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[The Blank Rune] Von Lavendelparfüm und pinkfarbenen Mützen

von Lumey
OneshotFreundschaft / P6 / Gen
20.12.2020
20.12.2020
1
3.614
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Frohe Weihnachten!
Oder so.
Dies ist mein Beitrag für das Weihnachtswichteln von Linda (lindork auf fanfiktion.de, falls ihr sie denn stalken wollt) für die Geschichte „The Blank Rune“ von Two of Swords.
Ich kann euch diese (Mitmach)Fanfiktion nur ans Herz legen.  
Jedenfalls hat jeder Teilnehmer einen anderen gezogen, um anschließend einen kleinen Text zu verfassen oder ein Bild zu malen.
Natürlich habe ich mich dafür entschieden, einen kleinen Oneshot zu schreiben.
Tatsächlich bin ich froh gewesen, dass ich einen meiner eigenen Charaktere schreiben kann, weil ich mich mit denen einfach ein wenig sicherer fühle.

Disclaimer: Das hier spielt in einem Alternativuniversum, weit weg von Panem und der eigentlichen Geschichte… eigentlich sind wirklich nur die Charaktere geblieben, mehr nicht.

Ach ja, dieser Text ist für Linda persönlich, denn die habe ich gezogen. Das Pairing, welches ich gewählt habe, hätte man sich wahrscheinlich bereits denken können, weil ich es auch sehr stark favorisiere.
Viel Spaß!
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Von Lavendelparfüm und pinkfarbenen Mützen


Vom ersten Moment an, indem sie dieses nervig blinkende Einkaufscenter betreten hatten, hatte sich eine besorgniserregende Falte auf der Stirn von Tave gebildet. Seinen Mund konnte er nicht einmal zu einem Lächeln zwingen, selbst wenn er es gewollt hätte. Das ganze Drumherum nervte ihn, vor allem da die vielen Menschen einen ohrenbetäubenden Lärm verursachten. Im Hintergrund lief Weihnachtsmusik in einer Endlosschleife und Tave hatte tatsächlich das Gefühl, dass sie manche Lieder bereits drei Mal hatten ertragen müssen. Teilweise sangen manche Leute sogar laut mit und er glaubte, dass sie es tatsächlich nur taten, um ihn schier in den Wahnsinn zu treiben.
Anstrengend.
Außerdem schienen alle um ihn herum durchzudrehen.
Eben gerade hatte er einen wohlgekleideten Mann beobachten können, welcher sich mit einem Kassierer über irgendein belangloses Angebot gestritten hatte.
Dann waren da noch zwei überschminkte Frauen gewesen, welche sich beinahe um einen Platz in einer Umkleidekabine geprügelt hätten, wenn nicht im letzten Moment noch eine weitere frei geworden wäre. Wie zwei Katzen hatten sie sich noch einmal angefaucht, um anschließend jeweils in ihren Umkleiden zu verschwinden. Anscheinend schnappten über die Festtage alle Menschen über.
Bei Tave würde das nicht so enden. Wieso sollte man solch einen großen Wirbel um die Festtage machen, wenn sie doch eh nur so kurz andauerten?
Außerdem konnte man seine Liebsten auch zur restlichen Zeit des Jahres sehen. Nicht zu vergessen die unnötigen, vielen Geschenke, die im Überfluss verteilt wurden.  
„Rhy, was brauchst du so lange?“, schnauzte Tave also seine heutige Begleitung an. Sie waren in einer Parfümerie, weil der Jüngere beschlossen hatte, ein Parfüm für seinen Freund zu kaufen, nachdem er die zwanzig anderen Ideen allesamt verworfen hatte.
Dennoch hatte er Tave bereits durch mindestens fünf Läden gezogen und anscheinend war er immer noch nicht wirklich müde.
Er stöberte gerade in einem riesigen Regalkomplex, in welchem er wirklich jeden einzelnen Flakon prüfend in die Höhe nahm und sich einen Spritzer auf einen kleinen Probierstreifen sprühte, bevor er sich dem nächsten Produkt zuwandte.
