Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Photographs

von BreakDown
GeschichteRomance / P18 / MaleSlash
Lovex
28.12.2020
28.12.2020
1
5.210
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
28.12.2020 5.210
 
Hallo,

gerade so schaffe ich es, dieses Jahr noch eine Fanfiction zu veröffentlichen. Unglaublich, aber wahr. Und immerhin.
Ich kann nur sagen - ich arbeite gerade noch an viel weiterem Material (nichts davon ist fertig), darunter auch ein Original, aber na ja - Arbeit, Promotion und das Leben neben doch etwas Zeit in Anspruch.
Deshalb, viel Spaß beim Lesen und danke für, bleibt gesund und bis bald.

Nicht beta-gelesen.

Disclaimer: (Fast) alles erstunken und erlogen ist, die genannten Personen gehören nur sich selbst, ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte verdiene. Außerdem ist es mir wichtig, die Künstlernamen der Herren zu nutzen, denn als das genau benutze ich sie: als Kunstfiguren.

Cover: https://s12.directupload.net/images/201228/4ajcbntd.png
_____________________________________________________________________________________________________________________


Photographs


Mit einem etwas mulmigen Gefühl lief Vivian durch die Straßen Tamperes. Es war später Herbst, ein Samstagabend. Der Himmel hatte seine Farbe von einem hellen Grau in ein dunkles Anthrazit verwandelt. Es regnete unaufhörlich. Nicht stark, nein. Ein Nieselregen hüllte Tampere seit einigen Tagen in eine feuchte Wolke. Es war kühl, doch noch nicht kalt. Die Straßenlaternen tauchten die grauen Gebäude am Straßenrand in ein warmes, gemütliches Licht. Es waren nur wenige Menschen unterwegs, dafür umso mehr Autos. Die Geräusche der Stadt überdeckten das sanfte Prasseln des Regens. Vivian schlug den Kragen seiner Jacke höher. Er bereute, nicht mit dem Auto und dem Bus gefahren zu sein. Seine Frisur war bereits nach zwei Minuten Fußweg hin. Immerhin trug er warme Lederstiefel. Und wenn er ehrlich war, war er zu aufgewühlt, um selbst zu fahren oder sich unter andere Menschen zu begeben. Der Weg war auch nicht weit.



Vivian seufzte und beschleunigte seinen Schritt etwas. Den Weg kannte er in und auswendig. Die alte Fabrikhalle, die heute an Künstler vermietet wurde, beherbergte schließlich seit Jahren ihren Proberaum. Der war zwar momentan in einen Dornröschenschlaf verfallen, doch die Miete ging jeden Monat von dem gemeinsamen Bandkonto ab.



Theon hatte ihn am Morgen eine kurze Nachricht geschrieben und gebeten, in die Halle zu kommen. In einen anderen Raum im Dachgeschoss der Fabrik. Der Proberaum lag im Keller. Theon hatte nicht gesagt, was er wollte. Vivian bog in die nächste Straße ein. Die Fabrikhalle war nicht mehr weit.



Er hatte Theon seit ihrem letzten Konzert nicht mehr allein getroffen. Einige Male gemeinsam mit ihren Freunden. Doch seit sie sich auf eine Bandpause auf unbestimmte Zeit geeinigt hatten, hatte er den Blonden nicht mehr allein gesehen. Dabei hatten sie sich früher ständig nur zu zweit getroffen, hatten über fast alles geredet, gelacht, Mist gebaut und unvergessliche Momente geteilt. Songs geschrieben, über Liebe, Freude und Schmerz. Vivian wusste nicht, was sich verändert hatte. Manchmal fragte er sich, was echt gewesen war.



Während die anderen eigenen Projekten – Bands, Jobs, Hobbies – nachgingen, hing Vivian in der Luft. Er hatte drei Dinge im Leben, die ihm wirklich wichtig waren: seine Tochter, die Musik und die Band. Er fühlte sich, als hätte er gleich zwei davon unwiederbringlich verloren. Wenn er allein in seiner Wohnung saß und versuchte, ein paar Akkorde zu spielen, ein paar Melodien, dann gelang ihm nichts. Kein Ton saß, kein Rhythmus stimmte. Es war, als beherrschte er sein Instrument nicht mehr. Melancholie überkam Vivian, als die bunt besprühte Halle vor ihm auftauchte. Er fühlte sich schwer und biss sich auf die Unterlippe. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie zwei Wochen Urlaub gemacht und dann das nächste Album aufgenommen!



Vivian sah schon von weitem, dass viele der Etagen und Räume beleuchtet waren. Auch im Dachgeschoss brannte Licht. Theon war also schon da. Vivians Hände zitterten, als er die Eingangstür der Halle öffnete. Fast schon wollte er in ihren Proberaum laufen. Nach drei, vier Schritten blieb Vivian stehen, drehte sich um und ging den Weg nach oben. Er nahm die Treppe, nicht den Aufzug. Er tat es als sportliche Betätigung ab, dabei war es vielmehr ein Zeitschinden. Er wollte der Begegnung mit Theon aus dem Weg gehen und wusste selbst nicht so genau. So nahm Vivian jede Treppenstufe bewusst, sah aus jedem Fenster im Treppenhaus, lauschte jedem Geräusch. Es war doch lächerlich! Theon und er waren Freunde, kannten sich eine halbe Ewigkeit.



