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Das Lied des nördlichen Zauberers

GeschichteDrama, Sci-Fi / P18 / Het
18.12.2020
15.04.2021
5
70.352
7
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6 Reviews
Dieses Kapitel
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18.12.2020 9.561
 
So, jetzt kann ich endlich das erste Kapitel dieser Story hochladen. Ich spiele schon lange mit dem Gedanken eine Story zu übersetzen und habe jetzt ENDLICH mal die Zeit damit anzufangen. Ganz zu Anfang möchte ich euch aber nicht vorenthalten, wo die Story herkommt. «Das Lied des Zauberers des Nordens» ist die Übersetzung einer englischen Fanfiction, welche ihr auf www.fanfiction.net unter dem folgenden Link finden könnt: www.fanfiction.net/s/13496554/1/Song-of-A-Northern-Sorcerer.

Es handelt sich dabei um ein Crossover zwischen «Das Lied von Eis und Feuer» und «Star Wars», genauer gesagt dem Star Wars Computerspiel «Star Wars, The Old Republic».

Das Original wurde vom Autor ffdrake geschrieben, welcher noch eine ganze Reihe weiterer Geschichten geschrieben hat, darunter auch ein Harry Potter/Star Wars Crossover. Seine Geschichten sind echt gut, schaut doch mal rein, wenn ihr des Englischen mächtig seit

Weiterhin möchte ich anmerken, dass selbstverständlich keine Einzige der Figuren, die ihr hier finden werdet, mir gehört. Die Figuren gehören zum ASOIAF-Fandom oder dem Star-Wars-Fandom und den jeweiligen Autoren oder in einzelnen Fällen natürlich ffdrake. Weiterhin möchte ich anmerken, dass ich keinerlei Geld mit der Übersetzung dieser Geschichte verdiene.

Ganz zum Ende habe ich nun noch einen kurzen Aufruf: Wie ihr während des Lesens feststellen werdet, habe ich besonders mit der Kommasetzung hin und wieder ein paar Probleme. Da dies mein erstes Projekt dieser Grössenordnung ist, könnte ich einen oder zwei Betaleser gebrauchen. Sollte also jemand Bock haben oder jemanden kennen… macht mir einfach eine PN.

Nun wollen wir aber endlich beginnen:

Einführungsinformationen (von ffdrake):

Die Story wird sich mehr an «Das Lied von Eis uns Feuer» orientieren als an der Fernsehserie «Game of Thrones». Dies werdet ihr besonders an den verwendeten Charakteren feststellen. Im Wesentlichen wird nur das Alter der Protagonisten (Jon/Robb/Dany sind zum Beginn der Serie, 299 n. A. E., 16 Jahre alt) aus der Serie verwendet.

Als Figur aus SWTOR wird hier die männliche Version des Sith Inquisitor herhalten. Der Name der Figur wird Alim Nox lauten. Über ihn braucht ihr im Wesentlichen Nichts zu wissen, es sind also keine wesentlichen Vorkenntnisse zu SWTOR für das Verständnis der Story erforderlich. Alles was ihr wissen müsst, wird erklärt. Gewisse Vorkenntnisse zu Star Wars wären allerdings von Vorteil. Man sollte zumindest wissen, was ein Sith-Lord ist.

Kapitel 1: Die Ankunft

Stöhnend vor Schmerzen erwachte er. Er, Darth Nox, Dunkler Lord der Sith, Hüter der Sphäre des alten Wissens, Mitglied des Dunklen Rates und Erbe von Tulak Hord und Kallig. Er, der Meister des Todes und Führer des Kultes der Schreienden Klingen. Er hob seine zitternde Hand an den Kopf in dem Versuch, den immensen, pulsierenden Schmerz zu beruhigen, welcher seinen Schädel klingeln liess. Er streckte seine Machtsinne aus, um seine Umgebung zu fühlen und war verwirrt über das, was er wahrnahm.

«Ein Langstreckenjäger? Was zur Hölle ist hier los?» fragte er sich selbst als er sich zu erinnern suchte, wo er sich befand.

Langsam setzte er Stück für Stück sein Leben vor diesem Moment zusammen. Seine Versklavung durch die Hände seines einstigen Besitzers. Er erinnerte sich noch deutlich an den Moment, wo er sein Augenlicht verloren hatte. Sein Besitzer hatte den Tod seiner Mutter befohlen und er war gezwungen worden, dabei zuzusehen, als seine Mutter ohne Weiteres von der Garde ihres Besitzers niedergeschossen wurde. Dann erinnerte er sich an das, was davor geschehen war. Er hatte zusehen müssen, wie der Haushalt seines Besitzers seine Mutter auf die schlimmstmögliche Art vergewaltigt hatte. Dies hatte damals die Reaktion in Alim ausgelöst, welche seine Augen gelb hatte leuchten lassen als die Wache, welche seine Mutter erschossen hatte, ohne weitere Erklärung zu schweben begonnen hatte und in der Luft erwürgt worden war. Er hatte damals nicht gewusst, was die Änderung seiner Augenfarbe zu bedeuten hatte, doch sein Besitzer hatte es gewusst. Sein Besitzer war jedoch kein Mann gewesen, der es hatte zulassen wollen, dass ein niederer Sklave die Ehre hatte, nach Korriban gebracht zu werden. Also hatte der Mann ein glühend heisses Stück Eisen genommen und ihm die Augen ausgebrannt. Erst nachdem ihm seine Sicht genommen worden war, hatte er damals verstanden, was geschehen war. Er hatte die Macht angewandt. Etwas, was nur die besten und mächtigsten Individuen des Sith Imperiums tun konnten. Doch er war nur ein verstümmelter Sklavenjunge gewesen. Doch trotz seiner Beeinträchtigung, oder vielleicht gerade deswegen, hatte Nox zu sich selbst gefunden. Er hatte seine Stärke in der Macht gefunden und entwickelt. Erst als Ersatz für seine Sicht, dann als Werkzeug, um an seinem «Meister» Rache zu nehmen.

Zu der Zeit, als die Stadtwachen bei dem Anwesen angekommen waren, waren sein «Meister» und dessen Gemahlin kaum mehr als Spritzer von Blut und Körperteilen gewesen, welche über den Boden und die Wände ihrer Gemächer verteilt gewesen waren. Die anderen Sklaven hatten ihn dann sofort an die Wachen verraten. Doch statt ihn zu exekutieren, wie er es erwartet hatte, hatte man ihn nach Korriban gebracht. Auf gewisse Weise war dies auch ein Todesurteil, soviel hatte er gewusste. Ein Blinder Teenager ohne nennenswerte Ausbildung, kaum mehr als er sich hatte selbst beibringen können, hatte kaum eine Chance die Prüfungen auf Korriban zu überleben. Die anderen Akolythen hatten ihn jeden Tag daran erinnert. Doch er hatte sich einfach geweigert aufzugeben und zu sterben. Durch die Macht hatte er seine Sinne bis zu dem Punkt entwickelt, wo er tatsächlich besser «sehen» konnte als die meisten anderen Akolythen. Viele hatten ihn sogar für einen Mirakulaner gehalten, da er seine nutzlosen Augen stets mit einem Streifen Stoff bedeckte.

Trotz aller Widerstände und trotz all Jener, welche ihn verspottet hatten, überstand er es. Er hatte jeden getötet, der ihm im Weg stand und war schliesslich der Schüler von Lady Zash geworden. Er erinnerte sich noch genau an das Vergnügen, welches er verspürt hatte, als er seinen «Rivalen» Ffon getötet hatte, nachdem Zash ihn zu ihrem Schüler erklärt hatte. Die Erinnerung an die Schreie und an das Flehen um Gnade des reinrassigen Sith zauberte selbst nach all diesen Jahren noch ein Lächeln auf sein Gesicht.

Dann kam seine Zeit unter Lady Zash. Er war ihr persönlicher Laufbursche geworden, als er quer durch die Galaxis geflogen war. Stets auf der Suche nach den Relikten, welche seine Meisterin haben wollte. Relikte, mit denen sie geplant hatte, ihre beiden Körper zu tauschen, als ihr eigener des Alters wegen verfallen war. Doch hatte er zuletzt gelacht, nachdem sein Gefährte Khem Val das Ritual des Körpertausches unterbrochen hatte und Zashs Geist im Körper des Dashade gefangen worden war. Später war er dann ausgetrieben worden, um für alle Ewigkeit in einem Monolithen eingesperrt zu werden. Ein passendes Ende für seine betrügerische Meisterin.

