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Requiem For A Dream

von A wie Ana
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Eren Jäger Hanji Zoe Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman OC (Own Character)
25.12.2020
11.06.2021
40
314.530
63
Alle Kapitel
349 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
11.06.2021 8.969
 
Guten Morgen, meine Lieben!

Erst einmal ein riesiges Dankeschön für all die tollen Rückmeldungen, die ich von euch bekommen habe! Für 60 schöne Sternchen, 112 Favo-Einträge und 335 Reviews (*_* Ich bin sprachlos). Ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich eine Review von euch lese und finde es nach wie vor echt schön, dass die Geschichte bisher so gut ankommt! Hoffentlich bleibt das auch so ;)

Mit diesem Kapitel...werde ich euch womöglich sehr erfreuen. Nein, kein Smut, aber zumindest etwas in der Nähe davon und ich mag es sehr gerne, weil es sehr gut zu den beiden und ihrer Situation passt. Ich bin wirklich sehr gespannt, was ihr dazu sagt und ob ich euch damit eine Freude machen kann.
Liebste Grüße und bleibt alle schön gesund, bis nächste Woche dann!

A wie Ana




Levi


Obwohl er es eigentlich schon kannte, weil es jedes Mal so war, so fand er es dennoch auf eine merkwürdige Art immer noch irritierend, wie viel besser er sich fühlte, wenn er hier war. Es war jedes Mal so, als würde irgendetwas Schweres von seinen Schultern abfallen, wenn sie an diesen Ort fuhren, der ihn schon seit Jahren grundlegend mit etwas Gutem verband. Er hatte seit, sage und schreibe, zwölf Jahren kein einziges Mal darüber nachgedacht diesen Ausflug, diesen zweitätigen Aufenthalt mitten in der Pampa, irgendwie auszuradieren und einfach aus seinem Leben zu streichen, weil er sich so wohl hier fühlte, so aufgehoben und endlich einmal befreit, er wusste, dass es total bescheuert klang, dass er, genauso wie Mikasa, fast jedes Mal darauf hin fieberte.
Womöglich hatte es einfach viel mit diesem Ort an sich zu tun, mit den grünen Weiten und diesem kleinen Tümpel, von dem Mikasa bis heute behauptete er wäre ein See, mit den knorrigen Bäumen und der Stille, die ihn umgab, die niemals von dem Lärm der weit entfernten Großstadt durchbrochen wurde. Aber viel wahrscheinlicher hatte es viel damit zu tun, welche Erinnerungen er mit diesem Ort verband.

Anfangs hatte er es gehasst. Er hatte sich dagegen gesträubt, er hatte es ins Lächerliche gezogen, sich dagegen gewehrt und ja, er hatte es wirklich gehasst. Aber gleichzeitig musste er eben auch zugeben, dass er damals alles gehasst hatte und er einfach nicht damit zurechtgekommen war, dass es eben auch schöne Dinge geben konnte, sichere Orte, die nicht mit einer Gegenleistung oder Hintergedanken einhergingen.
Als er das erste Mal hier gewesen war, waren er und Keith völlig allein gewesen. Keith hatte ihn eines morgens, in den Sommerferien, einfach aus seinem Zimmer gekickt, eine Tasche gepackt und ihn in seinen Wagen gesetzt und als sie hierher gefahren waren, war Levi erst einmal durchgedreht. Vielleicht hatte ihn dieser Ort, der so unberührt war von der modernen Stadt, erst einmal an das Leben in diesem kleinen Dörfchen erinnert, in dem er aufgewachsen war, an die vielen Äcker und Weiden und an diese beschissene Sekte, dabei unterschied sich dieser Platz so grundlegend davon.
Und dennoch…im ersten Moment hatte er sich dagegen gesträubt, er hatte es nicht einmal schätzen oder irgendwie annehmen wollen. Und auch im zweiten Moment hatte er keinen Gefallen daran gefunden. Das war erst über die Jahre gekommen, über all die Jahre, in denen er sich entwickelt und verstanden hatte, dass Keith kein psychopathischer Sack war, der ihn im Schlaf strangulieren und in diesem Tümpel hatte versenken wollen, wie in einer dieser Horrorgeschichten, die er so oft auf der Straße erzählt bekommen hatte.
Er war immer misstrauisch gewesen, es war einfach nicht in seinen Kopf hineingegangen, dass es auch Menschen gab, die nicht einfach nur irgendwelche perversen Sadisten waren und ihre Chancen sahen ihre gewalttätigen Fantasien an jemandem auszuleben, den sowieso niemand vermissen würde. Keith hatte natürlich niemals Anstalten dazu gemacht. Stattdessen hatte er ihn sogar eher in Ruhe gelassen während dieser zwei Tage.
Er hatte Levi nicht zum Wandern oder Schwimmen gezwungen, er hasste Schwimmen, und auch nicht dazu mit ihm großartig zu reden. Das war von ganz allein gekommen. Es hatte ein paar Jahre gedauert, aber es war dazu gekommen. Und als schließlich Mikasa dazu gestoßen war, war es erst einmal wieder schwierig gewesen, aber schließlich…

Sie liebten es beide. Sie hatten sich daran gewöhnt, weil es ihnen ein gutes Gefühl gab, ein…Familiengefühl, wie sie es eben erst durch Keith hatten kennen lernen dürfen. Und neben diesem Gefühl war es wohl gleichzeitig auch irgendwie eine Erinnerung an ihn, eine Art Tradition, um ihn im Gedächtnis zu behalten, auch wenn Levi von solchen Bräuchen eigentlich nicht sonderlich viel hielt. Keith hätte wahrscheinlich einen Scheiß darauf gegeben, ob sie ihn damit in Ehren hielten oder nicht, und sich halbtot gelacht darüber, aber sie taten es trotzdem. Einfach nur, weil…
...sie schuldeten ihm so viel. Levi schuldete ihm alles. Ohne Keith wäre er nicht dort, wo er jetzt war. Er hätte all diese Menschen nicht um sich herum. Er hätte nicht gelernt sich besser zu verstehen und die Dinge anders anzugehen, manche eben auch zu akzeptieren und er hätte auch nicht gelernt zu reden, wenn es notwendig war. Keiths alleiniger Verdienst war es sicherlich nicht gewesen und besonders gut war Levi, im Vergleich zu heute, obwohl er immer noch beschissen darin war, darin auch nicht gewesen, aber…
...Keith war wohl der erste, bei dem er die Klappe aufgerissen hatte. Dem er Dinge erzählt hatte, die er eigentlich niemandem hatte erzählen wollen. Und vielleicht hatte es Jahre gedauert, aber…
Er würde schon sagen, dass Keith irgendwie sein Vater gewesen war. Zumindest hatte er diese Funktion bedeutend besser erfüllt als irgendjemand aus seiner leibhaftigen Familie, von der wahrscheinlich sowieso nur noch Kenny übrig war. Keith war immer da gewesen. Er hatte ihn nicht grundlegend ändern und in eine Richtung schieben wollen, in der Levi nicht hatte sein können. Aber er hatte ihm Denkanstöße gegeben. Ihm geholfen sich zu entwickeln. Und wenn Keith nicht gewesen wäre…
Levi glaubte nicht, dass er dann hier wäre. Wahrscheinlich wäre er nicht einmal mehr am Leben. Und das war Grund genug für ihn, um diese zwei Tage irgendwie in Ehren zu halten und sich damit an früher zu erinnern.

Dass seine Laune nicht nur damit zu tun hatte, wusste er gleichzeitig aber auch. Es hatte nicht nur etwas damit zu tun, dass er sich so ruhig fühlte, wobei es wahrscheinlich ein großer Faktor war, aber vielmehr…war es wohl ein Zusammenspiel aus verschiedenen Dingen. Dieser Ort, der ihm immer Freiheit und Sicherheit vermittelt hatte, seine Familie, die ihn niemals hängen gelassen hatte und die er um sich herum hatte, die niemals verschwinden würde, und…
...natürlich Eren. Sicherlich Eren.
Er machte sich dabei nichts vor, es brachte nichts sich selbst zu belügen und er wollte das auch gar nicht, obwohl er früher noch ganz anders gewesen war. Aber es war schön Eren um sich herum zu haben. Es fühlte sich gut an ihn so zu sehen, im Kreise seiner Freunde, seiner verdammten Familie, und ihn dabei zu beobachten, wie er…
Nun, er hatte eigentlich niemals den Eindruck gehabt als wäre Eren von Grund auf schüchtern und unsicher, aber die Umstände hatten ihn eben zu solch einem Menschen gemacht. Er war in Deckung gegangen, während seiner Zeit auf der Straße und vielleicht auch schon davor, weil er nicht zurechtgekommen war und das Leben ihn überfordert hatte. Levi konnte das nachvollziehen, alles hatte schließlich seinen Grund, und vielleicht gefiel es ihm deshalb so gut Eren im Kreise seiner Freund zu sehen, wie er…
...irgendwie die Chance bekam wieder mehr er selbst zu sein. Sich diese Chance in gewisser Hinsicht auch selbst irgendwie gab.
Levi wusste, dass er darauf kein Auge haben musste. Er war nicht sein großer Bruder oder Vater, der ihn an die Hand nehmen und führen musste. Er hatte nicht viel mitzuwirken in seiner charakterlichen Entwicklung, aber gleichzeitig…stimmte das wohl auch nicht so ganz. Schließlich hatten Keith und seine Freunde das auch irgendwie getan, wenn auch auf eine andere Weise. Und es gab ihm kein schlechtes Gefühl das als etwas positives zu sehen, es als einen kleinen Erfolg zu verbuchen.
Er hatte Eren auch vorher schon gemocht. Aber ihn so zu sehen, wie er er selbst war oder zumindest annähernd in diese Richtung ging, gab ihm noch einmal ein etwas anderes Gefühl. Das war Eren. Und nicht das Häufchen Elend, das Hanji vor vielen Monaten von der Straße geklaubt hatte und das schließlich in ein Leben geworfen worden war, mit dem er nicht hatte umgehen können.

Er lachte die ganze Zeit. Und er lächelte. Nicht ununterbrochen, aber so viel häufiger und ehrlicher als er es ganz zu Anfang getan hatte. Und er hatte kein Problem mit den anderen, es wirkte fast so als würde er sie sein Leben lang schon kennen, wobei Levi Mikasa hier ein wenig außen vor betrachten musste, schließlich war Mikasa einfach Mikasa und sie schien immer noch nicht so wirklich zu wissen, was sie von Eren halten sollte. Aber mit dem Rest…
Ihm war schon viel früher aufgefallen, dass Eren sich in seinem Freundeskreis wohlfühlte, natürlich war es das. Aber wie gut er sich eingelebt hatte, ohne es als ein Muss zu betrachten, weil es wohl auch Levis Freunde waren, seine Familie, verwunderte ihn dann doch, weil er anfangs…nicht davon ausgegangen war, dass Eren sich leicht damit tun würde.
Womöglich wäre es ihm auch nicht leicht gefallen, wenn Hanji und die anderen eben nicht so wären, wie sie waren. Sie hatten Eren aufgefangen, genauso, wie sie Levi und Mikasa damals irgendwie aufgefangen hatten, obwohl die Umstände und Konstellationen etwas anders gewesen waren als jetzt, und ganz offensichtlich…hatte Eren sich mittlerweile damit abgefunden, dass sie ihn so schnell auch nicht wieder gehen lassen würden. Es schien ihn nicht zu stören. Er schien sich wohl zu fühlen.
Und das sah man ihm an.
Wenn Levi ihn mit dem jungen Mann verglich, den er kennen gelernt hatte, wurde ihm nur einmal wieder bewusst, was für ein himmelweiter Unterschied zwischen diesen zwei Personen lag. Sicher, ganz abgelegt hatte Eren seine Unsicherheit nicht, manchmal wirkte er immer noch bedrückt und verunsichert, eher zögerlich, aber das war völlig natürlich bei dem, was in seinem Leben bisher passiert war und wie schnell dieser Wechsel eigentlich stattgefunden hatte. Aber…er wirkte, als wäre etwas von seinen Schultern abgefallen.
Und vielleicht hatte es viel mit diesem Ort zu tun, weil auch Levi sich hier immer so fühlte, gleichzeitig wusste er aber auch…dass es nicht nur das war. Es war das Gefühl irgendwie angekommen zu sein. Einen Platz gefunden zu haben. Und er kannte das so gut, dass es ihn fast automatisch in frühere Zeiten zurückversetzte, in denen er noch ähnlich unsicher und wackelig und unstet gewesen war und erst nach und nach…einen Platz bekommen hatte.
Ein verdammtes Recht auf Leben, das er zuvor eben nicht gehabt hatte. Nicht in diesem Maße. Und nicht unter solchen Umständen.

Er wusste gar nicht so genau, warum er das ausgerechnet bei Eren so gerne sah. Er hatte diese Entwicklung schon bei vielen Menschen miterleben dürfen und beobachten können, unter anderem bei sich selbst und Mikasa, aber bei Eren…war es irgendwie etwas anderes. Vielleicht hatte es viel damit zu tun, dass sich ihre Ausgangssituation, sowohl Erens als auch seine eigene, in diesem Verhältnis von jenen unterschied, in denen Levi eben bisher gewesen war, wenn er jemanden kennen gelernt hatte.
Die Menschen, mit denen er bisher irgendetwas gehabt hatte, ob jetzt nur sexuell, romantisch oder auf irgendeine andere Art und Weise, waren eigenständige Personen gewesen. Sie hatten fest im Leben gestanden. Und ja, auch Eren war eine eigenständige Person, aber Levi…hatte diesen Wandel irgendwie so hautnah miterlebt, dass es für ihn weitaus bedeutungsschwerer war. Er hatte diese Entwicklung quasi beobachten können, aus nächster Nähe, und ja, vielleicht hatte es auch viel damit zu tun, dass er Eren einfach gerne mochte und er deshalb einen anderen, einen weitaus fokussierteren Blick darauf hatte.
Ziemlich wahrscheinlich war auch das ein Grund dafür, dass es ihm so extrem auffiel. Und dass es ihm gefiel. Es gefiel ihm Eren so zu sehen. Weil das ein Mensch war, den er kennen wollte, auch, wenn es lange dauern würde, weil diese Fitzelchen, die Levi dann und wann von Eren zu sehen bekam, noch zu kläglich waren, um stetig zu sein.
Es irritierte ihn ein wenig, weil…nun, im Grunde war es auch für ihn irgendwie neu. Diese Ausgangssituation war auch er nicht gewohnt. Und sicher, er hatte deutlich mehr Erfahrung als Eren, wusste, was er wollte, wie er es wollte und mit wem er es wollte, noch dazu stand er einfach fest im Leben, ganz im Gegensatz zu Eren, aber…
...es fühlte sich trotzdem neu an. Weil er Eren von Grund auf kennen lernen würde. Und Eren würde das in gewisser Hinsicht…wohl ebenfalls tun. Er würde sich selbst kennen lernen.

Er wandte den Blick gezwungenermaßen von Erens dunklem Schopf ab und lehnte sich zurück, griff nach seinen Zigaretten, um sich eine anzuzünden.
Mittlerweile war es Abend und kalt war es noch lange nicht, das würde es, wenn überhaupt, erst heute Nacht werden, aber Farlan hatte sich trotzdem vor einer halben Stunde daran gemacht ein Feuer in der kleinen Feuerstelle zu schüren. Wenn Levi sich daran erinnerte, wie sich sein bester Freund ganz zu Anfang angestellt hatte, vor vielen Jahren, und immer wieder probehalber feuchtes Holz zum Brennen hatte bringen wollen, merkte er wie sein Mundwinkel nach oben zuckte.
Farlan warf ihm just in dieser Sekunde einen Blick zu, sah sein Schmunzeln und hob die Augenbrauen. Und Levi schnaubte nur verhalten, als er aufstand, sich ein wenig Ruß von der Hose klopfte und sich schließlich neben ihm fallen ließ. Er grapschte ganz selbstverständlich nach seinen Zigaretten und er war mittlerweile so gut darin geworden Levis abfälligen Blick einfach zu ignorieren, dass Levi ihn sich auch sparen konnte. Tat er dennoch nie.
„Und? Wie stell ich mich an?“, durchbrach sein Freund schließlich das kurze Schweigen und zündete sich die Zigarette an.
Levi musterte ihn eine Sekunde lang, sein bester Freund grinste, dann verdrehte er die Augen.
„Das fragst du mich jedes Jahr“, meinte er nur und Farlan lachte leise auf. Er wirkte nicht so, als würde er sich nicht daran erinnern.
„Ich weiß. Aber in deinen Augen ist alles verbesserungswürdig.“
„Ich bin nicht so schlimm“, sagte Levi und Farlan sah ihn kurz mit gehobenen Augenbrauen an, dann brach er in Gelächter aus, dabei hatte Levi es völlig ernst gemeint.
Er war perfektionistisch, das bestritt er auch gar nicht, aber er war kein Korinthenkacker. Zumindest meistens nicht.
„Ne, eigentlich nicht“, gluckste Farlan und lehnte sich zurück. Sie schwiegen eine Weile, aber es war alles andere als unangenehm, weil es mit Farlan niemals unangenehm war. Sein Freund hatte es sogar irgendwie hinbekommen, die Scheite zum Brennen zu bringen, normalerweise dauerte das bei ihm so viel länger, sogar Isabel war besser darin, wobei Levi auch eigentlich sagen musste, dass man dabei wohl nicht viel falsch machen konnte. Farlan allerdings…
…er konnte sich daran erinnern, dass er die Bialetti von Keith damals beinahe völlig zerstört hatte, als er das erste Mal mit hier gewesen war. Levi hatte bis heute keine Ahnung wie er es geschafft hatte die Unterseite verkohlen zu lassen und den Griff aus Hartplastik glatt entzwei zu brechen, aber es war passiert und trotzdem hatte Levi bis heute keine Sekunde darüber nachgedacht, eine neue zu kaufen, obwohl er von Sekundenkleber und dem ganzen Scheiß echt nicht so viel hielt. Aber…
...sie gehörte irgendwie dazu. Und auch wenn er sich eine neue kaufen würde, würde er sie wahrscheinlich trotzdem immer noch jedes Jahr mit hierher nehmen. Einfach nur aus Prinzip.

Er starrte einen Moment lang ins Feuer, drückte schließlich seine Zigarette aus und warf einen Blick auf Hanjis Bus, vor dessen Seitentür sie ein halbes Zelt gespannt hatte, um in aller Ruhe zu kochen. Bei dem Massenauflauf könnte er wahrscheinlich niemals die Nerven behalten, aber er war auch richtig beschissen in der Küche und versuchte es also gar nicht erst. Hanji allerdings…
...es schien sie überhaupt nicht zu stören, dass Isabel und Petra um sie herum wuselten, während Mikasa und Eren schweigend und recht brav Gemüse in eine große Schale schnippelten. Sein Blick verharrte auf Mikasas stoischem Gesichtsausdruck, wanderte dann weiter zu Eren, der just in diesem Moment irgendetwas sagte, das er nicht verstehen konnte, weil Isabel laut loslachte. Eren grinste nervös. Ließ das Messer sinken, um sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen, und…
„Du bist verknallt“
Er drehte ruckartig den Kopf weg und sah Farlan an, der ihn eindringlich musterte. Als Levi nicht sofort etwas erwiderte, er war kurz wie vor den Kopf gestoßen, dabei war es eigentlich echt lächerlich, seufzte Farlan leise und drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus, griff schließlich nach dem halbleeren Bier, das er vor über zwanzig Minuten auf dem kleinen Tisch abgestellt hatte und das sicherlich schon mehr als scheiße schmeckte.
Levi starrte ihn noch eine Sekunde lang an, dann schnaubte er allerdings leise, obwohl er wusste, dass er sich das auch sparen konnte.
„Ich mag ihn“, sagte er, anstatt ihm Recht zu geben, er wusste, wie es war verknallt zu sein und hier war er es nicht, noch nicht jedenfalls, und Farlan schenkte ihm einen langen Blick, ehe er ihn abwandte und sich weit zurücklehnte, die Beine überschlug.
„Deswegen starrst du ihn die ganze Zeit an“, sagte er noch und Levi entkam ein Geräusch, das abfällig klingen sollte, aber eher resigniert wirkte.
„Ist es so offensichtlich“, fragte er und Farlan zuckte mit den Schultern. Grinste dann leicht.
„Wir sind alle nicht blind, Levi. Da ist diese gewisse Tension, weißt du.“
Er wackelte mit den Augenbrauen und Levi verdrehte die Augen, nahm dann aber die Flasche Bier entgegen, die Farlan aus irgendeiner Versenkung gezaubert hatte und ihm hinhielt. Er sagte nichts dazu, weil es dazu auch nichts zu sagen gab.
Farlan schwieg einen Moment lang.
„Was geht da mittlerweile zwischen euch ab“, wollte er schließlich wissen und Levi wandte den Blick von ihm ab, richtete ihn auf das Feuer, das mittlerweile zumindest Anstalten dazu machte lichterloh zu brennen.

Einen Augenblick lang wusste er nicht einmal genau, was er darauf antworten sollte, dabei gab es wohl auch nicht viele Auswahlmöglichkeiten. Und es zu leugnen würde überhaupt und rein gar nichts bewirken, weil es erstens nicht sein Stil war und er zweitens Farlan auch nichts vorzumachen brauchte. Farlan kannte ihn schon so lange. Und er kannte ihn gut. Verdammt gut. Er hatte Levi todesbetrübt und himmelhochjauchzend, schwer enttäuscht und schwer verliebt erlebt.
Trotzdem hatte er nie versucht Levi einen Stempel aufzudrücken oder ihm seine Gedanken oder Gefühle aus der Nase zu ziehen. Zweiteres hatte er auch niemals tun müssen, weil…Levi das schon immer ganz von selbst getan hatte. Gegenüber Farlan war er immer ehrlich gewesen, weil er sein Freund war. Er hielt auch sonst nichts von Halbwahrheiten oder versteckten Notlügen, aber Farlan…er war sein bester Freund. Egal, was gewesen war oder kommen würde, verurteilen würde er ihn niemals. Ob er ihn ganz verstand, war noch einmal eine andere Frage. Aber hinsichtlich dessen tickte er eigentlich genauso wie Mikasa. Man musste es nicht immer verstehen, allerdings akzeptieren. Und Farlan hatte das schon immer getan.
Wirklich gesprochen hatten sie über diese Sache dennoch nicht. Manche Dinge mussten nicht gesagt werden, damit Farlan sie wusste. Und dass es Farlan nicht entgangen war, sollte ihn eigentlich nicht überraschen.
„Bisher nicht viel“, sagte er schließlich wahrheitsgemäß, es stimmte wohl, sowohl körperlich als auch auf emotionaler Ebene, und griff nach seinen Zigaretten, zündete sich noch eine an, ehe er die Bierflasche auf dem Tisch abstellte.
Ein paar Sekunden sagte keiner von ihnen beiden etwas, Isabel lachte hinter ihnen laut auf, als Hanji irgendetwas Bescheuertes sagte, dann machte Farlan ein verstehendes Geräusch.
„Und woran hapert’s“, fragte er und Levi hob die Schultern, dabei war die Antwort darauf eigentlich klar.
„Die…Umstände sind ein bisschen anders als sonst“, meinte er und Farlan sah ihn noch einen Moment lang an, dann nickte er leicht. Weil er aber nichts dazu sagte, seufzte Levi schließlich und nahm einen Schluck aus der Flasche.
„Er weiß nicht genau, was er will“, sagte er dann. Er schwieg kurz.
„Und ich weiß es ehrlich gesagt auch noch nicht so ganz. Wir haben darüber geredet und beschlossen, das einfach auf uns zukommen zu lassen.“
Das war die Wahrheit. Dabei…Levi wusste im Grunde, was er wollte. Nur war es hier einfach etwas schwieriger als sonst. Sicher, er wollte Eren kennen lernen. Er wollte ihm nah sein, auf vielen, verschiedenen Ebenen, sowohl emotional als auch geistig und körperlich, aber wie weit er diese Nähe treiben wollte, inwieweit er sie handhaben konnte, das wusste er noch nicht genau.
Eine Beziehung stand zumindest jetzt noch nicht im Raum. Nicht unter diesen Umständen. Und vielleicht auch niemals. Aber…

„Okay“, sagte Farlan schließlich, es klang nicht überrascht, und Levi warf ihm einen Blick zu. Sein bester Freund erwiderte ihn ohne zu zögern, aber er wirkte nachdenklich. Er puhlte eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie sich an, schwieg dann eine Weile.
„Und wie weit…“
Er brachte den Satz nicht zu Ende und hob dann nur die Schultern. Levi wandte den Blick ab.
„Noch nicht weit“, beantwortete er die Frage, weil es stimmte. Sie waren noch nicht weit gegangen. Überhaupt und rein gar nicht so weit, wie Levi mit anderen Menschen sicherlich schon längst gegangen wäre.
Er war ehrlich: er liebte Sex, was ja aber nicht hieß, dass er ein triebgesteuertes Karnickel war. Aber darauf verzichten könnte er nicht. Er tat es viel zu gerne, war den Menschen, die er mochte, viel zu gerne nah, als dass er darauf verzichten könnte. Eren allerdings…war eben noch einmal eine andere Sparte. Er hatte keine Erfahrung und Levi wollte ihn nicht in eine Rolle drängen, für die er sich womöglich noch überhaupt nicht bereit fühlte.
Es erschien ihm bescheuert, wenn er dachte, dass er sich das wahrscheinlich nur nicht so extrem zu Herzen nahm, weil Eren eben nicht der einzige war, mit dem irgendetwas im Raum stand, zu dem er sich hingezogen fühlte, aber es stimmte eben auch irgendwie. Nur…gerade jetzt war es Eren, dem er nah sein wollte. Auch auf diese Weise. Aber er würde nichts tun, was er nicht wollte. Wenn Eren sich dazu nicht bereit fühlte, würde Levi das akzeptieren.
Das musste er, weil er wollte, dass sie sich beide damit so wohlfühlen konnten, wie es die Situation eben zuließ. Und trotzdem…
Als Eren ihn heute Mittag geküsst hatte, von sich aus, war er im ersten Moment überrascht gewesen. Er war nicht davon ausgegangen, dass Eren, ausgerechnet Eren, die Initiative ergreifen würde. Und ja, es war zuerst ein verdammt unbeholfener Kuss gewesen, er hatte ihn nicht einmal richtig erwischt und so nervös ausgesehen, als würde er gleich platzen, aber…er hatte es dennoch getan. Er hatte diesen Schritt gewagt, von dem Levi ausgegangen war, dass er erst sehr viel später, wenn überhaupt, kommen würde.
Er war irgendwo aber auch froh darüber gewesen. Denn obwohl er wusste, dass es Quatsch war, so hatte er doch irgendwie die Befürchtung gehabt, dass er sich bei den letzten zwei Malen ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Dass er Grenzen überschritten hatte, von denen Eren vielleicht selbst nicht einmal wusste, dass sie für ihn existierten.
Er wollte das nicht. Er wollte Eren nicht das Gefühl vermitteln, dass das ein Muss wäre. Dass körperliche Nähe zwingend erforderlich war, um sich nah zu sein, das war sie nämlich nicht. Aber Levi war seit jeher eben auch ehrlich gewesen. Er wollte ihm nah sein. Und Eren…
…Eren war zumindest bereit es zu versuchen.


Beim Abendessen schwieg er größtenteils, weil er nicht viel zu sagen hatte. Wobei er aber auch behaupten würde, dass er mit seinen Gedanken sowieso ganz woanders war und es nicht wirklich schaffte ganz bei der Sache zu sein, dabei gab er sich Mühe.
Hanji und die anderen hatten trotz der Umstände eine verdammte Meisterleistung in der Küche vollbracht, sie hatten Chili gekocht, eine vegane Variante, weil sich fast alle in seinem Freundeskreis vegetarisch, wenn nicht gar vegan ernährten, und einen ganzen Haufen an Brot dazu in Scheiben geschnitten, und scheiße ja, es war gut, aber wirklich würdigen konnte er es nicht, weil seine Gedanken stets und ständig zu Eren flogen.
Er konnte nicht einmal etwas dagegen tun, dass sein Blick alle paar Minuten zu ihm hinüberwanderte, dabei saßen sie nicht einmal nebeneinander und Eren war von Hanji ohnehin in Beschlag genommen worden. Offensichtlich schien es ihn aber nicht zu stören, er grinste und lächelte und manchmal sagte er auch etwas, wenn Hanji sich in ihrem Redeschwall einmal unterbrechen konnte, und manchmal, ganz, ganz selten, ließ er seinen Blick dann schweifen und dann sahen sie sich kurz an und dann schenkte Eren ihm ein Lächeln, das er schon so viele Male gesehen hatte und von dem er dennoch irgendwie nicht genug bekommen konnte.
Er konnte sich nicht erinnern, dass ihn ein Lächeln jemals so beschäftigt hatte wie es bei Eren der Fall war, aber er erklärte es sich gerne damit, dass es bei Eren eben, trotz allem, immer noch eine Seltenheit war und es sich irgendwie auch merkwürdig anfühlte, dass er, ganz augenscheinlich, der Auslöser dafür war.

Es war nicht so, als würde Eren die anderen nicht genauso häufig anlächeln. Aber er tat es eben nicht auf diese Weise. Und als Levi schließlich verstanden hatte, was das eigentlich bedeutete, wie Eren ihn eigentlich immer ansah und warum, hatte es sich im ersten Augenblick merkwürdig und gleichzeitig…seltsam angenehm angefühlt.
Für Eren war es längst zu spät. Levi kannte diesen Blick, mit dem er ihn immer ansah, er hatte ihn schon bei vielen Menschen gesehen, und ja, er war sich bei Eren anfangs nicht ganz sicher gewesen, er hätte sich auch täuschen können, aber…Eren war verknallt. Wahrscheinlich wusste er es selbst nicht einmal, wahrscheinlich war es ihm auch gar nicht bewusst, wie auch, er hatte augenscheinlich noch niemals etwas in diese Richtung empfunden, aber für Levi…stand es völlig außer Frage.
Und er befürchtete einen Moment lang, dass Eren, wenn er es für sich selbst herausfand und feststellen konnte, erst einmal nicht wissen würde, wie er damit umgehen sollte.
Eren war noch so unsicher in seinen Gefühlen, in seinem gesamten Wesen, auch in seiner Sexualität. Er wusste überhaupt gar nicht, was er mochte, wie er fühlte, wie er sich selbst und seine Gedanken und Gefühle einordnen sollte. Und noch dazu war für ihn wohl niemals im Raum gestanden, sich eventuell, irgendwann einmal, auch zu einem Mann hingezogen zu fühlen. Für Levi war das schon seit vielen Jahren kein Thema mehr. Er machte keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, er mochte nun einmal, wen er mochte, aber für Eren…er hatte sich niemals auch nur Gedanken in diese Richtung gemacht. Er selbst war sich in dieser Hinsicht also auch völlig neu.
Und Levi könnte nachvollziehen, wenn er davon überfordert wäre, schließlich hatten sie sich von Anfang an zugestanden alles undefiniert zu lassen und jemanden zu mögen hieß ja nicht sofort, dass man sich auch in ihn…verlieben konnte. Levi würde nicht so weit gehen und behaupten, dass das bereits der Fall bei Eren war, aber…wie er ihn immer ansah.
Er kannte diesen Blick. Und er hatte ihn bei sich selbst niemals bewusst gesehen, aber er wusste, dass er jene Menschen, mit denen er sich durchaus mehr vorstellen konnte, für die er Gefühle entwickelte, immer ganz genauso ansah.

Gleichzeitig…Eren vertraute ihm eben irgendwo. Für Eren war er sowohl…ein Freund, egal auf welche Weise, das spielte in diesem Kontext keine Rolle, als auch jemand, zu dem er aufsehen konnte, der ihm einen sicheren Hafen bot. Und Levi war niemand, der Menschen hängen ließ, die ihm wichtig waren, das tat er nicht, und es fühlte sich auch gut an, dass Eren sich so auf ihn verließ, aber…
...er wollte nicht der Anker sein, weil sie beide nicht wissen konnten, ob das zwischen ihnen überhaupt irgendwann einmal funktionieren würde. Er wollte nicht der einzige, bestehende Halt in Erens Leben sein, weil Eren sich diesen aus sich selbst ziehen musste.
Es war eine beschissene Floskel, wenn man sagte, dass man am Ende immer allein war, aber sie stimmte irgendwo auch. Levi konnte ihn nicht immer halten, Eren musste das von ganz alleine schaffen, wenn es hart auf hart kam. Und sicher, auf seinen Support konnte er immer zählen, aber im Endeffekt…letztendlich musste es Eren sein, der einen festen Stand im Leben hatte, auch unabhängig von anderen Menschen. Er konnte sich nicht immer auf andere verlassen.
Eigentlich schätzte er Eren auch nicht so ein, er konnte sich gut vorstellen, dass Eren sich das genauso bewusst war, und womöglich hatte es einfach viel damit zu tun, dass Eren sich noch immer ein wenig zurechtfinden musste in diesem Leben. Er war nicht ansatzweise so weit, um ein völlig unabhängiges Leben zu führen, da waren noch immer viel zu viele Stolpersteine und wenig Perspektiven und Levi wollte ihn nicht drängen, das wollte niemand von ihnen, nur wusste er, dass Eren sich irgendwann einmal bewegen musste.
Nicht nur charakterlich, in diese Richtung hatte er zumindest schon einmal die ersten Schritte unternommen, viel eher auch…nun, in dieser Welt. Manchmal stand man allein da. Und manche Dinge musste man auch mit sich selbst ausmachen, ganz egal, wie viel Unterstützung man bekam. Levi wusste das wohl am allerbesten.

Er wandte den Blick von Eren ab, als er ihm noch einmal zulächelte und schließlich aufstand, gemeinsam mit Farlan die Schüsseln einsammelte und sie in einem Bottich mit warmem Wasser abspülte, das Hanji irgendwie, er bewunderte sie dafür, dass sie dabei nicht einfach gestorben war, über dem Feuer erhitzt hatte. Sie sprachen leise miteinander, aber Levi wollte nicht lauschen und ohnehin ging es ihn auch nichts an.
Farlan und Eren verstanden sich gut. Längst nicht so gut, wie Eren sich beispielsweise mit Isabel oder Hanji verstand, aber es war auch keine große Kunst mit Farlan auf einen grünen Zweig zu kommen, wenn man ehrlich war und sich nicht verstellte. Und eigentlich hatte Eren das niemals wirklich getan. Zumindest nicht nennenswert und störend oft.
Levi verkniff sich das leise Schnauben, das seine Kehle hinaufkroch und leerte seine Flasche, zündete sich eine Zigarette an. Es ärgerte ihn irgendwo, dass seine Gedanken stets und ständig zu Eren wanderten, gleichzeitig überraschte es ihn aber auch nicht. Er mochte ihn schließlich. Und Eren…mochte ihn auch. Es war nur logisch, dass sie übereinander nachdachten und schließlich hatten sie sich beide diesen Raum auch zugestanden.
Was sie damit anfingen, war noch einmal eine andere Sache. Und sowieso…
Er war beinahe erleichtert darüber, als Mikasa, Hanji und Petra ihn dazu aufforderten haushoch im Durak zu versagen, er war wirklich nicht sonderlich gut darin, und in der nächsten Dreiviertelstunde bekam er von dem, was um ihn herum passierte nicht einmal sonderlich viel mit. Farlan und Isabel hockten mit Eren auf einer Decke recht nah am Feuer, Isabel hatte schon wieder angefangen zu kiffen, und er konnte nichts dafür, dass sein Mundwinkel zuckte, als Eren bei ihrer anbietenden Handbewegung leicht das Gesicht verzog und schließlich den Kopf schüttelte, mit einem winzigen Lächeln.
Es störte ihn nicht. Wenn Eren rauchen wollte, sollte er rauchen. Er hatte das früher, vor allem hier draußen, wirklich oft getan und er könnte es ihm nicht verdenken, allerdings schien Eren sich bewusst zu sein, dass er in seiner Psyche nicht stabil genug dafür war und außerdem…
...das, was er ihm bisher so erzählt hatte, was er erlebt hatte, über seine Jugend und seine Eskapaden, hatte wohl ohnehin dafür gesorgt, dass er das nicht mehr so leichtfertig machen wollte.

Er rümpfte die Nase, als Mikasa ihn zum fünften Mal in Folge im Durak besiegte, wirklich, er war einfach beschissen darin, und weil er keinen Nerv mehr dafür hatte und weil es ohnehin verschissen kalt geworden war, erhob er sich schließlich aus dem Stuhl, nickte einmal in die Runde und verzog sich in dieses monströse Zelt, das ihm bei der Aussicht darauf mit Eren darin zu schlafen, dennoch mit einem Mal viel zu klein erschien.
Es war eigentlich Bullshit, dass er jetzt schon zu Bett ging, es war noch nicht einmal elf Uhr und wahrscheinlich könnte er sowieso nicht schlafen, aber er war müde und augenscheinlich schweiften seine Gedanken sowieso ständig in andere Richtungen ab, das wollte er sowohl sich als auch den anderen ersparen.
Er putzte sich über einem der Bottiche die Zähne, ignorierte vehement die Blicke der anderen, vor allem Mikasas (sie hatte seltsam reagiert, als er ihr gesagt hatte, dass er mit Eren in dem Zelt schlafen würde, dabei hatte er eigentlich nichts anderes von ihr erwartet) und als er schließlich in das Zelt kroch, sich irgendwelche Klamotten heraussuchte, die sich warm genug anfühlten, damit ihm mitten in der Nacht nicht die Eier abfroren, stellte er wieder einmal resigniert fest, dass er sich den Schlaf auch sparen könnte. Er würde wahrscheinlich ohnehin kein Auge zukriegen.
Und dieses Gefühl betrog ihn nicht. Er lag noch eine halbe Ewigkeit wach, obwohl er wirklich versuchte die Augen zu schließen und einfach, zumindest für ein paar wenige Stunden, wegzudriften, natürlich gelang es ihm nicht, und starrte an die Decke des Zeltes, beobachtete die Schatten der anderen, wenn sie sich um das langsam erlöschende Feuer bewegten und verfluchte sich selbst. Er versuchte sogar zu lesen, beinahe unmöglich beim dem schummrigen Licht, obwohl er sogar eine Taschenlampe eingepackt hatte, gab es allerdings nach nicht einmal zehn Minuten mit einem resignierten Schnauben wieder auf, weil er sich ohnehin nicht konzentrieren konnte.
Und als er es schließlich doch schaffte, kurz abzudriften, nur ganz kurz, wurde er nach nicht einmal mehr als zehn Minuten wieder aus diesem Halbschlaf gerissen, weil es draußen klapperte, er hörte Stimmen, ein lautes Gute Nacht und dann…
Er wusste, dass es nur Eren war und dennoch…Er warf ihm einen kurzen Blick zu und hob die Augenbrauen, als Eren auf Knien in das Zelt kroch und in seiner Tasche nach seiner Zahnbürste suchte. Eren schenkte ihm ein leichtes Lächeln, es sah beinahe entschuldigend aus, hielt dann fast triumphierend die Zahnbürste inklusive Zahnpasta nach oben und verzog sich wieder nach draußen.
Zumindest besaß er die Geistesgegenwart das Zelt wieder zu schließen, Levi hasste Krabbelvieh und er hasste es auch hier, so wohl er sich an diesem Ort auch fühlte, und einen Moment lang starrte er noch auf den Eingang, ehe er sich wieder abwandte und nach seinem Handy griff, einen Blick darauf warf.
Es war noch nicht einmal null Uhr.

Er ließ das Telefon fallen, schob es zwischen die zwei Taschen am Fußende und drehte sich letztendlich auf die Seite, bekam nur am Rande mit, wie das Zelt erneut geöffnet wurde und Eren hinein krabbelte. Er versuchte wohl leise zu sein, was er schätzte, dabei sollte ihm eigentlich klar sein, dass Levi es sicherlich nicht geschafft hatte innerhalb dieser drei Minuten, die Eren draußen verbracht hatte, einzuschlafen.
Allerdings hatte Eren das wohl geglaubt, denn als er die Stimme erhob und das Wort an ihn richtete, zuckte er so heftig zusammen, dass Levi es beinahe fühlen konnte.
„Keinen Bock auf Lagerfeuerlieder?“, wollte er wissen ohne sich umzudrehen.
Er war eigentlich davon ausgegangen, dass Eren mindestens genauso lange wach bleiben würde wie die anderen, dabei war auch das mit den Jahren etwas besser geworden, zumindest feierten sie nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden und kippten sich die Birne zu mit diesem beschissenen Kümmelschnaps, den Levi schon immer gehasst hatte.
Andererseits erschien ihm Eren eher wie der Typ Mensch, der eben schlafen ging, wenn er müde war. Ganz egal, ob er damit etwas verpasste.
Eren schwieg eine Sekunde lang, dann hörte er ein Rascheln und den Reißverschluss des Schlafsackes.
„Ich bin verdammt müde“, sagte er schließlich und seine Stimme klang dumpf.
Levi warf ihm einen Blick über seine Schulter hinweg zu und bei dem Anblick musste er irgendwie schmunzeln. Eren wirkte auf ihn trotz seiner Aussage alles andere als müde und erschlagen. Seine grünen Augen waren geweitet, als er seinen Blick erwiderte, und Levi sah ihn noch einen Moment lang an, ehe er die Augen verdrehte und sich zurück auf die Seite legte.
Sie schwiegen eine ganze Weile, aber draußen war es immer noch laut. Farlan erzählte irgendeine Geschichte über ein Eichhörnchen, das ihm hier einmal sein Essen geklaut hatte, es war über acht Jahre her, und die Levi schon an die hundert Mal gehört hatte, aber Hanji lachte dennoch brüllend auf und kriegte sich gar nicht mehr ein.
Er schloss die Augen und versuchte ihr lautes Organ irgendwie auszublenden, nur leider war es beinahe unmöglich. Und wahrscheinlich würde es die halbe Nacht so weitergehen, bis sie sich halb ins Koma gesoffen hatte und in ihren bescheuerten Bus torkelte, nur um am nächsten Tag nicht in die Gänge zu kommen, weil ihr Schädel dröhnte. So lief es meistens. Also…
„Levi?“

Er zuckte leicht zusammen, machte sich aber nicht die Mühe sich zu Eren umzudrehen, er brummte nur leise. Einen Moment lang war es wieder still zwischen ihnen. Er hörte ein Scheppern draußen und war kurz versucht zu schnauben, aber ehrlich gesagt…es war nur Hanji. Irgendwo hatte er sich auch daran gewöhnt.
„Schläfst du schon?“
Jetzt allerdings konnte er es sich nicht verkneifen. Das leicht abfällig klingende Geräusch entkam ihm, ehe er sich davon hätte abhalten können, und er zuckte mit den Schultern, obwohl er wusste, dass Eren es sowieso nicht sehen konnte.
„Ja“, sagte er kurzangebunden und sarkastisch, dabei wäre es wohl nicht vonnöten gewesen, und Eren sagte ein paar Sekunden lang nichts darauf.
Er bewegte sich nur leicht neben ihm, Levi hatte das Gefühl seine Körperwärme bis auf seine Haut zu spüren, dabei war es erstens unmöglich und zweitens total lächerlich, aber er bekam dennoch eine fucking Gänsehaut, als er die Hand spürte, die Finger, die kurz über seinen Nacken strichen.
Er drehte den Kopf und warf Eren einen Blick zu. Eren wirkte leicht nervös und überfordert und er zog auch sofort seine Hand weg, als er bemerkte, dass Levi ihn ansah, fing schließlich damit an auf seiner Unterlippe herum zu kauen. Er schien nicht ganz zu wissen, wie er sich verhalten sollte, und gleichzeitig…
Als er aufsah und ihm direkt in die Augen, konnte er trotz des schummrigen Lichts den Anflug von Entschlossenheit in seinem Blick erkennen und er wusste nicht einmal, was hier gerade passierte, er hatte nicht einmal die Chance etwas zu sagen, als Eren noch ein wenig näher an ihn heranrutschte, er hatte nicht einmal bemerkt, dass Eren so nah bei ihm lag, und dann…verharrte er mit seinen Lippen nur direkt vor seinen.
Er tat überhaupt nichts. Er schluckte nur schwer.
Levi wusste einen Moment lang überhaupt nicht, wie er reagieren sollte, dabei wäre es eigentlich denkbar einfach. Und dennoch…er hob nur den Blick und sah Eren an und Eren erwiderte seinen Blick, erst nach ein paar Sekunden, die er auf irgendeinen Punkt gestarrt hatte, den Levi bei der Dunkelheit nicht ausmachen konnte. Keiner von ihnen beiden sagte etwas. Und eigentlich…er war davon ausgegangen, dass Eren ihn ähnlich, nun ja, überfallen würde wie heute Mittag, aber ganz offensichtlich…
...traute er sich nicht. Er blieb liegen, direkt vor ihm, und Levi konnte seine Lippen an seinen fühlen, nur ganz leicht und zart, und er überlegte kurz, ob er Eren nicht das Steuer überlassen sollte, aber…ganz augenscheinlich wollte Eren das gar nicht. Ganz augenscheinlich fühlte er sich auch nicht wohl damit, wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, also…
Als er den Kopf ein wenig neigte, um ihm entgegen zu kommen, atmete Eren tief aus, er schien genau darauf gewartet zu haben, und im nächsten Moment spürte er Lippen auf seinen, Erens Lippen auf seinen, und er konnte gar nicht anders als die Augen zu schließen. Er drehte sich irgendwie auf die Seite, in seine Richtung, ohne diesen Kuss zu lösen, es war nicht einmal ein sonderlich tiefer Kuss, es war ein genauso keuscher Kuss wie sonst auch, und hob die Hand, schob sie in den warmen Nacken seines Gegenübers und Eren machte urplötzlich ein Geräusch, das an seinen Lippen vibrierte und wie ein…Seufzen klang.

Levi öffnete die Augen. Sah mit einer atemlosen Faszination, dass Eren die Augen geschlossen hatte, er lehnte sich in seine Richtung, als Levi sich kurz von ihm löste, und suchte beinahe schon nach seinen Lippen, und weil Levi es wollte, küsste er ihn wieder.
Eigentlich war er niemals ein Fan vom Knutschen gewesen. Sicher, er küsste seine Partner gerne, aber meist eher in einem anderen Kontext als diesem. Nur…es war Eren. Und nicht einfach irgendwer. Und zu mehr war Eren ganz offensichtlich auch noch nicht bereit. Es war auch nicht so, als würde Levi es nicht genießen, da musste er sich nicht belügen, Erens Lippen auf seinen fühlten sich an als wären sie für ihn gemacht, aber…
...er hatte das letzte Mal, in Hamburg, schon abbrechen müssen. Er hatte Eren nicht berühren wollen ohne dessen Einverständnis, ohne dessen volles Bewusstsein, dabei hatte er das gewollt. Er hatte das wirklich gewollt. Und er wollte es auch jetzt. Ihn anfassen. Nur ein wenig. Nur ein wenig Haut. Und Eren…
Als Levi leicht den Mund öffnete, kurz über Erens Unterlippe leckte, war da ein kurzes Zögern, er konnte es fast fühlen, aber dann spürte er den warmen Muskel, der sich zögerlich voran tastete und als sich ihre Zungen berührten, konnte er das Geräusch, das ihm die ganze Zeit über schon hatte entkommen wollen, nicht mehr unterdrücken. Er schob seinen Hand etwas weiter in seinen Nacken und zog ihn näher heran und von Eren kam nicht einmal irgendein Anzeichen von Zögern oder Unsicherheit.
Er ließ sich näher ziehen, er tat es beinahe ganz von selbst. Und dann war da seine Hand, die sich urplötzlich in seinen eigenen Nacken schob, unerwartet, und ihn überkam eine Gänsehaut, als warme Finger darüber strichen, nur ganz leicht und eher vorsichtig, tastend, aber sie taten es.
Er brummte zustimmend in den Kuss und als er sich kurz von Eren löste, sah er, dass seine Wangen gerötet waren. Er konnte eine ganze Weile nicht wegsehen.
„Du bist also müde, ja“, sagte er leise, er konnte es sich irgendwie nicht verkneifen, und Eren schlug die Augen auf, wie konnte man so beschissen lange Wimpern haben, ohne Scheiß, und sah ihn an.
Der Ausdruck in seinen Augen war leicht verklärt, zumindest sah es in dem schummrigen Licht so aus, und einen Moment lang schien er auch nicht zu kapieren, was Levi gesagt hatte, dann aber machte er ein Geräusch, das sowohl verteidigend als auch belustigt klang. Es nahm ihm irgendwie kurz den Wind aus den Segeln.

„Ich bin müde“, flüsterte Eren und Levis Mundwinkel zuckte nach oben, er konnte nicht einmal etwas dagegen tun. Eren schloss die Augen, als er mit seiner Hand kurz über seinen Nacken strich, eine lose Strähne seines Haars wegschob.
Sie sagten beide ein paar Sekunden lang nichts, weil es auch nicht notwendig war. Draußen war es immer noch laut, Hanji erzählte irgendeine Geschichte, deren Inhalt Levi gerade herzlich wenig interessierte, und Petra prustete los. Er hörte das Klirren von Glas, ein „Salut“, schließlich Kichern und Stimmen. Aber es war ihm so egal wie noch nie. Es kümmerte ihn nicht, was dort draußen vor sich ging, das einzige, das ihn gerade kümmerte…
Er streichelte noch einmal über seinen Nacken, dann küsste er ihn kurz auf den Mundwinkel und er registrierte mit einer eigenartigen Genugtuung die feine Gänsehaut, die über Erens Hals rieselte. Seine Haut war weich. Weich und warm und fest. Und Levi…
„Eren“, murmelte er schließlich leise, er wusste, dass er das fragen musste, obwohl er sich das bei den meisten Menschen auf dieser Welt, mit denen er auch nur irgendetwas hatte, sparen konnte. Bei Eren konnte er das nicht. Wollte er auch nicht. Er wollte keine Fehler begehen, er wollte Eren nicht bedrängen, aber er wollte auch…
...er wollte ihm nah sein. Wenn auch nur ein klein wenig. Für Levi mussten Berührungen nicht immer auf Sex hinauslaufen. Nicht einmal auf irgendetwas anderes in diese Richtung. Er konnte sich auch stoppen, wenn sein Gegenüber nicht mehr wollte und zu mehr noch nicht bereit war. Manchmal fiel es ihm schwer, weil er es liebte und scheiße ja, er war eben auch nur ein Mensch. Er wollte Nähe und er brauchte sie auch. Nur hier…
„Eren“, wiederholte er, als Eren nicht antwortete, er hatte die Augen immer noch geschlossen, er seufzte leise, als Levi mit seinem Daumen über die Stelle unter seinem Ohr strich, die feinen Härchen stellten sich auf , und Levi atmete schwer aus.
„Darf ich dich anfassen?“
Die Worte waren ihm entkommen, ehe er sich davon hätte abhalten können, aber ehrlich gesagt…er hatte sie aussprechen müssen und auch wollen. Er wollte nicht verbergen, was er wollte, Eren wusste das wohl ebenso gut, aber…er wollte nichts tun, womit Eren sich nicht wohlfühlte. Sicher, bei manch einem anderen hätte er das schon längst getan, weil er wusste, dass sein Partner das wollte, aber bei Eren…
...er wollte diese Grenze nicht überschreiten. Nicht Stellen an seinem Körper berühren ohne sein Einverständnis. Deshalb…

Eren schlug die Augen auf und sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck wirkte erst merkwürdig schläfrig, aber dann drang die Erkenntnis in seine Augen und er holte einmal tief Luft. Schluckte schwer.
Er sagte eine halbe Ewigkeit, zumindest gefühlt, überhaupt nichts, er sah ihn nur an, aber er entzog sich Levis Hand auch nicht, die immer noch über seinen Nacken strich, und Eren selbst hatte bei ihm zwar längst damit aufgehört, allerdings verkrampften sich seine Finger just in diesem Moment leicht. Er schien zu zögern, Levi konnte es ihm ansehen.
Also zog er nur den Mundwinkel nach oben und schüttelte den Kopf.
„Du kannst Nein sagen, wenn du das nicht willst“, murmelte er an seine Lippen und Eren sog scharf die Luft ein. Levi legte einen kurzen Kuss darauf, es war nicht mehr als ein Flattern, er wusste das, ehe er sich wieder zurückzog und Eren ernst ansah.
„Ich bin okay damit. Verstehst du das? Nur weil ich das will, heißt das nicht, dass ich irgendetwas tun werde, das du nicht willst.“
Eren nickte nur leicht, er schien erst zögerlich zu sein, schließlich nachdenklich. Und dann sah er ihn direkt an und nickte erneut und obwohl es wohl nicht das entschlossenste Nicken war, so sagte es Levi eigentlich schon genug. Er atmete tief aus und zog Eren wieder etwas näher an sich heran, legte seine Lippen auf den leicht geöffneten Mund. Und diesmal brauchte Eren nicht so lange, um diesen Kuss zu erwidern, obwohl er immer noch ein wenig unbeholfen war, aber es wurde besser, mit jeder Sekunde, und Levi konnte sich das leise Seufzen nicht verkneifen, das ihm entkam, als Erens Zunge seine eigene anstupste, zögerlich und fragend, aber sie tat es.
Er hatte keine Ahnung, wie lange sie so dalagen und sich einfach nur küssten, er hatte keine Ahnung, weil es gerade überhaupt keine Rolle spielte. Und auch der Lärm draußen, die Geräusche, das Lachen und die Stimmen spielten gerade keine Rolle. Gerade spielten nur Erens Lippen auf seinen eine Rolle, er schmeckte nach Zahnpasta, und seine Hand, die immer noch untätig geblieben war in all dieser Zeit, die aber jetzt ein Stück nach unten rutschte, und als Eren über die Stelle unter seinem Kiefer strich, überkam ihn eine Gänsehaut.
Er knurrte zustimmend in den Kuss und richtete sich ein Stück auf, stützte sich auf seinem Ellenbogen ab und Eren ließ sich irgendwie mitziehen, halb auf den Rücken, ohne den Kuss zu unterbrechen, und er spannte sich nur minimal an, als Levi seine Hand probehalber über seinen Hals wandern ließ, nur ganz leicht, über die weiche Haut strich, die so warm unter seinen Fingern war, dass er es bis in seine Zehenspitzen fühlen konnte.

Er löste sich von Eren und sah ihn dann eine Weile einfach nur an. Und Eren sah zurück. Seine Lippen waren leicht geschwollen vom vielen Küssen, seine Wangen gerötet und der Ausdruck in seinen Augen war nervös, ein wenig überfordert, aber…er war nicht unsicher. Und es war nur natürlich aufgeregt zu sein, vor allem in Erens Situation.
Levi würde nichts tun, was er nicht wollte. Und er wusste, dass es schwer werden würde sich zurückzuhalten, scheiße, er war auch nur ein Mensch und Eren war verdammt schön, er würde so ungefähr alles dafür geben ihm so nah sein zu können, aber er würde es tun. Er wollte nichts zerstören, das noch nicht einmal die Chance bekommen hatte sich richtig zu entfalten.
Einen Augenblick sahen sie sich noch stumm in die Augen, dann löste Levi seine Hand von seinem Hals und schob sie über seine Brust nach unten, unter den Rand dieses dämlichen Schlafsacks, den er gerade jetzt verfluchte, nicht weit, nur ein Stück, und Eren hielt den Atem an, als er den Saum seines Pullovers erreichte. Er verharrte dort. Er wartetet einen Augenblick. Eren murmelte irgendetwas, das er nicht genau verstehen konnte, und als Levi sich wieder ein Stück zu ihm hinunterbeugte, um ihn zu küssen, nahm Eren seine Lippen beinahe in Beschlag.
Sie fühlten sich warm und weich an seinen an, und die Zunge, die zögerlich über seine Unterlippe strich, empfing er nur zu gerne, da brauchte er sich nichts vorzumachen.
Und er konnte überhaupt nichts dagegen tun, seine Hand schob sich wie von selbst unter den Saum des Pullovers, den Eren trug, berührte die warme, weiche Haut, und er spürte, wie sich all die feinen Härchen an seiner Taille aufstellten, spürte das feine Vibrieren an seinen Lippen, er spürte sogar das Seufzen, das Eren entkam, als er kurz über seine Taille streichelte, seine Hand schließlich ein wenig nach oben schob.
Und als hätte Eren seine Gedanken gelesen, es war dennoch unerwartet, löste er seine Hand von seinem Hals und zog an dem Schlafsack herum, schaffte es irgendwie, ihn zumindest so weit hinunter zu strampeln, dass Levi ihn erreichen konnte, und dann…
…er nestelte an seinem Pullover, schien nicht ganz zu wissen, ob er das tun sollte, aber weil Levi ihn nur ansah, er stellte keine Forderungen, er verlangte nicht, dass Eren sich auszog, zog er sich das Oberteil irgendwie über den Kopf, seine Haare verfingen sich darin und Levi musste beinahe schmunzeln, weil Eren nicht sofort den Ausgang fand.
Er richtete sich ein Stück auf und hakte seine Finger unter den Saum des Wollpullovers, half ihm dabei ihn irgendwie loszuwerden und als Eren ihn danach ansah, waren seine Wangen so rot, als hätte sich all sein Blut darin gesammelt.
Levi entkam ein Geräusch, das er nicht ganz definieren konnte, aber es klang irgendwie amüsiert, und Erens Mundwinkel zuckte, das war schon einmal ein Anfang, es musste ihm schließlich nicht peinlich sein, ehe er sich langsam wieder zurücksinken ließ und im selben Zuge seine Hand in seinen Nacken schob, ihn zu sich zog.
Seine Lippen waren warm und weich. Sie fühlten sich geschwollen an. Gut. Verdammt gut.  

Und shit. Wie gut sich seine Haut anfühlte, als Levi leicht darüber strich. Warm, weich. Die fette Gänsehaut, die darüber rieselte, als er mit seinen Fingerspitzen über den festen Bauch wanderte, entlockte Eren ein Seufzen, das in seinen Ohren so gut klang, dass er es am liebsten noch einmal hören wollen würde.
Er trennte sich für eine Sekunde von Eren, Eren blinzelte, es wirkte beinahe fragend, aber als Levi seine Hand von seinem Bauch löste und sie an seinen Kiefer legte, seinen Kopf nur ein Stück drehte, kam Eren dieser leisen Aufforderung ohne zu zögern nach. Er ließ seinen Kopf zur Seite fallen und Levi brummte irgendetwas, das er selbst nicht einmal genau verstand, vergrub seine Nase in seiner Halsbeuge. Er roch nach Orange. Auch nach Wind und Sonne und Gräsern, ein wenig nach Zahnpasta, aber unverkennbar…nach Orange und nach Eren.
Er atmete einmal tief ein, legte seine Lippen dann nur kurz, nur ganz kurz, auf die feine Haut an seinem Hals und Eren entkam dennoch ein Geräusch, das so überrascht, gleichzeitig so zufrieden klang, dass Levi nicht mehr das Gefühl hatte etwas zu tun, das Eren vielleicht gar nicht wollte.
Er hob den Kopf und warf Eren einen Blick zu. Er hatte die Augen geschlossen und sein Puls klopfte gegen seine Lippen, beschleunigte sich, also küsste er versuchsweise dieselbe Stelle noch einmal, etwas länger, nahm mit Genugtuung das leise Seufzen wahr, das Eren entkam, ehe er mit seinem Mund daran hinaufwanderte und seine Hand zurück auf seinen Bauch schob, nur kurz über die Haut strich, auf der sich unter seiner Berührung eine Gänsehaut ausbreitete.
Eren machte ein Geräusch, das er nicht ganz definieren konnte, er bewegte sich kurz, aber das Seufzen, das ihm entfloh, es war ganz leise, als Levi die Stelle unter seinem Ohr küsste, nur furchtbar zart, klang so gut, dass es sich einen Weg zwischen seine Beine bahnte. Dabei taten sie noch nicht einmal nennenswert irgendetwas. Und Levi wusste genauso gut, dass er heute sicherlich nicht das bekommen würde, was er normalerweise wohl verlangen würde, was er normalerweise auch bekam, weil…
...es Eren war. Es reichte schon, dass sie das hier taten. Zumindest in diesem Augenblick.

Er atmete einen Moment lang tief ein und aus, ehe er von seinem Ohr abließ und sich nach unten vorarbeitete. Er küsste jede Stelle, die er erreichen konnte. Er berührte jede Stelle, die er erreichen konnte. Seine Haut fühlte sich so gut unter seinen Fingern an, sie war warm, die Härchen stellten sich auf, wenn er über eine ganz besonders empfindliche Stelle strich, aber Levi hielt sich zurück, obwohl er das Gefühl hatte, dass ihm mit jeder Sekunde, die sie so verbrachten, wärmer wurde.
Er berührte ihn nirgendwo sonst, er blieb genau dort, streichelte seine Schultern, seinen Bauch, seine Brust. Seinen rechten Oberarm, die Mulde seiner Schlüsselbeine. Und Eren reagierte darauf. Nicht so, wie Levi es unter anderen Umständen womöglich wahrnehmen würde, aber er tat es. Und die Unsicherheit schien verschwunden zu sein, denn Levi hatte nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass er sich damit unwohl fühlte.
Denn wenn…würde Eren es ihm sagen. Dessen war er sich sicher.
Langsam. Nicht von heute auf morgen.
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