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Die Grüne Königin

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
21.12.2020
12.04.2021
16
38.708
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
21.12.2020 1.525
 
Kurz vorweg, ich freue mich nach langer Zeit, endlich wieder eine Geschichte mit euch zu teilen.
Die Geschichte ist bereits fertig geschrieben, also braucht ihr keine Angst haben, dass es nicht weiter geht. Ich werde regelmäßig einmal pro Woche ein Kapitel oder vielleicht auch mehr reinstellen.
Ich danke meiner besten Freundin, dass sie wieder meine Beta-Leserin ist.
Euch ist bestimmt schon in der Kurzbeschreibung aufgefallen, dass Captain Hook vorkommen wird. Es hat aber nichts mit Peter Pan zu tun, auch wenn hier und da Verbindungen dazu bestehen.


Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Und lasst gerne ein Review da ;)
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Das flackernde Licht der Kerze tanzte über die Buchseiten, über die ich gebeugt saß, sodass die Buchstaben und Wörter vor meinen Augen zu verschwimmen drohten. Ich betrachtete die verschnörkelte Schrift, ohne eine Silbe zu lesen, da ich den Inhalt sowieso schon kannte. Es ging um einen jungen Mann, der mit seinem Schiff die Welt bereiste. Er entdeckte neue Orte, neue Menschen, ein ganz neues Leben lag zu seinen Füßen, doch irgendwann merkte er, dass er nicht wirklich glücklich war. Nicht so glücklich wie in der Zeit, die er mit einer jungen Frau verbracht hatte. Daraufhin kehrte er zurück zu der Frau, die er liebte und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende. Diese hoch romantische Lektüre war das Einzige, was mich auf diesem verdammten Schiff, auf dem ich festsaß, unterhalten sollte. Wie ermüdend, vor allem, wenn man nicht daran glaubte, dass ein Mann seine Abenteuer für eine Frau aufgeben würde, die er kaum kannte. Die Liebe war doch ein höchst seltsames Gefühl. Seufzend lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück. Gelangweilt strich ich mir das lange rote Haar aus dem Gesicht. Das Philosophieren brachte mich auch nicht weiter, nein, es stimmte mich noch trüber, als zuvor. Mehr als drei Wochen waren wir schon auf der Reise zu meinem Onkel. Es blieb mir schleierhaft, warum meine Eltern auf diesen Besuch bestanden, zumal Herzog Adrian von Starling uns das letzte Mal vor ungefähr sechs Jahren mit seiner Anwesenheit beehrt hatte. Er war der jüngere Bruder meines Vaters und nicht gerade der Inbegriff von angenehmer Gesellschaft.

Meine Gedanken wurden in diesem Moment von hektischen Schritten auf Deck unterbrochen. Verwundert lauschte ich, bis die zuvor gedämpften Rufe immer lauter wurden. Da stimmte irgendetwas nicht. Normalerweise war es gegen Abend sehr ruhig auf dem Schiff. Das Wetter konnte nicht der Grund sein, denn wenn ein Sturm aufzog, wäre der Wellengang erheblich stärker. Also beschloss ich nachzuschauen. Ich raffte meine Röcke zusammen und stieg die Treppe zum Hauptdeck empor, meine Schuhabsätze machten dabei dumpfe Geräusche auf den Holzplanken. Auf dem Deck herrschte ein panisches Durcheinander, während der Captain seine Befehle dazwischen brüllte. Dann entdeckte ich meine Eltern an der Reling stehen, sie schauten in die Ferne. Als würden sie meine Anwesenheit spüren, drehten sie sich zu mir um. »Camille, geh wieder unter Deck und bleib dort!«, befahl Vater im nächsten Augenblick.

»Was ist denn los?« Ich machte einen Schritt auf sie zu.

»Tu was dein Vater sagt«, erwiderte Mutter und deutete auf die Treppe, die ich eben erst erklommen hatte. Ohne weiter zu widersprechen, was sowieso nichts gebracht hätte, ging ich wieder zurück in meine Kajüte. Ich versuchte mich wieder auf mein Buch zu konzentrieren, doch ich hatte das Gefühl auf heißen Kohlen zu sitzen. Warum musste ich mich verstecken? Wovor oder vor wem?

»Ladet die Kanonen!« - Entsetzt sprang ich auf. Das bedeutete nichts Gutes. Wir wurden angegriffen. Nervös schritt ich auf und ab. Es muss doch irgendetwas geben, was ich tun konnte, aber meine Eltern haben mir befohlen hier unten zu warten. Hier war ich in Sicherheit, doch als der erste Schuss fiel, hielt mich nichts mehr zurück. Ich riss die Tür auf und stürmte hinaus, mitten hinein in einen Kampf. Entgeistert schaute ich mich um. Es waren Piraten, die unser Schiff geentert hatten und nun mit Degen auf die Besatzung losgingen. Meine Eltern konnte ich nicht entdecken. Angst überkam mich, vor allem als ich den Captain tot neben dem Steuer liegen sah. Vor Übelkeit wandte ich meinen Blick ab. Mein Herz raste und ich bemerkte zu spät, dass sich jemand von hinten an mich heran schlich. Da wurde ich schon gepackt. Meine Arme wurden schmerzhaft auf meinen Rücken gedrückt. Eine Hand presste sich auf meinen Mund. Erstickt schrie ich auf.

»Wen haben wir denn da? Schade, so etwas Hübsches zu töten, ist wirklich eine Verschwendung. Aber Befehl ist nun einmal Befehl«, sagte eine rauchige Stimme in meinem Nacken, sodass sich die feinen Härchen auf meinen Armen alarmiert aufstellten. Ich versuchte mich zu befreien, doch der Pirat war einfach zu stark. Ohne nachzudenken biss ich ihm in die Hand so fest ich konnte. Fluchend lockerte er seinen Griff, aber nicht genug, damit ich weglaufen könnte. »Kleines Miststück!«, fauchte er wütend und riss an meinen Haaren, sodass mein Kopf gewaltsam in den Nacken gelegt wurde. »Nein, bitte, tötet mich nicht!«, kreischte ich, als er mir eine Klinge an den Hals hielt. Zitternd kniff ich die Augen zu, in der Erwartung jeden Moment den Schmerz zu spüren. »Lasst sofort meine Tochter los, Pirat, oder ich werde Eure schwarze Seele höchstpersönlich in die Hölle befördern.« Es war mein Vater. Genervt ließ der Pirat mich los und stieß mich weg, damit er meinem Vater gegenüber stand. Vater schob sich schützend vor mich. »Eure Majestät, glaubt Ihr wirklich, dass Ihr hier lebend heraus kommt?«, fragte der narbengesichtige Mann, der mich eben noch in seiner Gewalt hatte.

»Das werden wir ja sehen.« Mit schnellen Schritten und erhobenem Degen ging Vater auf ihn zu. Er war ein wahrer Meister der Fechtkunst und jede seiner Bewegungen schien wohl überlegt. Der Pirat hatte gar keine Chance, kurze Zeit später lag er entwaffnet auf dem Boden. Vater schaute triumphierend zu mir herüber, sodass er nicht merkte wie sein Gegner eine Pistole zog und auf seine Brust zielte. »Vater, pass auf!«, versuchte ich ihn zu warnen, doch da bohrte sich die Kugel bereits in seine Brust. Mit weit aufgerissenen Augen sank Vater auf die Knie, um kurz darauf mit einem dumpfen Knall auf dem Boden aufzukommen. Sein Blut – dunkelrot, beinahe schwarz- breitete sich kreisförmig auf seinem Hemd aus. Ich schrie gequält auf und eilte an seine Seite. Ich beugte mich tief über ihn, während ich meine Hände fest auf die tödliche Wunde presste.

»Nein, du darfst nicht sterben! Vater, lass mich nicht allein.« Blut quoll zwischen meinen Fingern hervor und Vater brachte nur noch einen gurgelnden Laut hervor, bevor er erschlaffte.

»Ich... liebe dich auch«, hauchte ich und schloss sanft seine starr in den Himmel schauende Augen.

»Elender Pirat!«, brüllte ich von Trauer und Wut überwältigt. »Und was wollt Ihr nun tun, Prinzessin?«, fragte er spöttisch. Ich guckte mich verzweifelt um. Es sah nicht gut aus. Nur noch wenige Gardisten standen auf ihren Füßen und von meiner Mutter fehlte jegliche Spur. Vielleicht war sie bereits tot. Andere Piraten gesellten sich zu uns und betrachteten mich mit einem mörderischen Funkeln in den Augen. Ich saß in der Falle. »Und, Prinzessin? Gebt Ihr Euch geschlagen oder müssen wir es auf die harte Tour machen?« Narbengesicht grinste dreckig und ich wusste genau, dass mein Tod nicht das Einzige war, was sie von mir wollten. Mein Blick glitt zur Reling, die keine drei Meter entfernt war. Ich begann die Schnüre meines Kleides zu lösen, was von Pfiffen begleitet wurde. »Macht nur weiter, Prinzessin«, rief einer, dessen Augen meinen Körper gierig begutachteten. Ich unterdrückte mein Unbehagen, als ich auch das Korsett auszog. Ich stand nur noch in dem dünnen Unterkleid vor einer Piratencrew, die wer weiß was gerne mit einer jungen Frau wie mir tun würden. Ehe sie verstanden, was ich tat, rannte ich geradewegs auf die Reling zu und sprang. Wenn ich Pech hatte, brach ich mir das Genick bei meinem Kopfsprung. Doch das kalte Wasser ließ mich nur nach Luft schnappen, während auf dem Schiff wild durcheinander geschrien wurde.

»Sie darf nicht entkommen! Er hat gesagt, sie muss mausetot sein«

Damit eröffneten sie das Feuer auf mich. Ich holte tief Luft und tauchte unter. Jedes Mal, wenn eine Kugel knapp an mir vorbei zischte, zuckte ich zusammen, während Luftblasen aus meinen Lungen entwichen. Dann hörte der Beschuss urplötzlich auf.

»Sie wird sowieso da draußen sterben. Ob sie nun ertrinkt oder erfriert. Ich mach mir nicht mehr Mühe als nötig für mein Gold.«

»Ja, wir sind hier fertig. Geben wir ihnen den Rest!«

Vorsichtig tauchte ich auf. Ohne das schwere Satinkleid fiel es mir nicht sonderlich schwer mich über Wasser zu halten, also beobachtete ich wie die Piraten zurück auf ihr Schiff gingen. Gerade als sie Segel setzten und ein gutes Stück zwischen sich und mein Schiff brachten, ließ mich ein ohrenbetäubender Knall erneut zusammenzucken. Ich hatte keine Zeit mich in Sicherheit zu bringen, da explodierte das Pulvermagazin und mein Schiff ging in Feuer auf. Der Rauch bildete eine Säule gen Himmel – dicht und grau. Er brannte in meinen Lungen, woraufhin ich wie wild husten musste. Tränen schossen mir in die Augen. Jegliche Hoffnung meine Mutter lebend zu finden wurden zerstört. Ich war allein. Einzelteile flogen auf mich zu und ein Holzbrett krachte mir gegen den Kopf. Dann wurde alles schwarz.
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