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After All Ends

von Eidiznarf
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde John Marston Micah Bell
20.12.2020
12.01.2021
6
20.035
 
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06.01.2021 4.101
 

Die Erinnerungen die mir in letzter Zeit immer häufiger durch den Kopf flogen und mich immer wieder an diese schönen alten Zeiten denken ließen, machten mich langsam wahnsinnig. Das alles wurde nur noch schwerer, je öfter ich von diesen Zeiten träumen sollte.
Hosea war tot und Dutch hatte mich verraten. Keine Ahnung wie oft ich mir dies noch sagen müsste, solange es mich von diesen Gedanken ablenken sollte.
Vor allem würde dadurch so einiges mehr hoch geholt werden und nicht nur die ganze Beziehungssache zwischen mir und Dutch. Wahrscheinlich müsste ich mich irgendwann mit Mir auseinander setzen und das konnte ich in der jetzigen Lage noch weniger gebrauchen.
Ich schälte mich aus meinem warmen Bett und ging die Treppe herunter um mich in den neu gestarteten Tag zu stürzen.
Von draußen konnte ich laute Stimmen vernehmen. Mary-Beth und Pearson schienen sich wieder in den Haaren zu liegen.
Einmal tief durchatmen und hinaus in das wilde treiben. Ich kannte es bisher nur von Miss Grimshaw das Gegenstände flogen, doch nun machte ihr Mary doch direkte Konkurrenz.
„Du blöder Mistsack!“
Ein Teller flog an meiner Nase vorbei, man musste ein geschultes Auge haben um geschickt zwischen den Abständen hindurch zu huschen.
„Guten Morgen, ihr Beiden.“, nuschelte ich zwischen meinen Lippen hinaus und griff nach dem warmen Kaffee am Feuer.
„Gut wäre er, wenn Pearson nicht son Pissbeutel wäre!“, wieder flog ein Teller.
„Es tut mir leid, Mary-Beth! Das war doch alles gar nicht so gemeint. Woher soll ich denn wissen, dass das dein Buch war, welches hier herum lag?“
Ich rollte mit den Augen. Es konnte auch nur Pearson so dämlich sein und nicht weit genug denken können.
„Also Pearson, mein Freund. Ich weiß nicht was du angestellt hast, aber wenn hier Bücher liegen, können das ja eigentlich nur ihre sein.“, nahm einen Schluck von meinem Kaffee schaute ihn an und zog die Schultern hoch.
„Siehst du! Sogar Arthur, der erst seit zwei Tagen hier ist, weiß das es meine Bücher sind! Und er hat wenigstens Respekt vor fremder Leute Eigentum! Ich nehm doch auch nicht deine Schöpfkelle mit auf Klo und benutze sie für zwecksentfremdete Dinge!“
Mit einem Prusten wurde ich den eben noch in meinem Mund befindlichen Kaffee los.
„Du bist so ein Idiot.“, mit einem Lächeln auf den Lippen trank ich einen weiteren Schluck und sah Mary-Beth an.
„Er kauft dir sicherlich ein Neues. Und jetzt hör bitte auf, hier die ganzen Sachen rum zu werfen, wir brauchen die noch.“
Pearson wiederholte noch einmal meinen ersten Satz und langsam wurde Mary wieder ein bisschen entspannter.
„Wehe nicht.“, sagte sie noch einmal an Pearson gerichtet mit der Zornesfalte auf der Stirn.
Das war der Moment, an dem mir klar wurde, dass nicht Dutch unsere „Familie“ zusammen gehalten hat, sondern jeder einzelne von uns. Wie sehr waren mir diese Streiterein auf die Nerven gegangen, doch jetzt zur Zeit, waren sie einfach wundervoll.

„Wann reitest du denn heute los? Würdest du mir vielleicht ein neues Kleid mitbringen?“, Mary hatte sich mit einer Tasse neben mich gestellt und schaute einfach in die Ferne.
„Gleich, nach dem Kaffee. Kann ich machen, möchtest du etwas bestimmtes?“, ich nahm den letzten Schluck von meinem Kaffee.
„Irgendwas Blaues oder Grünes. Aber eigentlich ist die Farbe egal. Du findest schon das Richtige.“, sie lächelte mir zu und verschwand dann auch wieder von meiner Seite.
Der leere Becher landete in dem Waschbottich und ich machte mich auf den Weg zu Hope.