Nach Zash kam seine nächste Herausforderung in Gestalt von Darth Thanaton. Der arrogante Darth, der die Nase so hochgetragen hatte, dass es Nox nicht gewundert hätte, wenn er damit einen Raumangriff hätte abwehren können. Der Mann hatte geglaubt, dass mit dem Untergang von Zash auch Noxs Leben verwirkt war. Es hatte die Bindung von vier Machtgeistern gebraucht, um den Idioten zu vernichten, doch Nox hatte seine Entscheidung nie bedauert. Die Bindung der Machtgeister in seinen eigenen Geist hatte zwar höllische Schmerzen verursacht, doch die Stärke, die er dadurch gewonnen hatte, war es wert gewesen. Am Ende war es Thanaton gewesen, dessen Überreste aus dem Tempel geworfen worden waren und Nox hatte seinen Sitz im Dunklen Rat einnehmen können.

Dann kam der Kampf gegen Revan. Der Jedi, der erst zum Sith geworden war und dann wieder zum Jedi, war eine Kraft mit der zu rechnen war. Es hatte der vereinten Kräfte von Nox, Darth Marr, der Grossmeisterin des Jediordens, Satele Shan und der Jedi-Ritterin Tabris bedurft den Verrückten aufzuhalten. Am Ende hatte Revan seinen Tod akzeptiert, doch hatte er Tabris sein Lichtschwert und Nox seine Maske hinterlassen.

«Fuck» fluchte er, als er die besagte Maske von seinem Gesicht zog, welche er damals auf Yavin 4 erhalten hatte. Er liess seine Hände über die Oberfläche des antiken Artefaktes gleiten. Dabei suchte er nach Schäden oder Unebenheiten. Als er keine fand, legte er die Maske zur Seite und betastete sein Gesicht. Er konnte fühlen, wie Blut, welches aus seiner gebrochenen Nase lief, seine Handschuhe überzog. Vorsichtig berührte er seine gebrochene Nase und schickte einen leichten Fluss von Energie in den Knorpel, um den Schaden an seiner Nase zu beheben und die Blutung zu stillen.

Als er das erledigt hatte, richtete Nox sich im Cockpit auf und machte einen Systemcheck. «Die Schlacht» dachte er und schlug seine Faust auf die Konsole als das Display flackerte. «Ich muss wissen, ob Darth Marr entkommen ist. Und Tabris auch, denke ich. Sie sieht gut genug aus, dass ich nichts dagegen hätte sie … zu «bekehren».»

Als das Schiff mit dem Systemcheck begann dachte Nox an die letzten paar Stunden zurück, oder jedenfalls an die letzten paar Stunden an die er sich noch erinnern konnte. Darth Marrs Schiff hatte am Rande des bekannten Raumes gelegen, um nach dem mysteriösen Feind zu suchen, welcher dumm genug war, die Republik und das Imperium zur selben Zeit anzugreifen. Er erinnerte sich an Tabris und ihren bunt gemischten Haufen, der an Bord kam, … und dann Chaos. Der Feind war gekommen und war ihnen zahlenmässig vielfach überlegen gewesen. Möglicherweise sogar hundert zu eins allein was die Anzahl der Schiffe anbelangte. Die Schlacht, wenn man es denn so nennen konnte, war ein Massaker gewesen.

Die Hälfte ihrer Schiffe war schon nach der ersten Salve zerstört worden und die andere Hälfte war schwer beschädigt. Dann begann das Entern. Nox erinnerte sich an den Angriff des Feindes, der überwiegend mit Droiden und einigen wenigen machtsensitiven Individuen angegriffen hatte. Nicht das das eine wesentliche Rolle gespielt hatte. Nox hatte sowohl die Droiden als auch die lebendigen Feinde niedergemacht, welche ihm im Weg gestanden waren. Der einzige Unterschied war gewesen, dass er sich die Zeit genommen hatte die Lichtschwerter der Feinde einzusammeln und an seinen Gürtel zu hängen. Er war sich nicht sicher, warum er es getan hatte, doch irgendetwas hatte ihm gesagt, dass die Waffen in der Zukunft noch wichtig sein würden. Er hatte auch die Lichtschwerter einiger gefallener Jedi und Sith die auf dem Schiff gedient hatten eingesammelt.

Nachdem er einige Decks gesäubert hatte, war es ihm gelungen, den Zugang zu seinem eigenen Schiff zu erreichen, doch bevor er es durch die Luftschleuse schaffte, hatte der Zerstörer einen schweren Treffer einstecken müssen, welcher seinen Weg versperrt hatte. Nox hatte also keinen anderen Weg gehabt, als sich zum Hangar durchzuschlagen und einen der Jäger zu besteigen. Doch gerade als er sich im All in die Schlacht stürzen wollte, kontaktierte ihn Darth Marr und befahl ihm zu fliehen und das Imperium vor der neuen Bedrohung zu warnen.

Da jeder weitere Kampf zwecklos gewesen wäre, hatte Nox zugestimmt und sein Schiff gewendet, um Kurs auf Dromund Kaas zu nehmen. Dann, gerade als er den Sprung in den Hyperraum machen wollte, war sein Schiff getroffen worden und das Letzte, woran er sich erinnerte war, dass sein Schiff vom Kurs abtrudelte und dann in den Hyperraum sprang. Und nun … nun war er hier. Wo auch immer «hier» war.

Er hörte ein leises Piepsen, das von der Konsole kam. Nox schaltete durch die Diagnostik, seine Laune sank mit jeder Zeile.

Treibstoff: 0.5%.

Hyperraumantrieb: offline

Primäre Sublichtaggregate: offline

Sekundäre Sublichtaggregate: eingeschränkt betriebsbereit

Manövrierantrieb: online

Sauerstofflevel: 10%

Primärwaffen: offline

Sekundärwaffen: offline

Navigationscomputer: offline

Langstreckenscanner: offline

Kurzstreckenscanner: online

«Naja … das ist verfickt nochmal wundervoll» fluchte Nox innerlich, um den Sauerstoff zu sparen, der ihm noch verblieben war. «Selbst wenn ich verflucht nochmal herausfinden könnte, wo ich mich befinde, was unwahrscheinlich ist, da der Navigationscomputer ausgefallen ist und ich KEINE AHNUNG habe in welcher Richtung ich in den Hyperraum eingetaucht bin oder wie lange ich im Hyperraum war, käme ich nicht zurück. Ich bezweifle, dass ich hier lange genug überleben kann, als dass irgendein Schiff hier vorbeikommen und mich aufsammeln kann. Fuck … ich habe so viel überlebt und soll jetzt so sterben? Treibend durch eine unbekannte Region des Alls, langsam erstickend, verdurstend und verhungernd? Das gehört definitiv nicht zu den Top Ten.»

Nox lehnte sich in seinem Sitz zurück und wollte gerade das Display abschalten, um Energie zu sparen, als er es fühlte. Eine leichte Erschütterung der Macht. Ein Gefühl der … Finsternis. Eines, welches er nicht mehr gespürt hatte, seit er zuletzt einen Fuss auf Korriban gesetzt hatte. Er schloss die Augen und streckte seine Machtsinne aus, um nach der Störung zu suchen. Da … auf seiner Steuerbordseite war ein Planet. Eine Gartenwelt, wenn ihn seine Sinne nicht täuschten. Eine Gartenwelt, die stark von der dunklen Seite der Macht berührt worden war. Und doch, zur selben Zeit … war der Planet auch von der Hellen Seite der Macht berührt worden. Schwächer zwar als von der Dunklen Seite, aber trotzdem. Am wichtigsten war aber, dass er auf dem Planeten Leben spüren konnte: Intelligentes Leben.

Als er sich aus seiner Trance zurückzog, aktivierte er sofort den Kurzstreckenscanner. «Es ist nicht besonders weit. Ich sollte gerade genug Treibstoff haben, wenn ich nur sporadische Antriebsschübe mache.» dachte er als er die Resultate des Kurzstreckenscann betrachtete. « Definitiv eine Gartenwelt. Keine Satelliten oder Schiffe im Orbit. Den Strahlungs- und Luftverschmutzungswerten zufolge handelt es sich um eine präindustrielle Welt. Na, wundervoll … Danke, Macht. Du weckst bei mir Hoffnungen auf Rettung … nur um sie dann gleich wieder zu zerschlagen. Trotzdem, wenn ich die Wahl habe zwischen dem Tod hier oben in diesem Schiff oder einem Leben auf einer Gartenwelt … da habe ich wohl kaum eine Wahl. Und wer weiss … möglicherweise lässt es sich zu meinem Vorteil drehen, wenn sie noch nicht so weit entwickelt sind. Obwohl, allein schon dahin zu kommen wird schon schwierig. Dann muss ich diesen Schrotthaufen auch noch landen und dass ohne Navigationshilfen, mit kaum Treibstoff und nur mit Manövriertriebwerken, um meinen Fall abzufangen. Das wird definitiv keine meiner besseren Landungen.»

