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More Than This

von Flex4322
GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Gen
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
21.12.2020
11.04.2021
7
16.915
3
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13 Reviews
Dieses Kapitel
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21.12.2020 1.518
 
Bis zu dem Tag, an dem Ellen McClanahan erfuhr, dass auf ihr Mädcheninternat, welches sie bereits seit zwanzig Jahren führte, zwei junge Männer aufgenommen werden sollten, verlief alles ganz normal. Der tägliche Ablauf hatte sich seit vielen Jahren bereits eingespielt. Sie stand um sechs Uhr in der Früh auf, mache ein paar Yoga-Übungen zum wach werden, nahm eine ausgiebige Dusche und nahm im Anschluss ein kohlenhydratfreies Frühstück mit einer Tasse Kaffee und einem Glas Orangensaft zu sich. Nachdem sie all ihre Unterlagen für den Tag gerichtet hatte, fuhr sie im Anschluss in das Internat, schloss das große Eisentor auf und widmete sich ihren Arbeiten, die sich angehäuft hatten. An einem frühen Montagmorgen änderte sich diese Routine schlagartig, als sie einen Brief vom Schulamt öffnete, den sie am Freitag nicht bearbeitet und stattdessen auf einen der Stapel auf dem Schreibtisch gelegt hatte. Der Brief besagte, dass ihre geheiligten Hallen in Zukunft auch für junge Männer geöffnet werden sollten und daher nun ein Testballon mit zwei jungen Herren gestartet werden sollte. Immer und immer wieder las die die Zeilen des Briefes durch, schüttelte den Kopf und konnte es nicht fassen, wieso ihr dies passieren konnte. Sie fragte sich, warum sie den Brief am Freitag nicht bearbeitet hatte, sondern ihn liegen ließ. Hätte sie ihn direkt geöffnet, hätte sie über das Wochenende reagieren können und das Schulamt davon überzeugen können, ihre Entscheidung ein zweites Mal zu überdenken und die Katastrophe abwenden können. Daran, dass die Behörde am Wochenende nicht geöffnet hatte, sondern nur unter der Woche für Fragen und Anregungen zu Verfügung stand, vergas sie in ihrem Ärger vollkommen. Dieser Tag würde alles verändern.