„Ach Tave, ich kann mich einfach nicht entscheiden!“, maulte der andere jedoch dramatisch, während er Tave einen weiteren Probierstreifen vor die Nase hielt.
Angewidert trat der Hüne zurück.
„Nein, du musst doch daran riechen“, lachte Rhy jedoch und wollte ihm mit der Hand folgen. Viel zu dicht an seinem Gesicht, wie Tave fand.
„Ich muss gar nichts“, rechtfertigte er sich, bevor der Blonde jedoch nach vorne trat und kurz schnupperte.
Es roch fürchterlich, stellte er fest. Viel zu süß für ein richtiges Parfüm. Irgendwie wie eine Mischung aus Erdbeere und Vanille.
Mit einem säuerlichen Ausdruck schüttelte er also den Kopf.
„Nicht gut?“, wollte Rhy wissen und ließ die Schultern herabsinken.
„Riecht abartig“, brummte der breitschultrige Mann, woraufhin Rhy ihm sofort den nächsten Streifen vor die Nase hielt.
„Und das hier?“
Tave inhalierte das nächste Parfüm und auch diesmal war er nicht begeistert. Es roch ebenso süß und irgendwie auch ein wenig feminin, doch so hatten bisher alle gerochen.
„Nein“, entgegnete er. Allmählich war seine Nase überfordert.
Den nächsten Streifen steckte Rhy ihm förmlich in seine Nasenlöcher, woraufhin Tave niesen musste. Er hatte noch nicht einmal wirklich gerochen, doch er konnte sagen, dass er diesen Geruch schon einmal nicht leiden konnte.
„Pass doch auf!“, polterte er und rieb sich die Nase. Rhy zuckte zusammen und murmelte ein leises „Entschuldigung.“
Tave wollte sich von Rhy abwenden, doch dieser folgte ihm und griff nach Taves Schulter.
„Habe ich nicht so gemeint, du Brummbär!“, lachte er, doch Tave spuckte verächtlich aus.
Er wollte hier heraus. Am besten Nachhause.
Tave hatte den ganzen Tag gearbeitet und nicht unbedingt vor, den Rest des Tages in diesem unleidigen Einkaufscenter zu verbringen. Außerdem hatte es bereits gedämmert, als sie in das Center hineingegangen waren. Mittlerweile musste es bereits dunkel sein.
„Lass uns gehen, du findest sowieso nichts“, sagte er also, doch Rhy zog ihn zurück. Tave mochte den Körperkontakt nicht, doch mittlerweile brachte es nicht einmal mehr etwas, Rhy zu drohen, dass er auf Abstand bleiben sollte.
Der Junge war recht hartnäckig, was das anging.
„Lass uns nur noch eins probieren, bitte! Eine gute Freundin hat mir das empfohlen!“, quengelte er. Tave verdrehte die Augen, aber gab schlussendlich seinem Wunsch nach. Vielleicht wurden sie ja dieses Mal fündig und könnten die grässliche Parfümerie verlassen.
Rhy griff nach einem pinken Flakon mit einem Flamingo drauf und Tave wusste bereits, dass der Inhalt grässlich riechen würde, doch er behielt seine Meinung vorerst für sich.
Der brünette Winzling roch an dem Parfüm und schien begeistert. Vorfreudig hielt er Tave den Streifen vor die Nase, diesmal achtete er darauf, dass er diesen nicht förmlich hineinsteckte.
Tave musste zugeben, dass der Geruch dieses Mal besser war, als er erwartet hatte. Trotzdem glaubte er nicht, dass das Geschenk seinem Empfänger gefallen würde.
Es roch nach Lavendel und einer widerlichen Frucht, die er nicht zuordnen konnte. Vielleicht Pflaume?
„Glaubst du echt, dass Phillip das mögen würde?“, warf er zweifelnd ein, woraufhin Rhy ihn verschreckt anschaute.
„Denkst du nicht?“, hakte er verunsichert nach und Tave zuckte mit den Schultern.
„Es riecht ein wenig süß“, erwiderte er, woraufhin Rhy lächelte.
