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Mit Magie ins Mittelalter

von Ryouxi
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
Amane Bakura Anzu Mazaki / Tea Gardner Mai Kujaku / Valentine Miho Nosaka OC (Own Character)
21.12.2020
25.03.2021
30
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21.12.2020 4.063
 
Es war ein heißer Spätsommertag, als sich die Tore des Sonnenberg-Mädcheninternats für ein weiteres Schuljahr öffneten. Gerade versammelten sich alle Schülerinnen in der Aula, in der erst die jährliche Ansprache gehalten und anschließend die neuen Schülerinnen eingeteilt werden sollten. Nachdem endlich die nicht sonderlich spannende Anrede beendet wurde, begann der, zumindest für die neuen Schülerinnen, spannende Teil. Die Schulleiterin kramte einen sehr langen Zettel hervor und selbst den Neulingen war klar, dass dies eine längere Angelegenheit werden würde. Während die Direktorin die Namen für die jeweiligen Zimmer herunter ratterte, beschäftigten sich die älteren Jahrgänge mit leisen Gesprächen, ihren Handys, oder aber einem kurzem Mittagsschläfchen.
„... Zimmer 106 beziehen Bakura Amane, Kujaku Mai, Mazaki Anzu, Mura Adina, Nosaka Miho und Usi Kisara. Zimmer 107...“
Schließlich waren alle Namen genannt, es hatte hin und wieder sogar ein kurzes Jubeln gegeben, und die Schülerinnen strömten aus der Aula, um ihre Zimmer aufzusuchen.

Ein Mädchen mit violetten Augen und langen, blonden Haaren, die gestuft waren und ihr leicht gewellt über den Rücken fielen, lief durch die gut gefüllten Flure. Sie trug sehr freizügige aber trotzdem nicht billig wirkende Kleidung, sehr hohe Highheels und war zudem nicht nur geschminkt, sondern hatte auch noch gemachte Nägel. Man sah ihr sofort an, dass sie sehr auf ihr Äußeres achtete und allem Anschein nach auch aus einer vermögenden Familie kam. Schließlich blieb sie vor dem Zimmer mit der Nummer 106 stehen.
„Na da bin ich ja mal gespannt.“ Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit, die Zimmertür zu öffnen, als sie bereits von der Seite angesprochen wurde.
„Hallo, bist du auch für dieses Zimmer eingeteilt?“ Vor ihr stand ein braunäugiges Mädchen, das schulterlanges brünettes Haar mit einem Pony hatte. Ihre Kleidung war nicht ganz so freizügig, dafür aber fast genauso auffällig, wie die der Blondine. Ihre hohen Plateaustiefel rundeten das ungewöhnliche Outfit perfekt ab. Auf ihre Frage nickt Mai kurz, worauf das andere Mädchen zu lächeln begann. „Ich heiße Anzu, freut mich.“ Sie schüttelten sich kurz die Hand.
„Mein Name ist Mai“, stellte sich auch die Blondine vor. „Dann sind wir ja schon mal zu zweit.“
„Ja, lass uns reingehen. Der Rest kommt schon auch noch“, schlug Anzu vor, was sich Mai nicht zweimal sagen ließ. Endlich konnte sie sich das Zimmer anschauen. Sie standen in einer Art Wohnzimmer, das auch eine offene Küche beinhaltete. Es war weder sonderlich groß, noch sehr luxuriös. Das Bad und die Schlafzimmer mussten sich hinter den vier Türen, die sich an der gegenüberliegenden, sowie an der rechten Wand befanden, liegen. Dazu, sich diese anzuschauen, kam Mai jedoch nicht.
„Mai ist ein sehr schöner Name“, hielt Anzu sie weiterhin im Gespräch.
„Danke. Meine Mutter wollte, dass ich später einmal so schön wie eine Blume werde, deswegen nannte sie mich so.“
„Dann ist deine Mutter sicher froh, dass ihre Tochter so hübsch geworden ist.“ Bei diesen Worten lächelte das Mädchen, da sie Mai wirklich hübsch fand.
Mai hingegen seufzte ob dieses Komplimentes nur. „Ja.“ Scheinbar hatte Anzu einen wunden Punkt getroffen, worauf sie aber nicht mehr eingehen konnte. Es klopfte an der Tür
Herein kam ein Mädchen mit dunkelblauen Augen und violettem, hüftlangem Haar, das sie zu einem Zopf gebunden hatte. Sie trug die blau-weiße Schuluniform, wie es bereits viele der Schülerinnen taten.
„Ah. Also ist doch schon jemand da“, stellte sie fest, als sie die beiden Mädchen in dem Zimmer entdeckte. „Hi, ich bin Miho.“
„Hey, ich heiße Anzu“, stellte sich die Brünette vor und übernahm dies auch für die abwesend wirkende Mai, als diese nach einigen Sekunden immer noch nichts von sich gegeben hatte. „Und die da ist Mai.“
Als würde ihr Name sie wieder in die Gegenwart zurückrufen, reagierte nun auch Mai. „Oh, hey.“
„Freut mich. Ist sonst noch niemand da?“ Auf ihre Frage schüttelte Mai den Kopf.
„Die Anderen kommen gleich sicher -“ Als hätte sie es beschworen, wurde sie von zwei Mädchen, die ohne zu klopfen das Zimmer betraten, unterbrochen.
Die eine hatte weißes Haar, das bis zu ihren Kniekehlen reichte und stahlblaue Augen. Auch sie trug die Schuluniform, obwohl sie eindeutig geschminkt war. Was zwar gut aussah, an einem normalen Schultag aber trotzdem nicht erlaubt sein würde. Die Andere trug ihr hüftlanges schwarzes Haar in einem Zopf, während ihr Pony ihr weit über die Augen reichte. Sie hatte dunkelblaue Augen und ihre dunkle Haut war nicht nur auffällig, sondern ließ auch vermuten, dass sie aus dem Ausland kam. Sie trug ein einfaches, weißes Shirt mit V-Ausschnitt und Ärmeln, die bis an die Ellenbogen reichten, knielange Jeans und schwarze Ballerinas. Mit Abstand war sie die kleinste der anwesenden Mädchen.
„Na endlich, da draußen ist vielleicht ein Gedrängel“, begann sich die Schwarzhaarige zu beschweren, als wären die anderen Mädchen gar nicht da. Erst dann stellte sie ihren Koffer ab und schaute in die Runde um sich vorzustellen. „Adina, freut mich.“
„Und mein Name ist Kisara.“
„Hi, ich heiße Anzu. Kennt ihr euch schon?“, fragte sie neugierig, immerhin hatten die Mädchen den Raum gemeinsam betreten.
„Nein. Wir sind uns nur vor dem Zimmer über den Weg gelaufen“, erklärte Adina und schaute dann zu Mai und Miho. „Wie heißt ihr?“
„Ah, ich bin Miho“, stellte sich auch das etwas schüchtern wirkende Mädchen schnell vor. Wohingegen Mai es nicht ganz so eilig hatte.
„Mai.“ Nachdem sie sich kurz umschaute, sprach sie weiter. „Dann fehlt ja nur noch eine. Sollen wir uns schon mal die Zimmer anschauen?“ Sie wollte endlich ihr Zimmer sehen, in dem sie die nächsten Jahre verbringen sollte.
„Klar“, stimmte ihr Kisara, die scheinbar genauso neugierig war, sofort zu.
Anzu hingegen schien anderer Meinung zu sein. „Die paar Minuten können wir doch auch noch warten.“
„Dann warte du mal.“ Mai wollte sich nicht länger gedulden. Vor allem, weil sie niemandem etwas wegschauen würde. Sie konnte schließlich nichts dafür, dass das letzte Mädchen so lange brauchte. Kisara kam mit ihr, um die drei Zimmer und das Bad unter die Lupe zu nehmen.
„Ich warte gerne mit dir“, wandte sich Adina an Anzu, nachdem die beiden Mädchen durch die linke Tür an der gegenüberliegenden Wand verschwunden waren.
„Danke.“ Breit lächelnd schaute sie Adina an, ehe sie auf dem Sofa neben der Tür Platz nahm, was ihr die anderen beiden Mädchen gleichtaten.
„Woher kommt ihr zwei denn?“, fragte Miho neugierig nach, nachdem sie saßen.
„Ich komme aus der Hauptstadt.“ Anzu klang bei diesen Worten fast ein wenig stolz.
„Aus so einer großen Stadt?“ Begeistert schaute Miho sie an.
„Ja. Ich wäre auch lieber dort geblieben. Aber meine Eltern wollten unbedingt, dass ich die Oberschule in so einer ländlichen, abgeschirmten Gegend mache“, erklärte das Mädchen, wobei es nicht sonderlich begeistert wirkte und sogar ein leises Seufzen hören ließ.
„Sicher, dass das nicht hauptsächlich wegen der Jungs ist?“, mischte sich nun auch Adina ein und traf damit scheinbar genau ins Schwarze.
„Meine Eltern sind so verklemmt in dieser Hinsicht. Na ja, wo kommst du her?“, fragte sie an Adina gewandt.
„Eigentlich aus Ägypten, aber da sind wir schon früh weggezogen. Vor ein paar Jahren sind meine Eltern zurückgegangen. Da ich die Sprache aber nicht beherrsche, lebe ich seitdem alleine hier. Dieses Internat ist am günstigsten für mich, weil ich hier noch eine gewisse Unterstützung bekomme.“
„Wie cool, alleine würde ich noch nicht leben wollen. Das ist sicher aufregend.“ Miho schien davon noch begeisterter, als von dem Fakt, dass Anzu aus der größten Stadt des Landes kam.
„Das stimmt“, bestätigte Adina, wobei sie sich Miho zuwandte. „Und du Miho?“
„Ach, ich bin aus einem kleinen Dorf, eine Autostunde von der nächsten Stadt entfernt.“ Fast verlegen schaute Miho zur Seite, als würde sie sich dafür schämen, dass sie nicht irgendwo besonderes herkam.

Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als sich die Zimmertür ohne ein Anklopfen öffnete. Herein kam ein Mädchen mit hellblauen, stufigen Haaren, die ihr bis zur Hüfte reichten, mit einem ebenso chaotisch wirkenden Pony. Sie trug eine enge Jeans und ein dünnes, schwarz und türkis gestreiftes Langarmshirt. Ihre braunen Augen schweiften aufmerksam durch den Raum.
„Hey, wir haben schon auf dich gewartet. Du musst Amane sein?“, begrüßte Anzu das Mädchen sogleich. Überrascht schaute dieses Anzu an.
„Das hast du dir gemerkt?“ Neben ihrer Überraschung war auch eine gewisse Anerkennung in Amanes Blick zu sehen. Freudig lachte Anzu kurz auf.
„Ich heiße Anzu“, stellte sie sich vor und erneut begann eine kurze Vorstellungsrunde.
„Adina.“
„Mein Name ist Miho.“
„Dann bin ich ja doch nicht die Letzte“, stellte Amane fest, nachdem sie kurz genickt hatte.
„Doch schon“, entgegnete Adina. „Die anderen Beiden sind schon in den Zimmern verschwunden.“
„Sollen wir dann auch mal schauen gehen?“, schlug Anzu vor. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie ebenso neugierig auf die Zimmer war.
Zustimmend nickte Amane und sie machten sich schnell auf den Weg zu den Türen.
Gerade als sie die mittlere Tür öffnen wollten, kam Mai aus der Tür, hinter der sie vorhin verschwunden war.
„Hey Mädels, Kisara und ich würden das hier nehmen, wenns recht ist.“ Erst nachdem sie fertig gesprochen hatte, entdeckte sie Amane. Kurz musterte sie das Mädchen. „Ach, bist du auch da? Ich bin Mai.“
„Ja... Ich heiße Amane.“ Auf einmal schien die Stimmung etwas zu kippen, weshalb Anzu sofort wieder auf das eigentliche Thema wechselte.