Als wir die Stadtgrenzen Saint Denis's erreichen ist wieder ein ordentliches Treiben auf der Straße, Niemand scheint hier still zu stehen. Alle sind in Bewegung oder beschäftigen sich mit ihrer Arbeit. Die großen Schornsteine reißen Krater in den ebenen Himmel. Der Horizont wirkt einfach unruhig, wenn man hier her kommt. Doch eines musste ich dieser großen Stadt lassen, so hässlich wie sie war, es flanierte hier.
Mein erster Halt sollte das Kleidungsgeschäft sein, es lag am anderen Ende der Stadt und ich müsste dann nicht später noch einmal querhindurch reiten.
Das Schild des Schneiders konnte ich schon vom Anfang der Straße sehen, ich hielt daneben und band Hope fest.

Nach einigen Minuten stand ich mit einem Haufen Stoff in meinen Armen wieder vor dem Geschäft und band das Ungetüm vorsichtig auf Hope fest. Recht zufrieden mit meiner Arbeit wollte ich mich gerade wieder auf den Rücken meines Pferdes steigen, als mein Blick auf etwas Bekanntes traf.

Diese Tür, dort gegenüber an der Ecke, das müsste der Arzt gewesen sein, bei dem ich damals war. Der mir die Tuberkulose diagnostizierte. Der würde Augen machen, wenn ich dort nun kerngesund rein gehen würde.
Ich beschloss dem Mann einen kleinen Besuch abzustatten, außerdem brauchte ich eh noch Medizin.
Meine Hand fasste den Griff und die Tür kam gegen die Klingel, die über dem Eingang befestigt war und ließ somit mein Eintreten nicht unbemerkt.
Der Mann hinter dem Tresen stand mit dem Rücken zu mir und wühlte etwas in den Schränken umher.
„Ich bin sofort bei Ihnen, kleinen Moment.“, dann nahm er einen kleinen viereckigen Behälter und verschwand damit kurz im hinteren Teil.
Ich nutzte den Moment und schaute mich einmal genauer um, faszinierend was hier für Sachen herum standen. Alles sah furchtbar teuer und wichtig aus.
Die Tür schwang wieder auf und der Blick des Arztes traf auf meinen.
„Wie...“, er sah aus als hätte er einen Geist gesehen.
„Guten Tag, Herr Doktor.“
„Aber, Sie...“
„Ja, ich weiß, ich bin eine Augenweide.“
„Ja, aber Sie sollten doch...“
„Tja, das bin ich wohl nicht.“
„Das kann aber gar nicht sein....“
„Wie Sie sehen, ist es möglich. Ich stehe hier, vor Ihnen. Ich hab wirklich eine richtig beschissene Zeit durch gemacht, aber ich bin noch hier. Das wollte ich Ihnen nur gesagt haben.“
Ich ließ den Doktor einfach stehen und wandte mich zum Gehen.
„Bleiben Sie gesund.“, konnte ich noch hören, bevor ich aus der Tür verschwand.

Jetzt musste das Treffen mit Sally statt finden, ich hatte einiges wieder gut zu machen. Was auch immer in der Nacht passiert war, sie hatte mich nicht einfach auf der Straße schlafen lassen. Ich war ziemlich gemein zu ihr gewesen. Ein Charmeur war ich aber noch nie gewesen.
Angekommen am Hotel, stieg ich von Hopes Rücken ab und versteckte das frisch gekaufte Kleid unter meiner Decke. Die drei Stufen die noch zwischen mir und Hotel lagen, waren für mich wie ein Hindernis. Meine Knie beugten sich nicht so einfach, wie gewohnt und meine Beine wurden schwer. Das was mir jetzt bevorstand setzte mir mehr zu, als ich wahr haben wollte.

Angekommen an der Rezeption begutachtete mich der Mann, der hinter dem Tresen stand, einen kleinen Moment. Wägte wahrscheinlich ab, was ich wohl wollen würde.
„Was kann ich für Sie tun, der Herr? Wir haben ein exzellentes Angebot an Schaumbädern oder schöne, ruhige Zimmer um endlich mal abschalten zu können, um dem Alltagstress zu entkommen.“
„Ich suche eine Lady. Sie hat mir geschrieben das sie hier untergekommen ist. Blond, blauäugig und schlank. Sie müsste schon eine Weile hier sein.“ , ich wollte den Mann nicht zu lange aufhalten, eigentlich wusste ich ja auch wo Sally ihr Zimmer hatte. Allerdings wollte ich an dem Mann auch nicht einfach vorbei stürmen.
„Das erste Zimmer gleich links, wenn Sie die Treppe hinauf gehen.“
„Vielen Dank.“

Froh darüber, dass die Unterhaltung schnell beendet war setzte ich meinen Weg in das Obergeschoss fort.
Als ich die Treppe erklommen und vor der Tür stand, dauerte es noch einen Moment ehe ich mich bereit dafür fühlte und klopfte vorsichtig an die Tür.
Klopf.Klopf.Klopf.

Dieser kleine Moment schien eine Ewigkeit zu dauern, ich versuchte zu horchen ob sich etwas in dem Zimmer bewegte und dann auf einmal wurde die Tür zaghaft einen kleinen Spalt geöffnet.

Die klaren blauen Augen schauten vorsichtig in den Flur und begutachten mich genau.
Ich räusperte mich ehe ich etwas sagte: „Hallo Sally.“
Sie öffnete die Tür und bat mich mit einer Arm Bewegung hinein.
Die ersten Momente war es still im Zimmer, sie ging an mir vorbei, während ich auf dem großen Teppich im Zimmer halt machte und setzte sich aufs Bett. Begutachtete mich einen Moment lang genau und zog dann die Augenbrauen ein Stück nach oben: „Ist dir also wieder eingefallen wie ich heiße, dass ist ja schön.“
Sie war eingeschnappt, mit was anderem hätte ich auch nicht rechnen können.
„Tut mir leid, wie ich mich verhalten habe.“, ich rieb verlegen meine Hände ineinander und schaute ihr in die Augen. Sie begann zu lächeln und entspannte sich ein wenig in ihrer Haltung.
„Was kann ich mir schon einbilden? Wir haben uns nur einmal gesehen, es ist schon in Ordnung. Die Situation war nur ein wenig bescheiden. Ich meine, wir sind zusammen in einem Bett aufgewacht und den Abend vorher schien noch alles gut zu sein.“
„Ich muss leider gestehen, dass der Whiskey daran wohl Schuld war.“
Sie nickte dies nur ab. Dann wurde es wieder ruhig im Zimmer.
Diese Stille füllte den kompletten Raum, ich setzte mich neben Sally auf das Bett.
„Ich habe deinen Brief gelesen. Als wir hier zusammen aufgewacht sind, wusste ich nicht einmal das du mir geschrieben hattest.“
„Ich habe dir den Brief schon vor mehreren Wochen geschickt.“
„Ja, ich weiß. Mein Leben ist in den letzten Wochen ein wenig aus dem Ruder gelaufen und es ist einiges passiert, außerdem wurde er auch von mir fern gehalten. Ich habe ihn durch Zufall in einer Kommode entdeckt.“
Unsere Blicke trafen sich. Ich ging meine Erinnerungen durch, ob ich jemals so blaue Augen gesehen hatte.
„Ist schon gut, Arthur. Ich hätte, um ehrlich zu sein, nicht damit gerechnet, dass du die Größe hast, deine Fehler zu entschuldigen. Ich habe dich da wohl falsch eingeschätzt.“, sie lächelte mich an.
„Ich bin zwar ein Grobian, aber ich merke schon wenn irgendwas in die Hose geht.“
„Das hätte ich mir von Madame Margaret auch gewünscht.“, sprach Sally eher zu sich selber und versank dann in ihren Gedanken.
„Was ist denn passiert?“
„Nun ja, unser Tiger ist auf sie los gegangen bei der Show. War nicht wirklich schön. Die Polizei musste das Tier dann auch erschießen. Madame Margaret ist dann mit ziemlich schlimmen Verletzungen zu einem Arzt gekommen. Der Doktor hat sich wirklich reizend um sie gekümmert, aber es sollte wohl einfach nicht sein. Es hat keine zwei Tage gedauert, da ist sie ihren Verletzungen erlegen.“
„Das tut mir leid. Sie war zwar merkwürdig, aber das hat sie nicht verdient.“
Sally tauchte noch einmal tief in ihre Gedanken und hielt ihre Tränen tapfer zurück.
„Also, wenn ich ehrlich bin, habe ich schon damit gerechnet. Die Madame ist zu leichtfertig mit den Tieren umgegangen.“
Das wollte ich nicht weiter kommentieren. Die Erinnerung an den Tag, an dem ich die beiden das erste Mal getroffen hatte flammte wieder auf. Diese umgefallenen Wagen und diese Hilflosigkeit, wenn ich damals nicht zufällig vorbei gekommen wäre, dann hätten die beiden ihre Tournee beenden können. Immerhin hatten sie es noch bis Saint Denis geschafft und Sally hatte ein Hotel gefunden, in dem sie erst einmal bleiben konnte.
„Was hast du denn nun vor, Sally?“
„Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht wirklich. Ich habe ja nun nichts mehr, was mich hier noch hält. Die Überlegung war da, vielleicht wieder zurück nach Hause zu gehen. Aber auch das sollte schwierig werden, da so langsam meine gesamten Ersparnisse aufgebraucht sind und ich weder ein Zugticket noch ein Pferd habe um hier weg zu kommen.“
„Wieder zurück nach England?“
Sie fing an zu lachen: „Nein, nein. Madame Margaret kam aus London, ich selber stamme aus Armadillo. Meine Mutter lebt auch noch dort.“
Einen Moment musste ich überlegen, vielleicht wäre es möglich das sie mit mir kommt. Allerdings konnte ich nicht sagen, ob es mir möglich wäre bis nach Armadillo zu reisen.
„Soll ich dich vielleicht begleiten? Du müsstest ein paar Umwege in Kauf nehmen, aber wir wären beide nicht alleine und du würdest kostengünstig reisen.“
„Das würdest du tun?“
„Nun ja, ich habe ja sicherlich noch ein bisschen was gut zu machen.“
Ich stand auf und hielt ihr meine Hand hin. Wenn es nach mir ginge, könnte ich nicht früh genug aufbrechen. Saint Denis war mir sowieso noch nie ganz geheuer. Dann könnten wir beide die erste Nacht bei Mary-Beth und Pearson verbringen. Einen Schlafplatz würden wir schon wieder herrichten und dann könnten wir Morgen in der früh aufbrechen.
Sally griff meine Hand und ließ sich hochziehen, so das sie nun mit mir vor dem Bett stand.
„Warte noch einen kurzen Augenblick. Ich muss noch schnell meine Sachen packen.“
Ich rechnete mit dem Schlimmsten und dachte ich müsste nun ewig warten, doch innerhalb von wenigen Minuten standen wir vor dem Hotel und banden ihre Sachen auf Hopes Rücken zu dem neugekauften Kleid.
Der Hotelangestellte hatte sich nett von Sally verabschiedet und wünschte ein baldiges Wiedersehen. Sie erwiderte höflich, dass dies wohl nicht der Fall sein würde.

