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Running with the wolves

von Mimske
GeschichteRomance, Fantasy / P18 / Gen
Diluc Ragnvindr Jean Gunnhildr Kaeya Alberich Lisa Minci OC (Own Character) Razor
27.12.2020
07.01.2021
3
6.202
5
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27.12.2020 2.175
 
Unbeirrt streife ich durch den tiefen Wald, auf der Suche nach einigen Kräutern und Beeren, die mein Abendessen bereichern würden. Wenn es so weiter geht, werde ich wohl die Nacht hier draußen verbringen müssen, der Weg bis nach Mondstadt ist vor Sonnenuntergang nicht mehr zu bewerkstelligen. Darauf achtend nicht mehr Geräusche als nötig zu verursachen, setze ich meinen Weg durch das Unterholz fort. In der Stadt wurde mir gesagt, diesen Ort hier nennt man Wolfsland und die Menschen haben nicht viel damit zu tun. Es ist zwar nicht sonderlich weit weg, aber man merkt bereits nach wenigen Metern, dass die Natur hier das Sagen hat und keine Menschenhand sie je umgeformte. Vor meinem Aufbruch wurde ich vor den einheimischen Tieren gewarnt, aber auch vor den Schleimen, die hier wohl viel größer als gewöhnlich werden sollen. Zum Glück bin ich in der Schwertkunst mehr als bewandert und mache mir wenig Sorgen um meine Sicherheit. Außerdem könnte ich mich dank meiner hauptsächlich braunen Lederbekleidung relevtiv gut im Gestrüpp verstecken, falls es doch zu brenzlig werden sollte.

Als ich um einige Bäume schleiche bemerke ich eine rot glänzende Blutspur, welche sich vom hölzernen Geäst abhebt. Die Spur führt Richtung Ausgang des Waldes und ich frage mich, ob sie von einem Tier oder einem verletzen Reisenden stammt. Auf die Geräusche meiner Umgebung achtend folge ich dem Blut vorsichtig, falls es sich um die Beute eines Wolfes handeln sollte will ich nicht den Eindruck erwecken, ihm diese streitig zu machen. Laute Warnschreie der Vögel sind zu hören und ein mulmiges Gefühl breitet sich in meinem Bauch aus, trotzdem tragen mich meine nun hastigen Schritte weiter nach vorne. Durch ein Gebüsch hindurch erkenne ich schließlich den Ursprung des Blutes und analysiere versteckt die Szenerie.

Auf der kleinen Lichtung stehen drei mit Schwertern bewaffnete Männer, wobei einer von ihnen seine Waffe gezogen hat, an welcher angetrocknetes Blut klebt. Da die Männer im Halbkreis mit dem Rücken zu mir gewandt stehen erkenne ich nicht, welches Tier sie auf diese brutale Art erschlagen haben und husche hinter einen nahegelegenen Baum. Was ich dort allerdings erkenne, lässt mein Blut in Wallung bringen und meine grauen Augen weiten sich empört. Vor den Übeltätern liegt eine weiße Wolfsmutter verwundet am Boden und knurrt die Angreifer an, während sich drei Welpen hinter ihr verstecken. Geschickt erklimme ich den dichten Baum vor mir und suche Deckung in seinem Blättern. Konzentriert streiche ich mir einige grüne Haarsträhnen aus dem leicht verdrecktem Gesicht, die sich aus meinem Pferdeschwanz gelöst haben. Als ich sehe, wie der Mann sein blutiges Schwert erneut hebt halte ich für einen Moment die Luft an, ziehe blitzschnell einen meiner Dolche aus meinem Gürtel und durchbohre die Schulter seines Schwertarmes. Schmerzerfüllt schreit der Jäger auf und lässt sein Schwert fallen, während sich seine Kameraden erschrocken umdrehen und mit hektischen Blicken die Umgebung nach mir absuchen. Sie werden nicht auf die Idee kommen, dass ich mich in einer geschützen Baumkronen befinde. Erneut lasse ich einen Dolch auf sie schnellen, welcher jedoch den Kopf eines anderen Mannes knapp verfehlt und stattdessen im Baum hinter ihm landet. Dumm wie gedacht, zieht der verletzte Jäger die Waffe aus seiner Schulter, aus der dunkelrotes Blut quillt, hebt sein Schwert vom Boden auf und sucht mit seinem Kollegen die Gegend nach mir ab.

