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Für immer wild

von Larimia
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Joschka Klette Leon Markus Maxi Vanessa
27.12.2020
20.01.2021
8
16.934
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13.01.2021 3.099
 
»Setz dich doch, Leon«, bat Heinrich, welcher seine Fliege zurechtzog und ihn bereits jetzt schon mit seinem Blick neugierig musterte.
Er kam der Bitte nach und nahm gegenüber der vier Männer vom Vorstand und Eckhard Brenner Platz. Dieser grinste dämlich vor sich hin und der Slalomdribbler wusste, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Abgesehen davon, dass er keine Lust hatte, sich einen anderen Verein zu suchen, war das größte Problem ja auch Vanessa und Pia. Er war so froh gewesen, dass er in München hatte bleiben können, so blieb er immer in der Nähe seiner Familie und Freunde. Wenn er jetzt umziehen musste, würde das bedeuten, dass er Pia noch weniger sehen würde als ohnehin schon.
»Danke, dass du so kurzfristig Zeit gefunden hast. Wie du bestimmt weißt, möchten wir mit dir über deine Zeit in der Mannschaft reden.«
»Sehr gerne. Ich wollte an der Stelle nochmal erwähnen, wie froh ich bin, für diesen Verein spielen zu dürfen. Es ist mir wirklich eine große Ehre«, warf Leon ein.
Dieses Geschleime ist nicht seine Art, aber er war verzweifelt und griff nach jedem rettenden Strohhalm, auch wenn er dafür seine Prinzipien über Bord werfen musste.
»Davon hast du in letzter Zeit aber nicht wirklich viel gezeigt«, grunzte Eckhard, woraufhin Leon wehmütig den Kopf hängen ließ.
»Ich weiß. Und mir ist auch bewusst, dass ich mich dafür schon etliche Male entschuldigt habe. Meine Leistung war unterirdisch. Ich brauche nur eine Chance, um mich wieder zu beweisen. Ich habe in der letzten Woche wirklich angezogen mit dem Training«, flehte Leon sie an.
»Das wissen wir und deswegen konnten wir auch sehen, dass sich deine Leistung wieder gesteigert hat. Aber Leon, du spielst in einer der besten Mannschaften Deutschlands und es gibt sehr viele Leute, die würden ALLES geben, um bei uns zu spielen. Wir sind einfach nicht mehr sicher, ob du das noch willst und wir müssen wohl oder übel eine Entscheidung treffen«, meinte Klaus und sah Leon ernst an.
Er konnte spüren, wie ihm der Schweiß auf der Stirn stand und das lag nicht an den warmen Temperaturen, die draußen herrschten. Er musste sich irgendwas einfallen lassen.
»Gebt mir einen Monat und wir werden alle kommenden Spiele gewinnen. Wir können den Vertrag auch erst einmal nur für ein paar Monate verlängern und dann könnt ihr immer noch entscheiden, ob ihr mich in der Mannschaft haben wollt oder nicht«, schlug Leon vor.
»So einfach ist das leider nicht«, meinte Heinrich bedauernd, »Da hängen eine Menge Gelder dran. Außerdem hören wir auch auf das, was Eckhard und die Mannschaft uns sagt.«
»Ihr habt mit der Mannschaft gesprochen?«, fragte Leon zögernd, »Was hat sie gesagt?«
»Wir können natürlich keine konkreten Namen nennen, doch die allgemeine Stimmung war ziemlich deutlich. Sie schätzen dich und deine Fähigkeiten sehr. Sie wissen, dass du es draufhast und ein guter Fußballspieler bist. Das hast du schon sehr oft bewiesen. Doch in den letzten paar Monaten hast du dich immer mehr von ihnen distanziert und sie sich von dir.«
»Wir haben einfach nicht so viele Gemeinsamkeiten«, versuchte Leon zu erklären.
»Auf menschlicher Ebene muss es ja auch nicht immer klappen. Es erwartet keiner von dir, dass du jeden Abend mit den Jungs ein Bier trinken gehst«, beschwichtigte Klaus ihn.
»Obwohl das für die PR nicht schlecht wäre. Die ist in den letzten Monaten ganz schön eingeschlafen. Wir brauchen dringend mal wieder eine interessante Story«, warf Steve ein. Er schob nachdenklich seine Brille nach oben, während sich das schwache Licht der Lampen in seiner Halbglatze spiegelte.
»Allerdings ist es ein MUSS, dass es auf dem Spielfeld funktioniert und das ist nun mal eben unerlässlich. Fußball ist schließlich ein Teamsport. Einzelspieler haben da nichts verloren«, erklärte Klaus. Mit der einen Hand trommelte er nervös mit den Fingern auf den Tisch und mit der strich er sich die blonden Haare zurück. Sie waren fast so lange geworden, dass er sie zu einem Zopf zusammenbinden konnte. Leon wusste, dass ihm das Gespräch auch nicht besonders leichtfiel. Von allen hier im Raum hatte er mit Klaus am längsten zu tun gehabt und er war ihm für so viele Sachen dankbar. Er hatte oft genug den Kopf für den Slalomdribbler hingehalten und er konnte nicht von ihm verlangen, dass er es schon wieder tat. Schließlich ging es hier auch um seinen Job, den er sich ehrlich verdient hatte.
»Deswegen sind wir ja auch traurig, dass du dich so hängengelassen hast«, sagte Eckhard bedauernd. Leon wusste, dass er es nicht ernst meinte.
»Ich weiß auch, dass ich es kann. Deswegen verspreche ich es euch auch – ein Monat, dann bin ich wieder fit. Ich verzichte in der Zeit auch auf das Gehalt«, bot der Slalomdribbler an.
Die Leute vom Vorstand tauschten zweifelnde Blicke und Eckhard verschränkte die Arme vor der Brust. Es sah nicht gut für Leon aus, das war ihm klar. Doch er hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, es musste eine Möglichkeit für ihn geben, die Situation zu retten.
»Glaub nicht, dass wir keine Fans von dir sind. Ich weiß noch, wie ich dich damals bei den Wilden Kerle habe spielen sehen. Ich war selbst noch ein blutiger Anfänger, gerade mit dem Studium fertig und habe hier in dem Verein ein Praktikum bekommen«, erzählte Klaus.
»Ich erinnere mich. Sie haben dich zu diversen Spielen von unbedeutenden Mannschaften geschickt – zum Beispiel die Wilden Kerlen«, meinte Leon grinsend.
»Jetzt bis du aber bescheiden. Eure Mannschaft war bereits in ganz Deutschland bekannt und ihr seid wirklich gut gewesen. Doch leider hat diese … Mannschaftsform keine Zukunft gehabt. Ihr hättet nie in der Bundesliga spielen können«, sagte Klaus.
»Ich war auch ein großer Fan von euch«, meinte Heinrich seufzend und alle im Raum stimmten ihnen zu.
»Keine Ahnung, auf wie vielen Spielen ich von euch war. Wir sind immer mal wieder ins Gespräch gekommen und ich habe dein Talent gesehen«, meinte Klaus eindringlich.
»Mir ist heute immer noch ein Rätsel, wie du es geschafft hast, dass der Verein mich nimmt«, gestand Leon.
»Du warst eins der vielversprechendsten Nachwuchstalente Deutschlands. Die anderen Vereine haben dich nicht so ernst genommen wie ich und das war dein Glück«, sagte Klaus lachend.
»Ohne dich wäre Klaus jetzt nicht im Vorstand, das stimmt wohl. Wir werden nicht vergessen, was ihr beide für den Verein getan habt. Doch der Unterschied zwischen Klaus und dir ist, dass er seinen Posten nicht für selbstverständlich nimmt«, mischte sich Albert zum ersten Mal in das Gespräch ein.
Der mollige Mann mit dem kurzen Hals hielt sich gerne aus ernsten Diskussionen raus und warf nur dann etwas ein, wenn er wusste, dass er die Meinung der anderen reflektierte.
»Das tue ich nicht, wirklich«, sagte Leon schnell.
»So hat Albert das nicht gemeint. Aber es stimmt schon, dass du dich einfach zu sehr auf deinen Lorbeeren ausgeruht hast«, meinte Steven.
»DAS HABE ICH NICHT. Ich hatte privat einige Probleme und das hat sich auch auf das Spiel ausgewirkt, aber das ist jetzt geklärt«, versprach Leon ihnen.
»Schluss jetzt! Ich habe wirklich keine Lust, mir länger diese Ausreden anzuhören. Ich habe dem Vorstand klipp und klar gesagt, dass ich einen anderen Spieler haben möchte, und ich habe ihnen auch schon die Liste mit potenziellen Kandidaten gegeben«, polterte sein Trainer.
»Klaus, komm schon«, begann Leon, doch dieser schüttelte bedauernd den Kopf.
»Es tut mir Leid, aber wir haben das besprochen und werden der Bitte von Eckhard nachkommen. Mach dir keine Sorgen, ich werde die richtigen Leute kontaktieren. Ich werde dich bei einem guten Verein unterbekommen, das verspreche ich dir«, sagte Klaus ehrlich.
»Tja, wärst du mal lieber bei den Wilden Kerle geblieben«, meinte Eckhard grinsend.
»Die Kerle … hey, ich habe einen Vorschlag«, sagte Leon langsam und alle schauten ihn verwundert an, »Dann bekommt ihr eure tolle PR und ich bleibe in der Mannschaft.«
»Und die wäre?«, fragte Heinrich.
»Ein Spiel zwischen den Wilden Kerlen und dem Verein. Ich hole die Jungs und Mädchen zurück und werde euch zeigen, wie gut ich spiele. Denn die Wilden Kerle werden gewinnen.«
»Das ist doch …«, begann Eckhard prustend.
»… genial«, meinte Steve begeistert.
Leons Trainer sah so aus, als ob er vom Glauben abfallen würde.
»Ihr hattet euch ja offiziell getrennt, oder? Das wäre dann quasi euer Comeback. Die Wilden Kerle kommen extra für ein Spiel gegen unsere Mannschaft aus der Versenkung zurück. Natürlich ist es ein Freundschaftsspiel. Die Pressemitteilungen wären der Hammer!«
»Es wäre DAS Fernsehevent des Jahres«, stimmte Albert zu und seine Augen begannen zu leuchten.
»Das ist nicht euer Ernst, oder? Die Mannschaft trainiert doch nicht so hart, um am Ende gegen so drittklassige Hobbykicker anzutreten«, schnaubte Eckhard.
»Wenn du denkst, dass wir eh keine Chance haben, dann hast du auch nichts zu verlieren, oder?«, fragte Leon kühl.
Michaels Kopf wurde rot, doch er sagte kein Wort mehr.
»Und du bringst die Wilden Kerle wirklich dazu wieder zusammen zu spielen?«, fragte Heinrich zweifelnd.
»Ja klar. Wir sind alle immer noch eng miteinander befreundet. Sie würden alles für mich tun«, meinte Leon bestimmt.
»Okay, wie du meinst. Wenn ihr das Spiel wirklich gewinnt, dann darfst du in der Mannschaft bleiben. Wenn nicht, dann bist du raus. Wir werden dir ein Formular für die anderen Kerle fertigmachen. Wir brauchen ihre schriftliche Bestätigung, dass sie auch wirklich mitmachen«, erklärte Klaus Leon, woraufhin dieser nickte.
Der Vorstand klärte mit ihm noch ein paar Formalitäten ab und es wurde genau besprochen, wie das Spiel und die Werbung darum aussehen sollte. Eckhard hatte den Raum irgendwann fluchtartig verlassen; ihm gefiel die Abmachung wohl alles andere als gut. Sie behielten Leon auf jeden Fall bis zum Ende des Spiels, auch wenn er in der Zwischenzeit nicht mit dem Verein trainieren würde. Außerdem waren sie so nett und stellten den Kerlen und ihm einen der Trainingsplätze zur Verfügung. Als Leon die Besprechung verließ, war er wie in Trance. Warum hatte er diesen Vorschlag gemacht und was zur Hölle hatte er sich dabei gedacht?

Normal hätte Vanessa Leon angemeckert, weil sein Termin keine halbe, sondern zwei Stunden gedauert hatte, doch sie war so gespannt auf das Ergebnis, dass sie nichts weiter sagte. Er erzählte ihr nur, dass er vorerst beim Verein bleiben konnte, er jedoch nicht genau wüsste, wie lange. Er schaffte es, sie zu beruhigen, und schließlich fuhr sie nach Hause. Leon hatte ihr nicht sagen können, was wirklich Sache war. Er musste sich noch überlegen, wie er die ganze Angelegenheit am geschicktesten anging. Er wusste nicht, wie die anderen auf dieses Spiel reagieren und ob sie überhaupt mitmachen würden. Sie würden einige Wochen jeden Tag trainieren müssen, schließlich waren sie alle aus der Form. Leon wurde schlagartig bewusste, dass er da drinnen große Töne gespuckt hatte, die kompletter Schwachsinn waren. Sie hatten keine Chance zu gewinnen. Er kickte noch ein paar Bälle mit Pia und versuchte dabei, nicht allzu besorgt auszusehen. Er wollte die Zeit mit seiner Tochter genießen, doch das war unter den Umständen gar nicht so einfach. Die beiden gingen eine Pizza essen und im Anschluss ins Kino. Es war irgendein Kinderfilm, allerdings konnte Leon später nicht einmal sagen, wovon er handelte, weil er so in Gedanken versunken war. Zum Glück reichte es aus, damit Pia zuhause müde ins Bett fiel und er hatte Zeit, einen Anruf zu tätigen.
»Leon, wie geht es dir?«, fragte Fabi am anderen Ende der Leitung.
»Alles gut soweit … oder ehrlich gesagt nein. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll«, gestand der Slalomdribbler, »Hast du morgen zufällig Zeit?«
»Ich bin selbstständig, ich habe nie Zeit. Das weißt du doch«, lachte Fabi.
»Hey, das hier ist Ernst«, bat Leon, und sein bester Freund hörte auf zu lachen.
»Okay, ist ja schon gut. Wann?«
»Um sieben Uhr in unserer Stammkneipe. Ich lade dich auf ein paar Bier ein«, erklärte er.
»Das ist doch mal ein Wort. Dann komme ich gerne«, meinte Fabi begeistert.
»Wir sehen uns dann morgen«, beendete Leon den Anruf.
In der Nacht schlief der Slalomdribbler nicht gut. Er lag lange wach und fragte sich, wie er schon wieder in so eine dämliche Situation geraten konnte. Er war gefühlt gerade erst eingeschlafen, da wurde er von Pia geweckt. Sie frühstückten zusammen und Leon musste ihr wie immer eine Geschichte von den Wilden Kerlen erzählen. Normal tat er das gerne, doch dieses Mal schien die ganze Sache einen üblen Beigeschmack zu haben. Natürlich stand Vanessa pünktlich um halb acht Uhr auf der Matte, um Pia abzuholen. Zum Glück gingen sie direkt los, weil die Kleine zur Schule musste, und so hatten Vanessa und er ausnahmsweise keine Zeit sich zu streiten. Leon wusste genau, dass sie nicht besonders glücklich auf seinen Plan reagieren würde. Die Auseinandersetzung war schon vorprogrammiert und in diesem Fall konnte er nachvollziehen, warum sie sauer sein würde. Anschließend ging er joggen und ins Fitnessstudio. Dort wurde er natürlich von einigen Fans erkannt und er war heilfroh, dass keiner wissen wollte, weshalb er hier alleine trainierte. Er gab ihnen die gewünschten Fotos und Autogramme. Es kam auch heute noch häufig vor, dass sie ihn nach den Wilden Kerlen fragten. Leon beantwortete diese Fragen immer gerne und er freute sich über die Fans, die seit der ersten Stunde dabei waren.
Als es langsam Abend wurde, ging er nach Hause, duschte und machte sich etwas zu essen. Er scrollte durch Social Media und stellte erleichtert fest, dass sein Verein noch nichts zu dem bevorstehenden Event gepostet hatte. Wahrscheinlich würde das erst der Fall sein, wenn Klaus alle Unterschriften der Kerle hatte und ein Termin für das Spiel feststand. Leon wollte nur sicherstellen, dass die anderen es mitbekamen, bevor etwas durchsickerte oder Vanessa es auf der Arbeit erfuhr. Er musste schnell handeln und genau deswegen wollte er sich Fabis Rat einholen. Als er die Bar um sieben Uhr betrat, wartete er bereits auf ihn.
»Ich habe uns beiden schonmal ein Bier bestellt«, begrüßte er ihn, als er sich an den Tisch setzte.
»Danke«, kommentierte Leon knapp und schaute sich im Raum um.
Er wollte sichergehen, dass in ihrer Nähe keine Fans saßen, doch er hatte Glück; es war früh, die Bar noch relativ leer und die anderen Gäste waren außer Hörweite.
»Du bist ganz schön wortkarg, so kenne ich dich ja gar nicht. Dann muss es ja wirklich ernst sein«, meinte Fabi stirnrunzelnd.
»Sagen wir so, ich habe ganz schön viel Mist gebaut«, gestand Leon direkt, doch da der Kellner mit dem Bier ankam, musste er unterbrechen.
»Danke«, sagte Fabi zu ihm und wandte sich wieder an Leon, »Dann lass uns doch erst einmal anstoßen. Wir sind beide gesund und glücklich, was wollen wir mehr?«
Sie hoben ihre Gläser und einen Moment später ertönte ein Klirren.
»Naja, glücklich ist so eine Sache. Ich hatte da gestern ein Gespräch mit dem Vorstand«, begann der Slalomdribbler seine Geschichte.
Fabi hörte ihm aufmerksam zu, runzelte die ganze Zeit über die Stirn und als Leon bei dem Teil ankam, wo er den Vorschlag für das Spiel gegen die Wilden Kerle machte, begann sein bester Freund lauthals zu lachen.
»Das ist nicht dein Ernst«, prustete er so laut, dass sich die Leute zu ihnen umdrehten.
»Geht das auch ein bisschen leiser? Das soll keiner mitbekommen«, zischte Leon.
»Ich kenne keine andere Person, die auf so eine bescheuerte Idee kommen würde. Aber klar, für mich ist es witzig, schließlich bin ich ja schon lange bei den Wilden Kerlen raus. Was sagen denn die anderen dazu?«
»Ich habe es ihnen noch nicht gesagt und deswegen wollte ich mich auch mit dir treffen. Ich habe keine Ahnung, wie ich sie auf meine Seite ziehen soll«, gestand Leon.
»Ach, da drückt der Schuh also. Tipp Nummer eins: Sag es ihnen so schnell wie möglich. Solche interessanten Infos sickern meistens früher als später durch und dann wird es noch schwerer als ohnehin schon sie auf deine Seite zu ziehen«, riet Fabi ihm.
»Auf die Idee bin ich auch schon gekommen, Klugscheißer. Ich habe nur keine Ahnung, WIE ich es ihnen sagen soll«, jammerte er.
»Machst du Witze? Du bist Leon, der Slalomdribbler.«
»Wow, es ist wirklich lange her, dass mich jemand so genannt hat. Fast schon eine Ewigkeit«, murmelte Leon.
»Ja. Erinnerte dich verdammt nochmal dran, wer du bist. Du bist der Anführer der Wilden Kerle. Wenn du sie darum bittest, werden sie zu dir kommen und sie werden mit dir spielen. Sei nett und der Rest kommt von alleine. Du weißt doch, wie das läuft«, meinte Fabi und trank einen Schluck von seinem Bier.
»Wir haben aber auch noch das Problem, dass wir einen Trainer brauchen. Meine Spielweise ist eingerostet und ich bräuchte jemanden, der ein bisschen Schwung in die Sache bringt«, warf Leon ein.
»Und? Hast du schon eine Idee?«, fragte Fabi.
»Ich dacht … willst du das vielleicht nicht übernehmen?«.
Fabi begann wieder so laut zu lachen, dass sich alle an den Tischen zu ihnen umdrehten.
»Was ist daran so lustig? Du warst schließlich der Anführer der Biester, du hattest echt was drauf«, meinte Leon ein wenig verärgert.
»Du hast es richtig gesagt, ich HATTE es drauf. Ich habe seit über zehn Jahren nicht mehr richtig gespielt, außerdem bin ich mit meiner Werbeagentur mehr als genug beschäftigt«, argumentierte Fabi.
»Ach komm, das macht dir wirklich Spaß?«, fragte er kritisch.
»Fußball steht nicht bei uns allen im Mittelpunkt des Lebens. Ob du es glaubst oder nicht, mir macht dieser Job wirklich SPAß«, meinte Fabi amüsant.
»Und woher bekomme ich jetzt einen Trainer?«, fragte Leon seufzend.
»Machst du Witze? Du spielst bei einem der bekanntesten Vereine Deutschlands und du willst mir erzählen, dass du keinen kennst, der euch trainieren könnte?«
»Das sind alles Flaschen. Es muss jemand sein, der die Wilden Kerle kennt. Wir haben schon immer anders getickt«, warf er ein.
»Wie wäre es mit Willi?«, fragte Fabi und nun war es Leon, der laut loslachte.
»Machst du Witze? Dieses Urgestein?«
»Du wolltest jemanden haben, der euch kennt. Seine Trainingsmethoden sind anders. Erinnerst du dich noch an das Spiel gegen den Dicken Michi?«
»Verflixt, natürlich kann ich mich erinnern. Aber Willi? Ist das dein Ernst?«, fragte Leon misstrauisch.
»Warum nicht? Fällt dir jemand anderes ein?«, stellte Fabi die Gegenfrage.
»Okay, ein Versuch ist es wert. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo er sich aufhält.«
»Ich glaube, da kann ich dir weiterhelfen. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, dass ich mich mit ihm unterhalten habe und ich weiß nicht, ob die Adresse noch stimmt, aber ein Versuch ist es wert«, meinte Fabi achselzuckend.
»Danke, Mann. Ich weiß nicht, was ich ohne dich machen würde«, sagte Leon erleichtert.
»Ist gut. Sieh nur zu, dass du es nicht verbockst«, meinte Fabi und die beiden stießen erneut an, obwohl ihre Gläser fast leer waren.
Zum ersten Mal seit langem verspürte Leon wieder so etwas wie Hoffnung.
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