Sally und ich liefen neben Hope her. Ich hatte ihr Angeboten das sie sich ruhig setzen dürfte, doch sie wollte dann lieber mit mir laufen. Eins musste ich ihr lassen, auch ich hatte sie falsch eingeschätzt.
„Das ist wirklich ein wunderschönes Tier.“, immer wieder war Sally vollkommen fasziniert von Hope.
„Araber. Sehr stolz und wirklich edle Tiere. Außerdem ist sie, soweit ich weiß, einige von wenigen weißen Stuten.“
°Darf ich sie mal führen?“
„Sie ist sehr vorsichtig mit Fremden. Nicht das sie durchgeht und wir unsere Sachen...“, ich hatte noch nicht einmal meinen Satz beendet, da hatte Sally mir die Zügel schon aus der Hand genommen und schaute mich nur mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Es dauerte nicht lange bis Hope realisierte das nicht mehr ich die Zügel hielt. Doch statt, wie ich dachte durchzugehen, riss sie nur einmal kurz erschrocken den Kopf nach oben, schnaubte dann und ging entspannt neben Sally her.
„Okay, das ist neu.“, ich schaute verwundert zu den beiden Mädchen rüber.
„Dann bin ich wohl etwas Besonderes.“, sie blinzelte mir mit ihrem rechten Auge zu und schmunzelte zufrieden.
„Ich schiebe es mal auf deine Erfahrung mit Tieren.“
Ehrlich gesagt, musste ich gestehen, dass ich schon ein wenig eingeschnappt war. Damals als ich Hope am Lake Isabella fing, hat es bestimmt zwei Stunden gedauert, ehe sie sich wirklich auf mich eingelassen hatte. Und nun ging ich hier, neben dieser Frau die sich einfach die Zügel genommen hatte, bei der es nicht einmal drei Sekunden gedauert hatte.
Ich atmete einmal tief ein und aus, um nicht völlig die Haltung zu verlieren.