„Komm raus!“, schreit er mit zittriger Stimme und es braucht nur einen weiteren geschickten Wurf, damit die drei Männer panisch das Weite suchen. Kein Gegner ist gefährlich als der, den man nicht sieht. Als sie außer Hörweite sind und mir somit keine Gefahr mehr droht, schwinge ich mich elegant vom Baum und lande gegenüber der Wolfsmutter, auf der anderen Seite der kleinen Lichtung. Zu meiner Überraschung knurrt sie mich nicht an, sondern beobachtet jede meiner Handlungen mit angewinkelten Ohren genauestens. Mit achtsamen Schritten sammle ich meine Dolche wieder ein, immerhin weiß ich nicht ob die drei Jäger Verstärkung holen und jeden Moment zurück kommen. Als ich den letzen Dolch aus dem Baum ziehen wollte, kommt eines der Wolfsjungen auf mich zu getapst und jault gequält auf. Es beißt sich in meinen dicken Lederstiefel fest und versucht mich in die Richtung seiner Mutter zu ziehen. Vorsichtig nähere ich mich dem am Boden liegenden Wolf und betrachte seine offene blutende Wunde. Der Oberschenkel wurde erwischt, aber der Muskel wurde nicht komplett durchtrennt, weswegen die Wunde mit der Zeit zusammenwachsen sollte. Kurz überlege ich und ziehe anschließend ein paar Wolfshaken aus meinem abgenutzen Rucksack. Diese strecke ich dem wilden Tier entgegen, welches prüfend daran richt und sich anschließend etwas mehr auf die Seite legt. Mit einem der Dolche schneide ich die Früchte in zwei Hälften und presse ihren Saft aus, sodass dieser auf der offenen Wunde landet. Ein paar gequälte Geräusche sind zu hören, ehe das Tier verstummt und die Blutung langsam nachlässt. Wie gut das ich auf meinen Reisen etwas im Bezug auf Kräuter- und Heilungkunde gelernt habe. Ich entferne mich wieder von dem weißen Wolf und betrachte die kleine Familie. Freudig kuscheln sich die Jungen an ihre Mutter, welche sich vor Erschöpfung kaum bewegen kann. Die Verletzung und der Stress durch die bedrohlichen Männern mit ihren langen stumpfen Waffen hat ihr ziemlich zugesetzt. Ein leises Seufzend entweicht meiner trockenen Kehle, als ich meinen Rucksack ablege und den an der Seite angehängten erlegten Hase abbinde. Diesen lege ich vor den Wolf und sogleich fallen die Welpen über ihn her. Es ist nicht viel, aber es wird sie stärken und ich komme auch einen Abend ohne Essen aus.

Abgelenkt von dem bunten Treiben der aufgeregten Jungen bemerke ich gar nicht, wie hinter meinem Rücken ein Schleim aus dem Gebüsch springt. Als ich ihm im Augenwinkel wahrnehme ist es quasi schon zu spät. Bevor ich auch nur die Chance dazu habe mein Schwert zu ziehen, kommt von der Seite ein Blitz auf uns zugestürmt und trifft den Hydro-Schleim von der Seite, welcher durch den Wald geschleudert wird und eine kleine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Durch den aufgewirbelten Staub fange ich an zu husten und brauchte einige Sekunden, ehe ich meinen Retter erkenne.

„Danke!“, entweicht meiner Kehle, als ich einen jungen Mann sehe. Sein wildes Erscheinungsbild, die grauen langen Haare und die zahlreichen Narben auf seinem Körper passen perfekt in die Wildnis und er erinnert beinahe an einen Wolf. Aufgrund meiner Worte fixieren mich seine rot leuchtenden Augen, welche mir kurz das Blut in den Adern gefrieren lassen, ehe er leicht den Kopf schief legt.

„Freund von Wolf. Aber du bist?“, fragt er abgehackt mit rauer Stimme, was darauf schließen lässt, dass er für gewöhnlich nicht viel spricht. Seine Haltung wirkt leicht zurückhaltend und in seinen großen Augen schimmert Nervosität. Mit Menschen kann er wohl nicht besonders gut, zumal die meisten Jäger ihm mit Sicherheit nicht freundlich gesonnen sind.

