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The old wooden box

KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6 / Gen
Maria deLuca Michael Guerin OC (Own Character)
23.12.2020
23.12.2020
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7.453
 
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Disclaimer Roswell und deren Charaktere gehören THE WB, Jason Katims und Melinda Metz!

Anmerkung: Dieser One-Shot ist, glaube ich gute 15 oder 16 Jahre alt, also aus dem Jahr 2004 oder 2005, ich weiß es nicht mehr genau. Ich hab ihn letzte Woche mal "ausgegraben" & ein wenig überarbeitet, damit er zu Weihnachten passt. Inhaltlich ist er irgendwo zwischen Staffel 1 & 2, aber nur lose angelehnt.

Widmung: Dieser One-Shot wird ebenfalls BossReader gewidmet. Es ging sich zwar kein Crossover von Roswell/Akte-X aus, aber immerhin Roswell.



The old wooden box


"Mom, ich bin da!", rief Sophie, als sie zur Hintertür hereinstürmte, die in die Küche führte. "Was brüllst du denn so, ich bin doch nicht taub!", entgegnete Maria DeLuca und lächelte ihre elfjährige Tochter an.

"Tut mir leid. Was gibt's zu Essen? Ich bin am Verhungern!", meinte Sophie, hielt sich den Bauch und setzte sich auf einen der Hocker, der zur Kücheninsel gehörte.

Maria drehte sich wieder um und stellte ihrer Tochter Sandwichs, Paprikastreifen und eine Flasche Tabasco hin. "Na ja, dann lass es dir halt schmecken", sagte Maria, die ihr liebevoll über den Kopf strich.

Sophie grinste ihre Mom an, nahm den Deckel vom Sandwich und schüttete Tabasco über den Käse, danach biss sie herzhaft hinein. "Wie war's in der Schule?", fragte Maria.

"In Naturwissenschaft, Astrologie und Werken habe ich eine eins, aber in Mathe eine sechs, tut mir echt leid", erzählte Sophie und gab ihrer Mom die Sachen zum Unterschreiben.

Maria, legte einen Arm um Sophie und drückte sie ein wenig an sich.

"Ist schon okay, Sweetie, es wird schon, ich war auch nie wirklich gut in Mathe", tröstete Maria sie und sah sich die Tests ihrer Tochter an, bevor sie ihre Unterschrift darunter setzte.

Sophie nickte kauend und war dennoch ein wenig traurig.

"Sweetie, mach dir keinen Kopf, das Schuljahr geht noch eine Weile, das wird schon, ich helfe dir. Nun genieß erstmal deine Weihnachtsferien, okay", sagte Maria liebevoll.

Ihre Tochter nickte erneut, aber dieses Mal war es ein wenig besser und hungrig aß sie ihr Essen auf. Maria lächelte zufrieden und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe.

*******

"Puuh, ich bin geschafft", wisperte Maria, die sich auf den Boden setzte und gegen eine alte, verstaubte Holztruhe lehnte. Sophie tat es ihr gleich und lehnte ihren Kopf an die Schulter ihrer Mom.

Nach dem Essen waren sie auf den Dachboden gegangen, um ihn ein wenig zu entrümpeln und auch um die restliche Weihnachtsdekoration zu holen. Es war mehr Arbeit als gedacht.

Maria hatte die Schachteln vor Jahren nur hier raufgestellt und sich nicht mehr weiter darum gekümmert. Es war aber mal dringend nötig sie alle durch zu sehen und zu entrümpeln.

Sophie seufzte leise und blickte zu Maria, die sie anlächelte.

"Ich hole uns etwas zu trinken", sagte Sophie. Maria lächelte erneut und wischte sich ein wenig den Staub von der Hose. Ein paar Minuten später kam ihre Tochter wieder und hatte zwei Saftflaschen dabei.

"Danke Sweetie", nickte Maria und nahm eine Flasche.

Sophie nickte wortlos und ließ sich wieder neben ihre Mom auf den Boden plumpsen. Nur Augenblicke später erschraken beide fürchterlich als der Deckel der alten Holztruhe aufsprang, an der sie lehnten.

Nach der ersten Schrecksekunde lachten die Beiden leise und Sophie schnappte sich einen Lappen, um ein wenig den Staub von der Holztruhe zu bekommen. Sie dürfte am längsten hier oben stehen, dem Staub nach zu urteilen.

Als sie das meiste weggewischt hatte, kam eine verschnörkelte Schrift zum Vorschein. Sophie betrachtet sie und stellte fest, dass sie ihrer eigenen Handschrift ähnelte.


'Always, M.'


Gerade als Sophie fragen wollte, was es damit auf sich hatte, da hörte sie ihre Mom leise schluchzen. Sie drehte sich zu ihr und sah die Tränen, die über Marias Wangen liefen.

"Mom?", fragte Sophie leise und legte eine Hand auf ihre Schulter.

Maria wischte sich die Tränen mit dem Shirtärmel von den Wangen und lächelte ihre Tochter ein wenig an. "Ist die Truhe von Daddy?", fragte Sophie vorsichtig.

Maria nickte und rappelte sich auf.

"Ja, ist sie, lass sie uns nach unten tragen, dann erzähle ich es dir, Sweetie", antwortete Maria leise. Sophie nickte und half ihrer Mom mit der Truhe.

*******

Die Beiden stellten die Truhe in die Mitte des Wohnzimmers, vor den Weihnachtsbaum ab und Maria holte ein paar frischen Lappen, sowie warmes Wasser und eine Holzpolitur.

Gemeinsam putzten sie die Holztruhe und nach einigen Minuten sah sie wieder ganz ansehnlich aus. Maria ließ sie noch ein wenig trocken und würde später die Holpolitur auftragen.

Sophie bemerkte, dass die alte Holztruhe mit ein paar Straßennamen und Daten versehen war, konnte aber nichts damit anfangen. Fragend sah sie zu Maria, die leise seufzte.

"Diese Straßennamen und Daten haben alle eine Bedeutung, es ist als wäre es gestern gewesen, in meiner Erinnerung", sagte Maria leise und auch traurig, denn ihr liefen stille Tränen über die Wangen.

"Erzählst du's mir, Mom?", fragte Sophie.

Maria sah ihre Tochter liebevoll an und atmete tief durch. Sophie hatte ein Recht darauf zu erfahren, wer und wie ihr Dad war. Doch Maria schmerzte es nach zwölf Jahren noch immer an ihn zu denken.

Obwohl kein Tag verging, an dem sie nicht an Michael dachte, an ihre große und einzige Liebe. Erneut seufzte Maria und schließlich nickte sie, sie würde Sophie die Geschichte erzählen.

"Warte hier, Sweetie, ich hole uns Kakao und ein paar Kekse", sagte Maria leise und strich ihr über den Kopf. Sophie nickte nur und blickte zu dem halb geschmückten Weihnachtsbaum.

Sie rappelte sich auf schmückte ihn weiter.

*******

Wenig später saßen Maria und Sophie auf dem Boden vor der alten Holztruhe, hatten je ein Häferl mit heißem Kakao in der Hand und aßen ein paar der Weihnachtskekse, die sie von ihrer alten Nachbarin hatten.

Sachte strich Maria mit dem Fingern über einen Schriftzug.

"Die 23st New Main Street, hier haben sich dein Dad und ich das erste Mal gesehen, das war am 18.02.1999, damals ist meine beste Freundin Liz Parker angeschossen worden."

"Max Evans, der beste Freund von deinem Dad hat sie damals geheilt", fing Maria an zu erzählen. "Aber du hast doch Dad schon vorher gesehen, in der Schule", stellte Sophie fest.

Ein wenig hatte Maria ihrer Tochter von ihrem früheren Leben erzählt, auch wenn es immer wieder schmerzte, sie konnte Sophie nicht immer alles verschweigen.

Schon gar nicht deswegen, da Sophie genauso wie Michael Kräfte hatte. Ihre Tochter musste von klein auf damit lernen, um zu gehen und niemand durfte es erfahren.

"Das schon, aber ich meine so richtig gesehen, wir haben uns richtig in die Augen gesehen. Ich war geschockt, dass Liz da in einer Blutlache lag und er da Max sie geheilt hat", erklärte Maria.

Sophie nickte verständlich, sie hätte wahrscheinlich genauso reagiert. Es war furchtbar, wenn Menschen verletzt wurden. Maria strich über die Truhe und erzählte leise weiter.

"Das Crashdown Café, dort haben wir uns immer getroffen. Liz und ich haben da gekellnert, ihren Eltern gehört das Café. Wir haben uns immer über die Touristen lustig gemacht, die wegen des Absturzes 1947 gekommen sind."

Sophie hörte ihrer Mom gespannt zu und lehnte sich an sie.

"Am 07. April 1999 sind Max und Liz ins Indianer Reservat zu River Dog gefahren, um etwas über Nasedo heraus zu finden, Isabel, die Schwester von Max, dein Dad und ich blieben im Crashdown."

"Dein Dad hat sich Kuchen genommen und auch Isabel ein Stück gegeben, natürlich ohne zu bezahlen. So war er nun mal, dein Dad hat das gemacht, was ihm gerade passte", lächelte Maria.

Auch Sophie musste grinsen, sie konnte sich das wirklich vorstellen. "Als er sich Tabasco darüber geschüttet hat, habe ich ihn gefragte warum. Beide haben es mir erklärt und Isabel meinte wir flirten."

"Was wir beide zuerst nicht wahrhaben wollten. Schließlich war es ihr zu viel und sie hat uns beide allein gelassen", sagte Maria und musste wehmütig lächeln.

Maria machte eine Pause und kämpfte mit den Tränen, es war sehr schmerzhaft an die Vergangenheit zu denken, wo noch beinahe alles in Ordnung war. Sie sah zu Sophie, die geduldig wartete.

"Ich wurde immer nervöser und machte mir Sorgen. Dein Dad hat nur gesagt ich sollte doch meine Klappe halten, mich beruhigen und aufhören den Zucker von einer Dose in die andere zu kippen."

"Das hat ihn fast in den Wahnsinn getrieben. Als ich ihn anschrie und mich von ihm wegdrehte, hat er mich am Arm gepackt, an sich gezogen und mich geküsst."

"Unser erster Kuss, das war so liebevoll von ihm. Bis zu dem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass er so etwas konnte. Als der Kuss vorbei war sagte er, das dass nur zu meiner Beruhigung war."

"Doch schon damals wusste ich, dass dies nicht so war. Er hat mir danach sehr oft das Herz gebrochen, doch ich liebte ihn so sehr, dass ich es ihm immer wieder verzieh!", sagte Maria leise.

"Liebst du ihn noch immer?", fragte Sophie leise.

"Ich werde ihn immer lieben, egal was auch kommen mag. Dein Dad ist die Liebe meines Lebens und er hat mir das Beste geschenkt, was man sich nur wünschen kann, dich", wisperte Maria unter Tränen.

*******

Eine ganze Weile war es still, bis Maria weiter erzählte. "Der 25. November 1999 in der Bonnie Road 3851. Da ist dein Dad zum ersten Mal zu mir gekommen und hat um Hilfe gebeten."

"Du musst wissen, das tat er nicht sehr oft, aber in dieser Nacht brauchte er mich. Er wurde von seinem Pflegevater übel zusammengeschlagen und kannte nur einen Ausweg."

"Er ist zu mir gekommen, da er wusste, dass ich keine Fragen stelle und ihn einfach nur in den Arm nehmen werde. Das habe ich auch getan und er konnte für eine Nacht seine Sorgen vergessen", sagte Maria.

Sophie wusste, dass das Thema für ihre Mom sicher unangenehm war. Wer redete schon gerne über Prügeleien vom eigenen Vater, deswegen fragte sie nach der nächsten Adresse.

"Was war in der Meadow Brook Lane 2006?", fragte Sophie. "Da ist die West Roswell High, im Schleifraum haben wir unsere Pausen verbracht", lächelte Maria ihre Tochter an.

Sophie wurde leicht rot im Gesicht und lächelte verschmilzt. Sie kam nun in ein Alter, wo Jungs doch interessant wurden, aber sie traute sich nicht richtig darüber zu sprechen.

Maria legte einen Arm um Sophie und drückte sie an sich. "Eines Tages wirst du es so richtig nachvollziehen können, versprochen", sagte Maria leise und drückte ihr einen Kuss auf den Kopf.

Ihre Tochter nickte und blickte zur Holztruhe, wo nur noch ein Datum übrig war, das mit einem kleinen Herzen verziert war und es war auch nicht die gleiche Schrift.

"Erzählst du mir die letzte Geschichte?", fragte Sophie leise.

"Es war der Tag ihrer Abreise. Dein Dad hat mich zu sich eingeladen, denn er hatte italienisch gekocht, da er wusste ich liebe es. Dazu hatte noch Scooby Doo Teller besorgt."

"Ich liebte diesen Hund damals abgöttisch und auch die ganze Mystery Gang, es hat mich einfach fasziniert. Jedoch kamen wir nie dazu von den witzigen Tellern zu Essen."

"Dein Dad nahm meine Hände in seine und hat mich tief in sein Herz sehen lassen. Er hatte so viel in seinem Leben durchgemacht und als er mich kennen lernte, wusste er was wahre Liebe bedeutete."

"Mir liefen Tränen über die Wangen, genauso wie ihm. Ich konnte nur seinen Namen sagen und ein paar seiner Tränen wegwischen. Er wollte ebenfalls etwas sagen, aber ich habe ihn geküsst und den Moment genossen.

"Schließlich haben wir miteinander geschlafen und da bist du entstanden. Es war die einzige Nacht, die wir miteinander verbracht haben und es war die Schönste meines Lebens."

"Niemals werde ich vergessen, wie diese Nacht war", wisperte Maria und schniefte leise. Sophie kuschelte sich näher an ihre Mom und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Danach ist er gegangen und was hat er als Letztes zu dir gesagt?", fragte Sophie leise. Erneut an diesem Tag atmete Maria tief durch und blickte in die Augen ihrer Tochter.

"Er hat mir über die Wange gestrichen, mich mit seinen warmherzigen, braunen Augen angesehen 'Ich liebe dich' geflüstert und ein letztes Mal sanft geküsst."

"Wir hatten beide die Augen geschlossen und als ich sie wieder aufmachte war er gegangen. Ich glaube, er ist mit geschlossenen Augen gegangen, denn wäre es nicht so gewesen, wäre er geblieben."

"Es war die schwerste Entscheidung, die er in seinem jungen Leben treffen musste. Ein paar Wochen später habe ich bemerkt, dass ich mit dir schwanger bin."

"Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen, als meine Sachen zu packen, mein Gespartes zu nehmen und einfach aus Roswell zu flüchten. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen dich, ohne ihn, in Roswell groß zu ziehen.

"Ich weiß, deine Grandma wäre am Anfang ein wenig sauer gewesen, aber sobald sie dich gesehen hätte, da wäre ihr Herz dahin geschmolzen. Auch wäre Liz zu mir gestanden, aber ich konnte einfach nicht."

"Du bist alles für mich, Sophie, du bist alles, was ich von ihm noch habe, ich liebe dich so sehr", wisperte Maria und drückte ihre Tochter erneut fest an sich.

"Ich habe dich auch lieb, Mom", entgegnete Sophie leise.

*******

Michael Guerin streifte durch die Gänge des Palastes und war in Gedanken versunken, als ihm jemand auf die Schulter klopfe. Er blickte auf und erkannte Max, seinen besten Freund.

"Na, wie geht's dir?", fragte Max gutgelaunt.

Doch Michael antwortete ihm, wie so oft, nicht auf diese Frage. Seit sie vor zwölf Jahren nach Antar zurückgekehrt waren, hatte sich Michael noch mehr verschlossen.

Er hatte seine Lebensfreude verloren, er wollte immer nach Hause, doch als er hier auf Antar war wurde ihm klar, dass er es verloren hatte – sein zu Hause war dort wo Maria war.

Auch Max schmerzte es, dass er Liz zurückgelassen hatte, doch er musste seinen Planeten retten. Das hatten sie auch geschafft nach Jahren hatten sie den Krieg beendet und auf Antar war wieder Ruhe eingekehrt.

Tess war im Krieg gefallen und Isabel wurde schwer verletzt, doch sie hatte sich wieder halbwegs erholt. Auch sie war oft traurig, da sie Alex so sehr vermisste.

Sie alle vermissten ihr zu Hause, nur hatten sie keine Gelegenheit zurück zu kehren. Auf der einen Seite mussten sie den Planeten regieren, auf der anderen Seite wussten sie nicht wie sie zurückkommen sollten.

Es war zum Verzweifeln und genau das tat Michael seit nun mehr zwölf Jahren. Mit jedem Tag mehr, verschloss er sich, denn man hatte ihm das Herz herausgerissen.

Die jungen Männer schlenderten noch eine Weile still nebeneinanderher, bis Isabel auf sie zukam. "Es gibt bald Essen, wir sollten uns umziehen", sagte sie und legte einen Arm um Michael.

"Danke, wir treffen uns im Speisesaal", sagte Max und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Isabel nickte und ließ die Beiden wieder allein. "Kommst du auch?", fragte Max.

Michael sah auf und schüttelte leicht den Kopf. Max klopfte ihm erneut auf die Schulter und ließ Michael im Garten zurück, wo sie inzwischen angekommen waren.

Er setzte sich ins Gras und sah sich den Sonnenuntergang an, der ihn seit Jahren an Maria erinnerte, seiner einzigen wahren Liebe, die er auf der Erde zurück gelassen hatte.

Stille Tränen liefen über seine Wangen und er machte sich nicht die Mühe sie wegzuwischen. Sollte doch jeder sehen, dass der Kommandant heulte, war ihm doch egal.

Michael hatte sein Leben auf der Erde verloren und er wusste nicht, ob er Maria jemals wieder sehen würde. Da saß er nun und vergoss stille Tränen, als plötzlich ein Buch vor ihm auftauchte.

Verwirrt blinzelte Michael, da er glaubte sich das ein zu bilden, doch da lag in der Tat ein Buch vor ihm. Vorsichtig zog er es an sich und las den Titel 'Damit Wünsche wahr werden'.

"Was für ein Titel?", dachte er bei sich. Michael klappte das Buch auf, blätterte es durch und musste feststellen, dass bis auf eine Seite, alles komplett leer war.

Verwundert blätterte Michael auf die Seite, die beschrieben war und las sich den Text durch. Einige Male las er ihn und schließlich dämmerte ihm, was das war.

Es dürfte ein Zauberspruch sein, der ihn zu Maria brachte.

Michael klappte das Buch zu, rappelte sich auf und lief zum Schloss. Ein paar Minuten später setzte er sich an den Schreibtisch in seinem Zimmer und verfasste ein paar Worte an Max und Isabel.

Schließlich setzte er sich auf sein Bett, atmete tief durch und überlegte, ob es nicht doch einfach nur kindisch war. Aber sein Herz siegte, es sagte ihm diese eine Chance musste er nutzen.


'Denk an Dich Tag und Nacht, brauche Dich für immer und ewig. Sterne aus der Ferne, bringt mich dorthin, wo ich mein Herz verlor. Wo ich es um Mitternacht wieder finden werde!'


Auf einmal wurde Michael in helles Licht getaucht und verschwand von Antar. Er schloss die Augen, da es ihm schwindelig wurde und als er sie wieder öffnete befand er sich in einem Zimmer.

Michael sah sich um und erkannte alles wieder, er war in Marias Zimmer, er war endlich wieder zu Hause. Er erhob sich vom Bett, ging zum Schreibtisch, nahm ein kleines Duftfläschchen und roch daran.

Ihr wahnsinnig guter Pfirsichduft und gleich daneben ihr Vanilleshampoo. Gott wie hatte er das alles vermisst. Michael öffnete die Tür und ging eilig ins Wohnzimmer.

Alles sah noch so aus, wie vor zwölf Jahren, es war unbeschreiblich. Als er in die Küche trat saß Amy DeLuca mit dem Rücken zu ihm und fütterte einen kleinen, blonden Jungen.

"Hallo", sagte der etwa zweijährige Junge fröhlich lächelnd, als er Michael erblickte. Amy war etwas erstaunt darüber, drehte sich um und erkannte den Freund ihrer Tochter.

"Michael", wisperte Amy und umarmte ihn.

"Hey, Mrs. DeLuca. Wie geht es Ihnen? Wo ist Maria?", fragte Michael, der sich mit ihr zum Küchentisch setzte. Amy sah ihn traurig an und nahm seine Hand, um sie fest zu drücken.

Gerade als sie ihm antworten wollte, da öffnete sich die Küchentür und Sheriff Valenti trat ein. "N'abend, meine Lieben! Amy dein Au..", weiter kam Jim nicht, denn er sah Michael.

"N'abend, Sheriff", sagte Michael und reichte ihm die Hand.

Jim ergriff sie und zog ihn in eine feste Umarmung, er klopfte ihm auf die Schulter und war so froh ihn wieder zu sehen. "Es tut gut, dich gesund und unversehrt wieder zu sehen."

Michael löste sich von ihm und nickte. "Freut mich ebenfalls, Sheriff, danke. Aber wo finde ich Maria, ich möchte sie wirklich gerne sehen", entgegnete Michael.

Jim deutete zum Tisch und Michael setzte sich wieder.

"Kurz nachdem ihr nach Antar zurückgekehrt wart, da ist Maria eines Nachts verschwunden. Wir haben alles versucht, um sie zu finden, aber sie wollte nicht gefunden werden."

"Wir wissen nicht, wo sie sich befindet", sagte Jim leise.

*******

"Mom, kannst du mir bitte noch ein paar Sandwichs machen und können wir noch Kekse essen?", fragte Sophie, als sie mit dem Weihnachtsbaum schmücken endlich fertig waren.

"Weißt du was, wir bestellen uns eine große Pizza und schauen einen Film", schlug Maria vor. Ihre Tochter grinste breit und hopste fröhlich im Wohnzimmer herum, dabei sang sie Weihnachtssongs.

Maria lächelte und wählte die Nummer vom Pizzadienst.

*******

Wenig später saßen die Beiden mit ihrer großen Schinken-Käse-Champion-Pizza auf der Couch, hatten sich unter der Decke aneinander gekuschelt und sahen sich 'Eine schöne Bescherung' mit Chavy Chase an.

"Mom?", wisperte Sophie.

Maria drückte ihre Tochter an sich und strich ihr über den Kopf. "Was hast du denn?", fragte Maria. Sophie druckste ein wenig herum, da sie wusste das der Tag nicht so ganz leicht für ihre Mom war.

Maria hatte ihr nicht nur die Geschichten erzählt, in der Truhe selbst waren Erinnerungsstücke aus Roswell, die Maria einmal mehr das Herz an diesem Tag brachen.

Darunter Fotos von Liz und Maria, dann welche mit Alex und schließlich waren da auch welche mit Michael, Max und Isabel. Ebenfalls hatte Maria die Scooby Doo Teller mitgenommen, so wie ein paar Shirts von Michael.

Selbst die Alienpuppe, die Michael ihr halbherzig geschenkt hatte, hatte sie mitgenommen, obwohl sie die noch nicht mal mochte. Michael war alles andere als grün und hatte große unförmige Augen.

Für Sophie selbst war er auch aufwühlend gewesen, mit all den Erzählungen von ihrem Dad und seinen Freunden. Sie wusste, sie war anders und hatte Kräfte, wie sonst niemand den sie kannte und hielt es geheim.

Sie verstand wieso, ihr Dad so war, wie er nun einmal war.

"Du hast mir heute schon so viel von Dad erzählt und ich weiß, es war nicht leicht, aber kannst du dich noch einmal überwinden und mir seinen Namen sagen."

Maria blickte in Sophies Augen, die denen von Michael so sehr glichen, es war manchmal wirklich sehr schwer. "Dein Dad heißt Michael", antwortete Maria leise.

Eine stille Träne lief über ihre Wange, da sie seit mehr als zwölf Jahren seinen Namen zum ersten Mal laut ausgesprochen hatte. Sophie lächelte ein wenig und kuschelte sich an ihre Mom.

Maria gab ihr einen Kuss auf den Kopf und lächelte ebenfalls.

Sophie war ihr ein und alles, die Kleine war oft wie Michael, so stur, sie wollte immer ihren Kopf durchsetzen. Dann verschloss sie sich oft vor allen und baute Mauern um sich herum auf.

Selbst Maria hatte es dann sehr schwer an sie ran zu kommen, aber sie kannte es, sie gab Sophie Zeit, so wie sie es oft bei Michael getan hatte. Dennoch war Sophie auch wie sie selbst.

Fröhlich, unbeschwert und plapperte wie aufgezogen. Ebenso war Sophie immer für ihre Freunde da. Sie brauchten oft nichts sagen, Sophie nahm sie einfach in den Arm und spendete ihnen Trost, solange sie ihn brauchten.

Maria war so stolz auf ihre Tochter und liebte sie über alles.

*******

Meilenweit entfernt saß Michael auf Liz Dachterrasse und blickte zu den Sternen. Liz war neben ihm und hatte ihm erzählt, was damals passiert war, als sie gegangen waren.

Alles hatte sich an dem Tag geändert und Michael bereute es einmal mehr fortgegangen zu sein. Liz hatte es aufgegeben ihm zu sagen, dass es nicht seine Schuld war.

Die königlichen Vier hatten ihre Pflicht getan.

Michael jedoch hatte den Kopf geschüttelt und es bestritten, er war und blieb immer der Rebell. Er wollte das nicht, er wollte bei Maria bleiben und mit ihr glücklich sein.

"Michael, es ist schon sehr spät, wir sollten schlafen gehen", sagte Liz leise. Er antwortete nicht, er starrte nach wie vor in den Himmel, wo ein Stern auf einmal sehr hell anfing zu strahlen.

"Maria", wisperte er und stand auf.

Verwundert sah Liz ihn an und erhob sich ebenfalls. "Michael, was ist denn?", fragte Liz. "Ich kann es dir nicht genau erklären, aber ich weiß, wo sie ist, ich muss zu ihr", antwortete Michael.

Mit diesen Worten verschwand er von der Dachterrasse.

*******

Maria schlenderte mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt in der Nähe ihres Hauses und machte die letzten Besorgungen für Weihnachten. Sie kontrollierte ihre Einkaufsliste und nickte zufrieden.

Bis auf die Schokolade für Sophie hatte sie alles, also bog sie noch in den Gang mit den Süßigkeiten ein. "Hey, Maria", wurde sie nur kurz darauf von einer schwarzhaarigen Frau begrüßt.

"Hey, Debby, alles klar?", entgegnete Maria.

"Ja, alles in bester Ordnung bei uns. Es ist halt wie immer ein wenig Chaos zur Weihnachtszeit, da wir ja so eine große Familie sind, aber es wird schon", meinte Debby.

"Bei euch alles okay, ich habe euch schon länger nich gesehen", sprach Debby weiter, während Maria ein paar Tafeln Schokolade in den Einkaufswagen legte, so wie Kekse.

"Mach dir keine Sorgen, alles bestens bei uns, wir hatten nur beide viel zu tun, du kennst das ja. Im neuen Jahr treffen wir uns auf einen Kaffee und quatschen ausführlich", lächelte Maria.

Debby nickte freudig und nahm nun auch noch ein paar Süßigkeiten aus dem Regal. "Also ich habe alles, du auch? Dann können wir auf dem Weg zur Kassa noch ein wenig reden", meinte Debby.

"Auf geht’s, Debby", meinte Maria freudig.

Einen Gang weiter stand Michael stocksteif da und hatte das Gespräch gehört und auch wenn er die Frauen nicht sehen konnte, er wusste das eine davon seine Maria war, ihre Stimme würde er überall heraus kennen.

Er war erst einen Tag in New York, aber er hatte sie sogleich gefunden, es grenze an ein Wunder. Aber leider hatte er in dem Gespräch auch rausgehört, das Maria liiert war.

Leise seufzte Michael, wie konnte er nur glauben, dass sie tatsächlich zwölf Jahre auf ihn gewartet hatte?! Entmutig ging er zur Kassa und zahlte seine paar Sachen.

Natürlich sah er sich im Supermarkt und auch am Parkplatz um, aber es waren so viele Menschen, er fand Maria nicht. Langsam machte er sich auf den Weg zurück zum Motel.

Da es nicht weit vom Supermarkt entfernt war, war er nach nur ein paar Minuten zurück in seinem Zimmer und wärmte sich auf. Obwohl er kaum Hoffnung hatte, nahm er dennoch das Telefonbuch und schlug DeLuca nach.

Fehlanzeige, es gab keine Maria DeLuca, die hier in der Nähe wohnte. Michael legte das Telefonbuch zurück und machte es sich auf dem Bett so bequem wie möglich.

Aber ja, wenn sie verheiratet war, dann hatte sie vermutlich den Namen ihres Mannes angenommen. Er wusste, dass sie ihm einmal erzählt hatte, wenn sie heiraten würde, dann würde sie den Nachnamen ihres Mannes tragen.

Er würde alles dafür geben, dass es Guerin war.

Einmal mehr bereute Michael, dass er damals gegangen war und einmal mehr liefen stille Tränen über seine Wangen. Erschöpft schloss er die Augen und fiel in einen unruhigen Schlaf.

*******

Sachte deckte Maria ihre Tochter zu, die friedlich schlief und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ich habe dich lieb, Sweetie", wisperte Maria, strich ihr über den Kopf und verließ das Zimmer leise.

Es war beinahe Mittarnacht, aber schlafen konnte Maria dennoch nicht. Die letzten Tage waren zu aufwühlend gewesen. Leise zog sie sich ihre Moonboots und ihre Wintersachen an und verließ das Haus durch die Terrassentür.

Mit einem heißen Häferl Kakao, welches sie sich noch gemacht hatte, setzte sich sie auf die Stiegen, ihrer Terrasse. Leise hörte sie die Wellen rauschen, die ein paar Meter vor ihr waren.

Leise seufzte sie, nahm einen Schluck von ihrem Kakao und zog ein Foto aus ihrer Jackentasche. Es zeigte sie und Michael, in einer Nische des Crashdown Café, fröhlich lächelnd.

Es war eines der letzten Fotos und sie war froh, dass sie mehrere Abzüge davon hatte machen lassen. Michael wirkte so entspannt und fröhlich darauf und das war er auch gewesen.

Sie hatten sich 'Braveheart' angesehen, Michaels absoluten Lieblingsfilm und waren danach mit den anderen im Crashdown etwas essen gewesen. Maria lächelte, als sie an den Tag dachte, er war einfach großartig gewesen.