„Phillip mag Süßes, keine Sorge.“
„Aber möchte er auch so riechen?“, vergewisserte er sich zweifelnd. Tave glaubte nämlich nicht, dass der Freund des Jungen wie ein Erdbeer-Vanille-Muffin oder wie eine Lavendelpflaume stinken wollte.
„Wer möchte nicht süß riechen?“, folgte nun Rhys Gegenfrage, woraufhin Tave ihn ungläubig anstarrte. Das konnte doch nicht sein Ernst sein.
„Ich zum Beispiel“, warf er ein, doch Rhy winkte ab.
„Du bist anders, Tave. Für dich würde ich da drüben in der Männerabteilung nach irgendetwas suchen. Irgendetwas Herbes. Vielleicht Zeder? Das passt zu dir. Aber für dich habe ich schon ein Geschenk, keine Sorge!“
Tave wusste gar nicht, wie er all die wirren Worte des anderen prozessieren sollte.
Was hatte Rhy gerade gesagt? Sie befanden sich in der Frauenabteilung? Ein Blick auf eines der Schilder zeigte ihm, dass Rhy die Wahrheit gesagt hatte. So ein Mist. All das hier war umsonst gewesen. Sie mussten drüben noch einmal von vorne anfangen. Tave spürte die Wut und die Unlust auf weitere Stunden in dem Center tief in sich aufsteigen.
„Wieso haben wir dann die Zeit hier verschwendet?“, wollte er nun verärgert von Rhy wissen, doch dieser schien eher verwirrt, als alles andere.
„Na wir suchen nach einem Parfüm für Phillip, das weißt du doch“, entgegnete dieser völlig überzeugt.
„In der Frauenabteilung?“
„Ja?“
„Was!? Wieso?“
Unglaube machte sich in Tave breit. Das erklärte auch, warum all die vorherigen Parfüms so süß gerochen hatten und er sich diese eher bei einer Frau hätte vorstellen können.
„Wieso nicht?“, entkam es Rhy, welcher das pinke Parfüm aus dem Regal fischte. „Ich glaube, dass ich dieses hier nehmen werde.“
Tave beobachtete, wie Rhy den Tester einsortierte und stattdessen eine kleine Verpackung in der Hand abwog. Er sah fröhlich aus. Er selbst war immer noch erstaunt.
„Weil… weil…“, begann Tave, doch ihm fiel nichts wirklich ein. „Jetzt leg das zurück, Rhy! Das ist Frauenparfüm!“
„Phillip wird sich darüber freuen, es riecht gut!“, blökte Rhy störrisch und schloss das Parfüm in seine Arme.
„Es. für. Frauen.“
Tave zog jedes Wort in diesem Satz besonders lang, sodass es der Dummkopf auch verstand.
„Ist doch egal. Wer sagt, dass Männer kein Frauenparfüm tragen dürfen?“, argumentierte Rhy und schien nun interessiert.
Tave überlegte kurz, doch ihm fiel nicht wirklich etwas ein.
„Weil das nun einmal so ist“, entgegnete er also. „Lass uns gehen, wir schauen nach etwas anderem für ihn. Außerdem riecht es hier fürchterlich.“
„Das sind einfach nur gesellschaftliche Konstrukte, welche dich denken lassen, dass ein bestimmter Geruch einem Geschlecht zugeordnet werden muss. Letztendlich ist es nur ein Geruch. Der ist nicht männlich oder weiblich. Man muss sich von solchen Rollenbildern lösen“, zeterte Rhy trotzdem weiter und auch wenn Tave die Hälfte von dem, was der Jüngling sagte, nicht wirklich verstand, so verlor er das Interesse daran, ihn von seiner Meinung zu überzeugen. Sollte er Phillip doch kaufen, was er wollte.
„Mach doch, was du willst“, sagte er also relativ emotionslos und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Phillip mag Lavendel… das wird ihm bestimmt gefallen“, kam es nun von Rhy, welcher Tave begeistert zur Kasse zerrte.
Das war gut, dann konnten sie möglichst bald dieses Haus verlassen.

