.

„Ähm, ja, natürlich, Mr. Gordon, Sir“ sagte Darren einige Momente später. „Ich ... ich bin pünktlich zurück.“

„Ich hoffe es sehr“, sagte Mr. Gordon streng, als er Darren aus dem Laden rennen sah.

Er schüttelte ungläubig den Kopf und holte tief Luft. Dann verschränkte er die Hände vor seinem Körper und lächelte Mr. Fell und Mr. Crowley an. Er versuchte so zu tun, als sei dies nicht der zweitseltsamste Tag seines Lebens.

„Eheringe, sagten Sie?“



Ende
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast