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Schicksalspfade

von Aniron
KurzgeschichteDrama, Angst / P16 / MaleSlash
Agron Nasir OC (Own Character)
23.12.2020
23.12.2020
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23.12.2020 887
 
Ich habe mir die Freiheit genommen einige Details abzuändern, da ich nicht einfach eine plumpe Nacherzählung machen möchte.

Nasir wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit sich Crixus mit einer grossen Anzahl an Kriegern von Spartacus getrennt hatte, um gen Rom zu ziehen und die mächtige Republik nieder zu reissen. Genauso wenig wusste er, wie viele Tage es her war, seit Agron ihn verlassen hatte, um Crixus zu begleiten und so viele Römer wie möglich zu töten.
Das Einzige, was sicher war, Nasir vermisste Agron mit jeder Faser seines Herzens. Wenn er die Augen schloss konnte er ihn vor sich sehen. Ein übermütiges Funkeln in seinen grünen Augen und ein Lächeln, welches sein Herz schneller schlagen liess. Agrons ungebändigte Kampfeslust, seine Liebe, die er Nasir bei jeder Gelegenheit zukommen liess und seine unerschütterliche Loyalität, Nasir liebte alles an ihm.
Sie hatten sich geschworen gemeinsam zu leben, oder gemeinsam zu sterben, sollten die Götter ihnen ein frühes Ende beschieden haben. Nasir wollte nicht ohne Agron in dieser grausamen Welt verbleiben, er konnte es nicht.

Und doch, befand er sich hier, bei Spartacus und seinem Gefolge, während Agron irgendwo da draussen kämpfte. Fern von ihm.

Die Tage zogen an Nasir vorbei, ohne dass Neuigkeiten zu ihm vordrangen. Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, wie die Leere in ihm sich seiner bemächtigte. Dennoch war er sich sicher, die besorgten Blicke von Spartacus und Castus auf ihm zu spüren, wann immer er in das Blickfeld der beiden Männer trat. Er hatte mit niemandem darüber geredet, wie es in ihm aussah, es gab wichtigere Dinge zu erledigen.
Spartacus wollte so schnell wie möglich die Alpen überqueren.
Die vielen Menschen, die sich um ihn versammelt hatten, sollten eine Chance bekommen in Freiheit zu leben und zu sterben.
Nasir biss sich auf die Unterlippe, als sie anfing verdächtig zu zittern. Wenn sie den Fängen Roms entkommen waren, würden sie leben. Er würde leben. Doch ein Leben ohne Agron?
Das würde kein Leben für ihn sein.
Wie hatte Agron von ihm verlangen können, ohne ihn zu leben? Ohne ihn glücklich zu werden. Das konnte er nicht.

„Ein Reiter nähert sich. Er scheint alleine zu sein.“
Ein Ruf hallte durch das Lager. Er riss Nasir aus seinen Gedanken, schnell packte er seinen Speer und verliess sein Zelt. Ein einzelner Reiter? Was hatte das zu bedeuten? Hatte Crassus einen Späher geschickt? Oder brachte der Reiter Nachrichten von den Schlachtfeldern?
Nasir ballte seine freie Hand zu Fäusten, während er sich seinen Weg zu Spartacus‘ Zelt bahnte.
'Bitte, lass es siegreiche Nachrichten sein.'

Auf halbem Weg begegnete er Spartacus, der mit entschlossenem Blick ihm entgegen kam, flankiert von Gannicus und weiteren Kriegern.
„Spartacus!“, rief er ihm zu.
„Ich weiss es bereits. Komm mit mir, wir brauchen jede Klinge, falls Crassus eine List geplant hat. Wir müssen die Flanken beobachten und entsprechend reagieren.“
Nasir gehorchte wortlos und seine Finger umklammerten den Speer so fest er konnte. Sein ganzer Körper spannte sich an, als der Reiter in Sichtweite kam. Durch die langsam aufgehende Sonne konnten sie den roten Umhang eines Römers erkennen, der dem Reiter über Kopf und Schultern gelegt worden war.
Doch irgendetwas stimmte nicht. Der Reiter schien sich kaum noch auf dem Pferd halten zu können. Irgendetwas an der Gestalt kam Nasir wage bekannt vor, als er auch schon Spartacus‘ Stimme hörte.
„Das ist kein Römer.“

Diese vier Worte liessen Nasirs Inneres zu Eis erstarren und für einen Moment lang glaubte er nicht atmen zu können. Wenn es nicht um einen Römer handelte, dann…
Er betete zu den Göttern, dass er sich irrte.

Der Reiter fiel zu Boden und blieb reglos liegen. Mit gezückten Waffen näherten sie sich ihm, doch als sie erkannten um wen es sich handelte, durchschnitt Spartacus‘ wütender Schrei die morgendliche Luft.

Naevia!

Naevia war zurückgekommen. Geschlagen, gebrochen und doch war noch Leben in ihr. Ohne zu zögern hob Spartacus sie hoch und trug sie ins Lager. Die anderen folgten ihm, nur Nasir blieb bei der Stelle stehen, an der Naevia gelegen hatte. Seine Augen folgten der aufgehenden Sonne. Seine Hände begannen wieder zu zittern und mit einem Klackern fiel der Speer zu Boden.
Nasir verkniff sich einen Aufschrei, sein Inneres tobte und bebte.
Wenn Naevia als Einzige zurückgekehrt war, bedeutete das denn, dass Agron…?
Nasir wollte den Gedanken nicht zu Ende denken, doch es schien, als hätten sich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet.
Mit einer verzweifelten Bewegung hob er den Speer vom Boden auf und ging ins Lager zurück.
Ohne es zu wollen führten ihn seine Schritte bis zu Spartacus‘ Zelt. Er konnte Naevias gebrochene Stimme hören, die von den glorreichen Schlachten erzählte, die sie geschlagen hatten.
„Rom lag in greifbarer Nähe vor uns. Alles was wir tun mussten, war zuzuschlagen. Doch Crassus hat uns diesen Sieg mit seinen Legionen gestohlen.“
„War es Crassus selbst, der Crixus das Leben genommen hatte?“
Spartacus‘ Stimme klang ungläubig, erschüttert und Nasir konnte nun nicht mehr nur zuhören, er musste wissen, was mit Agron war.
Er betrat leise das Zelt, ehe er seine Stimme erhob.
„Was ist mit Agron? Hat er Crixus‘ Schicksal geteilt, oder weilt er noch unter den Lebenden?“
Seine Stimme brach, als er Naevia in die Augen sah. Ihr Blick sagte ihm alles was er wissen musste.
In diesem Moment zerbrach seine Welt zu einem Scherbenhaufen.

Danke für's Lesen
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