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Wir brauchen uns

von Klybneeka
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Albus Severus Potter Hannah Abbott Harry Potter Hugo Weasley James Sirius Potter Ronald "Ron" Weasley
26.12.2020
13.01.2021
7
12.839
3
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Manchmal lief die Welt eben rückwärts.

„Der wievielte wird das jetzt?“, kicherte Albus und krallte seine Finger etwas fester in Jimmys völlig zerzaustes Haar.

„Mhh...lass mal sehen...“ Seine Lippen ließen für eine Sekunde von Albus' Hals ab. „Eins...“ Jeder Knutschfleck wurde durchnummeriert und mit einem kleinen Kuss versehen.

„Sechs...“

Ein weiterer, kleiner Kuss und dann: „Das hier wird der siebte...“ Jimmys Lippen setzten erneut an, um noch zwei oder drei weitere Blutgefäße zum schmerzlosen Platzen zu bringen.

„Mein Hals wird ein einziger blauer Fleck sein...“, sinnierte Albus verträumt.

Sie waren beide nackt. Jimmy lag zwischen Albus, der seine Beine wie ein fauler Koalabär um ihn geschlungen hatte.

Der Sex war absolut fantastisch gewesen.

Sie hatten ihre harten Schwänze aneinander gerieben, miteinander gerieben, bereitwillig Körperflüssigkeiten ausgetauscht. Spucke, Präejakulat, Sperma.

Dabei hatten sie sich gegenseitig erforscht, als seien zwei verschiedene Welten kollidiert. Der erste Kontakt. Zwei Aliens, die sich analysierten, sich gegenseitig Münder und Augen aufrissen, um tief hineinzusehen – gab es da irgendwo Leben?

Und schon fast untertänig hatte sich James dem Willen seines Bruders gebeugt, devot seinen Kommandos gehorcht. Er hatte sich von Albus hart ficken lassen und mit jedem Stöhnen, jedem Schrei war nicht nur James gekommen, sondern auch die Erkenntnis, dass Albus ein so viel besserer Liebhaber war als Harry.

„Wieso hast du dich nicht mehr bei mir gemeldet?“, schnurrte Albus und deutete James, hochzuschauen. Schuldige Augen blinzelten ihn verlegen an.

„Keine Ahnung...es gab eben viel zu tun“, nuschelte Jimmy und wandte seinen Blick wieder ab. Er rollte sich von Albus ab, sodass er nun neben ihm auf dem Rücken lag und die Decke anstarrte.

***


„Potter, gut, dass du da bist, dein Vater verliert gerade den Verstand!“ Auror Simmons, ein großer, stämmiger Mann, der sein langes, gelocktes Haar stets in einem Pferdeschwanz trug, hatte James an der Schulter gepackt und ihn direkt nach Betreten der Aurorenzentrale mitgeschleppt.

James folgte ihm verwirrt. „Was ist denn l- oh.“

Dort, am anderen Ende des langen Ganges, der zu Harrys Büro führte, lag ein zermarterer, ja schon fast lädierter, Auror.

Die Tür stand weit offen, doch im Büro selbst war niemand zu sehen. Simmons nickte mit dem Kopf in Richtung Büro: „Er ist hinter der Tür.“

„Alles klar, kümmert ihr euch weiter um Terry...ich regel das schon.“

Mit wütendem Elan trat James in das Büro und ließ mit einer beispiellosen Wucht die Tür zuknallen. Er wusste, dass Harry wie ein kleiner, zusammengekauerter Junge dahinter saß und sich daran anlehnte, doch das war ihm egal. Und so plumpste Harry, überrascht von der plötzlichen Abwesenheit seiner Rückenlehne, nach hinten weg, doch konnte sich im letzten Moment noch mit nach hinten ausgestreckten Armen auffangen. Verdattert sah er auf.

„Was willst du hier?“, fragte er grummelnd und rutschte beleidigt auf dem Boden entlang hin zur Wand, um sich gegen diese zu lehnen. Er zog die Knie an seine Brust und legte seine Arme in einer Umarmung darum. So tat er es immer, wenn er sich unsicher oder ängstlich fühlte.

„Ich arbeite hier!“, fauchte James und sah mit einer Mischung aus Ekel und Mitleid auf das Häufchen Elend vor sich. Um auf Nummer Sicher zu gehen, belegte er das Zimmer mit einem Zauber, der ihre Unterhaltung vor ungebetenen Zuhörern schützte.

„Was sollte das denn, mh? Warum bist du wieder so ausgetickt?“ Er verschränkte seine Arme vor sich und wartete ungeduldig auf eine Erklärung. Ach was, auf eine Rechtfertigung. Als jedoch weder das eine, noch das andere kam, brüllte er: „Na los!“ Ein gezielter Tritt traf Harry zuerst in die Seite und ehe er sich versah, wurde er von seinem Sohn am Arm gepackt und grob auf die Beine gezerrt. Harry war keine körperliche Herausforderung für James. Dieser war nicht nur dreimal so kräftig gebaut wie Harry, sondern mindestens auch fünfmal so stark.

Dabei war es nicht so, dass Harry nur ein schmächtiger Mann war. Ganz im Gegenteil. Er hatte sich für sein Alter gut gehalten und stets Wert darauf gelegt mit regelmäßigem Sport und Ausdauertraining fit zu bleiben. Nichtsdestotrotz hatte er nichts an seinem natürlichen Körperbau ändern können und so war er zwar muskulös und fit, aber eben immer noch schmal und drahtig.

„Hey...“, protestierte Harry, doch konnte sich gegen James' Willen nicht wehren. Er wurde auf seinen Bürostuhl geschmettert. Sein Sohn indes nahm ihm gegenüber Platz und sah ihn eindringlich an.

„Also, was ist passiert?“

Tränen schossen in Harrys Augen. Seine Hände glitten zitternd unter seine Brille, um sie irgendwie aufzufangen. Er dachte an vergangene Nacht, als er zusammen mit Ginny auf der Couch gesessen hatte. Als sie plötzlich...

Er rieb sich die Augen, versuchte sie zu trocknen. Reiß dich zusammen, Harry, dachte er und atmete tief durch.


Plötzlich fiel ihm der Knutschfleck auf. Dort, leicht versetzt unter James' Ohr, leuchtete er schadenfroh und strahlte Harry an. Wie hatte er ihn nicht vorher bemerken können? Seine Augen verengten sich und er lehnte sich etwas nach vorne, um den Fleck genauer zu inspizieren.

Harry schluckte hart, denn er traute sich kaum zu fragen. Die Neugierde in ihm war jedoch stärker. „Ist der von Albus?“
James hob arrogant die Brauen. „Vielleicht.“ Daraufhin trat kurzes Schweigen ein. Von draußen waren ein paar Mann zu hören.

„Terry ist jetzt im St. Mungo's. Nichts Schlimmes...aber sollte trotzdem mal ein Experte drüber gucken.“

„Grundgütiger, dass der sich nie unter Kontrolle hat.“

„Bereits der dritte Ausraster in diesem Monat.“

Beschämt wandte Harry seinen Blick ab und starrte stattdessen auf den Schreibtisch vor sich. Mittlerweile stapelten sich ungelesene Papiere und Formulare darauf, von denen einige noch dringend auf seine Unterschrift warteten. Bestimmt ein Dutzend abgebrochene Schreibfedern, sowie zwei Tiegel vertrocknete Tinte mischten sich unter das Durcheinander.

„Also, was ist. Warum bist du so ausgerastet? Du kannst doch nicht immer den sechzehnjährigen Aufsässigen rauslängen lassen, Herrschaftszeiten nochmal.“ James klatschte sich frustriert auf den Oberschenkel. „Reiß dich gefälligst zusammen.“

Harry biss sich auf die Unterlippe. Seine Finger griffen nach einer der unbrauchbaren Schreibfedern und spielten unbeholfen damit herum. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf, doch er verstand keinen davon. Was war nur in den letzten Monaten aus ihm geworden? Wohin hatte das alles geführt? Wie hatte das alles überhaupt passieren können?

„Also gut. Ich hab Wichtigeres zu tun...“ Mit diesen Worten erhob sich James und war gerade dabei, das Büro zu verlassen, als Harry das schier Unfassbare nuschelte. Auf dem Absatz drehte er sich um und schoss vor zu Harry. Er beugte sich tief über seinen Vater, beide Hände auf die Oberkante der Rückenlehne gestützt. „Was hast du gesagt?“

Harry wollte sich James' kalten Augen entziehen, doch er konnte nicht anders, als in die fordernden Eiskristalle zu schauen und seine Worte mit bebender Stimme zu wiederholen: „Ginny ist schwanger.“

„Na großartig“, zischte James und wandte sich ruckartig ab. Er lief kleine Kreise und hatte sich dabei beide Hände ins Gesicht geschlagen. Er brauchte gar nicht nachzuhaken, ob eventuell eine Möglichkeit bestand, dass Ginny Harry fremdgegangen war. Wenn dem so gewesen wäre, hätten Harrys Worte ganz anders geklungen.

„Eine absolute Meisterleistung, Dad“, hisste James, noch immer Kreise ziehend.

„Ich weiß...“ Es war fast schon ein Wimmern.

„Du weißt? Du weißt? Was weißt du denn?“ James hatte ja nicht ahnen können, dass der Zauber, den er vorsichtshalber zu Beginn aufgelegt hatte, nun wichtiger denn je sein würde. Er brüllte seine Worte wie ein hungriger Löwe und versuchte die aufgekommene Wut nicht zurückzuhalten. „Wie kann das denn bitteschön passieren? Wie? Wisst ihr denn nicht, was scheiß Kondome sind? Nimmt sie nicht die Pille oder sonst was? Grundgütiger, wie oft wollt ihr der Welt denn noch beweisen, dass ihr beide einfach scheiß Eltern seid?“

Natürlich wollte James keine Antworten. Einzig was zählte, war der Schmerz, den er mit seinen Fragen in Harry auslöste und ihn immer weiter und tiefer auf seinem Sitz in sich zusammensacken ließ. Die Tränen waren nicht mehr zu stoppen und liefen dickperlig über glühende Wangen. Harrys Blick hatte sich erneut gesenkt. Er wollte und konnte James nicht mehr in die Augen schauen.

Schnaufend und noch immer vor Rage kochend, ließ sich James wieder auf den Besuchersitz fallen. Mit abgesackten Schultern betrachtete er sich das gegenübersitzende Elend und überlegte, was zu tun war.

„Hey...“ begann er und wartete, bis Harry zu ihm aufsah. „Komm her.“ Er tätschelte seinen Schoß und deutete Harry, zu ihm herüber zu kommen.

In seiner Verzweiflung folgte Harry James' Aufforderung inständig. Noch immer rollten die Tränen unaufhaltsam über sein Gesicht, aber zumindest weinte er nicht mehr. Es war allenfalls noch ein Wimmern und arhythmisches Schnappen nach Luft. Er setzte sich seitlich in James Schoss', doch sah nur beschämt in seinen eigenen, wo er die Hände fest aneinander klammerte.

„Du riechst gut“, bemerkte James, plötzlich schnurrend wie ein Kätzchen, und vergrub sein Gesicht kurzzeitig in Harrys Nacken, wo er einen tiefen Atemzug nahm. Er mochte es, wie sich Harrys Aftershave mit dem Geruch seiner Haut vermischte und somit einen ganz eigenen, rauchig-süßen Duft kreierte. Während er einen weiteren, tiefen Atemzug davon nahm, schlang er sanft seine Arme um Harrys Taille und hielt ihn fest.

„Entspann dich.“ James' Worte klangen so weit entfernt, aber Harry konnte nicht anders, als sich darauf einzulassen. Die festen Arme um seine Taille gaben ihm Sicherheit und James' heißer Atem legte sich wie ein beruhigender Schleier auf seine Haut.

Eine Gänsehaut überkam ihn, als er bemerkte, wie aus dem heißen Atem sanfte Liebkosungen wurden und wie wiederum aus diesen...

„Was machst du da?“, unterbrach Harry seinen eigenen Gedankengang, denn er spürte den leichten Unterdruck, das harmlose Ziepen eines sich anbahnenden Knutschflecks in seinem Nacken.
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