Nur ein paar Tage später war alles zu Ende gewesen.

Michael verließ die Erde und sie. Maria erinnerte sich an seine braunen Augen, die sie mit so viel Liebe und auch so viel Schmerz ansahen, nie würde sie den Blick vergessen.

Tief atmete sie durch und nahm noch einen Schluck von ihrem Kakao, aber die Tränen ließen sich nicht zurückhalten, still liefen sie über ihre kalten Wangen.

Da er absolut nicht schlafen konnte, hatte sich Michael warm angezogen und war an den winterlichen Strand von New York gegangen. Er hörte dem Rauschen der Wellen zu und immer wieder fragte er sich 'was wäre, wenn?'

"Was wäre, wenn er nicht gegangen wäre? Was wäre, wenn er einfach im Bett mit ihr geblieben wäre? Würden sie noch immer zusammen sein? Wären sie aus Roswell weggegangen oder wären sie geblieben?"

"Du Idiot, bist aber gegangen", wisperte Michael vor sich hin.

Er kickte einige Steine weg, die in hohen Bögen im Wasser landeten. Wütend auf sich selbst, dass er damals gegangen war und dass er heute die Chance, mit Maria zu sprechen nicht genutzt hatte, ging er weiter.

Einige Minuten später nahm er ein leises Weinen wahr. Verwundert blieb er stehen und sah sich um, als er einige Meter vor sich ein kleines Haus entdecke, welches beleuchtet war.

Auf den Stiegen davor saß jemand und weinte.

Automatisch setzten sich seine Beine in Bewegung und gingen auf die Person zu. Er musste zumindest fragen, ob er helfen konnte, schließlich war beinahe Mitternacht und hier schien außer ihnen niemand zu sein.

Als er kaum einen Meter vor ihr stand hörte er, dass sie etwas sagte, aber er verstand es nicht. "Hey ... ähm, alles okay bei Ihnen? Kann ich Ihnen helfen?", fragte Michael vorsichtig.

Maria hielt inne und glaubte zu träumen – es war Michaels Stimme, aber das konnte nicht sein, sie bildete sich das nur ein. Also reagierte sie nicht und schluchzte erneut.

Michael ging noch einen Schritt näher und versuchte die Frau zu beruhigen, von der er nicht wusste, dass es Maria war. Da sie ihren Kopf an ihren Knien vergraben hatte.

Unbewusst ließ Maria das Fotos von Michael und sich fallen und er hob es auf, um es ihr wieder zu geben. Im Mondlicht erkannte er die beiden Personen auf dem Bild.

"Maria", flüsterte er und zog sie an ihren Armen in die Höhe. Noch immer war Maria so in sich vertieft, dass sie nicht wirklich realisierte, was gerade mit ihr passierte.

Michael blinzelte ein paar Mal, aber sie stand wirklich vor ihm, seine Maria stand vor ihm, es war keine Einbildung. "Maria", sagte er noch einmal sanft und hob ihren Kopf mit den Fingern an.

Langsam erwachte sie aus ihren Gedanken und blickte in seine braunen Augen, die so sehr leuchteten wie selten zuvor. "Michael", wisperte Maria und blinzelte, genauso wie er.

Sie konnte es nicht glauben, da stand wirklich ihr Michael vor ihr, leibhaftig und lebendig. Maria hielt sich an seinen Armen fest und beugte sich ein wenig zu ihm.

Da sie eine Stiege über ihm stand, waren sie auf Augenhöhe, also musste sie sich nicht wie früher immer auf die Zehenspitzen stellen. Michael zog sie an der Hüfte zu sich und hielt sie fest.

Nur Momente später küssten sie sich so leidenschaftlich, wie damals im Schleifraum der Roswell High oder im Hinterzimmer des Crashdows oder wie in ihrer letzten gemeinsamen Nacht.

Irgendwo in der Ferne da schlug die Turmuhr zum zwölften Mal Mitternacht, der Spruch aus dem Buch hatte seine Wirkung getan. Wünsche wurden wahr und Wunder geschahen an Weihnachten auch immer wieder.

Langsam löste sich Maria von Michael, der sachte über ihre Wange strich und leicht lächelte, so wie sie. "Ich habe dich so sehr vermisst, Spaceboy", wisperte Maria und kuschelte sich an seine Brust.

Michael hielt sie fest im Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, was sie leise seufzen ließ. "Ich habe dich ebenfalls sehr vermisst und es tut mir so unendlich leid", antwortete Michael genauso wispernd.

Obwohl die Luft um sie herum immer kälter wurde, ihnen war noch nie so warm wie jetzt gewesen. Sie hatten einander wieder gefunden und wollten sich nicht voneinander lösen, aus Angst, es wäre doch nur ein Traum.

*******

"Mom?", fragte Sophie leise und verschlafen, die in der Terrassentür stand und sich über die Arme strich, da es ihr so kalt war. Sie hatte schlecht geträumt und wollte zu Maria, doch die war nicht in ihrem Bett.

Maria drehte den Kopf und sah ihre Tochter besorgt an.

"Sophie, was machst du denn auf?", fragte Maria, die sich nun von Michael löste und auf ihre Tochter zuging. "Schlecht geträumt", antwortete sie leise und ließ sich in den Arm nehmen.

Michael sah zu den Beiden und ging schließlich auf sie zu. Das Mädchen sah aus wie Maria, aber die Augen, die Augen hatte sie eindeutig von ihm selbst – war das wirklich seine Tochter?

Maria sah zu Michael auf, der total erstaunt war und lächelte, als sie nach seiner Hand griff und ihn in die Küche zog. Es war nun wirklich schon sehr kalt für alle und sie wollten nicht krank werden.

Im gedämpften Licht der Küche sah Sophie den Mann an und lächelte, als sie ihn erkannte, es war ihr Dad. Er stand da leibhaftig und war zu ihnen zurückgekehrt.

"Sophie, das ist dein Dad", sagte Maria und schniefte leise, denn ihr liefen nun endlich vor Freude Tränen über die Wangen. Ihre Tochter nickte nur und umarmte Michael einfach nur.

Michael erwiderte die Umarmung und blickte zu Maria.

