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One First Love

von Al3xa
OneshotRomance, Freundschaft / P16 / Het
Hannes OC (Own Character) Olli
21.12.2020
21.12.2020
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3.429
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21.12.2020 3.429
 
One First Love
- Rule The World - Was danach geschah -


Titel: One First Love
Autor: Al3xa
Status: Beendet
Genre: Freundschaft, Romance
Rating: P16
Disclaimer: Mir gehört (leider) nichts. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.
Charaktere: Die üblichen Verdächtigen.


On another note, hallo!
Das ist quasi eine Fortsetzung der ursprünglichen Geschichte "Rule der World". Ich wollte das Ende ursprünglich so dastehen lassen, doch irgendwie auch nicht. Deswegen gibt es hier ein finales Ende, mit einem "Happy Happy End". Ja, ein doppeltes Happy. Das Ende von "Rule the World" war ja bereits ein Happy End, und sollte zeigen, dass man auch glücklich sein kann, wenn man einen Teil seines Lebens hinter sich lässt.
Aber ich habe so viele Nachrichten bekommen, die noch einmal etwas dazu lesen wollte. Deswegen dachte ich mir, wieso eigentlich nicht.

Aber, da ich es auch nicht zu lange ziehen will, ich das hier (wahrscheinlich) das letzte Kapitel.
Deswegen, hoffe ich, dass es euch gefällt. Lasst doch ein Review mit eurer Meinung da.

Liebe Grüße, Al3xa.
Oh, und außerdem arbeite ich nebenbei noch an einer neuen VSK Geschichte, also haltet die Augen offen.

***

5 Jahre später

Leonie lächelte, als sie aus dem Autofenster blickte. Sie erkannte ihre Siedlung, erkannte all die Häuser, an denen sie früher jeden Tag vorbeifuhr, jede Straßenecke, die sie damals entlang ging. Es hatte sich nichts verändert und doch war so vieles anders.
Das Auto hielt vor ihrem ehemaligen Zuhause an und sie drehte sich um, den Blick auf ihren Vater richtend.

Er war älter geworden, ohne Frage. Einige Falten schmückte nun sein Gesicht und auch die grauen Haare ließen sich nicht mehr verstecken. Aber sein Lächeln war immer noch das Gleiche.

“Bereit?”, fragte er und sie nickte nur.

4 Jahre war es her, dass sie ihr Zuhause verlassen hatte, um am anderen Ende der Welt zu studieren. Mit dem Abitur in der Tasche hatte sie sich eines Abends einfach, ohne wirklich daran zu glauben, angenommen zu werden, an ihrer Traumuniversität beworben. Und sie konnte ihren Augen nicht glauben, als sie angenommen wurde.

Sie packte ihre Koffer und verschwand. Nur Johannes und ihr Vater wussten bescheid, was sie vorhatte und wo sie hinwollte.
Ihr Vater war gar nicht begeistert von der Idee, seine kleine Prinzessin gehen zu lassen, aber er unterstütze sie, so gut er konnte. Johannes ebenso. Er freute sich für sie, doch auch ihn belastete der Gedanken, seine beste Freundin gehen zu lassen. Ihre Beziehung hatte lange gehalten. Der Sommer vor ihrem letzten Jahr in der Schule war nur der Anfang. Sie verbrachten ihr Abschlussjahr zusammen, schrieben zusammen ihren Abschluss, gingen zusammen zum Abschlussball und dann war sie weg.
Und das war das Ende. Aber ein gutes Ende.

Immer noch in ihren feinen Klamotten saßen sie am Abend des Abschlussballs am See, ein Bier in der einen Hand und den Blick in die Ferne gerichtet. Sie wussten beide, das eine Fernbeziehung nicht funktionieren würde und im schlechten auseinander gehen wollten sie nicht. Obwohl sie jahrelang in einer Beziehung waren, waren sie zuallererst beste Freunde. Und das würde auch immer so bleiben.
Und so ging sie. Ihr Weg endete in New York, eine der wohl berühmtesten Städte der Welt, die ihr zweites Zuhause werden sollte.

