Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Bauchweh

OneshotParodie, Angst / P12 / Gen
OC (Own Character) Old Shatterhand Winnetou
26.12.2020
26.12.2020
1
1.501
7
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
 
26.12.2020 1.501
 
Unserem Lieblings-Apachen passiert eine unglaubliche Geschichte!

Bauchweh



Der oberste Häuptling der Apachen wälzte sich unruhig im Bett hin und her. Irgendwas war seit gestern anders. Er fühlte ein merkwürdiges Ziehen im Unterleib. Es war nicht richtig schmerzhaft, aber immerhin so unangenehm, daß er nicht wieder einschlafen konnte.

Einige Stunden später, das Licht des Morgens begann den Raum spärlich zu erleuchten, den er und seine Frau als Schlafzimmer benutzten, schlug er die Wolldecke zurück und richtete sich müde auf.
Schlafen hatte er nicht mehr können; dementsprechend fühlte er sich wie gerädert.
Stöhnend mühte sich Winnetou auf die Beine; ein unerklärlicher Schwindel ergriff ihn, so daß er sich rasch wieder setzte. Eine leichte Übelkeit stieg in ihm auf.

Seine Frau, die unterdessen ebenfalls aufgewacht war, drehte sich zu ihm herum und fragte leise: „Was ist? Ist Dir nicht gut?“

Der Apache schüttelte sich und sprang rasch auf: „Nein, nichts! - Schlaf noch ein wenig weiter! - Ich will mit Sharlih heute in die Berge; jagen gehen….Mach Dir keine Sorgen, in zwei Wochen werden wir wieder im Pueblo sein!“

Die junge Frau nickte und drehte sich noch einmal auf die Seite, während Winnetou seine Ausrüstung packte und sich an das sandige Ufer des Rio Pecos begab, wo sein Blutsbruder schon auf ihn wartete.
Der Schwindel und Übelkeit hatten sich bald wieder gelegt, so daß beide nach ihrer Morgentoilette frisch und fröhlich auf ihre Hengste steigen und zu ihrem Jagdausflug aufbrechen konnten…

-,-

Ungefähr zwei Wochen später, die Jagd war sehr ergiebig gewesen, kehrten die beiden Blutsbrüder ins Pueblo zurück. Die Packpferde waren schwer beladen mit bergen von Trockenfleisch und Rohhäuten, die man unter den Stammesmitgliedern verteilte, deren Ernährer auf die eine oder andere Weise verhindert waren.
Allgemeine Freude herrschte bei den Mescaleros.

Nur einer konnte sich nicht so recht mitfreuen….Winnetou!
Das eigenartige Gefühl in seinem Bauch war während der ganzen Zeit nicht gewichen; im Gegenteil, es hatte sich verstärkt. Zudem hatte der Häuptling jeden Morgen den Schwindel und die Übelkeit verspürt.
Nun kamen plötzlich auch noch unerklärliche Heißhungerattacken dazu….
Heißhungerattacken, bei denen er nie gekannte Gelüste nach Dingen entwickelte, die es im Pueblo nicht gab…. Essiggurken beispielsweise, Kartoffelknödel, oder süßem Apfelkuchen….

Selbst Old Shatterhand war mittlerweile aufgefallen, daß irgendetwas mit ihm nicht in Ordnung war.
Vorsichtig, denn er kannte seinen roten Bruder gut genug, um zu wissen, daß er jegliche körperliche Schwäche energisch abstreiten würde, erkundigte er sich nach dessen Befinden: „Mein Lieber, der Ausflug war ja recht schön….aber auch anstrengend; bist Du nicht auch der Ansicht, daß wir uns ausruhen sollten?“

Winnetou, dem der forschende Blick des Westmannes nicht entgangen war, schüttelte den Kopf: „Ruh Dich nur aus, Sharlih! - Ich habe noch etwas zu erledigen, das keinen Aufschub duldet…“; er versuchte ein möglichst unbeteiligtes Gesicht aufzusetzen.

„Wie Du meinst…“, der Schriftsteller zog sich, keineswegs beruhigt, in seine Gemächer zurück; er würde schon noch früh genug erfahren, was seinem Freund bewegte.