„Na gut, wie sollen wir uns dann aufteilen?“ Kurz schaute sie zu Adina, Miho und Amane, in der Hoffnung, dass diese eine Entscheidung treffen würden.
„Die Zimmer sind übrigens alle gleich, sogar die Aussicht“, teilte Mai mit, auch wenn das nicht das Problem war.
„Ich würde gerne mit Anzu auf ein Zimmer“, teilte Adina schließlich mit.
„Gerne.“ Anzu lächelte das schwarzhaarige Mädchen breit an. „Ist das auch für euch zwei in Ordnung?“ Fragend schaute sie zu Amane und Miho, die sich dann das dritte Zimmer teilen mussten.
„Klar“, stimmte Amane zu. Ihr schien diese Aufteilung fast gleichgültig zu sein.
„Ja.“ Miho lächelte leicht, während sie vorsichtig zu ihrer neuen Zimmergenossin schaute.
„Können wir dann das rechte Zimmer haben?“, ging Amane zur Zimmeraufteilung über.
„Okay“, stimmte Anzu ihr zu, womit sie und Adina das mittlere Zimmer beziehen würden. Damit hatten sie die Zimmeraufteilung auch schon hinter sich gebracht, was Mai zufrieden feststellte.
„Das ging ja schnell, sehr gut. Dann lasst uns jetzt noch schnell ausräumen.“ Wie selbstverständlich gab sie ihren neuen Mitbewohnerinnen Anweisungen.
„Hast du's irgendwie eilig?“ Adina schien das so gar nicht zu passen. Dementsprechend trotzig trat sie nun auch auf.
„Ja“, bestätigte die Blondine. „Ich möchte mich noch etwas umschauen, bevor es Abendessen gibt.“
„Kannst du doch auch alleine“, entgegnete die Ägypterin nur, als würde sie einen Streit beginnen wollen.
„Hey, hey. Ich würde es toll finden, wenn wir heute alle zusammen gehen würden.“ Erneut wollte Anzu die schlechte Laune schlichten, was erst einmal auch zu funktionieren schien.
„Ich auch“, stimmte Miho ihr zu, was zumindest Adina zur Einsicht zu bringen schien.
„Ist ja okay. Sie soll nur nicht so Stress machen. Ich bin alt genug.“ Mit diesen Worten drehte sich die Schwarzhaarige um, um ihren Koffer zu holen. Die anderen Mädchen folgten ihr, so dass kurz darauf alle mit Auspacken beschäftigt waren.

„Sag mal, was war denn eben los?“ Anzu kramte gerade die Unterwäsche aus ihrem Koffer, so dass sie bei dieser Frage nur einen flüchtigen Blick zu Adina werfen konnte.
„Sorry, aber ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn man so Druck macht und mir etwas vorschreiben will“, erklärte Adina, wobei sie zwar sehr ruhig sprach, man ihr ihren Ärger aber dennoch anmerken konnte.
„Das hat Mai sicher nicht so gemeint“, versuchte Anzu noch weiter zu schlichten. Je besser sich die sechs Mädchen verstehen würden, desto angenehmer würden die nächsten Jahre werden. Adina seufzte kurz auf ihre Worte.
„Ja, vermutlich. Lass uns bitte nicht mehr darüber reden, ja?“
„Na gut.“ Damit war ihr Gespräch auch schon wieder beendet.

Als schließlich alle fertig waren, versammelten sich die Mädchen im Gemeinschaftsraum.
„Seid ihr soweit?“ Anzu war wirklich gespannt, mit ihren neuen Freundinnen das Schulgelände zu erkunden.
„Jepp“, kam es knapp von Amane.
„Und wie“, stimmte auch Mai zu.
„Wir haben noch drei Stunden. Das ist mehr als genug Zeit um das Gelände zu erkunden“, erklärte Adina, wobei sie mit einem Flyer hantierte, der von der Schule stammte.
„Ich heiße übrigens Kisara“, wandte sich die Weißhaarige an Amane, um sich ihr noch einmal offiziell vorzustellen.