Doch nun war Leonie zurück.
Es hatte sich nichts verändert, und doch war vieles anders. Zum Beispiel die Tatsache, dass Christina ihr in die Arme fiel, als sie das Haus betrat und über ihre Schulter hinweg sah sie Hannes, der grinsend an die Wand gelehnt im Flur stand.

“Oh meine Kleine, du hast mir ja so gefehlt. Erzähl, wie war es? Ich will alles wissen? Wie lange bleibst du? Bleibst du hier oder gehst du wieder zurück? Oh, wie groß du doch geworden bist.”

“Mama, lass sie doch erstmal ankommen.”, erklang Hannes Stimme und Christina löste sich entschuldigend lächelnd von ihr.
“Aber natürlich. Du bist sicher müde. Und hungrig. Was willst du essen? Ich habe …”

Leonie schüttelte den Kopf: “Christina, ganz ruhig. Ich esse alles, was du machst. Das weißt du doch.”
Christina verschwand in der Küche, ihr Vater folgte ihr und so blieben nur noch sie und Hannes übrig.

Er ging einige Schritte auf sie zu und blieb dann vor ihr stehen. Ihr fiel als erstes Mal auf, wie groß er geworden war. Der kleine Hannes, den sie kannte, war nun mindestens einen Kopf größer als sie. Sein Gesicht war kantiger, und kaum zu glauben, aber ihm wuchs doch wirklich ein Bart.

“So sieht man sich wieder.”, sagte er grinsend, “Ich bin schon ziemlich sauer, dass du ohne etwas zu sagen, abgehauen bist. Wir alle sind das. ”
“Ach komm schon, als ob ihr euch damals für mich interessiert hätte. Wir wissen beide, dass ich nicht unbedingt im Guten gegangen bin.”

“Erinnerst du dich noch an den Schwur, den wir nach der ganzen Sache mit Dennis gemacht haben?”
“Nach der ersten oder der zweiten Sache?”, fragte sie grinsend nach, sich noch gut an den speziellen Moment erinnernd.

“Einmal ein Krokodil, immer ein Krokodil. Du bist immer eine von uns gewesen, auch wenn wir nicht miteinander geredet haben.”, stellte Hannes klar, den Kopf schief legend.
Leonie schüttelte grinsend den Kopf. “Ich habe dich auch vermisst, du Idiot.”

Und keine Sekunde später hatte Hannes seine Arme um sie gelegt. Sie war wieder Zuhause.

***

“Also, was gibt es Neues? Was habe ich verpasst?”
Die Sonne war bereits untergegangen, als sie beide in Leonies Zimmer auf der berühmten Fensterbank saßen und  auf die Straße hinaus blickten. Leo hatte ihre Beine ausgestreckt und auf Hannes seinem Schoß liegen, der eines angewinkelt hatte und das andere locker auf dem Boden baumeln ließ. Die Straßenlaternen waren an und ab und zu lief mal einer auf der Straße lang, doch kein Auto war zu sehen.

Diese Ruhe hatte ihr gefehlt. Im Big Apple war immer etwas los. New York war wortwörtlich die Stadt, die nie schläft. Zu jeder Tageszeit fuhren Autos, es wurde nie leise, die Lichter des Broadways waren noch in weiter Entfernung zu sehen.
Aber so sehr sie das alles auch liebte, die Ruhe hatte ihr gefehlt.

“Nicht viel. Hier passiert doch nie was.”
“Na, das habe ich aber anders in Erinnerung. Wir haben da schon so einiges erlebt.”
“Das kannst du laut sagen.”, lachte Hannes nur. “Aber ehrlich, es ist nichts krasses passiert. Wir haben die Schule beendet -”
“Sogar Jorgo und Frank?”, unterbrach Leonie ihn grinsend und er nickte nur: “Ja, sogar die beiden. Erstaunlich, ich weiß.”
“Das kannst du laut sagen.”, wiederholte sie seine Worte von vorher.

“Die beiden arbeiten jetzt in der Fabrik, in der auch Marias Eltern arbeiten. Maria hat ihr Abi gemacht und studiert jetzt und Peter arbeitet tatsächlich als Klimatechniker. In genau der Firma, die wir damals für den Einbruch ins Gefängnis infiltriert haben.”