Wir gingen eine Weile.
Bis wir dann endlich die Lichter des Anwesens durch das Geäst sehen konnten.
Sally und Hope blieben kurz stehen.
„Hier wohnst du?“, Sallys Augen fingen an zu funkeln: „Wieso willst du mich nach Hause begleiten, wenn du so wohnst?“
„Das Äußere täuscht, glaub mir. Außerdem ist es auch nur vorübergehend. Komm, ich muss dir jemanden vorstellen.“
Ohne lange zu überlegen griff ich ihre freie Hand und zog sie weiter gen Anwesen. Aus der Ferne konnte ich schon die Stimmen von Mary-Beth und Pearson ausmachen. Die Beiden hatten sich schon wieder in den Haaren.
„Leute, bitte! Wir haben Besuch.“, als wir nah genug heran gekommen waren unterbrach ich das Gezeter. Sally und ich standen immer noch Hand in Hand da und warteten bis die beiden realisierten das sie nicht mehr alleine waren.
Pearson drehte sich als erster um und sein Blick huschte erst zu mir und wich dann aus zu Sally. Seine Lippen bildeten ein Lächeln und er kam auf uns zu.
„Hallo Miss. Kann ich Ihnen einen schönen leckeren Eintopf anbieten? Er ist gerade fertig gestellt.“ Er machte eine Art Verbeugung und blieb in seiner gebückten Haltung. Sallys fragender Blick suchte meinen, doch mehr als mit den Schultern zu zucken und leicht zu schmunzeln hatte ich nicht auf Lager. So hatte Pearson noch nie auf einen Neuankömmling reagiert, für mich war die Situation mindestens genauso merkwürdig.
Sally räusperte sich kurz und stimmte dann zu. Pearson richtete sich wieder auf und machte sich auf dem Weg zu seinem Kessel.
Mary-Beth stand in einiger Entfernung und ihr Blick lag direkt auf unseren ineinander liegenden Händen, erst jetzt realisierte ich, dass ich Sallys Hand immer noch fest hielt und ließ diese sofort los. Einen kleinen Moment lang fühlte es sich merkwürdig an, ihre Haut und ihre Wärme nicht mehr zu spüren.
„Mary-Beth, das ist Sally.“, sprach ich lauter, da Mary immer noch in einiger Entfernung zu uns stand. Sie hatte sich bisher noch keinen Meter weiter bewegt. Normalerweise war sie liebenswert und schloss Jeden sofort ins Herz, doch jetzt machte sie nicht einmal die Anstalten freundlich zu sein. Stattdessen drehte sie sich einfach weg und verschwand im Haus.
Verstehe mal einer die Frauen.
„Hope kannst du einfach frei stehen lassen, die läuft nicht weg. Ich bin gleich wieder zurück.“, ich band schnell die Sachen von Hopes Rücken los und verschwand dann, mit dem Kleid von Mary in meinen Armen, im Haus.
Es dauerte einen Moment, ehe ich Mary gefunden hatte.
„Hier, ich habe dir dein Kleid mitgebracht.“
„Danke.“, sie stand in Mollys und Dutchs Zimmer und lehnte im Türrahmen der nach draußen auf den Balkon führte, drehte sich nicht einmal um.
„Willst du es denn nicht mal ansehen?“, ich stand in der Zimmertür und wartete auf irgendeine Reaktion, ging nach einigen Moment ein wenig auf sie zu.
„Du bist also wegen ihr noch einen Tag länger geblieben? Wer ist sie?“
Mein Gehör war nicht genug ausgeprägt um Sachen heraus zuhören, was Emotion anging. Doch hier war ich mir ziemlich sicher, dass ein kleiner Funke Eifersucht vorhanden war.
„Wirklich? Ich habe sie vor einigen Monaten mal aus einer misslichen Lage befreit und durch einige andere Umstände ist sie nun ganz alleine. Ich begleite sie nach Hause. Nach Armadillo.“
„Nach Armadillo?! Bist du wahnsinnig? Du weißt, dass du da durch Blackwater durch musst? Du willst ganz eindeutig sterben. Du bist doch beinahe verreckt! Dann lege es doch nicht noch einmal darauf an!“, Mary hatte sich endlich zu mir umgedreht, stemmte ihre Fäuste in die schlanken Hüften und schrie mich an. Diese Emotion verstand ich.
„Lass das mal meine Sorge sein! Ich hab es das letzte Mal auch ganz gut ohne deine klugen Ratschläge geschafft!“
Das Kleid landete kraus auf dem Bett und ich stapfte aus der Tür und die Treppen wieder hinunter. Für mich war so etwas nie einfach gewesen, Gefühle oder Zwischenmenschliche Dinge hatten meistens Dutch oder Hosea erledigt. Meistens stand ich in zweiter Reihe und war bereit für eine Prügelei oder Schießerei.
Meine Füße führten mich hinters Haus, ich konnte jetzt gerade nicht Rede und Antwort stehen. Sally und Pearson hatte das Geschreie sicherlich mitbekommen, es war ja auch nicht zu überhören gewesen.
Die Überreste eines alten Schuppens in einiger Entfernung zum Haus, dienten als Sitzmöglichkeit und ich kaute auf meinen Lippen herum.
So viele Gedanken wie jetzt, flogen mir noch nie im Kopf herum. Meistens belastete ich mich einfach nicht mit so etwas. Doch jetzt gerade machte mich das Verhalten von Mary-Beth wirklich wahnsinnig und das Sally Alles mitbekommen hatte, machte es nicht wirklich besser.