Nachdem Rhy das viel zu teure Parfüm bezahlt hatte, waren sie weiter durch das Center geschlendert. Natürlich hatte der andere an jedem einzelnen Geschäft anhalten müssen, während Tave sich einen Kaffee geleistet hatte.
Er trank ihn schwarz, wofür Rhy ihn belächelt hatte, doch Tave würde ansonsten noch einschlafen bei dieser überaus lang andauernden Shoppingtour.
Außerdem war er geschafft von der Arbeit, die er in jedem einzelnen Knochen spürte.
Und dennoch war er noch nicht gegangen und hatte Rhy alleine gelassen, um seine blöden Geschenke für seinen Freund zu kaufen.
Phillip war da etwas pragmatischer, eher so wie Tave.
Er kannte diesen zwar nicht gut – sie hatten sich bisher nur ein paar Mal gesehen, doch anscheinend hing Rhy an diesem mindestens genauso sehr zu hängen, wie an Tave.
Wie eine kleine, lästige Klette, dachte er sich.
Nun ja, er konnte nicht verneinen, dass er doch etwas für den Kleinen empfand, schließlich war es meist lustig, wenn sie gemeinsam Zeit verbrachten und auf eine gewisse Art und Weise fühlte er sich für Rhy verantwortlich. Alleine wäre dieser wahrscheinlich bereits fünf Mal überfallen worden oder wäre irgendwo heruntergestürzt.
Vielleicht hätte er sich auch in einer Kühltruhe im Supermarkt aus Versehen selbst eingeschlossen und wäre erfroren.
Tave wollte sich gar nicht ausdenken, was Rhy passieren könnte. Schließlich hüpfte dieser förmlich blind durch die Gegend, keine Gefahr beachtend und stetig grinsend.
Tave konnte über solch ein Verhalten nur den Kopf schütteln.
Wachsamkeit war wichtig – an jeder Ecke konnte eine Gefahr lauern, wenn man nicht richtig aufpasste.
Als sie den nächsten Laden betreten wollten, hörte er jedoch plötzlich eine glockenhelle Stimme, welche ihm bereits jetzt auf die Nerven ging, obwohl er die dazugehörige Sprecherin noch nicht gesehen hatte.
„Rhy! Bist du es? Rhy! Hallo!“, trällerte ein kleines Mädchen mit blonden Locken und einem roten Herzchenohrring von der anderen Seite des Ganges und rannte zu seinem Begleiter, welcher die Freundin anscheinend ebenso schnell erkannte und sie in eine feste Umarmung schloss.
„Lexa? Was für ein Zufall, dich hier zu sehen!“, sprach er begeistert aus und zog Tave hinter sich her.
„Das hier ist Tave. Er hilft mir, Geschenke für Phillip zu besorgen. Wen hast du denn mitgebracht?“, wollte er wissen und deutete auf ein Mädchen mit etwas dunkleren Haaren, welches neben der Blondine ein wenig unterging.
„Das ist Arna“, entgegnete Lexa mit ihrer nervtötenden Stimme. „Sie kriegt von mir heute ein Makeover, damit sie wenigstens ein bisschen vorzeigbar aussieht. Aber zuvor wollen wir noch ins Kino. Es gibt da einen neuen Film von einer Frau, die einen Mann liebt, doch dieser Mann hat etwas mit einem anderen Mann, der wiederum eine Frau geschwängert hat, die dann aber jedoch lesbisch geworden ist und mit der Frau vom Anfang eine Romanze gehabt hat, die dann aber durch den dritten Mann zerstört wurde… es ist toll!“
Er ignorierte das Geplapper von dieser Lexa und nickte dem anderen Mädchen nur zu, welches diese Geste erwiderte.
Nachdem Lexa geendet hatte, widmete auch Rhy sich dem anderen Mädchen zu. Sie schien das komplette Gegenteil von der Blondine zu sein, welche eher wie ein It-Girl wirkte. Arna trug eher unscheinbare Sachen, während diese Lexa sich aufgetakelt hatte, als würde sie zu einer Party gehen.
„Hallo, ich bin Rhy“, wollte dieser sich gerade vorstellen, als Lexas Augen seine Einkaufstüten erblickten und begeistert nach der Parfümverpackung griff.
„Ach wie süüüüüüß, du hast schon ein Parfüm für ihn! Und dann auch noch das, was ich dir empfohlen habe!“, rief sie fröhlich aus. Sie quietschte bei dem Wort „süß“ so unnatürlich laut, sodass sich alle Leute in ihrer Umgebung kurz umschauten. Dieser Arna schien das ebenso unangenehm zu sein wie Tave selbst.
„Ja, Tave wollte es nicht holen, aber ich finde es gut“, fühlte Rhy sich nun bestätigt und blickte ihn einmal kurz an.
Tave knurrte bedrohlich, doch Rhy ignorierte ihn, woraufhin Lexa ihn kurz hochnäsig anblickte.
„Ich kann das wie gesagt nur empfehlen. Ich hatte das auch mal. Riecht super. Ist auch richtig frisch. Dennoch hätte ich ihm eher ein wenig Makeup geschenkt. Du weißt ja, er hat ja ein paar kleine Hautprobleme“, schwafelte sie und warf sich die Haare zurück.
„Phillips Haut ist schön so wie sie ist“, entgegnete Rhy träumerisch. „Wir müssen mal wieder etwas unternehmen!“, wechselte er anschließend jedoch sofort das Thema, nachdem er seine Bestätigung bekommen hatte und griff nach ihrer Hand.
„Oh ja!“, kreischte Lexa begeistert auf. Tave verdrehte die Augen und auch Arna sah so aus, als würde sie am liebsten von hier weg.
„Wir müssen weiter, Rhy“, brummte er somit nur, was neben der schrillen Stimme von Lexa beinahe untergegangen war, doch auch diese schaute auf ihre pinkfarbene Uhr, welche sie um ihr Armgelenk gebunden hatte und erschrak.
„Meine Güte, wir müssen auch los. Unser Film fängt gleich an. Freut mich, dich mal wieder gesehen zu haben, Rhy!“, verabschiedete sich jedoch so plötzlich, wie sie auch gekommen war.
Tave realisierte gar nicht, wieviel Dankbarkeit er in diesem Moment verspürte.
„Geht mir genauso, Lex“, entgegnete Rhy nur noch im Gehen, woraufhin sie ihm einen Luftkuss zuwarf. Rhy erwiderte die Geste fröhlich und Tave schüttelte den Kopf.
Die Blondine zog ihre stille Freundin hinter sich her. Kurz blickten sie ihnen nach, bevor sie in den Menschenmassen verschwunden waren.
Komisches Mädchen, aber sie passte zu Rhy, wenn er es sich recht überlegte.
„Ach ja, ich liebe Lexa. Mit ihr kann man immer so viel lachen! Und ihre Freundin scheint auch ganz nett“, sinnierte Rhy, bevor er plötzlich stehenblieb.
„Das merkt man“, brummte Tave sarkastisch und wäre beinahe in den anderen Jungen hineingelaufen. Galant schritt er zur Seite, sodass er nun ebenso einen Blick auf das erhaschte, was Rhy so zum Staunen gebracht hatte.
„Kannst du nicht aufpassen?“, meckerte Tave, doch Rhy deutete lediglich auf ein riesiges Schaufenster, welches sich vor ihnen aufgetan hatte. Er folgte dem Fingerdeut des Anderen, welcher nun direkt auf eine Mütze deutete, welche pink zwischen all den anderen Kleidungsstücken herausstach.
„Nein“, antwortete Tave knapp. Auch wenn er Phillip nicht so gut kannte wie Rhy und dieser ihm eigentlich auch egal war, so konnte er doch nicht zulassen, dass Rhy ihm Frauenparfüm und auch noch eine pinke Mütze schenkte.
„Er hat dazu sogar den passenden Schal“, murmelte Rhy nachdenklich. „Oder habe ich den noch? Ach naja, egal. Diese Mütze wird ihn bestimmt…“
„erfreuen?“, beendete Tave den Satz für ihn mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus, doch der Junge überging es einfach.
Oder er merkte es nicht.
Tave wusste es nicht genau.
„Genau. Er wird damit super aussehen!“, fuhr Rhy begeistert seine Rede fort und rannte in den Laden.
„Wir müssen da rein!“, rief er ihm noch zu, bevor er in dem Geschäft verschwunden war.
Tave folgte ihm mit einem genervten Stöhnen.
Hätte ein Geschenk nicht gereicht?

„Wie? Fünfzig Euro?“, hakte Rhy ungläubig nach, als er die Mütze an der Kasse abscannen lassen wollte. Die Verkäuferin zog die Augenbrauen amüsiert in die Höhe. Sie wirkte mit ihrer spitzen Nase äußerst unsympathisch, wie Tave fand. Die Falten ließen sie zusätzlich alt wirken.
Die Frau sah eher aus wie eine Lehrerin, als eine Verkäuferin.
„Natürlich. Das ist Biowolle von Schafen aus Island!“, entgegnete diese nun ein wenig empört und zog Rhy die Mütze weg.
„Oh, aber dafür reicht mein Geld nicht“, erwiderte Rhy und blickte in seinen Geldbeutel, welcher gähnend leer war.
Anscheinend war dies das Stichwort für die Frau.
„Dann können Sie die Mütze leider nicht erwerben“, schlussfolgerte diese harsch, woraufhin Tave ihr einen bösen Blick zuwarf.
Rhy hingegen war ein wenig in sich zusammengesackt.
„Aber es ist doch Weihnachten“, versuchte er es noch einmal, doch die Frau blieb hart.
„Der Preis ist nicht zu verhandeln.“
„Bitte?“
„Nein. Selbst wenn ich es könnte.“
„Hey! Das war fies!“
„Und jetzt verschwindet aus meinem Laden. Ihr vertreibt noch die richtige Kundschaft!“, zeterte die Frau.
Taves buschige Augenbrauen zogen sich wütend zusammen. Was bildete diese Frau sich eigentlich ein?
Rhy hingegen griff noch einmal nach der Mütze, um sie anzufassen.
„Sie ist so weich“, beschrieb er das Kleidungsstück träumerisch, woraufhin Tave Mitleid mit ihm bekam.
„Wir sind richtige Kundschaft“, warf Tave nun bedrohlich ein.
Die Frau ließ sich davon nicht einschüchtern.
„Wenn ihr kein Geld in den Taschen habt, dann seid ihr es offensichtlich nicht.“
Wortlos knallte Tave den verlangten Schein auf den Tresen.
Eigentlich verdiente diese Frau gar kein Geld von ihnen, doch wenn Rhy die verdammte Mütze für Phillip unbedingt wollte, dann sollte er sie halt bekommen.
Außerdem hatte Tave sowieso nicht vor, seinem Bruder Eve ein Geschenk zu machen. Stattdessen wollte er einfach den Abend mit ihm gemeinsam verbringen. Eve hatte vorgeschlagen, dass sie etwas kochen könnten und obwohl Tave nicht besonders begabt darin war, würde er sich seinem Bruder zuliebe an etwas Einfaches herantrauen.
So schwer konnte es schon nicht werden.
Schließlich war es nur Essen.
Er war schon mit Schlimmerem klargekommen!
Außerdem konnte er sowieso nicht wirklich nachvollziehen, wieso alle in solch einen Wahn ausbrachen.
Es waren schließlich nur ein paar Tage im Jahr.
Die Frau vor ihnen hingegen hatte nun das Geld an sich genommen und wog den Schein in ihrer Hand ab, so als könnte sie allein daran erkennen, ob dieser echt war oder nur nachgemacht.
Tave grinste. Nein, die alten Tage waren vorbei.
Dieses Geld hatte er hart und ehrlich erarbeitet.
Rhy neben ihm schaute wie ein kleines Kind zu ihm hoch.