Der Häuptling hingegen verfügte sich, so unauffällig wie er es nur vermochte, zum Medizinmann.
Jener empfing ihn mit banger Miene, denn er wußte, der oberste der Apachen kam nur zu ihm, wenn er quasi den Kopf unter dem Arm trug, weil er sich selbst nicht mehr zu helfen wußte.
Aufmerksam hörte er der Schilderung der Symptome zu, untersuchte seinen Patienten schließlich ausgiebig und besonders sorgfältig.

Endlich, nach langen Stunden, wiegte der Schamane sein graues Haupt und meinte stirnrunzelnd: „Hmmm! - Wenn ich es nicht besser wüßte und Du kein Mann wärst, würde ich sagen; Du bist schwanger!“

Winnetou zuckte zusammen; das konnte ja tatsächlich nicht sein, denn er WAR ja ein Mann!
Die Krankheitszeichen MUSSTEN einen anderen Grund haben!
Vielleicht hatte er ja unbemerkt etwas verdorbenes genossen….

Sicherheitshalber mischte ihm der Medizinmann eine Teemischung zusammen: „Das soll Dir Deine Frau jeden Tag frisch aufbrühen! Dann trinkst Du es abgekühlt über den Tag verteilt…“

-,-

Etwas beruhigt, denn der Tee vertrieb zumindest den morgendlichen Schwindel und die Übelkeit, verbrachte der Häuptling die folgenden zwei Monate.

Dann bemerkte er zu seiner Verwunderung, daß sein Bauch langsam anzuschwellen begann. Und ein komisches Kribbeln kam dazu, als würde ein Käfer in seinen Gedärmen umherlaufen.
Zuerst maß er dem keine Bedeutung bei, da er immer noch einen unbändigen Appetit verspürte.
Seine Frau freute sich sehr darüber und gab sich große Mühe, den Gelüsten ihres Gemahls Genüge zu tun.

Dann jedoch, als der Krieger seinen Gürtel Zug um Zug weiter schnallen mußte, bis er ihm schließlich über die Hüften rutschte, und die Pueblo-Bewohner zu reden begannen, ging er wieder zum Medizinmann.
Diesen hatte man schon von dem Vorfall berichtet, weswegen er auch die Weise Frau des Stammes zu Rate gezogen hatte.

Beide unterzogen ihren Anführer einer gründlichen Untersuchung; ließen ihn vortraben, sahen ihm in Mund, Nase, Augen und Ohren; betasteten seine Muskeln und die nun unübersehbare Schwellung; ja begutachteten eingehend seine Exkremente…
Alles, nur, um zu der erschreckenden Feststellung zu kommen, daß Winnetou ein medizinisches Wunder sein müsse, denn er sei unzweideutig guter Hoffnung!

Old Shatterhand war genau so erschrocken wie sein Blutsbruder.
Aber im Gegensatz zu Schamane und Hebamme, die gemeint hatten, nichts mehr für den armen Mann tun zu können; bot er seinem besten Freund umgehend Hilfe an: „Wir haben gemeinsam so viele Gefahren heil überstanden, da werden wir das auch noch schaffen!“
Der Westmann gab ihm als erste Hilfe welche von seinen Hosenträgern, die verhinderten, daß sein Gürtel, die Leggins und der Lendenschurz ständig in Richtung Boden rutschten.
Dann schlug er ihm vor, ihn nach St. Louis zu einem ihm bekannten, berühmten Arzt zu bringen: „….der wird schon herausfinden, was Dir fehlt!“

Davon wollte Winnetou jedoch partout nichts wissen; er hatte nicht vor, sich den aufdringlichen Blicken und dem Spott der weißen Stadtbewohner auszusetzen; außerdem hatte er keine hohe Meinung von der Medizin der Bleichgesichter; waren diese doch nicht einmal in der Lage ihre eigenen Leute vor dem Wüten von Cholera, Malaria und Fleckfieber zu schützen.

„Trotzdem holen wir einen Mediziner hierher! - Der Doktor, den ich meine, ist mir noch einen Gefallen schuldig…“, Old Shatterhand gab sich nicht so schnell geschlagen, doch hier biß er sich leider die Zähne aus.
Denn da Winnetou sich standhaft weigerte, sich weiter behandeln zu lassen und sich stattdessen zwischen seinen Büchern vergrub, verlief die Sache im Sande.

-,-

Von Tag zu Tag wurde der Häuptling dicker und schwerfälliger; bekam Kreuzschmerzen, Sodbrennen, dicke Beine und mußte zu allem Überfluß ständig rennen, weil seine Blase unerträglich drückte.
Des Nachts lag er neben seiner Frau, die ihm zärtlich den Rücken und die ebenfalls anschwellenden Brüste massierte und konnte nicht recht schlafen.
Der näherrückende Geburtstermin löste einige Ängste in ihm aus; zudem wußte er nicht, wie er sich richtig hinlegen sollte; egal auf welche Seite er sich drehte, der Bauch war irgendwie immer im Weg und nahm ihm den Atem.
Und war er endlich doch noch eingeschlafen, fing das Kind an, in seinem Innern einen Kriegstanz aufzuführen….

Seine Stammesgenossen nahmen die Ausnahmesituation, in der ihr armer Anführer sich befand, relativ gelassen; nach und nach kamen sie vorbei und lieferten kleine Geschenke, wie Spielzeug, Windeln und was man sonst noch so für ein Baby brauchte, bei seiner Frau ab.
Winnetou konnte sich darüber nur mäßig freuen, denn nach der Geburt würde es wohl mit seiner Karriere als Krieger endgültig vorbeisein….seine Welt würde sich zukünftig nur noch um Drei-Monats-Koliken, volle Windeln, Bäuerchen und das Zahnen drehen….

-,-

Eines schönen Morgens, der Apache lag noch im Halbschlaf, riß ein plötzlich einsetzender, heftiger Schmerz ihn empor und ließ ihn die Augen wieder fest zukneifen.
Nur mit Mühe konnte er einen Schrei unterdrücken.
Wenige Momente später durchfuhr ihn ein weiterer Krampf; hilflos krümmte er sich zusammen und biß sich ins Handgelenk….
Neben sich, seine Frau wurde durch die ungewöhnlichen Bewegungen wach; sie half ihm, sich aufzusetzen.
Als die nächste Wehe über ihn hereinrollte, stöhnte er laut auf: „Großer Manitou hilf mir!“

„Was ist denn?“, die Stimme seiner Frau klang verschlafen; „Was hast Du denn?“

„Es ist soweit! - Ich kriege das Kind!“, ächzte Winnetou, den es schon wieder zusammenzog; „Hast Du schon vergessen, ich bin schwanger!“, etwas Gas löste sich plötzlich aus seinem Bauch und hinterließ eine gewisse Erleichterung.

„Bah! - Du Dummkopf!“, ein heftiger Knuff in die Rippen brachte den sonst so tapferen Indianer dazu, entsetzt die Augen aufzureißen; „Du hast gestern wieder zuviel Maisbier getrunken und Chilli-con-Carne gegessen, obwohl Du genau weißt, daß Dir das nicht bekommt!“

„Aber...aber….“, ein neue mächtige Blähung entwich Winnetou unvermittelt. Die Pein in seinem Unterleib verflog zu seiner Verwunderung schlagartig…

„Ooooh! - Du Stinktier!“, seine holde Gattin schubste ihn aus dem gemeinschaftlichen Lager; dann lachte sie unbändig los: „Schwanger!!! - Das hast Du nur geträumt! Mach bloß, daß Du hier rauskommst! - Da erstickt man ja!“

Verwirrt und beschämt beeilte sich der oberste Häuptling der Apachen, diesem unmißverständlichen Befehl nachzukommen; wobei er zugleich im Innersten seines Herzens froh war, daß das Ganze nur ein schrecklicher Alptraum, verursacht von zuviel Essen, gewesen war…..
Erleichtert aufatmend stellte er sich auf die Plattform vor seinen Gemächern und begrüßte die aufgehende Sonne und seinen nichts ahnenden Blutsbruder, der gerade ebenfalls sich reckend und streckend herauskam….


ENDE!
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast