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Zweite Chance?!

von bluevato
GeschichteDrama, Romance / P16 / FemSlash
Chiara Nadolny Ina Ziegler
22.12.2020
21.02.2021
34
92.517
6
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.12.2020 4.485
 
Ina hatte sich vor etwa 5 Wochen wieder Mal von Chiara getrennt, da diese ihr die Schuld am schlechten Abschneiden bei der NRW-Meisterschaft gegeben hatte. Vor kurzem trafen sie das erste Mal seit der Trennung wieder aufeinander. Chiara hatte sich so viel von der ersten Begegnung erhofft. Sie hatte sich so viele Worte zurecht gelegt, welche sie Ina sagen wollte. Aber die Köchin hat komplett abgeblockt und ist jeglichem Versuch einer Konversation mit der jungen Eisläuferin aus dem Weg gegangen. Zu tief saß der Schmerz über die Worte von Chiara. Also lief sie lieber davor weg anstatt sich den Problemen zu stellen. Zu groß war die Angst ein weiteres Mal von der jungen Eisläuferin enttäuscht zu werden. Also versuchte sie sich weitesgehend auf ein ruhiges Weihnachtsfest mit ihren beiden Geschwistern und Mo zu konzentrieren.

Derweil in der Steinkamp-Villa: Chiara saß am Weihnachtstag traurig und einsam auf ihrer Bettkante. Sie dachte viel drüber nach, über die Begegnung mit Ina aber auch an den Gedanken auf ein einsames Weihnachten. Sie hatte sich so auf ein tolles Fest mit ihrer Freundin gefreut, da sie zum ersten Mal ein richtiges zuhause hatte und Menschen die sie liebten. Aber nach allem was passiert ist wurde diese Hoffnung zerstört. Sie blickte traurig auf die kleine Holzkiste in dem sie den Brief aufbewahrte, den sie für Ina geschrieben hatte. Ina reagierte weder auf Anrufe noch auf Nachrichten, was Chiara das Herz zerriss. Also beschloss sie, ihre Gedanken auf einem Stück Papier zu verfassen. Die junge Eisläuferin konnte es einfach nicht glauben, dass das mit Ina endgültig vorbei zu sein scheint. Sie erwischte sich immer wieder wie sie an schöne Momente mit der Köchin dachte. Es waren die schönsten 3 Monate ihres Lebens, sie war noch nie so glücklich. Allein der Gedanke an Ina sorgte dafür, dass ihr reihenweise Tränen über die Wangen kullerten. Bis ein Klopfen an der Tür sie aus ihren Gedanken raus riss. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht ehe sie die Tür öffnete.

"Herr Steinkamp? Was kann ich für Sie tun?"

"Die Frage ist wohl eher was ich für Dich tun kann?"

Chiara blickte traurig zu Boden, ihr schossen wieder zahlreiche Gedanken an Ina durch den Kopf. Aber auch der Verlust ihres Vaters und ihrer besten Freunden machten sie traurig.

"Ach ich weiß auch nicht...Es ist alles nur nicht so einfach im Moment". seufzte sie.

"Das verstehe ich. Es war alles andere als ein einfaches Jahr für Dich und ich könnte verstehen, wenn du heute alleine sein möchtest. Aber Weihnachten ist das Fest der Familie und ich würde mich freuen wenn Du Weihnachten mit uns verbringst. Vanessa, Ben, Kim und die Kinder werden auch da sein"

Die junge Eisläuferin schwieg zunächst. Sie hatte inständig gehofft, dass Fest mit ihrer richtigen Familie verbringen zu können. Chiara versuchte ihre Tränen zu unterdrücken.

"Mal sehen..."

"Überleg es dir"

Er stand auf und verließ die das Zimmer. Kaum war er zur Tür raus kamen alle angestauten Emotionen wieder hoch. Trauer, Wut, Verzweiflung, Schmerz und Sehnsucht nach ihrem Lieblingsmenschen. Ihre Hände begannen zu zittern und ihre Tränen konnte sie nicht mehr unterdrücken. Zu groß war der Schmerz über den Verlust ihrer großen Liebe. Die junge Eisläuferin legte sich auf ihr Bett und ließ ihren Emotionen freien Lauf. Kurze Zeit später hatte sich die Eisläuferin aufgerafft und setzte sich wieder an die Bettkante. Ihr fiel direkt die Geschenktüte auf die neben ihrem Nachtkästchen stand, sie hatte schon vor einiger Zeit eine Kleinigkeit für Ina zu Weihnachten besorgt. Sie war hin und hergerissen ob sie es Ina doch geben sollte. Doch dann stand sie auf und zog sich an. Sie nahm die Geschenktüte und den Brief aus der Holzkiste, damit machte sie sich auf den Weg zur Ziegler-Wohnung.

Ihr Herz schlug immer schneller und die Anspannung wurde immer größer, doch Chiara war entschlossen noch einen letzten Versuch zu wagen das Gespräch mit Ina zu suchen, um ihr alles zu erklären und vor allem um sich zu entschuldigen. Sie hatte die Klinke von der Einganstür in der Hand, sie zögerte einen Moment und wollte schon einen Rückzieher machen bis ihr plötzlich eine bekannte Stimme zurief.

"Hey Chiara, alles gut bei dir?"

"Yannick...Naja könnte besser sein, ehrlich gesagt"

"Das mit Ina belastet dich, oder?"

"Ja, sie fehlt mir einfach"..."Ich weiß meine Schwester kann ein echter Sturkopf sein, versuch einfach mit ihr zu reden"

"Das habe ich versucht, aber sie blockt komplett ab"

"Gib ihr Zeit", versuchte Yannick sie aufzubauen.

"Darf ich dich um einen Gefallen bitten?"

"Klar, darfst du!"

"Könntest du das Ina geben? Ich hatte das schon besorgt als wir noch zusammen waren und..."

"Natürlich!", er umarmte sie zum Abschied und die Wege der beiden trennten sich.

In der Ziegler-Wohnung, war alles bereits weihnachtlich geschmückt, der Baum leuchtete bereits wunderschön und der Tisch war gedeckt. Er versteckte die Kiste von Chiara, damit Ina sie nicht auf Anhieb fand. Wenig später kamen Lucie und Ina auch schon mit den Einkäufen zur Tür rein und er half den beiden den Kram zu verstauen. Die Köchin freute sich auf eine schöne Zeit mit ihren Liebsten. Aber auch sie dachte in einem ruhigen Moment an Chiara, sie bedeutete ihr immer noch viel auch wenn sie sich das nicht eingestehen wollte. Auch Ina hatte sich auf ein schönes Fest mit Chiara gefreut, aber jetzt feierte sie eben mit ihren Geschwistern und Mo. Um sich abzulenken fing sie direkt mit den Vorbereitungen für das Abendessen an wobei Yannick und Lucie sie tatkräftig unterstützten.

Währenddessen kam auch Chiara wieder in der Steinkamp-Villa an. Sie war total verunsichert: War es wirklich die richtige Entscheidung Yannick den Kram für Ina mitzugeben? Anderseits dachte sie sich, dass sie nichts mehr zu verlieren hatte. Insgeheim hatte sie jedoch gehofft, dass Ina doch nochmal das Gespräch mit ihr suchen würde. Sie ging auf direktem Weg auf ihr Zimmer und wollte den Abend einfach nur hinter sich bringen. Die Zeit verging und ehe sie sich umsehen konnte war es auch schon Abend. Auch Kim, Ben und Nils waren schon da. Alle begrüßten sich bis Kim plötzlich einwarf.

"Wo ist denn Chiara?"

"Sie wird auf ihrem Zimmer sein...ich hab ihr gesagt, dass ich mich freuen würde wenn sie den Abend mit uns verbringen würde"

"Ich seh mal nach ihr".

Also machte sich Kim direkt auf den Weg zu Chiara. Sie klopfte an der Tür und trat ein nachdem sie ein "Herein" zu hören bekam. Kim sah eine völlig verzweifelte Chiara auf dem Bett liegen, neben ihr das Foto ihres Vaters und sie hatte eines von Ina's Shirts an. Also setzte sie sich zu ihr aufs Bett.

"Ist alles okay bei dir?", fragte Kim vorsichtig.

"Nein, nichts ist okay!", Chiara antwortete ihr Tränenüberströmt.

"Magst du drüber reden?"

Chiara sah sie an und schwieg für einen kurzen Moment, doch dann setzte sie sich auf und ließ ihre Gedanken raus.

"Wo soll ich anfangen: mein Vater ist tot, Nathalie ist weg und dann...", sie unterbrach kurz.

"Ina?", doch Chiara nickte nur.

"Sie fehlt mir so, aber ich habe es verkackt. Sie war, nein sie ist die beste Frau der Welt und immer noch der wichtigste Mensch in meinem Leben"

"Hast du ihr das gesagt?"

"Versucht ja, aber sie hört mir ja nicht mal mehr zu"

"Das braucht Zeit, hörst du! Ihr bekommt das wieder hin, da bin ich mir sicher...ich meine du liebst sie doch, oder?"

"Mehr als alles andere auf dieser Welt", ihr kamen erneut die Tränen.

"Dann kämpf um sie...Und wenn du Ablenkung brauchst wir sind unten. Die Kinder würden sich freuen und Henry fragt auch ständig nach seiner Tante Chiara, also überleg es dir", Kim strich ihr über den Arm und verließ das Zimmer.

Die Eisläuferin dachte lange über das Gespräch mit Kim nach, darüber was sie über Ina gesagt hatte. Und sie war nicht bereit Ina aufzugeben, dafür liebte sie die Köchin zu sehr. Sie hatte ein gutes Gefühl den Brief für Ina abzugeben, sie war dank Kim wieder ein bisschen besser drauf. Also zog sie sich festlich an und und gesellte sich zu ihrer Halbschwester, ihrem Neffen und dem Rest.

Auch in der Ziegler-Wohnung war das Weihnachtsfest bereits in vollem Gange, Mo war bereits gekommen und Ina war mit der Zubereitung des Essens soweit durch. Sie rief alle beteiligten an den Tisch und sie begannen zu essen. Die Köchin zauberte mal wieder ein richtiges Festmahl. Doch dann sah sie auf den Platz neben ihr, der leer blieb. Wie sehr hätte sie ihre Eisdiva heute an ihrer Seite gehabt, sie einfach nur umarmt oder ihr nah zu sein. Die junge Eisläuferin hatte sie viel zu sehr verletzt aber unter die Enttäuschung mischte sich auch das Gefühl der Sehnsucht nach Chiara. Nach dem Essen räumten die Jungs noch das Geschirr vom Tisch und Lucie bereitete die Geschenke vor. Ina verzog sich sich derweil auf den Balkon, sie setzte sich auf einen Stuhl und nahm ihr Handy in die Hand. Sollte sie Chiara schreiben? Die Köchin sah nach oben in den Sternenhimmel und dachte nach, bis ihr plötzlich ein paar Tränen die Wange entlang liefen. Drinnen war alles soweit fertig verräumt und doe Bescherung konnte losgehen.

"Was ist das denn hier?", Lucie fand die Tüte die Yannick zuvor versteckt hatte.

"Ehm das...das ist für Ina"

"Für Ina? Von wem?"

"Von...Chiara"

"Warum hast du es angenommen?", Lucie war sichtlich genervt. Der Gedanke daran, dass Chiara ihre Schwester verletzte machte sie wütend.

"Man Lucie. sie tat mir Leid! Sie hat einen Fehler gemacht ja und es tut ihr leid!"

"Hast du vergessen, was sie Ina an den Kopf geworfen hat?"

"Nein, aber...Ina hat auch Schuld an der Sache. Es ist nicht fair, dass alleine Chiara dafür verantwortlich gemacht wird", er stand auf und nahm das Geschenk von Chiara in die Hand.

Lucie musste sich eingestehen, dass auch Ina eine Teilschuld an dem ganzen Schlamassel trägt. Sie hatte Chiara sicherlich des öfteren zu Unrecht beschuldigt, aber sie konnte ihre Schwester nicht leiden sehen.

"Wo willst du hin?"..."Na zu Ina!"

"Yannick warte...ich geb's ihr"

Lucie nahm ihm die Tüte aus der Hand und gesellte sich zu Ina. Sie nahm ihr noch eine Jacke mit, da das Gespräch wohl länger dauern könnt.

"Was machst du denn hier draußen?"

"Lucie? Ich brauchte mal einen Moment für mich"..."Chiara?", Lucie setzte sich eng neben ihre Schwester und legte ihren Arm um sie.

"Weißt du, ich hatte mich einfach auf ein schönes Fest mit ihr und Euch gefreut"

"Es ist okay wenn sie dir fehlt, das ist normal"

"Ja, aber es ist zu viel passiert und das Thema ist durch für mich. Sie hat mich zu sehr verletzt"

"Das weiß ich, aber wenn du in dich gehst, dann wirst du merken, dass du auch nicht ganz unschuldig bist"..."Was soll das denn jetzt?"

"Schau mal, diese Fake-Beziehung mit Yannick, ja ich weiß du wolltest es ihr leichter machen, damit sie sich mit dem Coming  Out Zeit lassen kann, aber das hat alles nur schlimmer gemacht. Du hast dich schlecht gefühlt, aber glaubst du es ging Chiara anders? Sie hat gesehen wie schlecht es Dir ergangen ist. Du weißt ich bin alles andere als ihr größter Fan, aber sie liebt dich wirklich sehr"

Ina sah ihre kleine Schwester an und wusste nicht was sie sagen sollte. Die Köchin hörte Lucie einfach nur zu und dachte zeitgleich an die Worte nach die sie ihr sagte. Ina bemerkte, dass ihr langsam die Tränen in die Augen schossen.

"Ina, ich will nur das du glücklich bist und das warst du mit Chiara an deiner Seite! Ja sie hat scheiße gebaut und wird es sicherlich noch öfters tun, aber dann redet man drüber. Ich weiß, dass du sie auch liebst"

"Lucie es ist gut! Ich bin mit der Sache durch und möchte mich auf meine Zukunft konzentrieren"

"Wir beide wissen, dass es anders ist aber rede es dir nur weiter ein. Ach übrigens, das hat mir Yannick gegeben"

"Was ist das?"..."Das hat Chiara ihm für dich mitgegeben"

Der Köchin verschlug es die Sprache. Auf einer Seite war sie sichtlich gerührt von Chiara's Geste aber auf der anderen Seite kam wieder die Enttäuschung hoch. Darüber, dass sie so von Chiara verletzt wurde. Sie starrte die Tüte förmlich an und es schossen ihr zig Gedanken in den Kopf. War sie Chiara doch nicht egal? Insgeheim musste sie sich eingestehen, dass sie Chiara immer noch liebte. Aber die Frage die sie sich immer wieder stellte war: Reicht diese Liebe wirklich aus? Ina saß noch eine Weile draußen und ging dann mit der Tüte wieder in die Wohnung zurück wo sie mit Lucie, Yannick und Mo noch den restlichen Abend verbrachte.

Auch Chiara hatte doch einen schönen Abend mit ihrer Halbschwester, den Kindern sowie Ben und Kim. Da Frau Scholz frei hatte mussten sie sich notgedrungen selbst was zum Essen kochen, ob das klappt war die andere Frage. Aber Chiara ging direkt in die Küche um Kim zu helfen.

"Hey Chiara...Hast du es dir überlegt?"

"Ja, hatte da nen kleinen Denkanstoß. Danke Kim"

"Weißt du, manchmal hilft einfach ein Gespräch"

"Ja wenn dein Gegenüber mit dir reden will", sagte Chiara traurig.

"Das mit Ina wird wieder, da bin ich mir sicher. Ihr beiden gehört einfach zusammen"

"Ja das muss ich nur noch Ina verklickern...ich hab Yannick ein Geschenk und einen Brief mitgegeben, also für Ina. Mal sehen ob was kommt"

"Das ist super! Ihr findet wieder zusammen, aber jetzt feiern wir erstmal"

Also trugen die beiden das Essen nach und nach ins Esszimmer wo die anderen bereits hungrig warteten. Zu Chiara's Erstaunen war es doch nicht so übel mit den Steinkamps Weihnachten zu feiern, es gab gutes Essen und die Stimmung war ausgelassen. Für einen kurzen Moment konnte sie ihre Probleme vergessen. Nach dem Essen räumten alle zusammen den Tisch ab und danach war es endlich Zeit für die Bescherung. Die Kinder waren natürlich Feuer und Flamme für die Geschenke und konnten es kaum erwarten diese auszupacken. Alle saßen um den Weihnachtsbaum rum und beobachteten Nils und Henry wie sie dich an die Geschenke machten. Kim und Ben saßen eng nebeneinander. Als Chiara das mitbekam, dachte sie sofort an Ina. Wie gerne würde sie jetzt bei ihr sein. In ihr stieg sofort wieder die Sehnsucht nach ihrer Pommestante hoch.

"Es war ein schöner Abend, aber ich würde ins Bett gehen. Ich bin müde"

Chiara verabschiedete sich von den Gästen und ging hoch in ihr Zimmer. Sie zog sich um und legte sich mit den Gedanken an Ina ins Bett. Die Eisläuferin nahm ihr Handy in die Hand und sah sich ein Foto von Ina an, noch nie hatte sie eine Person so vermisst wie Ina. Es zerriss ihr das Herz heute nicht an ihrer Seite sein zu können. Ihr stiegen in die Tränen in die Augen und sie ließ ihre Emotionen raus und weinte sich in den Schlaf.

Zeitgleich ging auch Ina ins Bett. Sie stellte die Tüte von Chiara zuvor unter den Weihnachtsbaum. Auch Ina dachte noch eine Weile nach. Über die Geste von Chiara aber auch über das Gespräch mit Lucie. Hat sie Chiara unterbewusst wirklich Druck gemacht und sie so zum Outing gedrängt? Hatte Lucie Recht mit dem was sie sagte? Ina war vollkommen verwirrt und überfordert mit den Emotionen. Die Köchin wusste nicht wohin mit ihren Emotionen. Sie nahm ihr Handy raus und tippte auf den Kontakt von Chiara, doch sie zögerte und warf ihr Handy wieder aufs Bett. "Nein, ich bin damit fertig", redete sie sich ein. Es dauerte eine Weile aber schließlich schlief sie auch ein.

Seit dem Weihnachtsfest sind einige Tage vergangen, beide versuchten ein wenig Alltag reinzubringen. Doch so wirklich schien das keiner gelingen zu wollen, da sie sich immer wieder dabei erwischten an die andere zu denken. Chiara hatte weiterhin die Hoffnung, dass Ina sich melden würde und Ina wollte einfach alles vergessen und das alte Jahr hinter sich lassen. Heute war Silvester und Ina wollte sich den Abend nicht kaputtmachen lassen im dem sie Chiara hinter trauert. Also konzentrierte sie sich auf die Vorbereitungen und fuhr zum Großmarkt. Als sie wiederkam, saß Lucie auf dem Sofa.

"Du bist wieder da?"..."Ja war nicht so viel los"

"Hast du nochmal drüber nachgedacht?"..."Worüber?"

"Ina jetzt komm schon, du weißt genau von was bzw von wem ich rede"..."Ja hab ich, aber..."

"Nein Ina, kein aber! Wir beide wissen, was du für Chiara empfindest...Du kannst nicht vor deinen Gefühlen weglaufen"

Lucie's Worte trafen sie wie ein Schlag ins Gesicht. Ihrer Schwester konnte sie noch nie wirklich was vormachen.

"Was...wenn die Gefühle für Chiara nicht ausreichen? Was wenn sie..."

"Sicherlich werdet ihr immer mal wieder streiten, aber das gehört einfach dazu"

"Was ist wenn ich einen Fehler mache?"..."Wir alle machen Fehler genau wie du und ich. Aber geb ihr wenigstens die Chance sich zu erklären...", Lucie stand auf und legte ihr das Geschenk von Chiara vor die Füße.

"Vielleicht, liest du dir einfach mal durch was sie dir zu sagen hat! Wenn du ihr so schn nicht zuhörst"

"Lucie, ich weiß nicht"..."Du wirst es nie rausfinden wenn du den Brief nicht liest, ich muss nochmal los, aber denk drüber nach"

Sie verabschiedete sich und Ina saß alleine in der Wohnung da Yannick auch unterwegs war. Die Köchin dachte über das was Lucie ihr gesagt hatte. Sie nahm den Briefumschlag in die Hand und starrte ihn an, ihr kamen sofort die Tränen. Ina wusste, dass der Inhalt des Briefes wahrscheinlich einiges in ihr auslösen könnte, sie hatte zu viel Angst sich den Emotionen und Gefühlen zu stellen. Aber noch mehr hatte sie Angst Chiara für immer zu verlieren. Also nahm sie all ihren Mut zusammen und öffnete den Brief:

"...und ich weiß, dass ich dran Schuld bin. Es tut mir unendlich Leid...", Ina kämpfte sie sich durch den kompletten Brief doch bei dem Satz "Du wirst für mich immer meine erste große Liebe sein", zerbrach ihr Herz komplett. Sie spürte den Schmerz mit dem Chiara ihr diesen Brief geschrieben hatte. Es tat ihr in der Seele weh, dass Chiara sich so fühlte und es brach ihr richtig das Herz. Die Köchin realisierte, wie sehr auch sie Chiara verletzt hatte. Später kam Lucie wieder und fand eine vollkommen aufgelöste Ina vor. Sie lag komplett verheult auf dem Sofa und hielt den Brief von Chiara in der Hand.

"Ina, ist alles okay?"

"Nein gar nichts ist okay! Ich bin ein schlechter Mensch und habe Chiara gar nicht verdient"

"Wovon redest du?"..."Der Brief, ich habe sie echt verletzt, Lucie"

"Du hast ihn gelesen?"..."Ja  und du hattest Recht, ich liebe sie! Ich hab nie aufgehört sie zu lieben"

"Das weiß ich doch"..."Was soll ich jetzt tun?"

"Rede mit ihr!"..."Was wenn sie mir nicht zuhören will?"

"Finde es raus! Sie ist heute auf der Silvesterparty, das ist deine Chance"

Lucie gab ihrer Schwester einen Kuss auf die Stirn. Die beiden fingen an sich für die Party aufzuhübschen. Derweil in der Villa, eigentlich war Chiara so gar nicht in Partystimmung. Sie hatte immer wieder gehofft, dass Ina sich melden würde, aber das war bis dato nicht der Fall. Vielleicht war es an der Zeit einzusehen, dass das mit Ina endgültig vorbei war. Plötzlich klingelte ihr Handy und eine SMS von Yannick ging ein: "Heute Party im Zentrum, bist du dabei?", schrieb er. Chiara zögerte kurz und entschloss sich dann doch zur Party zu gehen. Sie informierte Yannick und begann sich fertig zu machen.

Angekommen auf der Party begrüßte die Eisläuferin eine Reihe von Gästen, inklusive den Steinkamps und Jenny. Sie nahm sich einm Glas Champagner und setzte sich in die Lounge bis ihr plötzlich Yannick Gesellschaft leistete.

"Na du, schön dich zu sehen"..."Yannick hey"

"Alles gut bei dir?"..."Ich komm klar, ja"

"Du ich hab Ina dein Geschenk gegeben, bzw. Lucie hat es"..."Danke", sagte Chiara traurig.

"Hey sie wird sich melden", er strich ihr über den Rücken und ging.

Später tauchten auch Lucie und Ina auf der Party auf. Sie begrüßten ihre Freunde und freuten sich auf einen ausgelassenen Abend. Ina war mit den Gedanken aber ganz woanders. In der Hoffnung, dass keiner sie beobachtete, sah sie sich um ob Chiara hier irgendwo ist. Die Nervosität war ihr ins Gesicht geschrieben was sie vor Lucie nicht verbergen konnte. Ina wurde immer unruhiger.

Auch Chiara's Abend war nicht so berauschend. Sie war umgeben von glücklichen Paaren die gemeinsam ins neue Jahr feierten, die Eisläuferin hatte sich so sehr gewünscht gemeinsam mit Ina ins neue Jahr zu feiern, aber jetzt saß sie ganz alleine da. Sie nahm sich ihr Glas Champagner, ihre Jacke und verließ das Zentrum.

Die Stunden vergingen und plötzlich war es 22:30 Uhr und Ina hatte Chiara immer noch nicht gefunden. Sie wollte unbedingt noch im alten Jahr mit ihr reden. Die Köchin wurde immer nervöser, was auch Lucie nicht entging.

"Ina?"..."Hmm?"

"Geh sie suchen"..."Aber die Party...?

"Du hälst doch schon den ganzen Abend nach ihr Ausschau, also schnapp dir deine Jacke und los. Ich komm klar"..."Danke Lucie!"

Also nahm Ina ihre Jacke und suchte nach der Eisläufern. Sie lief durch das ganze Zentrum, aber keine Spur von Chiara, so langsam machte sich die Angst bemerkbar, was wenn sie zu lange gewartet hatte? Die Köchin suchte auch draußen nach Chiara und suchte alles ab. Bis sie die Eisläuferin auf der Bank sitzen sah. Eine Bank die die beiden immer wieder verbinden wird. Dort hat alles angefangen und dort soll es weitergehen. Mit kleinen Schritten näherte sich die Köchin der Bank. Mit jedem Schritt schlug ihr Herz schneller und stärker. Eine geballte Ladung Angst und auch Emotionen stiegen auf. Wird Chiara ihr zuhören? Sie kam immer näher und sah, dass Chiara's Gesicht tränenüberströmt war. Plötzlich stand sie vor ihr.

Chiara bemerkte, dass jemand vor ihr stand. Ohne zu gucken wusste sie genau, wem diese Schuhe gehörten. Das Parfüm welches Ina trug würde sie Kilometerweit riechen. Die Eisläuferin zögerte erst sah, sah dann aber doch nach oben direkt in die großen braunen Augen von Ina.

"Ina?", Chiara wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Hey", flüsterte sie.

"Was machst du hier?"...."Ich hab dich gesucht, darf ich?"

"Klar, setz dich", die Köchin setzte sich mit etwas Abstand zu Chiara auf die Bank. Beiden war die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Chiara traute sich nicht sie anzusehen und Ina vermied zunächst auch den Blickkontakt zu ihrer Exfreundin. Die beiden saßen stillschweigend nebeneinander bis Ina plötzlich das Wort ergriff.

"Ich hab deinen Brief gelesen und er hat mich wiklich sehr berührt"

"Wieso hast du nichts gesagt?"...."Ich musste erstmal drauf klarkommen"

"Ina, ich wollte dir so viel sagen, aber du hast mir keine Chance gegeben"..."Ich weiß, aber du musst verstehen, dass du mich echt verletzt hast"

"Das weiß ich! Ich weiß, dass ich dich sehr verletzt habe mit den Dingen die ich dir an den Kopf geworfen habe"..."Okay, dann sag mir was du zu sagen hast und ich verspreche ich hör dir zu"

"Mich zu outen und zu dir zu stehen war alles andere als ein Fehler und ich bereue es auch nicht im Gegenteil. Du hast mich zu nichts gedrängt und es war nicht fair dir das vorzuwerfen. Es ist einfach alles so neu für mich, weißt du...Ich habe noch nie jemanden so geliebt wie dich und ich tu es immer noch. Ich wollte dir mit dem Outing zeigen, dass ich dich liebe und ich wollte einfach jedem zeigen können wie glücklich ich mit dir bin"

"Chiara du hast mir vorgeworfen, ich wäre schuld an deiner schlechten Bewertung"..."Und das war nicht fair. Es kann mir total egal sein, was die Richter von der ganzen Sache halten, ich habe falsch gehandelt und es an der falschen Person rausgelassen. Du warst immer für mich da...Du hast mir immer geholfen wo du nur kannst, auch mit dieser Fake-Beziehung"

"Also, ich war vielleicht nicht ganz unschuldig an der Sache. Ich meine die Beziehung mit Yannick war meine Idee ja, aber ich wusste einfach nicht wie schwer es mir fallen wir die Frau die ich liebe mit jemand anderem zu sehen, auch wenn es nur mein Bruder ist. Aber ich hab das einfach nicht mehr ausgehalten. Ich wollte diejenige an deiner Seite sein, die all diese tollen Dinge mit dir erleben darf. Und ich seh ein, dass ich dir unbewusst Druck gemacht habe, Chiara es tut mir Leid"

Die beiden sahen sich tief in die Augen und sofort war die Vertrautheit wieder da. Die Sehnsucht und das Verlangen wurde immer größer und intensiver. Ina stand auf und setzte sich ein stückchen näher zu Chiara.

"Nein mir tut es Leid, ich war total unfair zu dir. Ich hab dir Sachen an den Kopf geworfen...Ich hab dich verletzt und glaub mir das ist das letzte was ich will. Ina, ich weiß es ist einiges schief gelaufen und es war wahrscheinlich alles meine Schuld. Aber ich bin bereit an meinen Fehlern zu arbeiten, wenn du mir die Chance dazu gibst. Ich will dich einfach nicht verlieren. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben!"

Die Eisläuferin schüttete Ina ihr Herz aus in der Hoffnung irgendwas bei ihr bewirken zu können. Sie sah Ina tief in die Augen und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

"Ina...glaubst du wir haben noch eine Chance oder ist es endgültig vorbei?", fragte die Eisläuferin.
 
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