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Four Summers at Chesterty Hall

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
21.12.2020
19.04.2021
32
51.998
4
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
21.12.2020 1.705
 
Hi ihr Lieben, :))

willkommen zu dieser kleinen Geschichte von mir, die mir von allem, was ich bisher geschrieben habe, am Meisten am Herzen lag.
Updates kommen jede Woche, immer Montags und ich möchte mich schon mal im Voraus für alle netten Leser bedanken, die sich die Mühe machen hier rein zu lesen und denen die Geschichte hoffentlich gefallen wird. :)
Über Reviews würde ich mich natürlich auch sehr freuen. :D
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen.

LG Klara
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Das letzte Zimmer des Hauses, nahe des Dachstuhls, lag noch im abgedunkelten Zustand der mit Blumenmustern bedruckten Vorhänge, während draußen auf dem Hof und über den Weiten des Anwesens bereits helle Sonnenstrahlen, jeden Hektar in gleißendes Licht hüllten und die warme Sommerluft den Beginn eines neuen Tages einläutete.
In den Sträuchern hinter den Wiesen und auf den Wiesen selbst, die mit bunten und allerlei schönen Blumen bestückt waren, hielten die Geräusche der Natur Einzug und verkündeten, dass die Tierwelt und alle anderen Lebewesen rund um das Haus und im Inneren des Hauses bereits erwacht waren.
So zirpten die Grillen munter im Einklang mit den quakenden Fröschen, die einen Abhang tiefer am Fluss hockten und sich die summenden Fliegen als erste Mahlzeit des Tages einverleibten, während diese ohne jedwede Gefahr zu wittern über das klare Wasser surrten.
Im Garten vor dem Haus, arbeiteten bereits die Gärtner an den wertvollen Rosenbüschen und die Köchin Bertha hatte das Frühstück für sieben Leute bereits komplett hergerichtet und wartete nur noch darauf, dass die zwei Hausdiener alles zu Tisch trugen.
Derweil regte sich im Zimmer des Dachstuhls weiter nichts, als das leise Geräusch von Unmut, das einen überkam, wenn man zu lange und zu tief geschlafen hatte und nun bemerkte, dass es schon zu spät war, um sich noch eine weitere halbe Stunde in das komatöse Traumland zu begeben, das man nur schweren Herzens durch irgendein Geräusch oder eine Gefühlsregung verlassen musste.
Josephine Ellis, ein zartes Geschöpf von zwölf Jahren, mit blondem recht kurzem Haar, erwachte aus einem dösigen Zustand, in folge dem sie sich zuerst benommen, dann wieder müde und schließlich zu kraftlos fühlte, um das schöne große Himmelbett ihrer älteren Schwester zu verlassen, die direkt neben ihr lag und immer noch seelenruhig schlief.
Clarissa Ellis war eine junge Schönheit mit Zweifelhaftem Ruf, den sich ihre Eltern vor etwa vier Jahren in ihrer Macht sahen begradigen zu müssen, indem sie ihr drittjüngstes Kind auf ein englisches Mädcheninternat schickten, wo man sich an ihrer Tochter lange Zeit die Zähne ausgebissen hatte, bis sich schließlich zwei Jahre zuvor kurz vor ihrem Eintritt an die Universität Oxford, ein erstaunlicher und die Eltern sehr zufriedenstellender Lebenswandel mit ihr vollzogen hatte.
Clarissa die von jeher eigensinnig war und immerzu unpassende Dinge gesagt und getan hatte, die in höheren Kreisen nicht gern gesehen wurden, wie das Äußern einer lautstarken mit etwaigen Beleidigungen gespickten Meinung über eine bestimmte Person ihres näheren Umfeldes und anderer Dinge, die sich für eine hübsche junge Dame in ihrem Alter nicht schickten, war nun ein beherrschtes und elegantes Mitglied dieser Familie geworden, auf das die Eltern ganz besonders stolz waren, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr, wie so oft auch nach ihrer charakterlichen Begradigung, wie Mr und Mrs Ellis den Fortschritt ihrer Tochter nannten, ein weiteres Missgeschick passierte, ob absichtlich oder nicht.
Die kleine Schwester und mit Abstand ihre liebste Schwester, (denn Clarissa hatte zwei), wusste um das schwierige Verhältnis der Eltern mit ihrer Drittältesten, das im Großen und Ganzen auf einem ständigen Tanz beharrte, bei dem es sich empfahl den Eltern nicht ausversehen auf die Zehen zu treten.
Infolgedessen begann Josephines Herz rasch zu pochen und ein Schub ähnlich dem von Adrenalin strömte durch ihren Körper, als sie auf die vergoldete Rosenquarzuhr auf Clarissas hellem Eichenholznachttisch spähte und die Uhrzeit erblickte.
„Rissa! Rissa, wach auf! Es ist gleich neun, wir kommen zu spät zum Frühstück!“, rief Josephine, die ihre große Schwester an der Schulter rüttelte und eilig vom Bett sprang, wobei sie sich beinahe in den weißen Vorhängen verhedderte, die noch offen um das Geländer drapiert waren.
Clarissa, die schon immer eine Spätaufsteherin gewesen war, verstand im ersten Augenblick des Erwachens das laute Rufen ihrer Schwester und die dramatische Rüttellung an ihrer Schulter nicht, doch nachdem die Worte noch einmal in aller Hast wiederholt zu ihr durchdrangen, sprang sie ebenfalls erschrocken aus dem Bett, wies ihre Schwester an schnell auf deren eigenes Zimmer zu laufen und sich anzukleiden, während sie selbst das Bett in Ordnung brachte, die Fenster lüftete und sich innerhalb von fünf Minuten ein weißes luftiges Sommerkleid überwarf, sich die Haare bürstete und auf dem Flur erneut mit ihrer kleinen Schwester zusammentraf, die sie wie eine Fremdenführerin eilig über den Flur, die erste Wendeltreppe hinunter, in den ersten Stock führte, dann auch diesen Flur zur Hälfte überquerte, ehe sie zu einer geraden Holztreppe gelangten, die seitlich auf die große prunkvolle Mahagonitreppe in der Eingangshalle des Hauses führte.
Von dort befand sich auf der rechten Seite der Speisesaal, an dem sich bereits alle übrigen Mitglieder der Familie eingefunden hatten, während Mr Ellis in seinen faltigen Händen eine goldene Taschenuhr empor hielt und die letzten Sekunden abzählte, die seine beiden Töchter davon abhalten würden sich zu verspäten und kurz bevor die letzten drei Sekunden verstreichen konnten, eilten die kleine blonde Josephine und die nur um wenige Zentimeter größere, aber dafür fast zehn Jahre ältere Clarissa in den Raum und nahmen die beiden freien Plätze auf der linken Seite neben ihrem Vater ein, der an diesem Morgen besonders gut gelaunt zu sein schien, denn er befand den kleinen Endspurt, den seine Töchter ihm da geliefert hatten gerade noch für amüsant, wären sie zu spät gekommen, hätte das wohl anders ausgesehen.
„Wie schön, dass jetzt alle anwesend sind“, sagte Mr Ellis gewichtig, als spräche er zu einer Versammlung wichtiger Männer des Londoner Innenministeriums, wo er seit fast dreißig Jahren eine hohe Stellung inne hatte, die ihn oft davon abhielt persönlich auf dem Landgut seiner Familie anwesend zu sein.
Neben Mr Ellis zu dessen rechter Seite saß Mrs Ellis, die mit allem Einverstanden war, was ihr Mann tat, sagte und befahl, sie war eine mittelgroße Frau von großer Schönheit, die sie alle an ihre drei Töchter weitervererbt hatte.
Leider war Schönheit alles, in was Mrs Ellis wirklich glänzte, eine eigene Meinung besaß sie nicht und war grundsätzlich mit allem Einverstanden, was man ihr sagte, solange es nichts Ungehöriges oder Ungesetzliches war.
Neben Mrs Ellis saß ihre älteste Tochter Celia, neben Celia saß der älteste Spross der Familie; Thomas mit einem heiteren Lächeln, dass die beinahe Verspätung seiner Schwestern ausgelöst hatte und zu Thomas rechter Seite befand sich Richard Sweeting, ein enger Freund und Studienkollege von ihm, der seit jeher mit der Familie in geschäftlicher sowie auch in freundschaftlicher Hinsicht verbunden war.
Dass der freundschaftliche Teil sich dabei nur auf die Eltern und Thomas bezog, war eine Geschichte, der es Erläuterung bedarf, ebenso wie den verzehrenden teils sogar anstößigen Blicken, die Mr Sweeting, Clarissa Ellis zuwarf.
Clarissas Wangen erröteten, obwohl sie nicht zu ihm hinsah, denn trotz aller Bemühungen ihn zu ignorieren, spürte sie doch wie sich sein brennender Blick in ihren Schädel bohrte und wäre der Abstand zwischen ihnen durch die breite Speisetafel nicht so groß gewesen, hätte sie am liebsten nach ihm getreten und es wäre ihr gelichgültig gewesen, ob ihre Eltern sie dafür gescholten hätten.
Da dies allerdings nicht möglich war, entschied sie sich dafür all ihre Aufmerksamkeit ihrem Frühstück und dem Vater zuzuwenden, der den am Tisch sitzenden mitteilte, dass er den ganzen Tag im Ministerium verbringen würde und wohl erst spät am Abend oder am nächsten Tag zurückkommen werde.
Mrs Ellis drückte dahingehend ein leises Seufzen aus, das wohl Anteilnahme für die schwere Stellung ihres Mannes ausdrücken sollte, doch in Wahrheit wusste sie einfach nicht, was sie sonst antworten sollte und in Gedanken war sie bereits bei den prächtigen Rosenbeeten, die sie den Gärtnern vor dem Haus in Auftrag gegeben hatte und die sich wunderbar neben dem Gewächshaus machen würden, ein Hobbie von dem sie immer beteuerte, dass es sie jung und frisch hielt, sie selbst aber keinen einzigen Finger bei der Anpflanzung der Blumen rührte, einzig und allein das Ansehen der exotischen Blumen, schien ihr Wohlbefinden zu gewährleisten und das war alles was für sie und auch für Mr Ellis zählte, der das ganze Projekt einschließlich des im letzten Jahr entstandenen Gewächshauses, das ganz aus Glas bestand, bewilligt und bezahlt hatte.
„Und was sind eure Pläne für den heutigen Tag?“, erkundigte sich Mr Ellis und holte somit auch seine in Gedanken abwesende Frau wieder in die Gegenwart zurück.
„Oh, ich werde nach dem Gewächshaus sehen, es ist ja alles so hinreißend geworden!“, sagte sie sofort, woraufhin sich ihre vier Kinder am Tisch einen vielsagenden Blick zuwarfen und sich allesamt ein Lachen oder ein Schmunzeln zu verkneifen versuchten.
„Ich habe ein Stück geschrieben, Clarissa ist die Hauptdarstellerin, wir werden den ganzen Tag üben und schwer beschäftigt sein“, sagte Josephine freudig, aber mit einem Unterton der besagte, man solle es nicht wagen ihr die kostbare Zeit mit ihrer gerade erst wieder heimgekehrten Schwester auf irgendeine Weise zu stehlen.
„Das klingt wunderbar, ich werde mir dein Stück ansehen, sobald ihr mit den Proben fertig seid“, erwiderte Mr Ellis mit einem gutmütigen Lächeln, mit dem er beide Töchter bedachte, was Clarissa sauer aufstieß, da sie wusste, dass ihr Vater noch irgendetwas für sie vorbereitet hielt, jetzt wo sie ihren Studienabschluss so gut wie in der Tasche hatte und eigentlich darauf hoffte, dass sie damit aus den elterlichen Fängen entlassen werden würde.
„Vielleicht sollten wir uns die Proben ansehen, wenn du nichts dagegen hast“, sagte Thomas spaßeshalber und wandte sich an seinen Freund Mr Sweeting, woraufhin Clarissas Kopf sich etwas zu schnell von ihrem Frühstück empor hob und diesen mit einem warnenden Gesichtsausdruck ansah.
Doch bevor Mr Sweeting etwas erwidern konnte, sprang Josephine für alle Beteiligten ein.
„Ihr werdet alle Anwesend sein müssen, ihr habt auch Rollen in meinem Stück.“
Und damit betrachtete sie auch Mr Sweeting den sie eben so wenig leiden konnte, wie ihre Schwester Clarissa, doch er würde sich trotzdessen und gerade eben deshalb, als verhasster Gegenspieler in ihrer tragischen Inszenierung einer Romanze bestens eingliedern und darum war er für das Ensemble genau wie alle anderen Figuren unabkömmlich.
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