„Das dachte ich mir schon. Ich bin Amane.“
„Freut mich.“ Kisara lächelte leicht und auch Amane entgegnete diese Geste kurz.
„Und lasst uns vorher noch unsere Schlüssel holen“, erinnerte Anzu sie.
„Die hätten sie schon gleich am Anfang verteilen sollen.“ Adina verdrehte, ob dieser schlechten Organisation, die Augen.
„Es wird jetzt schon niemand einbrechen.“ Mais Worte klangen nicht wirklich beruhigend, eher sarkastisch.
„Na hoffentlich.“ Dieses Mal ließ sich Adina auf keinen Streit ein, so dass sie sich sogleich auf den Weg zum Sekretariat machten, um die Schlüssel zu holen.

Nachdem sie sie abgeholt hatten, meldete sich die eher ruhige Miho zu Wort.
„Wo gehen wir denn hin?“
„In dem Prospekt stand, dass es hier einen tollen Park gibt.“ Mais Worte waren keine wirkliche Antwort auf Mihos Frage, aber immerhin ein Vorschlag.
„Stimmt.“ Amane wirkte auf einmal sehr zufrieden. „Ich hoffe das stimmt auch. Das war der Grund, warum ich mich für dieses Internat entschieden habe.“
„Du entscheidest dich für eine Schule anhand des Parks?“ Ungläubig schaute Mai das Mädchen an.
„Klar. Ich brauche eine ruhige, schöne Gegend, die mich inspiriert.“
„Inspiriert wozu?“ Scheinbar hatte sie Kisaras Interesse geweckt.
„Ich zeichne“, erklärte die Blauhaarige knapp.
„Wow, das ist ja toll.“ Begeistert klatschte Miho mit den Händen zusammen.
„Aber echt. Können wir mal was sehen?“ Anzu wirkte nicht minder neugierig, was Amane nach kurzem Zögern nicken ließ.
„Später vielleicht.“
„Und du hast all deine Sachen in deinem Koffer gehabt?“ Ungläubig schaute Adina das Mädchen an.
„Natürlich nicht. Die werden mir die Tage nachgeliefert. Deswegen kann ich euch jetzt noch nichts zeigen“, erklärte Amane, als hätte die Schwarzhaarige eine total abwegige Frage gestellt.
„Man kann Sachen nachliefern lassen?“ Überrascht mischte sich auch Mai ein. „Das hätte ich vielleicht für meine Kleider machen lassen sollen. Obwohl, so kann ich wieder neue Sachen kaufen.“ Nachdenklich schweifte ihr Blick in die Ferne ab.
„Du musst ja echt ein prall gefülltes Konto haben“, zog Adina die Blondine auf, wobei sie nur ein klein wenig neidisch klang.
„Oder einfach reiche Eltern“, erklärte Mai kurz.
„Und dann gehst du auf so eine einfache Schule?“ Mihos Frage klang, als wäre das total absurd.
„Sagen wir, ich hab meine Eltern ein wenig ausgetrickst.“ Ein verschmitztes Lächeln schlich sich auf Mais Lippen.
„Warum wolltest du auf diese Schule hier?“, beteiligte sich nun auch Kisara an dem Gespräch.
„Hier gibt es zwar keine Jungs, dafür aber auch keine überheblichen Snobs“, erklärte die Blondine mit einer wegwerfenden Handbewegung.
„Abgesehen von dir natürlich.“ Adina grinste sie provokant an, was Mai jedoch mit einem Lachen erwiderte.
„Vielleicht werde ich hier ja zu einem Normalo.“

Noch während des Gesprächs hatten sie sich auf den Weg gemacht und waren ziemlich schnell am Park angekommen. Vor ihnen lag ein idyllisches kleines Wäldchen, durch das der breite Weg sie geradewegs führte.
„Wow, der ist wirklich schön“, merkte Miho an, als sie bereits einige Meter in den hellen Laubwald vorgedrungen waren.
„Höre ich da Wasser?“ Kisaras Frage schien wie aus dem Nichts zu kommen.
„Im Prospekt stand etwas davon.“ Amane lauschte einen kurzen Augenblick, ehe sie weiterging.
„Ein See um genauer zu sein.“ Adina wedelte kurz mit dem Flyer herum, den sie noch immer bei sich trug.
„Und scheinbar auch ein Bach“, ergänzte Anzu. Das würde zumindest das plätschernde Geräusch erklären.
Und tatsächlich kamen sie nach einigen hundert Metern an einem schönen See voller Seerosen an, in den ein kleiner Bach mündete.
„Ist ja auch logisch.“ Adina machte eine deutende Handbewegung auf das wirklich kleine Bächlein, das sich einen waldigen Hang hinunter schlängelte. „Wo der wohl herkommt?“
„Sollen wir schauen gehen?“, schlug Amane vor und grinste dabei auf einmal unerwartet breit.
„Aber gerne.“ Adina schien sich so ein kleines Abenteuer nicht entgehen lassen zu wollen.
„Ich komme auch mit.“ Miho wirkte nicht ganz so begeistert, aber auch keineswegs abgeneigt.
Anzu, Kisara und Mai kamen schließlich ebenfalls mit, auch wenn sie nicht ganz so überzeugt von dieser Idee zu sein schienen. Vielleicht mochte ein Grund dafür auch die hohen Schuhe von zwei der Mädchen sein, die wirklich nicht geeignet für eine Waldwanderung waren. Dementsprechend begannen sie auch als letzte den Aufstieg.
„Aua. Könnt ihr etwas langsamer machen? Mit Heels ist das echt nicht einfach“, beschwerte sich Mai bereits nach den ersten paar Schritten auf dem moosigen Untergrund.
„Dann warte doch unten.“ Adina schien kein Verständnis für das Mädchen zu haben.
„Das hättest du wohl gerne“, grummelte Mai und schien auf einmal doch motiviert zu sein, mitzuhalten.
„Ich warte mit dir“, bot Kisara an, die von all dem nicht sehr viel zu halten schien.
„Ach was, das schaff ich schon.“ Die Blondine machte eine ablehnende Handbewegung und stapfte weiter. Die drei anderen Mädchen waren bereits ein Stück vorausgegangen.
„Ich bin mit meinen Plateauschuhen auch nicht so schnell. Wir werden sie schon nicht verlieren.“ Anzu machte sich keine Sorgen darum, immerhin mussten sie nur dem Bachlauf folgen.
„Ich finds eh dämlich, diesem Bach zu folgen. Wo soll der schon hinführen? Zur Quelle wahrscheinlich“, begann Mai vor sich hinzuschimpfen. „Und bei unserem Glück ist die ewig weit weg. Ich wollte doch nur die Schule anschauen.“ Man konnte dem Mädchen seine Unzufriedenheit deutlich ansehen.
„Die werden wir spätestens morgen noch sehen“, versuchte Kisara sie etwas zu beruhigen.
„Das hier ist doch auch lustig.“ Anzu wollt die Blondine ebenfalls aufmuntern. Ihr Versuch schien dabei aber nicht allzu gut anzukommen. Schweigend stapften sie weiter den Hang, dessen Moosschicht mittlerweile immer öfter von Felsen durchbrochen wurde, hinauf.

„Was ist denn das hier?“ Amane blieb weiter vorne auf einmal stehen und musterte etwas am Boden.
„Hm? Sieht aus wie ein Loch“, stellte Adina fest, nachdem sie einen kurzen Blick darauf geworfen hatte.
„Ein sehr großes Loch“, ergänzte Miho, als Mai, Kisara und Anzu gerade wieder zu ihnen stießen.
„Was habt ihr denn gefunden?“ Anzu wirkte noch am neugierigsten von den drei Mädchen.
„Ein großes Loch“, wiederholte Adina Mihos Worte.
„Oder eine Höhle.“ Kisara hatte kurz ihren Blick über das Loch schweifen lassen, ehe sie diese Äußerung machte.
