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The Rómentári

GeschichteAbenteuer, Romance / P16 / Gen
Aragorn Boromir Faramir OC (Own Character)
20.12.2020
06.03.2021
16
76.715
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23.02.2021 4.533
 
14 - Geständnisse


Boromir lief zum Speisesaal, sein Kopf gesenkt voller finsterer Gedanken. Er hatte es tief in seinem Herzen versucht – wirklich – sich irgendwie, konnte er sich nicht selber dazu bringen Tíniel zu vergeben. Die Frau hätte seine Stadt dem Untergang geweiht, seine Familie gestürzt, und vielleicht sogar den Mann den er liebte mit der Prophezeiung verletzt. Und dennoch hatte sie es geheim gehalten, es an ihr Magen lassen… Und nicht einmal hatte sie in den vier Jahren in denen sie sich kannten, darüber mit ihm gesprochen. Das war es was am meisten schmerzte.
Er schüttelte wütend seinen Kopf. Er würde es nicht einen weiteren Tag über sich hängen lassen. Es waren größere Entscheidungen zu treffen, wichtigere Dinge zu bedenken als eine persönliche Fehde. Dinge wie, ob oder ob nicht er den Ring auf seinen Weg nach Mordor begleiten würde. Boromir war noch immer nicht überzeugt von der Weisheit eine solch mächtige Waffe zu zerstören, eine die gut genutzt wäre um den Feind zu besiegen und Frieden zu bringen. Doch die Entscheidung war von Leuten getroffen worden die mächtiger waren als er, und er würde sich daran halten.
Das einfachste wäre umzudrehen und zurück nach Minas Tirith zu gehen, seinem Vater Nachricht zu bringen über alles was beim Rat besprochen wurde. Doch etwas nagte an seiner Ehre. Warum hatte der prophetische Traum ihn nach Bruchtal geschickt, wenn nicht um der Gemeinschaft beizutreten und seinen Teil im Krieg zu tun? Hatten die Valar dies für ihn vorhergesehen? Er war nicht dumm; er wusste dass seine Fähigkeiten als Krieger beeindruckend waren. Warum sollte er sie nicht für Gutes einsetzen um den Ring und jene die ihn begleiteten zu beschützen?
Die Stirn in Gedanken gerunzelt ging er in den Speisesaal und rannte in jemanden.
„Verzeihung.“, fing er an zu sagen, doch die Worte erstarben auf seinen Lippen als er realisierte in wen er gelaufen war. Es war Tíniel, flankiert von keinem anderen als Aragorn und dem Elb Legolas.
„Euch einen guten Morgen.“, murmelte er, spürte ein Ziehen ihn seiner Brust als er sie sah, und er drehte sich auf dem Absatz um, um zu gehen.
„Boromir, bitte.“, sagte Tíniel schnell, ihre Stimme schmerzerfüllt. Er hielt an, drehte sich aber nicht um.
„Willst du nicht mit mir reden?“, fragte sie. Er konnte sich ihre braunen Augen vorstellen, groß und flehend. „Ist das nicht bereits lange genug fortgefahren worden?“
Die Zähne zusammen beißend, wandte er sich ihr zu. „Ich dachte ich hätte mich bereits klar über meine Gefühle geäußert.“, sprach er leise.
Sie biss sich auf die Zähne, und er wusste gut genug dass sie einen Gefühlsausbruch zurück hielt. „Bitte,“, sagte sie. „ich habe an diesem Ort wenig Freunde.“
Für einen Augenblick stellte er sich vor alles zu vergeben, sie in seine Arme zu ziehen damit die Dinge wieder so wurden wie sie vorher waren, und er sie ärgern konnte und seine kleine Schwester nennen konnte. Doch er blinzelte und der Gedanke verschwand.
„Nun, geh sicher dass du sie nicht betrügst.“, sagte er kühl. Und es war eines der wenigen Male seit er sie kannte, sah Boromir wie sich Tíniel’s Augen weiteten und mit Tränen füllten. Er bereits seine Worte sofort, doch er nahm sie nicht zurück.
Aragorn trat vor. „Boromir, bitte.“, sagte er. „In diesen Zeiten, ist es weise seine Feinde zu kennen. Aber Tíniel ist nicht eine von ihnen.“
Boromir schüttelte den Kopf, und sein Blick hielt ihren. „Wenn du es sagst.“, sagte er und ging ohne Frühstück.

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Tíniel beobachtete wie Boromir zurück wich, hasste das brennende Gefühl von Tränen hinter ihren Augen. „Ich habe nicht weniger erwartet.“, sagte sie leise als Reaktion auf Aragorn und Legolas mitleidigen Blicken die sie ihr zu warfen.
„Er wird drüber hinweg kommen.“, sagte Aragorn.
„Wir werden sehen.“, gab sie niedergeschlagen zurück, versuchte dann aber ihre Stimme fröhlicher klingen zu lassen. „In der Zwischenzeit – hast du mit Herr Elrond gesprochen?“
„Er stimmte zu uns gegen Mittag zu treffen.“, sagte Aragorn. „Bis dahin, habe ich… andere Dinge um die ich mich kümmern muss.“
Tíniel zwang sich nicht die Augen zu verdrehen; sie fing an überdrüssig von Aragorn’s absoluten Mangel an Vertrauen zu sein. Sie waren Fremde, sicherlich, doch es bedeutete kaum dass sie ein Spion des Feindes war.
„Ich denke ich werde zu den Übungsplätzen gehen.“, sagte sie. „Ich habe zu lange keine Klinge mehr geschwungen.“
Legolas zog seine Augenbrauen hoch. „Du kämpfst?“, fragte er interessiert.
„Natürlich,“, gab sie zurück. „alle Khandi Stammesfrauen kämpfen, bis dass sie verheiratet sind.“
„Und ich vermute dass du nicht verheiratet bist?“, fragte Aragorn.
Ein Bild von Borund tauchte in ihren Gedanken auf, doch sie drängte es zurück und schüttelte den Kopf. „Zum Glück für alle ledigen Männer, habe ich nicht viel Interesse an einer Heirat.“
„Hättest du etwas gegen Begleitung während du trainierst?“, fragte Legolas und bot ihr seinen Arm an. Sie zuckte zustimmend mit den Schultern und sie verließen Aragorn. Legolas führte Tíniel die geschwungenen Wege entlang.
„Du überrascht mich immer wieder, Prinzessin.“, sagte er während sie gingen.
Tíniel lächelte leicht. „Ich bin mir nie sicher ob du mir ein Kompliment machst oder mich beleidigt.“, antwortete sie trocken.
„Ich werde warten bis dass ich dich kämpfen gesehen habe um das aufzuklären.“
„Hast du jemals die Khandi kämpfen gesehen?“, fragte sie.
Legolas schüttelte seinen Kopf. „Habe ich nicht, aber ich weiß dass Aragorn einst gegen sie kämpfte, in einer anderen Zeit und unter einem anderen Namen.“
Sie schaute rasch auf. „Er hat gegen meine Leute gekämpft? Behandelt er mich deshalb so komisch?“
Legolas runzelte die Stirn. „Komisch?“
„Alles was er zu mir sagt ist so kalkuliert dass es nichts bedeutet.“, sagte sie. „Es ist als würde er denken dass ich hier maskiert bin um Informationen für Sauron’s Armeen zu sammeln.“
„Ah,“, nickte Legolas. „das ist nicht komisch für ihn. Er behandelt alle Personen so.“
„Er behandelt dich nicht so.“
„Ich kenne ihn seit vielen Jahren, also vertraut er mir.“
„Ich verstehe.“, sagte sie kurz angebunden. Also, Aragorn war jemand der nur langsam vertraute; sie vermutete dass sie es ihm nicht verübeln konnte, aber sein Verhalten schien dennoch etwas übertrieben.
„Hier sind wir.“, sagte Legolas, fröhlich wie immer. „Die Übungsplätze.“
Tíniel sah kritisch über sie. Sie waren nicht so viel anders wie die in Minas Tirith, außer, das hier Elben waren. Sie wirbelten elegant umeinander, sie Schwerter verschwommen während sie komplizierten Mustern folgten. Sie schüttelte ungläubig den Kopf als sie die Scheide von ihrem Gürtel löste.
Legolas holte sein eigenes Schwert heraus und schwang ein paar Mal damit. „Würdest du mir die Ehre erweisen und gegen mich kämpfen?“, fragte er.
