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Still Have Me

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Credence Barebone Percival Graves
26.12.2020
02.02.2021
2
3.000
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
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26.12.2020 1.645
 
Vorwort der Autorin: Nach langer Zeit der Abwesenheit auf dieser wunderbaren Website hat es mir endlich (!) ein Pairing wieder so angetan, dass ich das Schreiben wieder aufgenommen habe. Nach ewigem Hin- und Herüberlegen, ob und wenn ja was ich nun schreiben soll, ist das hier der Versuch eines ersten Kapitels zu Percival Graves und meinem Liebling Credence Barebone. Über Feedback würde ich mich riesig freuen! Ich hoffe euch gefällt die Idee und meine Darstellung von den beiden. Zur musikalischen Unterstützung der jeweiligen Kapitel, werde ich passende Songs verlinken.
Für Kapitel 1 ist es: Stand by me, Denmark + Winter (Youtube Link: https://www.youtube.com/watch?v=zgnEfOF-Dzs&ab_channel=DenmarkWinter)
Viel Spaß!

Kapitel 1 Ein unerwartetes Zusammentreffen


Erhaben schritt Percival die hohen Gänge seines Gedächtnispalastes entlang. Er passierte eine Vielzahl an schweren, hölzernen Türen und bedachte eine nach der anderen mit einem kurzen Nicken. Verschlossen. So wie er sie zurückgelassen hatte. Zufrieden schloss er seine Augen…

… und schlug sie in seinem bequemen Ohrensessel wieder auf. Er hatte sich, wie jeden Tag seit seiner Befreiung aus Grindelwalds Gefangenschaft, eine Stunde in seinen Gedächtnispalast zurückgezogen und überprüft, dass sein Kopf – und damit auch sein umfangreiches Wissen – sorgfältig gehütet und für andere verschlossen blieb. Er seufzte und ließ sich schwer in den teuren Stoff sinken. Grindelwald war tief in seinen klaren Verstand vorgedrungen und hatte – so fürchtete Percival – einiges in Erfahrung bringen können, das niemals für ihn bestimmt gewesen war. Selbstverständlich war er ein hervorragender Okklumen – doch Grindelwald kannte Mittel und Wege…

Percival erschauderte. Nur widerwillig dachte er an die vergangenen Monate in Grindelwalds Fängen zurück. Die Zusammenarbeit mit dem MACUSA nach seiner Befreiung hatte ihm einiges abverlangt. Er hatte sein Gedächtnis aufs genauste durchforstet, um jede hilfreiche Information über Grindelwald zum Vorschein zu bringen. Es hatte an seinen Kräften gezehrt. Im Gegensatz zu seinen physischen Wunden heilten die Psychischen wesentlich langsamer ab. Graves versuchte zu verhindern, darüber nachzudenken, welche herben Verluste der MACUSA seinetwegen hatte in Kauf nehmen müssen. Hätte der Magiezoologe nicht den Donnervogel eingesetzt, um die No-Majs zu obliviieren… und dann war da noch dieser Junge…

Percival schüttelte entschieden den Kopf. Er konnte sich sein Gehirn zermartern, doch es half alles nichts. Er hätte die Bedrohung, die Grindelwald darstellte, ernster nehmen müssen. Hätte ihm sein Stolz nicht im Weg gestanden, wäre dem MACUSA diese zusätzliche Belastung erspart geblieben. Träge stand Graves auf. Der Stoff seines schwarzen Morgenmantels fiel lautlos an seinem Körper herunter, fließend wie Wasser. Mit einem Wink seiner rechten Hand ließ er das Licht im Wohnzimmer erlöschen und trottete in sein Schlafzimmer.

---


Percival schreckte auf, als er Glas bersten hörte. Feine Glassplitter regneten auf ihn nieder und trübten sein Sichtfeld. Sein Schlafzimmer war in eine Schwärze getaucht, die nicht von dieser Welt war. Er erkannte, wie sich um das Zentrum der Dunkelheit feine schwarze Schlieren zogen, als würde Tinte in Wasser verlaufen. Percivals Verstand arbeitete und konnte das, was er dort vor sich sah, in dem Bruchteil weniger Sekunden einordnen. Als langjähriger Auror hatte er gelernt, sich niemals aus dem Konzept bringen zu lassen. Doch das, was sich gerade unter Einsatz ungezähmter Magie Eintritt verschafft hatte, hatte der MACUSA – hatte er – für tot geglaubt.

„Credence!“, stieß Percival erschrocken aus. Das konnte nicht sein! Der Junge war tot! Dutzende von Auroren hatten seinen Tod bestätigt!

Das Zentrum zog sich zusammen, verdichtete sich und wirbelte um eine schlanke Gestalt, die in der Ecke seines Zimmers zu kauern kam. Der Junge hatte die schmalen Hände vor das Gesicht geschlagen.

„Credence“, wiederholte Percival nun sanfter und bewegte sich vorsichtig auf das Obscurial zu, während sich um ihn die verbliebenden Reste seiner außerordentlichen magischen Fähigkeiten vollständig auflösten. Eine Dunkelheit, die wie ein Zwilling unter Abwesenheit von Liebe und Zuwendung wuchs und erstarkte.

„M-Mr. Graves“, hauchte er. Es war nicht mehr als ein schwaches Flüstern.

„Credence…“, Percival blinzelte zweimal, um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich wach war. „Ich dachte… was machst du denn hier?“ Er hockte sich neben den Jungen, der am ganzen Leib zitterte und legte eine Hand auf seine Schulter. Es sollte ihn beruhigen, doch Credence zuckte nur noch heftiger zusammen. Percival hatte sich nur ein einziges Mal mit ihm getroffen, in einer dunklen Gasse, als ihm vom MACUSA die Aufgabe anvertraut worden war, das Obscurial aufzutreiben. Aber so wie der Credence ihn ansah, schien ihm sein Gesicht wesentlich vertrauter zu sein. Percival wurde schlecht.

„I-Ich habe Sie gesucht, M-Mr. Graves“, gestand er leise und starrte auf seine langen Finger, die er fest vor sich verschränkt hielt: „I-Ich wusste nicht, wo ich sonst hinsollte.“ Beschämt ließ er seinen Blick senken. Percival beschlich der unliebsame Gedanke, dass Credence gar nicht wusste, dass er den größten Teil ihrer scheinbar „gemeinsamen“ Zeit mit dem gefürchtetsten Schwarzmagier seiner Zeit verbracht hatte.

„Möchtest du eine Tasse Tee?“, fragte Percival, da er nicht wusste, wie er anfangen sollte. Zögerlich nickte Credence und der Ältere reichte ihm eine Hand. Credence rappelte sich mühsam auf, Percivals starke Hand scheu ablehnend. Auch jetzt, da sie sich gegenüberstanden, waren die dunklen Augen des Jungens auf den Boden geheftet.

Percival führte Credence in seine Küche, während er mit einer kurzen Geste seiner starken Hand ein weiches Licht beschwor, das den stilvoll eingerichteten Raum erhellte. Er deutete auf die eleganten Barstühle, die sich vor der marmornen Kücheninsel befanden.

„Nimm doch bitte Platz.“ „I-Ich danke Ihnen, M-Mr. Graves.“, flüsterte Credence fast unhörbar, bevor er sich hinsetzte. Mit einem mühelosen Schnipsen seiner Finger brachte Percival das Wasser zum Kochen, ließ es in eine große Tasse füllen und ließ sie auf die Kücheninsel schweben. Mit einem Blick auf den Jungen reichte er ihm einen Beutel Kräutertee. Seufzend nahm Percival Credence gegenüber Platz. Er kam nicht umhin sich zu fragen, wie alt er wohl war. Achtzehn… vielleicht sogar zwanzig?

„Es tut mir leid… es lag nicht in meiner Absicht… ich wollte nicht…“ Percival folgte seinem Blick in Richtung Schlafzimmer, auf dem sein teurer chinesischer Teppich mit Scherben übersäht war. „Das macht doch nichts.“, entgegnete Percival besänftigend. Der Jüngere schien sich sichtlich unwohl in seiner Haut zu fühlen und starrte auf den Wasserdampf, der durchscheinende Schwaden in der Luft zog. Auch wenn Credence es mied, ihn anzusehen, tat Percival dies seinerseits sehr wohl und er kam nicht umhin zur Kenntnis zu nehmen, dass es bei ihrer ersten Begegnung seiner Aufmerksamkeit entgangen war, wie hübsch der junge Mann war. Seine Haut war makellos glatt und zwar blass, doch die Hitze des Getränkes trieb ihm einen rosigen Schimmer auf die hohen Wangen. Sein Haar fiel ihm pechschwarz in die Stirn und bot einen außergewöhnlichen Kontrast zu seinem hellen Teint. Selbst seine Hände waren schön: zierlich für die eines Mannes und langgliedrig. Sicherlich geeignet für geschickte Spruchzauberei, befand Percival zufrieden.

„Credence, der MACUSA hält dich für tot.“, begann Percival in dem Bewusstsein, dass er den Jungen mit seiner direkten und pragmatischen Herangehensweise nicht schonen würde. Es wäre besser, diese Information gleich am Anfang an ihn heranzutragen. Zumal, da er davon ausging, dass Credence sich dessen durchaus bewusst war.

„Aber da du nicht mehr in New York gesichtet worden bist, gehe ich sicherlich recht in der Annahme, dass du das weißt. Oder, dass du es zumindest vermutet hast.“, schlussfolgerte Graves.

„I-Ich habe es vermutet, Sir.“, gestand Credence unsicher und schlang seine langen Finger noch fester um die Tasse, als wäre sie der letzte Halm, an den er sich klammern konnte. „Ich habe Angst davor, was sie mit mir machen würden.“, fuhr er langsam fort und heftete seinen Blick wieder auf seine Hände. „I-Ihnen vertraue ich, M-Mr. Graves. Sie waren… für mich da.“

Percival gefror das Blut in den Adern. Wie sollte er dem Jungen verständlich machen, dass nicht er es gewesen war, sondern Gellert Grindelwald? Der Magier, gegen den ein Krieg geführt wurde. Der Credences dunkle Macht als Waffe missbrauchen wollte. Er entschied sich dazu, diese Information erst einmal für sich zu behalten.

„Du tatest Recht daran zu mir zu kommen“, befand Percival: „Der MACUSA hätte nicht für mildernde Umstände plädiert – trotz des Obscurus, der sich als Parasit an dich geheftet hat. Sie hätten dich für schuldig befunden und hingerichtet.“ Der Junge zuckte ob Percivals ehrlicher Worte zusammen. Er gab ein leises Wimmern von sich, das Graves das Herz brach.

Er wusste, dass er dem MACUSA verpflichtet war, dass er zumindest Picquery Rechenschaft schuldig war, nach dem ganzen Ärger, den er ihr eingebracht hatte. Trotzdem konnte es Percival nicht über sich bringen, den Jungen auszuliefern. Solange sie ihn für tot hielten, war er in Sicherheit. Und hätte er – so ehrlich musste Graves auch sich selbst gegenüber sein – eine bessere Arbeit geleistet, wäre Credence auch niemals in eine solch ausweglose Lage gekommen.

„Ich werde dir helfen.“, sagte Percival ruhig. Ihm war bewusst, dass ihn diese Entscheidung wohl möglich viel mehr als seinen Posten als Direktor der magischen Sicherheit kosten könnte. Doch diese eine Sache musste er nicht nur für den Jungen, sondern auch für sich tun. Er musste nicht zuletzt sich selber beweisen, dass sein Scharfsinn und seine Zurechnungsfähigkeit nicht getrübt worden war. Also fuhr er fort: „Wenn ich das Obscurus von dir trennen kann und dich unterrichte, stellst du keine Gefahr mehr da. Es würde eine Basis für deine Verteidigung bieten, Credence.“

„M-Mr. Graves, ich kann Ihre Hilfe doch nicht annehmen“, stieß Credence verzweifelt aus und hob seinen Blick. Einen kurzen Moment lang trafen sich ihre Blicke. „Und ob du das wirst.“, widersprach Graves in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Er konnte Credence zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitteilen, dass sie nicht riskieren konnten, dass er zu Grindelwalds Waffe wurde. Sobald der Schwarzmagier in Erfahrung gebracht hätte, dass Credence noch lebte – und Percival war sich sicher, dass es früher oder später dazu kommen würde – würde der Junge in das Schussfeld geraten. Doch würde er in der Zeit lernen, seine magischen Fähigkeiten zu kontrollieren, dann würde er dem MACUSA sicherlich lebendig nützlicher sein als tot.
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