Zwei Stunden vergingen, ehe ich mich wieder gefangen hatte und ich mich auf den Weg zurück zu den Anderen machte.
Das Feuer knisterte und Sally und Pearson saßen nebeneinander auf dem Holzstamm.
„Na, da ist ja der verlorene Sohn. Ich werde mal rein gehen und mit Mary-Beth reden.“, damit verabschiedete sich Pearson und ging ins Haus.
Sally klopfte neben sich auf die Rinde und symbolisierte mir damit, ich solle mich dazu setzen. Die Wärme der flammen schossen direkt in meinen Körper, ich hatte nicht bemerkt wie kalt mir gewesen war. Ein wohliges Gefühl stieg in mir auf.
„Also?“, Sally kreuzte die Beine und legte ihre Hände ineinander.
„Was willst du wissen?“
„Du bist beinahe, wie hat deine charmante Freundin das gesagt, „verreckt“ ?“
„Als wir beide uns das erste Mal getroffen hatten, muss ich bereits krank gewesen sein. Ein Arzt hatte Tuberkulose diagnostizierte und gab mir nicht mehr viel Zeit. Bin dann aber auch noch halb tot geprügelt worden und meine Genesung hat sicherlich drei oder vier Wochen gedauert.“
„Tuberkulose? Wieso sitzt du dann noch hier?“, Sally riss die Augen ein Stück weit auf und wirkte ein wenig verschreckt.
„Es war wohl doch keine Tuberkulose.“
Sie atmete einmal kräftig aus, wirkte erleichtert.
„Aber was jetzt in die Dame da oben gefahren ist, kann ich Dir auch nicht sagen. Normalerweise ist Mary-Beth nicht so.“
„Ja, normalerweise ist ein Puma auch kein Tiger.“, sie fing an zu lachen und stieß mir mit den Ellenbogen spaßig in die Seite.
Wir saßen noch eine Weile einfach am Feuer und starrten in das Schauspiel der Flammen.
Mein Blick hob sich, als ich am Haus eine Bewegung wahrnahm und sah das Pearson und Mary-Beth auf uns zu kamen.
Sie setzten sich gegenüber von uns auf Stühle. Die Momente der Stille waren beruhigend und das Knistern des Holzes unter der Hitze ließ mich vollends entspannen.
„Arthur, ich hatte kein Recht so mit dir zu reden. Ich mache mir einfach Sorgen. Es war schrecklich nicht zu wissen wie es den Anderen geht und dann standst du auf einmal da und hast mir wieder Hoffnung gegeben, dass Alles wieder so wie früher werden könnte.“
„Es wird nie wieder ein „Früher“ geben.“, ich sagte es schroff, vielleicht ein wenig zu schroff. Denn es dauerte nicht lange und die ersten Tränen begannen zu fließen.
Sally starrte mich entsetzt an: „Wie kannst du das einfach so sagen? Sei doch nicht so ein Idiot.“ Sie sagte es gerade so laut, dass ich es hören konnte und direkt setzte sich bei mir das schlechte Gewissen durch.
„Tut mir leid Mary, das war jetzt auch nicht richtig von mir. Aber die Familie von früher gibt es eben einfach nicht mehr.“, ich versuchte es in einem netteren Ton. Doch die Tränen von ihr hörten einfach nicht auf zu laufen. Sally schaute mich wieder mit Nachdruck an und verdrehte die Augen.
„Aber wir können vielleicht eine neue Familie aufbauen. Nachdem das Alles vorbei ist.“, ich klang wirklich armselig, ich versuchte so ruhig und so sanft wie möglich zu sprechen um es nicht noch schlimmer zu machen.
Sally nickte mir zu und Marys Blick traf auch wieder auf meinen. Ihre roten Augen schienen sich nicht mehr sofort mit Tränen zu füllen.
„Danke Arthur.“, sie wischte sich mit dem Handrücken die restliche Nässe von den Wangen und beruhigte sich langsam wieder.
Pearson hatte die ganze Zeit über daneben gesessen und immer mal wieder mit seiner Mimik auf die Sachen reagiert, die ich gesagt hatte. Jetzt lachte er sich in sein Fäustchen.
Die Schmach musste ich mir nicht weiter geben, ich stand auf und ging zu der Kiste mit den Whiskey-Flaschen und nahm mir eine davon.