„Ich bin eine einfache Reisende, die deiner Freundin geholfen hat. Ich will keinen Ärger.“, erkläre ich ihm, vorauf hin er einige Schritte auf mich zukommt und ich nun diejenige bin, die verunsichert ist. Kein halber Meter trennt uns voneinander, als er sich zu mir runter beugt und an meinen Haaren riecht, was mein Herz vor lauter Anspannung zum schneller schlagen bringt.

„Du riechst… vertraut.“, murmelt er nachdenklich und ich weite überfordert meine grauen Augen. Ich habe mit vielen gerechnet, aber nicht mit einem attraktiven Mann in meinem Alter, der mir nicht nur das Leben rettet, sondern auch ein bizarres Verhalten an den Tag legt.

„Ich bin viel in der Natur unterwegs, vermutlich deswegen.“, zucke ich perplex mit den Schultern, eine bessere Erklärung fällt mir nicht ein, „Wie heißt du?“

„Razor.“, stellt sich mein Gegenüber vor, als unser Gespräch vom fern klingenden Jaulen einiger Wölfe unterbrochen wurde. Diese sind wahrscheinlich auf dem Weg um ihr verletztes Rudelmitglied zurückzuholen. Hektisch schultere ich meinen Rucksack und pfüte ob ich alle Dolche bei mir trage, dies erscheint mir ein guter Zeitpunkt um zu gehen. Der Grauhaarige betrachtet mich verwirrt und kann mein Verhalten nicht nachvollziehen. „Wölfe Familie.“

„Deine Familie?“, hacke ich nach und schaue kurz zur Wolfsmutter hinter mir, welche sich mittlerweile aufrappeln konnte und die angetrocknete Wunde leckt. Es freut mich, dass meine Hilfe etwas gebracht hat und die mühsame Auseinandersetzung mit Pflanzen mitsamt ihrer Wirkungsweise nicht umsonst war.

„Seit Kind zusammen leben. Familie.“, stottert Razor, dass erklärt auf jeden Fall seine sprachlichen Probleme und das außergewöhnliche Verhalten, auch wenn sich mir nicht erschließt, wieso Wölfe ein Menschenkind großziehen sollten. Wahrscheinlich machen sie keinen Unterschied zwischen Rassen, wenn es um wehrlose Baby geht. „Sie dir Dankbar, für Hilfe.“

„Gerne, aber ich glaube, es wäre besser euch nun alleine zu lassen.“, kurz nicke ich ihm lächelnd zu, bevor ich im Dickicht des Waldes verschwinde. Nur, weil die weiße Wolfsmutter mir milde gestimmt ist heißt es nicht, dass der Rest des Rudels ebenfalls derart neutral ist. „Pass gut auf sie auf, Razor!“

Am Abend habe ich es tatsächlich noch nicht aus dem Wald geschafft. Meine Suche nach einem neuen Abendessen blieb erfolglos und als die Dämmerung einbracht beschloss ich, ein Feuer zu machen und die Nacht im Freien zu verbringen. Von dem Fundort des Wolfs habe ich mich so gut es ging entfernt, immerhin will ich niemand das Territorium streitig machen. Trotzdem muss ich zugeben, dass meine Gedanken immer wieder zu dem seltsamen Mann abschweifen. Von Wölfen großgezogen, ob das etwas Gutes oder Schlechtes ist kann ich nicht sagen. Mit dem ein oder anderen Mensch muss er aber schon in Kontakt getreten sein, sonst könnte er unsere Sprache nicht. Das wittert nach einer langen interessanten Geschichte, die ich vermutlich niemals erfahren werde. Seufzend lehne ich mich nach vorne, wärme meine Hände an der heißen Flamme und hoffe, der Rest meines Körpers bekommt ebenfalls etwas mehr Wärme zu spüren. Wie gerne würde ich mich jetzt an einen Kamin kuscheln. Das Leben in Mondstadt hat mich in diesem einen Jahr erstaunlich verweichlicht. Ich sollte wieder mehr Zeit und vor allem Nächte in der Natur verbringen, damit sich mein Körper an die harten Gegebenheiten gewöhnt.

Bevor sich dieser Gedanke jedoch vertieft, reist mich ein Rascheln hinter mir aus den Gedanken und ich ziehe blitzschnell mein Schwert. Schwungvoll drehe ich mich im Sitzen um, die Flamme in meine Rücken ist deutlich zu spüren und ich hoffe, meine nun offenen rückenlangen dunkelgrünen Haare fangen kein Feuer. Alarmiert blicke in zwei rotleuchtende Augen, welche ebenfalls erschrocken dreinschauen.

„Razor, du hast mich zu Tode erschreckt!“, schwer atmend fasse ich mir an die Brust und versuche mein Innerstes zu beruhigen. Für einen Moment schließe ich meine grauen Augen und atme einige Male kontrolliert ein und aus, ehe ich mich wieder meinem Gegenüber zuwendet. Er hat wirklich ein perfektes Timing...

„Nicht Absicht… Tut mir leid…“, mit einem Hundeblick, der mir beinahe das Herz bricht, schaut der Grauhaarige zu Boden. Ich sollte mir im Hinterkopf behalten, dass er einfach keine Ahnung von angemessenem menschlichem Verhalten hat und somit von jeglicher Schuld freizusprechen ist. Nervös kommt er ein paar Schritte auf mich zu und legt einen toten Hasen neben mich. „Danke von Familie.“

„Das wäre nicht nötig gewesen. Ich habe gerne geholfen.“, ein sanftes Lächeln bildet sich auf meinem Gesicht und mein Magen gibt jubelnde Geräusch von sich, als ich den Vierbeiner entgegennehme. Damit haben sie sich dankbarer gezeigt als die meisten Menschen, denen ich bis jetzt geholfen habe.

„Menschen nicht nett zu Familie. Du anders.“, meint Razor und blinzelt einige Male, als ich mich umdrehen und das Feuer mit einem Stock anheize. Leider muss ich ihm Recht geben, die meisten Menschen sehen die Wölfe als Bedrohung, obwohl diese nur innerhalb ihres Territorium agieren. Es ist kompletter Schwachsinn, alles was einem Angst macht blindlings zu erschlagen.

„Die meisten Menschen sind einfach Vollidioten.“, stimme ich ihm seufzend zu, woraufhin er den Kopf schief legt. Mit Schimpfwörter ist er augenscheinlich nicht sonderlich gut bewandert. Irgendwie habe ich den Drang, ihm durch die wilden Haare zu kraulen. Eine Aktion die weder bei ihm noch einem richtigen Wolf eine schlaue Sache wäre.

„Du im Wald willkommen. Familie akzeptiert dich.“, nun bin ich diejenige, die ihn verwundert anschaut. So schnell hätte ich nicht mit dem Vertrauen des Rudels gerechnet, aber meine Rettungsaktion muss sie sehr milde gestimmt haben. Erneut lächle ich ihn an, wenn das so weiter geht habe ich morgen Muskelkater in den Wangen.

„Danke, dass ist lieb von euch.“, sage ich und für einige Sekunden schauen wir uns schweigend an. Mir erschließt sich die Frage, welche Gedanken ihm durch den Kopf gehen. Mit wie vielen Menschen hatte er schon zu tun? Waren sie alle so feindselig wie die Jäger? Weiß der Ritterorden etwas über ihn oder ist im bereits begegnet?

„Bleib wachsam.“, mit diesen Worten zieht der Rotäugige sich zurück in die Dunkelheit des Waldes und ich schaue ihn einige Momente hinterher. Hätte ich ihm zum bleiben anhalten sollen? Nein, in der Nähe von Menschen wird er sich nicht besonders wohl fühlen und trotzdem würde ich gerne mehr von ihm erfahren. Razor ist eine erstaunlich angenehme Gesellschaft, auch wenn ich die ein oder andere Person in Mondstadt ebenfalls wertschätzen gelernt habe. Schulterzuckend schnappe ich mir den Hasen und fange an, ihm das Fell abzuziehen. Immerhin muss ich heute Abend doch nicht hungrig schlafen gehen.
 
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