„Du bist der Beste, Tave!“, rief er freudig aus und schloss Tave in eine Umarmung, welcher diese erduldete, bevor er die Tüte in Rhys Hand drückte.
„Jaja. Und jetzt nimm deinen Plunder gefälligst alleine!“, entgegnete Tave nur, woraufhin Rhy ehrfürchtig nach der Tüte griff.
„Ich werde dir das alles zurückzahlen, sobald ich wieder etwas habe!“, versicherte Rhy ihm, während sie aus dem Laden herausgingen.
Der Frau von der Kasse hatte Tave noch einmal einen bösen Blick zugeworfen. Seiner Meinung nach hatte sie noch immer nicht das Geld verdient, doch er wollte sich jetzt auch nicht mehr weiter sinnlos herumärgern.  
Eher witterte Tave die sich anbahnende Freiheit, was ihn sogar etwas positiv stimmte.
Schließlich wäre die Tour jetzt zu Ende.
Tave könnte Nachhause zu seinem Bruder und durfte dieses Einkaufscenter endlich verlassen.
Sie liefen an den letzten Läden vorbei, welche allmählich schlossen, die blinkenden Linker ließen sie jedoch an.
Tausende von Kunden strömten durch die Gänge und man konnte den Stress und die Aufregung förmlich spüren, die sie mit ihrem Gewusel versprühten. Rhy schien es nicht weiter zu kümmern. Obwohl sie bereits alles für Phillip geholt hatten, blieb er freudig vor jedem einzelnen Schaufenster stehen, so wie er es zuvor auch getan hatte. Tave hatte ihn fragen wollen, ob er noch für andere Leute Geschenke suchte, aber er wollte den Jüngling nicht unbedingt noch auf doofe Ideen bringen. Nachher würde Rhy die Shoppingtour noch woanders fortsetzen oder Tave gar fragen, ob er am morgigen Tage erneut Zeit für ihn hätte.
Die hatte er nämlich nicht und selbst wenn, dann hatte er für diesen Tag erst einmal genug Rhy für… viele Wochen gehabt.
Als sie endlich nach draußen traten, begrüßte ihn die kühle Winterluft, welche Tave entspannt aufatmen ließ. Es war bereits dunkel geworden, so wie er es vorausgesagt hatte. Einzelne Sterne waren am düsteren Nachthimmel zu sehen. Die meisten wurden jedoch vom Smog der Stadt verdeckt.
Trotz alledem.
Freiheit.
Er blickte hinüber zu Rhy, dem es erstaunlicherweise ähnlich ging.
„Ach Tave, es ist so schön gewesen“, flötete der Junge und hielt seine Geschenke triumphierend in die Höhe.
Tave grummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart hinein, woraufhin Rhy noch ein wenig dichter zu ihm trat.
„Danke, dass du mir geholfen hast“, plapperte er weiter und zog Tave erneut in eine Umarmung.
Heute schien er ganz besonders liebebedürftig zu sein.
Hätte er das gemacht, bevor sie sich gekannt hatten, dann hätte er sich garantiert einen rechten Haken eingefangen. Tave reagierte auf die Nähe des anderen zwar immer noch ein wenig steif, doch allmählich hatte er sich daran gewöhnt.
Anscheinend machte man das unter Freunden so.
„Kein Ding“, entgegnete er und rang sich zumindest ein kleines Lächeln ab.




_______________________________
@Linda: Ich habe natürlich das Pairing Freundschaft Tave X Rhy genommen. Was auch sonst? Ich muss auch sagen, dass ich Freundschaften wesentlich besser beschreiben kann, als irgendwelche Liebesromanzen. Außerdem muss ich sagen, dass Tave und Rhy sich echtr gut ergänzen, weswegen meine Wahl wohl auf die Beiden gefallen ist.
Ich habe als erstes überlegt, ob ich wirklich den Weihnachtskontext aufgreife, weil ich das zumeist sehr kitschig finde, aber hier hat es gepasst, denke ich.
Ach ja – und ein bisschen Gendertalk musste rein. Vielleicht ein bisschen out of context, aber hey… ich hoffe, dass es dir gefallen hat!
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