Tíniel schnaubte. „Für die fünf Sekunden die ich aushalte, wäre es mir ein Privileg.“
Sie traten gegenüber von einander in den Ring, und Tíniel sprang ein paar Mal auf und ab um ihr Herz zum Rasen zu bringen. Legolas stand und sah sie an, entspannt und beinahe katzenhaft anmutig, beobachtete sie mit einem Hauch eines Lächelns. Sie konnte kaum etwas aus seiner Haltung lesen, aber sie hatte bereits jegliche Hoffnung auf Erfolg gegen ihn aufgegeben. Zumindest wäre es eine Erfahrung, überlegte sie.
Er griff ohne Vorwarnung an, schwang mit blitzschneller Geschwindigkeit nach ihr von ihrer Linken Seite aus. Sie parierte schnell und versuchte den Rückschlag zu nutzen um ihr Schnelligkeit für ihren eigenen Angriff zu geben, doch Legolas wehrte ihre gebogene Klinge mit Leichtigkeit ab. Sie sprang zurück und sie kreisten für einige Sekunden umeinander.
Nach einem Moment trat Tíniel vor, schwang mit so viel Kraft wie sie aufbringen konnte. Erneut, wehrte er ab und sie musste sich sofort verteidigen als Legolas sie langsam zurück zwang, Schlag um Schlag. Eine kleine Lücke in seinem Angriff findend, duckte Tíniel sich unter seiner Klinge und trat um ihn herum. Er wirbelte herum, und sie umkreisten sich erneut.
Denke, hallte die Stimme des Khondyë’s in ihrem Kopf. Spiele auf deine Stärken. Ihre Verteidigung war gut, das wusste sie. Ihre Angriffe könnten effektiv sein, aber nicht wenn sie sich auf rohe Kraft verließ. Dort konnte sie Legolas auf keinen Fall besiegen, und auch wenn sie bezweifelte dass sie genauso schnell war wie er, hatte sie damit eine bessere Möglichkeit. Tief durchatmend, sammelte sie ihre gesamte Angst vor der Prophezeiung, alle Ungewissheiten der Zukunft, all den Schmerz von Boromir’s Zurückweisung, in ihre Klinge. Sie war konzentriert und sie war schnell. Sie griff an.
Dieses Mal kämpften sie mit wirklicher Geschwindigkeit. In einem wirbelnden Strudel aus Silber trafen sie aufeinander, der einzige Hinweis auf die Gewalt war das Geräusch ihrer zusammenschlagenden Klingen. Beide schlugen aus und duckten sich und wirbelten herum, keiner von ihnen verlor an Boden und keiner gewann die Überhand – bis, ohne Vorwarnung, sie zu einem plötzlichen Halt kamen.
Tíniel stand mit gehobenen Kinn um das Langmesser zu meiden welches Legolas gegen ihre Kehle drückte.
„Ich gebe auf.“, keuchte sie, stand auf Zehenspitzen. „Du schneidest ziemlich gut ab, Legolas. Lass mir doch etwas Freiheit zum Atmen?“
Er entfernte das Messer und steckte es weg, zusammen mit seinem Schwert. „Verzeihung, Prinzessin.“, antwortete er. Tíniel bemerkte zufrieden dass er ebenfalls schwer atmete. „War das ein Paradebeispiel wie die variag kämpfen oder sind all deine Leute ebenso talentiert?“
„Es waren hauptsächlich Techniken der variag,“, sagte sie „zusammen mit Methoden aus Gondor und ein wenig aus dem Einfluss der Piraten. Und über dich – ziehen die Elben aus deinem Königreich üblicherweise ein Messer mitten in einem Duell?“
„Wir tun was wir müssen.“, gab er mit einem Lächeln zurück. „Doch du hast gut verloren. Du bist eine fähige Kriegerin und jetzt denke ich dass alle Freien Menschen von dir hören werden.“
Tíniel schaute sich um. Die anderen Paare auf den Feldern fuhren mit ihren Übungen fort, doch die überschauenden Balkone waren nicht leer von Zuschauern.
„Ich vermute nicht dass es meinem Ruf noch mehr schaden kann als bereits geschehen ist.“, sagte sie finster, kontrollierte ihr Schwert nach Kerben und steckte es ein. „Niemand wäre zu überrascht dass das Mädchen aus der Prophezeiung fähig ist Menschen zu töten.“
„Doch sie macht es ausgesprochen gut.“, sagte eine neue Stimme. Tíniel schaute auf; es war Elrohir, der Elb welcher ihr und Boromir Imladris gezeigt hatte. „Wenn es Euch befriedigt, Lady, würdet Ihr mir die Ehre erweisen und mit mir kämpfen?“
Tíniel schüttelte den Kopf bei Legolas' Gelächter und zog ihr Schwert.

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Elrohir hatte Recht; sie kämpfte ausgesprochen gut. Aragorn beobachtete vom Balkon oben aus als Tíniel mit dem zweiten Elb kämpfte. Sie konnte sich sicherlich behaupten, dachte er. Selbst gegen Elben. Trotz alledem, war er überrascht. Er hatte nicht gewusst was er von der gedrungenen Frau mit den strahlenden Augen aus seinen Träumen erwartet hatte, aber sie war anders als alle die er jemals kennengelernt hatte.
„Sie ist seltsam, oder?“, sagte Elrond in Sindarin, welcher neben ihm zum Stehen kam.
„Um es milde auszudrücken.“, antwortete er.
„Sie ist eindeutig als Anführerin geboren, und dennoch hat sie keine Allüren und hält sich selber als eine Kriegerin.“
„Vielleicht verhalten sich so die Führer aus dem Süden.“
„Oder sie ist so.“, gab Elrond umständlich zurück. „Allem Anschein nach ist sie sehr sympathisch. Sie ist optimistisch und energiegeladen, dennoch intelligent und fähig. Was für eine seltsame Kombination es ist so zu sein in diesen Tagen.“
Aragorn sah ihn verwirrt an. „Genug von deinen elbischen Rätseln, wenn es in Ordnung ist. Was versuchst du mir zu sagen, mit all deiner alten Weisheit? Was sollte ich wissen?“
„Ich bin durchaus alt.“, sagte Elrond mit einem Lächeln. „Doch ich bin kein Narr. Die Valar haben dich mit einer Verbündeten in schweren Zeiten gesegnet, doch du lässt sich nicht rein.“
Er runzelte die Stirn. „Sie rein lassen?“
„Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit, mein Sohn. Sie ist nicht aus Glas. Du musst mit ihr sprechen, wirklich mit ihr sprechen. Hör auf sie so zu behandeln wie du alle anderen behandelst.“
„Und wie behandele ich alle anderen?“
„Du hältst sie alle eine Armlänge von dir fern, versuchst sie zu beschützen. Und das ist bewundernswert, sicherlich, doch unhaltbar – besonders gegenüber dieser Frau, welche der größte Gewinn sein könnte.“
„Ich bin skeptisch ihr gegenüber weil ich es sein muss.“, gab Aragorn leise zurück, schaute wieder dort hinunter wo Tíniel über etwas lachte was Elrohir gesagt hatte. „Ja, die Valar schickten mir Träume von ihr, doch ich weiß nicht was sie bedeuten. Was wenn sie eine Warnung sind? Muss ich ihr einen Vertrauensvorschuss geben, dieser Frau welche ich kaum kenne all meine Geheimnisse und Pläne erzählen, in der kleinen Hoffnung dass sie vertrauenswürdig ist?“
„Dies ist genau das was ich vorschlage.“, sagte Elrond, so als wäre es das einfachste in der Welt. „Jede Hoffnung die wir in diesen Zeiten haben ist fragil, und jeder Schritt ist ein Vertrauensvorschuss. Wir schicken den Einen Ring auf eine gefährliche Situation in die Arme des Feindes; was könnte närrischer sein als das? Schaue an deinen eigenen Ängsten vorbei und baue eine Verbindung zu dieser Frau auf. Genau dies könnte den Ausschlag für Mittelerde geben.“
„Du lässt alles so dramatisch wirken.“, sagte Aragorn. „Vielleicht wenn ich das Frühstück morgen verpasse könnte das ebenfalls den Ausschlag geben.“
„Du weißt ganz genau dass die meisten Minuten kleine Wellen schlagen.“, antwortete Elrond ernsthaft. „Schaue dir den Halbling am welcher das Schicksal der freien Welt um seinen kleinen Hals trägt.“
„Also sollte ich einfach die Entscheidung treffen Tíniel zu vertrauen, so einfach als würde ich mit den Fingern schnipsen?“
„Manche Male wird Vertrauen langsam aufgebaut, über viele Male. Andere Male, benötigt es blinden Mut.“
Aragorn lächelte reumütig und schaute zu Elrond auf. „Ich werde darüber nachdenken was du mir gesagt hast.“, sagte er. „Und ich werde es versuchen.“
Elrond erwiderte das Lächeln und legte seine auf Aragorn’s Schulter. „Ich bin froh drum.“

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Tíniel kämpfte gegen drei weitere Elben und dann einen Menschen ehe Legolas sie von dem Ring fort zog. Sie war erschöpft und ihre Muskeln schmerzten, doch sie fühlte sich gut; für einen Moment hatte sie die Prophezeiung und Boromir vergessen.