Irgendwann stand Vivian im Dachgeschoss. Es gab hier nur zwei Räume und nur aus einem drang Licht unter dem Türspalt hervor, nur aus einem war leise Musik zu hören. Vivian klopfte trotzdem. Er zuckte leicht zusammen, als er Theons Stimme hörte, die gut gelaunt „Ja!“ rief. Vivian drückte die Türklinke nach unten und schob die Tür auf.



Es verschlug ihm die Sprache. Theon hatte allerlei technischen Schnickschnack und Scheinwerfer aufgebaut. Es gab eine kleine Sitzecke und einen großen Schreibtisch, auf dem mehrere Bildschirme standen. Sogar ein paar Pflanzen standen in großen Töpfen in den Ecken des Raums. An der einzig geraden Wand hing eine große, weiße Leinwand, davor war ein Stativ aufgebaut. Theon stand daneben, hielt eine Kamera in der Hand. Der Blonde trug eine enge, schwarze Jeans und einen weiten, dunkelblauen Pulli. Die Füße steckten in schwarzen Stiefeln, an Theons Handgelenken waren dunkle Lederarmbänder zu sehen. Die Haare trug er etwas nach hinten gegelt. Vivian hob die Mundwinkel – immerhin schien sich Theon in den letzten Wochen nicht verändert zu haben.



Theon grinste Vivian breit an, legte die Kamera auf den Schreibtisch und überwand die paar Meter, die zwischen ihm und Vivian lagen, mit ein paar schnellen Schritten. Ohne ein Wort und unerwartet umarmte Theon Vivian zur Begrüßung. Er drückte den Älteren dabei fest an sich. „Hey“, sagte Theon leise. Vivian flüsterte ein „Hi“ zurück. Eine Gänsehaut kroch seinen Nacken entlang, als er Theons warmen Atem auf seiner Haut spürte. Plötzlich schlug sein Herz schnell. Und die Umarmung dauerte an. Sie hatten sich schon oft umarmt. Als Freunde, aus Freude, zum Spaß, ganz innig. Doch diese Umarmung war anders.



„Ich bin froh, dass du da bist“, sagte Theon. Es klang wie ein Geständnis. Er trat einen Schritt zurück, löste sich von Vivian, hielt jedoch seine Hand weiter an Vivians Schulter. Es dauerte noch einige Momente, bis er den Körperkontakt wirklich abbrach und einladend die Arme ausbreitete. „Herzlich Willkommen in meinem Fotostudio!“, strahlte Theon, drehte sich begeistert um die eigene Achse. Vivian lächelte, zog dann eine Augenbrauen nach oben. Theon schüttelte den Kopf. Er war froh, dass Vivian hier war. Als er in den letzten Wochen und Monaten das Studio hier oben eingerichtet hatte, war langsam der Gedanke in ihm gereift, dass Vivian sein erstes Motiv sein konnte. Sein sollte. Sein musste. Und hoffentlich auch sein wollte.



„Komm, ich nehm dir deine Jacke ab. Willst du was trinken?“ Theon griff nach Vivians Mantel, den dieser sich gerade von den Schultern gezogen hatte, und hängte ihn an die Garderobe. Eine futuristische Konstruktion aus Metallstäben. „So gut gelaunt, wie du bist, brauch ich gleich einen Wodka“, lachte Vivian und lief etwas durch den Raum. Sah sich alles an. Die Aufbauten, die Fotos, die bereits an den Dachschrägen hingen. Das Kameraequipment. Theon hatte sich hier professionell eingerichtet. Theon beobachtete, wie sich Vivian durch den Raum bewegte. Langsam, interessiert. Mit ruhigen Schritten. Die Hände in den Hosentaschen.



„Wie wäre es mit nem Tee? Deine Haare sind nass“, schlug Theon vor und ging schon zu der kleinen Küchenzeile neben der Sitzecke. Er stellte den Wasserkocher an, holte eine Tasse und einen Teebeutel aus dem Schrank und lehnte sich an die Anrichte.

Vivian nickte, fühlte sich tatsächlich etwas durchgefroren. Er fuhr sich durch die Haare, versuchte wenigstens irgendetwas von seiner Frisur zu retten. Es funktionierte nicht. Vivian schlenderte zu Theon, lehnte sich ebenfalls an die Küche und lauschte dem aufkochenden Wasser.



„Du machst jetzt Fotos?“, fragte Vivian.er streckte die Arme nach hinten aus, ließ sich noch etwas mehr gegen die Anrichte fallen. Theon nickte, packte den Teebeutel aus und hängte ihn in die bereitgestellte Tasse. Nur noch das Teewasser musste fertig werden. „Mit der Firma habe ich ja schon früher angefangen. Und so ein bisschen was Kreatives brauch ich einfach.“ Vivian atmete tief durch. Etwas Kreatives. War die Band, die Musik nicht kreativ genug? Scheinbar nicht. „Wie wäre es mit ner Band, so zum kreativ sein. Ich kenne sogar einen Proberaum, der gerade nicht benutzt wird“, murrte Vivian. Er bemühte sich, doch Enttäuschung und Zorn krochen in ihm hoch. Er hatte schließlich nicht entschieden, dass sie eine Pause machten. Auf unbestimmte Zeit. Sie hätten sich auch gleich auflösen können!



„Viv–“

„Warum bin ich hier?“



Das Teewasser war fertig, der Wasserkocher piepte. Theon nahm die Kanne und schenkte das kochende Wasser in die Teetasse. Sofort färbte sich das Wasser leicht grün. „Warum glaubst du, ist mein Fotostudio im gleichen Gebäude wie der Proberaum?“ Theon senkte den Blick, als Vivian nur schnaubte. „Ich sitz ständig da unten. Ich schau mir unsere Plakate an. Ich kann nur da unten schreiben. Zuhause hängen unsere Platten an der Wand. Ich vermiss uns auch, ich vermiss die Band.“ Vivian verschränkte die Arme vor der Brust. Theon starrte den Tee an. Für einen Augenblick herrschte eine unangenehme Stille, eine seltsame Spannung zwischen ihnen.

„Ich kann nichts mehr spielen“, flüsterte Vivian. Theon sah auf. „Wie meinst du das?“



„Wenn ich die Gitarre in der Hand hab, weiß ich nicht mehr, was ich tun soll.“



Theon legte Vivian eine Hand auf die Schulter, lächelte ihn an: „So ging es mir, bis ich das erste Mal unten war und das Mikro in der Hand hatte. Seitdem kann ich auch wieder Texte schreiben.“ Vivian nickte. Er hatte auch einen Schlüssel. Vielleicht sollte er einfach später noch in den Proberaum gehen und ein bisschen in Melancholie schwelgen. „Dein Tee“, sagte Theon ruhig und schob Vivian die Tasse mit heißem Kräutertee hin. „Danke“, sagte Vivian, griff nach der Tasse. Ließ sie noch etwas stehen. Sie glühte.



„Ich habe dich gebeten, zu kommen, weil ich, na ja, es ist …“ Theon rieb sich verlegen den Nacken. Es war schon eine Überwindung gewesen, Vivian eine Nachricht zu schreiben, wie sollte er ihn dann danach fragen? „Hm?“, machte Vivian und zwinkerte Theon zu. Es war schon eine seltsame Situation.

„Ich würde dich gerne fotografieren“, sagte Theon schnell und sah lieber zur Seite als in Vivian erstauntes Gesicht. Vivian wollte etwas sagen, schloss die Lippen aber wieder wie ein stummer Fisch.

„Natürlich nur, wenn du auch willst!“, fügte Theon leise an, zupfte am Saum seines Shirts. Er räusperte sich und wandte sich dann Vivian zu. Er hatte sich Gedanken darüber gemacht, wen oder was er als erstes fotografieren sollte. Und immer wieder war er auf Vivian gekommen. Denn Vivian war schön. „Warum?“, fragte Vivian. „Ich mag die Artshootings für unsere Alben. Du hast darauf so eine mysteriöse Ausstrahlung“, gab Theon zu und nestelte weiter an seinem Pulli herum. Gott, dachte er. Er war nervös!



„Das sind nur die schwarzen Klamotten und der viele Kajal“, lachte Vivian und lockerte damit sie Stimmung unbewusst sofort auf. Theon schmunzelte. „Gib es zu, wir sahen bescheuert aus.“ Vivian hob mahnend den Zeigefinger. „Es war großartig und wir haben es alle geliebt!“ Die Band, die Musik – alles. Vivian strahlte plötzlich, schnappte sich seinen Tee. „Wenn du mich als Model haben willst, kriegst du mich. Ich hab aber nur die langweiligen Klamotten hier und ne zerstörte Frisur.“ Vivian trank einen Schluck und seufzte. Er hatte es nicht zugeben wollen, aber ein heißer Tee war genau das, was er gerade brauchte. Ein bisschen Wärme.



„Das ist schon ok, Hauptsache du bist es“, meinte Theon, winkte ab und lief zu dem Schreibtisch. Er nahm seine Kamera in die Hand, drückte ein paar Knöpfe. Die Einstellungen hatte er bereits drei Mal überprüft, aber man konnte ja nie wissen. Vivian runzelte die Stirn, während er die Tasse austrank. Theon kam ihm seltsam unruhig vor. Vielleicht lag es aber auch an ihm, schließlich hatte er noch vor einigen Momenten ziemlich schlechte Laune verbreitet. Vivian stellte die Tasse zur Seite, fuhr sich nochmal durchs Haar – es brachte nichts – und schlenderte zu Theon. „Wo soll ich mich hinstellen? Vor die Leinwand da?“



„Ja“, sagte Theon knapp, lief durch den Raum und schaltete einige Lampen an, andere wieder aus. Vivian schüttelte den Kopf, stellte sich dann vor die Leinwand und wartete, bis Theon die Kamera auf dem Stativ montierte und sich dahinter stellte.

„Was soll ich denn machen?“

„Wir unterhalten uns einfach und ich mache dabei Fotos von dir, ok? Ich stell dir einfach ein paar Fragen, dann ist es vielleicht leichter.“



Vivian hob die Schultern. „Gut, okay.“

Theon grinste, sah sich auf dem Display der Kamera Vivian an. Er war perfekt. „Dein Lieblingssong?“ Vivian runzelte die Stirn. „Alles von uns, ist doch klar.“ Theon lachte und winkte ab. Vivian schmunzelte. „Deine Lieblingsfarbe?“ Vivian tat, als müsse er nachdenken, schüttelte dann den Kopf. Das war doch albern. „Schwarz. Wie meine Seele.“ Theon gluckste amüsiert, Vivian hob nur tadelnd den Finger. „Du machst dich über mich lustig. Über dein Model! Das solltest du dir abgewöhnen.“ „Klar, Chef!“, gab Theon zurück und zwinkerte Vivian zu. Der Schwarzhaarige musste zugeben, dass er so langsam Spaß an der Sache hatte. „Das Dämlichste, was du getan hast?“, wollte Theon wissen und beobachtete genau, wie Vivian das Gesicht verzog, dann auf ihn zeigte und fies grinste. „Ich erinnere mich da dunkel an ein Schaumbad im Hotelzimmer.“ Theon lachte bei dem Gedanken an diese absolut bescheuerte Idee. Mal abgesehen davon, dass sie es mit dem Schaumbad ganz schön übertrieben hatten, weder die Plattenfirma noch ihre Tourcrew waren begeistert gewesen. Von dem Hotel ganz zu schweigen. „Schon gut, schon gut. Es war meine Schuld, ich geb‘s ja zu“, meinte Theon, klickte sich ein bisschen durch die Bilder, die er bis jetzt hin Vivian genascht hatte. Etwas fehlte.



„Wie geht's dir?“

Vivian sah Theon verdutzt an, überlegte kurz, was er antworten sollte. Ein gut, das aber nicht stimmte? Er steckte die Hände i. Die Hosentaschen, rieb mit der Schuhspitze über den alten Holzboden. „Nicht gut. Ich – fuck, ich fühl mich verloren.“ Vivian sah ziellos durch den Raum, legte die Hände in den Nacken. „Seit wir diese beschissene Pause eingelegt haben, weiß ich gar nicht mehr richtig, wer ich bin. Und ihr, ihr habt alle großartige Ideen und Hobbies und macht Firmen auf. Ich sitze zuhause, kann keinen Ton spielen und warte darauf, dass endlich Wochenende ist und ich Illusia alle zwei Wochen bei mir habe. Ich hasse es, dass sich die Band nur noch so selten sieht und ich noch mehr hasse ich es, dass wir uns nicht mehr sehen.“

Vivian schwieg, behielt noch einen Augenblick die Position inne, ließ dann erschöpft die Arme fallen und drehte sich wieder zu Theon.



Der lächelte Vivian an. „Du bist der enthusiastischste, hingebungsvollste und liebevollste Mensch, den ich kenne.“

Vivians Wangen fingen sofort Feuer, er trat von einem Bein auf das andere. Theon schmunzelte, winkte dann Vivian zu sich, damit dieser die Bilder, die Theon bis jetzt geschossen hatte, ansehen konnte. „Ich mein das ernst, Viv. Und ich finde das großartig. Wenn du etwas liebst, dann bist du mit so viel Eifer und Ehrgeiz dabei, das ist wunderbar anzusehen. Wenn du jemanden liebst, dreht sich deine Welt nur um diese Person. Du stellst dann alles andere zurück. Sie dir deine Tochter an!“ Vivian musste bei dem Gedanken an Illusia lächeln. Sofort ging es ihm besser. „Danke, Toro.“ „Nicht dafür“, tat Theon seine Worte ab, zwinkerte dem Schwarzhaarigen zu. „Aber erzähl es keinem.“



Vivian lachte, boxte Theon freundschaftlich an die Schulter. Er betrachtete die Bilder, die Theon von ihm gemacht hatte. Sie waren schön. Vivian sah sich lachen, verlegen grinsen, nachdenklich dreinsehen. Mal als Portrait, mal in der Totale. Es war ein seltsames Gefühl, sich so nah zu sehen. Jedes Gefühl zu sehen, das man empfand. „Du machst das gut“, sagte Vivian leise, brachte nun seinerseits Theon dazu, rot zu werden. Der Blonde sah Vivian nur intensiv an, klickte dann weiter durch die Bilder. „Du bist einfach ein gutes Motiv.“ Theon schluckte, als Vivian ihn durchdringend ansah. „Lass uns noch ein paar machen, ja?“, schlug Vivian vor. Er hatte sichtlich Spaß an der Aktion gefunden. Und er wollte noch ein wenig Zeit mit Theon verbringen. Die Anwesenheit und die Worte des Blonden waren wie Balsam für sein aufgewühltes Inneres.



„Ja, gerne!“, freute sich Theon und stand sofort wieder bereit hinter der Kamera. Vivian lachte befreit auf, schlenderte dann vor die weiße Leinwand. Er grinste verschwörerisch. „Ich zieh mir noch meinen Pulli aus.“ Vivian griff in seinen Nacken, zog den Pulli nach oben und schließlich über den Kopf. Er glaubte sich einzubilden, wie Theon scharf die Luft einsog. Und er glaubte, den Auslöser der Kamera zu hören. Vivian schüttelte sich, warf den Pulli zur Sitzecke und zog das dunkle Tanktop, das er darunter trug, glatt. Abermals vergeblich versuchte er seine Haare zu richten. Dann sah er zu Theon, der ihn einfach nur anstarrte.



„Hey, bei jedem Promoshooting musste ich mich ausziehen. Jetzt mach ich das freiwillig. Ich hab nämlich ziemlich coole Tattoos“, erklärte Vivian. So langsam bekam er Spaß an der Sache. Theon lachte. „Da kann ich nicht widersprechen.” Er wollte auch nicht widersprechen. Er fotografierte einfach weiter. Wie Vivian die Arme verschränkte, dann cool über die Schulter sah. Überdreht posierte, dann wieder ganz locker dastand. „Vielleicht solltest du modeln“, schlug Theon irgendwann vor. Vivian verdrehte die Augen. „Hm, dazu bin ich zu fett.“ „So'n Scheiß“, winkte Theon an und zeigte auf Vivian. „Du siehst gut aus.“

„Das wollte ich hören“, sagte Vivian und zog sich kurzerhand auch das Tanktop aus. „Ist schon ok, oder?“, fragte er und sah an sich herunter. Ja, sein Oberkörper war schon ganz gut anzusehen. Vivian runzelte die Stirn, als Theon nichts sagte. Er sah zu dem Blonden herüber und schmunzelte. Theons Wangen hatten einen dunklen Rotton angenommen und er starrte angestrengt auf das Kameradisplay.



„Bring ich dich in Verlegenheit?“, fragte Vivian und grinste dabei. Hörte für einen Moment sein Herz laut schlagen. Theon seufzte: „Ja.“

„Gut so“, befand Vivian amüsiert. Er und Theon hatten schon alles voneinander gesehen – das passierte zwangsläufig, wenn man sich ein Hotelzimmer auf Tour teilte. Es war auch nichts dabei, sie waren schließlich Freunde.

„Soll ich so auch Fotos von dir machen?“, wollte Theon wissen, räusperte sich. „Ja.“

Vivian sah Theon fest an. Fühlte sich verwegen, richtig lebendig.



Es war fast, als würde Vivian auf der Bühne stehen. Er konnte eine Rolle spielen, die er so liebte. Vor der Kamera. Er konnte mit dem Publikum spielen. Er war ganz er selbst und doch jemand anderes. Es fühlte sich großartig an.



Theon fotografierte weiter. Vivian bewegte sich anmutig, lief geschmeidig etwas nach links und rechts, drehte sich ein wenig. Ohne es zu merken, bewegte er sich immer weiter auf Theon zu. Stand etwa einen Meter von ihm entfernt. Theon wusste nicht, wo er hinsehen sollte: auf das Display oder direkt zu Vivian, der ihm plötzlich so nah war. Theon zuckte zusammen, als Vivian begann, seinen Gürtel zu öffnen und seine Hose zu öffnen. Auch die Stiefel von den Füßen streifte.



„Was … Was tust du?“



Vivian zog die Jeans nach unten und stieg aus dem Stoff, sah dann offen zu Theon. „Du wolltest mich doch fotografieren?“

Theon leckte sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. „Ja.“ „Aber?“ „Ich hatte nicht gerade an Aktfotos gedacht.“



„Nicht?“, neckte Vivian und lachte dunkel. Er ließ fast schon spielerisch die Hüften kreisen und hakte sich mit den Daumen im Bund seiner Shorts ein. „Na komm, das biete ich dir kein zweites Mal“, meinte Vivian und zwinkerte Theon dabei zu. Nein, er würde das hier mit Sicherheit nicht noch einmal tun. Und vor niemandem außer vor Theon. Doch Vivian fühlte sich gut, zum ersten Mal seit langem hatte er wieder Spaß. Er fühlte sich wie in eine kleine, private intime Wolke gehüllt, in der er Theon alles erzählen konnte und alles tun konnte. In der Theon alles von ihm sehen durfte, endlich ihn sehen sollte, ohne Schnickschnack, ohne Maske, ohne Bühne – nur Vivian.



„Wenn du das willst“, sagt Theon leise, drückte ein paar Knöpfe seiner Kamera. Er musste irgendetwas tun.

Vivian suchte Theons Blick, hielt ihn fest. Erkannte Erstaunen, ein bisschen Ungläubigkeit und etwas, das gefährlich glitzert. Vivian konnte es aber nicht deuten, noch nie hatte Theon ihn so angesehen. Theon versuchte Vivians Blick Stand zu halten, ihn weiter anzusehen. Wie sich Schatten auf dessen Körper bildeten, wenn sich Vivian bewegte. Wie Vivians Augen immer grüner, immer dunkler wurden, die Lippen sich zu einem breiten Lächeln verzogen. Wie Vivians Kopf sich auf einmal senkte, er sich etwas nach unten beugte und sich schließlich die Short auszog. Plötzlich splitterfasernackt dastand. Im Scheinwerferlicht. Vor der weißen Leinwand, auf die er lange Schatten warf. Theon schluckte. Vivian sah wieder auf. Er lächelte nicht. Er war nicht nur nackt, er fühlte sich auch so als könnte Theon bis auf seine Seele blicken, als hätte er alles von sich preisgegeben. Jedes Gefühl, jede Regung, jeden Gedanken, jede Erinnerung. Und es war so nah, so echt, so richtig.



„Nichts, was du nicht auch hast“, sagte Vivian und wollte lustig klingen. Doch seine Stimme war rau, fast kratzig. Er räusperte sich.

„Dreh dich, dreh dich etwas zur Seite, dann … Das sieht auf … Wegen der Fotos“, stammelte Theon. Mit glühenden Wangen und pochendem Herzen. Als sich Vivian bewegte, neu positionierte, drückte Theon erneut den Auslöser. Starrte gebannt auf das Display, konnte den Blick gar nicht mehr abwenden. Zu offen, zu zerbrechlich, zu schön schien Vivian auf den Bildern. Theon versank völlig in Gedanken, musterte jedes Muskelspiel, jeden Schattenwurf, jede Miene Vivians. Schweigend machten sie die Fotos. Bis plötzlich Theons Handy, das auf dem Schreibtisch lag, klingelte und die Stille durchriss. Theon zuckte zusammen, drehte sich, blieb aber hinter der Kamera stehen. Vivian lächelte. Wie könnte er auch nicht, wenn Theon Guardian Angel als Klingelton eingestellt hatte? Theon sah entschuldigend zu Vivian, ging dann doch zu dem Schreibtisch. Gerade als er nach dem Telefon greifen wollte, erstarb das Klingeln. Theon seufzte, sah schnell nach, wer angerufen hatte. Seine Mutter. Er legte das Handy zur Seite. Er wollte wieder zur Leinwand gehen, doch Vivian stand nur einen Meter von ihm entfernt. Noch immer splitterfasernackt.



Vivian grinste, schloss kurz die Augen und schlug dann die Lider wieder auf. Funkelte Theon an. Ging noch zwei Schritte näher auf Theon zu, stand nun direkt vor ihm. Vivian atmete ruhig, doch sein Puls beschleunigte sich. Er machte noch einen Schritt. Spürte Theons Blick auf sich, dessen warmen Atem auf seiner Haut. Zum zweiten Mal an diesem Abend kroch eine Gänsehaut über seinen Körper.



„Frierst du?“, fragte Theon. Vivian konnte das leichte Zittern in der Stimme des Sängers genau hören.

„Nein“, antwortete Vivian, griff nach Theons rechter Hand und legte sie auf seine Brust. Theon konnte Vivians kräftigen Herzschlag spüren.

„Du bist nervös“, stellte Vivian fest, legte seine Hand an Theons Hüfte. Theon starrte auf Vivians Brust, auf die schwarze Schrift darauf, auf seine eigene Hand.

„Ja“, gab Theon zu.



Ein bisschen fühlte es sich an, als knisterte die Luft elektrisiert. Alle Lichter im Raum beleuchteten die Leinwand, hier standen sie im Halbdunkeln. Im Hintergrund lief leise Radio, ein Rocksender. Metallische Gitarrenriffs waren zu hören, wenn man genau darauf achtete. Theon spürte Vivians Wärme, beobachtete ganz genau das neckische Funkeln in den grünen Augen, die Lippen, die sich zu einem wagen Lächeln verzogen.



„Hast du schon mal einen Mann geküsst?“

Theon schluckte. „Ja. Du?“

„Ja.“



Vivian beugte sich noch vorne, etwas nach oben. Theon war größer als er selbst. Er schloss die Augen und küsste Theon. Spürte nur Sekunden später warme Hände auf seinem Rücken, die ihn näher zogen, festhielten. Vivian fuhr sofort unter Theons Pulli, zog ungeduldig an dem dunklen Stoff. Er drängte Theon gegen den Schreibtisch. Der Stiftebehälter kippte um, Kugelschreiber und Bleistifte rollten über die Tischplatte und fielen scheppernd zu Boden. Die Bildschirme und die Tischlampe wackelten bedrohlich. Theon hisste auf, als Vivian den Pulli nach oben schob, ihn direkt über Theons Kopf zog und das Tanktop darunter folgen ließ. Dabei konnte Vivian nicht widerstehen und fuhr über Theons Piercings. „Gott, das wollte ich immer schon mal tun“, nuschelte Vivian, doch Theon hörte es gar nicht mehr.