„Natürlich, eine Höhle. Da drin lebt sicher ein Monster, das Schülerinnen frisst, die nicht auf den Wegen bleiben.“ Mai verschränkte die Arme vor der Brust während ihres sarkastischen Kommentars.
„Jetzt sei doch nicht so.“ Adina stemmte ihre Hände in die Seite. „Oder hast du Angst?“
„Sicher nicht.“ Mai ließ sich nicht auf die Provokation ein, wofür Anzu ihr einen dankenden Blick zuwarf.
„Ich werd mal reinschauen“, verkündete Amane und ging vor dem Loch bereits in die Hocke.
„Warte.“ Kisara kramte in der kleinen Tasche, die sie mitgenommen hatte. Zum Vorschein kam eine ebenso kleine Taschenlampe, die sie Amane hinhielt. Nach einem kaum merkbarem Zögern griff die Blauhaarige nach der Taschenlampe.
„Danke.“ Sie schaltete sie ein ohne weitere Fragen zu stellen und leuchtete in das Loch. Unter der Erde war es doch größer, als sie angenommen hatte.
„Und?“ Adina stand direkt hinter Amane und konnte sich dennoch diese neugierige Frage nicht verkneifen.
„Sieht nass aus.“
„Lass mal sehn.“ Damit drängte Adina das Mädchen etwas zur Seite, um ebenfalls einen Blick hineinwerfen zu können.
„Ihr wollt da doch nicht reinklettern? Wahrscheinlich wird das nur der Bau von irgendeinem Tier sein.“ Nun wirkte Mai doch etwas unruhig, was Adina keineswegs abzuhalten schien.
„Warum denn nicht? Ist doch groß genug.“ Gekonnt überging die Schwarzhaarige Mais Vermutung. Darüber machte sie sich keine Sorgen.
„Ihr spinnt doch“, war alles, was die Blondine noch dazu zu sagen hatte.
„Seid ihr sicher?“, versuchte es nun auch Anzu noch einmal, die ebenfalls etwas unsicher schien. „Das sieht sehr nass aus, ihr werdet euch die Kleidung versauen. Vermutlich ist das wirklich nur ein Erdloch, das ein Tier gegraben hat. Und selbst wenn's eine Höhle ist, werden wir da nichts finden.“ Aber auch diese Bedenken trafen bei Adina auf taube Ohren.
„Da wo ich herkomm muss man sich alles genauer anschauen, um kein Geheimnis zu verpassen“, erklärte die Schwarzhaarige, die mittlerweile auch die Taschenlampe an sich genommen hatte und diese nun hin und her schwenkte.
„Wir sind hier aber nicht in dem Land, aus dem du kommst“, stellte Kisara fest.
„Was glitzert da so?“ Während die anderen Mädchen diskutiert hatten, hatte Miho selbst einen Blick in das Loch geworfen. Mit ihrer Frage hatte sie sofort Adinas volle Aufmerksamkeit.
„Wo?“ Aufgeregt leuchtete sie in das Loch, fand aber nicht besagtes Glitzern.
„Na da unten.“ In einer schnellen Bewegung nahm Miho ihr die Taschenlampe ab und leuchtete auf die Stelle, an der sie das Schimmern gesehen hatte.
„Stimmt“, stellte Adina begeistert fest, als hätte sie Mihos Worte bis eben angezweifelt. „Na zumindest das mag ich holen.“ Dagegen hatte selbst Mai nichts mehr einzuwenden.
„Tu, was du nicht lassen kannst.“

Ohne große Umschweife kletterte Adina ein Stück in das Loch hinein. Tatsächlich fand sie komplett Platz in dem Erdloch und hatte noch genügend Freiraum, um sich zu bewegen. Nachdem sie die schlammigen Wände kurz abgeleuchtet hatte, griff sie nach dem glitzernden Ding. Ohne zu zögern rieb sie es an ihrem weißen Shirt sauber und musste feststellen, dass es sich dabei um einen Stein handelte. Um ihn besser betrachten zu können, kletterte sie wieder aus dem Loch heraus, wobei sie ihre Kleidung noch etwas mehr versaute.
