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Freezing Moon

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
29.12.2020
28.02.2021
19
39.144
1
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
29.12.2020 805
 
Author's note: Jetzt ist es also passiert. Die „Hellfire“-Serie, eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, hat eine Eigendynamik gewonnen und sich endgültig aus dem „Das hätte auch eine Fanfiction werden können“-Bereich entfernt.
Als Folge sah ich mich gezwungen, den Charakteren und Bands Namen zu geben. Eventuelle Namensgleichheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. (Hey, habt ihr eine Ahnung, wie schwierig es ist, einen Namen für eine Black-Metal-Band zu finden, der noch nicht in der ein oder anderen Form verwurstet wurde?)
Noch dazu wird das hier der erste Mehrteiler der Serie. Wie die anderen Teile auch lässt er sich ohne Kenntnis der vorherigen Teile lesen, obwohl es wahrscheinlich einiges etwas erleichtert, wenn man die anderen Teile kennt.

I: Until the light takes us
II: Internal Winter
III: Another lonely christmas
IV: Chaos within
Und damit präsentiere ich ohne weiteres Geschwafel den Prolog zu...

Freezing Moon

Everything here is so cold
Everything here is so dark
I remember it as from a dream
In the corner of this time...

(Mayhem - "Freezing moon")



„Na komm' schon. Du rockst das Ding.“ Aufmunternd wuschle ich durch das wirre, schwarz gefärbte Haar des Mannes, der sich gerade wie ein Ertrinkender an mich klammert.
„Mhm.“
Überzeugt wirkt er nicht, und ich kann es ihm nicht einmal übelnehmen. Alles in mir schreit danach, ihm zu sagen, dass er den ganzen Mist abblasen und zu Hause bleiben soll. Scheiß auf „Decades of Winter“ und ihren abartig egozentrischen Frontmann, scheiß auf Ruhm und Geld... Ich habe ein ganz mieses Gefühl dabei, meinen so verletzlichen, unsicheren Freund mit einem unsensiblen, egoistischen Arschloch nach Amerika zu schicken, obwohl ich genau weiß, wie schlecht es ihm momentan geht.
„Du packst das. Mach ihnen die Hölle heiß, hm?“
Draußen wird erneut ungeduldig gehupt; Runar, das besagte Arschloch, ist nicht gerade für seine Geduld bekannt.
„Es sind nur ein paar Shows. Ehe du dich versiehst, bist du wieder zu Hause. Und jetzt geh' und zeig' ihnen, wie sich die Hölle anhört.“
Zögernd lässt er mich los und greift nach seinem Rucksack; der Koffer steht bereits griffbereit neben der Wohnungstür.
„Auf Wiedersehen, Olav...“
Ich hasse es, wie monoton seine Stimme klingt, wie dunkel seine Augen sind. Er hat offensichtlich Angst vor dieser Tour – und ich treibe ihn auch noch dazu, sie trotzdem zu machen.
„Hey... hey. Wenn du zurückkommst, machen wir es uns richtig gemütlich, du und ich. Eiscreme, Horrorfilme und Essen vom Lieferservice bis zum Abwinken. Was meinst du?“
Er ringt sich ein Lächeln ab, doch es wirkt gequält. „Klingt toll.“
Wieder bringe ich rigoros die innere Stimme zum Schweigen, die mich energisch dazu auffordert, ihn jetzt sofort vor diesem Irrsinn zu schützen. Er ist erwachsen. Er trifft seine eigenen Entscheidungen. Wenn du ihm jetzt sagst, dass er hierbleiben soll, bist du nicht besser als Runar.
„Hast du alles? Deine Papiere? Deine Medikamente? Die ärztliche Bescheinigung für die Schmerzmittel?“
Knappes Nicken; das Durchgehen der Liste scheint ihn ein wenig zu beruhigen.
„Deine Akupressurbänder? Den Zauberwürfel?“
Erneutes Nicken. Wiederholtes, ungeduldiges Hupen von draußen. Schon gut, du Mistkerl. Wir haben dich gehört.
„Dein Handy? Das Ladekabel und die Powerbank? Hast du alle wichtigen Nummern eingespeichert? Du weißt, dass du mich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kannst, ja?“
„Ja, Mama!“ Zumindest habe ich ihn zum Lachen gebracht, auch, wenn es nicht sonderlich überzeugend klingt.
„Okay.“ Sachte streiche ich ihm eine verirrte dunkle Haarsträhne aus dem viel zu blassen Gesicht. „Aber eines hast du ganz sicher mal wieder vergessen.“
„Hm?“ Offenbar überlegt er gerade fieberhaft, ob er auf Konfrontationskurs gehen soll oder nicht.
„Schon gut, beiß' mich nicht gleich.“
Lächelnd drücke ich ihm den Fidget Spinner in die Hand, den ich im Internet für ihn bestellt habe. „Siehst du? Er ist schwarz und es ist ein Pentagramm drauf. Extra für dich.“
Er starrt mich mit großen Augen an. „Olav...“
Es klingelt an der Haustür; offensichtlich hat sich seine egomanische Rockstarigkeit aus seinem übertrieben teuren Sportwagen bemüht, um das Fußvolk zur Eile anzutreiben.
„Du... du gießt meine Pflanzen, oder? Und du fütterst meine Fische?“
Mit einer Mischung aus Rührung und Besorgnis beobachte ich, wie fest er das schwarze Plastikspielzeug umfasst.
„Na klar. Wenn irgendwas ist, rufst du an. Oder du gehst zu Trond, okay?“
Trond Eskil Nævdal, der auf dieser Tour als Roadie dabei sein wird, hat auch uns des öfteren auf Tour begleitet und weiß um die... Besonderheiten meines Freundes. Er die ist Ruhe in Person – und ich habe ihn ausführlich instruiert, falls es zum Schlimmsten kommen sollte.
„...okay...“
Ich nehme ihn ein letztes Mal fest in den Arm. „Du schaffst das. Ich glaube an dich, Øyvind. Und jetzt geh' schon, ehe Runar explodiert.“
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Author's note: Es werden noch Wetten angenommen, ob das wirklich gut geht...
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