„Ich nehme auch eine.“, Sally stand neben mir und griff ebenfalls in die Kiste. Sie öffnete sie und nahm einen ordentlichen Schluck. Verzog nicht einmal das Gesicht.
Ich tat es ihr gleich.
Wir gingen wieder zurück ans Feuer und setzten uns zu den anderen Beiden.

Der Abend verlief ruhig und es kam zu keinen weiteren Streitigkeiten.
Nach einigen Stunden, einigen Flaschen mehr Whiskey, gingen wir ins Haus und ich zeigte Sally wo sie schlafen konnte. Ich überließ ihr mein Bett und ich ging hinunter auf die Couch. Einige Momente war ich noch bei klarem Verstand und dachte über die nächsten Tage und Wochen nach. Sally würde eine gute Reisebegleiterin sein, sie war immer fröhlich und strahlte eine gewisse Leichtigkeit aus.
Die Hoffnung, dass ich vielleicht unbeschadet durch Blackwater kam wuchs in mir heran. Vielleicht hatten die Leute dort, vergessen was passiert war und Niemand konnte sich an mein Gesicht erinnern.
Mein Körper sank zurück in eine waagerechte Position, meine Augen suchten sich einen Punkt an der Decke und ich ließ meine Gedanken ein wenig weiter schweifen, bis ich müde wurde und einschlief.

Er stand über mir und ich spürte seine Tritte. Diese Schmerzen an meinem Körper waren unbeschreiblich. Meine Lunge quittierte beinahe ihren Dienst. Ich konnte spüren, wie sie kämpfte und versuchte nach Luft zu holen. Doch jeder Tritt, ließ die Luft aus meinem Körper wieder entweichen. Dieses hämische Lachen machte mich rasend vor Wut. Doch dieses stechende Gefühl an meinem ganzen Körper ließ mich nicht das tun, was ich tun wollte.
„Lass ihn einfach hier. Er wird es eh nicht schaffen.“
Diese schemenhafte Gestalt die mir so bekannt vor kam, die sich zwischen mich und die Sonne stellte, mein Vater.
Er ließ mich einfach zurück.
Überließ mich einfach meinem Schicksal.
Die Schmerzen entwichen aus meinem Bewusstsein und das einzige was ich wahrnahm war das wohlige Gefühl der letzten Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Dieser Sonnenuntergang stimmte mich friedlich. Friedlicher als ich sein sollte.
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