„Siehst du, nur ein langweiliger Stein.“ Obwohl Mai das alles gar nicht zu interessieren schien, war sie die Erste, die sich dazu äußerte.
„Von wegen, schau doch.“ Demonstrativ hielt Adina den Stein hoch, was nicht nur Mais Mund vor Verblüffen offenstehen ließ. Der vermeintliche Stein schien scheinbar in allen erdenklichen Farben zu leuchten.
„Ist der schön.“ Amane war die Erste, die ihre Sprache wiederfand und Adina den Stein sogleich aus der Hand nahm, um ihn nochmal gründlich sauber zu reiben. „Den muss ich zeichnen“, merkte sie an, nachdem sie ihn genauer gemustert hatte. Der Stein leuchtete nicht einfach nur in nicht festzumachenden Farben, viel mehr schienen sich diese Farben wie eine Flüssigkeit in ihm zu bewegen. Immerzu das Muster ändernd und nie gleichbleibend. Es war so, als würde er von einem anderen Planeten kommen.
„Stimmt, er ist wirklich schön“, stimmte Anzu zu, die ihren Blick nicht von dem Stein wenden konnte. Um ihn genauer zu betrachten, nahm sie ihn von Amane und gab ihn schließlich an Miho weiter, die ebenso neugierig war.
„Wow. So einen habe ich noch nie gesehen.“ Miho hielt ihn über sich, in der Hoffnung durch das einfallende Licht einen anderen Effekt zu haben. Das schwache Sonnenlicht, das hier durch die Blätter fiel, konnte den Stein jedoch nicht durchdringen.
„Darf ich auch mal?“ Auf Kisaras Frage hielt Miho ihr den Stein hin, welchen diese dankend annahm. „Stimmt“, bestätigte sie seine Schönheit. „Als würde er gar nicht hierher gehören.“
„Jetzt übertreibst du aber.“ Genervt verdrehte Mai die Augen und schaute dann den Stein in Kisaras Händen doch etwas genauer an. „Okay, er ist wirklich schön, aber trotzdem nur ein Stein.“
„Das würde ich so nicht sagen.“ Amane hatten ihren Blick nach wie vor auf den Stein gerichtet.
„Trotzdem ist er schöner, als einige Edelsteine, die ich schon gesehen habe“, gestand Mai ein.
„Vielleicht ist das ja auch einer.“ Miho klang derart begeistert dabei, dass sie zumindest Adina mit diesem Gedanken ansteckte.
„Die liegen doch nicht einfach im Wald herum“, meckerte Mai das Mädchen an und nahm dann Kisara den Stein ab, um ihn genauer zu beschauen. Doch noch ehe sie dazu kam, begann der Stein auf einmal in einem hellen Weiß, welches die vielfältigen Farben verschwinden ließ, zu strahle.
„Was ist denn jetzt los? Aua!“ Mit einer ruckartigen Bewegung warf Mai den Stein zu Boden und rieb sich sogleich die Hand, in der sie ihn gehalten hatte.
„Was ist passiert?“ Geschockt kam Anzu zu ihr, um nach ihrer Hand zu schauen.
„Weiß nicht, er ist heiß geworden.“ Verärgert schaute Mai zu dem Stein, der nach wie vor leuchtend zu ihren Füßen lag.
„So ein Blödsinn! Ein Stein wird doch nicht einfach so heiß.“ Vorwurfsvoll schaute Adina sie an.
„Ach nein?“ Nun richtete sich der verärgerte Blick der Blondine auf die Schwarzhaarige.
„Mädels“, versuchte Anzu die beiden etwas zu beruhigen und ließ anschließend Mais Hand, die keine Anzeichen einer Verbrennung zeigte, wieder sinken.
„Was ist d-“ Adina unterbrach ihre Frage selbst, als das Licht des Steines auf einmal derart hell wurde, dass sie ihre Augen zukneifen musste, damit sie nicht zu sehr schmerzten. Nur wenige Sekunden später hatte das grelle, undurchsichtige Licht alle Mädchen eingehüllt.
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