Nox gab seine Kommandos manuell ein und wendete mit den Manövriertriebwerken in Richtung des Planeten, ehe er losflog. So flog Nox also in die Richtung seiner neuen, und möglicherweise letzten, Heimat.



283 n. A. E. Wolfswald, Der Norden

Heftig schnaufend stand der sechs Jahre alte Jon Schnee, der Bastard-Sohn von Lord Eddard Stark von Winterfell mit dem Rücken an einen Baum gelehnt. Er versuchte verzweifelt wieder zu Atem zu kommen, während seine Augen nervös zwischen den Bäumen um ihn herum hin und her wanderten. Sein Atem war in der kalten Luft des Nordens zu sehen. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag verfluchte er sich selbst dafür, dass er letzte Woche den Stern gesehen hatte, der in den Wolfswald gefallen war. «Ich hätte einfach auf Maester Luwin hören sollen … oder auf Vater.» Dachte Jon als er gierig nach Luft schnappte. «Es kommt so selten vor, dass ein Stern zu Boden fällt, möglicherweise habe ich es mir ja auch bloss eingebildet.»

Doch trotz aller Zweifel, welche sein Vater oder Maester Luwin geäussert hatten, selbst den Zweifeln seines Bruders Robb zum Trotz konnte er den Gedanken einfach nicht abschütteln den Stern zu finden. Falls es ihm gelang, hätte er ihn möglicherweise nach Winterfell bringen können. Dann wäre Mikken, der Schmied, vielleicht eine Lage ein neues Schwert für Haus Stark zu schmieden, ein Schwert wie «Dämmerung» von Haus Dayn aus Dorne. So könnte er vielleicht, nur vielleicht, den Namen «Stark» erlangen. Es waren diese Gedanken gewesen, die Jon mitten in der Nacht zum Aufbruch getrieben hatten, als alle anderen in tiefem Schlaf lagen.

Das war nun vier Tage her. Vor zwei Tagen war ihm die Verpflegung ausgegangen und gestern das Wasser. Hinzu kam noch, dass er sich total verlaufen hatte. Die alte Nan hatte ihm und Robb Geschichten erzählt, von Kindern, die in den Wolfswald hineingingen und nie zurückkehrten. Doch er hatte ihr nicht geglaubt … nicht wirklich. Doch nun … nun glaubte er den Geschichten. Die Bäume waren so gross und dick, dass er trotz aller Helligkeit die Sonne nicht sehen konnte. Er konnte also nicht einmal sagen in welche Richtung er unterwegs war. Doch das Schlimmste war nicht sein Hunger, sein Durst oder seine Orientierungslosigkeit … das Schlimmste war an diesem Morgen geschehen. Er war auf die Überreste eines Feuers gestossen. Er war also nicht allein in den Wäldern.

«Da is er!»

«Schnappt ihn!»

«Ich will die Beine, das beste Fleisch ist an den Beinen. Obwohl er so klein ist!»

«Oh nein,» wimmerte Jon als er sich vom Baum abstiess und weiter in den Wald hineinrannte.

«Wildlinge,» dachte Jon als er sich zwang noch schneller zu rennen. «Nan hat uns mal erzählt, dass sie Menschen essen, … naja, wenigstens bis Lady Stark ihr verboten hat Robb von solchen Sachen zu erzählen. Ich hätte nie … nie gedacht, dass sie die Wahrheit gesagt hat. Wer will schon einen anderen Menschen essen! Das ist widerlich

«Hierher, du kleiner Scheisser! Wir haben ein schönes kleines Feuerchen gemacht, um dich zu kochen! Ich weiss genau wie lange ich dich da drüber hängn muss! Hör auf wegzulaufen, vielleicht töten wir dich dann vor dem Kochen!»

«Die kommen immer näher!» dachte John verzweifelt als seine Beine sich noch schneller bewegten. «Ich … Ich muss einfach weglaufen! Aber wohin nur? Ich habe keine Ahnung, wo ich bin! Ich muss mich verstecken! Vielleicht laufen sie dann an mir vorbei und ich kann

Ein scharfer Schmerz in seinem Bein unterbrach seine Gedanken als er nach vorne auf sein Gesicht fiel und seine Beine sich weigerten sich weiter zu bewegen. Jon drehte sich um und seine Augen weiteten sich verzweifelt als er den Schaft des Pfeils sah, der aus seinem Unterschenkel ragte. «Ich … Ich habe nicht … Wann haben sie …?»

Seine Frage erledigte sich als die Wildlinge in Sicht kamen. Sie waren noch einige Schritte entfernt als er sie endlich deutlich sehen konnte. Jeder trug ein Gemisch aus Tierpelzen, das sie warmhalten sollte. Ihre Hände und Gesichter waren fast schwarz vor Dreck und das Haar trugen sie lang, wild und ungekämmt. Jeder von ihnen trug irgendeine Waffe. Der Grösste der Gruppe grinste als sie Jon immer näherkamen, sein Schwert schwang mit jedem Schritt hin und her. Seine gelben Zähne kamen zum Vorschein als das Grinsen breiter wurde und er Jon ansah, wie Sansa ihre Süssigkeiten. «Götter … die wollen mich wirklich essen!»

«Also dann, du kleiner Hase. Das war ja mal ne lustige kleine Jagd, eh? Aber jetzt ist se vorbei … und s ist Zeit fürs Essen!»

Jon versuchte auf die Beine zu kommen, doch schrie er sofort auf vor Schmerzen und fiel wieder zu Boden als sein verletztes Bein nachgab.

«Das wird so nich gehn, kleiner Hase,» lachte der grosse Wildling. «Ida hier is ne gute Schützin. Und sie hat ganz gut getroffn. Ich glaub nich, dass du so bald wieder renn’n wirst. Nich das du die Chance dazu kriegst.»

Als Jon sich auf den Rücken rollte zog er das kleine Messer hervor, dass ihm sein Vater zu seinem fünften Namenstag geschenkt hatte. Die Klinge war nicht besonders lang … kaum so lange wie sein Finger … doch mehr hatte er nicht. «Bleibt zurück!»

Anstatt allerdings zurückzuweichen lachten die Wildlinge bloss. «Seid vorsichtig, Leute.» kam es plötzlich von einer Frau. «Der kleine Hase hat noch n Zahn!»

Der grosse Wildling mit den gelben Zähnen grinste noch breiter als er sein Schwert in den Boden rammte. «Schönes kleines Messer, du kleiner Hase.» Der Mann lachte als er nach Jon griff. «Vielleicht benutz ichs ja, um dich mir aus n Zähnen zu kratzen, wenn ich – Fuck!»

Jon hatte gewartet bis den Wildling nahe genug war, so wie sein Vater es ihm und Robb gezeigt hatte, bevor er mit dem Messer zugestochen hatte und es bis zum Griff im Arm des Wildlings versenkt hatte. «Fuck!» Der Wildling schrie, fuhr zurück und riss Jon so das Messer erst aus den Fingern und sich dann selbst aus dem Arm. «Verfluchte … Scheisse!»

Jon versuchte wegzulaufen; er versuchte es wirklich. Doch sobald er aufzustehen versuchte wurde er äusserst schmerzhaft daran erinnert, dass eines seiner Beine verletzt war und er fiel wieder zu Boden. Dann, noch bevor er wieder aufstehen konnte, packten ihn zwei raue Hände im Nacken und hoben ihn in die Luft. Der Wildling mit den gelben Zähnen hielt ihn hoch, so dass seine Füsse hilflos ihn der Luft zappelten.

«Ds war nich besonders klug, du kleiner Hase,» knurrte der Wildling als sein Griff in Jons Nacken immer fester wurde. «Eigentlich wollt ich ds hier schnell beenden aber jetz, jetz koch ich dich Stück für Stück und lass dich zusehn wie ich von dir ess!»

Jons Sicht begann zu verschwimmen als er gegen die Hand um seine Kehle ankämpfte. «Nein…» dachte er schwach. Er versuchte zu atmen als es immer dunkler wurde. «Ich… Ich kann nicht…nicht so… Vater… Robb… Sansa… Arya… irgendwerbitteHilfe…»

Plötzlich dröhnte ein Schrei durch den Wald wie ihn Jon noch nie gehört hatte. Der Wildling der Jon gepackt hielt liess ihn fallen und Schmerz durchzuckte Jon bei dem Aufprall, als er verzweifelt nach Luft schnappte. «Was fürn Scheiss war’n dass jetz?» kam es von einem der anderen Wildlinge. Der Wildling, der die Frage gestellt hatte, hob seine Keule und schaute sich um.

Der Wildling mit den schlechten Zähnen starrte die anderen an. «Wo verdammt is Tummer?»