„Du hast gut gekämpft.“, sagte Legolas, reichte ihr eine Flasche mit Wasser. „Viel besser als ich erwartet habe.“
„Wie freundlich und beleidigend von dir.“, antwortete sie nach einem großen Schluck. „Ich sollte gehen, Aragorn und Herr Elrond werden mich erwarten.“
„Nein, werden sie nicht.“, erklang Aragorn’s Stimme. Tíniel nickte ihm grüßend zu als er auf sie zu kam. „Ich habe bereits mit ihm gesprochen, und er hat keine Weisheit die er mit uns über diese Träume teilen kann, oder was wir wegen ihnen tun sollen.“
Tíniel stöpselte die Flasche zu. „Und dies ist keine Unterhaltung in welcher ich eingeweiht sein sollte?“, fragte sie knapp.
„Es tut mir leid.“, sagte Aragorn und nickte zum Ring hinter ihr. „Du warst beschäftigt.“
„Ah, so verbreitet sich die Legende.“, sagte Legolas mit einem wissenden Lächeln.
Aragorn’s Lippen zuckten beinahe zu einem Lächeln, doch er wandte sich Tíniel zu. „Wirst du mich später bei einen Spaziergang durch die Gärten begleiten? Ich denke es gibt viel das wir zu diskutieren haben könnten.“
Tíniel zögerte, nickte dann aber. „Wie du wünscht.“

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In der Zeit in der sie sich gewaschen, angezogen und gegessen hatte, wurde die Herbstsonne roter und erreichte den Horizont. Tíniel wanderte durch die gewundenen Wege der Gärten, bestaunte die orangen Blätter welche den Boden unter ihren Füßen bedeckten.
Als Aragorn sie fand, hockte sie bei einer Blume, berührte die seidigen gelben Blütenblätter sanft mit der Spitze ihres Fingers. Sie stand abrupt auf als sie ihn sah, und er versuchte ein Lächeln.
„Es… tut mir leid. Ich wollte dich nicht stören.“, sagte er.
„Wolltest du nicht.“, sagte sie, schaute wieder hinunter auf die Blume und wischte sich abgefallene Blätter von ihrem Rock. Sie trug das dunkelgelbe Kleid welches Anita ihr vor vielen Jahren geschenkt hatte. Doch unerwarteter Weise, hockte er sich hin um sich die Blume anzusehen, genauso wie sie.
„Sie ist wunderschön.“, sagte er schließlich und stand auf. „Winzig, aber perfekt. Sie sind selten in diesen Teilen, doch Elrond hat viele Arten seltener Schönheiten hier am wachsen.“
Seine Worte waren höflich und distanziert, so wie sie immer schienen, doch dieses Mal schien er sich unwohl zu fühlen, als würde er versuchen ein unangenehmes Thema anzuschneiden. Sie nickte aus höflichen Interesse an seinen Worten, und für einen Moment war es still.
„Es ist seltsam dich in einem Kleid zu sehen.“, sagte er, sah auf sie hinab.
„Ich schätze dass ist es.“, sagte sie, fühlte sich plötzlich verlegen. „Gelegentlich – sehr gelegentlich – habe ich den Drang mich wie eine Nordländerin zu kleiden.“
Er lächelte über ihren halbherzigen Witz und bot ihr seinen Arm an. „Sollen wir gehen?“
Sie nahm seinen Arm, und sie liegen durch das Gebüsch und tiefer zwischen die Bäume. Die Schatten wurden immer länger während sie Sonne tiefer ging, doch sie gingen weiter bis dass eine kleine Holzbrücke über einem lebendigen Bach erreichten.
Für einen Moment standen sie still, Aragorn rutschte leicht auf seiner Stelle hin und her. Dann, ohne sie anzusehen, begann er zu sprechen.
„Ich wurde hier aufgezogen.“, sagte er eilig. „Hier in Imladris, meine ich. Ich war glücklich, schätze ich, doch für die ersten zwölf Jahre meines Lebens wusste ich nicht dass ich ein Mensch war. Und für die nächsten Acht, tat ich so als wäre ich es nicht.“
Tíniel sah ihn neugierig an, sagte aber nichts.
„Dann war ich wütend,“, fuhr er fort, seine Stimme wurde immer selbstbewusster. „ich war wütend darüber dass ich anders war als meine Brüder und ich fühlte dass ich nicht mehr hierher gehörte, also ging ich. Ich versuchte zurück zu meinen Leuten zu gehen – meine menschlichen Leute – doch ich konnte es nicht ertragen um sie herum zu sein. Sie waren banale, gewöhnliche Menschen. Ich erwartete über tausend Jahre zu leben, und als ich mich an meine Sterblichkeit erinnerte, konnte ich nicht atmen.“ In diesem Augenblick holte er Luft, als würde er sich daran erinnern dass er es noch immer konnte, und er machte weiter. „Und so ging ich erneut, verließ meine arme Mutter, und ging in den Süden. Ich tat viele närrische und dumme Dinge, doch zwischen ihnen, denke ich bin ich erwachsen geworden.“
„Warum erzählst du mir das?“, fragte Tíniel misstrauisch.
„Nun,“, sagte Aragorn mit einem beinahe entschuldigenden Halblächeln. „Ich versuche dir zu vertrauen, schätze ich.“
Sie runzelte verwirrt die Stirn. „Mach weiter.“, sagte sie schließlich.
„Da ist nicht viel über.“, antwortete er. „Ich kam zurück in den Norden, und meine Mutter starb. Sie war eine traurige Frau. Sie hatte mich an Elrond übergegeben, an die Welt, selbst als ich das einzige war was noch ihr gehörte. Mein Vater starb als ich vier war, und sie war immer alleine.“
„Es tut mir leid für sie.“, sagte Tíniel.
„Sie hasste Menschen denen sie leid tat. Sie verstand welche Opfer sie brachte, und sie machte sie alle gleich. Sie wollte stark sein.“
„Das hast du von ihr geerbt.“
Er schaure sie verwirrt an. „Was meinst du?“
„Nicht böse gemeint,“, sagte sie langsam. „aber von dem was ich gesehen habe… du scheinst dich von anderen abzusondern. Du versuchst vor ihnen stark zu scheinen. Du willst die Leute nicht näher an dich kommen lassen, ihnen vertrauen, weil sie sehen was du wirklich bist und dich bemitleiden. Oder dich vielleicht verachten. Du willst dass sie denken dass du die Kontrolle hast und dass du weißt was du tust. Doch in Wahrheit, bist du verwirrt und verängstigt, und du weißt dass du alle enttäuschen wirst, und dass sie dich beobachten wenn du untergehst.“ Sie beobachtete ihn genau. „Habe ich Recht?“
Er sah auf sie hinab. „Du bist eigentümlich genau.“, sagte er, nickte dann aber widerwillig. „Und dennoch schätze ich dass du richtig liegst. Hat Legolas dir das vorgesagt?“
„Nein, aber er hätte es vielleicht.“, gab sie zurück. „Du bist nicht alleine. Jeder der ein Anführer ist fühlt so. Nur jetzt gerade, für dich, steht sehr viel auf dem Spiel.“
„Weise Worte von jemanden der so jung ist.“, sagte er mit gezwungener Leichtigkeit. „Doch jetzt bist du dran. Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit.“
Tíniel pickte an dem Efeu. Sie wusste was er versuchte zu machen. Sie verstand von der Weisheit Vertrauen zwischen ihnen aufzubauen, und warum es wichtig war das Mysterium ihrer Träume zu lösen. Aber es änderte nichts an der Tatsache dass sie diesem Fremden den sie gerade kennengelernt hatte nicht vertrauen wollte.
„Bitte.“, fügte Aragorn hinzu, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Sie biss sich auf die Lippe, und schaute hinauf in den dämmernden Himmel. In ihren Gedanken stand sie in der Wüste während die Sonne über den Weiten unterging. Es war roh, wild, schön. Sie vermisste es.
„Ich bin nicht so jung.“, begann sie langsam. „Ich war im Sommer geboren, vor neunundzwanzig Jahren, zusammen mit meinem Zwillingsbruder. Ich war die Erstgeborene, aber meine Mutter starb sofort nach meiner Geburt. So musste mein Vater, der Häuptling, Tcharum aus dem Bauch schneiden.
Sie stellte es sich vor: der Khondyë, wiegte seinen Sohn während seine Tochter schreiend und frierend neben ihrer toten Mutter lag. Den Kopf schüttelnd fuhr sie fort. Die Worte flossen einfacher aus ihrem Mund als sie erwartet hätte.
„Mein Bruder und ich waren in allem gleich außer in der Aufmerksamkeit meines Vaters. Deshalb kämpfte ich härter für seine Anerkennung als ich sollte. Doch abgesehen von ihm, ging es mir gut. Ich war das Pendant zu einem Hauptmann der Armee. Ich liebte meine Leute und war glücklich dort. Dort gehörte ich hin.“
„Und dann kam die Prophezeiung.“, sagte Aragorn.
„Ja, tat sie.“, sagte sie, versuchte ihm in die Augen zu schauen. Sie drückte ihre zittrigen Hände zusammen und lachte trocken auf. „Wenn wir schon ehrlich zueinander sind erzähle ich dir ein großes Geheimnis. Ich kann niemals an die Prophezeiung denken ohne panisch zu werden.“ Sie streckte ihre zitternden Händemaus damit er sie sehen konnte, aber er nahm sie einfach in seine größeren.
„Es wird alles gut für dich werden.“, sagte er leise. „Für uns wird alles gut werden. Wir mögen vielleicht zwei gebrochene Menschen sein, aber ich denke dass alles gut wird.“
„Das kannst du nicht sagen.“, antwortete sie. „Wir sind durch einen beängstigenden Traum dessen Bedeutung wir nicht kennen miteinander verbunden. Die Welt um uns herum zerfällt, doch es ist möglich dass ich uns alle verrate…“ Sie spürte wie sich ihr Magen zusammen zog und sie ließ den Blick fallen, zog ihre Hände aus seinen. „Du von allen Leuten solltest von mir fern bleiben. Du wirst König werden, und wir können nicht riskieren dass ich dich verletze.“
„Die Valar stimmen dem nicht zu.“, widersprach er. Er holte tief Luft, als würde er sich gefasst machen. „Ich.. ich versuche dir zu vertrauen, Tíniel. Das ist die Wahrheit. Du musst dich daran erinnern wie du dir selbst traust.“
„Wenn ich nur vertrauenswürdig wäre.“
„Tíniel...“
Sie schüttelte den Kopf und schaute weg, wechselte schnell das Thema. „Wer wird mit dem Ring in den Süden gehen?“
Aragorn schaute weg, und sie wusste dass er sich vollkommen bewusst war dass sie die Unterhaltung vermied. „Elrond hofft eine Gemeinschaft aus Neun zu entsenden, um den neun Reitern von Sauron gerecht zu werden.“, sagte er. „Frodo und Sam, die Halblinge, werden gehen. Legolas und ich beabsichtigen sie zu begleiten, und Gandalf wird uns führen.“
Sie nickte gedankenvoll. „Und die anderen vier?“
„Gimli, seitens der Zwerge, hat sich freiwillig gemeldet. Und…“, er brach ab.
Sie runzelte die Stirn. „Und?“
„Und Boromir sagt er geht so weit bis Minas Tirith. Die anderen beiden will Elrond aus seinem Haus wählen.“
Tíniel wurde still. Also, Boromir würde sie in Imladris zurück lassen. Selbst wenn sie gewusst hatte dass es eine Möglichkeit gewesen war, tat die Offenbarung weh.
„Also, zwei Halblinge, zwei Menschen, ein Zwerg, ein Zauberer und der Rest Elben. Es wird eine gute Gemeinschaft sein.“, sagte sie stoisch.
„Es tut mir leid wegen Boromir.“, sagte er leise.
Sie zuckte mit den Schultern, versuchte und scheiterte zu lächeln. „Ich weiß nur nicht was ich tun sollte.“, sagte sie, ihre Stimme war niedergeschlagen. „Ich kann nicht hier bleiben, aber ich habe keinen Ort an den ich gehen könnte.“
„Dir fällt schon etwas ein.“, sagte er. „Ich werde helfen, und so wird Legolas. Du bist hier nicht alleine. Du bist nicht ohne Freunde.“
„Nein,“, sagte sie. „nein, ich schätze nicht.“
„Komm,“, sagte er. „wir sollten nun gehen wenn wir zurück sein wollen bevor es dunkel wird.“

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Aragorn verließ Tíniel an ihrem Zimmer mit dem Versprechen dass er sie am Morgen finden würde. Als er langsam durch die verwinkelten Korridore des letzten heimeligen Hauses ging, dachte er über die Unterhaltung die sie gehabt hatten nach. Elrond hatte Recht gehabt damit etwas Vertrauen in sie zu haben; er hatte kaum Zweifel darüber dass sie vertrauenswürdig war, und vorsichtig fing er an sie zu mögen. Sie war übertrieben ehrlich, zeigte klar eine Schwäche auf die er versucht hatte vor allen zu verbergen, und irgendwie fühlte er sich besser dadurch. Er hatte sie zuvor unterschätzt, uns jetzt war er froh dass die Dinge sich vorwärts bewegten.
Aber sie war so voll Angst – nicht vor Orcs oder Sauron oder Tod, aber vor sich selber und ihr Potential zu verraten. Aragorn fühlte einen beinahe unvernünftigen Drang sie zu beschützen, sie zu trösten, sie dazu zu bringen, dass sie verstand dass sie nicht ansatzweise so schwach war wie sie dachte.
Er dachte darüber nach als er mit Boromir zusammen stieß.
„Aragorn!“, rief der Mann. „Es tut mir leid, ich war am… denken.“
„So wie ich.“, antwortete Aragorn reumütig. Er entschied die Gelegenheit zu nutzen und das Thema anzusprechen. „Ist es möglich dass unserer beider Gedanken auf die selbe Person gerichtet waren?“
Boromir’s Augen wurden dunkel. „Vielleicht.“, sagte er angespannt. „Doch es ist nichts dass ich wünsche zu besprechen.“
„Du wärst ein Narr wenn du so weiter machst.“, sagte Aragorn ernsthaft. „Tíniel ist die gleiche Person die du seit Jahren kennst. Sie hat sich nicht verändert.“
„Kann schon sein.“, gab Boromir gekränkt zurück. „Doch wie ich sie sehe hat sich verändert. Es ist leicht für dich zu sagen dass ich ihr vergeben soll, du bist es nicht der von seiner engsten Freundin hintergangen wurde.“
„Ich weiß, und ich mache dir keinen Vorwurf.“, sagte Aragorn. „Tíniel lag falsch darin die Prophezeiung als ein Geheimnis zu bewahren. Aber ich flehe dich an, für sie und die zu liebe, finde einen Weg ihr zu vergeben. Es nützt nichts wenn du mit solch ungelösten Problemen die auf dir liegen mit uns kommst. Und ich sehe wie viel sie dir bedeutet.“
Boromir seufzte auf. „Mein Kopf stimmt dir zu, doch mein Herz kann es nicht so. Ich verstehe dass es schwer für Tíniel ist, aber ich…“ er schüttelte den Kopf. „Sie hat mich so wütend gemacht, Aragorn.“
„Ich glaube nicht dass sie dich oder deine Familie verletzen wollte indem sie in Minas Tirith geblieben ist.“, gab dieser zurück. „Ich kenne sie nicht so gut, aber ich glaube nicht dass sie dies tun würde.“
„Ich weiß.“, stimmte Boromir zu. „Sie würde niemals jemanden wissentlich weh tun den sie liebt… Doch genug davon. Es ist spät, und ich möchte dich nicht von deiner Erholung abhalten indem ich dir all meine Probleme gestehe.“
„Es wäre eine Ehre, Boromir.“, sagte Aragorn und lächelte schief. „Wann immer zu reden willst, ich bin hier.“
„Vielleicht magst du nicht meine Stimme hören nachdem wir einige Monate zusammen auf dem Weg sind.“, grinste Boromir. „Ich sehe dich später.“ Sie schüttelten die Hände und gingen ihre Wege. Aragorn ging und schloss sich in seinem Zimmer ein, doch wie üblich, bekam er nur wenig Schlaf.
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