Vivian nestelte bereits an Theons Gürtel und Hose, als der Blonde nach Vivians Händen griff und sie festhielt. „Fuck, wir-“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Was, hm?“, fragte Vivian. Sein Atem ging tief, seine Brust hob und senkte sich schwer. Wie Theon so vor ihm stand, fast schon auf dem Tisch sitzend, machte ihn verrückt. Theon, dessen Blick glasig geworden war, der heftig ein- und ausatmete. Vivian merkte, wie Theons Griff locker wurde, strich dann über dessen Schritt. Wusste, was Theon mit fuck gemeint hatte. „Scheißdrauf“, knurrte Theon und küsste Vivian hart. Ließ zu, dass der Ältere seinen Gürtel öffnete, seine Hose. Ließ zu, dass raue Hände in seine Short fuhren.



Ohne ein weiteres Wort küssten die beiden sich. Verloren sich völlig in einem Nebel aus Lust, Begierde und Ekstase. Theons Kleidung landete schnell auf dem Boden, er selbst auf dem Schreibtisch. Hände glitten fahrig über erhitzte Haut. Zungen erkundeten fremdes Gebiet. Lauer Atem strich über feuchten Schweiß. Keuchen und Stöhnen wehte durch den Raum.

Vivian fuhr mit den Fingerspitzen die schwarzen Zeichnungen auf Theons heller Haut entlang, konnte nicht genug davon bekommen. In seinem Kopf rauschte es, sein Blut schoss schnell durch seine Adern. Er glaubte, Achterbahn zu fahren. Theon warf den Kopf in den Nacken. Er schloss genießerisch die Augen. Vivian so nahe zu sein, fühlte sich fantastisch an!



Ihre Bewegungen wurden fordernder, ihre Körper spannten sich weiter an, bis erst Vivian und dann Theon kam.

Bis sie sich mit einem sanften Kuss voneinander lösten.

Bis sie sich erst ansahen.

Bis Theon verlegen zur Seite sah, von der Tischplatte rutschte und zur kleinen Küchenzeile ging. Von dort aus Vivian eine Rolle Küchencrêpes zuwarf und sich selbst die Hände wusch. Theon stützte sich mit beiden Händen am Waschbecken ab, atmete tief durch. Versuchte sich, seine Gedanken und seine Gefühle zu beruhigen. Er und ein verdammt guter Freund, sein Band Kollege, sein Gitarrist, sein Vivian – sie hatten sich gerade gegenseitig befriedigt. Und wenn Theon ehrlich war, wollte er mehr. Mehr von Vivian. Viel mehr.



Theon zuckte zusammen, als Vivian ihn versehentlich mit dem Handrücken berührte. Der Schwarzhaarige sagte nichts, drehte stattdessen den Wasserhahn auf und wusch sich ebenfalls die Hände. Stoppte das Wasser wieder, trocknete sich an einem Geschirrhandtuch ab. Küsste Theon auf die Schulter. Sofort zog sich eine Gänsehaut über Theons Körper, versetzte ihn augenblicklich wieder in höchste Anspannung.



Vivian betrachtete Theon einen Moment lang. Spürte ein seltsames Gefühl im Bauch. Ein Kribbeln. Er seufzte tonlos. Ging zur Leinwand, wo seine Kleidung verstreut herumlag. Zog sich wieder an. Lief zu Theon, der sich seine Short übergezogen hatte, und küsste ihn auf die Wange. Griff nach seiner Jacke, schlüpfte hinein und verließ mit klopfendem Herzen das Fotostudio.



Theon stand noch eine Weile an die Küchenzeile gelehnt, ehe er sich aufraffen konnte und sich anzog, die Lichter löschte und sein Studio hinter sich abschloss.



Vivian ging am nächsten Tag mit seiner Akustikgitarre in den Proberaum und spielte ein paar Melodien. Er ging fast jeden Tag in den Proberaum und spielte. Fühlte sich besser. Bekam eine wage Ahnung davon, was er mit sich und seinem Leben anfangen wollte.

Vivian brauchte ein paar Wochen, bis er tief durchatmete und nicht die Stufen in den Keller nahm, sondern in der Fabrikhalle wieder in das Dachgeschoss lief. Es war mittlerweile Anfang Dezember, kalt und verschneit. Die Halle war geheizt, trotzdem zitterten Vivians Hände, als er an die Tür, die zu Theons Studio führte, klopfte. Aus dem Türspalt drang Licht. Vivian drückte die Tür auf, als von drinnen ein fragenden „Ja“ erklang.