Kurz vor dem Zeitpunkt, an dem die beiden neuen Mitschüler eintreffen sollten, saß die Direktorin mit ihrem Stellvertreter George King in ihrem Büro. Unruhig lief sie hinter ihrem Schreibtisch auf und ab. Ihre Stimme stieg eine Oktave höher, während sie lautstark protestierte.
„Das Schulamt hat mich benachrichtigt und beschlossen, dass mein Internat im nächsten Jahr ein gemischtes werden soll. Sie waren der Meinung, dass ein reines Mädcheninternat in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar wäre und die Prinzipien veraltet wären. Daher werden hier ab dem nächsten Jahr junge Männer unterrichtet werden. Zum Testen senden Sie uns vorab zwei Herren zu, die als Testballon fungieren werden. Ich kann das nicht dulden, George. All die Jahre hat es reibungslos funktioniert. Wo sehen die Idioten vom Amt jetzt das Problem. Es ist unverständlich für mich. Einfach nicht verständlich.“
„Aber Ellen, wir werden die beiden jungen Männer doch nicht wieder auf die Straße setzen wollen, bevor sie überhaupt einen Fuß auf das Gelände gesetzt haben“, konterte George. „Sie haben ein Recht auf ihre Schulbildung. Es ist egal, wo diese sein wird, ob bei uns, in London oder einem kleinen Kaff im Norden von England. Wir können doch erst einmal schauen, wie es läuft und danach eine Entscheidung treffen. Du hattest vorhin etwas von Probezeit erzählt, wie lange soll diese andauern? Haben sie etwas in dem Brief erwähnt?“
„Ein halbes Jahr und keinen Tag kürzer. Das haben sie mir in diesem verdammten Schreiben ausdrücklich mitgeteilt. Ich verstehe das nicht. Wieso ausgerechnet mein Internat? Warum haben die entschlossen, dass wir Männer aufnehmen sollen? Ich kann die Entscheidung von dieser Mrs. Wells nicht verstehen. Ich werde später dort anrufen müssen. Das kann und werde ich nicht zulassen. Nein, es ist nicht tragbar. All die Jahre hat es auch funktioniert. Ungefähr fünfzig Kilometer weiter ist ebenfalls ein reines Mädcheninternat. Wieso konnten sie nicht dieses wählen? Warum ausgerechnet meins?“
„Vielleicht haben die anderen Schulen, sofern andere in Betracht gezogen wurden, mehr Schülerinnen? Es ist bekannt, dass wir viele freistehende Zimmer haben und unsere Kapazitäten noch nicht ausgeschöpft haben. Das könnte wohl möglich ein Grund sein. Ich kann es dir nicht sagen. Möchtest du eine Antwort, so wende dich an diese Mrs. Wells. Ich kann dir hierbei nicht helfen. So leid es mir tut.“
„Das mag sein. Dennoch können sie mich nicht überrumpeln. Es wäre höflich gewesen, wenn die Information ein paar Wochen früher gekommen wäre und nicht erst ein paar Tage davor. Sie haben uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich glaube es nicht!“
George versuchte seine Kollegin zu beruhigen, was jedoch nicht möglich war. Ellen hatte sich in Rage geredet und regte sich extrem über das Schreiben in ihrer Hand auf. Immer wieder wanderte ihr Blick auf den Zettel, den sie im Anschluss kopfschüttelnd sinken ließ, um ihn wieder hochzuheben. Er verstand, dass es nicht einfach war, aber es war bereits mehrfach bei Tagungen im Gespräch gewesen, die Situation zu ändern. Einzig und allein Ellen konnte davon nicht überzeugt werden. Sie hielt an ihren Ansichten von vor Jahren fest und verbiss sich in diesen, ohne einen Blick nach links oder rechts zu machen. Der typische Tunnelblick. Dass sich die Zeiten geändert hatten, berücksichtigte sie nicht. Ihr Stand war noch zwanzig Jahre zuvor.
„Nur mit der Ruhe, Ellen. Wir schauen uns die beiden an und im Anschluss, nach den sechs Monaten, kannst du dafür oder dagegen stimmen.“
„ Als ob das etwas ändern würde. Sie wollen eine Entscheidung kurz nachdem die Probezeit abgelaufen ist. Wie ich es dem Schreiben entnehmen kann, werden sie unangemeldet und in unregelmäßigen Abständen uns einen Besuch abstatten und die Lage überprüfen.“
„Wir werden sehen, wie es läuft. Ich setze das Kollegium in Kenntnis und werde ebenfalls die Herren in Augenschein nehmen, wie sie sich bei uns einfügen und mit unseren Schülerinnen zurechtkommen. Ich werde mich als ihr Vertrauenslehrer anbieten, dass sie jederzeit auf mich zukommen können, sollten Probleme auftreten.“
„Das Problem sind die zwei!“
Dennoch nickte Ellen zustimmend. Ihrer Miene war zu entnehmen, dass sie alles andere als begeistert über die Wendung war, allerdings keine andere Wahl hatte. Das Amt hatte entschieden und würde diese Entscheidung umsetzen, egal wie das nächste halbe Jahr verlaufen würde oder nicht. Die Fitzwilliam Boarding School war die längste Zeit ein reines Mädcheninternat gewesen. Die Zeiten hatten sich geändert. Damit löste sich dieses Gespräch am frühen Morgen auf. George verließ das Büro der Schulleiterin und machte sich auf den Weg in das Lehrerzimmer. Er würde seine Kollegen über die Neuankömmlinge informieren. Ellen, die weiterhin in ihrem Büro auf und ab ging, wurde von Minute zu Minute nervöser, je näher die Stunde rückte. Die Anspannung war ihr ins Gesicht geschrieben. Um sich abzulenken, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und erledigte ihre Arbeiten. Das Schreiben des Amtes erschien regelmäßig in ihrem Blickfeld, weshalb sie sich auf nichts anderes konzentrieren konnte, was sie sich vornahm. Letztendlich ließ sie es ganz bleiben und überlegte, wie sie ihren Schülerinnen beibrachte, dass im Laufe des Vormittags zwei neue Schüler kamen. Sie setzte sich an ihren Computer, öffnete ein Word-Dokument und begann damit, eine Rede zu schreiben. Ellen entschied, dass sie kurzfristig eine Schülerversammlung einberufen würde und alle informieren würde.

„Guten Morgen, meine Damen. Ich bitte diese kurzfristige Unterbrechung Ihres Lehrplanes zu entschuldigen.“ Ellen stand in der Aula auf dem Podium und war an das Rednerpult heran getreten. Vor sich legte sie die kurze Rede ab. „Heute Morgen habe ich durch das Schulamt erfahren, dass wir in Zukunft auch Herren in unseren Schulräumen beherbergen werden.“ Ein Raunen und Tuscheln ging durch die Reihen. Die Schülerinnen steckten ihre Köpfe zusammen. „In etwa einer Stunde, mehr oder weniger, werden zwei von ihnen, zur Testphase für ein halbes Jahr, bei uns eintreffen. Ich bitte Sie, empfangen Sie die Neuankömmlinge freundlich, kommen Sie ihnen entgegen, helfen Sie ihnen, wenn sie Fragen haben und freunden sich mit ihnen an. Sie werden in den besagten sechs Monaten, mit Teilen von Ihnen den gleichen Unterricht besuchen. Die Lehrerschaft und ich stehen mit Fragen, Anregungen und auch Sorgen gerne zu Ihrer Verfügung. Über die Namen und deren Alter bekomme ich selbst erst Information, wenn sie bei uns eingetroffen sind. Ich bitte Sie, sollten Sie sehen, wie der Kleinbus der Schule auf unseren Hof fährt, setzen Sie mich in Kenntnis. Wir möchten unseren Neuankömmlingen einen schönen Start in ihre neue Schule ermöglichen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, am Freitag eine kleine Willkommensparty für sie zu organisieren. Freiwillige, die sich zur Partyplanung und Gestaltung melden möchten, wenden sich bitte an Mr. King. Er wird die Leitung hierfür übernehmen. Während seiner Sprechzeit heute Mittag haben Sie die Möglichkeit, ihn in seinem Sprechzimmer aufzusuchen und sich bei ihm ihn die Liste einzutragen. Er wird Ihnen verschiedene Aufgaben zuteilen.“ Sie stoppte kurz und sah in die Gesichter ihrer Schülerinnen. Neugierde, Angst und Vorfreude spiegelten sich in ihnen. „Sehr schön. Ich danke Ihnen, für die Aufmerksamkeit und wünsche ich Ihnen einen schönen restlichen Schultag.“
Sie beendete ihre Rede, faltete die Papiere zusammen und verließ das Podium. Die Lautstärke in der Aula stieg, mit Beendigung, um ein Vielfaches an. Die Schülerinnen redeten wild durcheinander, stellten Mutmaßungen auf und gestikulierten mit ihrem Gegenüber. Ellen bahnte sich einen Weg durch die Menge und schritt direkt auf ihre Schulsprecherin zu. Vorsichtig zog sie diese beiseite und besprach mit ihr den weiteren Tagesablauf und die Ankunft der Neuen. Im Anschluss machte sie sich auf den Weg zurück in ihr Büro und widmete sich der angefallenen Arbeit und wartete auf den Zeitpunkt, an dem der Kleinbus auf dem Gelände ankam.
 
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