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The Rómentári

GeschichteAbenteuer, Romance / P16 / Gen
Aragorn Boromir Faramir OC (Own Character)
20.12.2020
10.07.2021
21
100.527
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
20.12.2020 5.361
 
The Rómentári

von Sigebeorn



Lange ist es her dass ich was hochgeladen habe. Als Erklärung: Mein Laptop ist kaputt gegangen und musste eine ganze Weile sparen um mir einen neuen zu kaufen. Alle Dateien sind weg. Tut mir Leid.
Aber dafür bin ich jetzt wieder mit was neuem da. The Rómentári ist eine Geschichte von Sigebeorn die ich übersetze. Ich habe ihre Erlaubnis dafür und sie wird über alles informiert. Ihr findet sie auf fanfiction.net und auf Ao3.
Ich hoffe es gefällt euch. Alle Figuren und Orte gehören Tolkien oder Sigebeorn.

Und auf bitte hier der Link zum Original https://archiveofourown.org/works/23812594/chapters/58579561#workskin

28.02.2021: Ich möchte darauf hinweisen dass in dieser Geschichte das Wissen aus den Büchern benötigt wird, insbesondere für spätere Kapitel.
Und ja die ersten Kapitel sind von der Autorin verfasst und haben nichts mit den Büchern oder Filmen zu tun. Aber bitte lest auch über die ersten handvoll Kapitel weiter. Danach werden die Figuren und auch der Inhalt wieder bekannter für euch.
Alles Liebe eure Cookie


1 - Die Prophezeiung


Die rote Sonne ging hinter Tchakhura Makhyë über der Wüste unter als sie durch das Zeltlager ging. Sie nickte den alten Frauen zu die draußen vor ihren patchu, den Zelten, saßen. Jedes patchi war kuppelförmig, gemacht aus gespannten Tierhäuten und um hölzerne Rahmen gelegt. Sie waren leicht und mühelos zu tragen, aber gleichzeitig stark, beständig bei den schlimmsten Sandstürmen, den glühend heißen Tagen und kalten Nächten der Wüste.
Das Zeltlager war leise, beinahe unheimlich leise. So viele Leute waren fort. Viele der patchu waren leer. Die Kinder waren nun achtsamer, dachte Tchakhura, verhaltener und vorsichtiger, entfernten sich niemals zu weit von ihren Müttern. Für so junge Menschen hatten sie bereits zu viel gesehen. Sie lachten wie es Kinder tun sollten, aber waren vorsichtig. Krieg hatte es ihnen genommen. Gondor hatte es ihnen genommen.
Das patchi des Khondyë’s war das größte, es lag im Zentrum des Zeltlagers, nah am Feuer, und darauf steuerte Tchakhura zu. Der Khondyë hatte eine Versammlung einberufen und Tchakhura wusste ganz genau worüber sie diskutieren würden. Gondor hatte wieder einmal seine Angriffe auf den bamyë erhöht und sie waren viel zu stark. Sie konnten nicht so weiter machen und erwarten zu überleben.
Tchakhura blieb vor dem patchi des Khondyë’s stehen. Sie konnte im Inneren Stimmen hören.
Khuma Khondyë.“, rief sie.
„Tritt ein.“, kam die Antwort. Tchakhura zog die Zeltklappe zurück und ging hinein.
Im patchi saßen drei Männer und eine Frau um einen niedrigen hölzernen Tisch, ihre Gesichter von der flackernden roten Lampe erleuchtet die von einer der Deckenbalken hing. Der Khondyë schaute auf.
Khuma, Tochter.
Khuma, Vadrë.“, antwortete sie, setzte sich neben Tcharum. Er rutschte etwas um ihr Platz zu machen und nickte ihr grüßend zu.
„Wie ist es an den Grenzen, Schwester?“, fragte er.
„Ich verließ sie im stillen.“, antwortete Tchakhura. „Borund’s Patrouille endet nun, also wird er sich uns schon bald anschließen.“
Tcharum seufzte auf. „Die Grenzen mögen jetzt friedvoll erscheinen, aber nicht für lange. Gondor hat seine Zeit gewartet, doch der nächste Angriff wird noch vor dem nächsten Vollmond kommen. Merk dir meine Worte.“
Tchakhura zuckte mit den Schultern. „Möglicherweise haben sie entschieden dass wir nicht weiter eine Bedrohung für sie darstellen.“, sagte sie, wissend dass es nicht wahr war.
Tcharum schnaubte. „Wir haben Gondor seit Jahren nicht bedroht und das wissen sie. Sie werden erneut angreifen, was auch immer ihre Gründe sind. Sie haben sich selber als grausam und boshaft bewiesen also warum sollten sie nicht weiter auf uns einschlagen während wir am Boden liegen? Aber unsererseits…“ Frustriert schüttelte er den Kopf. „Wir müssen uns erneut für eine Ausweichstrategie entscheiden.“ „Daher die Zusammenkunft.“, sagte Tchakhura, lächelte halb. Sie senkte die Stimme. „Ist Vadrë… in einer Stimmung?“
Tcharum schüttelte den Kopf, blickte flüchtig zum Khondyë und sprach genauso leise. „Er schien heute Nachmittag wütend zu sein, aber es ist jetzt besser. Wahrscheinlich. Du solltest mehr Zeit mit ihm verbringen, Tchakhura. Ich bin es müde immer der zu sein der ihn zur Vernunft bringt.“
„Du weißt ich kann nicht, Bruder.“, flüsterte Tchakhura. „Ich wünschte ich könnte.“
Sie wurden unterbrochen als die Zeltklappe erneut zurück gezogen wurde und ein großer, breitschultriger Mann das patchi betrat.
Khuma Khondyë.“, sagte er. „Alles ist ruhig an den Grenzen – zumindest für jetzt. Bin ich der letzte?“
Khuma, Borund. Du bist der letzte.“, antwortete der Khondyë. „Wir werden unseren Rat nun beginnen.“
Borund setzte sich neben Viatchund und alle wurden ruhig. Der Khondyë war kein großer Mann, aber er war stämmig und muskulös. Obwohl er älter wurde, zeigte sein Haar keine Anzeichen des Ergrauens und seine schwarzen Augen funkelten mit einer solchen Intensität die es schaffte dass alle um ihn herum verstummten.
„Wir können nur vermuten das Gondor, sollten sie ihr normales Muster folgen, in den nächsten drei bis vier Wochen einen weiteren Angriff aussenden wird. Vorher muss ein Vorgehen entschieden werden.“ Es gab zustimmendes Gemurmel. Der Khondyë fuhr fort.
„Unsere Verluste steigen mit jedem Angriff.“, sagte er. „Viele unserer variag, unserer Krieger, haben wir im Kampf verloren. Der bamyë ist durch die Bedrohung eines Angriffe gezwungen in Bewegung zu bleiben. In Anbetracht davon, frage ich zu allererst: welche Maßnahmen würde jeder einzelne von euch ergreifen um den Stamm zu retten?“
„Wie du sagst, jedes Mal wenn Gondor angreift verlieren wir mehr von unseren Leuten.“, sagte Viatchund. „Davor haben wir überlebt weil wir umgezogen sind, immer und immer wieder, doch wir wehren nur das Unvermeidliche ab. Wir sind der größte Stamm in ganz Khandi, und wir können uns nicht schnell, noch weit genug bewegen um den Angriffen wahrhaftig zu entkommen. Wir müssen erneut versuchen zu verhandeln.“
Tcharum lehnte sich vor und schüttelte den Kopf. „Es ist nutzlos es zu versuchen. Vor vier Monaten schickten wir eine Gruppe um zu verhandeln als die Angreifer kamen. Sie wurden von Bogenschützen nieder geschossen und getötet ehe sie sich ihnen zehn Meter genähert hatten. Bei dem Angriff davor geschah das selbe. Eindeutig war diese Möglichkeit niemals zugänglich für uns.“
„Darüber hinaus, sprechen sie nicht unsere Sprache.“, sagte Borund. „Oder wir ihre. Unsere Länder sind so weit auseinander gerissen und jeder aus unserem bamyë der den Dialekt aus Gondor verstand ist bereits lange tot. Verhandlungen sind nutzlos – selbst wenn sie es erlaubten dass wir uns ihnen näherten, könnten wir nicht kommunizieren. Der einzige Weg den ich sehen kann der noch offen für uns wäre, wäre nach Osten zu gehen, wenn wir den Stamm der Kheviag überzeugen könnten…“
„Dieser Weg ist uns ebenfalls versperrt.“, sagte Tchakhura. „Der Osten ist das Land des Kheviag bamyë. Ihr Khondyë war eindeutig damit dass er uns nicht auf seinen Ländern sehen will. Der Kheviag Khondyë möchte seine Leute nicht mit Überfallen der Gondorianer gefährden, weil er an unserem Beispiel gesehen hat was sie uns angetan haben. Er fürchtet ihren Zorn, und das sollte er. Der Stamm der Maruvikh ist die Isolation für die Kheviag: wir sind ein Schild, wenn ihr es so sehen wollt, wir überstehen die Schläge und schützen sie.“
Für einen Moment herrschte Stille, dann sprach Tcharum. „Also physisch, wir sind so weit im Osten wie wir können. Wir können nicht weglaufen. Wir können nicht kämpfen. Wir können nicht verhandeln. Welche Zukunft außer einer Hinrichtung oder in die Sklaverei der Gondorianer zu gehen ist denn noch offen für uns? Es ist offensichtlich dass sie uns hassen.“
Alle am Tisch nickten. „So scheint es zu sein.“, sagte die Frau, Petakh. „So lange sich unsere Väters‘ Väter erinnern hat sich Khand Gondor entgegengestellt. Wir sind ebenfalls Verbündete der Haradrim, ein weiterer Feind Gondors. Könnte es sein dass sie gegen uns kämpfen weil dass das einzige ist was wir jemals kannten?“
„Das ist lächerlich.“, sagte Borund. „Feinde und Verbündete werden andauernd gemacht und ungemacht, und ich kann nicht glauben dass dies ihr Motiv ist. Wir sind so weit entfernt von ihrem Land wie wir können, und wir sind in überhaupt keiner Position anzugreifen. Wären wir in ihrer Position, und sie in unserer, würde ich diese hilflosen Menschen nicht wieder und wieder überfallen nur um der alten Zeiten Willen.“
„Noch würde ich. Doch was wir tun bedeutet nichts.“, brachte Viatchund vor. „Vielleicht wollen sie uns ebenfalls aus unserem Land treiben. Und was Gondor gut ist nicht dumm. Ein Soldat gibt seinen Feinden keine Zeit sich zu erholen um dann erneut anzugreifen.“
„Und dennoch werden sie nicht verhandeln!“, rief Petakh, schlug mit der Hand auf den Tisch.
„Das spielt keine Rolle! Vielleicht ist eine verdrehte westliche Tradition der Rache. Fakt ist dass sie noch immer durstig nach dem Blut unseres bamyë ist. Ihre Motive-“
„Es ist bedeutungslos ob wir das Motiv Gondors kennen.“, unterbrach Tcharum Viatchund. „Wir werden auf jeden Fall angegriffen werden. Demnach müssen wir eine Entscheidung treffen. Was können wir tun?“
„Mein Sohn spricht mit Weisheit.“, sagte der Khondyë, sprach schlussendlich. „Was das angeht was ihr vorher gesagt habt, wir können weder verhandeln noch uns verstecken… Doch es gibt eine Möglichkeit für uns zu kämpfen.“
Tchakhura sah abrupt auf. Wie konnten sie kämpfen? Ihr Vater wusste genauso gut wie andere wie zahlenmäßig unterlegen der bamyë war.
Petakh runzelte ebenfalls die Stirn, schaute verwirrt. „Das können wir nicht, Khondyë.“, sagte sie. „Wir sind zu wenige.“
Der Khondyë nickte. „Deine Worte sind wahr. Ich spreche nicht davon unabhängig zu kämpfen, sondern gemeinsame Sache zu machen.“
„Mit wem?“, fragte Viatchund.
Der Khondyë lächelte grimmig. „Mit Mekakhond.“
„Nein.“, sagte Tchakhura sofort, schüttelte ihren Kopf. „Das wäre Torheit. Seine Zunge mag silbern sein, doch sein Herz ist schwärzer als Kohle. Wir haben unsere Gesetze, wir verkehren nicht mit solch einer Art dunkler Magie.“
Aber Viatchund strich sich nachdenklich seinen Bart. „Welchen Vorteil würde uns das bringen?“, fragte er.
„Größere Zahlen, größere Stärke.“, sagte der Khondyë, lehnte sich vor. Tchakhura errötete, wundernd wie viele der anderen bemerkt hatten dass ihr Vater sie ignorierte. Er fuhr fort. „Sich mit Mekakhond zu vereinigen könnte eine Möglichkeit sein gegen Gondor vorzugehen. Für mich scheint es unsere Wahl zu sein. Und bei eurer vorangegangenen Diskussion, denke ich dass ihr mir alle zustimmt.“
„Sicher nicht.“, öffnete sie erneut den Mund. „Du hast seine Armeen an Orcs gesehen, die Abscheulichkeiten die sie begehen mit… mit Befriedigung, für ihr eigenes Vergnügen. Folter, sogar unnötige Folter. Sie sind eine verdorbene Brut, dennoch sind sie ein von Mekakhond’s Armee. Du möchtest dass wir uns ihnen anschließen, ein Teil von ihr werden, um dich an Gondor zu rächen? Wir mögen verzweifelt sein, doch niemals sind wir so tief gesunken.“ Borund war am nicken, doch keiner der anderen sah sie an, niemand ausgenommen vom Khondyë, welcher sie geringschätzig an sah. Ihr Magen rutschte ihr in die Füße.
„Du wirst Khondyë sein wenn ich fort bin, Mädchen.“, sagte er, seine Stimme voller Verachtung. „Doch sollte es das Schicksal des bamyë sein einen solch schwachen Anführer zu haben, dann ist es tatsächlich ein dunkles Schicksal.“
Es herrschte eine starre Stille. Tchakhura senkte ihren Blick.
Ihr Vater war ein starker Khondyë, sogar ein großartiger Khondyë. Sie wusste er hasste es gezwungen zu sein sich Gondor’s ständigen Angriffen zu unterwerfen. Sie war seine Tochter, sein eigenes Blut, und die Machtlosigkeit ihres Stammes zerrte ebenfalls an ihr. Sie wünschte nur dass sie nicht jedes Mal eine solche Enttäuschung für ihn war. Die Erstgeborene der Zwillinge zu sein machte es nur schlimmer. Tchakhura wusste dass ihr Vater Tcharum, seinen Sohn, als Nachfolger haben wollte. Sie wünschte es sich auch.
Sicher, Mekakhond war machtvoll. Er hatte eine mächtige Festung im Norden, in den Armen der Umzingelnden Berge, und für eine lange Zeit hat er sich nicht hinausgewagt. Genau genommen, die Gerüchte besagten dass er für hunderte Jahre abwesend gewesen ist, vertrieben von einer größeren Macht, einer Allianz aus all den Menschen aus dem Norden. Aber, etwa fünfzig Jahre bevor Tchakhura und Tcharum geboren wurden, hatten die Stämme aus Khand die Rückkehr von Mekakhond in sein Reich gespürt. Die Ältesten beschrieben es in ihren Lagerfeuergeschichten als ein Gewicht dass über das Land gekommen war, eine Bösartigkeit die im Sand und in der Luft gespürt werden konnte. Sie sagten dass er immer beobachtete, suchte – obgleich sie niemals behaupteten wonach – mit seinen feurigen roten Augen. Tchakhura hatte sie immer als Ammenmärchen abgewiesen, doch nun schien es als wären Teile von ihnen wahr: Mekakhond kehrte zu seiner Stärke zurück.
„Lasst uns dann bedenken Mekakhond anzuschließen.“, sagte Borund widerwillig, durchbrach damit die Stille. „Ist dies die weiseste Richtung? Wir alle haben die Geschichten der Ostlinge aus dem Norden gehört. Die Vereinigung mit Mekakhond gab ihnen vorübergehend Stärke, das ist wahr, aber es war nur eine Stärke in Zahlen. Mekakhond führte sie niemals zu großen Siegen, noch brachten ihnen die Schlachten Ehre. Wäre es nicht möglich eine zahlenmäßig überlegene Stärke ohne Mekakhond zu finden?“