"Ist das wirklich wahr, sie ist meine Tochter?", fragte Michael nach, er musste es einfach aus ihrem Mund hören. "Ja, das ist Sophie, deine Tochter", entgegnete Maria.

Nur Momente später strahlten seine Augen noch mehr, als vorhin schon und sein Herz drohte vor Glück zu zerspringen. Er zog Maria mit in die Umarmung und nun liefen auch ihm Tränen des Glücks über die Wangen.

Endlich war Michael zu Hause!

*******

Stunden später, als alle ausgeschlafen waren, da saßen sie im Wohnzimmer und Sophie erzählte ohne Punkt und Komma Michael ihre gesamte elfjährige Lebensgeschichte.

Michael hörte ihr fasziniert zu und stellte immer mehr fest, sie war die perfekte Mischung zwischen Maria und ihm selbst. Aber er fragte sich, ob Sophie zwischendurch auch mal Luft holte?!

Als es gegen halb elf an der Tür läutete ging Maria hin und nur Momente später kam sie mit June, Sophies bester Freundin zurück. "Sophie, Sweetie, eure traditionelle Schneeballschlacht beginnt gleich", sagte Maria.

"Oh ja, die hätte ich fast vergessen", entgegnete Sophie und sprang schon von der Couch. "June, ich bin gleich fertig!" Mit diesen Worten lief sie in ihr Zimmer, um sich ihren Skianzug an zu ziehen.

Michael lachte leise und blickte zu June, die freundlich lächelte.

"Du bist also, die beste Freundin June, freut mich sehr dich kennen zu lernen. Ich bin Michael, Sophies Dad", stellte er sich vor und reichte ihr die Hand, die sie annahm.

"Freut mich ebenfalls", entgegnete June lächelnd.

Gerade als Michael noch etwas sagen wollte, da kam Sophie zurückgestürmt und zog sich ihre Moonboots an. Sie drückte Maria einen Kuss auf die Wange und umarmte Michael fest.

"Bis später, Daddy", sagte sie und sah ihn ernst an.

"Bis später, Sweetie, versprochen", antwortete Michael, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und lächelte. Sophie strahlte von einem Ohr zum anderen und stürmte mit June aus dem Haus.

Michael ging zur Haustür und blickte ihr hinterher. Maria kam zu ihm und schlang ihre Arme um ihn. "Das dauert ein paar Stunden, also haben wir Zeit zum Reden", sagte Maria leise.

Michael, der einen Arm um sie gelegt hatte, drückte sie ein wenig und nickte schließlich. Das hatten sie in der Tat, aber sie hatten erstmal ein wenig Schlaf gebraucht.

Sie schlossen die Tür und gingen Arm in Arm in die Küche, wo Maria Kaffee in zwei Häferl goss und Michael legte noch einige Kekse, so wie frische Brötchen auf einen Teller und ging mit ihr ins Wohnzimmer.

Die Beiden machten es sich auf der Couch unter der Decke gemütlich und betrachteten einige Minuten den bunten Weihnachtsbaum. Michael nahm einen Schluck Kaffee und blickte zu Maria.

"Du hast heute schon so viel über Sophie gehört, ich möchte über uns sprechen und über unsere Freunde. Wie geht es Max, Isabel und Tess?", fragte Maria leise.

"Max und Isabel vermissen Liz und Alex. Tess wurde vor einigen Jahren von Kivar aus einem Hinterhalt heraus erschossen", fing Michael an leise zu erzählen.

Maria nickte, es war traurig was Tess passiert war, aber sie hatten sich nie nahe gestanden und Maria war immer misstrauisch gegenüber Tess gewesen, es war also nicht so, dass sie nun Tränen vergoss.

"Was ist mit dir?", fragte Maria leise.

"Max hat mal Isabel gegenüber erwähnt 'er wird nie wieder der Michael sein, den wir kannten, er hat sein Herz verloren' Damit hatte er Recht, ich habe mein Herz bei dir gelassen."

"Isabel hatte gemeint, wir würden schon irgendwie zurückkehren können, aber sie irrte. Beinahe jedes Raumschiff, das so eine weite Reise hätte überwinden können wurde zerstört."

"Ich kämpfte mich von Tag zu Tag, im wahrsten Sinne des Wortes und als wir endlich gegen Kivar und seine Truppen gewonnen hatten, da hätte ich mich freuen sollen."

"Aber ich konnte nicht, mein Herz hing so sehr an dir, dass es einfach keine Freude über den Frieden empfinden konnte. Nun lebte ich von Tag zu Tag und nichts half, dass es mir besser ging."

"Vor einigen Tagen, als ich im Garten des Schlosses saß und stille Tränen vergoss, da tauchte ein Buch vor mir auf, es war komplett leer, nur ein Spruch stand darin."

"Für einige Momente dachte ich, es ist quatsch und ich sollte das Buch verbrennen, aber mein Herz sagte nein. Also schrieb ich Max und Isabel eine kurze Notiz und las danach den Spruch laut vor."

"Ich wurde in helles Licht getaucht und musste die Augen schließen und als ich sie wieder öffente, da war ich in deinem Zimmer in Roswell. Deine Mom hat nichts verändert, es ist alles noch wie damals."

"Ich habe mit Amy, Jim und auch Liz gesprochen und sie haben mir alle das Gleiche erzählt, dass du kurz nach uns verschwunden bist. Erneut war ich am Boden zerstört, aber fasst neuen Mut, als ich einem Stern folgte."

"Halte mich für verrückt, aber als ich da auf Liz Dachterrasse saß und in die Sterne blickte, da leuchtete einer ganz besonders hell und ich wusste, wo ich dich finde", erzählte Michael leise.

Maria hatte ihm geduldig zugehört und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. "Du wirst mich auch nicht mehr los, nie wieder", wisperte Maria und kuschelte sich fester an ihn.

Sie war so unendlich glücklich ihn wieder zu haben.

"Warum bist du weg? Wäre Amy so sehr über deine Schwangerschaft verärgert gewesen, dass sie dich wirklich vor die Tür setzt? Dir hätte doch Liz sicher geholfen und auch die Parkers", sagte Michael besorgt.

"Ich konnte nicht bleiben, es tat so weh, alles erinnerte mich an dich. Einige Tage habe ich in deiner Wohnung gewohnt und habe mir vom Crashdown und auch der Schule frei genommen."

"Meine Mom hatte zähneknirschend zugestimmt und mich in der Schule krank gemeldet. Schließlich habe ich all deine Sachen gepackt und in unsere Garage stellt."

"Deine Wohnung habe ich danach verkauft und bin wieder nach Hause. Da habe ich nach etwa zwei Monaten festgestellt, dass ich schwanger bin. Ich hatte solch eine Angst, dass ich es keinem gesagt habe."

"Ich habe einige Sachen gepackt, mein Gespartes genommen und bin einfach nach New York gefahren. Ich habe mir ein günstiges, sauberes Motel in einer halbwegs sicheren Gegend gesucht, so wie einen Job."

"Ich habe in einem kleinen Café gekellnert, wo mich alle sofort herzlich aufgenommen haben. Das Café gehörte einem Ehepaar, die Mitte fünfzig waren und keine Kinder hatten."

"Ich glaube, sie haben mich von Fleckweck adoptiert, als sie mich sahen. Etwa sieben Monate später kam Sophie auf die Welt und hat sie auf den Kopf gestellt, aber sie war das süßeste Baby!"

"Gleichzeitig war ich unendlich glücklich, dass ich einen Teil von dir bei mir hatte, aber auch so traurig, dass du dieses Glück nicht mit mir teilen konntest."

"Die nächsten Jahre habe ich uns mit Kellnern und singen über Wasser gehalten. In all den Jahren verging kein Tag, an dem ich nicht einen Moment an dich dachte."

"Debby, eine Freundin von mir, hat öfters versucht mich mit Männern zu verkuppeln, doch ich konnte nicht. Mein Herz gehörte nun mal dir und keinem anderen."

"Das hat sie nach einiger Zeit eingesehen und es aufgegeben mich zu verkuppeln. Vor ein paar Tagen habe ich mit Sophie den Dachboden aufgeräumt und die Holztruhe von dir wieder entdeckt."

"Sie hat mich nach all den Straßennamen und Tagen gefragt. Also habe ich ihr, schweren Herzens, von ihrem Dad erzählt. Schließlich hatte sie ein Recht darauf zu erfahren, wer du bist", erzählte Maria leise.

Michael nickte und drückte sie fest an sich.

"Du hast mich sicher noch in Erinnerung, dass ich immer über meine Gefühle spreche. Die letzten zwölf Jahre habe ich das nicht getan und an dem Tag habe ich es einfach rausgelassen."

"Ich erzählte ihr, was diese Truhe für mich bedeutete und sie verstand mich, genauso wie du mich auch verstanden hast, nachdem wir uns gegenseitig in die Seele geblickt hatten."

"Sophie hatte sich gefreut, dass ich ihr etwas erzählt habe, doch bei mir hat es den Schmerz wieder zur Gänze hervor geholt. Also saß ich da gestern Abend und habe geweint"

"Dann kamst du endlich wieder und konnte wieder ich sein! Ich liebe dich, Michael", lächelte Maria und blickte zu ihm auf. Er strich sachte über ihre Wange und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

"Ich liebe dich, Maria", lächelte Michael.

*******

"Bist du bereit, Maria?", fragte Michael und drückte ihre Hand. Sie sah zu Sophie und zu Michael. "Ja, bin ich", entgegnete Maria schließlich und sie gingen auf das Crashdown Café zu.

Da es schon sehr spät war, war Liz gerade beim Aufräumen, hinter der Theke beschäftigt, als sie durch die Tür traten. "Wir haben schon geschlossen!", rief sie von der Theke hervor.

"Auch für mich?", fragte Maria mit einem Lächeln auf den Lippen.

Liz blieb für einen kurzen Momente in der Hocke, bevor sie sich aufrichtete und umdrehte. Nur Augenblicke später lief sie hinter der Theke hervor und umarmte Maria so stürmisch, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren.

Die Freundinnen weinten vor Glück und ließen Minuten lang einander nicht los, bis sich Michael räusperte. Liz blickte zu ihm und lächelte. "Danke", sagte Liz und drückte ihn fest an sich.

Setzt euch, ich mache uns ein paar Milchsakes, auch wenn ich die Maschine schon gereinigt habe. Michael legte eine Hand auf Liz Schulter und lächelte sie an.

"Ihr setz euch, ich mach das. Ich nehme an, man muss das Biest nimmer noch zähmen?", meinte Michael, der zur Eismaschine deutete. Lachend nickte Liz und setzte sich mit Maria und Sophie in eine der Nischen.

*******

Am nächsten Morgen fuhr Michael mit Maria und Sophie zum DeLuca-Valenti Haus und parkte davor. Auch, wenn es Michael geschafft hatte Maria nach Roswell zu bringen, sie zögerte zu ihrer Mom zu gehen.

Nach einigen Minuten schließlich stieg Maria aus und Michael und Sophie folgten ihr auf die Terrasse, wo sie den Zweitschlüssel unter dem Gartenzwerg hervor holte.

Sie sperrten die Haustür auf und gingen leise zur Küche, wo Kyle, Jim und ein kleiner blonder Junge schon bei Tisch saßen. Amy stand beim Herd und machte Spiegeleier.

Jim, Kyle und der Junge sahen sie mit großen Augen und wollte etwas sagen, aber sie deutete ihnen leise zu sein. Michael drückte Marias Hand, die nun endlich auf ihre Mom zu ging.

"Mom", sagte Maria leise.

Amy ließ den Pfannenwender fallen und drehte sich langsam um. Als sie ihre Tochter erblickte brach sie in Tränen aus und umarmte Maria, die die Umarmung erwiderte.

So standen sie einige Minuten da und keiner sagte etwas.

Amy löste sich von Maria und strich ihr durch die blonden Haare. "Es ist so schön dich zu sehen, Sweetie. Du hast Hausarrest bis zum Ende deines Lebens! Willkommen, zu Hause", lächelte Amy.

"Ich liebe dich, Mom!", brachte Maria nur noch heraus, als sie ihre Mom erneut fest umarmte. Sie war unendlich glücklich ihre gesamte Familie wieder zu haben.


-The End-



Frohe Weihnachten Euch & Euren Familien!!!
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