Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Adventskalender  - Türchen 18: Unfeel

von kathi-H
SongficLiebesgeschichte / P12 / Gen
Chris "The Lord" Harms Gared Dirge
18.12.2020
18.12.2020
1
2.273
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
18.12.2020 2.273
 
Unfeel



| Hallo erstmal. Dies ist meine erste Fanfiction, seid also bitte nicht so streng mit mir. Falls ihr möchtet, könnt ihr mir gerne Verbesserungsvorschläge oder sonstige Rückmeldungen schicken, ich würde mich sehr darüber freuen! Zuletzt: Die Personen gehören sich selbst und vermutlich ist (leider) nichts von dem Folgenden tatsächlich passiert. Meine Idee basiert auf dem „Swan Songs III – Track by Track“ Video von Napalm Records, die genaueren Infos zu der Gitarre des Lords findet ihr in der TVOFTHELOST Episode 05. Ich wünsche euch noch einen schönen Advent, frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr, wenn es dann soweit ist. Bleibt gesund! |



Es klingelte. Schnell stand Chris von seinem Sofa auf und ging zur Tür. „Da bist du ja endlich!“, begrüßte er den Keyboarder seiner Band „Lord of the Lost“ erfreut, während er die Tür öffnete. „Hey Chris!“, strahlte dieser ihn an. „Was ist das denn jetzt für ein Lied? Hat das nicht bis Montag warten können?“ Der Sänger musste grinsen. Das war so typisch für Gerrit, kaum angekommen und schon dachte er nur an die Musik, ihre große Leidenschaft und mittlerweile auch ihr Job, wofür der Blonde unendlich dankbar war. Er hatte es am Telefon aber auch spannend gemacht, als er ihn darum gebeten hatte, vorbeizukommen, da er dringend seine Meinung zu einem Lied haben wollte.

Normalerweise schickte der Sänger ihm ein Demo oder wartete auf ihr nächstes Treffen, aber dieses Mal war es anders. „Bekomm ich jetzt erstmal einen Begrüßungskuss oder hast du es eilig wieder wegzukommen?“ „Ooooh, tut mir leid, hab ich jetzt deine Gefühle verletzt?“ Rasch legte Gerrit seinem besten Freund die Hände auf die Hüften, zog ihn an sich und küsste ihn kurz auf die Wange. Irgendwie hatte sich das zu einem Ritual zwischen den Beiden entwickelt, aber keiner konnte genau sagen, woher das kam oder wer damit angefangen hatte und dennoch genossen es beide. Ohne sich von ihm zu lösen, zog Gerrit eine Augenbraue in die Höhe: „Besser?“ „Besser, jetzt bin ich zufrieden gestellt.“ „Waaaaas? Bloß zufriedengestellt?!“ Der Schwarzhaarige schnitt eine so künstlich entsetzte Grimasse, weshalb Chris laut auflachen musste.

Den fehlenden Abstand ausnutzend, beugte er sich vor und drückte dem verdutzt dreinblickenden Gerrit einen Kuss auf die Lippen. Dessen offensichtlich verwirrten Blick ließ ihn nur noch lauter lachen. „Jetzt... bin in glücklich.“, brachte er zwischen mehreren Lachern heraus. Während er das aussprach, wusste er genau, wie sehr es stimmte. Küsse auf die Lippen hatte es zwischen den Beiden schon häufig gegeben und nie hatte es einer als störend empfunden, im Gegenteil. Obwohl dieser Kuss recht kurz gewesen war, hatte der Sänger ihn genossen. Bevor er sich noch mehr Gedanken machen konnte, trat er einen Schritt zurück. „Zieh dich aus und komm mit ins Wohnzimmer.“ „Hättest du wohl gern, aber ich glaube nicht, dass es angebracht wäre, so kurz nachdem Anja dich verlassen hat… Außerdem: Wäre das Schlafzimmer dann nicht besser?“, kommentierte Gerrit die Steilvorlage mit Sticheleien. „Willst du was trinken?“, fragte Chris und tat so, als hätte er den Seitenhieb überhört. Es war jetzt ein halbes Jahr her, dass Anja ihm gesagt hatte, dass sie eine Beziehungspause bräuchte, um sich dann nur zwei Monate später endgültig von ihm zu trennen. Kurz darauf war sie mit ihrem neuen Freund zusammengezogen. Chris bezweifelte, dass die Beiden sich erst NACH ihrer Trennung kennengelernt hatten und sich nähergekommen waren.

Da ihr gemeinsamer Sohn Mika ein totales Vaterkind war, wohnte er den Großteil der Zeit bei ihm, nur die Wochenenden verbrachte er – wie auch dieses – bei seiner Mutter. Die Erinnerung an die Trennung schmerzte, da sie für Chris wie aus dem nichts gekommen war. Dennoch durfte Gerrit seine Witze darüber reißen, schließlich war er derjenige gewesen, der halb bei ihm eingezogen war, sich um Mika gekümmert hatte und das gebrochene Herz von Chris in mühevollster Kleinstarbeit wieder zusammengepuzzelt hatte, wofür der Sänger ihm für ewig dankbar sein würde. Ohne ihn wäre das alles deutlich schlimmer gewesen. Vielleicht war es da zu dem ersten Begrüßungskuss gekommen?

„Chris?“, riss ihn der Keyboarder aus seinen Gedanken. „Hörst du mich? Eine Tasse Tee wär klasse, es ist arschkalt draußen.“, wiederholte er seine Antwort. „Alter, es hat gerade mal 10 Grad, und das Mitte Dezember! Aber klar, was hättest du denn gern für einen?“ Gefolgt von Gerrit lief der Sänger von der Tür durch den Flur in seine, recht kleine, Küche. „Oder besser: Lass mich raten… Kirsche – Erdbeere.“ „Awwww, du erinnerst dich daran?! Auch wenn der immer noch Sweet Kisses heißt, aber wenn du hast, gerne…“ „Das war so klar. Als ob ich den je ausgehen lass, ich weiß doch, wie gerne du den magst, spätestens nachdem du mir in Russland immer die Ohren vollgeheult hast, dass es den dort nicht gibt.“

Gerrit lachte während der Frontmann das Wasser aufsetzte. Chris griff nach einer der Tassen, die umgedreht auf dem Regal über der Wasserplatte stand. „Schau mal, Cinderella für meine Kirsch – Prinzessin.“ „Ach halt die Klappe. Cinderella ist okay!“, grinste der Keyboarder und sang sehr laut und sehr schief die ersten Takte von Scarlet Dorns „Cinderella“, woraufhin der Blonde sofort mit einstimmte. „Du gibst mir echt eine deiner geliebten Disney - Tassen? Womit hab ich das denn verdient?“ „Mit allem du Spinner! Ich weiß ja, dass du drauf aufpasst…“ „Versprochen, ich werde darauf aufpassen wie auf mein Keyboard.“ Das war eine Aussage von Gerrit, der sein Keyboard heiß und innig liebte und es am liebsten mit ins Bett nehmen würde. Lieber als ihn, schoss es ihm durch den Kopf, während er das kochende Wasser in die Tasse mit dem Teebeutel goss, Gerrit die Tasse in die Hand drückte und ihm bedeutete, ins Wohnzimmer vorzugehen.

Dominiert wurde der große Raum von einem grauen Sofa und einem Fernseher in vernünftiger Größe, wenn man es wie Chris liebte, Serien und Filme zu schauen. Neben dem Sofa hatte der Sänger bereits seine Gitarre bereitgelegt, bei welcher es sich dieses Mal um seine Hellcaster „The Lord“ handelte, die ihm Thomas Harms im September 2011 gebaut hatte. Der Blonde setzte sich aufs Sofa und bedeutete Gerrit, neben ihm Platz zu nehmen. „So, jetzt erklär mir mal: Warum konnte das Lied nicht bis Montag warten und wieso spielst du es nur mir und nicht dem ganzen Studioteam vor wie sonst auch?“ Man sah ihm an, dass ihm die Frage seit ihrem Telefonat auf den Lippen brannte. „Naja… Eigentlich wollte ich das Lied für einen anderen Künstler schreiben… und… Wenn ich Lieder weitergebe, schreibe ich mir oft Sachen von der Seele, die ich nicht selbst singen kann oder nicht singen möchte. Aber bei der Nummer ist es irgendwie was Anderes…“ „Wie meinen?“ „Naja… Ich will den Song eigentlich nicht weggeben…“ „Okay, dann frag ich nochmal: Warum willst du den nicht den Anderen vorspielen, sondern nur mir? Was ist bei mir anders?“