Theon saß an dem Schreibtisch, hatte ein paar Bildbände aufgeschlagen. Eine dampfende Tasse Kaffee stand neben ihm. Wieder war Rockmusik aus dem Radio zu hören. Das Studio war wenig beleuchtet. Über der Sitzecke und auf dem Schreibtisch brannte je eine Lampe. Es war angenehm warm.

„Hi“, sagte Vivian leise. Theon sah auf, erstaunt. „Viv, hey“, antwortete er und stand auf.



„Ich …“, begann Vivian, wusste dann aber nicht so recht, was er sagen sollte. Theon seufzte tonlos. „Schön, dich zu sehen.“ Er hatte nicht gedacht, dass Vivian freiwillig zu ihm kommen würde. Er wusste zwar, dass der Gitarrist seit einiger Zeit wieder den Proberaum nutzte – schließlich hatte Theon oft genug vor der Tür gestanden und den Gitarrenklängen gelauscht – doch nach … Theon versuchte sich an einem Lächeln. „Willst du vielleicht deine Bilder sehen?“



„Nein. Also, doch, ja!“ Vivian wollte sich am liebsten herumdrehen und gehen. Er war doch sonst nicht so auf den Mund gefallen! „Ich würde sie gerne sehen“, sage Vivian fest. Theon rutschte mit dem Stuhl etwas zur Seite. „Nimm dir den Hocker und komm her.“ Vivian lief zur Sitzecke, schnappte sich einen lederbezogenen Hocker und setzte sich damit neben Theon. Der hatte bereits einen Ordner geöffnet, sodass sich Vivian bereits selbst bestaunen konnte. Mal blickte er sich ernst an, mal lachte er. Er wirkte offen, man konnte auf den Fotos jedes einzelne Gefühl erkennen, jede Regung, beinahe jeden Gedanken. Theon hatte einige der Aufnahmen in schwarz-weiß Fotos verwandelt. Sie hatten eine ganze eigene Atmosphäre, erzählten eine eigene Geschichte.

Nach ein paar Minuten trug Vivian immer weniger Kleidung auf den Bildern. Sich so zu sehen, fühlte sich seltsam an. Aber nicht fremd. Eher, als wäre Vivian ganz bei sich selbst. Als wüsste er, wer er war, wer er sein wollte.



Vivian starrte gebannt auf den Bildschirm. „Danke“, flüsterte er irgendwann. Theon nahm die Hände vom Schreibtisch, rieb sie an seiner Hose ab. Sie waren schwitzig geworden. „Gern. Und danke dir.“



Vivian verzog den Mund, betrachtete dann die Zimmerpflanze, die neben dem Schreibtisch stand. Ein Fikus? Vivian hatte keine Ahnung, es war ein kleiner Baum mit kleinen, grünen Blättern.

„Weshalb ich eigentlich gekommen bin …“ Vivian seufzte und wandte sich Theon zu, der mit großen Augen neben ihm saß. Die Hände des Sängers lagen angespannt auf dessen Oberschenkeln. Er wippte mit dem rechten Fuß.

„Fuck, Toro, es tut mir leid, dass ich danach einfach verschwunden bin!“



Theon nickte. Spürte, wie sich sein Puls allein von dem Gedanken an das danach beschleunigte.

„Schon ok“, gab Theon leise zurück. Dabei war gar nichts ok. Seit diesem Abend bekam Theon den Älteren gar nicht mehr aus dem Kopf – aus wirren Gedanken, die meistens um Vivian gekreist hatten, war eine richtige Sehnsucht geworden. Aus seltsamen erotischen Träumen waren handfeste Fantasien geworden. Aus einem kleinen Herzhüpfer war erst ein Polstern und dann ein kraftvolles Schlagen geworden. Und all das nur wegen des Gitarristen. Theon erkannte sich selbst kaum wieder. Er hatte Vivian schon immer gemocht, doch dass er ihn begehrte – ach, dass er diesen Typen liebte – war neu. Vivian schüttelte den Kopf. „Ne, das war scheiße von mir.“ Scheiße war untertrieben. Denn auch seine Gedanken flirrten aufgeregt herum, auch seine Gefühle fuhren Achterbahn, auch sein Herz klopfte schneller.



„Du warst seitdem öfter im Proberaum. Warum bist du ausgerechnet heute zu mir gekommen?“, fragte Theon. Ja, er hatte Vivian beobachtet. War selbst einige Male im Proberaum gewesen. Hatte sich nie getraut, den Raum zu betreten, wenn darin ganz unverkennbar Vivians Gitarrenklänge zu vernehmen waren. Es war idiotisch. „Ich musste meinen Mut zusammennehmen“, antwortete Vivian und lächelte leicht. Theon zog die Stirn kraus.



„Ich, also, ich meine, wir …“ Vivian verdrehte die Augen. Wie war das mit dem Mut? Er atmete tief durch, drehte sich zu Theon und küsste ihn. Wurde zurück geküsst.

„Das würde ich in Zukunft gern öfter tun“, sagte Vivian. Theon lachte. Sein Herz hüpfte. „Das passt mir ganz gut.“

ENDE
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast