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How to Save a Life

von Alice83
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
Draco Malfoy Hermine Granger
27.12.2020
01.03.2021
44
66.983
88
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 1.375
 
When the sun shines, we'll shine together
Told you I'll be here forever
Said I'll always be your friend
Took an oath, I'ma stick it out 'til the end
Now that it's raining more than ever
Know that we'll still have each other
You can stand under my umbrella

Umbrella - Rihanna


London, Soho, 09.03.2016, 19:08 Uhr

Hermine wusste selbst nicht so genau, wie sie es geschafft hatte, in Zeitnot zu geraten, obwohl sie den ganzen Tag frei gehabt hatte.

Nun, genau genommen wusste sie es schon, aber das war nichts, was sie gerne mit Harry, der schon an ihrem angestammten Tisch saß und auf sie wartete, unbedingt diskutieren wollte. Bester Freund hin oder her, es gab einfach Grenzen.

„Sorry", sagte sie, küsste ihn auf die Wange,  rutschte ihm gegenüber auf die Bank und ein einziger Blick in seine grünen Augen verriet ihr, dass er sie durchschaut hatte.

„Was ist das mit dir und Malfoy?“, hörte sie ihn fragen, während sie sich ihren Schal abwickelte, um diesen dann auf die Bank neben sich zu pfeffern.

So ein Mist aber auch. Warum konnte sie ihm eigentlich nie was vormachen? Aber in diesem Moment fiel ihr etwas ein.

„Das erzähle ich dir, wenn du mir erzählst, was das zwischen dir und Malfoy ist", sagte sie und schlug die Speisekarte auf.

„Was?“

Hermine verdrehte demonstrativ die Augen.

„Harry, bitte. Erst dieser seltsame Waffenstillstand zwischen euch, dann betrinkt ihr euch gemeinsam im Pub und nun spielst du auch noch Eule für ihn? Wie konnte das denn bitte passieren?“

Harry schlug seufzend die Speisekarte zu und legte diese neben sich ab.

„Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau. Zuerst war es die Tatsache, dass unsere Söhne beste Freunde sind. Dadurch hatten wir uns vielleicht schon ein wenig an die Anwesenheit des jeweils anderen…gewöhnt? Kann man das so sagen?“

Hermine blätterte gleichermaßen demonstrativ wie sinnlos, da sie eigentlich ohnehin immer das gleiche bestellte, durch die Speisekarte.

Harry spielte fast schon verlegen mit einem Bierdeckel.

„Na jedenfalls, als Ginny weg war, bin ich in diesen Pub geflüchtet. Es war relativ leer, und ich wollte eigentlich schon zahlen, als Malfoy rein kam. Er hat mich gesehen, zwei Feuerwhisky bestellt und sich dann dafür entschuldigt, dass er sich einfach so zu mir setzt, aber es wäre kein anderer Platz frei gewesen.“

Hermine zog die Stirn kraus.

„Hast du nicht gerade gesagt, es wäre nicht viel los gewesen?“

Harry hob die Schultern.

„Du kennst doch seinen eigenartigen Sinn für Humor. Jedenfalls kamen wir dann erstaunlich leicht ins Gespräch. Den Smalltalk hatten wir schnell hinter uns, da wir beide sofort gesehen haben, dass es dem jeweils anderen nicht gut geht. Wahrscheinlich kennen wir uns doch deutlich besser, als uns lieb ist.“

Hermine nickte zustimmend und schlug nun ebenfalls die Karte zu, während Harry bei der Kellnerin seine Pizza Gamberetti und ihre Bandnudeln mit Lachs bestellte, wie immer.

Als die Kellnerin verschwunden war, nahm er das Spiel mit dem Bierdeckel wieder auf. War ihm die Geschichte etwa unangenehm?

„Ich habe dann, nach dem dritten oder vierten Whisky, tatsächlich angefangen, ihm mein Herz auszuschütten. Und merkwürdigerweise hat er mich nicht verspottet, sondern mir ernsthaft zugehört, an den richtigen Stellen nachgefragt und mir am Ende nur stumm die Hand auf die Schulter gelegt.“

Harry griff nach seinem Weinglas, und Hermine tat es ihm gleich.

„Und dann?“, fragte sie, als sie ihre Gläser wieder auf dem Tisch abgestellt hatten, und Harry grinste in sich hinein.

„Dann folgte eine zwar alkoholgeschwängerte, aber absolut herzzerreißende und romantische Geschichte über meine beste Freundin. Ich hätte niemals gedacht, dass Draco Malfoy zu solchen Gefühlen überhaupt fähig ist.“

Hermine zog beide Augenbrauen in die Höhe, aber Harry sprach unbeirrt weiter.

„Er hat so liebevoll und gleichzeitig so…verzweifelt von dir gesprochen, dass mir vor Rührung fast die Tränen gekommen wären. Er war schon seit Monaten wahnsinnig eifersüchtig auf Justin, schon bevor ihr euer merkwürdiges nur-Sex-Ding hattet, und als das zwischen euch zu Ende war, muss er wohl richtig verzweifelt gewesen sein. Ehrlich Hermine, aus jeder Geste  und jedem Wort schwappte seine Liebe zu dir förmlich über den Tisch zu mir rüber.“

Hermine wich seinem Blick aus und fummelte an der Serviette herum.

Ihr bester Freund ließ sich davon nicht beirren, sondern griff über den Tisch hinweg und drückte ihre Hand.

„Und jetzt sag mir bitte, dass ich dir den Brief nicht umsonst untergeschoben habe.“

Sie drückte seine Hand zurück und schüttelte mit dem Kopf.

„Nein. Vielen Dank dafür. Es hat geklappt.“

„Es hat geklappt?“, echote Harry.

Hermine lächelte ihn über den Rand ihres Glases hinweg an.

„Schön, ja, wir sind zusammen. Du warst ein hervorragender Wingman. Zufrieden?“

Harry grinste sie tatsächlich ziemlich selbstgefällig an.

„Zufrieden.“

Sie wurden kurz von der Kellnerin unterbrochen, die ihre Teller brachte.
Harry nahm das Besteck in die Hand, legte den Kopf schief und lächelte sie an.

„Du bist glücklich“, stellte er zufrieden fest.

„Ja", bestätigte sie ihm und rollte Bandnudeln auf ihren Löffel.

„Das freut mich. Wirklich.“

Zufrieden widmete sie sich einen Moment lang ihrem Essen, ehe ihr auffiel, mit wem sie hier eigentlich saß. Sehr sensibel, Frau Psychologin.

„Wie…geht es dir?“, traute sie sich schließlich zu fragen, aber Harry machte nur eine abwinkende Handbewegung.

„Mach dir um mich keine Gedanken. Ich habe heute bereits Farbe für meine Schrottbude, wie Malfoy sie nennt, gekauft. Morgen fange ich mit dem Flur an.“

Hermine lachte.

„Du machst es ohne Magie?“

Harry hob die Schultern.

„So habe ich es gelernt, als ich noch in einem Schrank unter einer Treppe gelebt habe. Außerdem ist es nun auch nicht so, als ob ich gerade irgendwas anderes zu tun hätte.“

Hermine machte eine abwiegelnde Kopfbewegung.

„Kreacher wird ausrasten.“

„Ein Grund mehr, es so zu machen.“

Einen Moment schauten sie sich an, dann lachten sie beide.

„Wie…haben die Kinder reagiert?“

Harry verzog das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.

„Erwartungsgemäß. James ist sauer auf uns beide, Albus merkwürdigerweise nur auf mich, und Lily hat geweint und gefragt, ob sie trotzdem meine kleine Prinzessin bleibt.“

Hermine griff gerührt nach seiner Hand und drückte diese.

„Wenn ich irgendwas tun kann…“

Er erwiderte den Händedruck.

„Ich weiß, und ich bin unfassbar froh, dich zu haben. Das Gespräch mit Ron steht übrigens noch aus.“

Sie zog ihre Hand zurück und betrachtete ihren Teller.

Ronald. Gutes Stichwort.

„Da sagst du was", seufzte sie.

„Du kennst ihn doch, Hermine. Er wird sauer sein, anschließend eintausend Fragen stellen, sich dann eine Weile in Schweigen hüllen und die Dinge schlussendlich so hinnehmen, wie sie nun mal sind.“

Sie schaute ihn mit hochgezogener Augenbraue an, während sie sich den letzten Löffel Nudeln in den Mund schob.

„Redest du von seiner Reaktion auf meine neue Beziehung oder auf deine Trennung?“

Harry grinste sie an und legte das Besteck auf seinem Teller zusammen.

„Sowohl als auch. Nachtisch?“

Hermine biss sich verlegen auf die Unterlippe.

„Sei mir nicht böse, aber…“

Er machte ein abwinkende Handbewegung und gab der Kellnerin ein Zeichen.

„Schon gut. Schau mal zu, dass du zurück nach Brighton kommst.“

Hermine seufzte und leerte ihr Weinglas.

„So sehr ich sein Haus dort liebe, aber nein. Heute wieder Notting Hill.“

Harry nahm die Rechnung entgegen und zahlte für sie beide.

„Lass ihm Zeit. Wahrscheinlich zu viele Erinnerungen.“

Hermine wickelte sich den Schal um den Hals und stand langsam auf.

„Ja, ich weiß.“

Harry half ihr in den Mantel, dann verließen sie das Lokal.

„Komm uns jederzeit besuchen, wenn du einsam bist", bot sie an und richtete seinen Mantelkragen.

„Dich und Malfoy?“

Hermine hob die Schultern.

„Warum nicht, ihr seid doch jetzt neuerdings sowas wie BFF, oder?“

„BFF?

Hermine lächelte, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange.

„Das habe ich von Hugo. Best Friends Forever.“

Harry boxte ihr spielerisch gegen die Schulter.

„Große Klappe wie immer, Granger. Aber danke für das Angebot, vielleicht komme ich drauf zurück.“

Hermine hob noch einmal die Hand und wollte sich schon umdrehen, als er sie am Handgelenk zurückhielt.

„Hermine?“

„Ja?“

„Grüße an meinen BFF.“

Mit diesen Worten war er dann auch schon disappariert und ließ sie zurück.

Manchmal war es merkwürdig, wie sich die Dinge im Leben ändern konnten.
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