“Ich kann bis heute nicht glauben, dass das wirklich funktioniert hat.”, sagte Leo, “Das hätte wirklich schief gehen können.”
“Du vergisst, dass unser Plan absolut scheiße gelaufen ist. Ohne dich und Olli und unsere Eltern hätten wir das niemals geschafft. Und ich wäre im Knast gelandet.”, erklärte Hannes, das Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden.

“Irgendwie hätte es schon funktioniert. Wir haben doch immer einen Weg gefunden. Frank war die Priorität, und ich war die Letzte, die dazu etwas beigetragen hat. Ich bin abgehauen.”

“Du hast das getan, was du für richtig gehalten hast. Und du hattest Recht. Es war gefährlich, es hätte uns den Hals kosten können und es hätte deinem Vater alles kosten können. Wirf dir das nicht vor.”
“Danke.”

Stille übermannte die beiden für einige Minuten. Jeder schwelte in Gedanken, lebte für einen kleinen Moment in der Vergangenheit. Es war unglaublich, was sie erlebt hatten und was für ein verdammtes Glück sie hatten. So viel hätte schief gehen können, bei jedem der drei Coups, die sie erlebt hatten.

Zuerst bei Dennis und seinen Spacken. Der Diebstahl, die Verfolgung von Kai und nicht zu vergessen die verrückte Aktion, als sie die drei haben auffliegen lassen.
Als nächstes kam Dieter Grotte mit den Zwillingen. Das Bergwerk hatte sie alle fast umgebracht. Leonie hatte den Knall von der Explosion bis heute in den Ohren.
Und dann wieder Dennis. In ein Gefängnis einbrechen, wer kam eigentlich auf diese dumme Idee?
Der Letzte war auch das einzige Abenteuer, bei dem sie nicht immer hautnah dabei war. Die Trennung von Olli kurz davor, dann seine neue Freundin und der Streit, der ihre Freundschaft wahrscheinlich endgültig den Graben hinunter rollte.

“Was ist mit dir und Maria? Immer noch so verknallt wie am ersten Tag?”, fragte Leonie neckisch nach und Hannes grinste.
“Immer noch so verknallt wie am ersten Tag. Sie ist unglaublich.”
Leonie lächelte. Sie freute sich für ihn. Die beiden waren so lange aneinander vorbei gelaufen und umeinander herum gerannt, das es kein Wunder war, wenn sie ewig zusammen bleiben würde. Die erste Liebe ist etwas besonderes.
Genau das sagte sie dann auch laut, und Hannes legte den Kopf schief.

“Apropos erste Liebe, du hast nach jedem gefragt, nur nicht nach Olli.”
“Olli und ich - du weißt, dass das nicht gut ging.”

“Aber er war deine erste Liebe.”, stellte er fest.
“Ja, das war er. Aber manchmal ist die erste Liebe eben nicht die für die Ewigkeit.”
“Weißt du auch, was man noch über die erste Liebe sagt? Das man sie nie vergisst, und immer im Herzen halten wird.”

“Wann verdammt bist du so emotional geworden? Richtig kitschig.”
“Mmh, und du lenkst nur ganz zufällig vom Thema ab.”, bemerkte er, die Augenbraue hochziehend.

“Was willst du hören, Hannes? Olli war und ist meine erste Liebe, das wird er immer bleiben. Und ja, ich werde immer Gefühle für ihn haben. Aber Gefühle für die erste Liebe und Gefühle für denjenigen, mit dem ich die Ewigkeit verbringen möchte, sind nun mal nicht dasselbe.”

“Wieso gibst du der Sache denn nicht noch einmal eine Chance?”, fragte er nach, “Es muss ja nicht für immer sein, aber du hast keine Ahnung, wie sehr er dich vermisst.”

“Ich habe es nie ausgeschlossen, aber ich kann es mir momentan einfach nicht vorstellen. Ich habe seit Jahren nicht mit ihm geredet.”
“Das heißt nichts.”
“Hannes-”
“Jajaja, ich weiß. Überleg es einfach. Wir haben dich vermisst.”

***

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Leonie verbrachte viel Zeit mit ihrer Familie und am dritten Tag, den sie wieder im Land war, sah sie auch ihre Freunde wieder. Emma und Liv fielen ihr in dem Augenblick in die Arme, in dem sie aus dem Auto stieg. Paul und Lukas folgte an der Tür und zuletzt ließ sie sich von Johannes hochheben, der sie eng an sich drückte. Der Abend wurde lang und sie bemerkte mal wieder, wie sehr sie das alles vermisst hatte.

Das folgende Wochenende wachte sie vom Klopfen an ihrer Zimmertür auf. Ein Blick auf die Uhr, sagte ihr, dass es gerade mal 9 Uhr am Morgen war. Murrend drehte sie sich auf die andere Seite, als Hannes den Kopf durch die Tür steckte.
“Was hältst du von einem Ausflug?”, fragte er grinsend nach. Das bedeutete nichts Gutes.
“Das ist dein Ich-habe-etwas-vor-das-Leonie-nicht-gefallen-wird-Grinsen.”
“Komm drauf an.”
“Worauf?”
“Komm mit, dann siehst du es.”

Und so kam es, dass Leonie eine Stunde später vor einer alten Ziegelfabrik stand, ähnlich der, die vor viele Jahren gesprengt wurde. Die, von der sie die Kette geholt hatte.
“Was wollen wir hier?”
“Lass dich überraschen.”

Leise betraten die beiden das alte Gebäude, vorsichtig bei jedem Schritt. Leonie konnte sich noch gut an die Überraschungen beim letzten Mal erinnern.
Hannes lief ihr voraus, man sah, dass er sich hier auskannte. Er ging um eine Ecke und Stimmen erreichten ihr Ohr. Stimmen, die sie sehr gut kannte. Dieser verdammte Idiot.

“Da bist du ja.”, sagte Jorgo laut und deutlich, “Wir warten seit einer Ewigkeit auf dich.”
“So viel später bin ich auch nicht.”
“Eine Stunde.”, ertönte Frank als Nächstes.
“Ganz ruhig. Ich habe meine Gründe.”
“Die da wären?”, Olli.

Leonie trat wie aufs Stichwort um die Ecke.
“Hey, der Grund hier.”, sagte sie lächelnd und hob die Hand zum Gruß.

Wie Blinde starrten die Krokodile sie an und Hannes Grinsen würde ihm so schnell keiner mehr aus dem Gesicht waschen können.
Es dauerte einige Sekunden, doch nach kurzer Fassung, stand Jorgo auf und riss Leonie in seine Arme. Auch er war, genauso wie Hannes, gewachsen. Aus dem stämmigen Körper wurde Muskeln und verdammt, war er stark.
Mühelos schlang er seine Arme um die Blondine und hob sie hoch, fest an sich drückend.

“Leo! Ich habe dich ja so vermisst.”
“Echt so, wie konntest du mich mit den Idioten alleine lassen?”, mischte Maria sich ein und Leo lachte auf, sie in die Arme schließend, als Jorgo sie runterließ.
“Einer davon ist dein Freund, der andere dein Bruder.”, sagte Leonie nur grinsend.
“Eben!”

Frank war der Nächste, der sie umarmte und dann folgte Peter. Als dieser sie losließ, stand nur noch Olli vor ihr.
Auch er hatte sich verändert, die fünf Jahre waren auch an ihm nicht vorbei gegangen. Er war größer, muskulöser. Ein leichter Bart im Gesicht, die Mütze war verschwunden. Seine hellbraunen Haare waren noch genauso lockig wie früher, doch kürzer. Er sah gut aus. Verdammt gut.

“Keine Umarmung für mich?”, fragte er nur, und seine Mundwinkel zogen sich nach oben. Eine Sekunde später zog er sie in seine Arme und drückte sie an sich. Sie stand auf Zehenspitzen und schaffte es so, ihren Kopf in seine Halsbeuge zu legen, während er seinen Kopf auf ihrem ablegte.
Wenn man die beiden so dastehen sah, würde man denken, sie wäre nie getrennt gewesen. Aber so war es nicht.

Sie lösten sich voneinander und wie aus Reflex trat sie einen Schritt zurück. Den Ausdruck in seinem Gesicht versuchte sie zu ignorieren.

“Also eins muss ich sagen, die Fabrik ist schon ein wenig klischeehaft.”
“Ja, wir hoffen auch, dass diese hier nicht in die Luft fliegt.”, meinte Frank nur schulterzuckend.
“Auf jeden Fall nicht, wenn wir drin sind.”, fügte Jorgo hinzu, sein typisches Grinsen im Gesicht.

“Kleine Schritte, hm?”, neckte Leonie, und die anderen stimmten ihr zu.
Und so verbrachten sie den Tag zusammen, bis in den späten Abend hinein. Es war, als wäre sie nie weg gewesen, als wären die letzten 5 Jahre nicht geschehen, als hätten sie sich nie getrennt.

Sie lachten viel, schwelgten in Erinnerungen und erzählten die Geschichten von früher. Sie hatten so viel miteinander erlebt, es war schwer, das zu vergessen. Sie waren die besten Freunde und dieser Tag hinterließ den Augenschein, als hätte sich das nie geändert.

Nach und nach verschwanden die anderen und nur Olli und Leonie blieben übrig. Wer hätte das gedacht. Wie im Film, dachte sie sich.

Leonie saß auf einer der improvisierten Bänke, nach hinten gelehnt und auf den Händen abgestützt. Olli saß ihr gegenüber im Campingstuhl, die Beine von sich gestreckt. Die Sonne ging hinter ihnen unter, verschwand langsam hinter den Horizont. Der Himmel war in orangenes Licht getaucht und es wurde auch immer kühler. Leonie saß in einer dünnen Jeans und einem weißen Top da und bereute es gerade, sich keine Jacke mitgenommen zu haben.

“Um wie viel wollen wir wetten, dass die das mit Absicht gemacht haben?”, durchbrach Olli die Stille. Sie war keinesfalls unangenehm, sondern eine Stille, die zwei Freunde verbrachten. Es musste nicht geredet werden. Sie mussten nicht armeringend nach einem Thema suchen, um den Raum zu füllen.

“Mh? Was meinst du?”, fragte sie nach, unwissend den Kopf schief legend, während sie in sein Gesicht blickte. Sie versuchte stark, den Blick nicht auf seine Arme zu richten, die er mittlerweile verschränkt hatte. Durch diese Haltung war sein Bizeps angespannt und Leonie hatte schon immer eine Schwäche für starke Arme gehabt. Verdammt, das war schwerer als gedacht.

Sie stand hinter dem, was sie Hannes vor einigen Tagen erzählt hatte. Sie konnte sich nicht zwingend eine Zukunft mit ihm vorstellen, aber eine körperliche Anziehung war eine ganz andere Sache.
“Die haben uns mit Absicht hier alleine gelassen.”, erklärte er weiter.
“Wieso sollten sie das tun?”, fragte Leonie nach und hob nur fragend die linke Augenbraue, als er aufstand und sich neben ihr auf der Bank niederließ. Müssen ja nicht durch die ganze Halle schreien, um zu reden, meinte er als Begründung auf ihren fragenden Blick hin.

“Hannes und Maria versuchen seit dem Tag, an dem du zurück bist, uns in einem Raum zu bringen.”
“Deine Schwester ist gerissen wie immer.”, sagte Leonie und lehnte müde ihren Kopf an seine Schulter. Unschlüssig legte Olli seinen Arm um ihren Rücken und zog sie näher, als er ihre Bestätigung hatte.

“Ich habe dich vermisst.”, sagte er nach einiger Zeit.
“Ja, das hatte Hannes erwähnt.”, antwortete sie, doch drückte bestätigend seine Hand, um zu zeigen, dass sie genauso fühlte.

“Lass mich raten, er hat dir auch eine Rede über die erste Liebe gehalten, und wie die erste Liebe auch eine Liebe für die Ewigkeit sein kann?”, erkundigte der Lockenkopf sich schmunzelnd.