Die anderen Wildlinge schauten einander an, ehe sie hastig umherschauten. «Fuck.» Fluchte Ida, die Frau mit dem Bogen. «Er sollte… sollte gleich hinter uns sein. Was hat ihn bloss erwischt? Schattenkatze? Schattenwolf?»

«Da sin keine Schattenwölfe auf der Seite von’r Mauer.» Sagte ein anderer, mit zittriger Stimme. «Schattenkatze, vielleich’?»

«Ne» knurrte der Wildling mit den schlechten Zähnen. «Hört ma. Keine Vögel. Keine Tiere. Gar nichts. Da draussen muss was andres sein.»

Der Wildling drehte sich wieder zu Jon um. Ohne etwas zu sagen trat der Wildling mit dem Fuss hart auf Jons Bein und trieb den Pfeil noch tiefer in die Wunde, «Nein!» schrie Jon schmerzerfüllt als er versuchte sich aufzusetzen, als der Wildling noch härter zudrückte.

«Halt die Fresse, kleiner Hase!» brüllte der Wildling mit einem verrückten Zucken im Auge. «Wer is sonst noch mit dir in dies’n Wäldern?»

Jon kämpfte gegen den Schmerz in seinem Bein an und fühlte Schmerzenstränen sein Gesicht hinabrollen als er wieder vor Schmerzen aufschrie. «Bitte… niemand! Ich schwöre es bei den alten Göttern! Ich bin allein! Ich schwöre es!»

«Der lügt doch» spie einer der Wildlinge. «Die Knieenden würden n Kid wie den nich allein rauslassen. Da muss noch wer sein!»

Der Fuss des Wildlings wurde von seinem Fuss weggenommen, doch bevor Jon Erleichterung fühlen konnte, zog ihn der Wildling wieder hoch. «Ich hab dn Jungn, Knieender!» Schrie der Wildling als er ein Messer an Jons Kehle hob. «Komm raus, oder ich lass sein Blut spritzen!»

Stille war die einzige Antwort, die der Wildling bekam und die Wildlinge begannen zusammenzurücken. Nun standen sie Rücken an Rücken und blickten in den Wald hinaus. «Verdammt.» Flüsterte Ida, die Wildlingsfrau mit dem Bogen. «Ich mag ds verdammt nochmal gar nicht… da is was nich richtig.»

Eine rasche Bewegung von etwas Schwarzem und das Knacken von Zweigen zog plötzlich die Aufmerksamkeit von allen auf sich. Alle drehten sich zu der Figur, die da plötzlich stand. Jon blinzelte mehrmals, doch die Figur verschwand nicht. Nur wenige Schritte entfernt stand da ein Mann… wenigstens dachte Jon es handelte sich um einen Mann. Er war von Kopf bis Fuss in einen schwarzen Mantel und eine ebenso schwarze Rüstung gehüllt. Jon konnte das Metall sehen, das die Füsse bedeckte. An den Händen und Handgelenken befanden sich Panzerhandschuhe, welche sich leicht über die Finger erstreckten. So machte es fast den Eindruck als hätte die Gestalt Krallen oder Klauen. Der Mantel liess die Brust der Gestalt frei und zeigte so eine Art von schwarzem Brustpanzer. Das Gesicht schliesslich war bedeckt von einer seltsamen Maske. So etwas hatte Jon noch die gesehen. «Das ist aus einem Stück gemacht, wie kann er da bloss durchsehen?»

«Wer verdammt bis n du? Wollte der Wildling wissen, der Jon immer noch gepackt hielt und der das Messer hart genug gegen Jons Haut drückte, dass Jon warmes Blut seinen Nacken hinabtropfen spüren konnte.

Die Gestalt sagte nichts. Der Mann stand nur da und starrte sie alle an. Zumindest glaubte Jon, dass er sie anstarrte. Es war schliesslich unmöglich zu sagen, wohin der Mann blickte. Nach einigen Momenten drehte sich der Kopf zu Jon. Jon wusste nicht wie, oder wieso, aber er konnte es spüren, wie der Mann in betrachtete. In dem Moment als Jon den Blick auf das Gesicht des Mannes richtete und sich ihre Blicke treffen müssten, jedenfalls falls der Mann etwas sehen konnte, fühlte Jon es. Er fühlte wie ihm die Luft in den Lungen zu gefrieren schien. Er spürte wahre Furcht. Als hätte er in die Augen des Todes selbst geblickt! Doch der Moment verging ebenso schnell wie er gekommen war als sich der Kopf des Mannes weiterdrehte und zu den Wildlingen zurückkehrte.

«Acht… um einen kleinen Jungen zu fangen. Entweder ist er ein grosser Krieger oder, was eher wahrscheinlich ist, ihr alle seid extrem inkompetent.»

Seine Stimme klang fremd und seltsam verdreht. Jon hatte auch zuvor schon Männer unter einem Helm hervor sprechen gehört und er wusste, dass jede Stimme sich dann anders anhörte, doch dies… dies war etwas ganz anderes.

«Verpiss dich!» schrie der Wildling, der Jon festhielt und entfernte das Messer aus Jons Nacken, um es auf den Fremden zu richten. «Wer verdammt bis n du? So n Ritter von den Knieenden? Willst d den Jungen rettn?»

Der Kopf des Mannes drehte sich zur Seite als er weiterhin einfach nur dastand. «Knieende? Den Ausdruck habe ich bisher noch nie gehört. Aber von der generellen Bedeutung ausgehend… Nein ich weiss immer noch nicht, was du damit meinst. Und ob ich ein Ritter bin? Ich bezweifle zwar, dass du es verstehen würdest, aber eher würde ich mich selbst erwürgen als ein Ritter zu werden. Viel zu einschränkend, wenn du mich fragst. Aber um die andere Frage zu beantworten: Ich bin Darth Nox. Da wir allerdings sehr weit von meiner Heimat entfernt sind, bezweifle ich, dass ihr die Bedeutung meines Titels versteht, daher solltet ihr mich wohl am besten einfach Nox nennen.»

«Was kümmerts mich wer n du bis, Knieender!» Schrie plötzlich eine Frau. Sie trat einen Schritt vor und senkte ihren Speer, um ihn auf die Gestalt zu richten. «Ich will verdammt nochma wissen wo Tummer is!»

Der seltsame Ritter neigte als Antwort bloss seinen Kopf. «Welche Hälfte suchst du denn? Der Oberkörper ist da hinten,» Der Ritter zeigte mit dem Daumen über seine Schulter. «und die untere Hälfte findet ihr da drüben, hinter den Büschen da.»

«Verfluchter Bast-»

«Nich, Hilda!» rief der Wildling aus, der Jon noch immer festhielt. «Der beschissne Knieende versucht bloss dich anzupissen. Und selbst wenn Tummer tot is, dann is er eben tot. Find doch n neun Schwanz, der dich ausfüllt.»

«Verflucht, der Hurensohn hats auch geschafft!» Kreischte die Wildlingsfrau als sie ihren Speer in die Richtung des maskierten Ritters stiess. «Worauf wartn wir noch? Wir sind viel mehr! Töten wir n Arschficker und dann hat sichs!»

Statt verschreckt zu sein, brach der mysteriöse Fremde plötzlich in Gelächter aus. «Oh wie amüsant. Ihr glaubt wirklich, dass ihr wegen eurer Überzahl im Vorteil seid? Wie ausserordentlich kurzsichtig von euch. Könnt ihr es nicht fühlen? Den Schauer der Angst, der euch den Rücken hinabläuft? Das Zittern eurer Hände? Oder vielleicht der warme Urin, der dem da hinten das Bein hinabläuft? Lasst es mich übersetzen: Es ist Furcht. Eure Körper haben es schon begriffen, dass ihr gerade eurem Tod gegenübersteht. Euer Geist ist bloss noch nicht bereit zu verstehen, was das bedeutet.»

Trotz der Situation, in der er sich befand, war Jon vor Ehrfurcht wie erstarrt. Dieser Ritter sah nicht so aus, als hätte er irgendeine Waffe bei sich. Kein Schwert. Kein Speer. Auch kein Bogen. Dennoch stand er da, allein und einer ganzen Gruppe von Wildlingen gegenüber. «So… genau so habe ich mir einen Ritter immer vorgestellt. Genau wie in den Geschichten, die Sansa immer hören will

«Ah zur Hölle damit!» Der Wildling, der Jon bisher gepackt hatte warf ihn zur Seite, als wäre Jon nicht mehr als ein Spielzeug. «Tötet n Schisser, schneidet ihm den Schwanz-»

Während Jon sich auf dem Boden umdrehte, hatte der Fremde es geschafft, die Distanz zwischen sich und den Wildlingen zu überbrücken und dem Anführer der Wildlinge die Faust tief im Magen vergraben. Jon war sich nicht sicher, ob er es richtig gesehen hatte. Nicht nur hatte sich der Fremde schneller bewegt, als Jon es je für möglich gehalten hätte, nein. Obwohl der Wildling sehr gross und kräftig war segelte er mehrere Schritte durch die Luft und prallte so hart gegen den Stamm eines nahestehenden Baumes, dass dieser unter der Wucht des Aufpralls brach und umfiel.

Die restlichen Wildlinge erholten sich trotz der Attacke schnell und einer von ihnen stiess einen lauten Schrei aus als er sich mit einem Speer auf den maskierten Ritter stürzte.

«Passt auf!» rief Jon.

Doch die Warnung war unnötig. Der Fremde drehte sich in einem seltsamen Winkel und wich dem Speer aus. Dann gab es plötzlich ein Geräusch, als hätte man ein glühendes Stück Eisen ins Wasser gehalten und plötzlich hielt der Fremde ein Schwert in der Hand. Die Klinge glühte rot und es wirkte, als bestünde sie aus reinem Feuer. Die Klinge fuhr mühelos durch die Brust des Wildlings und teilte den Mann sauber in zwei Hälften.

Der schnelle Tod von zweien ihrer Mitstreiter und der Anblick der seltsamen Klinge liess die Wildlinge innehalten. «Verdammt… Wie hat er n das so schnell gemacht? Und was im Namen der Götter isn das fürn… Ding!»

«Wen kümmerts?» Kam es von einem der anderen Wildlinge, welcher ein rostiges Schwert in der Hand hielt. «Wir tötn ihn und nehmen das Teil einfach! Na los, er kann uns nich alle gleichzeitig abwehrn! Töten wir den Scheisser!»

Für einen Moment fühlte Jon Verzweiflung in sich aufsteigen als die verbleibenden sechs Wildlinge sich auf den Fremden stürzten. Diese mysteriöse Gestalt war noch immer Jons einzige Hoffnung das alles zu überleben. Diese Verzweiflung verging allerdings sofort als der seltsame Ritter hoch in die Luft sprang, über dem Kopf der Wildlinge eine Rolle schlug und mit seinem Feuerschwert einem der Wildlinge den Kopf abschlug. Sobald der Ritter wieder auf dem Boden aufkam, bewegte er sich wieder und stiess die glühende Klinge einem weiteren Wildling durch die Brust.

Das Geschehen liess sich kaum als Kampf bezeichnen. Es ähnelte mehr einem Gemetzel und war vorbei, ehe Jon sich auch nur richtig hatte aufsetzen können. Der Fremde schien beinahe zu wissen, wo alles um ihn herum war und auch sein würde. Seine Bewegungen waren fliessend, wie Wasser! In einem Moment stand er an einem Ort und im Nächsten bog oder drehte er sich, um einer Waffe auszuweichen, ohne auch nur einen Moment zu zögern. Als Jon es endlich geschafft hatte sich aufrecht hinzusetzen, war bloss noch einer der Wildlinge übrig. Jon sah, dass es sich dabei um Ida, die Frau mit dem Bogen handelte. Sie hatte einen Pfeil an die Sehne gelegt und den Bogen gespannt. Jon zweifelte allerdings daran, dass sie ein Ziel getroffen hätte, selbst wenn es direkt vor ihr gestanden hätte. Ihre Arme zitterten stark und als der Fremde sich zu ihr umdrehte, warf sie den Bogen zu Boden und hob die Arme. «Gnade! Bitte, Herr! Bitte, Gnade, ich flehe euch an!»

Das zischende Geräusch erklang erneut und die Klinge aus Feuer verschwand wieder und der Fremde hielt bloss noch einen fremdartigen Griff in der Hand. «Wieso?»

Die beinahe gefühllose Art der Frage brachte Jon dazu sich umzudrehen. Die Tatsache, dass der Fremde den Griff seiner Waffe noch in der Hand hielt, löste Unruhe in Jon aus. «Er… Er wird die Kapitulation doch annehmen, ... oder? Vater sagt immer, dass es keine Ehre darin gibt, einen besiegten Feind zu töten… Er wird sie doch nicht verletzen, oder? Sie…Sie hat aufgegeben und keine Waffe mehr. Da ist doch kein Grund mehr sie zu verletzen!»

Die Wildlingsfrau hob langsam ihren Kopf, ihre Augen aufgerissen und flehend. «Bitte, Herr… zeigt Gnade! Ich… Ich werde mich nicht wehren! Macht mit mir was ihr wollt, ich werde mich nicht wehren, bitte! Bitte… zeigt Gnade!»

Der Fremde sagte nichts. Er stand bloss da, und schien die flehende Frau anzustarren. Jon konnte sein eigenes Herz in seiner Brust schlagen hören als er darauf wartete, was nun geschehen würde. «Er kann nicht… Er kann sie nicht einfach töten! Er… Er kann einfach nicht… Er ist ein Krieger! Ein… ein edler Mann. Man… Mann kann Feinde, die sich ergeben haben, doch nicht einfach töten… sogar, wenn sie Wildlinge sind.»

Jon war sich nicht sicher, wie lange die beiden sich anstarrten und ihn einfach völlig ignorierten. Nach einer Weile bewegte sich der Fremde auf die Frau zu. Diese machte zwei zittrige Schritte zurück und fiel schliesslich hin. Der Fremde hockte sich vor ihr hin und begann zu sprechen. «Erklär es mir.» Noch immer klang seine Stimme fremdartig und gefühllos. «Das Farmhaus, an dem ihr diese Woche vorbeigekommen seid, habt ihr dort Gnade gezeigt? Habt ihr dem Vater gegenüber Gnade gezeigt, als ihr ihn in Stücke gehackt und einzeln gekocht habt? Und wenn du bereit bist dich zu ergeben, dich mir hinzugeben und alles zu tun, was ich von dir verlange, warum hältst du dann deinen Dolch umklammert und wartest darauf, ihn mir in den Körper zu jagen?»

Jon musste blinzeln als seine Augen von der Gestalt zu der Frau wanderte. Er sah, wie sich ihr Gesichtsausdruck wanderte. Wo eben noch ein flehentlicher und verzweifelter Ausdruck zu sehen war, konnte man nun Wut und Hass sehen. Dann kam der Dolch zum Vorschein und bewegte sich auf die Kehle des Fremden zu. Ein weiteres Mal war das Zischen zu hören und die rote Klinge erwachte wieder zum Leben. Wieder schien die Klinge aus dem Nichts zu kommen und trennte den Arm der Frau am Ellbogen ab.

«Dies» sagte der Fremde ruhig als er sich wieder erhob und seine Waffe auf den Kopf der schreienden Frau richtete. «War deine letzte Chance. Hättest du nur einen Funken Bedauern gezeigt und natürlich nicht versucht mich zu töten, hätte ich es vielleicht in Erwägung gezogen dich nicht zu töten. Aber jetzt… jetzt werde ich dich töten. Sein froh, dass das Kind da drüben noch lebt und bei Bewusstsein ist, sonst würde das hier viel, viel länger dauern.»

Ohne auch nur kurz zu zögern bewegte der Fremde seine Klinge durch die Luft und trennte den Kopf der Frau von ihrem Körper und beendete ihr Leben und ihr Geschrei.

Jon konnte seinen Blick kaum von dem Kopf der Frau lösen. Es war nicht das erste Mal, dass er eine Enthauptung gesehen hatte. Sein Vater hatte ihn und Robb nur einen Monat zuvor das erste Mal mitgenommen, als er einen Deserteur der Nachtwache hatte hinrichten müssen. Möglicherweise war es die Tatsache, dass es sich um eine Frau und nicht um einen Mann handelte… oder es war wegen der rasche Übergang vom Flehen um Gnade zu ihrem letzten Angriffsversuch… oder vielleicht war es auch die Tatsache, dass es so schnell gegangen war, dass keine Zeit mehr für letzte Worte geblieben war. Woran auch immer es lag, Jon kam die Szenerie viel brutaler vor als die Exekution, welche sein Vater vollstreckt hatte.

Als Jon das unverwechselbare Zischen erneut hörte zwang er seine Augen weg von dem leblosen Gesicht am Boden und hin zu dem Fremden, der nun vor ihm stand. «Ich entschuldige mich für die Brutalität, mein Junge. Doch es blieb keine Zeit dir den Anblick zu ersparen. Doch nun solltest du schlafen.»

Jon wollte noch etwas antworten, er wollte sagen, dass er nicht müde sei, wollte eine der hundert Fragen stellen, die ihm durch den Kopf gingen, doch das ging nicht. Irgendwie hörte Jons Körper auf den Befehl des Fremden und um Jon herum wurde es dunkel als seine Augen zufielen. Jon dachte noch ein letztes Mal, dass er eigentlich nicht müde war, bevor es auch in seinem Geist dunkel wurde.



Nox kniete neben dem bewusstlosen Körper des Jungen, als er ihn vorsichtig umdrehte, um ihn anständig zu untersuchen. «Ein kleiner Schnitt an der Kehle, aber nichts Dramatisches. Er ist eindeutig erschöpft, so schnell wie er eingeschlafen ist. Ich musste nicht besonders viel Kraft in die Beeinflussung legen, um ihn schlafen zu schicken Dann kam Nox zu der Stelle, an der der Pfeil der Wildlinge sich in das Bein gebohrt hatte. Er untersuchte die Wunde und das Fleisch rundherum. «Die Pfeilspitze hat den Knochen angeritzt. Das wird etwas mehr brauchen, um ihn zu heilen. Aber er ist noch jung… und stark in der Macht. Sehr stark. Stark genug, dass allein schon seine Präsenz Beweis genug ist, dass wir weit von der Republik und vom Imperium entfernt waren. Keine Chance, dass den Jedi oder den Sith so ein Talent entgangen wäre. Solch ein vielversprechender Junge, selbst wenn er von einem primitiven Planeten ohne ausserweltliche Kontakte kommt, niemals hätte man zugelassen, dieses Talent zu verschwenden

Es war nun drei Tage her, seit Nox auf diesem rückständigen Felsen gelandet war. Naja, abgestürzt war, traf es wohl eher. Er hatte gewusst, dass ihm für eine richtige Landung der Treibstoff gefehlt hatte, also hatte er geplant nahe der Küste im Ozean zu wassern und dann an Land zu schwimmen. Doch es war anders gekommen. Der Eintritt in die Atmosphäre des Planeten war anders gelaufen, als erhofft. Ohne Navigationscomputer hatte er auf Sicht fliegen müssen. Als er seinen Fehler bemerkt hatte, war es schon zu spät gewesen und er hatte es gerade noch geschafft mit der Hilfe der Macht einen kleinen See auf einer Lichtung im Wald zu finden. Es hatte ihm fast alles abverlangt, doch am Ende hatte er es mithilfe der Macht geschafft, den Aufprall des Schiffes und die Wucht, welcher sein Körper ausgesetzt geworden war, abzufangen. Sein Schiff war anschliessend zwar endgültig Schrott gewesen, allerdings hatte es sich glücklicherweise nicht wie ein Stück Flimsiplast zusammengefaltet.

Nachdem er sich aus dem Schrotthaufen befreit hatte, hatte er sich einen Überblick über die Situation verschafft. Er hatte keine Möglichkeit mit dem Rest der Galaxis zu kommunizieren, er hatte kein Schiff mehr und war scheinbar auf einer präindustriellen Welt gestrandet. Das Einzige, was er noch hatte, war ein Überlebenspacket und einige persönlichen Objekte, welche er am Leib trug. Hinzu kam noch, dass das Überlebenspaket nicht gerade ergiebig war. Der eigentliche Pilot des Schiffes schien seine Pflichten vernachlässigt zu haben, da kaum die Hälfte der vorgesehenen Vorräte vorhanden waren. Der leere Platz in der Tasche war ihm allerdings gerade recht gekommen, hatte er so doch das gute Dutzend Lichtschwerter unterbringen können, welche er eingesammelt hatte, ehe er Darth Marrs Schiff verlassen hatte.

Da Nox mehr wissen wollte, hatte er sich am Ufer des Sees hingekniet und in eine machtinduzierte Trance begeben. Als allererstes hatte er nach Spuren von imperialer oder republikanischer Präsenz gesucht. Als er Nichts gefunden hatte, hatte er versucht mehr über diese Welt zu lernen. Seine Ahnungen bezüglich des Zustandes dieser Welt hatten sich bestätigt. Es gab tatsächlich kein Anzeichen nennenswerter Technologie und wieder hatte er gespürt, dass die Macht sehr stark war auf dieser Welt. Er konnte Flecken der Dunklen Seite der Macht spüren, diese waren allerdings über die ganze Welt verteilt. Diese Flecken fühlten sich allerdings nicht so an, als gehörten sie zu einzelnen Individuen. Vielmehr schienen sie zu einer Art von Kollektiv zu gehören. Dieses Kollektiv wollte er genauer erforschen, sobald sich ihm die Gelegenheit dazu bot.

Er wollte sich schon tiefer in die Trance begeben, um mehr Eindrücke aufzuschnappen, als seine Konzentration von einer Erschütterung der Macht gestört worden war. Es hatte sich wie ein Schrei nach Hilfe angefühlt. Mehr aus Neugier denn aus Pflichtgefühl war er dem Ruf gefolgt. Nun jedoch war er froh, dass er das getan hatte. Es geschah schliesslich nicht jeden Tag, dass ein Darth solch ein vielversprechendes, rohes Talent fand. Doch ehe er sich um eine mögliche Ausbildung des Jungen Gedanke machte, musste er ihn erst einmal heilen.

«Und da kommst du ins Spiel mein unglücklicher Freund.» sagte Nox als er sich umdrehte und langsam zu dem Anführer der Wildlinge herüberging, den er zu Beginn des Kampfes gegen einen Baum geschmettert hatte.

Der besagte Wildling versuchte gerade sich aufzurichten, doch fiel er wieder zu Boden, als die inneren Blutungen und die gebrochenen Rippen eine Schmerzwelle durch seinen Körper sandten. «Fick…dich…verfluchter…Knieender!»

Schnaubend ging Nox zu dem Wildling herüber und kniete vor ihm nieder. «Du magst das Wort, oder? Ficken, meine ich. Euer Freund, Tummer, nicht wahr? Ja genau, der mochte das Wort auch. Hat es mir die ganze Zeit über entgegengeschrien als ich seinen Geist durchsucht habe. Naja, der Prozess ist schliesslich auch ziemlich schmerzhaft. Zum Glück für ihn hat es nicht so lange gedauert. Und ein schwacher Geist bricht auch leichter und wird recht schnell nutzlos. Ich habe natürlich trotzdem einige Informationen bekommen, jedenfalls was eure kürzlichen Aktivitäten betrifft. Und wenn man bedenkt, was ihr letzte Woche getan hatten , kann man kaum sagen, er hätte es nicht verdient etwas zu leiden.

Bedauerlicherweise war das die Wahrheit. Die erste Person, der er auf seiner Suche nach der Erschütterung der Macht begegnet war, hatte ihn angeschrien und ihn mit einem Speer angegriffen. Es war fast schon Kinderkram gewesen, dem Angreifer den Speer wegzunehmen und ihm das Knie und den Arm zu brechen. Das Erforschen des Geistes eines anderen war zwar eine sehr dunkle Technik, doch war es eine, die aus der Mode gekommen war, da sie den Geist des Opfers brach und für jede weitere Verwendung nutzlos machte. Sie war allerdings hilfreich, wenn man auf einer primitiven Welt abgestürzt war und ein gewisses Grundverständnis der Geografie und der Sprache benötigte.

Der Wildling hatte zwar nur einige Momente durchgehalten, ehe er zu einer nutzlosen Hülle geworden war, doch in der Zeit hatte Nox ein Gefühl für die Sprache entwickeln können und zudem herausgefunden, dass er sich in einem Land befand, welches «Der Norden» zu heissen schien. Die Bezeichnung war zwar recht unoriginell, aber was sollte er schon sagen. Er hatte sich selbst ja «Nox» genannt, was Nacht bedeutete. Das war auch nicht gerade die Spitze der Originalität, was die Namen für einen Anwender der dunklen Seite der Macht anbelangte. Nox hatte ausserdem erfahren, dass sein Opfer Teil eines Volkes war, welches «das freie Volk» oder auch «die Wildlinge» genannt wurden und dass von nördlich der Mauer stammten. Er hatte es ausserdem nicht vermeiden können, zu erfahren, was sein Opfer und dessen Gefährten mit ihrer Zeit anfingen. Es war zwar nicht das Schlimmste, was er je gesehen hatte, doch wenn man seine Vergangenheit bedachte widerten ihn solche Dinge einfach an.

«Aber du, mein grosser Freund,» fuhr Nox dem Wildling zugewandt dann fort, «du wirst nicht so viel Glück haben.» Nox genoss kurz den Anblick der Furcht im Gesicht des grossen Mannes als dieser versuchte vor ihm zurückzuweichen. «Sieh mal, ich brauche dich noch für zwei Dinge. Einerseits muss ich den Jungen da drüben heilen und andererseits muss ich noch mehr über dieses Land erfahren.»

Als der Wildling die Sinnlosigkeit seines Fluchtversuches einsah, begann sich auf seinem Gesicht der Ausdruck des Hasses zu formen, an den sich Nox über die Jahre gewöhnt hatte. «Fick dich! Ich helf dir nich verfluchter Knieender!»

Nox grinste hinter seiner Maske, stand auf und liess seinen Nacken kreisen. «Glücklicherweise ist deine Kooperation auch nicht erforderlich.» Dann streckte Nox seine Hand aus und kanalisierte sie in seinem Arm. Schnell wurde eine Ansammlung der Dunklen Seite sichtbar, die um seine Hand und den Arm herumzufliessen begann. «Ashara würde… nicht besonders erfreut sein, hierrüber. Zu deinem Pech wurde mir das Licht meines Lebens schon vor einer ganzen Weile geraubt. Und wenn man bedenkt, was ihr denen angetan habt, welche nicht in der Lage waren sich selbst zu verteidigen… naja, sagen wir einfach ich fühle mich gerade nicht besonders gnädig.

Er senkte seine Hand aus und die Ansammlung der dunklen Seite floss nach vorne und umgab den Wildling. Beinahe sofort fing der Wildling an vor Schmerzen zu schreien und zu winseln als Nox die Lebenskraft des Mannes aufsaugte und damit die Verletzung des bewusstlosen Jungen versorgte. Währenddessen schöpfte er ausserdem noch alles an Wissen aus dem Kopf des Mannes ab, was er erreichen konnte.

«Versuch doch bitte nicht so laut zu schreien, Abschaum!» Herrschte Nox den Wildling an, und fuhr dann ruhiger fort: «Der Junge da drüben braucht seine Ruhe nach alledem. Es wäre doch recht unhöflich von dir ihn aufzuwecken.



Lord Eddard Stark kniete am Boden und begutachtete sorgfältig die kleinen Fussspuren, welche sich im Schlamm am Waldboden abzeichneten. In der kalten Luft des Nordens war sein Atem deutlich zu sehen. Das erinnerte einen immer wieder daran, dass die Kälte nie ganz aus dem Norden schwand, obwohl der Winter nach dem Urteil der Maester offiziell geendet hatte. «Und auch eine Erinnerung, warum wir Jon schnell finden müssen. Er ist zwar aus dem Norden, doch selbst die härtesten Männer können von einem Frühlingsfieber dahingerafft werden

«Mein Lord, habt ihr etwas gefunden?» fragte Jory Cassel, der Neffe von Ser Rodrik Cassel, der erst kürzlich zu einem der Hauptmänner der Wache von Winterfell ernannt wurde, als er sich neben Eddard hinkniete, um die Spuren ebenfalls zu untersuchen.

«Aye,» nickte Eddard ihm zu und berührte die Fussspur vorsichtig. «Diese Spur stammt nicht von einem Tier und auch nicht von einem vollausgewachsenen Mann. Sie ist zu klein. Nein, diese Spur gehört zu einem Jungen.»

Jory leckte sich die Lippen als er nickend zustimmte. «Jon,» fügte Jory dann hinzu und sprach damit aus, was Eddard dachte. «Die Spuren sehen frisch aus, mein Lord. Weniger als einen Tag alt… einen halben Tag, möglicherweise. Wir holen auf.»

«Aye,» sagte Eddard wieder, als er sich wieder erhob und in die Richtung starrte, in die die Spuren führten. Die Spur führte sie tiefer in die unerforschten Weiten des Wolfswaldes hinein.

«Er ist noch am Leben, mein Lord,» erklärte Jory als er neben seinen Lord trat. «Wir werden ihn finden, mein Lord, ich schwöre es.»

Eddard nickte wieder als er schweigend in die Tiefen des Waldes blickte, während Jory zurückging, um die Männer zu sammeln. Die Welle der Verzweiflung, die schon in ihm tobte, seit er Jons Verschwinden bemerkt hatte wuchs immer weiter an, trotz des Lebenszeichens, welches sie gefunden hatten. «Das ist mein Fehler.» Dachte er für sich selbst, als auch er zu den anderen zurückging. «Ich hätte Jon besser zuhören sollen. Es war spürbar, dass er sich in Winterfell zunehmend unwohl gefühlt hat. Und dann kommen auch noch diese verdammte Septa und ihre grausamen Ansichten zum Thema Bastarde dazu. Ich hätte merken müssen, dass er sich irgendwie beweisen wollte. Und dass ihm dieser seltsame «fallende Stern» die perfekte Gelegenheit dazu bieten würde

All dies war jedoch noch nicht einmal das Schlimmste. Was Eddard wirklich zur Verzweiflung trieb, war, dass es beinahe einen ganzen Tag gedauert hatte, ehe er oder sonst irgendjemand in Winterfell überhaupt bemerkt hatte, dass Jon fehlte. Erst als Jon nicht zum Abendessen erschienen war, hatte er einen der Diener losgeschickt, um den Jungen zu holen. Als der Diener dann zurückgekehrt war, hatte dieser ihm berichtet, dass Jon nicht in seinen Räumen zu finden sei und dass niemand den Jungen den ganzen Tag über gesehen hatte. Als Ned endlich begriffen hatte, dass Jon verschwunden war, hatte er sich noch verzweifelter gefühlt als an dem Tag, an dem er ihn in jenem Turm in Dorne das erste Mal in den Armen gehalten hatte.

Ned hatte sofort einen Suchtrupp zusammengestellt. Cat hatte ihn noch davon überzeugen wollen, die Suche nicht selbst anzuführen, doch er hatte nicht im Traum daran gedacht, das nicht zu tun. Wieder einmal hatte Ned gespürt, dass seine Zuneigung zu Jon ein wunder Punkt in ihrer ansonsten glücklicher Ehe war. Er hatte einen kurzen Moment sogar daran gedacht ihr in diesem Moment die Wahrheit zu sagen, doch wieder waren ihm die Worte nicht über die Lippen gekommen. «Ich muss ihn beschützen. Ich habe ihr geschworen, dass ich es tun würde. Sein bester Schutz ist und bleibt seine Anonymität. Je weniger Leute die Wahrheit kennen, desto besser. Es würde nichts Gutes bewirken, würden bekannt werden, wer er wirklich ist.»

Wenig überraschend hatte Robb den Suchtrupp begleiten wollen. Als Ned die Truppe hatte aufbrechen lassen wollen, hatte sich sein Sohn auf dem Rücken eines Pferdes befunden und die Befehle seiner Mutter, welche ihm befahl abzusteigen, geflissentlich ignoriert. Jon und Robb waren zu Neds Freude wie richtige Brüder, obwohl sie in Wahrheit lediglich Cousins waren. Sie hatten den grössten Teil ihres bisherigen Lebens gemeinsam verbracht und teilten so gut wie alles miteinander. Tagsüber lernten sie gemeinsam und zwischendurch und abends spielten sie zusammen. Sie teilten eine starke Verbindung… trotz Cats Versuche sie voneinander fernzuhalten. Es hatte Ned einige Zeit gekostet seinen Sohn davon zu überzeugen, dass er zurückbleiben musste, dass er noch zu jung war und dass sie zu schnell unterwegs sein würden, als dass er würde Schritt halten können. Am Ende hatte er gesagt, dass er Robb in Winterfell brauchen würde, schliesslich musste es immer einen Stark in Winterfell geben. Das Pflichtgefühl seines Sohnes hatte letztlich die Oberhand gewonnen und er war zurückgeblieben.

Es war recht einfach gewesen, herauszufinden in welche Richtung sich Jon bewegt hatte. Der Junge hatte schliesslich fast den ganzen Tag vor seinem Verschwinden über den Stern gesprochen, der in den Wolfswald gefallen sei. Das war allerdings nur der Anfang gewesen. Einen kleinen Jungen in so alten und dichten Wäldern wie dem Wolfswald zu finden, war die wahre Herausforderung. Sie hatten ihre Pferde bereits am ersten Tag zurücklassen müssen, als sie eine Spur gefunden hatten, welche anzeigte, dass Jon den Pfad verlassen hatte und tiefer ins Unterholz vorgedrungen war. Das war nun schon zwei Tage her und sie hatten Jon noch immer nicht gefunden.

«Ihm muss mittlerweile die Verpflegung ausgegangen sein,» dachte Ned, als er seine Begleiter dabei beobachtete, wie sie ausschwärmten, um nach Spuren zu suchen, sich aber dennoch nicht so weit voneinander entfernten, dass sie einander aus den Augen hätten verlieren können. «Und wenn er keine Wasserquelle gefunden hat, wird ihm das auch bereits ausgegangen sein. Wir müssen ihn finden, wir müssen ihn bald finden.»

Ned tat es seinen Männern gleich, als er die Bäume und Büsche um sich herum betrachtete und nach Spuren seines Neffen suchte. «Wie viel weiter glaubt ihr kommt er noch, mein Lord?» kam es von Jory als sie die Suche fortsetzten. «Die Starks seid aus hartem Holz geschnitzt, mein Lord, doch Jon ist dennoch nur ein sechs Jahre alter Junge. Es ist bereits erstaunlich, dass er es mit nur wenig Vorräten und ganz auf sich gestellt überhaupt soweit geschafft hat. Aber selbst ein ausgewachsener Mann müsste nun irgendwann langsamer werden. Euer Sohn ist wirklich ein aussergewöhnlicher Junge.»

Jory lag nicht ganz falsch. Ned hatte erwartet innerhalb eines halben Tages zu Jon aufzuschliessen, oder vielleicht innerhalb eines ganzen Tages. Doch nun waren sie ihm bereits seit drei Tagen auf der Spur und schienen immer noch weit hinterher zu sein. Wäre Ned nicht so besorgt gewesen und hätte er nicht solche Angst um das Leben seines ‘Bastardsohns’ gehabt, wäre er wohl stolz auf den Jungen gewesen.

Seit der Sichtung der letzten Spur war beinahe ein halber Tag vergangen, als einer seiner Männer ihm plötzlich zurief: «Lord Stark! Wir haben etwas gefunden!»

Ned rannte sofort zu dem Mann herüber, während die anderen Männer Mühe hatte mit ihm Schritt zu halten. «Bitte lasst es Jon sein. Bitte ihr Götter des Nordens, lasst ihn wohlauf sein.» Leider waren seine Gebete nicht erhört worden, wie er feststellte als er bei dem Wachmann eintraf, welcher nach ihm gerufen hatte. Ned betrat ein unordentliches Camp auf einer kleinen Lichtung. Zwei seiner Wachen waren gerade damit beschäftigt die Zelte in Augenschein zu nehmen, während ein dritter die Hand über die Überreste des Lagerfeuers hielt, um es zu untersuchen. «Die Glut ist noch warm, Lord Stark.» erklärte die Wache, sobald er Eddard bemerkte.

Eddard nickte und sah sich im Camp um. Das einfache Volk des Nordens würde es nicht wagen so weit in den Wolfswald vorzudringen und dort ein Lager aufzuschlagen. Die Gefahr zu erfrieren oder von Tieren angegriffen zu werden war abseits der Strassen viel zu gross. Das bedeutete, dass die Bewohner des Lagers die Wege und Strassen mit Absicht gemieden hatten. Es konnte sich also nur um eine von zwei Arten von Leuten handeln und keine davon war erfreulich. «Ausschwärmen.» befahl Ned, als auch er zur Glut herüberging. «Sucht nach Spuren. Jemand hat dieses Lager schnell verlassen, ich will wissen, wohin sie gegangen sind.»

«Ja, mein Lord!» riefen seine Wachen, bevor sie sich in der Nähe auf die Suche machten.

«Mein Lord,» sagte Jory langsam als er neben Eddard trat. «Es gibt nur zwei Arten von Leuten, die so weit von der Strasse entfernt ein Lager aufschlagen würden. Banditen und-»

«Wildlinge.» beendete Ned den Satz seines Hauptmannes. «Ich weiss, Jory.»

Er konnte das Zögern in der Stimme seines Hauptmannes hören, als dieser seinen nächsten Satz begann. «Mein Lord, wenn sie Jon vor uns gefunden haben-»

«Ich weiss,» unterbrach Ned den Mann. «Versprich es mir Ned» «Aber ich weigere mich es zu glauben, ehe ich es nicht selbst gesehen habe. Mein Sohn lebt, Jory. Ich weiss es einfach.»

«Mein Lord!» rief in dem Moment eine der Wachen und unterbrach damit ihre Unterhaltung. «Die Spuren führen nach Westen, mein Lord! Eine kleine und mindestens sechs grosse. Die müssen gerannt sein!»

Ned brauchte nur einen kurzen Blick mit Jory auszutauschen. Der Hauptmann seiner Wache zog sein Schwert aus der Scheide und rief den Befehl: «Zu den Waffen, Männer! Zeigen wir den Pissern was ihnen blüht wenn sie es wagen einen Wolf zu jagen!»

Nun griffen auch die anderen Männer zu den Waffen und äusserten ihre Entschlossenheit. Ned starrte nur weiterhin schweigend in den Wald hinein. Die Geräusche des Waldes, des Windes und der Tiere um sie herum verstummten in seinem Kopf, bis er nur noch die Stimme seiner seit verstorbenen Schwester hören konnte. Es waren die immer gleichen Worte, die sich in seinem Kopf wie ein Mantra wiederholten. «Versprich es mir, Ned. Versprich es mir.»



Darth Nox sass auf dem Stumpf eines umgefallenen Baumes. Der Dunkle Lord der Sith dachte still über die Situation nach und lauschte auf die Geräusche des kleinen Feuers, welches er entfacht hatte. Ihm gegenüber hatte er den Jungen abgelegt und darauf geachtet, die Wunden nicht zu berühren, die er gerade geheilt hatte. Der Junge war stark in der Macht. Komplett untrainiert zwar, doch mit gewaltigem Potenzial. Eine kurze Untersuchung mit der Macht hatte ihm verraten, dass der Junge seit Tagen nichts mehr gegessen hatte, dennoch war er noch in der Lage gewesen, sich weit über das normale Mass für ein Kind seines Alters hinaus weiterzutreiben. Damit war es dem Jungen möglich gewesen, über seine körperlichen Grenzen hinauszugehen. Der Junge hatte damit bewiesen, dass er selbst ohne Training in der Lage war, sich mit der Macht aufrecht zu halten. Das war sehr aussergewöhnlich. Mit dem angemessenen Training könnte das Kind eines Tages möglicherweise so stark werden, wie Nox selbst es war. Es war also nicht die Entscheidung, ob er in der Nähe des Jungen bleiben wollte, welche ihn beschäftigte, sondern die Frage was er jetzt tun sollte.

Er könnte den Jungen einfach nehmen und verschwinden. Die Idee gefiel ihm allerdings nicht besonders. Er hatte keine angemessene Machtbasis auf diesem Planeten, wohin also sollte er den Jungen mitnehmen. Nein. Einfach zu verschwinden war keine Option.

Nox hielt in seinen Überlegungen an und betrachtete den Jungen erneut durch die Macht. Obwohl diese Welt eindeutig präindustriell zu sein schien, war der Junge recht gepflegt. Seine Zähne waren sauber und seine Haut und Haare wiesen kaum mehr Dreck auf als es nach mehreren Tagen im Wald zu erwarten gewesen war. Hinzu kamen noch die Schwielen auf seinen Händen, welche eindeutig nicht von harter Arbeit herrührten. Weiterhin war seine Kleidung nicht wie die der Wildlinge aus einem wilden Gemisch aus Fellen zusammengesetzt, sondern schien speziell für ihn angefertigt zu sein. Es war also möglich, dass er von einer mächtigen Familie abstammte.

«Das könnte die Lösung sein» dachte Nox als er sich mit der Hand über das Kinn fuhr. «Wenn man die Entwicklungsstufe dieser Welt betrachtet, könnte mir das den nötigen Einfluss verschaffen. Den Sohn eines Lords zu retten könnte mir kurzfristig einen Platz in ihrer Welt verschaffen. So könnte ich einen Fuss in die Tür kriegen, um es mal direkt zu formulieren. Mit der Zeit könnte ich einige Konzepte der modernen Technologie vorstellen, Wissenschaft, Landwirtschaft und Philosophie. Zwar nicht gerade der ideale Weg und es wird eine ganze Weile dauern, aber…. So könnte ich möglicherweise die Machtbasis aufbauen, die ich brauche. Möglicherweise gelingt es mir sogar einige vielversprechende Akolythen um mich zu sammeln. Ja… Das ist der beste Weg.»

Nox fühlte eine kleine Erschütterung der Macht und streckte seine Sinne aus, um die Quelle zu finden, bevor er unter seiner Maske grinsen musste. «Na wenn das mal nicht passend ist.» Etwa ein Dutzend Männer sind auf dem Weg hierher. Einer von ihnen…er hat definitiv…eine familiäre Verbindung mit dem Jungen. Keine direkte zwar, aber es besteht definitiv eine Verbindung. Gut. Das kommt gerade recht. Naja, ich schätze es ist an der Zeit wieder einmal das Spiel zu spielen





So, das war also das erste Kapitel.

Zum Abschluss noch folgendes: Die Kapitel der ursprünglichen Geschichte sind meist sehr lang und ich habe neben der Übersetzung dieser Story auch privat einiges zu tun, gerade jetzt, wo es im Studium auf die Prüfungen zugeht, kann es jeweils ein bisschen dauern, bis neuer Lesestoff kommt.

Solltet ihr mich motivieren wollen, möchte ich euch nahelegen mir ein Review dazulassen, das wirkt motivierend auf mich.
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