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Zweite Chance - CopStories New York

GeschichteKrimi, Thriller / P18 Slash
Eren Jäger Furlan Church Hanji Zoe Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille OC (Own Character)
23.12.2020
20.01.2021
15
47.473
20
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
14.01.2021 4.096
 
Hallöchen liebe Leser/innen!

Und wieder kommt ein neues Kapitel. Dieses Mal erfahrt ihr, was mit Eren im vorletzten Kapitel passiert ist und auch noch ein anders Rätsel wird enthüllt...What's in the box?! <.<
Schreibt mal in den Reviews, wer es schon geahnt hat =^.^=

Vielen Dank an die lieben ReviewSchreiber und auch an die, die schon Sternchen vergeben haben! :D
Bis jetzt wurde meine Story 1.352 Mal aufgerufen, 43 Mal wurde sie zu einer Favoritenliste hinzugefügt und 15 Mal empfohlen.

Ich hoffe, dass euch meine Geschichte weiterhin gefällt und würde mich natürlich sehr über Feedback in Form von Reviews und/oder Sternchen freuen!
Da ich weiß, dass auch einige "Schwarzleser" unter euch sind, würde ich mich auch sehr über euer Feedback freuen. Reviews sind immer sehr gerne gesehen, genau wie Sternchen.
Ihr braucht euch nicht fürchten, ich beiße nicht :P

Ein großer Dank geht natürlich auch an meine tolle Beta-Leserin Kim

Viel Spaß beim Lesen!

eure Tina ♡
_____________________________________________

Levi POV

Verdammte Scheiße. Ein besserer Ausdruck für diese Situation fiel ihm nicht ein. Dieser dämliche Bengel hatte sich aus dem Staub gemacht. Dieser kleine Pisser!
Sie hatten doch noch eine halbe Stunde zuvor mit ihm gesprochen und dann, als er ins Wohnzimmer abgedampft war, hatten sie ihm seine geforderte Pause gegönnt und...dieses Balg war daraufhin aus dem Fenster geklettert und abgehauen. Dass das eine Hals über Kopf Aktion gewesen war, war Levi klar, denn der Junge hatte es versäumt sich Schuhe und Jacke anzuziehen. Bei dem eisigen Wetter würde er so spärlich bekleidet nicht weit kommen. Sie würden ihn entweder bald finden oder er würde jämmerlich erfrieren. Ersteres wäre dem Detective natürlich lieber, aber andererseits war dieser scheiß Bengel doch selbst schuld, wenn er wirklich abkratzen würde.
„Wie konnte das nur passieren?“, fragte Isabel völlig aufgelöst und zwirbelte dabei den Kleeblattanhänger ihrer Halskette zwischen ihren Fingern umher. Nervös strich sie sich eine verirrte rote Haarsträhne hinters Ohr, während sie die beiden Detectives eindringlich ansah. „Ich war doch gerade mal zwei Stunden weg und ihr schafft es ihn zu verlieren? Ihr solltet doch auf ihn aufpassen!“
„Izzy, wir haben…“, versuchte Farlan leise etwas zu sagen, doch sie unterbrach ihn.
„Ich will eure Ausreden nicht hören! Findet das Kind gefälligst bevor ihm etwas passiert!“ Mit diesem harschen Befehl knallte sie die Küchentür zu und polterte die Treppe nach oben zu den Schlafzimmern.
„Wir sind am Arsch“, stellte der Blonde seufzend fest und drehte dabei das verpackte Geschenk von Isabel in den Händen herum.
„Nein, noch nicht“, sagte Levi und rieb sich überlegend übers Kinn.
„Was heißt hier noch nicht ? Natürlich sind wir am Arsch. Sobald der Chief rauskriegt, dass wir den Jungen verloren haben…“
„Wir haben ihn nicht verloren. Wir haben ihn lediglich…verlegt.“
„Alter! Er ist doch keine CD die du irgendwo in deiner Bude nicht finden kannst, aber trotzdem weißt, dass sie da ist!“, zischte Farlan, ließ das Päckchen abrupt los und funkelte seinen langjährigen Partner wütend an. „Dieser Junge, Eren, er…ist gerade mal wenige Tage clean und jetzt ist er wegen unserem Gespräch, oder eher wegen deinen Vorwürfen, auf und davon. Der Kleine hat schon so viel durchgemacht und nun, wo er sich geöffnet hat und vermutlich das erste Mal seit Jahren klar in der Rübe ist, da knallst du ihm diese ganzen Sachen gegen den Kopf und benimmst dich wie der letzte Arsch!“ Die Worte seines Freundes machten ihn nachdenklich. War wirklich nur er mit seiner schroffen, misstrauischen Art daran schuld, dass der Junge es für nötig hielt aus dem Fenster zu fliehen?
„Tch. Ich bin halt kein netter Kerl“, entgegnete er achselzuckend. „Nichts desto trotz müssen wir den Bengel finden, bevor er sich noch wirklich einen goldenen Schuss setzt oder bei dem Arschwetter umkommt. Wäre doch schade, wenn die ganze Arbeit umsonst gewesen wäre.“
„Manchmal benimmst du dich wirklich wie ein gefühlsloser Bastard“, murmelte sein Partner und schüttelte daraufhin den Kopf. Die blonden Haare flogen wild umher und einige der Strähnen hingen danach in seine Stirn, als er Levi im nächsten Moment auffordernd ansah. „Wo fangen wir an?“

***


Stunden waren vergangen und noch immer hatten sie den Jungen nicht gefunden. Die Umgebung Rund um das Safe House hatten sie zusammen mit einigen ausgewählten Kollegen abgesucht, doch leider ohne Erfolg. Als sie kein Glück im Umkreis von zehn Kilometern um das Haus hatten, weiteten sie den Suchradius aus, aber auch das erwies sich als eine Sackgasse. Wie erwartet hatte der Chief ihnen die Hölle heiß gemacht und angewiesen Eren schnellstmöglich zu finden und in Sicherheit zu bringen. Koste es was es wolle, hatte er ihnen eingetrichtert. Der Junge war ein wichtiger Zeuge in einem immer größer werdenden Fall und stand nicht ohne Grund unter Polizeischutz. Auch sein Tod war nicht umsonst vorgetäuscht worden, sondern sollte ihn zusätzlich schützen. Wie würde wohl der Täter reagieren, wenn er plötzlich den lebenden Eren zu Gesicht bekommen würde und das, obwohl Tage zuvor in den Medien eindeutig dessen Tod verkündet wurde?
„Das wird heute nichts mehr“, stellte Farlan frustriert fest und stieß einen lauten, tiefen Seufzer aus. „Heute finden wir ihn ganz sicher nicht mehr. Scheiße! Verdammte Scheiße!“ Wütend schlug er mit der Hand zweimal auf die Autotür ein.
„Hey! Beruhig dich!“, sagte Levi etwas lauter und warf seinem Freund einen kurzen Seitenblick zu, ehe er sich wieder auf die fast leere Straße konzentrierte. Hin und wieder fielen ein paar einzelne Schneeflocken auf seine Scheibe, doch das kümmerte ihn nicht. Der Schnee würde ohnehin nicht liegen bleiben oder sich ansetzen. Hoffte er zumindest. „Die Fassung zu verlieren und mein neues Auto leiden zu lassen, hilft uns nicht weiter.“
Dein neues Auto? Wenn ich mich recht erinnere, dann ist es unser neuer Dienstwagen“, entgegnete sein Partner und verschränkte schmollend die Arme vor der Brust.
„Du musst den Wagen ja trotzdem nicht zu Brei schlagen nur weil du sauer und frustriert bist. Dass wir den Jungen verloren haben, ist…“
„Aha! Du gibst es also doch zu, dass wir ihn verloren und nicht verlegt haben!“, unterbrach Farlan seinen Satz abrupt und für den Bruchteil einer Sekunde stahl sich ein kleines Lächeln auf die schmalen Lippen des Ermittlers, während Levi selbst nur die Augen verdrehte.
„Halt die Fresse, Blondie.“
„Autsch. Du weißt, dass ich es hasse so genannt zu werden.“ Ein angepisstes Schnauben war die einzige Reaktion, die Levi seinem eingeschnappten Partner als Antwort schenkte. „Wir sollten auch eine Einheit zu Marley schicken. Nur für alle Fälle“, lenkte Farlan als Themenwechsel ein und warf einen flüchtigen Blick auf sein leuchtendes Handydisplay.
„Unter welcher Begründung? Offiziell ist der Kleine tot und der Chief hat sich Marley bereits gestern bei einem Verhör vorgenommen. Wenn wir da plötzlich aufschlagen und wieder nach ihm fragen, dann ist das mehr als verdächtig. Findest du nicht auch?“, entgegnete der dunkelhaarige Cop und krallte sich automatisch etwas fester in das Lenkrad seines neuen Dienstwagens. Langsam gingen ihnen die Möglichkeiten aus. Wo steckte er nur? „Außerdem gehen wir immer noch davon aus, dass Marley selbst den Giftanschlag auf den Jungen zu verantworten hat. Mir ist scheißegal, ob der Boss das anders sieht…für mich bleibt der Wichser hauptverdächtig.“ Alibi hin oder her. Für Levi stand fest, dass der Kerl seine dreckigen Finger im Spiel hatte.
„Und was ist, wenn Eren trotzdem zu ihm gegangen ist? Wo sollte er denn sonst hin?“
„Tja, dann weiß ich auch nicht. Vermutlich bringt er ihn dann endgültig um.“ Innerlich hoffte Levi, dass er recht behielt und sich der Junge nicht alle Gehirnzellen mit Heroin weggeknallt hatte, um sich tatsächlich zu diesem Mistkerl zu begeben. Andererseits...Levi ließ nochmals die Gespräche mit Eren nach dem Giftanschlag Revue passieren. Hatten sie mit ihm überhaupt darüber gesprochen, dass sie Marley für den Täter hielten? Natürlich hatten sie keine Beweise und stellten nur wilde Vermutungen und Theorien auf, aber Levi glaubte sich nicht daran zu erinnern mit Eren darüber gesprochen zu haben. Fuck! Hatten sie etwa wirklich nicht mit ihm diesen überaus wichtigen Teil der Ermittlungen besprochen?! Der Junge hatte ja auch bedächtige Gedächtnislücken aufzuweisen, was den Tag der Schießerei und dem Giftanschlages anging. Auch wenn sie mit ihm darüber geredet hatten, könnte er es längst wieder vergessen haben.
„Hey, Farlan. Hast du mit Eren mal drüber gesprochen, dass wir Marley für den Täter halten?“
„Ja, klar. Gleich am ersten Abend im Safe House, während du duschen warst, habe ich mit ihm ein paar allgemeine Dinge geklärt und auch von unserem Verdacht erzählt. Warum fragst du?“
„Denkst du, dass er das noch weiß? Also, ich für meinen Teil habe da ja meine Bedenken. Als wir vorhin über diesen Marley gesprochen haben, da wirkte Eren nicht wirklich so, als hätte der Kerl versucht ihn mit dem vergifteten Heroin umzulegen.“
„Hmmm“, machte Farlan summend und fuhr sich nachdenklich übers Gesicht. „Du hast recht. Jetzt wo du es erwähnst, fällt es mir auch auf.“
Das penetrante Klingeln von Farlan‘s Handy unterbrach die grüblerische Stimmung im Auto. Oh Gott. Hatte er wirklich den Soundtrack von Fluch der Karibik als Klingelton? Levi nahm sich vor ein ernstes Wörtchen mit diesem Kindskopf zu wechseln, sobald die Zeit es zulassen würde.
„Detective Church“, meldete sich sein Kollege freundlich und hielt sich das Handy ans Ohr. „Was? Wirklich?“ Neugierig drehte sich Levi zu seinem Partner und sah ihn eindringlich an. Wer war da dran? Was brachte ihn dazu so euphorisch zu strahlen? „Das ist klasse! Also, nein…es ist natürlich nicht klasse, es ist furchtbar, aber es hilft uns weiter! Vielen Dank, Annie!“
„Spuck es schon aus, Jack Sparrow!“, herrschte Levi ihn vom Fahrersitz aus an, als Farlan das Handy zwar wegsteckte, jedoch nicht den Anschein machte etwas zu sagen.
„Captain Jack Sparrow, bitteschön. So viel Zeit muss sein“, verbessert er ihn. „Schwester Leonhardt hat das Krankenblatt von Eren auf den Kopf gestellt. In der Nacht, als Mike den Jungen ins Krankenhaus gebracht hatte, wurde eine Blutanalyse gemacht. Rate mal, was sie ergeben hat.“
„Lass die Spielchen und sag schon, was rausgekommen ist, oder ich setzt dich auf einer einsamen Insel aus.“
„Spielverderber“, murmelte Farlan, ehe er lauter fortfuhr. „Eren hat die Wahrheit gesagt. Das Drogenscreening war mehr als eindeutig.“
„Wisch dir das scheiß Lächeln aus dem Gesicht, oder ich übernehme das für dich“, knurrte er und schüttelte den Kopf. „Das Drogenscreening war also positiv. Na und? Der Junge war schon total high, als wir ihn aus dem Müllcontainer gefischt haben. Das beweist gar nichts.“
„Doch, tut es. Die Werte waren viel zu hoch für eine Dröhnung am Abend. Die Werte belegen, dass der Junge erst wenige Stunden zuvor eine ordentliche Dosis gedrückt haben musste und da er zu dieser Zeit bereits bei uns am Revier war…“ Er ließ den restlichen Satz unvollendet und sah seinen dunkelhaarigen Partner triumphierend an. Frei nach dem Motto: Ich habe es dir ja gleich gesagt. Levi konnte über dieses Verhalten nur den Kopf schütteln. War sein Freund tatsächlich so erfreut darüber, dass ihr gemeinsamer Kollege scheinbar wirklich den Jungen unter Drogen gesetzt hatte, um ihn daran zu hindern ihre Fragen zu beantworten?
„Hat diese Annie auch etwas über die Tasche sagen können?“ Levi versuchte seine Emotionen zu verbergen, auch wenn es ihm schwerer fiel, als sonst. Die Tatsache, dass sein toter Kollege ihnen wirklich etwas vorgelogen hatte, machte ihm zu schaffen. Es verletzte ihn, auch wenn er es nicht offen aussprechen konnte.
„Die Tasche wurde nicht im Krankenhaus gelassen, also hat Mike sie wieder mitgenommen“, antwortete Farlan, während er wild auf seinem Display herumtippte. „Sobald wir im Safe House sind, ruf ich bei der Spurensicherung an und frage nach, ob sie bei der Durchsuchung seiner Wohnung etwas gefunden haben.“
„Gut. Dann häng ich mich auch an den Hörer und ruf die Brillenschlange an. Vielleicht hat sie Infos über den toten Drogentypen für uns. Außerdem dürfte sie mittlerweile die Autopsie von Zakarius abgeschlossen haben, was uns vielleicht auch weiterhelfen könnte.“ Die restlichen wenigen Fahrminuten vergingen wie im Flug.
Kaum hatten sie das Auto geparkt und waren durch die Haustür geschritten, schlug ihnen die wohlige Wärme entgegen. Im Vergleich zu der eisigen Kälte, die draußen herrschte, war es im Inneren des Hauses wirklich gemütlich. Der Duft von Plätzchen lag in der Luft. Scheinbar hatte Isabel sich wieder beruhigt und angefangen zu backen. Möglicherweise hatte sie das Backen auch als eine Art Ablenkung betrieben, denn Levi konnte sich keinen logischen Grund vorstellen, warum sie ausgerechnet jetzt anfangen würde Kekse zu backen.
„Wir sind wieder da“, rief Farlan in den Flur und zog die schwere Haustür hinter sich zu. Stampfend entfernten sie das bisschen Schnee von ihren Stiefeln und wischten sich die einzelnen Flocken von der Kleidung, ehe sie die Jacken abstreiften und feinsäuberlich an die Garderobe hängten. Ebenso ordentlich stellten sie die feuchten Stiefel auf die Abtropftasse neben dem leeren Schirmständer und schritten durch die Tür zur Küche, wo Isabel gerade ein Blech Kekse aus dem Rohr holte und auf die mehlige Anrichte legte. Levi stellte sich gar nicht erst die Frage, wo sie denn bitte die Keksausstecher aufgetrieben hatte. Viel wichtiger erschien ihm die Frage, wer zum Fick dieses Chaos wieder beseitigen würde, denn er würde das ganz sicher nicht tun.
„Wow. Die sehen ja lecker aus“, schwärmte Farlan und stellte sich neben seine Freundin, um ihr einen Kuss zu geben, doch sie drehte sich weg. Verwundert sah sich Levi das untypische Verhalten seiner besten Freundin an und legte seine Stirn nachdenklich in Falten. Irgendetwas stimmte wirklich nicht mit dem rothaarigen Wirbelwind.
„Ihr habt ihn nicht gefunden, hm?“ Ihre Stimmlage ließ darauf schließen, dass sie keine Antwort brauchte, denn sie wusste es bereits. Hätten die Detectives Eren gefunden, dann wäre er nun auch mit ihnen in der Küche, anstatt mutterseelenallein in der scheiß Kälte herumzuirren.
„Wir werden ihn finden“, versprach Farlan und startete einen erneuten Versuch seine Freundin zu küssen. Dieses Mal ließ sie sich in seine Arme ziehen und einen sanften Kuss auf die Lippen und anschließend auf die Stirn hauchen. Levi, der normalerweise so romantischen Mist hasste, war froh zu sehen, dass Izzy sich scheinbar wieder einigermaßen beruhigt hatte. Er konnte es nicht leiden, wenn seine geliebte Schwester traurig war oder sich von ihnen abwandte. Zumindest konnte er es nicht ausstehen, wenn er den Grund nicht kannte.
„Hast du deine Medikamente genommen?“, fragte sie gedämpft gegen das Sweatshirt ihres Freundes, was dieser mit einem einfachen Nicken abtat. Isabel achtet peinlich genau darauf, dass er keine Dosis ausließ, damit er bald wieder komplett einsatzfähig war.
„Hast du dein Geschenk schon aufgemacht?“, stellte sie erneut eine leise Frage und schob ihren Freund von sich, um ihn anzusehen. „Nein, noch nicht“, gab er wahrheitsgemäß preis und kassierte dafür ein Zwicken in die Wange.
„Aua!“
„Wenn dir jemand ein Geschenk gibt, dann öffne es gefälligst!“
„Aua! Ja, ist schon gut! Aua! Lass mich los!“ Augenverdrehend entließ sie die gerötete Haut aus ihren gnadenlosen Fingern. Wehleidig rieb der Polizist sich seine schmerzende Wange und sah sich suchend in der Küche um. Levi, der inzwischen lässig an der Wand neben der Tür lehnte und sich das Spektakel mit Sicherheitsabstand ansah, schmunzelte leicht in sich hinein. Der verzweifelte Blick seines Partners war einfach nur göttlich anzusehen.
„Weißt du zufällig…wo…ähm…“, druckste er verlegen herum und rieb sich weiterhin die rote Wange.
„Schlafzimmer“, gab Isabel unbeeindruckt von sich und drehte sich wieder zu den Keksen.
„Was? Wir sollen ins Schlafzimmer gehen?“, hakte er irritiert nach, wobei aber seine Stimme einen leicht anzüglichen Unterton annahm. Oh Gott. Manchmal wusste Levi wirklich nicht, ob Farlan einfach nur so tat, oder ob er wirklich so krass dämlich war.
„Ich denke nicht, dass sie gerade in der Stimmung ist mit dir ins Schlafzimmer zu gehen“, sprach er seine Gedanken laut aus und versuchte das aufkommende Kopfkino zur Seite zu schieben. Die Vorstellung von seinen besten Freunden im Bett zählte nicht zu den Dingen, die er gerne in seinem Kopf haben wollte. „Ich glaube eher, dass dein Geschenk im Schlafzimmer liegt.“
Isabel sagte nichts dazu und starrte stattdessen stur auf die Plätzchen, während sie auf der Unterlippe herumkaute. Irgendwie wirkte sie fast etwas nervös und aufgeregt. Ohne weitere Worte verließ Farlan die Küche und rannte beinahe schon die Treppen in das Obergeschoß hinauf.
„Recht früh für Weihnachtsgeschenke“, stellte Levi fest. „Hab ich seinen Geburtstag vergessen oder warum bekommt Blondie Geschenke und ich nicht?“ Er stieß sich von der Wand ab und kam näher an Isabel heran.
„Hör auf dich zu beschweren. Wie ich dich kenne, würdest du dich über das Geschenk ohnehin nicht wirklich freuen“, sagte sie kichernd, nahm den letzten Keks vom Blech und legte ihn zu den anderen Plätzchen auf einen Teller.
„Okay, jetzt bin ich neugierig. Du schenkst ihm etwas, worüber er sich nicht freuen wird?“
„Nein, er wird sich sogar sehr darüber freuen. Und du wirst dich genauso freuen. Nur das Geschenk an sich würde dir nicht gefallen, wobei es jeden anderen Menschen vermutlich nicht stören würde“, sagte sie lächelnd und drehte sich zu ihm um. Scheinbar hatte sie Freude daran ihn zu verwirren.
„Was? Ich versteh gar nichts mehr. Was schenkst du…“ Das laute Poltern der Treppe ließ ihn seinen Satz unterbrechen. Wenige Sekunden später wurde die Tür aufgestoßen und Farlan kam mit weit aufgerissenen Augen und einem breiten Honigkuchenpferdgrinsen herein gestürmt. In seiner Hand hielt er die Box, die er von Isabel bekommen hatte und eine weitere kleine Schachtel, die Levi als Ringbehälter identifizierte. Moment mal! Wollte er ihr etwa doch einen Antrag machen? Was war aus „Ich will sie beschützen und aus der Schusslinie halten. In dem ganzen Chaos ist kein Platz für einen Antrag“ geworden?
Farlan reichte seinem Freund die Box von Izzy und lächelte ihn nochmals zwinkernd an, ehe er sich wieder auf seinen Platz zurückstellte und tief durchatmete. Ohne sich seine Verwunderung anmerken zu lassen, machte der dunkelhaarige Cop einige Schritte nach hinten und ließ den beiden ein wenig mehr Freiraum für das, was Levi vermutete noch kommen würde. Wie erwartete trat Farlan näher an den Rotschopf heran und schüttelte grinsend den Kopf, als er langsam auf die Knie ging.
„Das ist jetzt alles andere als geplant“, gestand er und leckte sich nervös über die trockenen Lippen. Natürlich wusste Isabel was nun kommen würde, denn sie rang bereits mit der Fassung. Levi konnte sogar aus den paar Metern Entfernung erkennen, dass sie jeden Moment anfangen würde zu heulen. Dieses eine Mal würde er Farlan nicht den Arsch aufreißen, wenn er seine kleine Schwester zum Weinen brachte. Aber der Blödmann sollte es sich bloß nicht zur Gewohnheit machen.
„Bevor ich dir diese wichtige Frage stelle, sollst du wissen, was du mir bedeutest, Izzy. Ich liebe dich, weil du mich zum Lachen bringst, auch wenn mir zum Heulen ist. Ich liebe dich, weil du immer zu mir hältst, egal was für ein Idiot ich auch bin. Ich liebe dich, weil…naja...weil ich dich eben schon seit fast fünfzehn Jahre liebe, auch wenn ich es vor drei Jahren erst wirklich begriffen hab. Bitte verzeih mir, dass ich so ein verdammter Trottel war und so lange dafür gebraucht habe zu verstehen, dass du der einzige Mensch bist, dem ich voll Überzeugung die Frage aller Fragen stellen will“, sprach er mit kräftigen Stimme, wobei er am Schluss hin eine Spur leiser wurde und auch wieder etwas nervös wirkte, als er die kleine Schachtel öffnete und seiner Freundin den glänzenden Ring entgegenstreckte. „Isabel, willst du mich heiraten?“ Sekunden, die sich für Farlan vermutlich wie Kaugummi zogen, vergingen. Auch Levi blickte zwischen den beiden immer wieder ungeduldig hin und her. Scheinbar wollte sie ihn noch etwas zappeln lassen, bevor sie ihm eine Antwort entgegen brachte.
„Du bist so ein Idiot!“, gab Izzy schluchzend von sich und fiel ihrem Freund um den Hals. Ring und Schachtel verabschiedeten sich klimpernd auf den Boden, was scheinbar keinen der beiden etwas auszumachen schien.
„Pass auf, meine Schussverletzung“, beschwerte er sich gespielt wehleidig und grub seine Nasenspitze in das rote Haar seiner Verlobten, während er sich mit der rechten Hand hinterrücks am Küchenboden abstützte. „Ist das ein Ja?“
„Natürlich ist das ein Ja du, Idiot!“ Sie drückte sich von ihm weg und sah ihn mit großen, nassen Augen an. „Ich kann wohl kaum den Vater meines Kindes einen Korb geben, oder?“
„Vater von...“, wiederholte Levi ungläubig und sah in die grinsenden Gesichter seiner frisch verlobten Freunde.
„Schau doch selbst nach“, wies Farlan ihn an und deutete auf die Box in Levi’s Hand. Sofort riss er den Deckel samt loser Masche von der Schachtel und starrte auf den kleinen Smiley, der am Display des darin verborgenen Schwangerschaftstestes angebracht war und ihn anlachte. Nun wusste er auch, warum Izzy sagte, dass ihm das Geschenk sicher nicht freuen würde.
Auf das angepinkelte Stück Plastik konnte er zwar getrost verzichten, aber die Botschaft dahinter ließ ihn nicht kalt. Er freute sich. Er freute sich so sehr, dass er für einen Moment lang die ganze Scheiße um sie herum ausblendete. Er vergaß den Marley-Fall und die dazugehörigen schrecklichen Ereignisse der letzten Tage. Sogar Eren, der vermutlich irgendwo in der dunklen Kälte saß und erfror, verdrängte er geschickt aus seinem Verstand. Das Einzige, das ihn gerade interessierte, waren die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben, die sich gerade vor seinen Augen verlobt hatten und die Tatsache, dass in ungefähr neun Monaten noch ein dritter Mensch dazukommen würde, für den Levi jederzeit sein Leben lassen würde. Komme was wolle, dieses kleine Menschlein würde er mit seinem Leben schützen.
„Ach, du meine Güte! Levi! Weinst du etwa?“, fragte Isabel geschockt, löste sich von ihrem Verlobten und war sofort bei ihrem Bruder angelangt, der augenblicklich seinen Kopf zur Seite drehte.
„Was? Nein. Ich habe nur was am Auge“, sagte er neutral und wischte sich schnell über die Wimpern, die tatsächlich feucht waren. Fuck! Er hatte es nicht mal bemerkt.
„Das ich das noch erleben darf. Levi Ackermann weint“, stichelte Farlan belustigt in das Bienennest, kam ebenfalls zu seinen Freunden und legte jeweils einen Arm um sie.
„Fresse halten, Blondie“, gab Levi genervt von sich und schob behutsam dessen Arm von seiner Schulter. Auch wenn er ihm mächtig am Sack ging, wollte er seinem Partner keine Schmerzen in der Schusswunde verpassen. „Ich weine nicht.“ Eine glatte Lüge. Ohne es verhindern oder beeinflussen zu können, sammelte sich die Feuchtigkeit in seinen grauen Augen munter weiter und vernebelten ihm die Sicht auf seine Freunde, die ihn beide amüsiert ansahen und leise vor sich hin kicherten. Diese beschissenen Pisser benahmen sich wie kleine Kinder.
„Tch. Ich hasse euch“, bemerkte er augenrollend und drehte sich wieder leicht von ihnen weg. Er wollte das nicht. Er hatte keinen Bock auf diese scheiß Tränen, auch wenn es Freudentränen waren. Ein Levi Ackermann heulte nicht. Schon gar nicht wegen so einem Scheiß. Er hatte nie geweint. Weder bei einer seiner zahlreichen Schusswunden, noch bei der Beerdigung seiner Mutter. Na gut, um ehrlich zu sein, hatte er bei ihrer Trauerfeier sehr wohl geweint. Tagelang hatte er sich die Augen aus dem Kopf geheult, allerdings erst, als die Gäste verschwunden und er alleine mit seinen überwältigenden Gefühlen war.
Niemand sollte seine schwache Seite zu sehen bekommen, denn er war nicht schwach. Levi war nicht schwach! Er durfte nicht. Schon immer musste er der Starke sein. Sei es in der Schule gewesen, wo er auf die beiden Schwachköpfe aufpassen musste, die sich gerade herzlichst über ihn lustig machten, oder im Job, wo er sich bei den ganzen bösen Jungs mit den scharfen Waffen keine Schwäche leisten konnte.
„Levi?“, holte die sanfte Stimme von Isabel ihn zurück ins Hier und Jetzt. „Tränen sind kein Zeichen von Schwäche.“ Fuck. Seit wann konnte der Rotschopf denn Gedanken lesen? Ohne, dass Levi etwas erwidern konnte, strich sie ihm eine einzelne Träne aus dem Gesicht, welche sich scheinbar unbemerkt aus dem Staub machen wollte und schenkte ihm ein warmes Lächeln. Vielleicht war es sogar das wärmste Lächeln, das er von ihr je zu Gesicht bekommen hatte, denn es berührte sogar sein Herz. Ja, auch ein Levi Ackermann besaß so etwas wie ein Herz. Und nein, es war nicht aus Stein, Eis oder einem anderen harten Material. Es war ein ganz normales Muskelstück, das ihm sein Blut von A nach B pumpte und ihn am Leben hielt.
„Wenn es ein Junge wird, dann nennen wir ihn Klein-Levi“, scherzte Farlan und verpasste ihm einen Schlag gegen die Schulter.
„Oh Gott, nein. Wir haben doch schon einen Klein-Levi. Da würde das nur für Verwirrung sorgen“, hielt Isabel dagegen und tätschelte die Wange von besagtem Klein-Levi, was dieser mit einem Knurren kommentierte.
„Um eure Gesundheit willen hoffe ich, dass es ein Mädchen wird.“
„Dann wird es halt eine Levia. Damit kann ich auch leben.“
„Halt die Fresse, Blondie.“ Womit hatte er das nur verdient?!
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