“Du hast Recht, die haben das geplant.”, bestätigte Leo nur, doch dachte augenblicklich an seine Worte zurück. Hannes hatte Recht, die erste Liebe vergisst man nicht. Sie bleibt einem immer im Herzen. Und so wie sie hier mit ihm saß, wurde es nur noch deutlicher. SIe saß neben ihm, so als hätte es ihre Trennung nie gegeben. Als wären sie immer noch beste Freunde. Als wäre ihr Streit nie gewesen.

“Aber er hat schon Recht, oder?”, fragte er nach, und ließ sie nicht antworten, ehe er weiter sprach, “Die erste Liebe ist etwas besonderes. Und man vergisst sie nicht. Ich auf jeden Fall nicht.”

“Was willst du damit sagen?”
“Einmal im Leben lernst du einen Menschen kennen und weißt ganz genau, du für diesen Menschen dein ganzes Leben lang Gefühle haben wirst.”

“Olli-”
“Tu nicht so, als ob du nicht wüsstest, wovon ich rede.”, sagte er energisch und trennte sich von ihr, doch sie zog ihn zurück, als er aufstehen wollte und setzte sich so hin, dass sie ihn jederzeit greifen konnte.

“Oliver. Du weißt, das es damals nicht funktioniert hat. Wir reden wieder miteinander und ich wage zu behaupten, dass wir Freunde sind. Wieso willst du daran etwas ändern?”

“Ich will daran nichts ändern. Aber nur weil es damals nicht funktioniert hat, heißt es ja nicht, dass es heute nicht funktionieren wird.”

“Was hat sich denn verändert? Wird sind am gleichen Punkt, an dem wir damals waren.”
“Naja, wir sind älter geworden und haben uns verändert. Wir haben andere Pläne für die Zukunft, als damals. Und wir sind älter geworden.”
“Das sagtest du bereits.”, lächelte sie.

“Und ich meine es so. 5 Jahre, Leo. 5 Jahre sind vergangen, und ich bekomme dich einfach nicht aus meinem Kopf. Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist, eine Frau kennen zu lernen, wenn ich jede mit dir vergleiche?”

“Olli-”
“Sag es. Sag, dass du nichts mehr für mich fühlst und schaue mir dabei in die Augen. Aber lüge mich nicht an. Ich weiß, dass da noch irgendwas ist. Bitte.”

“Ich lüge dich nicht an. Und du hast Recht, da ist noch irgendwas zwischen uns. Aber du musst auch mich verstehen. Ich habe Angst, Olli. So verdammte Angst. Du hast mir das Herz gebrochen, und das nicht nur einmal. Es ging mir absolut beschissen und ich will das nicht nochmal durchmachen. Ich kann das nicht nochmal durchmachen. Niemand kann uns garantieren, dass es diesmal funktioniert.”

“Das kann uns niemand versichern, aber wir können es versuchen. Ich will mit dir zusammen sein, das wollte ich immer. Es tat auch mir weh, dich in Müllers Armen liegen zu sehen.”

“Johannes hat damit nichts zutun, das weißt du. Er war immer anders, anders als du.”

“Und trotzdem bist du jetzt hier.”
“Und trotzdem bin ich hier.”
“Und du bist noch nicht gegangen.”
“Ich bin noch nicht gegangen.”

Olli legte seine Hände an ihre Wangen und sie lehnte sich wie aus Reflex näher an ihn heran, die Hände um seinen Hals schlingend. Seine Augen schwankten zwischen den ihren - suchten nach Bestätigung - und ihren Lippen.

“Darf ich?”, flüsterte er leise. Leonie nickte.

Und er küsste sie.

Sie hatten einen langen Weg hinter sich, und einen noch längeren vor sich. Doch sie waren glücklich. Auch wenn es weh tat, aber diese Zeit getrennt hatte ihnen erst gezeigt, wie viel der anderen einem bedeutete. Dass man zwar ohne den anderen konnte, aber nicht ohne den anderen wollte.

Vielleicht brauchen wir manchmal eine zweite Chance, weil die Erste zu früh kam. Sie war nicht perfekt, sie war nicht makellos, sie war holprig, unbeholfen und man musste für sie arbeiten, aber die erste Liebe ist etwas besonderes. Und wenn man Glück hatte, war die erste Liebe auch die Letzte.
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