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Nur ein Spiel

OneshotLiebesgeschichte / P12 / Het
Izaya Orihara OC (Own Character)
25.12.2020
25.12.2020
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(Y/N) = Dein Name

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Angespannt beobachte ich, wie die einzelnen Zahlen des Fahrstuhls kurz aufleuchten und sogleich wieder erlöschen, nur um dann bei der nächsten Zahl wieder aufzutauchen.
Dabei konnte ich es mir nicht verkneifen von einem Bein auf das andere zu treten, während ich nervös meine Hände knete. Leider konnte ich mir diese unmögliche Angewohnheit nicht abgewöhnen, dennoch beruhigte es mich etwas mehr. Ich weiß nicht wie ich reagieren würde, wenn ich ihm vollkommen nervös und begegnen würde.

Es ist einfach schon so lange her das ich hier gewesen bin und vor allem das ich ihn gesehen habe.
Seitdem ist wirklich viel passiert, sowohl gutes als auch schlechtes. Ich glaub das letzte mal als ich ihn gesehen habe, war als ich ihm erzählt habe das ich heiraten werde. Danach war Funkstille, bedauerlicherweise. Ich wollte ihn damit nicht vergraulen, doch das hatte ich mit dieser Entscheidung geschafft.

Ein leises Ping gefolgt von dem öffnen der Metallischen Tür, weckt mich aus meinen trüben Gedanken. Doch für dieses hatte ich nun wirklich keine Zeit mehr. Mir kam es vor als würde die Tür stunden brauchen um endlich auf zu gehen, doch als sie geöffnet war, wünschte ich mir wieder, dass sie geschlossen wäre. Der Fahrstuhl mündet in das große Büro des Informanten und lag zu meinem Bedauern direkt gegenüber von dessen Schreibtisch, an welchen er auch nun saß.

Auch wenn ich gerade erst angekommen bin und mich nicht angemeldet hatte, lag ein wissender Ausdruck in seinen haselnussbraunen Augen, welche scheinbar in die Abgründe meiner Seele blicken konnten. Izaya…alleine sein Anblick lässt alte Gefühle hoch kommen, doch ich durfte mich diesen nicht hingeben und versuche sie sogleich zu unterdrücken.

Innerlich musste ich aufseufzen, doch ich durfte ihm keine Schwäche zeigen. Darum hob ich meinen Kopf, setzte ein kleines Lächeln auf und Schritt selbstsicher aus dem Fahrstuhl und gehe direkt auf den Informanten zu. Dabei lässt er mich keine einzige Sekunde aus den Augen und bei jedem Schritt fangen seine Augen mehr zu leuchten an und sein Grinsen wurde immer breiter. Ich jedoch versuchte das genaue Gegenteil. Ich durfte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst habe, wie sehr er mich auch heute noch aus der Fassung bringt. Mein inneres war total unruhig und ich hoffte das er davon nichts mitbekam, von meinem inneren Kampf. Doch wie ich Iza kenne, hat er mich schon beim ersten Schritt entlarvt.

Einige Meter vor ihm bleibe ich stehen und lächle ihn an. „Lange ist es her, Izaya.“ Kurz wechselte sein überhebliche Grinsen zu einem ernstgemeinte Lächeln, doch es waren nur wenige Sekunden…leider. „Da hast du recht (Y/N)-chan. Doch du bist sicherlich nicht hier um einen alten Freund zu besuchen, nicht wahr?“ aus seiner Stimme war pure Überheblichkeit und Hohn zu hören. So als wäre ich einer seiner Figuren, die er behandeln konnte wie er wollte, doch das war ich nicht. Genau diese Seite an ihm konnte ich nicht leiden, ich hab sie regelrecht gehasst. Doch jetzt geht es um wichtigere Dinge, als um alte Zeiten.

„Da hast du recht, ich vermute du weißt schon längst um was es geht?“ es war keine Frage, mehr eine Feststellung meinerseits. „Natürlich, doch ich lehne es ab.“ Er winkt beiläufig ab, als würde es um nichts gehen. Wütend balle ich meine Hände zu Fäusten, doch versuche ich mich im selben Atemzug wieder zu beruhigen. Natürlich entging dem Schwarzhaarigen diese Reaktion jedoch nicht und sein Gesichtsausdruck glitt dabei immer mehr in die Neutralität.

Ich atme noch einmal in Ruhe durch und versuche so ruhig wie nur möglich zu sprechen. „Und wieso nicht? Wenn es dir ums Geld geht, ich kann zahlen, dass ist kein Problem.“ Doch wie zu erwarten ging es ihm nicht um das Geld. „Ich weiß, doch um so etwas lächerliches kümmere ich mich nicht. Zumindest nicht bei dir.“ Er sieht mir intensiv in die Augen, wendet sich jedoch nach wenigen Sekunden seufzend ab. „Ich kann immer noch nicht verstehen, dass du den Typen gewählt hast.“ Er schüttelt unverständlich den Kopf, was mich nur rasend macht und das wusste er ganz genau.

Ungläubig verschränke ich meine Arme und sehe ihn gereizt an. „Ach ja? Dann bist du selbst schuld. Ich hab dir mein Herz geschenkt und dich hat es nicht einmal interessiert!“ Die alte Wut und Trauer kocht wieder hoch, doch erneut versuche ich mir klar darüber zu werden, weswegen ich hier bin und versuche ich sie erneut herunterzuschlucken. Doch ich meinte es so wie ich gesagt habe. Es gab eine Zeit, in welcher ich alles für Izaya getan hätte. Ich liebte ihn und lieb ihn, zu meinem Leidwesen, wahrscheinlich immer noch. Er ist meiner Meinung nach der perfekte Mann.

Wir waren lange zusammen, doch ging es ab einen Punkt nicht mehr weiter und er hat sich lieber mit seinen geliebten Menschen beschäftigt, als mit mir. Es hat mich fertig gemacht, dass ich scheinbar nur noch Luft war, während ich ihn so sehr geliebt habe. Aber ok, es sollte wohl nicht werden.

Er zeigte darauf keine Reaktion und blickte lieber aus dem Fenster, als mir weiter ins Gesicht zu blicken. „Aber egal, dass ist die Vergangenheit und ich brauch leider deine Hilfe, um meine Zukunft zu retten. Also kannst du mir bitte sagen was mit meinem Verlobten passiert ist.“ Bittend blicke ich ihn an und auch meine Stimme hatte etwas flehendes. Er ist mir wirklich sehr wichtig, nach der Beziehung mit Izaya hat mich mein Verlobter wieder aufgebaut, war für mich da und ich hab angefangen ihn zu lieben. Zwar würden diese Gefühle niemals an die heranreichen, welche ich für den Mann vor mir empfunden habe und leider immer noch tue, doch mein Verlobter ist der Mann mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte.

Seufzend wendet sich Izaya wieder in meine Richtung heraus genervten Augen an. „Ich soll also dir zuliebe den Mann finden, der dich heiraten wird?“ etwas verwirrt blicke ich ihn an. „Ja, darum hab ich dich doch gerade gebeten.“

Kopfschüttelnd steht Izaya von seinem Platz auf und geht in aller Ruhe um den breiten Tisch herum, bis er direkt vor mir stehen bleibt. Ich war noch immer verwirrt und blicke auch so zu ihm auf. Was hatte er denn vor? Doch bei Iza wusste man nie. Er sieht mir tief in die Augen und hebt langsam seine Hand und legte sie mir vorsichtig auf meine Wange, strich dann sanft mit seinem Daumen über sie.

Ich wollte etwas sagen, doch seine Augen fesselten mich zu sehr und ließen mich verstummen, bevor ich überhaupt den Mund öffne. Ich konnte nicht bezweifeln das etwas in der Luft liegt, doch es sollte nichts mehr in der Luft liegen und ich sollte erst recht nicht mehr wegen ihm erröten. Dennoch konnte ich alles nicht bestreiten. Und das er auch noch anfängt sanft zu lächeln, warf mich vollkommen aus der Bahn.

„Du verlangst von mir, dass ich den Mann suche, der mir mein Mädchen weggeschnappt hat und sie mir auch noch für den Rest meines Lebens entreißen will. Weißt du eigentlich wie ironisch das ist?“ seine Worte ließen mein Herz höher schlagen, doch auch das sollte nicht sein. Ich bin verlobt, glücklich verlobt. Doch hier steht sie, die Liebe meines Lebens und ich kann es nicht abstreiten. Dennoch, er hatte sich gegen mich entschieden und nicht ich mich gegen ihn.

So sehr es auch schmerzt, ich ergreife seine Hand und entferne sie von meiner Wange. Bis vor wenigen Sekunden konnte ich noch behaupten, er würde wieder ein Spiel mit mir spielen, doch der Schmerz, der so plötzlich in seine Augen aufleuchtet überzeugt mich sogleich vom Gegenteil. Ich fühlte mich schlecht, doch ich durfte nicht schwach werden.

„Es tut mir leid Iza, doch du hast dich damals gegen mich entschieden.“ Und da war es wieder, dieses widerliche Grinsen, doch diesmal erkannte ich ganz deutlich, dass es nur eine Maske ist, mit der er alles zu überspielen versucht. „Und es war der größte Fehler meines Lebens.“ Ich wusste nicht, ob ich mich verhört habe, doch ganz leise hatte er etwas gesagt. Vielleicht war es jedoch auch nur Wunschdenken.

Er wendet sich wieder von mir ab und lehnt sich an seinen Schreibtisch und sieht mich mit verschränkten Armen an. Erst jetzt bemerke ich, dass ich teilweise die Luft angehalten habe, doch er hat eben noch immer eine so große Wirkung auf mich.

„Ok ich helfe dir.“ Überrascht blicke ich auf. „Wirklich?“ „Ja, unter einer Voraussetzung.“ Fragend blickt ich ihn an und nicke, um ihm zu zeigen, dass er weiter sprechen soll. „Und die wäre?“ „Heirate mich.“ Stille. Mit offenen Mund blicke ich ihn an. Ein leichter Tränenschleier erschwert mir das sehen, doch ich konnte nicht anders als ihn wütend und schockiert an zusehen. „Das ist nicht witzig Izaya.“

„Gut, denn es soll auch nicht witzig sein.“ Wütend gehe ich auf ihn zu und blicke zu ihm hoch. „Hör auf mit deinen verdammten Spielchen.“ Doch es war noch immer nichts darauf zu deuten, dass er es als Scherz meint. „Ich spiele nicht, zumindest nicht im Moment.“ Er lächelt mich immer noch mit diesem falschen Lächeln an…aber vielleicht auch nur um seine Nervosität zu überspielen? Nein, wieso nehme ich ihn in Schutz.

„Ich werde kein zweites mal darauf reinfallen.“ Ja, dass war der Trennungsgrund. Er hat mir ein Antrag gemacht, doch nur um eine andere seiner Figuren in die richtige Position zu bringen. Er war nicht daran interessiert mich zu heiraten, er hatte mich nur benutzt. Und das hatte er vorher nie, ich war nie einer seiner Figuren, zumindest dachte ich dies. Da wurde mir klar, dass ich schon immer eine alberne Figur in seinem Spiel war.

Sein Daumen streicht mir sanft die Tränen von meiner Wange. „Ich meine es dieses mal ernst.“ Sein Lächeln war weg und er sah mir ernst in die Augen, fast schon reuevoll. „Ich hätte nie mit deinen Gefühlen spielen sollen und das ist mir klar geworden, also bitte…heirate ihn nicht.“ Schmerz, alles was ich in seinen Augen sehen konnte war Schmerz. Und ich liebe ihn noch immer so sehr, dass mir dieser Schmerz schon fast die Luft zum Atmen nimmt.

„Ich…“ doch er unterbrach mich. „Nein, du hast recht. So etwas kann ich nicht von dir verlangen, ich helfe dir deinen Verlobten wiederzufinden…“ Warum tut es jetzt wieder so weh? Ich fühle mich schon wieder losgelassen, ungeliebt, als wäre ich es doch nicht wert. „Doch…“ mit voller Hoffnung blicke ich wieder auf, er hat mich schon wieder vollkommen um den Finger gewickelt. „…bitte überleg dir das Angebot. Es steht noch immer und es wird auch immer für dich stehen.“ Mein Herz macht Saltos, er will mich also immer noch? Glücklich lächle ich ihn an und nicke begeistert, was ihn auch nur zum lächeln bringt.

„Ok, dann hier.“ Er kramte kurz hinter sich und übergab mir einen braunen Umschlag. „Hier ist alles drin, was du wissen musst…doch bitte nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen und lese es dir in Ruhe durch. Ich bin hier und warte auf dich.“ Ein Unwohlsein macht sich in meinem Magen breit, doch nun hatte ich meine Informationen und die Sicherheit, dass ich jederzeit zu Iza konnte. „Danke, ich komme wieder.“ „Das will ich auch hoffen.“

Izaya bringt mich noch zum Fahrstuhl. Wir beide sehen uns bis zum Schluss in die Augen, solange bis die Tür uns die Sicht auf den jeweiligen andrehen versperrt. Das Treffen hatte nicht so geendet wie ich es gedacht hätte, doch ich war glücklich. Sehr sogar.
Auch wenn ich lange brauchen werde um die Informationen die ich bekommen habe zu verarbeiten, bin ich dennoch glücklich, dass Iza jetzt wieder an meiner Seite ist und wir uns besser den je verstehen.

Das die schwarze Dame jetzt jedoch auf einem anderen Feld steht, hab ich nicht bemerkt und werde es auch nie bemerken.
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