„Naja…“ Fuck, das war das Schwierigste. Es war ihm so wichtig gewesen, dass Gerrit gleich kam, sonst hätte ihn sein plötzlich dagewesener Mut verlassen, sodass er den Song in irgendeinen Ordner gelegt und nie wieder rausgenommen hätte. Gut, auch jetzt war die Entschlossenheit verraucht, doch nun konnte er sich der Situation nicht mehr entziehen. Chris` Gedanken drehten sich nur um die möglichen Reaktionen von seinem besten Freund. Wie würde er reagieren? Es würde sich etwas zwischen ihnen verändern, ob das gut oder schlecht werden würde, konnte er zu dem Zeitpunkt noch nicht sagen, geschweige denn ob er bereit war, dass sich überhaupt etwas veränderte.

„Chris? Alles okay?“, riss der Keyboarder ihn erneut aus seinen Gedanken. „Naja, eigentlich… erklärt sich das mit dem Lied von selbst… Soll ich?“ Vorsichtig deutete er auf seine Gitarre. „Ja bitte! Ich bin gespannt…“ Langsam drehte sich Chris um, hob seine Gitarre hoch und schaute Gerrit ein letztes Mal an, ehe er zu spielen begann, genau wissend, dass er es nicht schaffen würde, ihm während seiner Darbietung in die Augen zu sehen. Der Schwarzhaarige erwiderte seinen Blick gespannt. Er saß im Schneidersitz direkt neben ihm, wartete, hatte keine Ahnung was jetzt geschehen würde. Der Sänger holte ein letztes Mal tief Luft bevor er die ersten Töne anspielte und seine Augen schloss. Er wollte nicht sehen, wie sein Freund reagieren würde, wollte nicht sehen, wie er mit einem Lied seine Freundschaft zerstörte. Ganz leise begann er zu singen:



Under this spell I won´t break ohoho

Can´t eat or sleep, I just ache ohoho



Genau erinnerte er sich an den stechenden Schmerz, den er beim Schreiben dieser Zeilen gespürt hatte. An die Tränen, die nach einer durchwachten Nacht auf das karierte Din A4 getropft waren.



This lossnow all I own

So pain had just been postponed

I crawl through darkest depths alone



Gerrit hatte ihn bereits durch so viele Höhen und Tiefen begleitet, war immer bei ihm gewesen. Nur durch diese Hölle, die viel Schmerz und die panische Angst von ihm allein gelassen zu werden, beinhaltete, musste er selbst gehen. Würde der Angesprochene ihn auch aus dieser Finsternis herausführen oder würde er ihn einsam, in seinen Gefühlen gefangen und ohne ein Licht zurücklassen?



Unravel my heart,

Untravel the stars,

In silence I´m counting my scars



Dieser Wunsch brannte nun etwa ein viertel Jahr auf dem Herzen des Älteren. Der Wunsch, dass Gerrit das war, ihm klar sagte, was das zwischen ihnen war und ihm beistand, am besten für immer… Der Sänger nahm all seinen Mut zusammen, hob seinen Blick und sah seinen Freund durch seine aufsteigenden Tränen an. In den Augen des Schwarzhaarigen lag eine solche Wärme, dass der Blonde die nächsten Zeilen in das überrascht dreinblickende Gesicht sang. Chris merkte, dass jedes Wort, welches er sagte, stimmte. Es tat gut, es laut auszusprechen.