„Und mit wem möchtest du dich zusammen schließen?“, fragte der Khondyë. „Die Ostlinge aus dem Norden? Sie haben sich bereits Mekakhond angeschlossen. Die Haradrim? Die ebenso. Die Meinung unserer benachbarten Stämme haben sie klar geäußert. Sie würden sich nicht mit uns zusammen schließen. Also, unsere zahlenmäßige Stärke wird mit Mekakhond gefunden werden, oder überhaupt nicht.“
„Er ist böse.“, sagte Tchakhura, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Sie wusste ihr Vater würde nicht zuhören.
Tcharum sah zu ihr auf. „Was möchtet du was wir sonst tun?“, fragte er sanft? Hoffnungslos schüttelte Tchakhura ihren Kopf, hielt dem Blick ihres Bruders stand. Im patchi wurde es erneut still.
Endlich sprach der Khondyë. „Wir werden für jetzt vertagen und uns zum Sonnenaufgang erneut treffen. Denkt darüber nach was gesprochen wurde, aber wisst dass nur wenige Möglichkeiten vor uns liegen. Khuma. Geht in Frieden.“
Tchakhura wartete mit Tcharum im patchi bis die anderen gegangen waren und sie allein mit ihrem Vater waren. Die Stille weitete sich aus.
„Vadrë,“, begann Tchakhura, aber hielt inne als ihr Vater sie scharf ansah.
„Ich wünsche nicht mehr davon zu hören, Mädchen.“, sagte er, seine Stimme wurde immer lauter. „Habe ich dich erzogen schwach zu sein? Hast du von mir gelernt wie ein kauernder Dieb zu denken?“
„Vadrë, sie erwünscht sich nur zu sprechen.“, sagte Tcharum sanft. Der Khondyë sah ihn wütend an aber senkte seine Stimme als er sich zurück an Tchakhura wandte. Seine Augen waren nicht freundlicher.
„Denke so wie dein Bruder denkt,“, sagte er. „vielleicht magst du dann ein würdiger Anführer sein.“ Er stand auf, strich sich über die Tunika, und verließ das patchi.
Für einen Moment war alles still. Dann seufzte Tcharum. „Schwester-“
„Ich hasse es, Bruder. Du weißt nicht wie sehr ich es hasse wenn er es tut! Wenn er mich vor allen anderen Mädchen nennt.“
„Tue ich.“
Sie schüttelte den Kopf, ihre Stimme wurde lauter und bitterer dabei. „Doch was auch immer ich tue um ihn zu befriedigen, egal wie sehr ich es versuche, er ist niemals glücklich. Ich bin loyal zu ihm. Ich bin die stärkste unserer weiblichen Kriegerinnen, die beste der ganzen variagura. Ich mache meinen Teil der Grenzüberwachung und ich versuche, Tcharum, ich versuche zu denken wie es ein Krieger sollte.“
„Ich weiß.“
„Aber für ihn kann ich nicht gut genug sein. Ich kann nicht so gut sein wie du es bist. Und niemand wird mich als Khondyë respektieren wenn er mich so vor allen anderen behandelt.“
„Du hast bereits all unseren Respekt, Schwester. Fürchte dich nicht davor. Und er liebt dich, weist du.“, sagte Tcharum leise. „Auf seine eigene Art.“
Tchakhura sah auf ihre Hände, verkrampft in ihrem Schoß. „So lange er mich ablehnt, hat der Stamm die Erlaubnis mich abzulehnen. Sie werden dem Khondyë immer folgen.“
Tcharum seufzte auf. „Er steht momentan unter Stress, vielleicht ist er deshalb so streng zu dir. Dieses Geschäft mit Mekakhond besorgt ihn.“
„Das tut es uns alle. Es ist aber größer als Mekakhond. Größer als unser Vadrë, größer als wir, größer als Gondor und Khand. Die Welt ist in Bewegung. Wir müssen uns jetzt entscheiden wo wir stehen werden wenn sie sich beruhigt hat, und deshalb können wir uns nicht dem Schatten im Norden anschließen.“
Tcharum schien für einen Moment zu zögern, dann sprach er. „Hat Vadrë dir in Gänze von Mekakhond’s… Angebot erzählt?
Tchakhura lehnte sich vor, runzelte die Stirn. „Angebot? Ich habe nichts dergleichen gehört…“
„Dann ist hier die Wahrheit, eine Wahrheit die der Khondyë den anderen aus dem bamyë nicht erzählen würde. Wenn wir Mekakhond’s Armee nicht beitreten, wird er seine Armee an Orcs zu uns entsenden. Und sie werden keine Gnade walten lassen.“
Tchakhura verarbeitete dass im Stillen. Das war es also. Sie würden ihn unterstützen oder sterben. „So hat er die Haradrim und Ostlinge rekrutiert.“, murmelte sie als sie es erkannte. „Warum möchte Vadrë nicht dass der Stamm davon erfährt?“
„Es ist unehrlich, aber er möchte dass sie denken dass es ihre eigene Entscheidung war wenn sie in den Krieg ziehen.“ Sie nickte langsam, aber fühlte trotzdem als würde sie es nicht verstehen. Irgendwie fühlte sich alles taub an, die Farben des patchi waren matter, die Lampen dunkler. Nach allem gab es keine Wahl. Und der Khondyë schien es nicht für nötig zu halten ihr das zu erzählen, seiner Nachfolgerin.

Stumm liefen die Zwillinge gemeinsam zum Feuerkreis, nahmen ihr Essen von den Hütern des Feuers und setzen sich zum Essen hin. Die Nacht war still, und die Stimmen des bamyë, gedämpft durch die unermessliche Weite der Wüste, taten sich mit dem stumpfen Grummeln des Feuers zusammen. Tchakhura starrte grüblerisch in die Flammen. Dies war ihr zu Hause: das Feuer, der Wüstensand, die Sonne, die Millionen bekannten Sterne. Ihr bamyë, ihr Stamm, war ihre Familie, und hier gehörten sie hin. Zu gehen bedeutete für sie ihre halbe Identität zu verlieren. Sie waren ein Teil der Wüste, und die Wüste war ein Teil von ihnen. Sollten sie gehen, sollten sie sich mit den Ostlingen, den Haradrim, und der Orc-Brut aus den Umzingelnden Bergen zusammen tun, würden sie nicht länger die Menschen aus Khand sein, weil Khand sie nicht länger erkennen wird.
Tcharand bamyë, tcharand khopyë, dachte sie. Loyalität zum Stamm und Loyalität zur Familie, ein Mantra dass allen Kindern in Khand eingebläut wurde noch ehe sie laufen lernten. Das war die Essenz ihrer Lebenshaltung, das heiligste ihrer Gesetze. Die Strafe für Verrat war der Tod. Aber das das fühlte sich wie eine andere Art Verrat an. In dem sie ihre Heimat verließen verrieten sie sich selber, selbst wenn sie keine andere Wahl hatten. Es gibt immer eine Wahl, flüsterte die Stimme ihres Vaters in ihrem Kopf.
Sie sah zu ihrem Bruder. „Welchen Weg würdest du wählen?“, fragte sie. „Wenn du die Wahl hättest.“
Er starrte ins Feuer und die reflektierten Flammen tanzten in seinen dunklen Augen. „Wenn ich wählen könnte, würde ich uns für alle Zeit in Frieden leben lassen.“, sagte er. Dann lächelte er betrübt und schüttelte den Kopf. „Wir sind zu weit davon entfernt so denken zu können. Also wähle ich jetzt zwischen bleiben oder gehen? Ich werde nicht so tun als würde ich Mekakhond und seine dunklen Wege lieben… doch ich hasse Gondor. Ich hasse sie dafür dass sie so skrupellos sind, ich hasse sie dafür dass sie gnadenlos sind, ich hasse sie dafür dass sie meine Freunde umgebracht haben und meine Familie und meinen bamyë… Wir haben vielleicht kaum eine Wahl, doch wir könnten diesen Krieg als eine Möglichkeit sehen.“
„Eine Möglichkeit für was?“, sagte jemand. Tchakhura sah auf und trotz allem konnte sie nicht anders als zu lächeln. Es war Borund. „Khuma, ihr beide.“, sagte er und setzte sich neben Tcharum.
„Eine Möglichkeit sich an Gondor zu rächen.“, sagte Tcharum.
„Dies ist ein zu schwerwiegendes Thema um außerhalb vom patchi des Khondyë’s darüber zu sprechen.“, sagte Borund. „Ein Themenwechsel wäre angebracht.“
„Dann sag mir,“, sagte Tcharum unschuldig. „wie laufen die Hochzeitspläne?“ Borund stöhnte auf und er vergrub das Gesicht in seinen Händen. „Rette mich.“, murmelte er.
„Vor deiner zukünftigen Frau oder der Hochzeit selber?“, fragte Tchakhura.
„Ah, nicht vor dir, meine Liebste.“, sagte Borund, griff über Tcharum um ihre Hand zu nehmen, aber er wurde von Tcharum aus dem Weg geschoben.
„Halte mich nicht von meiner Angebeteten fern.“, sagte Borund und schaute finster. Tcharum und Tchakhura prusteten gleichzeitig.
„Angebetete? Ihr beide werdet zusammen so glücklich sein wie ein Mûmakil das in einem patchi lebt.“, sagte Tcharum. „Und denke nicht dass Tchakhura wünscht dich ebenfalls so bald zu ehelichen.“
„Es ist wahr.“, gab Tchakhura zu. „Ich freue mich nicht wirklich darauf mein Schwert wegzustecken um eine Mutter zu werden. Kämpfen ist das einzige worin ich gut bin, und wenn ich das nicht habe, werde ich der schlechteste Khondyë aller Zeiten sein.“
„Unsinn,“, sagte Borund.  „du bist zu alt und zu langsam um zu kämpfen. Wenn ich dich heirate, rette ich dich.“
Tchakhura grinste. „Davor dass ich mich im Kampf demütige? Oder weil ich dich demütige weil unsere Feinde im Schwertkampf sehen dass du einer Frau unterlegen bist?“
„Ah, Tchakhura, gib es doch zu…“
„Sobald ihr beide zu geht dass ich die bessere Kämpferin bin.“
„Ich darf nicht lügen, es ist verboten.“
„Dann sollte es kein Problem sein-“
„Ganz ehrlich,“, mischte sich Tcharum ein. „ich fürchte den Tag an dem ihr beide heiratet. Der Tag von Tchakhura’s Hochzeit wird der Tag sein an dem mein Friede endet. Ich weiß es.“
„Du hast nur Angst davor dass deiner Schwester langweilig wird weil sie nicht kämpfen darf.“, sagte Borund. „Das Gesetz dass Mütter nicht kämpfen dürfen ist nicht für Tchakhura Makhyë gemacht worden. Sie wird früher ein Schwert schwingen als einen Besenstiel.“
„Nach deinem Kopf.“, antwortete Tcharum. „Sie wird deine Frau sein, nicht meine.“

Sie waren immer noch am Lachen als später Petakh zum Feuerkreis gerannt kam. „Khondyë!“, rief sie, salutierte rasch. „Nachricht von den Grenzen!“
Der Khondyë stand sofort auf, das Gesicht finster. „Gondor?“, fragte er. Alle am Feuerkreis erstarrten, die kampffähigen Männer und Frauen griffen nach ihren Schwertern.
„Nein.“, antwortete Petakh, holte Luft. „Zumindest denke ich nicht. Da ist ein alter Mann welcher alleine reist. Er spricht unsere Sprache akzentfrei, doch… er scheint nicht aus Khand zu sein. Er behauptet eine Nachricht für den bamyë zu haben.“
Der Khondyë nickte langsam, aber er setzte sich nicht. „Bring ihn her.“
Die Leute am Feuerkreis flüsterten untereinander als Petakh ging um den Fremden zu holen. Tchakhura, Tcharum und Borund standen zusammen auf und gingen näher zum Khondyë herüber.

Minuten später kehrte Petakh mit dem Mann zurück. Er war alt, eindeutig. Sein Bart war lang und weiß und sein Gesicht gebräunt und faltig durch die Sonne, doch seine Augen funkelten energisch. Er trug einen langen, verblassten blauen Umgang und trug einen Stab. Auf seinem Kopf saß ein langer spitzer Hut und trug ebenfalls einen seltsamen silbernen Schal. Er sah die Leute im Kreis um ihn herum an, lächelte als hätte er einen Witz erzählt.
Der Khondyë trat in den Schein des Feuers, begutachtete den Mann.
Khuma, Fremder. Was treibt Euch in unser Land?“, sagte er, in seiner Stimme lag eine Warnung. Der Mann mit dem Hut lachte, und verbeugte sich tief aus der Hüfte. Sein spitzer Hut fiel herunter, doch er fing ihn auf und schob ihn gewandt zurück über seinen Kopf. Er sah auf in die Gesichter von denen um ihn herum und lächelte auf eine befriedigte Art, so als ob um sicher zu gehen dass jeder sein Kunststück gesehen hat. Der Khondyë räusperte sich. Der Mann nahm auf ulkige Weise Haltung ein, berührte seine rechte Schulter mit seiner linken Faust zu einem Salut.
Khuma, Khondyë! Eure Begrüßung war beeindruckend, doch unglücklicherweise inkorrekt. Ich bin kein Fremder in diesem Land!“, rief er und schwenkte die Arme mit Nachdruck.
Borund lehnte sich näher zu Tchakhura. „Kennst du diesen Mann?“, flüsterte er in ihr Ohr. Tchakhura schüttelte verwirrt den Kopf.
Bei dem Mangel des Wiedererkennens, schien der Fremde etwas in sich zusammenzufallen. „Kann sich niemand unter euch an mich erinnern? Bin ich tatsächlich vergessen worden?“ Stille antwortete ihm bis dass der Khondyë erneut sprach.
„Nenne deinen Namen, wenn Ihr bekannt seid.“, sagte er.
„Ihr kennt meinen,“, sagte der alte Mann, seine Stimme nun voller Ironie. „doch vielleicht habt Ihr vergessen dass ich zu ihm gehöre. Ich bin Akhund.“
Gemurmel ging durch die Menge und Tchakhura schaute den Mann genauer an. Die Ältesten ihres bamyë erzählten manchmal Geschichten, Geschichten über einen Zaubermann der komische Dinge tat und Nachrichten über eine sich ändernde Welt...
Plötzlich machte Borund den Mund auf. „Doch nicht Akhund der Nachts die Flammen in bunte Farben wandelte?“, sagte er staunend. „Akhund der Geschichten von Feuer spuckenden Schlangen und grünen Bergen höher als Tausend Mûmakil, und schöne Männer im Westen die für immer leben?“
„Aber natürlich!“, antwortete der alte Mann. „Khuma, mein lieber Borund. Ich bin froh dass sich zumindest einer an mich erinnert, und wenn es nur meinen Geschichten halber ist. Du bist groß geworden seitdem ich dich das letzte Mal gesehen habe. Auf jeden Fall drei Fuß.“
Khuma Akhund,“, sagte der Khondyë. „falls du Akhund bist. Es ist nahezu 24 Jahre her seitdem du das letzte Mal kamst.
Akhund runzelte die Stirn, hob seinen Hut an um sich nachdenklich den Kopf zu kratzen. „Es waren viele Jahre.“, sagte er. „Doch Rovekh Khondyë, als ich deinen bamyë das letzte Mal besuchte warst du nicht mehr als ein Junge, noch keine 30.“
Das Gesicht des Khondyë blieb emotionslos. „Sag was du hier willst.“
„Wie ich sehe bist du noch immer ein Junge.“, murmelte Akhund. Dann erhob er seine Stimme. „Doch ich kam nicht einfach um eure Gesichter zu sehen, meine lieben Leute! Ich bin gekommen um Rat zu geben.“ Er begann langsam in einer Runde zu gehen, sprach mit dem ganzen bamyë. „Eine harte Zeit wird kommen, meine Freunde. Doch!“, fügte er hinzu als jemand ungläubig schnaubte. „Härter, vielleicht als bereits schon. Größere Feinde als Gondor liegen vor euch, auch wenn sie sich vielleicht als Freunde tarnen.“ Er hielt inne, beendete die Runde und fing Tchakhura’s Blick ein. Sein Blick war beinahe mitleidig und sie blinkte abgeschreckt.
„Wenn ihr wünscht siegreich zu sein, vergesst nicht: größere Dinge als Hass werden euch Stärke geben.“ Akhund wandte den Blick von Tchakhura an und sah zum Khondyë. „Was auch immer ihr für Befehle bekommen habt, wählt Güte über Grausamkeit.“ Dann sah der Zaubermann Tcharum an. „Wenn Hoffnung verloren scheint, ist es am besten nach Hause zurückzukehren. Oh – und vermutet nicht dass Personen tot sind, denn vielleicht sind sie es nicht.
Tcharum’s Mund war vor Verwirrung leicht geöffnet, aber Akhund fuhr fort. „Eine letzte Sache.“ sagte er leise.
Alle wurden leise; für Tchakhura schien es als würden sogar die Sterne lauschen. Akhund sprach erneut, seine Stimme noch immer unheilvoll leise.
„Ich bin mit der Gabe der Vorhersehung beschenkt worden, Rovekh Khondyë. Manchmal senden mir die Valar, die ihr Hamariag nennt, Träume über das was kommen mag wenn sie es für nötig erscheinen. Sie taten es vor einer Woche.“
Tchakhura hatte nicht gemerkt dass sie die Luft angehalten hatte. Sie atmete aus, schüttelte den Kopf. Warum schlug ihr Herz so schnell? Borund sah zu ihr hinab, nahm dann ihre Hand. Sie zog sie nicht weg.
„Die Prophezeiung betrifft diesen bamyë,“, sagte Akhund. „Dieser bamyë, aber auch die ganze Welt und das Schicksal der Freien Menschen. Ich ermesse es als notwendig dass ich sie hier teile, an diesem Abend.“
Plötzlich schien Akhund größer zu werden. Das Feuer warf rotes Licht und Schatten über sein Gesicht, und seine Augen funkelten wild unter der Krempe seines Hutes. Tchakhura spannte sich an, beriet nach ihrem Messer zu greifen, doch dann begann Akhund mit einer Stimme zu sprechen die wie der Wüstensand gegen den Wind rieb:

„Vor Hass am fliehen und versteckt aus Angst,
Betrüger derer die sie am meisten wertschätzt:
Als erstes für Leben,
Danach für Gold,
Als letztes um zu folgen was das Herz befiehlt.
Licht in einer unbemerkten Dunkelheit,
Teil zweier Welten, noch entzwei gespalten.
Der größte wird sein, trotz Hass und Verachtung,
Der niedrigste zwischen euch, des Khondyë’s Erstgeborene.“


Nicht eine Person bewegte sich. Das einzige Geräusch zu hören war das leise Brüllen des Feuers. Endlich, schien der Khondyë wieder zu verstehen.
„Diese Worte machen keinen Sinn.“, murmelte er, dann hob er seine Stimme. „Diese Worte machen keinen Sinn! Willst du damit sagen dass einer unter uns ein Verräter sei? Ein khaviga?“ Er spuckte das Wort aus.
„Ja,“, antwortete Akhund. Er ist zu seiner normalen Größe zurück geschrumpft und lehnte sich nun sehr auf seinen Stab, wie ein alter Mann. „und diese Person ist deine Tochter.“
Tchakhura’s Blut gefror in ihren Adern. Langsam, einer nacheinander, begannen die Leute sie anzusehen.
„Nein.“, flüsterte sie. Warum würde man so etwas sagen? Wieso würde irgendjemand so etwas sagen? Es war eine Lüge. Sie fühlte das komische Bedürfnis zu lachen. Niemand in ihrem bamyë würde glauben dass sie eine khaviga war. Sie drehte sich um um Tcharum anzusehen, und sie schnappte nach Luft. Er, ihr eigener Bruder, starrte sie ebenfalls an, seine Augen blickten fassungslos, verwirrt. Tchakhura holte zitternd Luft. Ihr eigener Bruder… weshalb würde er an ihr zweifeln? Wie war das möglich?
Khaviga.
Die Prophezeiung hallte durch ihren Kopf, wieder und wieder, nur die Teile die wirklich von Bedeutung waren.
Betrüger derer die sie am meisten wertschätzt
„Nein.“, hauchte Borund. Seine Stimme schien seltsamerweise ruhig zu sein im Gegensatz zu Tchakhura’s wirbelnde Gedanken. Er ließ ihre Hand los und trat zurück, starrte sie an. „Nein, das kann nicht sein…“
„Ich bin keine khaviga.“, flüsterte Tchakhura, ihre Panik wuchs. Sie trat einen Schritt zurück. Überall wohin sie sah waren verurteilende Blicke, ein Ring aus Augen, alle auf sie gerichtet.
„Khondyë! Ich bin keine khaviga, die Prophezeiung ist eine Lüge!“ Ihre Stimme wurde immer heller und lauter. Ihr Atem ging schnell und unregelmäßig. Wie konnte das sein? Wie konnte es-
„Ergreift sie.“, sagte der Khondyë leise. „Das Gesetz ist unumstößlich. Verräter müssen sterben.“
Die Zeit stand still. Tchakhura sah ungläubig in die Augen ihres Vaters. Sie waren gefüllt mit Abscheu. Zorn und Abneigung. Doch am schlimmsten von allem, ein Schatten der Befriedigung; dass er die ganze Zeit über Recht über sie hatte. Er hatte Recht und seine Tochter war niemals gut genug gewesen. Er hatte Recht gehabt.
„Vadrë,“, flüsterte sie. „bitte…“
„Ergreift sie!“, brüllte er, und der Kreis an Zuschauer setzte sich in Bewegung. Vier Männer rannten auf Tchakhura zu und sie sprintete direkt auf einen von ihnen zu, drehte sich im letzten Moment so dass ihre Schulter seine Rippen traf. Er stöhnte auf und fiel nach hinten. Nun war sie am Rand des Feuerscheins, außerhalb des Kreises an Menschen. Sie drehte sich und plötzlich sah sie alles, erstarrt im Augenblick. Ihr Vater, der Khondyë, Abscheu in seinen Augen. Der Zauberer Akhund, auf seinem Stab gelehnt neben dem Feuer, Trauer in seinen Augen. Die Frauen, Männer und Kinder, ihre Gesichter zeigten Unglauben. Die Tochter des Khondyë, die Makhyë, eine khaviga… und Borund und Tcharum. Ihr bester Freund und ihr Bruder. Sie standen zusammen, bewegungslos, dort wo sie Augenblicke zuvor zwischen ihnen gestanden hatte. Doch Tchakhura wusste was sie zu tun hatte.
Sie zog sich zurück, noch immer zum Feuer schauend und ihrem bamyë. Falls diese sogenannte Prophezeiung wahr gewesen ist, würde sie sie verraten. Sie schaute zu Tcharum und Borund.
Khuma.“, flüsterte sie, ihre Faust an ihrer Schulter, ließen ihre Augen sie nicht aus dem Blick. Dann drehte sie sich um und sprintete fort.

Sie konnte die erste Rufe hinter sich hören. Ihre Verfolger waren nicht weit entfernt von ihr. Mit einer Linksdrehung eilte sie in die patchu und wieder raus, ehe sie zügig ihres erreichte. Locker angebunden stand dort ihr Pferd. Tchakhura schnappte sich das Seil welches locker um den Pfosten gewickelt war und sprang auf den Pferderücken. Die Männer sie sie verfolgten hatten sie beinahe erreicht – sie waren nah, zu nah.
Khaviga, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf. Dreckige khaviga…
„Los!“, rief sie, grub ihre Fersen in die Seiten ihres Pferdes. Er machte sich davon, schnell wie der Wind, ließ Tchakhura’s Verfolger hinter ihr zurück. In der Zeit in der sie ihre Pferde gefunden hatten, wäre sie in der Nacht verschwunden. Sie würden bis zum Morgengrauen warten müssen um ihre Spuren sehen zu können. Kurz schloss Tchakhura ihre Augen. Sie war entkommen. Sie würde heute Nacht nicht sterben.

Der Khondyë beobachtete vom Feuer aus, seine schwarzen Augen zornig, als seine Tochter fort vom Lager und in die kalte, sternenbeleuchtete Wüste ritt. Fort von ihrer Familie, fort von ihrem bamyë. Fort von allem was sie je kannte.
Khaviga.
 
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