I cannot unfeel what I feel for you

I cannot untell cos I told the truth

I cannot unsee what I´ve seen in you

I cannot unfall how far I´ve fallen for you

I cannot unbee or unkneel or unsee or unfeel

What I feel for you



Gerrits Augen weiteten sich. Die Botschaft war angekommen. Kurz blieb Chris die Luft weg: Was würde er sagen? Wie würde er reagieren? Sollte er… weitersingen? Er spielte die nächsten Akkorde des Instrumentals zweifelnd, wusste nicht, ob er aufhören sollte oder nicht. Da es nicht so wirkte, als würde er sich unwohl fühlen oder den Song abbrechen wollen, sang Chris weiter:



Unspoken woes devastate oh, ohoh

Felled by this knife twist of fate

The life that you´ve disown

It cuts me deep to the bone

A love the life of which I unown



Diese Strophe tat weh. Es war so schmerzhaft gewesen. Die Trennung von Anja und danach die Zeit, in der Gerrit sich geweigert hatte, ihn zu küssen. Er hatte nicht nur ablenken, sondern verhindern wollen, dass Chris daran zerbrach. Was er dabei nicht registriert hatte war, wie sehr der Ältere unter den fehlenden Zärtlichkeiten gelitten hatte. Zuerst hatte er seine scheinbar große Liebe verloren und damit auch jegliche weitere Zärtlichkeit. Immer noch Gerrit anblickend wurde Chris wieder mutiger und seine Stimme lauter. Bereits bei den ersten Worten des Refrains spürte er, wie sich die nassen Tränen ihren Weg über seine Wange bahnten.



Unravel my heart,

Untravel the stars,

In silence I´m counting my scars

I cannot unfeel what I feel for you

I cannot untell cos I told the truth

I cannot unsee what I´ve seen in you

I cannot unfall how far I´ve fallen for you

I cannot unbee or unkneel or unsee or unfeel

What I feel for you



Leise spielte er die Akkorde des Instrumentals, versank komplett in der Musik und in seinen Gefühlen.



Each corner I turn,

The memories burn

From fourtain to bell house and square

These landmarks I see

From our history

Are eyesores when you are not there



Chris zuckte zusammen als er einen leichten Druck auf seinem Oberschenkel spürte, realisierte jedoch rasch, dass es Gerrits Hand war, die ihm diesen beruhigend drückte. Die Berührung hatte etwas so intimes, dass Chris eine warme Gänsehaut überlief und er nicht anders konnte, als Gerrit anzulächeln. Dieser erwiderte das auf der Stelle mit diesem süßen, breiten Grinsen, welches für ihn so typisch war und nickte ihm leicht zu. Bestätigt in seinem Tun sang Chris weiter:



Each wish that I make

For eternal days

Before the storm tears us apart



Gerrit wirkte immer noch sehr überrascht. Doch ob das eine gute oder schlechte Überraschung war, konnte er immer noch nicht einschätzen. War er in einer Art Schockstarre und fand die komplette Situation total schrecklich? Auf der anderen Seite war das nicht seine Art, wenn Gerrit sich unwohl fühlte, brach er sofort ab. Das war doch ein gutes Zeichen, oder nicht? Ein letztes Mal begann Chris den Refrain zu singen und zwang sich dabei erneut, seinem besten Freund in die ihm bestens bekannten Augen zu schauen.



Unravel my heart,

Untravel the stars,

In silence I´m counting my scars

I cannot unfeel what I feel for you

I cannot untell cos I told the truth

I cannot unsee what I´ve seen in you

I cannot unfall how far I´ve fallen for you

I cannot unbee or unkneel or unsee or unfeel

What I feel for you



Nun war es um Chris geschehen. Die Tränen liefen ihm ungehalten die Wangen herunter, seine Stimme klang belegt. Mit dem Verklingen der letzten Töne legte er seine Gitarre beiseite und wischte sich schnell die salzigen Tränen weg. Gerrits Hand lag noch immer auf seinem Bein und verstärkte leicht den angenehmen Druck. Wollte der Keyboarder ihm damit Mut zusprechen? Als Chris sicher war, dass seine Stimme ihn nicht im Stich lassen würde, hob er seinen Blick und sah Gerrit direkt in die Augen. All seinen Mut zusammennehmend, öffnete er seinen Mund und sprach die Worte aus, die ihm seit Monaten auf der Seele brannten: „Ich liebe dich, Gerrit Heinemann.“

Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast